Lava, Dampf und eine unangemeldete Einreise

Nachdem wir gestern das isländische Wetter erstmals kennenlernen durften, sind wir gespannt, was uns heute erwartet.

Wir wollen die Halbinsel Reykjanes erkunden, den Südwesten Islands. Auf dem Weg dorthin ist es trocken, aber das war gestern auch so. Die Berge, hinter denen unser erstes Tagesziel liegt, sind aber schon im Nebel verschwunden.

Dennoch ist es heute nicht das Wetter, das uns einen Strich durch die Rechnung machen will, sondern ein Schild am letzten Kreisverkehr bevor die Straße in eine Piste übergeht: Lokad. 25.6. 10:00 – 12:30.

Okay, also Lokad. Was heißt das nur? Flohmarkt? Sonnenbad? Nein nein, wir ahnen ganz richtig. Es heißt wohl „geschlossen“. Die Straße ist gesperrt. Und das sogar schon um 9:40. Isländische Pünktlichkeit. Also drehen wir um und fahren unsere Runde dann eben in entgegengesetzter Richtung.

Auf der Hinfahrt hinein in unsere Sackgasse war uns schon ein etwa Fussballfeld-großer Garten mit Trockengestellen aufgefallen. Rückzu sehen wir uns das mal aus der Nähe an. Tatsächlich trocknen hier tausende Fischköppe vor sich hin.

Beim Öffnen der Autotüre steigt uns schon ein einschlägiger Geruch in die Nase. Wir fragen uns, was man mit all den getrockneten Fischköpfen wohl vor hat.

Und just in diesem Moment geschieht es: Zum ersten Mal erblicken wir sie. Die isländische Sonne. Kaum hatten wir mehr an ihre Existenz geglaubt.

Die Sonne lässt die allgegenwärtigen Lupinen gleich viel schöner leuchten.

Fischköppe.

Wir lassen den Fischduft nun hinter uns und machen einen weiteren Halt an einem Vikingermuseum. Das große Vikingerschiff sehen wir uns nur von außen an, den Streichelzoo können wir natürlich nicht gänzlich auslassen.

Direkt dahinter befindet sich eine historische Fischerhütte. Den Bewohnern war es seinerzeit nicht erlaubt, sich Tiere, wie etwa ein Schaf zu halten, und so blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als Fischer zu sein. Soviel zur freien Berufswahl.

Die Hütte ist praktisch komplett mit Gras bewachsen. Rundrum, und auf dem Dach sowieso.

Weiter geht es auf den Südwestzipfel der Halbinsel hinaus. Hier verläuft die Spalte, an der die eurasische und die amerikainische Kontinentalplatte aneinanderreiben und jährlich zwei Zentimeter (also zwei Meter in 100 Jahren!) auseinanderdriften.

Zur Gaudi haben die Isländer hier eine Brücke über den Graben gebaut und „Brücke über die Kontinente“ getauft. Auf der einen Seite steht „Welcome to Europe“, auf der anderen steht „Welcome to America“.

Wow, da sind wir heute also schon zwei Mal nach Amerika ein- und wieder ausgereist, ohne es zu merken, und ohne Papiere noch dazu!

(Ich persönlich hätte es übrigens lustig gefunden, wenn auf der amerikanischen Seite der Brücke noch ein Verbotsschild wie „Do Not Run“ oder so  gehangen hätte. Das versteht aber nur, wer die Vorliebe der Amis für Verbotsschilder kennt.)

Kurzer Exkurs zur Geologie: Wir befinden uns da, wo der Stern ist.

Zum Glück haben wir hier draußen in der Lavawüste keine weitere Wanderung vor. Denn, würden wir uns verlaufen, man fände uns nie wieder. Schwarzer Kater auf schwarzem Grund, sozusagen.

Weiter geht es durch die Lava Richtung Süden. Ein kurzer Weg führt auf einen kleinen Krater einer Reihe von 100 Vulkankratern. Am Ende der Reihe (und der Halbinsel) steht ein Geothermalkraftwerk, das gut in einen James-Bond-Film passen würde. So oder so ähnlich muss man sich wohl auch die Besiedlung des Mondes vorstellen.

Das Kraftwerk steht nicht von ungefähr hier draußen, nein, es wurde hier gebaut, weil hier heißer Dampf direkt aus der Erdoberfläche quillt. Hinter’m Kraftwerk besuchen wir das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver.

In vielen kleinen Löchern zischt und brodelt es, aber aus einer Quelle quillt der Dampf mit lauten Getöse und riesiger Geschwindigkeit heraus.

Der Boden lässt auf Schwefel schließen, aber das hatten wir schon am Parkplatz erschnuppert. Ja, es riecht streng.

In direkter Nachbarschaft gibt der Nebel immer wieder mal den Blick frei auf den Leuchtturm, der hier die Südwestecke der Insel bewacht.

Ein nagelneuer Plankenweg führt bis direkt an die Quelle heran, die direkt aus den Resten des alten Weges zu schießen scheint. Im Vulkanland sind die Dinge eben immer in Bewegung. Rechts hinter dem Dampf ist der Krater eines kleinen Schlammvulkans zu sehen, der diesem Ort seinen Namen gab. Die Quelle ist nämlich nach einem Gespenst benannt.

Die Geschichte dazu im Detail:

Huh, das war unheimlich. Aber wir verstehen auch zusehends, dass es auf Island keinen Fels und kein Wasserloch gibt, zu dem keine solche Geschichte existiert.

Weiter geht es nun die Küste entlang zurück in Richtung Osten, wo schwarze Lavaklippen die Brandung brechen.

Es ist natürlich nicht irgendeine Klippe, sondern ein Pool, in dem ein Troll … ach, die ganze Geschicht habe ich mir leider nicht gemerkt.

Der Troll scheint jedenfalls vertrieben und wir fahren weiter nach Grindavik, einem rustikalen Fischerort, wo wir im Hafen im urigen Café Bryggjan ein Lachsbrot und eine heiße Suppe verzehren.

Gestärkt und gewärmt fahren wir wieder hinauf in die Lavawelt.

Zum Baden reicht uns heute leider die Zeit nicht mehr. Aber einen Abstecher zum Besuch der blauen Lagune machen wir trotzdem.

Die blaue Lagune ist nur bedingt ein Naturschauspiel. Tatsächlich wird hier das auch nach der Stromerzeugung noch recht heiße Wasser eines weiteren Geothermalkraftwerks in die Landschaft geleitet, auf dass es wieder versickern soll. Dabei lagern sich eine Menge Mineralien ab und es entstehen weiße Schlammbecken, in denen das mineralhaltige Wasser hellblau leuchtet.

Inmitten der Lava sieht das ganze unwirklich aus.

Ein großer Teil der blauen Lagune wird nun als Thermalbad genutzt, das wir hoffentlich am Ende unserer Reise noch besuchen können.

Nach Sonnenschein, dichtem Nebel und strömendem Regen erreichen wir letztlich noch das Hochtemperaturgebiet Seltun, das nett, aber auch nicht ganz so spektakulär wie bereits Gesehenes ist. Es blubbert und kocht auf jeden Fall kräftig vor sich hin. Leider regnet es auch wieder und unsere Motivation, noch über einen steilen, schlammigen Hang zu weiteren Quellen aufzusteigen ist für heute Nachmittag versiegt.

Wir belassen es bei einer Runde über den Plankenweg und kommen unverschlammt, aber dennoch durchnässt, wieder am Auto an.

Zum Glück ist die Straße zurück nach Reykjavik nun wieder geöffnet. Wir passieren noch einen großen See mit richtigen Stränden aus schwarzer Lava. Der See war vor einigen Jahren innerhalb weniger Wochen zur Hälfte abgelaufen. Irgendwo hatte sich wohl eine Spalte gebildet und schon war der riesige See halb leer. Das ist die offizielle Variante. Insider wissen aber, dass das Ungeheuer, das schon immer in dem See wohnt, den Stöpsel gezogen hat. Wie auch immer, das ganze Ereignis muss recht interessant gewesen sein, da bei der Gelegenheit allerlei Unbekanntes zu Tage trat, unter anderem sogar eine auf dem Seegrund verscharrte Leiche. Soviel dazu. Wir haben den See im Regen nur vom Auto aus angesehen, auch wenn er nach einem spannenden Wandergebiet aussah. Das Ungeheuer bekamen wir bei so oberflächlichem Besuch leider nicht zu Gesicht.

Für den Abend hatten wir uns vorsorglich schonmal einen Tisch reserviert in einem kleinen Fischlokal in Reykjavik. Bei strömendem Regen rennen wir vom Auto in’s Lokal und lassen uns zwei Fischpfannen zubereiten, die noch laaange unvergessen bleiben werden.

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