Unterwegs nach College Station

Auf die Rechnung vom Mietwagenvermieter bin ich gespannt. Nach College Station sind es zwei Stunden Fahrt, egal ob von Houston, Dallas oder Austin. „In the Middle of Nowhere“ trifft hier also ziemlich exakt zu. In Houston führt der Freeway viele Spuren breit über und unter zahlreichen Rampen, Autobahnauf- und abfahrten und Viadukten vorbei. Ohne Navigation wäre ich hier verloren. Auch mit Navigation fühle ich mich etwas verloren. An einigen Baustellen wird die Straße noch ein oder zwei Etagen höher verlegt, und es ist schwer auszumachen, welche der Abfahrten der Navi nun meint, zeitweise kennt er die Streckenführung noch gar nicht. So gelingt es mir selbstverständlich, nachdem ich aus der Stadt gerade heraus bin, versehentlich auf eine privat betriebene Bezahlautobahn (einen Tollway) zu geraten, den es im Navigationsgerät einfach noch gar nicht gibt. Und der Tollway führt – ganz genau – wieder zurück in die Stadt. Zum Glück gibt es nach einigen Meilen auf der frisch eröffneten Strecke eine Abfahrt. Hier drehe ich um, bin aber vorher natürlich schon unter den Geräten vorbeigefahren, die die Maut unerbittlich erheben, indem sie ein in der Windschutzscheibe klebendes Toll Tag per Funk erfassen. Laut Mietvertrag habe ich durch diesen kleinen Umweg – natürlich zusätzlich zur Maut – eine Gebühr von 5$ ausgelöst, die der Vermieter dann aber für den gesamten Mietzeitraum gleich täglich (!) erhebt. Na vielen Dank.

Aber gut, hilft jetzt nix – wieder zurück auf den Freeway, und diesmal nehme ich die richtige Spur.

Amüsant übrigens, wie dieser frisch gebaute Tollway noch aussieht. Rechts und links der Fahrspur liegt fünf Zentimeter hoch Schutt und Kies auf der Fahrbahn, auch die allgegenwärtigen geplatzten Reifen liegen hier schon rum. Zuhause ist seit einem Jahr Tempo 80 auf unserer Umgehung, wegen „neuem Fahrbahnbelag“. Ich lach mich tot. Und würde man einem Ami erzählen, dass bei uns geplatzte Reifen im Radio durchgesagt werden – er würde das schlichtweg nicht verstehen.

Unterwegs überhole ich einige Schwertransporte, die neue Betonteile zum Höherlegen weiterer Autobahnen anliefern. Was zuhause unter massivem Polizeieinsatz nur zwischen drei und vier Uhr nachts – und selbstverständlich nur bei Schritttempo – möglich wäre, rollt hier einfach mitten durch den Berufsverkehr. Abgesichert durch ein paar mitfahrende Begleitfahrzeuge – stinknormale Pkw mit einem gelb-schwarzen Bettlaken über der Kofferraumhaube. So einfach geht das. Später überholt mich gar ein ca. 30 Meter langes Propellerblatt auf einem Tieflader – bei Tempo 80 mph – also guten 120 km/h. Sportlich.

Landschaftlich ist die Fahrt hübsch, aber eintönig. Links der Straße Farmland, grüne Wiesen und Rindviecher. Rechts der Straße ebenso. Ganz leicht hügelig, sodass man nicht weit in die Ferne blicken kann. Irgendwann erheben sich dann imposant die Türme der Studentenstadt College Station aus dem Nichts – es sind deren Wassertürme. Das College wurde schon im 19. Jahrhundert gegründet, an einem Ort, an dem es vorher nur eine namenlose Bahnstation gab. Da man verpasste, dem Ort einen Namen zu geben, übernahmen das die Schaffner, die als nächste Station eben „College Station“ ansagten. Heute leben hier über 50.000 Studenten und jeder Kettenladen des Landes hat eine Filiale an der Zufahrt zum Campus aufgemacht. Der Zug hält schon lang nicht mehr, dafür unterhält die Uni ihren eigenen Flughafen mit täglicher Anbindung an Dallas und Houston. Ansonsten wäre noch die George Bush Bibliothek mit angehängtem George Bush Museum hervorzuheben – der ganze Stolz der Universität. Sie liegt gleich hinter dem George Bush Field, am Ende des George Bush Parkway. Leicht zu finden. Wenn man denn hin will.

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