Regen, Wald und Eisenbahn

Aufwachen in Revelstoke, Blick aus dem Fenster: Es ist trocken. Blick auf den Wetterbericht: Es wird nass werden.

Erste Station auf unserer Weiterfahrt: Ein Wanderweg durch großblättrige Riesenstinkkohlfelder. Der Skunk Cabbage Trail führt auf Holzbohlen durch den Sumpf und tatsächlich wächst hier eine Menge Riesenkohl mit Blättern, die bis zu einem Meter messen. Glücklicherweise stinkt er gar nicht (zumindest nicht aus der Ferne). Kaum haben wir das warme Auto verlassen, fängt es natürlich an zu regnen. Zurück am Parkplatz war der Regen ganz schön heftig – die Hosen zum ersten Mal für heute nass. Rein ins Auto und weiter. Sind ja nicht aus Zucker.

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Beim nächsten Trail warten wir erstmal eine Weile, bis der heftige Schauer vorüber ist, dann drehen wir die Runde durch hohe Hemlock-Tannen und Rotzedern (nein, nicht der Rotz-Eder, sondern die Rot-Zeder). Schöner Weg durch verwunschenen Urwald. Die Hose das zweite Mal nass. Aber wir sind ja nicht aus…

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Na gut. Wir geben erstmal auf. Fahren zurück nach Revelstoke und besuchen dort das Eisenbahnmuseum. Auf dieser Reise werden wir unversehens zu Eisenbahnfachleuten. Hose trocknet.

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In der Dampflok schiebt heute ein pensionierte Lokführer Schicht, der uns seinen früheren Arbeitsplatz zeigt und alle unsere Fragen beantwortet. Simone darf auch mal auf seinem Platz sitzen.

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Der Regen macht Pause und wir sehen uns noch die großen Schneepflüge an, mit denen die Strecke durch die Rockies freigehalten werden. Die haben wir auch vorher schon im nahen Eisenbahndepot parken sehen. Technisch hat sich da in den letzten 100 Jahren nicht viel verändert.

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So wurde also früher für die Besiedlung Kanadas geworben: mit schlüsselfertigen Farmen.

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Mittlerweile scheint gar die Sonne in Revelstoke und wir lassen uns im Café LaBaguette einen lecker Cappuccino machen und zwei Bagels belegen.

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Die hausgemachten Chocolate Truffels haben uns dann noch angelacht und angefleht, mit nach Westen genommen zu werden.

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Und da fahren wir jetzt auch hin, weiter nach Westen, durch den Glacier National Park.

Zwei weitere Wanderwege führen uns unter hohen Tannen und über glitschige Felsen, aber immerhin bleibt die Hose jetzt trocken.

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Ab und zu geben die Wolken auch mal den Blick auf die Eisfelder über uns frei.

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Der Blue Jay wird nicht umsonst auch „Picknick Bird“ genannt. Dieser hat gerade ein Stück Mandarine ergattert.

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Auf der Passhöhe des Rogers Pass gönnen uns die Wolken wieder im richtigen Moment den Blick auf die Bergwelt.

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Und im Visitor Center sehen wir uns am Modell an, wie ausgesetzt die Bahnstrecke über den Rogers Pass verläuft. Fast die Hälfte wurde mittels Verbauungen vor Lawinen geschützt.

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Was leider nicht immer ausreichte. Ein Mahnmal am Rogers Pass gedenkt Dutzenden Toten einer Lawine auf der Passhöhe, die einen ganzen Zug verschüttete. Ein Panorama zeigt die Rettungsarbeiten.

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Wir verlassen die Passhöhe in Richtung Golden, einem kleinen Ort zwischen dem Glacier und dem Yoho National Park, wo wir uns heute bei Lynn eingemietet haben, die einige Kilometer vom Ort entfernt ein traumhaftes Bed & Breakfast betreibt. Lynn ist Schottin, Ihr Mann Schweizer (und Zimmermann), was lag da näher, als in dieser wunderschönen Umgebung eine kleine Lodge zu bauen und schottische Hochlandrinder zu züchten. Wir fühlen uns jedenfalls sofort zuhause.

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Da wir auf dem Pass auch die Zeitgrenze von Pacific zu Mountain Time überschritten haben, sind wir der Heimat jetzt schon wieder eine Stunde näher. Die Stunde fehlt uns heute Abend aber irgendwie, also schnell aus den feuchten Klamotten raus, Abendessen und ins Bett.

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