Skagway

Heute lassen wir uns erstmal in einem einstündigen Stadtspaziergang mit dem Ranger in die Geschichte Skagways einweihen. Denn der ganze Ort ist praktisch ein National Monument, einige Häuser sind einfach so zu besichtigen, in anderen sind Geschäfte drin.

Skagway wurde besiedelt von einem vorausschauenden Deutschen: Captain Moore aus Emden. Der Captain hielt diesen Ort am Ende eines langen Fjords perfekt für einen Hafen. Dahinter bot der White Pass einen realistischen Weg über die Berge. Captain Moore ahnte, dass es nach all den Goldfunden unten in Kalifornien irgendwann auch hier oben einen Goldrausch geben würde und sein Plan war, den Hafen, den Weg über den Pass und den Ort Skagway so auszubauen, dass alles bereit war, für den Gold Rush. Eine spannende Wette, und gewissermaßen ging sie tatsächlich auf, gewissermaßen aber auch nicht.

Der Captain erwarb also all das Land in Skagway, baute den Hafen aus und begann den Weg über den White Pass – also einen Pferde-Trail – anzulegen. Tatsächlich fand man das Gold am Klondike und die Scharen machten sich auf den Weg ‚gen Norden. Skagway wurde über Nacht zur Zeltstadt. Es war Captain Moores Stunde: Sein Hafen war bereit, sein Ort, sein Weg über die Berge. Aber die Angekommenen ignorierten ihn einfach. Besiedelten einfach Captain Moores land, schlugen Zelte auf, benutzten Hafen und Pass ohne Moore irgendwelche Abgaben zu bezahlen.

Während die Rockie Mounted Police zu dieser Zeit im kanadischen Yukon zuverlässig für Recht und Ordnung sorgte, war Alaska ein gesetzloser Raum. Okay, die amerikanischen Gesetze galten schon, aber keiner war da, der sie durchsetzen würde.

Jahre später erstritt der enteignete Moore dann vor Gericht einen Schadenersatz, allerdings ließ sich nur ein Bruchteil davon noch eintreiben. Denn die Gesetzesbrecher waren alle schon lang weitergezogen und nicht mehr aufzuspüren.

Vor Captain Moores Blockhaus endet unsere Walking Tour.

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Den Gold Rush Cemetery im Wald hinter dem Ort müssen wir natürlich auch noch besuchen. Hier liegt Jefferson „Soapy“ Smith in einem einfachen Grab. „Soapy“ war ein Ganove, der lange den Ort terrorisierte. Praktisch der Erfinder des Enkeltricks, neppte er z.B. die Goldsucher mit gefälschten Telegrammen aus der Heimat, sodass diese Geld an die Familie überwiesen, das tatsächlich dort nie ankam.

In einem Pistolenduell am Morgen des 8. Juli 1898 erschoss ein Frank Reid den Ganoven Smith und wird seither als Erlöser der Stadt gefeiert. Jedoch erlag auch Reid nach zwölf Tagen seiner Verletzung von dem Duell.

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Einige namenlose Gräber gibt es auch, so das eines Mannes, der mit mehreren Kilo Dynamit und einer Pistole in die Bank gestürmt kam, beim Ziehen der Waffe aber einen Schuss auslöste, der wiederum das Dynamit auslöste. Da blieb nicht viel übrig, um den Gangster zu identifizieren.

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Das größte Grab hatte Frank Reid, der Erlöser der Stadt, erhalten.

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Auch einige unehrenhafte Damen aus dem Red Onion Saloon liegen auf dem Friedhof begraben. Etwas am Rand – die Beerdigung war spärlich – aber viele weinten um sie…

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Das Gewerbe scheint immer noch zu florieren. Oder, naja, die Touristen bevorzugen Can-Can-Shows im Stundentakt, für die hier geworben wird. Die Abendveranstaltungen finden in Skagway um 10 Uhr 30 statt, denn abends sind die Kreuzfahrer ja schon wieder auf und davon.

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Wir checken nun auch ein für unsere „Kreuzfahrt“. Auf der MS Malaspina überqueren wir das Chilkoot Inlet nach Haines. Diesmal lässt uns die Fähre glücklicherweise nicht im Stich.

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