Whalewatching

Telegraph Cove ist ein hübsches Nest im Inselnorden. Eigentlich ist es gar kein richtiger Ort, sondern nur ein kleiner Hafen in einer geschützten Bucht.

Hier wurde vor über hundert Jahren Lachs verarbeitet und in Kisten verpackt, um ihn nach Japan zu verschiffen. Dazu wurde direkt in der Bucht eine Sägemühle gebaut, um die Kisten herzustellen. Dazu wurden mehr und mehr Arbeiter benötigt, und für die baute man dann weitere Gebäude, zum Teil auf Stelzen direkt am Wasser, zu Teil am Hang dahinter.

Und in all diesen kleinen Häuschen und Hütten kann man nun übernachten und von Telegraph Cove aus wahlweise zum Whalewatching oder zur Bärenbeobachtung in See stechen. Wir wollen heute Wale sehen, und darum stehen wir zeitig auf.

Der Blick aus dem Fenster geht direkt ins Hafenbecken und dahinter ist auch schon die Hälfte des „Ortes“ zu sehen. A room with a view.

Ganz offensichtlich kommt man hierher nicht nur zum Tiere beobachten, sondern auch zum Fischen. Unser Zimmer bietet als kleine Besonderheit eine Tiefkühltruhe. Hatten wir auch noch nicht. Zusammen mit dem mannshohen Kühlschrank daneben, wechseln sich die beiden Geräte die Nacht über ab, um mit turbinen- bzw. kompressorähnlicher Lautstärke jedes Gefühl von Abgeschiedenheit im Keime zu ersticken. Aber die Aussicht gleicht das aus.

Früh am Morgen haben weder Coffee Shop, noch Restaurant offen, aber es gibt auch eine kleine Bude mit großer Terrasse, wo wir schon um 7 Uhr eine leckere Latte, noch leckerere Pfannekuchen, und noch noch leckereres Joghurt mit Müsli und Früchten bekommen. Man muss halt nur draußen frühstücken.

Die kleine grüne Hütte ist die Hochzeiterhütte mit viel Intimität für zwei (aber bestimmt auch mit Tiefkühltruhe). Interessanterweise sitzen die Seemöven am liebsten oder fast ausschließlich auf der grünen Hütte.

Schließlich die alte Sägemühle, wo jetzt Restaurant und Pub drin untergebracht sind. Vorne liegt schon die Lukwa für unsere Wal-Trip bereit.

Bevor wir an Bord gehen stellen sich der Captain und die beiden Biologinnen vor, die uns auf der Fahrt begleiten.

Die übliche Frage, wer wo herkommt, ergibt eine interessante Häufung: Zwei Kanadier, zwei US-Amerikaner. Der Rest: Europäer.

Wir erhalten die üblichen Sicherheitseinweisungen, und dann geht es auch schon raus aufs Meer.

Hier oben lebt eine Population von Orcas, und natürlich hoffen wir alle, dass wir die Killerwale zu sehen bekommen. Ich stelle mir das so vor, dass wir nach der Hafenausfahrt erst mal Vollgas geben und in irgendwelche abgelegenen Buchten entschwinden, in der Hoffnung, dort die Orcas zu finden. Denn es ist alles andere als garantiert, dass man sie wirklich zu Gesicht bekommt.

Tatsächlich fahren wir aber mit halber Fahrt aus dem Hafen raus – und nach fünf Minuten haben wir schon die ersten Orcas vor dem Bug. Da ist selbst der erfahrene Captain baff.

Die Orcas leben in Familien und so sehen wir gleich einen ganzen Schwung von ihnen in der Strömung jagen. Killerwale nennt man sie, da sie sich nicht nur von Plankton, sondern entweder von Fischen, oder von ganzen Seehunden ernähren.

Zu unterscheiden sind die Orcas an der weißen Zeichnung hinter ihrer Flosse, und die Biologinnen an Bord machen reichlich Fotos, um zu bestimmen, welche Familie, und welche Tiere wir hier vor uns haben. Diese Daten werden dann an einen Forschungsverbund weitergegeben.

Die Orcas sind ziemlich flott unterwegs und wir folgen ihnen einige Meilen weit.

Dann drehen wir ab und lassen sie in Frieden.

Schon kurz darauf hüpfen andere Flossenträger vor unserem Bug aus dem Wasser. Es sind Schweinswale, die offenbar großen Spaß daran haben, in der Bugwelle unseres Bootes mitzuschwimmen.

Wie Delphine hüpfen sie immer wieder aus dem Wasser. Und ganz schön schnell schwimmen können sie auch.

Wir durchqueren eine Engstelle zwischen zwei Inseln und dahinter können wir – wenn auch weit entfernt – ein paar Seehunde ausmachen.

Ein Seelöwe macht direkt vor unserem Bug eine Riesenshow und wirft sich aus dem Wasser – das Foto muss ich aber nachreichen, das hat nur Simone im Kasten.

Nach kurzer Suche können wir nun auch noch einige Buckelwale beobachten. Einer von ihnen jagt kleine Fische, indem er unter Wasser Runden dreht und an einer Stelle eine Menge Luftblasen produziert. Dann schnappt er sich die von den Blasen irritierten Fischchen. Der Captain beteuert, dass dieses Jagdverhalten sonst nur bei Walen auf offener See (wir sind ja hier geschützt in der Meeresstraße zwischen Vancouver Island und dem Festland) zu beobachten ist, und er es in 32 Jahren auf See hier noch nicht beobachtet hat. Seemann eben.

Toll ist, dass die Wale hier nur 5-10 Minuten untertauchen, nachdem man ihre Fluke gesehen hat. So sehen wir einige Wale mehrmals und in der Summe nach Aussage unserer Biologen bestimmt fünf oder sechs verschiedene. Auch die Buckelwale werden von ihnen bestimmt, dazu wird die Zeichnung auf der Schwanzflosse mit Bildern aus einem dicken „Katalog“ verglichen.

Letztlich fahren wir noch eine Stelle an, wo eine Menge Vögel auf dem Wasser rumschwimmen.

Das freut die Wale, denn die Vögel sind da wo auch Fische zum Futtern sind. Man muss also nur eine solche Vogelsuppe finden, warten, dann kommt der Wal von allein.

Für drei Stunden auf See war das doch schon mal ganz ergiebig!

Wir sehen noch einen auf dem Rücken paddelnden und uns unentwegt zuwinkenden Seelöwen – leider kein Foto – dann hören wir uns noch einen kleinen Vortrag von der Biologin an, inklusive Walgesang vom Band, und danach geht’s schon wieder heimwärts.

Direkt neben der Bucht entdecken wir noch ein paar hübsche Ferienhäuser mit Traumaussicht (und Walblick).

Und dann nehmen wir schon wieder Kurs auf Telegraph Cove.

Wenn das kein gelungener Whalewatching-Trip war, was dann? 🙂

Und überfahren haben wir auch keinen.

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