Choo Choo!

Oh, jetzt habe ich im Titel das WLAN-Password unseres Motels verraten. Naja, egal.

Wir haben in Chama übernachtet, einem kleinen Ort oben in die Rockies. Viel wäre hier nicht los, gäbe es nicht die Cumbres & Toltec Scenic Railroad, mit der wir heute eine Runde drehen werden.

Im Boxcar Cafe sind wir heute morgen die ersten, die sich vor der Abfahrt mit einem Satz Pancakes stärken. Unten am Gleis begann der Arbeitstag aber schon viel früher. Die Lokomotiven müssen befüllt werden und laufen bereits warm, auch wenn es noch gut drei Stunden sind, bis zur Abfahrt. Bis dahin ist ganz schön was los am kleinen Bahnhof von Chama. Erst werden an den Loks alle Lager geschmiert, dann der Dampfkessel ausgeblasen. Es pfeift und zischt und qualmt. Dann werden die Loks an die Waggons rangiert.

Da wir einen über 3.000 Meter hohen Pass zu bezwingen haben, werden wir bis zur Passhöhe von zwei Loks gezogen, die hintereinander vor den Zug gespannt wurden!

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Wir bitten noch kurz die Geister um eine sichere Reise…

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… und dann geht es mit viel Dampf und lautem Gepfeife los!

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An einer kleineren Brücke müssen wir einen kurzen Stopp einlegen. Die beiden Lokomotiven wären zu schwer, um gemeinsam über die Brücke zu fahren. Also wird die vordere erstmal abgekoppelt und fährt allein rüber.

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Dann folgt die zweite Lok. Zum Ankoppeln wird natürlich genau so angehalten, dass wir exakt über dem Abgrund stehen…

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So haben wir etwas Zeit, die Herbstfarben um uns herum zu bewundern.

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Weiter hinten am Zug ist ein offener Wagon eingekoppelt, von dem aus man die Landschaft noch besser sieht, als von drinnen.

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Nachdem der Zug nun wieder komplett ist, geht es mit vollem Dampf weiter, was aus der Nähe ziemlich beeindruckend ist. Das Beste an so einer Eisenbahnfahrt ist die Geräuschkulisse. Das Tsch-Tsch-Tsch der Maschinen, das Fauchen und Zischen der Kessel, das Dadang-Dadang der Schwellen und zwischendurch das markerschütternde Pfeifen: Choo Choo!

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Ab und zu muss auch die besterzogene Lok mal Dampf ablassen. Das macht richtig Lärm und hoffentlich befindet sich gerade nichts Lebendiges am Gleisbett… Aber auch als Fahrgast muss man sich laufend in Acht nehmen. Das Abgas der ölgefeuerten Loks kann ganz schön auf die Lungen gehen, und geben die Maschinen richtig Gas, fliegt einem Ruß und Zunder um die Ohren – oder in die Augen.

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Weiter geht’s durch goldenen Espenwald.

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Mit steigender Höhe wechseln die Laubbäume von grün nach orange nach gelb und die Vegetation wird karger.

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Nach der Passhöhe auf 10.050 Fuß (über 3.000 Meter!) wird die vordere Lok abgekoppelt, die fährt nun allein wieder nach unten. Für den Rest der Strecke brauchen wir sie nicht mehr, und bergab schon gleich gar nicht.

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Sagte ich schon, dass die Aspen hier oben schon wunderbar gelb sind?

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Nach zweieinhalbstündiger Fahrt durch eine einzige, sprichwörtliche Eisenbahnlandschaft kommen wir oben in Osier an, wo wir den Zug aus der Gegenrichtung erwarten und wo es für alle ein Lunchbuffet gibt.

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Zurück fahren wir mit dem Zug aus der Gegenrichtung. Hier kontrolliert der Engineer seine Engine.

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Auf dem Rückweg passiert es dann! Wir fahren gerade entlang einer zum Greifen nahen Felswand zur Rechten – links der Abgrund – als es den Wagon einmal schüttelt, laut rumpelt und wir kurz darauf zum Stehen kommen. Ein langer Pfeifton von der Lok: Das Signal für den Bremser, die Bremsen reinzuhauen. Wir stehen. An der Felswand, am Abgrund. Ein Steinschlag hat die Strecke versperrt.

Unser Glück mit Verkehrsmitteln scheint also anzuhalten.

Aber unser Engineer packt sich ein Stemmeisen und schon nach wenigen Minuten ist die Strecke frei – und wir können weiterfahren. Zweimal kurz pfeifen heißt: Bremsen lösen. Es geht weiter. Puh.

Nach einem kurzen Regenschauer reißt der Himmel richtig blau auf und wir genießen die Sonne auf dem offenen Wagen.

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Nach erneutem Erreichen der Passhöhe geht es dann mit quietschenden Bremsen hinab nach Chama. Zwischendurch natürlich noch ein kurzer Wolkenbruch, aber zwischen Weltuntergang und schönster Abendsonne liegen in den Rockies oft nur Minuten.

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Nach dem ganzen Geruckel haben wir uns jetzt etwas Entspannung verdient! Weiter geht’s in’s eine Stunde entfernte Pagosa Springs. Mal sehen, ob die heißen Quellen dort noch funktionieren…

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