Ilwaco und Oysterville

In Ilwaco, dem Hafen am Südende der Halbinsel, übernachten wir zum Glück fern ab des Trubels in einem gemütlichen B&B. Das Haus ist wunderschön, die Pension ist untergebracht in einer um 1860 gebauten Kirche, später Schulhaus, später Tanzsaal, jetzt buchbar für Hochzeiten. Hier werden wir freundlich empfangen, erhalten von dem Inn Keeper noch einige Tipps für den Abend, und das Frühstück ist auch lecker (Waffeln!). Was will man mehr…

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Gleich nach dem schon erwähnten Waffelfrühstück brechen wir auf, denn für heute ist schönes Wetter vorhergesagt. Trotzdem ist am Morgen noch alles in dichten Nebel gehüllt, wir sind eben an der Küste. Doch schon nach unserer ersten kurzen Leuchtturm-Wanderung reißt der Himmel auf und wir durchfahren noch das alte kleine Städtchen Oysterville im Norden der Peninsula.

Der Ort wurde gegründet, nachdem der ansässige Indianerhäuptling unvorsichtigerweise einem Weißen die Austernbänke in der Bucht gezeigt hat. Die Kirche war seinerzeit eine der modernsten, sogar mit großem Taufbecken, das mit Pumpen gefüllt werden konnte. Nur den Ablauf hatte man vergessen – das Becken wurde nach der Taufe mit einer Eimerkette durch die Gemeinde wieder geleert. Auch heute werden hier noch Austern gezüchtet, die Verkaufsstellen sind leicht zu erkennen an mannshohen Haufen leerer Muscheln vor der Türe.

Naiv wie wir eben sind, hatten wir in Oysterville einen kleinen Ortskern, vielleicht auch ein paar Läden oder Galerien erwartet, aber tatsächlich stehen hier nur in weiten Abständen die uralten, aber wunderhübschen Holzhäuser der ersten Siedler, alle noch bewohnt und mit traumhaftem Blick auf die Bucht, dann noch Kirche, Schulhaus und die Cannery (also die Fischfabrik, wo heute frische Austern verkauft werden), und das war’s. Der Amerikaner steigt zur Besichtigung nicht mal aus, die Erklärungsschilder sind auf Autofensterhöhe angebracht. Wir spazieren von Haus zu Haus und genießen das den traumhaften Morgen. Den alten Friedhof besichtigen wir dann wieder ganz amerikanisch: Wir fahren mit dem Auto durch. Muss wohl so. Ist aber ungewohnt. Hier liegt übrigens auch der Indianerhäuptling begraben, der den Siedlern die Austernbänke zeigte. Die hatten wohl verstanden, dass sie ihren Reichtum (die Austern wurden bis nach Californien verschifft) nur ihm verdankten. Ein Indianer auf einem christlichen Friedhof, ich bin mir sicher, das gibt es nicht so oft auf diesem Kontinent.

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Auch hier wachsen die Moose übrigens wo sie nur können:

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Und letztlich will ich nicht verschweigen, dass wir in Long Beach auch an der Cappuccino-Front fündig wurden: Die Long Beach Coffee Roasters rösten selbst, und das schmeckt man dann auch. Mmmh.

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