Getty Center

Jetzt muss ich aber los. Eigentlich wollte ich zur Dämmerung am Getty Center sein, von dort den Blick über die Stadt genießen. Das werde ich nicht mehr ganz schaffen, es dämmert nur kurz hier zur Zeit, dann ist es zappenduster. Also kein Stress, und so nehme ich statt dem Freeway den Wilshire Blvd, der mich durch Beverly Hills am Rodeo Drive vorbeiführt.

Und so cruise ich hier einmal den Rodeo Drive rauf und wieder runter, vorbei an Gucci und Versace. Jetzt bloß nicht eines der am Rand parkenden Autos anfahren, könnte teuer werden. Ziemlich ausgestorben hier, die Läden haben wohl offen, aber die Klientel hat ja die ganze Woche Zeit zum Shoppen, und am Samstagabend wohl Besseres zu tun. Mag auch sein, dass man sich bei einigen der Geschäfte hier vorher telefonisch anmelden muss, und dann durch den Hintereingang hineingelangt. Auf jeden Fall sind hier im Gegensatz zum Rummel auf dem Farmer’s Market kaum Leute unterwegs. Nur ein paar Touristen fotografieren verzweifelt die Rodeo Drive Straßenschilder, denn ansonsten gibt es hier nix zu sehen.

Zu guter Letzt cruise ich am ehrwürdigen Beverly Wilshire Hotel und am Beverly Hilton vorbei und folge dann den Anweisungen meines Navi’s zum Getty Center. Mit etwas Glück könnte es noch nicht ganz dunkel sein, wenn ich ankomme.

Das Getty Center liegt extravagant auf einem Hügel nahe des Freeway 405. Mein Navi führt mich vorbei am sich stauenden Verkehr – super – und auf die Getty-Zufahrt zu. Leider leitet es mich aber nicht zum Parkhaus, sondern zum geschlossenen Lieferanteneingang, na toll. Beschildert ist die Zufahrt offenbar nur vom Freeway aus, nur wie finde ich da jetzt zurück? Also begebe ich mich auf eine halbstündige Irrfahrt durch Bel Air – vorbei an Villen und hohen Hecken, bis ich wieder zum Sunset Blvd zurück finde, die Auffahrt auf den Freeway verpasse, nach einer Meile die erste Wendemöglichkeit und dann auch endlich den Freeway finde, und so erreiche ich eine Stunde vor Torschluss und im Stockdunklen das Getty Center.

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Von all dem lasse ich mir die Stimmung trotzdem nicht verderben, nehme noch ein bisschen den Blick über die Umgebung (weit reicht der Blick heute Abend leider ohnehin nicht, da am Nachmittag etwas Dunst aufgezogen ist), und die sagenhafte Architektur des Getty Center mit, und mache mich schließlich wieder auf den Heimweg zum Hotel.

Selbigen finde ich deutlich besser als den Hinweg – nur eine geschlossene Auffahrt und drei Meilen Umleitung später bin ich wieder auf der 405 South. Kurz vor dem Hotel – auf der anderen Seite des Freeway – muss ich noch einem Fahrzeug ausweichen, das mit weit aufgerissener Türe am Straßenrand steht. Die Cops halten den Fahrer auf dem Gehweg in Schach. Da fahr ich mal lieber zügig weiter.

Der Strom ist wieder da! So muss ich nicht die elf Stockwerke zu Fuß rauf, prima.

Während ich dies hier tippe, kreist der Polizeihelikopter gegenüber des Freeway, den Kegel seines Suchscheinwerfers fix auf eine Stelle gerichtet. Es ist Samstagnacht. Ich bin in L.A.

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