Lava, Sonne, Sonnenbrand: Landmannalaugar

Heute ist zumindest mal etwas trockeneres Wetter vorhergesagt. Also, bis Mittag wenigstens. Das wollen wir nutzen für einen Trip in’s Hochland. Wir stehen extrafrüh auf und sind damit am Sonntagmorgen noch recht allein auf der Straße unterwegs. Auf der zweistündigen Fahrt haben wir durchgehend das Gefühl, aus dem guten Wetter in Richtung schlechtes Wetter zu fahren. Aber das kann sich ja alles noch ändern.

Kurz bevor die asphaltierte Straße aufhört, machen wir noch einen Boxenstopp. So sehen übrigens die meisten isländischen Tankstellen aus. Wobei das hier noch eine Luxusvariante ist, mit zwei Zapfsäulen und Beleuchtung. Oft genug steht einfach nur eine einzelne Zapfsäule da. Und wer braucht schon ein Dach darüber?

Das Fahrzeug ist leider nicht unseres, ansonsten hätten wir eine andere Strecke gewählt. Nach Landmannalaugar führen zwei Pisten, auf einer sind einige Flüsse zu furten. Wir haben zwar Allrad, aber bei 30 cm Wassertiefe dürfte für uns Schluss sein. Daher haben wir uns für die andere Piste, die F208, entschieden, auf der wir trockenen Fußes nach Landmannalaugar kommen sollten.

Nach 35 km Rüttelpiste, durchsetzt durch längere angenehme Sandstrecken, erreichen wir den Punkt, an dem sich die beiden Pisten treffen, und es sind schon nur noch fünf weitere Kilometer. Bei durchschnittlich 40 km/h Geschwindigkeit, die man hier oben so fährt, braucht man schließlich für diese 40 km auch eine gute Stunde.

An einer kleinen Paßhöhe machen wir einen kurzen Stopp, hinter dem nächsten Hügel dürfte aber schon unser Ziel liegen.

Noch sind die Wolken grau hier oben, aber es regnet immerhin nicht. Es liegt noch ein wenig Schnee in den Rinnen, trotzdem sieht man schon die unterschiedlichen Farben der vulkanischen Hügel rund um das Landmannalaugar.

Wir sind angekommen! Diesen Fluss hätten wir mit dem Auto noch furten können, um direkt an den Zeltplatz – den Ausgangspunkt unserer Wanderung – heranzufahren, aber wir parken lieber davor und gehen zu Fuß über die Brücke.

Der Zeltplatz hat etwas von einem Basislager im Himalaya.

Wir starten unsere Wanderung entlang des Bachs, der aus dem kleinen Tal zwischen dem Berg Bláhnúkur vor uns (unserem Ziel) und dem Lavafeld (rechts) herauskommt. Da der Bach mal hier, mal dort lang fließt, gibt es keinen festen Weg – den muss man sich einfach suchen. Immerhin gibt es eine Brücke, um den Hauptarm des Bachs zu überqueren. In der schwarzen Lava des Bláhnúkur können wir auch schon den Pfad erkennen, der uns dann nach oben führt.

Viele Wanderer sind noch nicht unterwegs, nur ein Paar, etwa hundert Meter vor uns, das zunächst die winzige Brücke verpasst hat und uns dann schon wieder entgegen kommt. Ansonsten wären wir an der Brücke wohl auch erstmal vorbei marschiert.

Wir beginnen den Aufstieg, der uns gleich über ein Feld grün leuchtenden Rhyolits herumführt. Wir blicken zurück auf die kleine Brücke, die wir gerade überquert haben, und den Zeltplatz dahinter.

Unter uns das Tal mit dem Bach, gegenüber das Lavafeld. Die Lava ist locker 20 bis 30 Meter hoch. Nach dem ersten Anstieg können wir das Lavafeld schon bald überblicken.

Etwas entfernt dampft eine Fumerole vor sich hin, dahinter der Brennisteinsalda, der „bunte Berg“. Da wollen wir später noch hin.

Unser Weg geht streng bergauf, das Tal wird immer kleiner und die Weite des Tals wird sichtbar. Der Blick zurück und rundum ist einfach nur beeindruckend. Wir ziehen die erste Schicht Jacken aus, denn es sind schon erste blaue Flecken am Himmel über uns zu sehen!

Noch einmal der Blick zurück in Richtung Zeltplatz und hinunter in eine bunte Mondlandschaft. Aufstieg und Ausblick sind in gleichen Maßen atemberaubend.

Ein Wanderer in roter Jacke folgt uns in einigen hundert Metern Abstand, holt aber zunehmend auf.

Simone beschwert sich, dass ich ständig anhalte, um Fotos zu machen. Ich lasse sie in dem Glauben, tatsächlich brauche ich die Zeit zum Luftholen…

Zwischenzeitlich haben wir auch das Paar eingeholt, das uns unten im Tal voranging. Schnell ist klar, dass die beiden auch Deutsche sind und wir ratschen eine ganze Weile und staunen darüber, dass die Zwei mit dem Fahrrad (!) nach Landmannalaugar raufgefahren sind und dort den Regen der letzten beiden Tage im Zelt ausgesessen haben.

Ich will gerade noch eine kurze Rast vorschlagen, da gucke ich um die nächste Kurve und sehe, dass wir tatsächlich schon den Gipfel erreicht haben! Der Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen ist ein Traum und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Etwas windig ist es am Gipfel, aber es scheint nun tatsächlich die Sonne, und wir packen unsere mitgebrachte Brotzeit aus.

Nach der Rast lassen wir uns für ein Gipfelfoto porträtieren.

Mit einem so tollen Wetter hatten wir nun gar nicht mehr gerechnet! Man wird ja mit der Zeit bescheiden, und freut sich schon, wenn es einfach nur nicht regnet. Dem entsprechend hatten wir keinen Gedanken daran verschwendet, uns vielleicht mal mit Sonnencreme einzuschmieren. Und das wird sich heute noch übel rächen…

Aber zum Glück wissen wir das an diesem Punkt ja noch nicht und so gehen wir über den windigen Gipfelgrat, von wo aus sich der Weg wieder nach unten schlängelt.

Hier lachen wir noch, aber kurz darauf gabelt sich der Weg und wir entscheiden uns basierend auf einer falschen Darstellung in unserer Wanderkarte, und einer wenig hilfreichen Empfehlung einer vorbeiwandernden Italienerin, für den steilen Abstieg, direkt den Hang hinunter, wo sich Asche und Lava als recht instabil erweisen. Wir entwickeln eine Technik aus Hacken-in-den-Kies-hauen und nachfolgendem Rutschen, mit der es uns immerhin gelingt, diesen ekligen Pfad abzusteigen, ohne auf dem Hosenboden zu landen.

Gegenüber beobachten wir das andere deutsche Paar, das sich für den anderen, weit besseren Weg entschieden hat.

Unten angekommen stehen wir nun vor dem Problem den Bach zu queren, denn hier hinten gibt es jetzt keine Brücken mehr. Der Schritt über den Fels in der Mitte ist ein ganz schön weiter, und so entscheidet sich Simone für’s Schuheausziehen und watet durch den vom Schmelzwasser erfrischend gekühlten Bach. Zum Glück wartet am anderen Ufer schon unsere Gipfelbekanntschaft mit einem Handtuch.

Wir durchqueren ein kurzes Lava-Labyrinth und kommen bei der großen, dampfenden und nach Schwefel stinkenden Fumerole an. Hier sind wir jetzt auch nicht mehr allzu allein. Vom Gipfel haben wir schon die Ankunft mehrerer Busse in Landmannalaugar beobachtet, und diese Gruppen sind zwischenzeitlich auf dem einfachen Weg durch’s Lavafeld hier hinter gelaufen. Mit etwas Abstand machen wir noch eine Rast in der Sonne, essen einen Apfel und treten dann den Rückweg an.

Vorher genießen wir von einer Anhöhe aus noch den Blick über das Lavafeld.

Hier ein Suchbild: Wanderer in der Lava. Wer findet alle 12?

Der Weg zurück ist breit und schnell zurückgelegt. Ein paar kleine Schneefelder sind noch zu überqueren, dann der Abstieg aus der Lava hinab zum Zeltplatz, wo uns saftiges Grün erwartet.

Der Bach wird diesmal auf einer Planke überquert, obwohl er hier wahrscheinlich gar nicht so kalt gewesen wäre, denn…

… hier gibt es eine heiße Quelle zum Baden. Da herrscht aber aktuell Hochbetrieb, und wir sparen uns das Bad.

Wir trinken dafür einen Kaffee in der Sonne in der „Mountain Mall“ am Zeltplatz, die aus drei alten amerikanischen Schulbussen besteht.

Letztlich gehen wir zurück zum Auto und treten die Heimfahrt an, wieder über 40 km Rüttelpiste und dann noch 100 km Asphalt.

Ein Kondensstreifen weist uns den Weg. Rund um die Sonne kündigt eine Art Regenbogen das Unvermeidliche an: Auf der Heimfahrt beginnt es wieder zu regnen.

Dennoch haben wir von dieser tollen Wanderung drei Dinge mitgenommen: Unvergessliche Eindrücke, einen Muskelkater, und einen Sonnenbrand. Und was für einen…

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