Frühsport

So, als Erstes gilt es nun die Frühstückskalorien wieder abzutrainieren. Also ab zum Muscle Beach, wohin sonst. Die meisten Sportgeräte sind am frühen Morgen noch frei, und wir starten unser Workout wie gewohnt an den Ringen. Schnell erreichen wir Begeisterung und Aufmerksamkeit beim Publikum, dennoch lassen wir die Oberteile an. Wäre ja noch schöner.

Wie es so ist in den USA werden wir umgehend von einem der wenigen Trainierenden, einem Afro-Amerikaner, angesprochen. Anstatt uns missbilligende Blicke zuzusenden, ernten wir aufmunternde Zurufe des Herrn, der gerade am Reck trainiert. Wir gehen zu ihm hinüber, fragen ihn, ob er sonst auch an den Ringen arbeitet. Früher schon, erfahren wir, aber er ist nun schon über 60 und will es nicht mehr übertreiben? Über 60? Entweder der lügt, oder es ist einfach unfassbar. Mit seinen Oberarmen aus Stahl zieht er sich wieder und wieder am Reck hoch, ohne mit der Wimper zu zucken.

Er erklärt uns, dass er früher alles ausprobieren musste, Alkohol, Rauchen, Drogen, und wie der Sport ihm da herausgeholfen hat. Auch die Vorzüge der Fitness auf sein Eheleben lässt er mit einem breiten Lachen nicht unerwähnt. Er selber war im Korea-Krieg, sein Sohn ist gerade aus Afghanistan zurück, und jetzt in Deutschland stationiert. Er will ihn unbedingt mal besuchen, und bei der Gelegenheit natürlich die Concentration Camps besichtigen. Naja, jeder hat so seine Vorstellung von den Touristenattraktionen bei uns. Es gibt auch Schönes bei uns in Bayern, nur mit den Stränden sieht’s ein bisschen mau aus, entgegnen wir und beenden dann unseren Morgen-Workout. Der Smalltalk mit wildfremden Menschen hier ist doch immer wieder ein Erlebnis. Ein schönes.

20130426-222911.jpg

20130426-222924.jpg

20130426-222933.jpg

One thought on “Frühsport

  1. Oh Gott, erlebt ihr da gerade schöne Dinge!!!
    Nebenbei ein großes Kompliment an den Autor und den Co-Fotografen. Danke für das Teilen der Reiseerlebnisse mit mir (höre gerade John Denver nebenbei und lasse mich von eurem USA-Reisegefühl infizieren).
    Liebe Grüße an dich, lieber Oli, und an deinen Reisebegleiter Thomas!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.