Gletschertag: Am Jökulsárlón

Der Tag beginnt mit gutem Wetter und der Erkenntnis, dass wir seit drei Tagen ein Zimmer mit Blick auf den höchsten Berg Islands bewohnen – der war nur bisher nie zu sehen.

Ein solches Wetter muss man natürlich nutzen, und so starten wir zeitig – jedoch auch, da wir eine Rundfahrt im Amphibienfahrzeug auf der Gletscherlagune Jökulsárlón gebucht haben. Zwar ist noch etwas unklar, ob diese stattfinden kann – der Wetterdienst warnt vor Sturm in Südisland – aber hinfahren wollen wir so oder so.

Am Jökulsárlón kalbt der Vatnajökull in den See, das Eis treibt dann über den See zum gegenüberliegenden Abfluss, um von dort über einen wenige hundert Meter langen Fluss direkt in’s Meer entlassen zu werden.

Um es vorweg zu nehmen: Das ist – vor allem bei diesem Wetter heute – der fantastischste Ort ganz Islands.

An der Lagune angekommen ist es windstill und es steht noch ein mystischer Morgennebel über dem See (Elfen! Trolle!).

Da kommt schon unser Amphibienfahrzeug für die Runde auf dem See.

Wir gehen früh an Bord, um uns einen guten Platz zu ergattern, aber tatsächlich sind wir nur eine Handvoll Passagiere – da ist wohl eine Gruppe heute morgen zu spät aufgestanden und hat die Abfahrt verpasst. Uns soll’s Recht sein.

Wir fahren einen kurzen Bogen über Land und zack, sind wir im Wasser, und treiben zwischen haushohen Eisbergen.

In dieser Eiswelt fallen die in der Relation zum Drumherum winzig kleinen Boote kaum auf.

In der Lagune leben auch etliche Seehunde, einer von ihnen treibt auf einer Eisscholle an uns vorbei. Er guckt kurz auf…

… entscheidet dann aber weiterzudösen.

Unsere Guides fischen einen Brocken Eis aus dem See, damit wir mal echtes hundert Jahre altes Gletschereis verkosten können.

Weiter geht’s durch skurile Eisformationen.

Im Hintergrund der höchste Berg Islands, der Öræfajökull, den wir gestern schon von der anderen Seite aus bestaunt haben.

Aus dem Gletschersee fährt das Eis unter der Straßenbrücke hindurch auf’s offene Meer hinaus. Der See friert eigentlich nie zu, da er durch die Verbindung zum Ozean einen gewissen Salzgehalt aufweist. Um auf dem See dennoch den James-Bond-Film „Die Another Day“ drehen zu können, hat man seinerzeit den Abfluss mit Sandsäcken blockiert und den See zufrieren lassen!

Die Hängebrücke ist wie viele Brücken auf Island einspurig. Die Fahrbahn spannt sich aber leicht bogenförmig über den Fluss, was zur Folge hat, dass man beim Einfahren auf die Brücke nicht sieht, ob jemand entgegen kommt. So musste ich heute morgen schon die halbe Brücke nochmal im Rückwärtsgang zurückfahren.

Wieder an Land gehen wir noch am Ufer spazieren und machen viele, viele weitere Fotos. Der letzte Nebel hat sich mittlerweile aufgelöst.

Der riesige Gletscher im Hintergrund.

Etwa in Bildmitte klitzeklein ist wieder ein Amphibienfahrzeug unterwegs. Die Boote werden stets von einem Schlauchboot mit Außenborder eskortiert. Sollte doch mal jemand in’s Wasser fallen, wäre der Geleitschutz dann gleich zur Stelle und könnte auch weit schneller wieder an’s Ufer zurück gelangen, als die behäbigen Amphibienboote.

Auch mit dem Kajak kann man losziehen.

Ein Panorama des ganzen Sees: Rechts hinten fließt der Gletscher hinein, links ist der Abfluss.

Nochmal ein Blick zurück.

Ein Eisgespenst.

Während ich weitere Eisberge fotografiere, ruft Simone „Dort!!“ und zeigt auf einen Mehrfamilienhaus-großen Eisberg, der sich gerade umdreht und dessen dunkelblaues, fast schwarz wirkendes Eis von unten an die Oberfläche hoch kommt. Vom Baden in der Nähe von Eisbergen ist wirklich abzuraten.

Was für ein Start in den Tag! Aber es wird noch besser. Gleich wollen wir noch vor an den Strand, sehen, was aus den Eisbergen dort draußen auf dem Meer wird…

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