Auf zu den Gletschern!

Nun geht es los! Nach drei wunderschönen Sommertagen in Anchorage zeigt uns Alaska jetzt erstmal, wie das Wetter hier eigentlich meistens ist: Wolken, Wind und Regen. Wir fahren den Turnagain Arm hinauf, einen tiefen Fjord, dessen Name auf James Cook’s Suche nach der Nordwest-Passage hervorging – denn hier erkannte er, dass er doch eine Sackgasse erwischt hatte. Da der Tidenhub hier bei Anchorage bis zu 10m beträgt, und die Flut gerade vorbei ist, fließt das Wasser heute morgen wie ein breiter Fluss aus dem Turnagain Arm heraus. Das lockt dann oft Belugas und auch größere Wale an, die in der Strömung gerne Lachse fischen. Am Beluga Point ist es so stürmisch, dass wir vom Auto aus versuchen, Belugas zu erspähen, aber selbst denen scheint es heute zu ungemütlich zu sein.

Also ziehen wir weiter in Richtung Portage Glacier. Kurz vor dem langgezogenen Gletschersee – das Tal war vor wenigen Jahrzehnten noch komplett vom Gletscher bedeckt und der See noch gar nicht existent – weist ein Schild zur Fish Viewing Platform. Da wir mit den großen Fischen, die ja keine Fische sind, kein Glück hatten, halten wir hier kurz an und staunen: Der Bach ist voll mit halbmeterlangen Lachsen!

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Die Männchen haben schon ihre Farbe geändert, haben von silber auf tiefrot umlackiert. Die Weibchen legen sich immer wieder kurz auf die Seite, dabei legen sie ihre Eier im Flussbett ab. Dann huscht hektisch ein Männchen herbei und gibt seinen Saft dazu. Dahinter warten die Forellen, die sich an den Eiern sattessen. Nur wenige Prozent der Eier überleben, und die kleinen Lachse, die dann daraus schlüpfen werden, sollen in einigen Jahren genau hier das gleiche Spiel vollziehen, nachdem sie zwischendrin weit draußen im Meer waren.

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Genug der Fischologie, wir folgen dem Tal zum Portage Lake. Der Portage Glacier hat sich in den letzten Jahrzehnten schon „um die Ecke“ zurückgezogen, und ist nur noch vom Wasser aus zu sehen. Da wir morgen den ganzen Tag auf See sein werden, sparen wir uns die Bootsfahrt, bestaunen aber die Eisberge, die vom Gletscher abgebrochen sind und nun auf dem See treiben.

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Trotz richtig miesem Wind und Regen starten wir zu einer kurzen Wanderung hinauf zum Byron Glacier.

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Unterwegs macht der Regen Pause, wofür wir sehr dankbar sind. Wir begeben uns jetzt auf den Weg hinunter nach Seward und durchqueren durch wunderschöne Täler entlang kilometerlanger Seen die Bergwelt der Kenai-Halbinsel. Der nagelneu asphaltierte Highway fährt sich wie mit der Sänfte. Korrektur: Der *bald* nagelneu asphaltierte Highway wird sich bald wie der Sänfte befahren lassen. Wir passieren ein halbes Dutzend Baustellen, an denen man stets beim „Flagger“ (Mann oder Frau mit Stop-Schild in der Hand) warten darf, bis die Kolonne aus der Gegenrichtung unter Leitung eines Pilot Cars eintrifft. Dann führt einen das Pilot Car durch die Baustelle. Die Gesamtfahrtzeit verkürzt das nicht gerade.

Wir nutzen aber die Pausen und decken uns hinterm Lenkrad unseren Mittagstisch: Cracker, Pepperjack Cheese Sticks und Cocktailtomaten machen einen perfekten Road-Trip-Mittagssnack.

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Nicht weit weg von der Hafenstadt (Okay, Stadt nehme ich zurück) Seward fließt der Exit Glacier gespeist vom darüber liegenden Harding Ice Field ins Tal. Was schon aus der Ferne ein toller Anblick ist …

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… ist auch aus der Nähe nicht zu verachten. Man versteht, wie der Begriff Gletscherzunge entstanden ist.

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Auch der Exit Glacier hat sich massiv zurückgezogen -wo wir jetzt hinaufsteigen, kroch noch vor wenigen Jahren der Gletscher zu Tale. Die Riefen im Fels wirken noch richtig frisch.

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Zur Zungenspitze kommt man aktuell nicht – mit jeder Flut sortieren sich die Bachläufe im Outwash des Gletschers neu, und aktuell fließt der Strom so durchs Tal, dass er den Weg zum Gletscherende versperrt. Der Fluss trägt Eisbrocken vom Gletscher hinab.

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Nach so viel Gletscherwanderei ist uns nach einem herzhaften Abendessen. Das Salmon Bake wirbt mit billigem Bier und lausigem Essen, das klingt doch hervorragend, nichts wie rein. Es gibt Bacon Wrapped Tiger Prawns (Riesengarnelen – wirklich riesige – im Speckmantel) und gebackenen Sockeye Salmon mit Mais und Ofenkartoffel und Halibut Tacos und … macht satt.

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Nach dem Essen checken wir im Hotel ein, wo ich unterschreibe, dass ich bei 250$ Strafe keinen selbstgefangenen Fisch im Zimmer aufbewahren werde.

Zum Abendspaziergang am Meer treffen wir noch eine Otterfamilie, die uns erst neugierig anguckt, dann einen Hupfer aus dem Wasser macht und davon taucht.

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Morgen stechen wir in See. Es ist tolles Wetter angesagt – und Sturm.

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