Insomnia

Ich weiß jetzt, wie es Al Pacino in ‚Insomnia‘ ergangen ist. In dem Film ermittelt er während der Sommersonnwende in einem Dorf in Alaska – und findet eine Woche lang keinen Schlaf. Um zehn Stunden hat uns die Zeitverschiebung schon den Tag verlängert und jetzt will die Sonne einfach nicht untergehen. Aber der Reihe nach. Zuerstmal: Willkommen in Alaska!

Wir sind gelandet in Anchorage, der größten Stadt Alaskas, über 300.000 Einwohner, das ist knapp die Hälfte der Einwohner des ganzen Landes – das gleichzeitig fast so groß ist wie Mitteleuropa.

Downtown Anchorage besteht aus einigen verstreut liegenden Hochhäusern, dazwischen kleine, eigentlich hässliche Zweckbauten, in denen entweder Touristenramsch oder Pelze verkauft werden, oder beim Outfitter alles, was man zum Überleben in der Wildnis so braucht. Hat man sich an dieses etwas eigenartige Ambiente der erst 100 Jahre alten Stadt gewöhnt, kommt sie dann aber doch irgendwie charmant daher.

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Gleich am Tag unserer Anreise war Weekend Market auf dem großen Parkplatz an der 3rd Street. In der 3rd Street beginnt Downtown. Früher ging es in der 1st Street los, aber nach dem großen Karfreitagsbeben Mitte der 60er Jahre ist die Stadt nördlich der dritten Straße um 30m abgesackt. Die Westküste Alaskas liegt eben direkt auf dem Ring of Fire.

Parallel zur 3rd Street sind die vierte und die fünfte Straße noch recht belebt, aber dann ist Downtown auch schon wieder vorbei. An jeder Ecke im Zentrum steht übrigens ein Stand mit Rentier-Hotdogs. Die muss ich unbedingt später noch probieren…

Genug zur Geografie, oder doch, einen noch: Der Polarkreis ist nur wenige hundert Meilen nördlich von uns. Dementsprechend geht hier im Sommer die Sonne erst um 23:30 unter, um dann kurz nach 3:00 wieder aufzugehen. Glücklicherweise ist ja schon fast Herbst, so ist aktuell Sonnenuntergang um 21:30. Aber es ziiiieht sich bis halb zehn, wenn man den Jet Lag in den Knochen hat. Auch nach dem Sonnenuntergang dauert es noch eine Ewigkeit, bis es mal richtig dunkel wird.

Die erste Faustregel gegen Jet Lag lautet ja: Am ersten Tag frühestens ins Bett, wenn’s draußen dunkel ist. Um’s kurz zu machen: Wir mussten die erste Regel diesmal leider brechen. Ging einfach nicht. Die Konsequenz: Wach um drei Uhr morgens. Insomnia.

Also was tun? Bewegung!

Unsere erste Wanderung führt uns zum Flattop Mountain, einem Aussichtsberg über der Stadt.

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Wir genießen einen fantastischen Blick hinunter auf Downtown Anchorage:

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Direkt dahinter erhebt sich der Mount McKinley, der mit über 6000m höchste Berg Nordamerikas! Von den Ureinwohnern wird der McKinley allerdings Denali genannt: Der ganz Hohe. An den Fuß des Denali wollen wir am Ende unserer Reise auch noch. Hoffentlich haben wir dann auch so ein tolles Wetter, denn oft ist der Denali wochenlang in den Wolken versteckt.

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Im Westen baut sich die Alaska Range auf.

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Dahinter, am Horizont, noch einige Vulkane der Kenai Halbinsel.

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Der Ausblick ist so schön, fast übersehen wir, dass wir nicht allein sind hier oben: Moose!

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Wir sehen rund ein halbes Dutzend Moose an den Hängen unterhalb unseres Weges. Darunter auch ein Männchen mit dem typischen, gewaltigen Geweih:

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Ansonsten sieht man der Vegetation schon an, dass die Winter hier recht lang sind. Momentan geben aber einige Gräser und viele, viele Beeren den Wiesen einen Rotstich. Und die Beeren wiederum mögen die Moose. Und die Bären. Aber deren Gesellschaft blieb uns heute dann doch erspart.

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Zurück in Downtown besuchen wir das historische Log Cabin, in dem heute die Ranger Ausflugstipps geben.

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Anderntags (wieder um 22:00 in Tiefschlaf gefallen, um 3:00 wach gewesen) besuchen wir den Lake Hood, den größten Wasserflugzeugflughafen der Welt. Hier liegen über 1.000 Buschflieger, jeden Tag gibt es um die 200 Starts und Landungen. Die Buschflieger sind die Versorgungsader eines Großteils des Landes, das nur auf dem Luftweg zu erreichen ist.

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Eine Maschine von Rust’s Flying Service macht sich auf den Weg zum Start…

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… und hebt nach kurzem Anlauf ab:

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Befährt man die Aviation Road rund um den Lake Hood, kreuzt man mehrfach die Taxi Ways der Flugzeuge (nicht alle Flieger hier haben Schwimmkörper, es gibt auch ganz normale auf Rädern, die auf ganz normalen Pisten landen. Oder mit Skiern unter den Rädern zum Landen auf dem Gletscher). Da steht dann ein Stoppschild, mit dem Hinweis, dass Flugzeuge Vorfahrt haben. Unbeschrankter Bahnübergang für Buschflieger. Jaah, Buschflieger – alte Haudegen der Lüfte, so wie diesen hier:

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Der Haudegen möchte sich jetzt aber wieder seiner Schlaflosigkeit hingeben. Naaacht.

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