Snoqualmie Falls und Seward Park

Heute wird es spannend. Ich bin bei meinem japanisch-amerikanischen Bekannten Yutaka zum Lunch eingeladen und hoffe inständig, mich beim Essen nicht daneben zu benehmen. Yutaka wohnt in einem hübschen Haus in Redmond. Natürlich geht es bei seiner Familie nicht ganz so japanisch zu, wie vielleicht in Japan. Dennoch wird für mein Mitbringsel aus Landshut mit vielen Verbeugungen gedankt und das Präsent noch einige Minuten lang wie ein frisch Geborenes präsentiert und hochgehalten. Freundlicherweise werden neben den Stäbchen auch Messer und Gabel für alle eingedeckt – die von Yutaka, dessen Frau und den beiden Jungs natürlich nicht angerührt werden. Aber ganz oder gar nicht – ich lasse das Besteck lieber liegen (würde mir bei der Suppe ohnehin nur bedingt helfen), entschuldige mich schon mal vorab für etwaige Unfälle und probiere es mit den Stäbchen. Es gibt Miso-Suppe, Sushi, gebratenes Huhn und Salat, und Äpfelchen als Nachtisch. Japanisch-amerikanische Crossover-Küche würde ich sagen.

Nach dem Essen fährt Yutaka mit mir zu den Snoqualmie Falls, an denen der Snoqualmie River eine beachtliche Stufe runterrauscht, bevor er zuerst mit dem Skykomisch River zusammenfließt und kurz darauf in den Snohomish River und letztlich in den Pazifik mündet.
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Durch typischen Northwest-alles-ist-voll-Moos-Wald steigen wir hinab zum Fuß der Fälle und sehen uns die ganze Sache auch noch mal von unten an.

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Meine Fotos vom Fuß der Fälle sind nicht so doll geworden, also gibt’s noch eins von oben:

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Auf dem Rückweg sehen wir ein schönes Beispiel für einen „Nurture Tree“, einen toten Baum, der Nährboden für neue Bäume ist.

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Der Tag ist noch jung, und so fährt Yutaka uns in seinem Hybridauto noch nach Seattle zum Seward Park, einer kleinen Halbinsel im Lake Washington. Das Wetter heute ist perfekt und wir haben einen fantastischen Blick auf den Mount Rainier im Süden.

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Wir umrunden die Halbinsel, im Norden blicken wir auf Downtown Seattle. Danach fahren wir noch die ganze Uferstraße hinauf, vorbei an perfekten Wohnlagen am See, bis zur Highway 520 Floating Bridge, auf der wir den Lake Washington – nochmals mit tollem Blick auf den Mount Rainier im Abendlicht – überqueren. Die Floating Bridge ist eine vierspurige Pontonbrücke, sie schwimmt also im Wasser. Allerdings ist sie in den letzten Jahrzehnten fast einen halben Meter abgesunken, und bei Erdbeben ist damit zu rechnen, dass die Brücke absäuft, daher wird nun parallel eine neue, richtige Brücke gebaut. Allerdings kann die neue Brücke im Gegensatz zur alten nicht mehr geöffnet werden, sodass alle Eigner von Booten über einer gewissen Höhe ihre Boote aus dem Südteil des Sees nach Norden schippern müssen, bevor die Brückenbauer vom Ost- und Westufer sich in der Mitte treffen und den Wasserweg damit für immer versperren. Das nur am Rande, für alle Pontonbrückeninteressierten.

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Gegen Abend bedanke ich mich nochmals bei Yutakas Frau für das gute Essen, bei ihm selbst für den schönen Tag und verabschiede mich letztlich. Zurück im Hotel beschließe ich, das Abendessen lieber wieder mit Messer und Gabel zu essen und gehe runter zum Australier um die Ecke, wo ich mir gestern schon so ein schönes Steak grillen ließ. Von der Chefin werde ich gleich am Eingang mit einem „Welcome back!“ begrüßt, gefolgt von einer exakten Beschreibung wo ich gestern gesessen habe, dass ich ein Corona, einen House Salad mit Honey Mustard Dressing und ein New York Strip (medium) mit Fries hatte. Ich stelle mich daher gleich mal mit Vornamen vor (für die nächste Begrüßung) und werde den Rest des Abends superfreundlich bedient – und natürlich von allen Mitarbeitern mit meinem Namen angesprochen. So soll es sein, da fühlt man sich doch gleich zuhause… 🙂

Statt eines Steaks entscheide ich mich heute in einem Anflug von Größenwahn für einen Appetizer: Riesengarnelen im Kokos-Bier-Mantel, die mit einem orangenmarmeladenähnlichen Dip geliefert werden. Die Monster-Shrimps sind inklusive Backmantel ungefähr tennisballgroß und nach sechs Stück bin ich faktisch satt. Macht nix, hab als Hauptgang ja nur ein „half rack“ Ribs bestellt, an denen ungefähr so viel Fleisch dranhängt, wie mein Steak gestern wog. Und dieses Fleisch fällt beim Anschauen schon vom Knochen: Genau so muss es sein. Danach bleibt mir nur noch übrig, langsam zum Hotel zurückzurollen… Gute Nacht.

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