Nach Homosassa zu den Manatees

Unser erster Ausflug ab St. Pete führt uns noch etwas weiter in den Norden nach Homosassa Springs. Dort wollen wir einen Wildlife Park besuchen, der von Staat Florida betrieben wird, um verletzte Tiere aufzupäppeln oder, falls eine Entlassung in die Wildnis nicht mehr denkbar ist, ihnen ein Quartier zu bieten.

Der Park liegt rund um eine warme Quelle, welche zur kalten Jahreszeit auch viele Manatees aus dem Golf von Mexiko anzieht, weil die Manatees sind kältescheu (und haben insofern schon etwas mit uns gemeinsam). Manatees („Seekühe“) sind friedvolle Tiere, so friedvoll, dass sie vom Aussterben bedroht sind und sie nicht so leicht anzutreffen sind. Nur rund um solche Quellen ist zur richtigen Jahreszeit die Chance besonders groß, Manatees anzutreffen.

Man kann den Tieren hier auf alle erdenkliche Weise zu Leibe rücken, per Boot, Kajak, Kanu, Paddleboard, schwimmend… aber eigentlich kann man sie auch einfach in Frieden lassen und mit etwas Distanz beobachten. Darum schauen wir sie uns lieber im Homosassa Park an, dort werden verletzte Tiere an der Quelle aufgepäppelt, und wenn man besonderes Glück hat, dann sieht man auch ein paar wilde im Fluss. Wir werden sehen…

Zunächst werden wir vom Parkplatz aus über den Fluss zum eigentlichen Park geschippert. Dabei sehen wir schon den ersten Aligator, und im Park gibt es auch den einen oder anderen.

Dann geht es zur Vogelwelt Floridas. Ganz besonders schön sind die Flamingos.

Diese Art hat etwas eigenartige Hubbel auf dem Schnabel. Entweder gehört das so, oder es ist der Grund, warum diese Vögel hier im Park leben.

Beim Golden Eagle …

… und beim American Eagle wird schnell klar, warum diese hier wohnen. Alle haben Verletzungen, die sie flugunfähig gemacht haben und sie können nur noch in ihren nach oben offenen Gehegen herumhüpfen. Muss ganz schön hart sein, für den König der Lüfte.

Es gibt eine besondere Pelikan-Art mit schokobraunem Hals.

Und es gibt den Rosa Löffler, den wir in freier Wildbahn hier leider noch nicht angetroffen haben. Der kommt wohl aus Südamerika und schaut nur zu einer ganz bestimmten Zeit in Florida vorbei.

Schließlich gibt es noch eine Menge Geier, von denen nicht ganz klar ist, ob sie hier leben, oder ob sie nur den Bewohnern das Futter abspenstig machen.

Nach den Vögeln besuchen wir noch andere Artgenossen der floridianischen Tierwelt, welche im Park ein Gnadenbrot gefunden haben, so zwei Scharzbären, einen Florida-Panther, Füchse und Rehe.

Aber in erster Linie wollen wir natürlich die Manatees sehen.

Praktischerweise werden die Manatees drei Mal täglich gefüttert (also die kranken Tiere „hinter Gittern“), das lassen wir uns nicht entgehen. Wir beobachten zwei von ihnen, die sich jeweils einen der frischen Kohlköpfe holen und diesen dann in eine Ecke mitnehmen, in der Hoffnung, ungestört speisen zu können. Da mischt dann aber immer schnell der Kollege mit, der wohl keine Lust hat, die weite Strecke rüber zu den Dutzenden frischen Kohlköpfen zu schwimmen (immerhin rund fünf Meter), sondern versuchen, den anderen zu beklauen. Wenn beide voll und ganz damit beschäftigt sind, kommen dann große Fische an und schnappen sich aus dem Kohl ein Blatt oder zwei. Wenn zwei sich streiten…

Ab und zu müssen die Manatees zum Atmen auftauchen, es sind ja Säugetiere.

Nachdem wir auch hier eine Weile zugesehen haben, spazieren wir noch etwas flussabwärts. Ein Eichhörnchen fühlt sich von uns bedroht und bellt uns vom Zaunpfahl aus an.

Ja, und dann werden wir noch überraschend Zeugen einer Manatee-Rettung. Offenbar geht es um eine Kuh und ihr Kalb, welche krank oder verletzt sind, und die aus dem Fluss zu bergen sind. Mit einem Netz haben die Helfer die Kuh eingekreist. Noch wehrt sie sich heftig (zuerst dachten wir, hier wäre ein Krokodil zu fangen). Dann packen die Freiwilligen alle zu und wuchten das riesige Tier an Bord. Alle Zusehenden auf dem Fluss und am Ufer applaudieren.

Offenbar hatten sie vorher schon das Kalb geborgen. Erst jetzt merken wir, dass es schon die ganze Zeit am Ufer hinter uns lag.

Das Tier ist ruhig und wird von Helfern beruhigt und betreut. Ab und zu gibt man ihm etwas Wasser über die Nase, damit der Atemreflex einsetzt.

Dann holen die Retter mit der Kuh an Bord (rechts hinten) auch das Kalb ab und fahren davon. Völlig alltäglich scheint eine solche Aktion hier nicht zu sein, denn auch die Ranger filmen das Geschehen mit ihren Handy-Kameras mit.

Wohlgemerkt, wir befinden uns hier ja nicht mehr im Park hinter Zäunen und Gittern, sondern auf dem Fluss, auf dem ein Dutzend Paddler und Bootsfahrer Ausschau nach Manatees halten.

So sieht das dann aus, wenn zwei Manatees hinter dem Kajak durchtauchen. Da sie ja immer wieder zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen (wenn auch sehr kurz), bekommt man sie dann immer wieder mal zu sehen. Von der Beobachtungsplatform am Fluss können wir das Treiben ganz gut beobachten – mit den Manatees schwimmen, das sollen mal andere machen.

Schließlich schauen wir noch am Quelltopf vorbei, der vor Leben fast übergeht.

Zurück zum Parkplatz nehmen wir dann nicht mehr das Boot, sondern wir laufen die Meile einfach – durch wunderschönen Wald aus Eichen und Palmen. Die andere Form des Mischwalds…

Der Ausflug nach Homosassa hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn wir jetzt noch knapp zwei Stunden zurück fahren müssen. Für Strand war heute keine Zeit, aber da es heute doch noch recht frisch war (ab morgen soll es wieder wärmer werden), macht das gar nichts. Mal sehen, ob wir es morgen an’s (oder gar in’s) Meer schaffen.

 

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