Beim Eierkochen

Der Tag beginnt vielversprechend mit leichtem Niesel, der später in erfrischenden Sprühregen übergeht.

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass die Isländer in ihrer schönen, sonderbaren Sprache mindestens 20 verschiedene Worte für Regen kennen.

Die Isländer selber sind den Regen ja gewöhnt. Ich gehe jede Wette ein, dass kein einziger Isländer einen Regenschirm besitzt. Was nass wird, trocknet auch wieder. Die Kinder laufen draußen ohne Kapuze mit klatschnassen Haaren rum, für kürzere Strecken braucht man auch keine Jacke. Wir wären morgen krank, würden wir das genauso machen.

Wir fahren in unseren Nachbarort Hveragerði, wo wir uns den Geothermalpark im Ortszentrum ansehen. In Hveragerði gibt es viele heiße Quellen, einfach so, mitten im Ort. Irgendwann ist dann mal jemand nachts in eine brodelnde Quelle reingefallen und wurde durchgekocht, daraufhin hat man einige Quellen eingezäunt und begonnen, Straßenlaternen aufzustellen.

Im Geothermalpark konnte man bis zum Erdbeben 2008 eine ganze Reihe richtig große, in vielen Farben leuchtende Quellen ansehen. Beim Erdbeben lief das Wasser aus allen Quelltöpfen ab und kam erstmal nicht wieder. Eine der leeren Quellen füllte man mit allerlei Müll auf. Als das Wasser nach einem halben Jahr wiederkam, spuckte die Quelle den ganzen Dreck wieder aus und verteilte den Müll im ganzen Ortskern. 2013 lief das Wasser dann erneut ab, und seitdem sind die meisten Quellen wieder trocken.

Ein kleiner Geysir blubbert noch vor sich hin, und beginnt komisch zu schnaufen.

Genau in dem Moment, in dem ich ihn fotografiere, bricht der Geysir etwa mannshoch aus!

Hinten der qualmende Geysir, vorne das Touristenbohrloch. Das Bohrloch wurde irgendwann mal zur Wärmegewinnung installiert und bis in die Siebziger täglich zur Belustigung der Touristen geöffnet, sodass eine dampfende Fontäne emporschoss.

In einem Topf vor der Heizzentrale wird heute für die Touristen (also für uns) Brot gebacken.

Einige Quellen lassen noch etwas heißes Wasser durch’s Gelände fließen, wo Mikroben viele bunte Farben erzeugen.

Wir wärmen uns im Gewächshaus kurz auf, …

… bevor wir zwei rohe Eier erwerben, um diese in kleinen Netzen an Bambusangeln im kochenden Quelltopf zu garen.

Was man eben so macht, wenn’s regnet…

Nach Erreichen des perfekten Garpunkts holen wir uns noch eine Scheibe Roggenbrot und lassen uns das thermalgekochte Ei schmecken.

Den Rest des Tages verbummeln wir in Hafnarfjörður, einem Vorort von Reykjavik, in dessen Stadtpark die meisten Elfen wohnen.

Elfen sind übrigens die ungewaschenen Kinder, die bei einem Besuch von Gott vor diesem versteckt wurden. Dummerweise sagte Gott dann „Was jetzt verborgen ist soll auch verborgen bleiben“, oder so, und so sind die Elfen eben unsichtbar.

Nach dem Besuch des Elfenparks finden wir ein Café mit spektakulären süßen Sachen, wo wir praktisch ein vorgezogenes Abendessen einnehmen. In Hafnarfjörður kam am Nachmittag sogar noch ein wenig die Sonne durch, so haben wir den Regentag doch ganz gut rumgebracht.

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