Von Haines nach Haines Junction

Heute machen wir erstmal Halt am Besucherzentrum der Bald Eagle Preserve in Haines. Hier gibt es allerlei ausgestopfte und nicht ausgestopfte Dickschädel zu bewundern.

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Aber das eigentliche Highlight sind die beiden Weißkopfseeadler, die hier aufgepäppelt werden. Einer hatte einen Unfall mit einem Truck. Wir lernen: Wer Apfelbutzen aus dem Fenster wirft, kann schnell einen Bald Eagle auf dem Gewissen haben. Denn die Vögel kommen dann nah an den Highway, um das Weggeworfene zu fressen und laufen Gefahr, unter die Räder zu kommen. Der andere hat aufgrund der Spannweite seiner Flügel einen Kurzschluss zwischen zwei Hochspannungsleitungen produziert, was ihm nicht so gut bekam.

Aus der Nähe lässt sich der Adler natürlich viel besser fotografieren, als in der Natur. Auch wenn ich mein erstes Foto etwas verwackelt habe – in genau dem Moment fingen nämlich beide wie irre an zu schreien, und der Adlerschrei ist nicht von schlechten Eltern. Hier hat er sich schon wieder gefangen:

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Es geht weiter Richtung Norden. Wir reisen wieder aus den USA aus und nach Kanada ein. Uhr vorstellen, Tacho umstellen.

Beim 33 Mile Roadhouse stoppen wir, um eine Kaffee zu holen. Es ist ein uriges altes Blockhaus mit Skihüttenatmosphäre.

Erst zehn Meilen später fällt mir auf, dass ich ins 33 Mile Roadhouse hineingegangen war, um Kaffee zu holen – herausgekommen bin ich aber mit zwei Stück Kuchen. Und ohne Kaffee…

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Die weitere Strecke ist trotz mäßigem Wetter faszinierend. Ich nenne sie die „Fahrt durch die Highlands“.

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Die Herbstfarben sind einfach überall. Selbst bei leichtem Nieselregen hat man beim Blick auf das Laub oft den Eindruck, die Sonne scheint. Ich weiß, in Alaska muss man sich das Wetter auch mal schönreden…

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Da Bewegung gut tut und der Regen aufgehört hat, starten wir zu einer kleinen Wanderung im Kluane National Park. Der Nationalpark ist halb so groß wie die ganze Schweiz. Für Tageswanderer gibt es nur ein paar kleine Touren, ansonsten ist man mehrtägig unterwegs oder lässt sich mit dem Flugzeug auf einem der Gletscher absetzen. Das haben wir nun wahrlich nicht vor, also halten wir uns an die kurzen Routen.

Unser Ziel ist ein sogenannter Rock Glacier. Das ist kein Gletscher, sondern ein Schotterfeld, das von einem Gletscher erzeugt wurde – und auch jetzt noch den Berg hinabfließt wie ein Gletscher. Nur halt noch eine Nummer langsamer. Zuerst geht es auf Boardwalks über ein Hochmoor.

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Vom Rock Glacier aus haben wir einen schönen Blick hinab ins Tal und auf die Seen dort unten.

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Der Weg ist etwas anstrengend, da die Steine oft recht wackelig sind und man quasi einen Haufen aus spitzen Steinen hinaufstakst.

Oben angekommen haben kluge Wanderer aus den Felsbrocken schon Sonnenstühle gebaut.

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Wir genießen den Ausblick bevor wir uns wieder an den Abstieg machen.

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Bis nach Haines Junction ist es jetzt nicht mehr weit, hier mündet der Haines Highway in den Alaska Highway. An der Kreuzung ist ein kleiner „Ort“ entstanden. Zum Essen gehen gibt es hier zwei Alternativen: Frostie’s hat sich auf alles spezialisiert, was man auftauen kann. Im Raven Hotel soll es hingegen ausgezeichnete Küche geben. Der Koch soll aus Vancouver kommen – mondän!

Wir reservieren also einen Tisch im Raven. Mit ach und krach klappt das, wenn auch erst etwas später als erhofft. Das kleine Hotel hat vielleicht acht Zimmer. Die Rezeptionistin schickt uns erstmal auf die Wartecouch und will oben im Restaurant nachfragen, ob unser Tisch schon bereit ist. Nach einigen Minuten verkündet sie, man sei jetzt bereit uns zu empfangen und zeigt uns den Weg ins Restaurant im ersten Stock. Dann folgt sie uns – es stellt sich heraus, das sie nun auch unsere Bedienung ist. Das Restaurant hat etwa zehn Tische, von denen drei besetzt sind. Die Präsentation der Speisekarte zieht sich etwas – es werden nicht etwa noch die Specials des Tages zusätzlich aufgezählt, sondern was alles heute aus ist.

Allerdings klingt der Rest auf der Speisekarte trotzdem lecker. Und unser Essen ist letztlich ausgezeichnet, sicher eines der besten Essen auf der ganzen Reise! Sogar zu einem Nachtisch lassen wir uns hinreißen…

Wir erhalten dann die Rechnung mit den Hinweis, wir möchten bitte unten im Erdgeschoss zahlen. Wir gehen hinunter, dort wartet auch schon unsere Bedienung – nun wieder als Rezeptionistin auf uns und wir dürfen zahlen…

Es ist irgendwie lustig – als würde hier mitten in der Wildnis jemand versuchen, Zivilisation zu spielen… Aber lecker war’s!

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