Nach Las Vegas, auf Umwegen

Ich muss mich nun leider schon auf den Weg nach Las Vegas machen, bin ja nicht zum Vergnügen hier! Auf dem Weg sehe ich mir noch das Hollyhock House des vielleicht bedeutendsten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright an. Das Haus liegt auf dem olivenbewachsenen Olive Hill mit schönem Blick aufs Hollywood Sign und Griffith Park Observatory. Auch wenn es beides noch gar nicht gab, als das Hollyhock gebaut wurde.

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Der Meister hatte vorher fast nur in der Wüste gebaut und somit seinen Bunker-Stil mit nach L.A. gebracht. Das Haus wurde jahrelang renoviert und vor wenigen Wochen wiedereröffnet: Mit Schutzhüllen über den Schuhen kann auch das original (bzw. originalgetreu) eingerichtete Haus von innen besichtigt werden, nur fotografieren darf man drinnen nicht. Ich sag mal: Interessante Architektur, aber drin wohnen müssen, möchte ich nicht. Dachte sich die Auftraggeberin damals wohl auch, weshalb sie Haus und Grund später der Stadt vermachte.

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Viel Zeit bleibt mir hier leider nicht, ich möchte rechtzeitig in Vegas sein. So streiche ich auch mein Vorhaben, auf einen Snack nach Pasadena zu fahren. Dafür will ich lieber anstatt der überfüllten Interstate eine alternative Route durch die Berge fahren. Nur eine halbe Stunde länger ist die, und geht aus dem Dunst und Smog des Kessels von L.A. bis auf 2.400 m hinauf, dorthin, wo der Himmel wieder richtig blau ist und die Luft nach Kiefernnadeln riecht. Am Visitor Center der Forstbehörde mache ich einen kleinen Spaziergang, dort steht auch Kaliforniens älteste Ranger-Hütte. So lebte man also als Ranger gestern …

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… und heute – das neue Visitor Center ist ein spektakulärer Kuppelbau unter einem Kupferdach.

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Mein straffer Zeitplan lässt leider keinen längeren Aufenthalt hier oben zu. Andererseits: Ein paar Meilen weiter hat sich das mit meinem Zeitplan erstmal erledigt: Der Highway ist wegen Bergrutsch gesperrt! Ein solcher Käse. Das bedeutet: Über eine Stunde zurückfahren, bis nach Pasadena, dann die ganze Strecke nochmal fahren, jetzt im Tal auf der verhassten Autobahn. Meine frühe Ankunft in Vegas hat sich erledigt. Frustriert fahre ich die mühsam erklommenen Meilen wieder zurück.

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In dieser Parkbucht mache ich noch einen kurzen Stopp: Hier hat sich tatsächlich jemand eine Schießbude hingestellt, mitten im Nix, …

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… und trommelt wie Weltmeister.

Warum gerade hier? – Warum nicht.

Warum der Kerl hinter ihm ein Messer in der Hand hat? Ich weiß es nicht.

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Doch genug der Skurrilitäten. Da ich jetzt ohnehin später als beabsichtigt in Vegas ankommen werde, fahre ich doch noch kurz nach Downtown Pasadena und gönne mir einen Cappuccino. Dann folgen 120 einsame Meilen auf der Interstate. Irgendwo in der Mitte zwischen L.A. und Las Vegas kehre ich dann bei Peggy Sue’s Diner ein und schnabuliere einen BLT.

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Gemütlich und ohne Eile fahre ich die restlichen hundertirgendwas Meilen durch die Wüste. Auf der Höhe eines Salzsees geht dann langsam die Sonne unter, lässt die Berge kurz rot aufglühen und dann ergrauen.

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Im Dunkeln erreiche ich Vegas.

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