Auf dem Icefields Parkway nach Süden

Der zweite Versuch. Auf unserer Fahrt auf dem Icefields Parkway nach Jasper hatten wir ja Sicht gleich null, also setzen wir auf den heutigen Tag – die Rückfahrt nach Süden steht an. Wir stimmen uns erstmal mit ein paar Stopps an spiegelnden Seen entlang des eisblauen Athabasca River ein.

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An einer engen Klamm …

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… stürzen die Athabasca Falls zu Tale.

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Die Farbe des Flusses, der uns auf der ganzen Fahrt bis zur Passhöhe hinauf begleitet ist unglaublich.

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Wir fahren an Ausblicken auf Berge und Gletscher vorbei, die wir auf der Hinfahrt nicht mal erahnen konnten.

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Kurz vor der ersten Passhöhe …

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… erreichen wir den Athabasca Glacier, zu dessen Zunge wir bei unserem ersten Besuch schon hinmarschiert waren.

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Heute sieht man noch viele weitere Gletscher …

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… rund um den Athabasca.

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Dann nehmen wir uns die Wanderung hinauf zur Parker Ridge vor. Der Ranger sagte, „it’s really cool“ – und er hatte sowas von Recht. Zuerst geht es in Serpentinen einige hundert Höhenmeter an einer Flanke des Tals entlang des Icefields Parkway hinauf. Wir kommen ganz schön in’s Schwitzen. Aber auf dem Kamm angekommen weht ein eisiger Wind. Dafür eröffnet sich langsam, Schritt für Schritt, der Blick auf das Nachbartal, das nur von hier oben einzusehen ist.

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Was sehen nur die Wanderer vor uns, was wir von hier noch nicht sehen können?

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Es ist der Blick hinab auf die lange Zunge des Saskatchewan Glacier, dem größten, vom darüberliegenden Columbia Icefield gespeisten Gletscher.

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Mit jedem Schritt können wir tiefer ins Tal hinabschauen. Der See am Fuße des Gletschers funkelt in hellem, aber kalten Blau.

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Im Windschatten der Parker Ridge machen wir Brotzeit, genießen ganz lang die Aussicht und die totale Stille hier oben.

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Nach dem Abstieg fahren wir weiter Richtung Süden. Wir wollen noch einmal zum Peyto Lake hinauf, hier wurden wir ja vor zwei Tagen eingeschneit und vom Aussichtspunkt war nur Nebel zu sehen. Die Sicht ist heute natürlich perfekt, allerdings sind wir schon recht spät dran, und so liegt der milchig grün-blaue See schon im Schatten. Müssen wir wohl noch ein drittes Mal wiederkommen. Vielleicht nächstes Jahr?

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Macht alles nichts, genießen wir dafür die tief stehende Abendsonne.

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Am Ende dieser langen Etappe mit so vielen Stopps und Wanderungen ist es nun ganz schön spät geworden. Gerne würden wir in unserer Unterkunft in Banff anrufen und Bescheid geben, dass wir erst spät ankommen, aber an Handy-Empfang ist frühestens in 60 km zu rechnen. So fahren wir in der Abendsonne auf dem Icefields Parkway weiter gen‘ Süden, bis wir wieder Lake Louise erreichen. Dort haben wir endlich Empfang und bereiten unsere Gastgeber auf unsere späte Ankunft vor.

Auch unsere Mägen würden gerne bald ankommen (und auf die Dusche freuen wir uns natürlich ebenso). Also entscheiden wir uns, den Autobahn-ähnlich ausgebauten Trans Canada Highway (TCH) nach Banff zu nehmen, anstelle des parallel verlaufenden alten Highway. Auch wenn wir dort am Abend gute Chancen auf weitere Tier-Sichtungen gehabt hätten – irgendwann muss Feierabend sein. Doch mit den Tieren ist es so: Die trifft man am Ende immer dann, wenn man sie am Wenigsten erwartet hat. Und so steht hinter dem Wildzaun am TCH ein Moose! Ein Männchen mit riesigem Geweih! Ein r-i-e-s-e-n Tier! Und guckt in aller Ruhe dem Verkehr zu.

An Anhalten und Fotografieren war auf dieser Straße natürlich nicht zu denken, aber toll war das trotzdem. So nah hätten wir ihn woanders wahrscheinlich niemals gesehen.

Die Moose (also die nordamerikanische Variante vom nordeuropäischen Elch) sind übrigens eine der ganz raren Spezies. Sie haben’s leider auch wirklich nicht leicht: Während andere Waldbewohner (wie z.B. die Wapiti, die hier „Elk“ genannt werden) so ziemlich alles an Grünzeug fressen, sind die Moose rechte Feinschmecker. Und die Delikatessen, die die Moose am Liebsten mögen, gibt es leider nur recht selten. Dort, wo der Wald abgebrannt ist, und sich dann neu erholt, wachsen zum Beispiel einige Moose-Leckerchen. Nun löscht der blöde Mensch diese Waldbrände aber immer (und hier im Norden ist das Waldbrandrisiko nicht annähernd so hoch, wie in den USA). Und die vielen Elk fressen den Moose dann auch noch das Beste weg. Hinzu kommt, dass das Moose, fühlt es sich bedroht, einfach würdevoll und souverän stehen bleibt. Das beeindruckt Bären und andere Waldbewohner – das Moose ist ja meist größer als alle anderen. Leider versucht das Moose die gleiche Strategie bei herannahenden Autos und Zügen… Und das sind ein paar der Gründe, warum es nicht so viele Moose mehr gibt. 🙁

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