Winter daheim

Endlich Sonne!

Neulich im Englischen Garten:

Über den Wolken

Woran merkt man, dass es auf die 40 zu geht? Erster Skitag der Saison im März. Ich wiederhole: März!

Auffi

Grandiose Fernsicht vom Pendling, bis nach Italien! Auch die Schlittenfahrt zurück ins Tal haben wir unverletzt überstanden!

Las Vegas aus der Luft

Kurz vor L.A.

L.A. :-)

Huntington Beach, CA

Good Morning, California

Am Strand herrscht morgendliche Ruhe. Nur wenige Jogger und ein paar Schatzsucher mit ihren Metalldetektoren laufen durchs Bild. Die Möwen nutzen das aus und machen sich breit. Nur ab und zu fliegen sie auf, dann natürlich alle gleichzeitig. Es ist mild aber unter 20 Grad, für einige genug, um in der Badehose Frisbee zu spielen. Die Surfer sind natürlich schon zu Dutzenden draußen.

Queen Mary

Wie geplant besichtige ich heute erst einmal die Queen Mary in Long Beach, die zwischen 1936 und 1967 unzählige Male den Atlantik überquert und dabei jahrelang das Blaue Band für die schnellste Ozeanpassage trug. Nach der Self Guided Tour im Maschinenraum soll ich mich für 12:00 auf dem Promenadendeck einfinden, zu einer weiteren Guided Tour. Wie sich herausstellt handelt es sich um die Ghosts & Legends Tour, in der wir im Schummerlicht tief durch den Schiffsrumpf geführt werden, allerlei Geistern begegnen, einer Kesselexplosion entgehen und zuletzt ganz vorne im Rumpf, 36 Fuß unter der Wasserlinie noch knapp einem Wassereinbruch entgehen. Ich sag mal, gut dass ich vorher nochmal für kleine Passagiere war…

In-n-Out

… bedarf für Kenner keiner Erklärung.

Newport Beach

Der Eigner der kleinen Yacht stellt sich als Andrew vor, nachdem er mir anbietet, mich mit seinem Boot zu fotografieren, kommen wir kurz ins Gespräch. Tatsächlich hat er erst vor knapp zwei Jahren ein Praktikum in Passau gemacht, bei MyMuesli, meinem Müsli-Alleinlieferanten. Wir tauschen uns kurz über Müslivarianten aus. Die Leute seien ja so nett gewesen, in Süddeutschland, und das Bier erst, sagt er. Wir lieben die Berge, sie sind für uns, was für ihn hier der Ozean ist, meine ich. Also gibt er mir noch einige Wandertipps für kalifornische Nationalparks mit auf den Weg, dann muss er aber ablegen, er liegt am 20-Minuten-Pier. Kurzparkzone. Balboa Island ist traumhaft. Wer hier eines der kleinen Wochenendhäuser besitzt, kann keine Sorgen mehr kennen. Ich umrunde die Insel zu Fuß. Der Boardwalk trennt den kleinen Strand, die Bootsstege und die Lagune von den Terrassen und Mini-Gärtchen der Anwohner, oft ohne klare Trennung. Wer Gartenzäune für überflüssig hält, kann nur ein guter Mensch sein. Erstaunlich viele Locals führen ihre Hunde auf dem Boardwalk aus, natürlich stets mit Plastiktüte bewaffnet. Ob die armen Viecher nicht lieber mal ins Grüne kacken würden? Was macht man als Tierfreund eigentlich, wenn der Hund mal Durchfall hat? Unterwegs sehe ich, dass die Fähre am Ende der Insel nur 2$ pro Fahrzeug kostet. Das muss ich natürlich ausnutzen, auch wenn immer nur drei Fahrzeuge auf den Ponton passen. Mal sehen, wo sie mich überhaupt hinbringt… Zum Strand natürlich, wir sind ja schließlich in Southern California.

Farmer’s Market

Morning Surf

Im Gegensatz zu der Dame am Nachbartisch habe ich mich gegen Rührei mit Ketchup, und für Joghurt mit Obst und Granola entschieden. Dazu einen frisch gepressten Orangensaft, naja, und einen Blueberry Muffin. Sogar der „Kaffee“ beginnt mir zu schmecken, Anzeichen erster Amerikanisierung? Oder Californication? Ich blicke beim Frühstück über Palmen direkt aufs Meer, so könnte ich jeden Tag beginnen. Jetzt noch ein kurzer (Abschieds-)Spaziergang über den Strand, dann kann es los gehen. Strand ist schön, aber Berge sind noch schöner. Also auf ins Landesinnere, dort soll’s heute 30 Grad warm werden. Sorry, musste ich erwähnen.

Palm Springs Aerial Tramway

Knapp zwei Stunden von LA entfernt liegt Palm Springs, Rentneroase und Rückzugsort des Jetsets im „kalten“ Winter Kaliforniens. Der Wetterbericht sagt klare Sicht voraus, also plane ich, mit der Seilbahn auf 2.596m Höhe aufzusteigen und dabei vier Vegetationszonen zu überwinden. An der Talstation angekommen nehme ich erstmal die amerikanische Seilbahnbaukunst in Augenschein, denn Wikipedia zufolge hat hier ein gebrochener Bolzen schon mal ein Menschenleben gefordert. Aber das vertraute Doppelmayr-Logo beruhigt mich, ebenso wie das Vertrauen in die Ausbildung der Betreiber, denn dem bereits genannten Wikipedia-Eintrag entnehme ich auch, dass der letzte größere Defekt nach 4,5 Stunden von einem ungelernten Operator mit Hilfe dessen Leatherman beseitigt werden konnte.

Gleichzeitig mit mir ist eine Busladung amerikanischer Rentner von Discover America Tours eingetroffen, was zu der Erkenntnis führt, dass amerikanische Reisegruppen sich genauso benehmen, wie deutsche Reisegruppen: laut und unangemessen. Ich lasse es über mich ergehen, und schmunzle, als bei gleichbleibendem Rhabarber-Rhabarber der Rentnergruppe während der gesamten Gondelfahrt das obligatorische Band anläuft, auf dem mit Zirkusdirektorstimme alle Fakten und Besonderheiten von Seilbahn und Umgebung erklärt werden.

Die Seilbahn ist die größte Seilbahn der Welt mit, sich um die eigene Achse drehenden Panoramagondeln. An den Außenwänden sind wie gewohnt Haltestangen angebracht, allerdings dreht sich darunter der Boden und macht pro Fahrt zwei volle Umdrehungen. Mit dem Festhalten ist es da natürlich nicht mehr so einfach, besonders bei Stütze vier schaukelt es auch ganz nett. Man könnte nun einfach auf seinem Platz stehen bleiben, und sich nur festhalten, wenn es nötig wird, aber der Herr links neben mir kommt damit irgendwie gar nicht recht klar und tippelt ohne es zu merken andauernd langsam rückwärts. Mit viel „Excuse me, excuse me“ muss ich immer wieder an meinen am Boden abgestellten Rucksack hinuntergreifen um mit der Masse rückwärts tippeln zu können. So hat die gesamte Gondelladung bis nach oben zwei volle Umdrehungen der Gondel mitgemacht, minus eine halbe Umdrehung, die wir kollektiv zurückgetippelt sind. Beim Aussteigen erhalten wir noch einige Instruktionen und Directions vom Seilbahnschaffner: „The terrace is upstairs. The restrooms are downstairs. The hiking area is outside.“ Scheiße. Wirklich? Draußen?

An der Bergstation gibt es ein Fullservice-Panoramarestaurant mit gelobter Küche, und eine SB-Cafeteria. Mein Frühstück liegt schon etwas zurück, und ich merke ein wenig die dünne Luft in der Höhe, also schaue ich mich mal nach einem kleinen Snack um. Was die Mitreisenden hier oben in der Cafeteria vertilgen ist einfach nur traurig und würde auch nach dem zweiten Verdauungsgang nicht anders aussehen. Ich erspähe dennoch Müsliriegel und eine Obstschale, greife mir zwei Riegel und einen Apfel. An der Kasse antworte ich verdutzt auf die Frage „The fresh fruit, did you bring it?“ – „No, I want to buy it.“ – „You want to buy it?“ – „Yes, that’s an apple.“ – „Ah, okay.“ – „So nobody bought that before me today? Or this week?“ – „Yes, hehe…„. Fertig ausgerüstet begebe ich mich in die hiking area. Ich finde sie draußen.

Oben am Berg ist es durchschnittlich 30° kälter als unten. Also, in Fahrenheit. In Celsius sind das… äh… also, es ist oben halt kälter als unten. Und windiger (wobei, wer das Tal hinunter nach Palm Springs kennt, weiß, dass es auf keinem Berg so windig sein kann, wie dort unten). Auf jeden Fall packe ich mich erstmal angemessen warm und winddicht ein, und mache mich auf den Weg in die Wilderness. Zuerst geht es auf vier Meter breitem Betonweg nach unten, später aber tatsächlich auf unbefestigtem Wanderweg an massiven Kiefern vorbei zu verschiedenen Aussichtspunkten. Neun von zehn meiner Mitfahrer haben die Bergstation nur für ein kurzes Foto verlassen. Fünf von hundert haben sich nicht getraut, nach dem Betonweg weiterzulaufen, die Kiefernnadeln pieksen doch ganz schön durch die Flipflops. Mit den restlichen fünf von hundert teile ich mir den Wanderweg, sprich: Ich bin praktisch allein.

Hier oben liegen noch ein paar Schneereste, aber die Wintersportsaison (Snow Shoeing, Langlauf) ist schon vorüber. Am Aussichtspunkt mit dem schönen Namen „Notch 5“ setze ich mich in die Sonne und picknicke. Den Apfelbutzen traue ich mich nicht in den Abgrund zu werfen („Do Not Litter!„), ich möchte ja nicht als Einziger in Handschellen vom Berg geführt werden, nicht wenn auf der Talfahrt wieder alle rückwärts tippeln. In einem unentdeckten Augenblick überwinde ich meine Ängste und mache ein Squirrel glücklich.

Leider lag der Wetterbericht doch recht daneben, und statt klarer Sicht hinein in die Weiten des Yoshua Tree National Parks sieht man nur hinab in’s im Schachbrettmuster besiedelte Gebiet um Palm Springs. Ich mache mich auf den Rückweg. Auf der Talfahrt stelle ich mich in die Mitte der Gondel und beobachte belustigt, wie die Reisegruppe wieder den Moonwalk machend zu Tale tippelt. Besonders bemerkenswert fand ich dann noch die wissbegierige Frage einer Dame an den Seilbahnführer: „Does it go down faster than up?

Fazit des Ausflugs: Bei mäßiger Sicht war es nicht ganz so lohnend. Dennoch habe ich viel gelernt. Aber der leckere Cappuccino in meinem Stammcafe in Palm Springs wird den Tag wieder rausreißen, das weiß ich jetzt schon.

Cappuccino-Pause in Palm Springs

Worauf ich mich den ganzen Tag schon gefreut habe…

Marilyn verfolgt mich

Letztes Jahr stand die Gute noch in Chicago…

Steak & Fries

Das hab ich mir nach der hektischen Fahrt durch den abendlichen Verkehr in LA aber verdient…

Sounds and the City

Nach diesen beiden eindrucksreichen Tagen, die selbstredend nur der Akklimatisierung und Reduktion des jet lags dienten, muss ich mich nun leider dem Hauptgrund meiner Reise widmen. Während nun endlich der klare, blaue Himmel wieder in LA eingetroffen ist, habe ich den Tag in (zum Glück ungewohnt moderat) gekühlten Tagungsräumen verbracht, mir dennoch bei der Mittagspause einen kleinen Sonnenbrand auf der „Stirn“ eingefangen. Ist mir noch nie passiert.

Das Hotel nahe des Tagungsorts liegt idyllisch am 12-spurigen San Diego Freeway. Meinem Ansinnen nach einem anderen, ruhigeren Zimmer wurde dennoch nachgekommen; ich wohne jetzt vier Zimmer weiter rechts. Bei gleichem Lärmpegel, versteht sich. Die Hotelbetreiber kennen die Beschwerden und haben auf jeden Nachttisch eine Postkarte „Sounds and the City“ gelegt: „Our dynamic urban atmosphere brings many different sounds that may surprise you. One of these sounds is the famous 405 freeway that passes by our hotel.“ Und Ohrstöpsel haben sie auch gleich dazugelegt. Danke, hab ich selber. Anständige Fenster wären eine Lösung gewesen – aber doppelverglaste Scheiben müssen sicher teuer aus dem Ausland eingeflogen werden… Des Weiteren wurde ich informiert, dass mein Nachbarzimmer in den kommenden Tagen entkernt und renoviert wird. Kein Problem, den Freeway können sie kaum übertönen.

Lunch Time

Heute lasse ich Lunch aus und entscheide mich dafür für eine kalorienarme Kugel Chocolate Therapy bei Ben & Jerry’s. Auf der Plaza spielt über Mittag ein Alleinunterhalter auf, umringt von den Jungs und Mädchen einer Grundschulklasse, deren gelber Schulbus am Eingang parkt. Heute morgen habe ich in weiser Voraussicht mit Sonnencreme vorgesorgt, jetzt sitze ich in der prallen Sonne und genieße mein Eis. Die Kids laufen über die Plaza und sitzen rund um die Ein-Mann-Band. Bei „Baby, you’re a firework“ stimmen wie selbstverständlich alle mit ein und so singt der ganze Kinderchor den Song bis zum Ende mit. Es ist rührend.

Hurricane Salmon

Heute Abend mache ich noch einen kurzen Abstecher in die Mall um die Ecke, jedoch wenig ergiebig, der Hollister dort ist winzig. 😉 Soll ich mir vielleicht eine Runde im Hurricane Simulator gönnen? Besser nicht. Gönne mir lieber was Leckeres zum Abendessen.

Stromausfall und LACMA

So, Samstag Nachmittag, Business is over!

Schnell aufs Zimmer und umziehen, und plötzlich… Stromausfall. Es gibt genau zwei Orte, an denen ein Stromausfall echt ungünstig ist. Fahrstuhl. Badezimmer. Ich war nicht im Fahrstuhl.

Soviel hierzu. Zum Glück ist es ja draußen noch hell, und so mache ich mich nach wenigen Minuten auf den Weg zum Auto, elf Stockwerke abwärts, Treppenhaus.

Zuerst mache ich mal einen Abstecher zum LACMA, dem Los Angeles County Museum of Art (irgendwie lese ich immer LMAA, egal).

Und siehe da, ich bin ja so leicht zufrieden zu stellen (richtig, es ist ein Peanut Butter Cookie):

La Brea Tar Pits

Gleich nebenan befinden sich die La Brea Tar Pits, die ich eigentlich nur aus irgendeinem Katastrophen-Film kenne (dort wächst glaube ich ein Vulkan aus den Teertümpeln hervor). Die Tar Pits sind eine Ansammlung großer und kleiner Teerpfützen, die im Laufe der Jahrtausende schon das eine oder andere Tier- (und sogar Menschen-)Leben gekostet haben. Tatsächlich stinken die Pfützen nach Teer, und stoßweise treten große Gasblasen hervor. Bei Ausgrabungen wurde der Teer abgeschöpft und so kamen u.a. Mammut- und Bärenknochen zum Vorschein, die im angeschlossenen Museum zu bewundern sind. Zur Visualisierung hat man dann ein paar Beton-Mammuts in den See gesetzt. Hab ich das also auch mal gesehen.

Zumba!

Was macht man in LA am Samstag Nachmittag? Cruisen! Also cruise ich mit.  Eine gute halbe Stunde lang fahre ich immer im Kreis auf den Parkdecks des Farmer’s Market und des angrenzenden Shopping Centers „The Grove“. Immerhin habe ich bei jeder Runde einen schönen Blick über Downtown LA, und über Hollywood bis hin zum berühmten Hollywood Sign.

Aber auch ich habe irgendwann Glück, finde einen Parkplatz und stürze mich in den Rummel. Gerade noch rechtzeitig komme ich zum Zumba-Kurs – da darf wirklich jeder mitmachen…

Im Pavillon hinter den Zumba-Tänzern kann man sich übrigens mit dem Osterhasen fotografieren lassen. Das lasse ich aus, folge statt dessen meiner Nase, und besichtige den gut sortierten und beeindruckend großen örtlichen Abercrombie.

Farmer’s Market at Fairfax/3rd St

Zwei Hemden später schlendere ich hinunter zum Farmer’s Market. Tatsächlich finde ich einen richtigen kleinen Markt vor, fast wie am Viktualienmarkt! Ich wusste gar nicht, dass es soetwas hier überhaupt gibt…

Ich tauche also in die Geräuschkulisse des Marktes ein, und sehe mir mal die Karte bei einem offensichtlich recht beliebten Mexikaner an. Neben mir ein Mann in schwarzem Rollkragenpulli, Sakko, Jeans, Dreitagebart. Vom Film! Bestimmt! Sicher Produzent oder so. Mindestens zwei Grammys. Führt heute seine neuen Autoren in LA aus, und zeigt ihnen seinen Lieblings-Mexikaner. Ich höre nur „Everything here is delicious„. Gebongt. Hier wird gegessen. Nur was?

Hinter dem Tresen nimmt Carlos die Bestellungen entgegen. Er bemerkt mein hilfloses Suchen auf der Karte, und bietet mir an, eine Sampler Plate zu machen, a little bit of everything. Immer gerne. Während ich nun auf meine Bestellung warte, sehe ich den Köchen bei der Arbeit zu. Die Tortillas werden auf einer großen Grillplatte frisch gemacht. Irgendwann packt der Koch nicht die üblichen handtellergroßen Teiglinge auf den Grill, sondern ganz viele kleine. Und zwei Minuten später ist meine Sampler Plate fertig. Heute wird es sich auszahlen, dass ich mir den Appetit für später aufgehoben habe.

Während ich nun meine Tacos genieße, werde ich mehrmals von anderen Besuchern gefragt, was ich denn da habe. „Sampler Plate, a little bit of everything. Everything here is delicious!“ entgegne ich, und sehe nun immer öfter die kleinen Tortillas auf den Grill wandern. Übrigens bin ich hier nicht der Einzige, der sein Essen mit dem Handy fotografiert.

Das war lecker. Jetzt muss ich nur noch den Cafe-Stand wiederfinden, den ich vorher schon erspäht habe. Bei Huntington Meat gibt es nicht nur fabelhaftes U.S.D.A. Prime Beef, sondern auch eine ansehnliche Wurstauswahl. Nunja, jedem das Seine. Ich such jetzt meinen Cafe-Stand.

Schließlich werde ich fündig, und verwöhne mich heute schon zum zweiten Mal mit einem erstklassigen Cappuccino. Immerhin gelingt es mir, beim Gebäck diesmal Nein zu sagen. Auch wenn’s schwer fällt.

Getty Center

Jetzt muss ich aber los. Eigentlich wollte ich zur Dämmerung am Getty Center sein, von dort den Blick über die Stadt genießen. Das werde ich nicht mehr ganz schaffen, es dämmert nur kurz hier zur Zeit, dann ist es zappenduster. Also kein Stress, und so nehme ich statt dem Freeway den Wilshire Blvd, der mich durch Beverly Hills am Rodeo Drive vorbeiführt.

Und so cruise ich hier einmal den Rodeo Drive rauf und wieder runter, vorbei an Gucci und Versace. Jetzt bloß nicht eines der am Rand parkenden Autos anfahren, könnte teuer werden. Ziemlich ausgestorben hier, die Läden haben wohl offen, aber die Klientel hat ja die ganze Woche Zeit zum Shoppen, und am Samstagabend wohl Besseres zu tun. Mag auch sein, dass man sich bei einigen der Geschäfte hier vorher telefonisch anmelden muss, und dann durch den Hintereingang hineingelangt. Auf jeden Fall sind hier im Gegensatz zum Rummel auf dem Farmer’s Market kaum Leute unterwegs. Nur ein paar Touristen fotografieren verzweifelt die Rodeo Drive Straßenschilder, denn ansonsten gibt es hier nix zu sehen.

Zu guter Letzt cruise ich am ehrwürdigen Beverly Wilshire Hotel und am Beverly Hilton vorbei und folge dann den Anweisungen meines Navi’s zum Getty Center. Mit etwas Glück könnte es noch nicht ganz dunkel sein, wenn ich ankomme.

Das Getty Center liegt extravagant auf einem Hügel nahe des Freeway 405. Mein Navi führt mich vorbei am sich stauenden Verkehr – super – und auf die Getty-Zufahrt zu. Leider leitet es mich aber nicht zum Parkhaus, sondern zum geschlossenen Lieferanteneingang, na toll. Beschildert ist die Zufahrt offenbar nur vom Freeway aus, nur wie finde ich da jetzt zurück? Also begebe ich mich auf eine halbstündige Irrfahrt durch Bel Air – vorbei an Villen und hohen Hecken, bis ich wieder zum Sunset Blvd zurück finde, die Auffahrt auf den Freeway verpasse, nach einer Meile die erste Wendemöglichkeit und dann auch endlich den Freeway finde, und so erreiche ich eine Stunde vor Torschluss und im Stockdunklen das Getty Center.

Von all dem lasse ich mir die Stimmung trotzdem nicht verderben, nehme noch ein bisschen den Blick über die Umgebung (weit reicht der Blick heute Abend leider ohnehin nicht, da am Nachmittag etwas Dunst aufgezogen ist), und die sagenhafte Architektur des Getty Center mit, und mache mich schließlich wieder auf den Heimweg zum Hotel.

Selbigen finde ich deutlich besser als den Hinweg – nur eine geschlossene Auffahrt und drei Meilen Umleitung später bin ich wieder auf der 405 South. Kurz vor dem Hotel – auf der anderen Seite des Freeway – muss ich noch einem Fahrzeug ausweichen, das mit weit aufgerissener Türe am Straßenrand steht. Die Cops halten den Fahrer auf dem Gehweg in Schach. Da fahr ich mal lieber zügig weiter.

Der Strom ist wieder da! So muss ich nicht die elf Stockwerke zu Fuß rauf, prima.

Während ich dies hier tippe, kreist der Polizeihelikopter gegenüber des Freeway, den Kegel seines Suchscheinwerfers fix auf eine Stelle gerichtet. Es ist Samstagnacht. Ich bin in L.A.

Santa Monica

Heute Abend geht es heim, hm. Ich schlafe endlich mal einen Morgen aus und frühstücke nochmal quer durchs Buffet: Eier, Speck, Pancakes, Waffel mit Erdbeeren. Das dürfte bis abends vorhalten.

Gestärkt für den Tag mache ich mich auf den Weg nach Santa Monica. An einem Sonntag haben diese Idee noch andere, kurz nach mir sind die meisten Parkhäuser auch schon voll.

Auf der 3rd Street Promenade, die ganz den Fußgängern vorbehalten ist, ist schon eine Menge los. Die Straßenkünstler scheinen auch immer jünger zu werden, ganz vorne tritt eine Band auf, deren Leadsänger vielleicht vierzehn ist, Zahnspange trägt, und seine beiden Bandmitglieder als seine Schwestern vorstellt. Die Drei können eine Menge – außer singen. Naja, ich tue ihnen etwas unrecht, aber die Show ist 1A und auf der Lautsprecherbox sitzt im Schatten der Herr Papa und verfolgt stolz, wie die Kids die Fußgängerzone rocken. Wenige Schritte weiter spult ebenfalls ein Youngster sein Entertainmentprogramm ab, er arbeitet mit dem Jojo. Normalerweise würde ich sagen, da muss man mindestens 15 Jahre nichts anderes getan haben, um das so zu beherrschen. Aber der Bursche dürfte noch keine 14 sein. Auch hier sehe ich die Eltern stolz am Straßenrand zusehen.

Ich marschiere weiter in Richtung Strand. Der Santa Monica Pier ist ein auf Holzbohlen aufgebauter kompletter Vergnügungspark, der heute vollkommen aus den Nähten platzt. An jeder Ecke wird gesungen, getanzt oder anderweitig gestraßenkünstlert. Ich bin schon einige Dollarnoten los geworden, bis ich mir ein Plätzchen ganz vorn am Pier in der Sonne suche. Ich reflektiere noch einmal kurz, was ich heute morgen vom Wetter in der Heimat gehört habe, und beschließe heute unbedingt noch so viel Sonne zu tanken, wie irgendmöglich. Der Kerl im gelben T-Shirt singt ganz nett, von Beatles bis Coldplay, ich döse fast ein wenig weg. Die Luft ist angenehm heute, nicht wirklich heiß, aber die Sonne brennt schon ganz schön. Die Holzstufen haben sich auch schon mit Wärme aufgeladen, ich beschließe noch ein, zwei Lieder sitzen zu bleiben. Draußen wird gesegelt, die Wellen brechen leise. Jetzt spielt er auch noch Hotel California; ich muss hier weg. Sonst bleib ich noch für immer…

Am Ende des Piers haben die Cops eines ihrer Dienstfahrzeuge geparkt, wahrscheinlich um alle Kollegen vom Lande richtig neidisch zu machen. Kaum ein Besucher lässt diese Fotogelegenheit aus. Dass die Karre nicht nur Dekoration ist, sehe ich später, als die Cops plötzlich zum Einsatz auf der Mitte des Kais ausrücken und dort auch mit Hilfe einer weiteren Streife vom Festland vor begeistertem Publikum einen Übeltäter in Handschellen legen. Action pur. Danach werden noch ausgiebig Zeugen vernommen, aber ob man dafür zu Acht anrücken musste? Die Hälfte der Officers hält Kaffeebecher in der Hand – ich denke, die fanden einfach den Einsatzort klasse. Dumm nur für den Bösewicht, der die ganze Zeit im vergitterten Fond des Steifenwagens verbringt, und sicher noch nie so häufig fotografiert wurde wie heute. Naja, oder vielleicht doch.

Muscle Beach

Den Muscle Beach in Santa Monica muss man einfach gesehen haben. Hier sind allerlei Sportgerätschaften im Strand vergraben, und während Spielplätze für Erwachsene bei uns eher selten sind, gehören sie hier an vielen Stränden dazu. Hier trifft sich alles was Muskeln hat, und diese gerne vorzeigt. An den Geräten wird geturnt, man hangelt sich an den an langen Ketten angebrachten Ringen von einem Ende zum anderen, klettert Seile empor, oder man hebt sich einfach gegenseitig hoch. Auf den Slacklines einfach nur zu balancieren ist relativ out, hier werden jetzt Sprünge und Salti geübt. Auf der Gymnastikwiese wird Yoga gemacht, Hand-auf-Hand-Akrobatik, Salti aus dem Stand, oder einfach nur im Handstand abgehangen. Eine Touristin fragt mich, ob hier ein spezieller Wettbewerb liefe. Ich denke nicht, erkläre ich ihr, diese Leute treffen sich einfach nur hier und turnen gemeinsam. „You can join them if you want!“ Sie schüttelt verwundert den Kopf, kann es immer noch nicht glauben. Denn alles was man hier an Körperbeherrschung sieht, hat tatsächlich Weltniveau.

Ich schlendere zurück zum Pier, denn dort habe ich einen kleinen Fahrradverleih erspäht, bei dem sich die Leute im Minutenrhythmus Radl ausleihen. Unterwegs gerate ich in die Vorstellung eines Straßenkünstlers, er sagt irgendwas Lustiges, ich verstehe kein Wort, lache, winke, gehe weiter, alle lachen. Ein Flitzer im hautengen, hauchdünnen grünen Ganzkörperkostüm lenkt dann die Blicke ab. Noch nie habe ich so viele ungewöhnliche Menschen auf einmal gesehen. Eigentlich könnte ich mir hier auch einfach ein Plätzchen suchen, und die Leute angucken. Aber da steht noch genau ein Beach Cruiser beim Radlverleiher, und den greife ich mir jetzt.

Venice Beach

Der Cruiser mit seinem hohen Lenker ist gar nicht leicht zu manövrieren, aber zum Glück wird auf dem Bike Path nur ganz relaxt gefahren. Ich fahre den Strand südwärts, mein Ziel heißt Venice Beach. Die Freak-Dichte nimmt auf Venice hin noch weiter zu, auf dem „alternativen“ Flohmarkt (Sonnenbrillen, Handlesen und Alles rund um den Drogenkonsum), der sich über mindestens zwei Meilen hinzieht, sind heute zehntausende Menschen unterwegs. Hier findet jeder sein Plätzchen: Die Samba-Trommler treffen sich immer am gleichen Strandabschnitt. Die Skate-Dancer mit ihren klassischen Rollerskates haben ihren Platz, die Skater ihre Bowls und Rails, dann geht es weiter mit Basketball und sogar Tennis. Nur das berühmte Freiluft-Kraftstudio am Muscle Beach ist verwaist.

Ich bleibe erstmal bei den Skate-Dancern hängen, allein hier könnte man den ganzen Tag verbringen und einfach nur die Menschen beobachten.

Drüben bei den Skatern dominierten zwei Kids, ein Junge und ein Mädchen, die vielleicht zehn sind, oder zwölf, und mit ihrem geringen Gewicht und Körperschwerpunkt ganz andere Geschwindigkeiten hinlegen können, als die Älteren. Die Kurzen schießen wie Pistolenkugeln durch die Bowls und legen Sprünge locker bis zwei Meter hin. Für mich sieht das aus, als trainierte hier die Weltelite im Skateboardfahren.

Venice Canals

Zu guter Letzt spaziere ich noch zu den Venice Canals und drehe dort ein paar Runden, die hübschen Anwesen an den Kanälen bewundernd. So lässt sich leben.

Nach der kurzen Rückfahrt nach Santa Monica retourniere ich mein Bike, gönne mir noch einen leckeren Burrito mit extra Guacamole, dazu eine Lemonade, und genieße dabei die warme, tiefstehende Sonne, noch nicht wissend, dass es zurück in München morgen – ja – schneien wird.

On the Road Again

Nun denn, aus organisatorischen Gründen musste ich einige Wochen in diesem kalten Deutschland verbringen, nun bin ich aber wieder vor Ort, um nahtlos die Berichterstattung wieder aufzunehmen – aus Santa Monica, California. Diesmal reise ich zum Glück mal wieder in Begleitung des Herr Kollegen Thomas. Nach laaangem Flug haben wir in meiner Stammherberge in Santa Monica eingecheckt, dem altehrwürdigen The Georgian Hotel. Nach einen kurzen Bummel über die spät abends nicht mehr so bevölkerte 3rd Street Promenade gibt’s nur noch zwei Dinge: Duschen und Bett.

Morgähn

Wie könnte man einen Morgen anders beginnen, als mit einem Strawberry French Toast, Applewood Smoked Bacon, ein paar Buttermilk Pancakes, Scrambled Eggs, Cream Cheese Bagels, Fresh Fruit sowie viel Kaffee und Orangensaft. Ich will natürlich auch den Blick von der Veranda des The Georgian über Palmen und Strand hinaus auf den Pazifik nicht verschweigen.

Und auch zu gucken gibt es von der Veranda aus so einiges. Ganz fleißige kommen um 7h schon vom Joggen oder Surfen zurück, oder sind gar mit dem Rennrad auf dem Pacific Coast Highway unterwegs. Eine Gruppe von Harley-Fahrern checkt gerade aus und braucht kaum eine halbe Stunde um alle Maschinen drei bis vier mal gestartet zu haben, und sich gegenseitig mit mindestens zehn verschiedenen Kameras zu fotografieren. Meine Theorie, dass die gerade die Route 66 von Chicago rübergeritten sind, trifft wohl nicht zu, sonst hätten sie wohl schon genug Fotos. Ich denke, die machen sich auf den Weg auf dem Highway 1 gen Norden. Dann gute Fahrt. Wir machen jetzt erstmal einen Spaziergang in der Morgensonne, runter zum Pier, schauen wann der Radlverleih aufmacht. Harley mieten.

Frühsport

So, als Erstes gilt es nun die Frühstückskalorien wieder abzutrainieren. Also ab zum Muscle Beach, wohin sonst. Die meisten Sportgeräte sind am frühen Morgen noch frei, und wir starten unser Workout wie gewohnt an den Ringen. Schnell erreichen wir Begeisterung und Aufmerksamkeit beim Publikum, dennoch lassen wir die Oberteile an. Wäre ja noch schöner.

Wie es so ist in den USA werden wir umgehend von einem der wenigen Trainierenden, einem Afro-Amerikaner, angesprochen. Anstatt uns missbilligende Blicke zuzusenden, ernten wir aufmunternde Zurufe des Herrn, der gerade am Reck trainiert. Wir gehen zu ihm hinüber, fragen ihn, ob er sonst auch an den Ringen arbeitet. Früher schon, erfahren wir, aber er ist nun schon über 60 und will es nicht mehr übertreiben? Über 60? Entweder der lügt, oder es ist einfach unfassbar. Mit seinen Oberarmen aus Stahl zieht er sich wieder und wieder am Reck hoch, ohne mit der Wimper zu zucken.

Er erklärt uns, dass er früher alles ausprobieren musste, Alkohol, Rauchen, Drogen, und wie der Sport ihm da herausgeholfen hat. Auch die Vorzüge der Fitness auf sein Eheleben lässt er mit einem breiten Lachen nicht unerwähnt. Er selber war im Korea-Krieg, sein Sohn ist gerade aus Afghanistan zurück, und jetzt in Deutschland stationiert. Er will ihn unbedingt mal besuchen, und bei der Gelegenheit natürlich die Concentration Camps besichtigen. Naja, jeder hat so seine Vorstellung von den Touristenattraktionen bei uns. Es gibt auch Schönes bei uns in Bayern, nur mit den Stränden sieht’s ein bisschen mau aus, entgegnen wir und beenden dann unseren Morgen-Workout. Der Smalltalk mit wildfremden Menschen hier ist doch immer wieder ein Erlebnis. Ein schönes.

Baywatch

Am Pier in Santa Monica haben wir uns zwei sportliche Beach Cruiser ausgeliehen, ich weiß ja nun, dass das hier Pflicht ist. Ab geht’s also auf dem Bike Path, der sich zwischen Fußgängerweg und Strand schlängelt, runter nach Venice Beach. Es ist angenehm ruhig hier an einem Freitagmorgen, nicht vergleichbar mit dem Sonntag, als ich zuletzt hier war. Trotzdem ist schon was los am Strand. In den Cafes füllen sich langsam die ersten Plätze, bei den Skatern darf auch das ältere Eisen mal durch die Betontöpfe flitzen, und die Surfer sind wahrscheinlich schon seit Sonnenaufgang im Wasser. Auch einige Lifeguards haben schon ihre Positionen bezogen, ziemlich fotogen, wie wir finden.

Der Fotograf

Auf der Wiese nebenan üben zwei junge Frauen mit dem Hula Hoop Reifen. Als Thomas mit gezückter Kamera auf sie zusteuert, kommt nicht etwa ein „Zieh Leine“, sondern sofort die Frage „Photo, or Video?“ „Photo!“ antwortet Thomas, und sofort wird eine Pose vorgeführt, perfekt fürs Foto (das ich hier gerne noch einfüge, sobald Thomas es mir rüberschickt). Was sie wohl bei „Video“ vorgeführt hätte?

Am Set

Uns fallen nun die vielen Trucks auf, die rund um den Strand parken, und ganz offensichtlich zu verschiedenen Filmproduktionen gehören. An diesem Set wird wohl eine ganz lustige Werbung gedreht. Wir denken erst, der Kerl ist nur das Licht-Double für Heidi Klum, aber nein, er ist der Hauptdarsteller, der kurz mit Ananas und Avocado jongliert und dann in einem spanischen Redeschwall was auch immer anpreist. Hier entsteht dann wohl ein Werbespot. Nur wenige Schritte weiter arbeitet ein weiteres Filmteam, dort spielt ein Grüppchen Teenager Basketball, während ein weiteres Grüppchen auf der Tribüne sitzt und jubelt. Nun ja, ganz großes Kino wird das wohl nicht, aber so merkt man eben, dass man in L.A. ist, dem Herzen der Filmindustrie.

Die Palme …

… ist die Fichte der Angelitos. Sie ist dünn, lang, und spendet Schatten. Ich will auch wo wohnen, wo man Palmen im Garten hat…

Tass Kaff

Nach einem Spaziergang entlang der Venice Canals, die ich schon zuletzt kurz besucht hatte, zieht es mich nun hinüber zum Abbott Kinney Blvd, wo mein Lieblingsröster aus Chicago eine von nur zwei Filialen in ganz L.A. betreibt. Wir lassen uns vom Barrista zwei Cappuccino zaubern und genießen entspannt die angenehme Atmosphäre. Das ist Southern California.

Dejavu am Pier

Zurück am Pier von Santa Monica trennen wir uns wie gehabt von unseren Bikes und löschen unseren Durst noch mit einer handgestampften Limonade. Hier vorne am Pier saß ich doch erst vor einigen Wochen, gibt’s denn sowas? Die Sonne ist auch heute schön, das Meer ruhig, und die Luft, jaaaah die Luft, die ist hier draußen, ganz vorne am Pier soooo rein, sooo…. Stopp. Warum kommt jetzt da jemand mit dem Golfcart angefahren und wuchtet einen Plastiksack von der Ladefläche? Was holt die da raus? Das sieht ja aus wie Fisch? Monströse Fischköpfe! Die stinken! Aber sowas von! Und jetzt wirft die die Fischköpfe einfach ins Meer! Was iss das denn??? Es klärt sich bald auf. Mit den Fischköpfen füttert sie die Seehunde, die unter der Pier hinwegtauchen, und sich ihr Mittagessen abholen. Jetzt weiß ich auch, warum diese Seehunde immer so stinken. An ein weiteres Sonnenbad ist bei dem Mief aber nicht mehr zu denken, und so verlassen wir den Schauplatz zügig.

Mullholland Drive

Es ist nun an der Zeit, dass wir uns vom Pazifik verabschieden, und so begeben wir uns in das echte L.A. – nämlich den Stau auf dem Freeway. Dem entrinnen wir am berühmt berüchtigten Mullholland Drive, den wir Richtung Osten abfahren. Von der kurvigen Strasse genau auf dem Bergrücken zwischen L.A. und dem San Fernando Valley ergeben sich immer wieder grandiose Ausblicke auf die Stadt, und Einblicke in die Gärten der Villen hoch über der Stadt.

Hier liegt zu unseren Füßen die Universal City der bekannten Universal Studios, gleich dahinter die Hallen und Studios von Disney.

Nach Süden blicken wir auf Hollywood und Downtown L.A.

Und vis-a-vis thront über allem das allseits bekannte Hollywood Sign.

Mit diesem Panorama beenden wir unsere Visite in L.A., wenden uns einer kurzen Speisung im In-N-Out Burger zu, und begeben uns nun auf die nicht ganz kurze Fahrt hinein ins Inland, in Richtung Death Valley.

Death Valley

Nach gut fünfstündiger Fahrt erreichen wir exakt mit dem letzten Sonnenstrahl den Eingang zum Death Valley National Park. Erst im Dunkeln kommen wir endlich in Furnace Creek, 159 Fuß unter Meereshöhe, unserem Ausgangpunkt für die nächsten beiden Tage an. Es hat um neun Uhr am Abend hier noch 94 Grad Fahrenheit – wieviel auch immer das sein mag – es ist warm. Und dunkel. Und wir sind müde. Und während der Herr Kollege neben mir schon das Palmenmoped angeworfen hat, und draußen die letzten echten Mopeds samt Fahrer ankommen, schreibe ich hier diese Zeilen und beschließe, dass es jetzt auch mal gut ist. Gute Nacht.

Furnace Creek Ranch

Da steht man extra um 6 Uhr auf, um vor der Hitze auf der Straße zu sein, da macht der Saloon erst um 7 Uhr zum Frühstück auf. Na gut, vergewissern wir uns zunächst noch einmal von der Richtigkeit meiner gestrigen Höhenangabe, wir sind also 178 Fuß unter Meereshöhe, hier auf der Furnace Creek Ranch.

Suchbild: Auf dem Golfplatz haben wir am frühen Morgen einen Koyoten (wohl – wie wir – auf der Suche nach Frühstück) angetroffen. Das ist doch mal eine Motivation, die Bahnen zügig zu spielen, wenn der Koyote hinter einem aufräumt…

Tipp: Auf dem Bild ist er leider kaum zu erkennen, weil er mit dem Hintern zu uns steht.

Ghost Town Rhyolite

Einige Pancakes später sind wir dann schon wieder on the road. Kurz hinter der Nationalparkgrenze durchfahren wir kurz die ehemalige Boom Town Rhyolite. Von dem einst stattlichen Bankgebäude ist kaum noch etwas übrig. Auf alten Aufnahmen, ist zu sehen, wie dieses Gebäude an der Hauptstraße der im Boom befindlichen Goldgräberstadt an einer bevölkerten Straßenkreuzung steht, mit Gehsteigen und Kutschenverkehr vor der Türe. Hat etwas gelitten, seit damals.

Red Pass

Von Rhyolite aus begeben wir uns nun wieder hinein in den Nationalpark und verlassen bei der ersten Gelegenheit den asphaltierten Highway. Unser Ziel ist der Titus Canyon, aber vorher gilt es den Red Pass zu überwinden. Die Straße beginnt in gutem Zustand, nur werden die Steine immer spitzer, und wir fürchten etwas um unsere Reifen. Reserverad haben wir dabei, Thomas hat extra nachgesehen. Vielleicht hätten wir auch schauen sollen, ob es Luft hat? Und Bordwerkzeug, haben wir sowas eigentlich dabei? Zumindest Sprit und Wasser haben wir genug gebunkert, und einige Biker, die die Straße nicht zum ersten Mal fahren beruhigen uns auch: „You’ll be good.“

Noch mehr Ghost Towns: Leadfield

Den Pass haben wir nun gemeistert und die Strecke fährt sich wieder besser. Diese Kollegen hatten wohl weniger Glück:

Vielleicht war es aber auch ein später Bewohner der Boomtown Leadfield, die in den 1920ern binnen kurzer Zeit auf 300 Einwohner anstieg, sogar ein eigenes Postoffice besaß, und dann bald wieder verlassen wurde. Übrig geblieben sind wenige Häuser, allerlei verrostete Relikte der Besiedlung, die große Abraumhalde und der Eingang zum Stollen, in dem die tapferen Männer nach dem Glück schürften.

Titus Canyon

Endlich erreichen wir den Titus Canyon. Die Wände zu allen Seiten werden immer höher. Der Canyon schlängelt sich nun dem Talboden entgegen, in immer kleineren Kurven und stetig enger werdend. Schließlich spuckt Titus uns aus, unten im Death Valley, wo die Temperaturen auch gleich rund 20F über denen oben in Rhyolite liegen.

Scotty’s Castle

Von der Mündung des Titus Canyon in das Haupttal des Death Valley ist es gar nicht mehr so weit bis Scotty’s Castle. Der Tag ist noch jung, und so fahren wir hinauf zur Residenz des großen Schlitzohrs Scotty, und melden uns sogleich für eine Führung an. Scotty’s Geschichte ist immer wieder schön anzuhören. Um sie jetzt komplett wiederzugeben, dafür reicht nach diesem langen Tag nur leider die Energie nicht mehr.

Ubehebe Crater

Einen Abstecher machen wir noch hinauf zum Ubehebe Crater. Als ich zuletzt hier war fegte ein orkanartiger Sturm über den Kraterrand, riss kleine Steinchen mit sich und beschleunigte die leichten Lavakörner zu gefährlichen Geschossen. Heute ist es fast windstill. Wir ersteigen den Kraterrand noch ein gutes Stück weit. Runter geht’s dann etwas flotter: Einfach rennen. Geht perfekt auf dem leicht nachgebenden Lavakies. Der Ubehebe ist übrigens kaum 2000 Jahr alt, so lerne ich von Thomas.

Zabriskie Point

Nach einem Oreo-Eis und einer Abkühlung im Pool der Ranch brechen wir dann zum Sonnenuntergang noch zum Zabriskie Point auf. Leider hat uns die dumme Rangerin eine falsche Sonnenuntergangszeit genannt, und so geht die Sonne exakt bei unserem Ankommen unter. Die tolle Färbung der umliegenden Gräben, die teils rotbraun, teils golden leuchten, bekommen wir nur noch zum Teil mit. Der Zabriskie Point ist dennoch ein schöner Ort.

Wir entscheiden uns das heutige Abendessen im gepflegten Furnace Creek Inn zu uns zu nehmen, und nicht in dem nach Bratfett stinkenden Saloon auf der Ranch. Es war eine gute Entscheidung. Die Wartezeit bis zu unserer schnell improvisierten Reservierung überbrücken wir mit einem Fat Tire auf der Terrasse und verfolgen von dort die einbrechende Dunkelheit. Seit dem Frühstück haben wir bis auf wenige Kekse und das Eis nichts mehr gegessen, und so geht das Bierchen gleich ganz schön in die Birne. Thomas entscheidet sich für ein 14oz schweres Porterhouse Steak zu Ehren Scotty’s, während ich mich mit einem 12oz Ribeye begnüge. Draußen ist es nun zappenduster, nur die Hitze des Tages (105F, ca. 40C) ist geblieben, und so endet leider auch schon der zweiter Tag unserer kurzen Tour.

Good Morning Death Valley!

Ist das nicht schön, wenn man um 6:30 aufsteht und es draußen schon 24 Grad hat? Noch schöner wäre es, wenn es auch bei den 24 Grad bleiben würde. Aber damit ist wohl auch heute nicht zu rechnen.

Immerhin: In unserer dritten Nacht habe ich erstmals mit nur einmal Umdrehen durchgeschlafen. Wie ein Stein.

Also los zum Saloon, die Pancakes rufen.

Im Saloon die erste Überraschung des Tages. Gestern saßen wir noch neben einer Gruppe rüstiger Rentner, die nach dem Frühstück in eine Flotte von zwölf Miet-Corvettes einstiegen und davonröhrten. Heute ist der Laden voll mit grimmig dreinblickenden Bikern, die sich zum Frühstück gleich mal ein paar Burritos mit Tobasco reinpfeifen. Nur der Slang, den diese Biker sprechen klingt aus der Ferne eigenartig. Aus der Nähe wird dann aber doch schnell klar: Es sind Norddeutsche. Da fährt man bis ans Ende Kaliforniens, den tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre, den Ort mit der heißesten je in Nordamerika gemessenen Temperatur (56,2 Grad, am Rande bemerkt). Und dann ist der ganze Laden voller Hamburger. Naja, meinen Pancakes ist das egal.

Devil’s Golf Course

Wir wären nicht im verrücktesten Land der Welt, gäbe es nicht am heißesten Ort des Landes was? Genau. Einen Golfplatz. Auf der Furnace Creek Ranch wird ja vorbildlich gespart was nur möglich ist. Die Klimaanlage ist nur auf 21 Grad eingestellt (normal wäre höchstens 16). Einen Strohhalm bekommt man nur auf Nachfrage. Der Pool ist mit Thermalwasser geheizt. Aber im trockensten Tal des Kontinents, das im Durchschnitt nur 5cm Niederschlag im Jahr erhält – in einigen Jahren auch gar keinen Niederschlag – gibt es natürlich einen Golfplatz.

Und es kommt noch besser. Es gibt nicht nur einen Golfplatz, sondern gleich zwei. Den echten Golfplatz auf der Ranch, und den Devil’s Golf Course etwas südlich. Der eignet sich zum Golfen nur bedingt, die Suche nach dem Ball könnte sich schwierig gestalten. Auf dem Devil’s Golf Course hat die Trockenheit den salzigen Boden kniehoch aufgebrochen, in einer bis zu den umgebenden Bergen verlaufenden Gleichmäßigkeit. Die Salzkristalle auf den Brocken sind messerscharf, und bei Verkostung stellt sich raus: Sie schmecken salzig. Das war überraschend, noch überraschender ist, dass sich unter der dicken Kruste tatsächlich Wasser befinden soll. Hackt man ein Loch in den Boden, hätte man unmittelbar einen kleinen Pool vor sich, heißt es. Eine Hacke haben wir nicht dabei, allerdings hatte ich vorher gelesen, es gäbe in der Nähe des Parkplatzes, genau genommen wenige Meter südöstlich, einige Wasserlöcher, die diese Behauptung hätten beweisen können. Ich hatte mir die Lage dieser Löcher auch auf Google Maps angesehen. Aber auch nach langem Suchen habe ich die Wasserlöcher leider nicht gefunden. Trotzdem sind wir froh, als wir wieder heil am Auto stehen – Devil’s Golf Course lädt nämlich geradezu dazu ein, irgendwo umzuknicken oder durch die fragilen Strukturen einzubrechen.

Auf einem der Bilder ist übrigens Thomas zu sehen. Schon gefunden?

Badwater

Weiter geht es nun nach Badwater, hier ist wirklich der tiefste Punkt des Kontinents, 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir marschieren weit hinaus auf den Salzsee, der tatsächlich an vielen Stellen eine ziemlich rutschig-feuchte Angelegenheit ist. Es ist also nicht so, dass es hier in der Trockenheit kein Wasser gäbe. Das Wasser ist schon da, es ist nur leider total versalzen. Das mussten auch die Entdecker dieser Gegend feststellen, als sie ihre Pferde hier trinken ließen, und diese das leider gar nicht gut vertrugen. Daher der Name: Bad Water.

Beim Trocknen wirft das Salz den Boden in Formen auf, die an Achtecke erinnern. Bohrt man an bestimmten Stellen mit dem Finger in das lehmartige Salz, dann sammelt sich gleich Wasser in dem Loch. Thomas versucht mich nach Eigenversuch davon zu überzeugen, dass ein Salzpeeling die Haut ganz glatt und weich macht, und so reiben wir uns gleich mal kräftig die Hände ein. Ganz überzeugt hat er mich nicht. Zudem er der Wirkung des Wundersalzes selbst misstraut. Denn trotz Aufforderung weigert Thomas sich, das Peeling doch auch mal im Gesicht auszuprobieren. Nun gut, beim nächsten Mal.

Ach ja, das obligatorische Foto vom Badwater-tiefster-Punkt-Schild reiche ich hier noch nach, ist auf der anderen Kamera. Um ein Foto mit uns beiden drauf zu erhalten gibt es hier draußen übrigens die üblichen drei Möglichkeiten: 1. Selbstauslöser, 2. jemanden fragen, ob einen fotografiert, und 3. jemanden fragen, ob man ein Foto von ihm machen kann, der fragt dann automatisch zurück, ob er auch ein Foto von einem selber machen soll. Diesmal haben wir Weg 3 gewählt.

Natural Bridge

Zum Abschluss haben wir uns noch eine kurze Wanderung vorgenommen. Nach zwei Meilen ruppiger Schotterpiste erreichen wir den Parkplatz zur Natural Bridge, von dort geht es eine Meile durch einen kleinen Canyon den Hang hinauf. Zum Glück werfen die Canyon-Wände etwas Schatten, so erreichen wir schneller als erwartet die massive Natural Bridge.

Interessant sind hier auch die zahlreichen Dry Falls, ausgetrocknete Wasserfälle, die einst (oder bei seltenem Regen) in den Canyon hinabstürzen. Fotos dazu folgen!

Crow Bar

Letztlich haben wir das Death Valley hinter uns gelassen, sind laaaange geradeaus gefahren, dann einmal rechts, und an der Death Valley Junction müssen wir abbiegen. Die Kreuzung zweier Straßen ist in der Karte wie ein Ort eingezeichnet, und praktisch heißt dies in der Regel: Hier gibt es eine Tanke, ein Postoffice, eine Bar, und sonst gar nix. Aber mehr als eine Bar brauchen wir ja gar nicht. An der Bar treffen wir unsere Hamburger vom Frühstück wieder, so klein ist der Wilde Westen.

Fabulous Las Vegas

Weitere 120 kurvenarme Meilen später holt uns schlagartig die Zivilisation wieder ein. Schon stehen wir mitten im Rummel von Las Vegas. Am berühmten Welcome Sign kann man sich mit Bibo fotografieren lassen (vielmehr mit einem armen Kerl im Bibokostüm), der Zusammenhang zu Las Vegas erschloss sich uns nicht, also bitten wir einen anderen Homeless gegen einen kleinen Tip an, uns vor dem Schild zu fotografieren. Er macht das hochprofessionell, arrangiert uns in vier verschiedenen Posen, das Ergebnis kann sich sehen lassen… also, auf jeden Fall kommt das Schild gut raus.

Wir machen noch einen kurzen Bummel (kurz bedeutet in Las Vegas immer: 30 Minuten hin, 30 Minuten zurück) den Strip hinauf, vorbei am New York, New York

… und schließlich zu den sagenhaften Fountains of the Bellagio:

Für heute ist uns das genug Vegas.

Viva Las Vegas

Venedig

Nach der Flut

Seattle

Da wären wir!

Nach einem angenehmen Flug mit Ausblicken über den Atlantik, Grönland und Kanada sind wir am frühen Mittag in Seattle gelandet. Früher Mittag bedeutet aber auch: Das wird ein verdammt langer Tag. Doch der Himmel strahlt und die Sonne hält uns wach. So erkunden wir schon am Anreisetag, der in unserer Planung eigentlich gar nicht vorkam, die Waterfront von Seattle. Im Panorama darf natürlich nicht fehlen: Der Mt. Rainier, der unglaublich hoch am Horizont hervorsticht.

In den USA ist langes Wochenende, am Montag ist Labour Day. Und ein paar Hochzeiten stehen offenbar auch an…

Pike Place Market

Rund um den Pike Place Market ist heute am Samstag die Hölle los. Bei der Pike Place Fish Co. wird traditionell jeder gekaufte Fisch vom Verkäufer zum Verpacker hinübergeworfen, was unter Touristen schon einen solchen Bekanntheitsgrad hat, dass alle paar Minuten ein extra dafür beiseitegelegter Red Snapper einmal die Runde macht. Leider kommt ihnen das glitschige Ding aber gerne mal aus, und so sehen wir uns das lieber aus etwas Distanz an.

Die lebendige Atmosphäre rund um den Markt ist toll, und bei so viel Leckereien bekommen wir tatsächlich Hunger. Eigentlich haben wir heute ja schon zwei Mal gefrühstückt, ein Mal Mittag gegessen und ein Mal Abend gegessen. Aber rein zeitlich gesehen ist hier jetzt Lunch Time. Also suchen wir die Three Girls Bakery auf, die mir zum Glück von einem Bekannten empfohlen wurde, denn dort starten wir unseren Pazifik-Urlaub gleich mal mit einem „Northwester“ Sandwich mit leeeecker Lachs drin. Das muss jetzt aber bis morgen reichen, fünf Mahlzeiten pro Tag sind genug.

Auch für Unterhaltung ist am Markt gesorgt. Wir hören eine ganze Weile bei einer Gruppe schwarzer A cappella – Sänger zu, wow sind das Stimmen. Als Leadsänger wechseln sie sich alle paar Lieder ab, und wie der Sänger eine Zuhörerin zum Tanzen auf den Bürgersteig zieht, stimmt diese gleich mit unglaublicher Gospelstimme mit ein. Nochmal Wow. Damit hätten wir jetzt nicht dienen können…

Seattle Art

Wie in vielen US-Städten gibt es auch in Seattle neben toller Architektur viel Kunst im öffentlichen Raum zu bewundern.

Dem „Hammering Man“ müssen wir natürlich einen Besuch abstatten. Eine Kopie steht übrigens in Frankfurt vor dem Messeeingang.

Am Platz mit den blauen Bäumen scheint jeden Tag für oder gegen etwas anderes protestiert zu werden. Gestern konnte man sich hier für einen guten Zweck die Haare scheren lassen (also, komplett natürlich), heute wird dagegen demonstriert, dass die USA gerade schon wieder in den Krieg ziehen. Nicht gänzlich unsympathisch.

Eher volksnahe Kunst ist die „Gum Row“. Hier verewigen sich die Besucher indem sie einen frischen Kaugummi an die Wand bappen und sich dabei stolz mit dem Handy zu fotografieren. Die so entstehende Gemeinschaftsplastik stinkt grauselich und während man die Gasse durchquert fällt ständig mit einem leisen Plopp wieder irgendwo ein Kaugummi von der Wand. Schuhsohlenkontrolle nach der „Gum Row“: Zero. Glück gehabt.

Ich will auch nicht verschweigen, dass es ebenso Kunst ist, so leckere Mini-Donuts herzustellen:

Chihuly Garden and Glass

Gleich neben der zur Weltausstellung in den 60ern erbauten Space Needle findet sich das Glaskunst-Museum von Dale Chihuly. Schon vor Jahren haben wir seine Glasskulpturen im botanischen Garten in Phoenix bewundert, auch im Bellagio in Las Vegas sind Chihulys bunte Glasblumen zu finden. Die in Seattle ausgestellten Skulpturen sind riesengroß und atemberaubend schön.

Seattle Skyline bei Sonnenuntergang mit Mt. Rainier …

… heute ohne Mt. Rainier und erst nach Sonnenuntergang

Nach einem lecker Fisch-Eintopf in der Abendsonne an der Waterfront marschieren wir zurück zum Hotel und lassen uns unseren Wagen bringen. Valet Parking ist eine tolle Angelegenheit, wenn sie denn nicht vergessen, Dein Auto zu holen, und wenn sie dann nicht zig mal um den Block fahren müssten, um Dir Dein Auto zu bringen. Aber in einer kurz vor dem Park-Infarkt stehenden Stadt wie Seattle darf man wohl nicht zu wählerisch sein.

Noch dazu verfahren wir uns im Baustellengewirr, und dann hat uns unser Freund (Vorname: Tom, Nachname: Tom) noch falsch geleitet (denn in Seattle gibt es die gleiche Straße gerne mehrfach, z.B. ist der Highline Drive nicht identisch mit dem North Highline Drive – aber die Anwohner kennen das Problem und schicken uns schmunzelnd in die richtige Richtung), also haben wir den Kerry Park erst nach Sonnenuntergang gefunden. Dennoch ist das Panorama schön. Und unser Freund Rainier ist heute Abend sowieso unter Wolken. Ein schöner Abschluss für einen langen Tag ist es trotzdem.

Experience Music Project

Im Cafe Zeitgeist beginnen wir heute den Tag mal ganz süß: ein Mandelhörnchen, eine Zimtrolle und ein Blueberry Scone decken unseren Wochenbedarf an Zucker.

Unser Tagesziel ist zwar das „Experience Music Project“ Museum, aber angesichts des schönen Wetters schieben wir doch erstmal eine kleine Rundfahrt auf dem Puget Sound vor, um Seattles Skyline vom Wasser aus zu genießen.

Dann wird es aber Zeit fürs Museum. Das „EMP“ ist ein Gegenentwurf zur klassischen Museumswelt und huldigt in erster Linie der Rockmusik.

Aber auch naheliegende Themen, wie Science Fiction und Horrorfilme haben eigene Abteilungen, in letztere steigen wir zunächst hinab.

Das Museum ist toll aufgemacht und sehr interaktiv. Da meine musikalischen Fähigkeiten ihre Grenzen kennen, bleiben die Möglichkeiten, an verschiedenen Instrumenten zu üben und in kleinen Tonstudios eigene Jams aufzunehmen denen vorbehalten, die wirklich musikalisch sind. Immerhin kann ich an der Mix- und Scratch-Station ein bisschen die Plattenteller beschleunigen. Aber viel besser ist der Horror-Schatten-Generator in der Filmabteilung:

Auf der großen Leinwand sehen wir uns abschließend noch etwas skurrile Videokunst an, und dann geht es heimwärts.

Den Tag beenden wir mit einer Almond Crusted Rainbow Trout und einem Swordfish Casino. Letzteres ein interessanter Name für ein Fischgericht. Klingt irgendwie nach Russisch Roulette, aber Schwertfisch ist ja zum Glück kein Kugelfisch.

Whidbey Island

Heute verlassen wir Seattle, was uns bei leichtem Nieselregen recht leicht fällt. Während wir nun auf der Fahrt Richtung Norden erstmal einige Shopping-Stops einlegen, reißt der Himmel auf und am Abend können wir noch nahe des Fährhafens von Anacortes auf Whidbey Island die Abendsonne genießen, und den Regenwald erforschen. Auch die ersten „wilden“ Tiere laufen uns vor die Kamera (respektive vors Auto).

Im Bett mit Gwyneth Paltrow

Gwyneth liegt neben mir und ist schon eingeschlummert. Aber dazu komme ich gleich. Erstmal den Tag Revue passieren lassen…

Für 9:30 haben wir einen Platz auf der Fähre reserviert, die wollen wir nicht verpassen. Von Whidbey Island setzen wir über nach Port Townsend auf der Olympic Peninsula, dem nordwestlichsten Punkt der USA, und angeblich auch dem verregnetsten. Na schauen wir mal, eigentlich ist gutes Wetter angesagt, und der Morgennebel hat nichts zu bedeuten. Auch dass es kurz bevor ich das Auto beladen will noch kurz einen Wolkenbruch gibt, ignorieren wir einfach. Das Wetter ist hier sehr wechselhaft und im nächsten Augenblick kann auch schon wieder die Sonne scheinen.

Während der Überfahrt schon die erste Überraschung des Tages. Der Captain nuschelt was von „on the left hand side“ und alle rennen nach draußen – es kann sich nur um die Sichtung von Meeresbewohnern handeln. Vielleicht ein paar Sea Lions? Das wäre nichts Neues, selbst auf der Hafenrundfahrt in Seattle schwammen die schon unserem Boot voraus. Trotzdem aufgeregt laufen wir raus auf den stürmischen Bug der Fähre und siehe da: Eine Gruppe Orcas schwimmt mit uns Richtung Festland! Wir sind begeistert – näher wären wir an die Tiere bei einem teuren Whale Watching Trip sicher auch nicht herangekommen. Und mit Walen hatten wir auf der Überfahrt eigentlich überhaupt nicht gerechnet! Später erfahren wir übrigens, dass es an der Küste Washingtons nur drei Orca-Familien gibt.

Angekommen in Port Townsend bummeln wir erstmal durch den Ort. Als stattliche Hafenstadt hätte Port Townsend, im gleichen Jahr gegründet, auch das Seattle Washingtons werden können. Allerdings hat man dann die Railroad nach Seattle gebaut, und Port Townsend blieb ein Dorf. Trotzdem sind die Backsteinbauten aus damaligen Zeiten zurückgeblieben und geben dem Ort eine ansehnliche Kulisse. Da der Ort bei unserer Ankunft gerade erst aufwacht, machen wir nur einen kurzen Spaziergang entlang der Galerien und Läden, und packen uns in einer Bakery schon mal unser Picknick für später ein. Den Raspberry Scone essen wir aber gleich, lecker…

Wir reisen weiter nach Sequim, wo uns der versprochene blaue Himmel erwartet. Wir hoffen ja insgeheim darauf, hier Weißkopfseeadler anzutreffen, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, erfahren wir vom Ranger and er Dungeness Wildlife Reserve. Wir versuchen es noch am Auslauf des Dungeness River, denn zur Zeit ziehen die Lachse flussaufwärts, und Seeadler möglich Lachs (wie wir). Trotzdem müssen wir uns mit der schönen Aussicht von den Klippen trösten. Heute kein Adler.

Dann fahren wir halt hinauf in die Berge. Der Olympic National Park ist riesengroß und kann über Stichstraßen von verschiedenen Seiten aus erkundet werden. Von Norden fahren wir hinauf zur Hurricane Ridge, von hier aus überblickt man gleichzeitig die Gletscher des Mt. Olympus, die Straße von Juan de Fuca (so heißt die Meeresenge zwischen Pazifik und Puget Sound) und Vancouver Island drüben in Kanada. Auch wenn es hier oben heute recht wolkig ist, können wir trotzdem das komplette Panorama bewundern.

Am Ende des kurzen Wanderweges zum Sunrise Point treffen wir eine Rangerin mit einem großen weißen Müllsack in der Hand. Sie lässt den Müllsack im Luftzug laut krachen, um die Mountain Goats, weiße Bergziegen, zu vertreiben. Die Viecher sind faul, und würden am Liebsten immer auf den Wanderwegen gehen, wo sie sich dann nicht so mit den Menschen vertragen. Eine der Ziegen trägt ein Halsband, wir erfahren, dass einige Tiere markiert sind, wenn sie bekannt dafür sind, Ärger mit Wanderern zu suchen. „Go away, go away!“ schreit die Rangerin und lässt den Müllsack nochmal krachen. Warum die Tiere diese Geräusche nicht ausstehen können, weiß sie nicht, es würde aber auch bei Bären funktionieren. Allerdings sind die Ziegen auch nicht dumm. Sie weichen zwar immer ein bisschen zurück, warten dann aber doch ab, ob die Rangerin ihnen nicht vielleicht doch wieder den Rücken zukehrt. Wir sind froh, dass es ihr erst nach unserem Besuch gelungen ist, die Tiere von uns Wanderern fernzuhalten, denn so haben wir wenigstens mal die sonst selten auffindbaren Mountain Gouts gesehen! Wir lassen die Rangerin zurück und hören noch aus der Ferne ihr „Go away, go away“ und das Knattern des Müllsacks.

Von Osten zieht langsam Regen auf, wir machen uns auf den Rückweg ins Tal.

Wieder unten am Meer unternehmen wir noch einen letzten Versuch, Seeadler zu beobachten, diesmal an der Mündung des Elwah River im Reservat der Elwha Klallam Indianer. Der Weg durch den Regenwald hinab zur Mündung ist einsam, feucht und verwachsen, am Ende unserer Mühe steht ein Ausblick auf den Elwah River, aber weit und breit kein Vogel zu sehen. Naja, wir geben nicht auf.

Wir übernachten heute in Port Angeles, einem langgezogenen Hafenort mit Tiefwasserhafen in schützender Bucht. Gestern gab es „Amerikanisch“, und so gehen wir heute mal italienisch essen, bei „Bella Italia“. Die Pasta mit Riesengarnelen ist lecker, und dass Simone spontan mit den Worten „Did anybody ever tell you that you look like Gwyneth Paltrow“ empfangen, und dann auch fortwährend mit „Gwyneth“ angesprochen wird, belustigt uns noch den Rest des Abends. Und so liegt Gwyneth jetzt neben mir und träumt schon, und da mach ich jetzt mal mit. Bis morgen dann.

Hoh!

Heute fahren wir nach Hoh! Aber vorher schauen wir erst mal am Ozean vorbei. Und vorher vorher stärken wir uns mit einem Teller Apfel-Pancakes mit Lemon Butter, mmmmh!

Einen Zwischenstopp legen wir am Sol Duc River ein. Dort gibt es eine Stelle im Bachlauf, wo man angeblich die Lachse beobachten kann, wie sie den Fluss hinaufschwimmen. Die Lachse sind ja bekanntlich schlaue Kerlchen, die zwei bis sieben Jahre lang durch die Weltmeere ziehen, um dann ausgerechnet in den Bach zurückzukehren, in dem sie geboren wurden, um dort wieder für Nachwuchs zu sorgen. Und tatsächlich finden wir eine Stelle im Sol Duc River, eine kleine Stromschnelle, an der den Lachsen nichts anderes übrig bleibt, als einen knappen halben Meter hoch zu springen, um weiter stromaufwärts zu kommen. Wir hatten uns das zwar so vorgestellt wie im Fernsehen, dass es nur so vor Fischen wimmelt im Bach, aber in Wirklichkeit muss man schon ein paar Minuten warten, bis wieder einer vorbeikommt. Aber immerhin! Und die fantastische Regenwald-Kulisse rund um uns, macht das Warten auf den nächsten Lachs auch kurzweilig.

Nach etwas Fahrt durch die Wälder der Olympischen Halbinsel erreichen wir dann erstmals wirklich direkt den Pazifik. Die Strände hier tragen so schöne Namen wie First Beach, Second Beach und Third Beach. Am First Beach herrscht noch rauer Wind unter feucht-warmen Nebelschwaden. Wir verlegen das Picknick ins Auto, und nachdem ich den Müll weggetragen habe, ziehe ich verzweifelt am Türgriff um wieder in unseren weißen Toyota reinzukommen. Bis mir auffällt, dass Simone ja ein Auto weiter sitzt. Sorry, in der Tür vertan… Die schwüle Luft…

Wir steigen ab zum Second Beach. Zuerst geht der Weg durch besonders wilden Regenwald. Ohne Weg bräuchten wir hier sicher einen guten Tag, um zum Strand zu kommen. Mit Weg sind es 20 Minuten. Am Strand angekommen ziehen wir erstmal die Jacken aus – die Sonne kommt durch und augenblicklich wird aus feuchter Kälte eine schwüle Wärme. Die Strände im Nationalpark sind naturbelassen von Treibholz gesäumt, das silbern in der Sonne glänzt. Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang vorbei an Krebskarkassen, Bananenschnecken und allerlei eigenartigen angespülten Algen, setzen wir uns auf das angewärmte Treibholz und genießen die Stille. Gerne wären wir noch länger geblieben.

Doch auf den Abstieg zum Strand muss zwangläufig wieder ein Aufstieg folgen, und den nehmen wir nun in Angriff, um uns endlich auf den Weg nach Hoh zu machen, in den Hoh Rain Forest.

Angekommen in Hoh stellen wir überrascht fest, wie angenehm warm es hier im Innern der Halbinsel an diesem Nachmittag ist. Eigentlich haben wir speziell für diese Ecke hier oben unsere ganzen Regensachen eingesteckt. Auf allen Fotos von dieser Gegend waren immer nur Nebel und Regen zu sehen. Und jetzt ist makelloser blauer Himmel über uns. Also auf in den Regenwald, der bei diesem Wetter erstmal gar nicht wirkt wie ein Regenwald.

Die üblichen Warnhinweise vor wilden Tieren nehmen wir nur kurz zur Kenntnis – was wir später noch bereuen werden. Hier wird vor aggressiven Elk gewarnt. Elk sind übrigens Wapitihirsche, nicht zu verwechseln mit Moose, die wiederum eher den nordeuropäischen Elchen ähnlich sind. Rehe (deer), die wir mittlerweile unterwegs hinter jeder zweiten Garage die mühevoll gepflanzten Blumen knabbern sehen, zähle ich im Übrigen des Weiteren nicht mehr separat auf. Die sind einfach überall hier.

Aber zurück zu den Hirschen. Es kommt wie es kommen musste, schon nach wenigen Metern auf unserem Wanderweg raschelt es im Gebüsch und es zeichnet sich ein großes Tier mit Geweih ab: Ein Elk, ein männliches. Nachdem wir schon Videos gesehen haben, auf denen diese Tiere unvermittelt Autos angegriffen haben, haben wir gehörigen Respekt und weichen erstmal vorsichtig zurück. Das Tier ist riesig! Vielleicht hätte ich mich auf dem Foto doch besser danebenstellen sollen, der Hirsch geht mir mindestens bis zu den Schultern. Nur wenige Meter vor uns überquert er den Wanderweg und bleibt dann im Gebüsch stehen. Wir geben anderen Wanderern Bescheid, gemeinsam warten wir erstmal ab. Ein älteres Paar aus Colorado bestätigt uns, dass dieses Exemplar ganz schön mächtig ist. Sie meinen, sie sehen zuhause häufig Elk, aber dieser sei schon stattlich. Da auch sie wissen, wie aggressiv diese Tiere sein können, kehren sie gemeinsam mit uns lieber um. Wir gehen den Weg (eine Schleife von zwei Meilen) nun lieber in der Gegenrichtung, aber nicht ganz ohne Nervosität. Bei jedem Knacken im Dickicht suchen wir die Büsche mit den Augen ab. Und am Ende des Weges werden wir ja doch wieder an dieser Stelle vorbeikommen.

Nachdem sich unsere Adrenalinspiegel nun langsam wieder senken, können wir auch den Weg durch den von Moosen bewachsenen Regenwald genießen. Die Fotos geben diese Märchenlandschaft nur bedingt wieder. Mit langen Bärten haben die Moose hier in dieser immerfeuchten Gegend die Bäume oft komplett in Beschlag genommen. Am Waldboden wachsen Farne und weitere Moose. Der Wald um uns herum gehört zu den ältesten Wäldern Nordamerikas und einige der gewaltigen Zedern um uns herum sind so hoch, dass man bis zur Krone gar nicht hinaufblickt, so dicht und eng ist alles bewachsen.

Wir sind während des ganzen Weges immer froh, zwischendurch einzelne Wanderer zu treffen. Letztlich kommen wir an eine Lichtung, an deren Rand im Dickicht mehrere Elchkühe auszumachen sind. Und im Hintergrund hört man das Rufen des Hirschen, diesen Ruf hatte er auch vorher schonmal ausgestoßen, als wir ihm ganz nah waren. Der will den Damen wohl an die Wäsche, aber da müssen wir nun wirklich nicht dabei sein. Wir machen uns zügig auf den Rückweg, plötzlich hören wir, dass da etwas großen ganz schön schnell durch das Gebüsch rennt. Das Knacken der wegbrechenden Äste kommt immer näher und wir suchen Schutz an einem dicken Pfahl des Geländers, das uns auf diesem Wegstück etwas Sicherheit vorgaukelt. Das Knacken hört auf, wir hören nichts mehr. Jetzt nichts wie zurück zum Auto.

Am Visitor Center angekommen, lesen wir die Warnung vor den Elk nun noch einmal genauer durch. Werden wir in Zukunft dann wohl immer so machen… Man soll sofort den Ranger informieren, steht da, aber der Ranger ist schon heimgegangen. Den Wanderern, die uns noch entgegen kommen wünschen wir viel Glück und verlassen den verwunschenen Wald. Das war Hoh.

Kalaloch

Erst kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Kalaloch Lodge. Direkt am wilden Strand gelegen ist sie die einzige von zwei Lodges in diesem Teil des Nationalparks. Ansonsten gibt es noch ein paar einfache Motels in den Indianerreservaten. Wenig Konkurrenz innerhalb der Nationalparks hat leider oft eine arge Diskrepanz von Preis und Leistung zur Folge, und vor dieser Unterkunft haben wir uns ehrlich gesagt schon ein bisschen gefürchtet, die einschlägigen Reviews verhießen nicht viel Gutes. Sogar von Ratten in den Cabins war die Rede. Also hatten wir uns für ein Zimmer in der Lodge entschieden. Wir erhalten sogar ein unerwartet großes, helles Zimmer zur Seeseite hin.

Leider nur scheint der Vormieter irgendwie gemeint zu haben, im Zimmer Eier braten zu müssen, und hat wohl dann die heiße Pfanne fallen lassen, worauf das stinkende Bratfett für immer in den Teppich einzog. So jedenfalls riecht es hier. Doch das ist eigentlich schon der einzige Makel. Frisch geduscht dinieren wir unten in der Lodge, natürlich lecker Fisch. Leider ist nur mit unserer Bestellung etwas schief gegangen, und so bekommen wir erst um 21h unser Essen, und Simones Lachs (heute Mittag noch die Kaskaden empor gesprungen, jetzt auf unserem Teller) kommt praktisch kalt an den Tisch. Dafür gibt’s das Dessert aufs Haus. Worauf ich lieber hätte verzichten sollen, denn an anderen Abenden waren wir um die Zeit schon im Bett…

Trotzdem sind wir froh, die Lodge als Stützpunkt gewählt zu haben, denn weiter hätten wir heute nicht mehr fahren wollen (und die nächste Unterkunft außerhalb des Parks wäre noch zwei Autostunden entfernt). Am Morgen entschädigt uns die Küche noch mit den besten je westlich des Mississippi gegessenen Walnuss-Pancakes, griechischem Joghurt mit frischen Blueberries. So haben wir uns mit der Kalaloch Lodge versöhnt.

Rod Run in Long Beach

Um viele fantastische Eindrücke reicher verlassen wir den Olympic National Park und reisen weiter südwärts. Unser nächstes Ziel ist eine Halbinsel nördlich der Mündung des Columbia River. Die Halbinsel ist eher lang als breit, durchquert hat man sie in wenigen Minuten, der Länge lang dauert es mit dem Auto aber fast eine Stunde.

Dem entsprechend wirbt man mit dem längsten Sandstrand der Westküste. Der Sand aber ist dunkelgrau, das Meer meist kalt, das Klima feucht und windig. Und so ist Long Beach, der Hauptort auf der Peninsula eher für Kites (Flugdrachen) bekannt, dafür, dass man den Strand hier mit dem Auto befahren darf, dafür dass es hier an 51 Wochenenden im Jahr eher beschaulich zu geht. Nur an einem Wochenende jedes Jahr, da kommen sie alle. Da tobt der Bär, da röhren die Motoren. Dieses Wochenende ist Rod Run, das wohl größte Hot Rod Treffen im ganzen Nordwesten.

Die Leidenschaft für Hot Rods ist tief verwurzelt in Amerika. Die Garage ist ja ohnehin der einzige wahre Rückzugsort des Mannes, und so kauft man sich einen renovierungsbedürftigen Oldtimer, richtet ihn in jahrelanger Arbeit mal mehr, mal weniger originalgetreu wieder her, und dann macht man sich auf den Weg nach Long Beach, zum Rod Run.

Rund 700 Fahrzeuge werden am Wochenende ausgestellt und sicher auch nach vielen Kriterien prämiert. Bestimmt genausoviele, wenn nicht noch mehr Hot Rods sind einfach auf der Insel um dabei zu sein. In Long Beach staut sich der Verkehr, und die stolzen Besitzer der PS-Monster cruisen durch das Zentrum. Für die Einheimischen ist es eine willkommene Abwechslung. Die stellen sich einfach ihre Campingstühle an den Straßenrand und gucken zu, was so vorbei kommt. Noch besser: Man parkt seinen Truck im Zentrum und hockt sich auf die erhöhte Ladefläche.

Sieht man zu, was da so an Fahrzeugen vorbeikommt, wird einem ganz schnell klar, warum dieses Hobby in Deutschland nicht so ausgeprägt, ja, vielleicht sogar zu betreiben unmöglich ist. Denn von den fantasievollsten Gefährten kämen bei uns nur die wenigsten durch den TÜV. Einige haben sich Motoren in die hübschen Oldtimer eingebaut, die auch als Raketenantriebe durchgingen. Die Low Rider können mittels Luftfederung ihre Karosserien bis ganz zum Boden absenken, oder 40cm hochpumpen, natürlich für jedes Rad getrennt.

Nachdem wir genug Abgase geatmet haben, fahren wir hinunter zum Hafen von Ilwaco. Dort findet der sogenannte Slow Drag statt. Bei diesem Rennen treten immer zwei Fahrer gegeneinander an. Kurz nach der Startlinie müssen sie die Motoren abstellen und rollen dann auf die Ziellinie zu. Wer die Ziellinie überquert, und ihr am nächsten bleibt, der hat gewonnen. Da ist dosiertes Beschleunigen am Start gefragt. Und zum Ziel hin versuchen die Fahrer mit allerlei Tricks ihre Gefährte zum Stehen zu bringen. Hektisches Hin- und Herlenken, Aufklappen der Türen und Verdecke, Aufspannen von Regenschirmen, verschiedenste Techniken werden da versucht. Eine Riesengaudi!

Alles in Allem haben wir unser Programm für diesen Tag ein wenig über den Haufen geworfen und haben uns einfach voll ins Geschehen geworfen. Viel verrückter als diese Kombination aus typisch amerikanischer Automobil-Begeisterung und Vorliebe für Extra-Groß, Extra-Laut und Extra-Ungewöhnlich geht kaum. Und der Kontrast zum Vortag hätte größer nicht sein können.

Ilwaco und Oysterville

In Ilwaco, dem Hafen am Südende der Halbinsel, übernachten wir zum Glück fern ab des Trubels in einem gemütlichen B&B. Das Haus ist wunderschön, die Pension ist untergebracht in einer um 1860 gebauten Kirche, später Schulhaus, später Tanzsaal, jetzt buchbar für Hochzeiten. Hier werden wir freundlich empfangen, erhalten von dem Inn Keeper noch einige Tipps für den Abend, und das Frühstück ist auch lecker (Waffeln!). Was will man mehr…

Gleich nach dem schon erwähnten Waffelfrühstück brechen wir auf, denn für heute ist schönes Wetter vorhergesagt. Trotzdem ist am Morgen noch alles in dichten Nebel gehüllt, wir sind eben an der Küste. Doch schon nach unserer ersten kurzen Leuchtturm-Wanderung reißt der Himmel auf und wir durchfahren noch das alte kleine Städtchen Oysterville im Norden der Peninsula.

Der Ort wurde gegründet, nachdem der ansässige Indianerhäuptling unvorsichtigerweise einem Weißen die Austernbänke in der Bucht gezeigt hat. Die Kirche war seinerzeit eine der modernsten, sogar mit großem Taufbecken, das mit Pumpen gefüllt werden konnte. Nur den Ablauf hatte man vergessen – das Becken wurde nach der Taufe mit einer Eimerkette durch die Gemeinde wieder geleert. Auch heute werden hier noch Austern gezüchtet, die Verkaufsstellen sind leicht zu erkennen an mannshohen Haufen leerer Muscheln vor der Türe.

Naiv wie wir eben sind, hatten wir in Oysterville einen kleinen Ortskern, vielleicht auch ein paar Läden oder Galerien erwartet, aber tatsächlich stehen hier nur in weiten Abständen die uralten, aber wunderhübschen Holzhäuser der ersten Siedler, alle noch bewohnt und mit traumhaftem Blick auf die Bucht, dann noch Kirche, Schulhaus und die Cannery (also die Fischfabrik, wo heute frische Austern verkauft werden), und das war’s. Der Amerikaner steigt zur Besichtigung nicht mal aus, die Erklärungsschilder sind auf Autofensterhöhe angebracht. Wir spazieren von Haus zu Haus und genießen das den traumhaften Morgen. Den alten Friedhof besichtigen wir dann wieder ganz amerikanisch: Wir fahren mit dem Auto durch. Muss wohl so. Ist aber ungewohnt. Hier liegt übrigens auch der Indianerhäuptling begraben, der den Siedlern die Austernbänke zeigte. Die hatten wohl verstanden, dass sie ihren Reichtum (die Austern wurden bis nach Californien verschifft) nur ihm verdankten. Ein Indianer auf einem christlichen Friedhof, ich bin mir sicher, das gibt es nicht so oft auf diesem Kontinent.

Auch hier wachsen die Moose übrigens wo sie nur können:

Und letztlich will ich nicht verschweigen, dass wir in Long Beach auch an der Cappuccino-Front fündig wurden: Die Long Beach Coffee Roasters rösten selbst, und das schmeckt man dann auch. Mmmh.

Haystack Rock

Während wir die Halbinsel nun verlassen, kommt uns weiterhin ein Strom an Hot Rods entgegen. Wir überqueren den Columbia River über die spektakuläre, vier Meilen lange Brücke bei Astoria, verlassen Washington und erreichen Oregon, den zweiten Bundesstaat für diese Reise.

Nicht viel weiter südlich erreichen wir wieder die Küste und den kleinen Ort Cannon Beach, der mit dem fotogenen Haystack Rock aufwartet. Der Haystack Rock heißt Haystack Rock, weil er aussieht, wie ein riesiger Heuhaufen. Ein Einheimischer erklärt uns, dies sei der schönste Strand der Welt, er hätte sie schon alle gesehen und verglichen. Ohne seine Angaben überprüft zu haben, können wir aber schon zustimmen, dass dieser Strand ganz schön was zu bieten hat. Erstmal das Panorama über den Haystack Rock. Dann die Sonnenuntergänge hinter dem Haystack Rock. Und zuletzt noch die Tidepools am Haystack Rock. Panorama und Sonnenuntergang machen wir heute. Tide Pools morgen. So einfach ist das am schönsten Strand er Welt…

Bisschen noch…

Und wech isse…

Tide Pools

Meistens sind wir früh auf den Beinen, und so passt es uns prima in den Plan, dass die Ebbe heute schon um 8:40 ihren Tiefsstand erreicht. Bei Ebbe werden hier am Strand Felsen freigelegt und bleiben kleine Tümpel stehen, in denen wir nun einige Meeresbewohner beobachten können, die ansonsten nicht so einfach zugänglich sind. Aus der Ferne sieht man unter dem zentimeterdicken Muschelbelag einige dunkelrote und orangene Punkte. Aus der Nähe erkennt man: Es sind Seesterne! Die Dinger sind unerwartet groß, mehr als tellergroß, und fassen sich irgendwie… nein, wir haben sie besser gar nicht erst angefasst. Unter Wasser leuchten dann ganz grün die Seeanemonen. Schön!

Über Tillamook nach Newport

Nachdem wir heute morgen schon die Tide Pools am Haystack Rock bewundert haben, wird es schwer dies über den Tag hinweg noch zu toppen. Wir starten wieder südwärts auf der Küstenstraße, die mal ganz unten am Strand, dann wieder etwas erhöht über kleine Capes und Hügel mit schönen Ausblicken auf die darunterliegenden Strände und vorgelagerten Inselchen bieten.

In Tillamook machen wir einen Stopp an der Käserei. Tillamook Käse gibt es praktisch überall in den USA, man kann ihn eigentlich in der Nähe unserer Scheiblettenkäse von Kraft einordnen, dennoch scheint er einen guten Ruf zu genießen. Und die kleinen Käsestangen („String Cheese“) mit Jalapeno, auch den scharfen Pepper Jack kaufen wir uns oft für unsere Brotzeiten. Dennoch ist es halt nicht gerade ein Käseland hier. Aber ob der Bekanntheit strömen hier die Massen zur Besichtigung der Käsefabrik. Praktisch zu sehen gibt es nur die Halle, in der der Käse am Fließband geschnitten und in Plastik eingeschweißt wird. Dazu laufen gleichzeitig drei Videos, in denen Kunden den Käse preisen, als hätte er heilende Wirkung, sowie in denen der Prozess der Käseherstellung von der Kuh bis in die Plastikfolie erläutert wird. Das mag nun sarkastisch klingen, aber ich bin mir sicher, dass hier heute einige Kinder den Satz „Cheese is made of milk, Daddy?!?“ ausgesprochen haben.

Nach dem Blick auf die Verpackungslinie haben wir genug über Käse gelernt und die Tour geht vorbei an der Käsewürfel-Probierstation und endet direkt im Shop. Hier kaufen die Eingeborenen nun eingeschweißte Käseblöcke, soviel sie nur tragen können, außerdem Fudge und Eiscreme. Der Amerikaner ist ein Herdentier. Wenn er eine Schlange sieht, wo alle etwas kaufen, macht er eben mit. Wir wollen nicht auffallen, kaufen Käseblöcke in Brotzeitgröße, Fudge und Eiscreme.

Nach dem lehrreichen Abstecher in die Käsemanufaktur biegen wir wieder vom Highway ab und folgen dem Three Capes Drive. Dieser verläuft immer nah am Wasser von Cape Meades über Cape Lookout nach Cape Kiwanda. Heute ist traumhaftes Wetter, aber vom Meer weht immer wieder dichter Nebel auf die Küste zu. Nur über dem Festland vermag die Sonne diesen ganz schnell aufzulösen. An den Capes schafft sie es nicht ganz, und so stehen wir unversehens in dichtem feucht-kaltem Nebel. Die Aussicht vom Leuchtturm ist heute leider eingeschränkt. Also besuchen wir noch den Octopus Tree. Hier wachsen, keiner weiß warum, einfach mehrere Bäume aus einem dicken Stamm hinaus. Im Urwald haben wir das vor einigen Tagen auch schon gesehen, nur hatten die Bäume dort keine Namen.

Schon wenige Meilen später stehen wir wieder im strahlenden Sonnenschein, und da heute Sonntag ist, sind die Strände rappelvoll. Was bei der Breite und Länge dieser Strände aber nicht wirklich zu Überfüllung führt, nur an den Parkplätzen mit Beach Access sieht man’s eben.

Schließlich erreichen wir unser Etappenziel, den Fischereihafen Newport. Hier logieren wir sehr angenehm oberhalb des Nye Beach. Zum Glück empfiehlt man uns ein Lokal im Hafen, das mit moderner Karte und offener Küche die leckersten Fischgerichte zaubert. Bei Local Ocean Seafoods kommt der Fisch vom Trawler über die Straße ins Eis, und von dort direkt über die Küche auf unsere Teller. Besser kann ein Tag nicht zu Ende gehen.

Nye Beach

Früh am Morgen gehört der Strand noch uns. Gestern Abend fegte hier der Sturm die Nebelschwaden über den Strand – während nur wenige hundert Meter landeinwärts im windgeschützten Hafen die Sonne schien – heute begrüßt uns die Sonne auch hier am Nye Beach. Bei Isabella’s Cafe haben wir uns mit einer Latte und zwei Muffins ausgestattet. Heute gibt es mal ein Frühstück light, während wir den Strand entlang spazieren. Da mache sogar ich mal eine Ausnahme und nehme den Kaffee im Pappbecher…

Zurück am Hotel treffen wir noch einmal Michael, mit dem wir schon gestern ein paar Worte gewechselt haben. Heute lebt er in Arizona, aber aufgewachsen ist Michael in Salem, Oregon, also nicht weit von hier entfernt. Er erzählt uns, wie sie in Salem den Ausbruch des Mount S. Helens erlebt haben, und wie der gesamte Ort unter Asche begraben war, obwohl über 100 Meilen südlich vom Vulkan entfernt, und obwohl der Vulkan nach Norden ausbrach. Wir sind schon gespannt auf den Mt. S. Helens, den wir gegen Ende unserer Reise noch besuchen wollen. Michael empfiehlt uns noch das örtliche Brew Pub. Da wir doch aus Deutschland kommen, wollen wir ja sicher mal ein in Oregon gebrautes Bier probieren… Vielleicht nicht zum Frühstück, aber wir freuen uns trotzdem über die nette Unterhaltung, wie so oft.

Ein Wort möchte ich noch sagen zum Thema Kühlschränke und Motelzimmer, und mich an dieser Stelle ausdrücklich bei unseren Gastgebern am Nye Beach für die hinterlassene Überschwemmung entschuldigen. In praktisch jedem amerikanischen Motel steht ein Kühlschrank, der es manchmal sogar schafft, die Klimaanlage zu übertönen. Das ist praktisch, da kann man sich die halbe Pizza vom Vortag, oder den Doggy Bag aus dem Restaurant reinpacken. Da wir am Morgen selten Pizza oder Reste von Fischgerichten essen, brauchen wir den Kühlschrank normalerweise nicht, würden aber gerne in dem Zimmer schlafen, und nicht alle zehn Minuten vom Anspringen des Kompressors aufgeweckt werden. Der Amerikaner hat ja ohnehin ein anderes Geräuschempfinden (ganz ähnlich wie sein Temperaturempfinden), und kennt dieses Problem nicht. Wir hingegen kennen die einzige Gegenmaßnahme: Bei Ankunft im Zimmer schalten wir mit einem ersten Handgriff mal den Kühlschrank aus. Nun war es gerade hier und heute wohl leider so, dass das Gerät schon länger mal hätte abgetaut werden sollen. Die gute Nachricht: Er ist jetzt komplett abgetaut. Die schlechte: Rund um den Kühlschrank hat sich eine große Pfütze breitgemacht und den Teppich komplett durchnässt. Nun wäre uns das bei so ziemlich allen Motel-Zimmern völlig egal, sind die Teppiche ohnehin oft nicht so lecker anzuschauen. Aber ausgerechnet hier was doch alles so schön neu und sauber. Naja, wie gesagt, an dieser Stelle entschuldigen wir uns.

Oregon Coast Aquarium

An der Pazifikküste zwischen Washington und Californien gibt es eigentlich in jedem größeren Ort hochgelobte Aquarien, alle sind sie bekannt als bestes Aquarium der USA. Welches davon nun wirklich das Beste, wir werden es nie erfahren, denn bisher haben wir die Aquarien alle links liegen gelassen. Aber hier in Newport machen wir mal eine Ausnahme. Das hiesige Aquarium will speziell die Unterwasserwelten entlang der Oregon Coast wiedergeben, und das passt einfach zu gut zu unserer Reise an dieser Küste.

Hier treffen wir auch wieder die großen orangenen Seesterne, die wir schon am Cannon Beach in freier Wildbahn bewundert haben. Dort haben wir uns nicht recht getraut, sie anzufassen, aber hier im Aquarium gibt es ein eigenes Streichel-Becken mit Seesternen aller Art und Farbe, Seeanemonen und sogar Seeigeln. Die Seesterne fassen sich fester an, als gedacht. Die Anemonen hingegen wollen sich gleich an den Fingern festsaugen. Und die Seeigel sind gar nicht stachelig wie befürchtet – wenn man aufpasst.

Im Freigehege sehen wir Puffins, die lustigen Vögel mit dem dicken knall-gelb-roten Schnabel, der gerne und häufig an Oregons Felsenküste nistet. Die Seelöwen sind auch nett anzuschauen, sie sind hier an der Küste auch vielerorts anzutreffen – als wir gestern Abend am Hafen gegessen hatten, hörten wir sie die ganze Zeit vom Pier gegenüber der Anleger rufen. Die Seeotter sind fast ausgestorben, hier im Aquarium haben sie gerade zu essen bekommen und lassen sich jetzt in aller Ruhe auf dem Rücken treiben, mit übereinandergeschlagenen Flossen, die Sonne sichtlich genießend.

Eine Besonderheit ist das ehemalige Wal-Becken. Der arme Wal, der hier viele Jahre in dem für ihn sicher viel zu kleinen Becken die Zuschauer bespaßen sollte, wurde vor einigen Jahren bei Island ausgewildert, starb dort aber wohl schon bald. Das riesige Becken wurde dann zum Aquarium umgebaut, mit einem langen Glas-Kanal darin, sodass man direkt unter den Fischen hindurchläuft. Besonders im Haifischbecken ist das recht interessant. Die Haie sind hier zusammen mit zwei Fischschwärmen eingesperrt, ob die nur als Futter mit drin sind, wissen wir nicht genau.

Der Besuch des Aquariums war auf jeden Fall eine schöne und passende Ergänzung zu unserer Reise, und so machen wir uns guter Dinge wieder auf in Richtung Süden, wo noch einige großartige Ausblicke auf uns warten.

Cape Perpetua

Oben am Cape Perpetua kann uns der Küstennebel nichts anhaben, denn wir schweben über ihm. Am Parkplatz ist es noch windig und eisig kalt, aber schon wenige Meter weiter, in einer geschützten Ecke, ist es sonnig und warm. Sicherheitshalber hatten wir uns für die kurze Rundwanderung mit mehreren Jacken eingepackt, nun sitzen wir im T-Shirt da und brotzeiten unseren Tillamook-Käse aus Tillamook.

Unten am Cape läuft gerade die Flut ein, genau der richtige Zeitpunkt, um am Devil’s Churn und am Spouting Hole die hohen Brecher aus sicherer Entfernung zu beobachten.

Ein kurzes Stück südlicher erreichen wir Florence, hier werden wir den Ozean nun leider verlassen. Wir bummeln nochmal durch die klitzekleine Altstadt am Fähranleger. Dann heißt es Abschied nehmen.

Das nenne ich übrigens mal ein Fischgeschäft:

Dairy Queen

Ohne Worte…

Toketee Falls

Wir sind nun auf dem Weg zum Crater Lake quer durch den Umpqua Forest. Entlang des Highway gibt es dutzende Wasserfälle von ganz klein bis ganz groß. Wir haben uns drei davon ausgesucht. Der Weg zu den Susan Falls führt gemütlich durch wunderschönen Urwald, die Fälle führen aber relativ wenig Wasser. Ist halt September. Beeindruckender sind dann schon die Toketee Falls. Zuerst folgt man dem Wasser, bis es tosend in einer tiefen Klamm verschwindet. Dann geht es über viele Stufen hinab zu einer grandiosen Aussichtsplattform, die wie ein Baumhaus um eine unendlich hohe Zeder herumgebaut ist. Von dort ergibt sich der Blick auf die Fälle, die zwischen Basaltfelsen hervorströmen. Von Wassermangel kann man hier nun nicht sprechen.

Später machen wir noch einen Abstecher zu den Watson Falls, den höchsten in Oregon, die aber auch nur so dahintröpfeln. Dafür haben wir mit den drei kurzen Touren aber unser Wandersoll für heute erfüllt.

Crater Lake

Am späten Mittag erreichen wir den Crater Lake National Park. Der Name sagt schon viel: Hier ist vor Jahrtausenden ein ganzer Berg explodiert, hat einen Krater mit rund fünf Meilen Durchmesser hinterlassen, der dann mit Wasser vollgelaufen ist. Der See hat keine Zu- oder Abflüsse, trotzdem bleibt der Wasserstand konstant, durch nahezu identische Mengen an Verdunstung und Niederschlägen. Im Winter fallen hier auf rund 2000 Metern Höhe gut 12 Meter Schnee, auch das kommt dem Wasserstand dann zugute. Wir haben das kurze Zeitfenster im Sommer genutzt, in dem alle Zufahrten zum Crater Lake offen sind. In vier Wochen schließen die Lodges hier oben schon wieder und verrammeln alle Fenster für den Winter.

Von Winterwetter ist aber heute keine Spur. Extra für unseren Aufenthalt hier haben wir uns die wärmsten Klamotten mitgenommen, nun herrschen sommerliche 29 Grad. Beim ersten Blick hinab in den Krater entfährt hier sicher jedem das gleiche „Wow“. Der See präsentiert sich in tiefstem Blau, denn das Wasser ist unglaublich klar und bis zu 2000 Fuß (600m!) tief.

Wir beschließen eine Wanderung am Kraterrand entlang hinüber zum Discovery Point. Während die Tagesausflügler den Park schon verlassen (denn die nächsten Ortschaften mit Motel-Infrastruktur sind weit weit weg), genießen wir die unglaubliche Stille und den Frieden in der Abendsonne. Wir müssen heute nicht mehr weit fahren, denn wir übernachten in einer Cabin nur wenige Meilen vom Kraterrand entfernt. Unsere kleinen Freunde, die Chipmunks, begleiten uns auf dem Rückweg. Kurz nach Sonnenuntergang beziehen wir dann unsere Cabin. Zur Cabin kann ich nur vermerken: Ist ja nur für eine Nacht. Und morgen wollen wir ohnehin früh raus.

Newberry Crater

Wir machen jetzt Crater Hopping. Der Newberry Crater ist so alt und so groß, dass er als solcher schon nicht mehr sichtbar ist. Allerdings finden sich im Bereich des alten Kraters mehrere kleine Seen und Lava Flows. Einer dieser Lava-Flüsse bietet etwas besonderes, denn hier hat sich durch Hitze und Druck beim Ausbruch des Vulkans Obsidian gebildet, schwarzes Glas. Das gibt es weltweit gar nicht so oft, schon die Indianer haben es genutzt, um Speerspitzen zu bauen, und auch heute wird noch Schmuck aus Obsidian gefertigt. Natürlich darf man hier am National Monument nix mitnehmen, und weil wir echt brav sind, lassen wir die Steine auch da wo sie hingehören: Auf dem Obsidian Lava Flow, für den nächsten Besucher.

Dann fahren wir noch die holprige Schotterpiste auf den Paulina Peak hinauf, immerhin rund 2.400m sind wir dann hoch und blicken hinab auf den Obsidian Lava Flow, den Paulina Lake und seinen kleinen Nachbarn, dessen Name ich jetzt nicht weiß.

Bei unserem nächsten Stopp stehen wir leider vor verschlossenen Türen: Die Lava Cave ist ein von fließender Lava entstandener Tunnel, der mehrere Meilen lang rund 20m unter der Erde verläuft. Leider ist außerhalb der Saison hier Dienstags und Mittwochs zu. So ein Mist, ich hatte extra meine Taschenlampe mitgebracht. Der Arbeiter der Forstbehörde lässt uns zwar noch wissen, dass er in zwei Stunden weg sein wird, und dass das Betreten der Höhle 300$ Strafe kostet – aber wenn’s keiner sieht… Dennoch haken wir das für heute ab und gehen dafür noch den schönen Trail durch die Lava einen Vulkan weiter.

Painted Hills

Puh, heute haben wir eine lange Fahrt vor uns. Das John Day Fossil Beds National Monument liegt ganz schön weit abseits. Von Bend aus geht es gute zwei Stunden durch wenig besiedeltes Gebiet. Dennoch ist das Tal gesäumt von halbkreisförmig bewässerten Wiesen, denn das Wasser des kleinen Flusslaufs an dem sich die Straße kurvig entlangschraubt wird genutzt wie irgend möglich. Irgendwann fährt man dann um eine Kurve und sieht vor sich den ersten dieser rot-gelben Hügel stehen, die aussehen, als wären sie mit Wasserfarbe nachträglich ins Bild gemalt. Jedem Reisenden, der hier hinauffährt dürfte an genau der gleichen Stelle das erste „Wow“ entfahren.

Oben beim Visitor Center, das nur eine kleine, heute nicht besetzte Hütte ist, sind wir die Einzigen. Als dann doch drei Vans vollgepackt mit Geologiestudenten ankommen, nehmen wir Reißaus. Viele nehmen diesen weiten Weg hier hinaus nicht in Kauf, also, zumindest nicht freiwillig. Die Studenten, die hier von ihrem Professor von Schutthaufen zu Schutthaufen gehetzt werden, hatten sich sicher eigentlich für eine Exkursion nach Kalifornien angemeldet.

Wenig später erreichen wir den ersten Wanderweg über dem Tal der angemalten Hügel, den Painted Hills. Am Newberry Crater hatten wir erfahren, dass hier schon die Astronauten vor dem ersten Flug zum Mond ihre Raumanzüge auf Schnittfestigkeit testeten, auch dass die Nasa in Experimenten dem Fels durch massives Erhitzen die 0,2% Wasser entzogen hat, die er enthält, um dieses dann zu trinken. Was die Verrückten von der Nasa wohl in dieser Gegend schon so angestellt haben?

Die Painted Hills leuchten mal senffarben, mal dunkelrot, mal violett und dann wieder ocker. Manchmal sieht man Spuren, mehr vom Menschen, als von Tieren, die aussehen als würden sie auf ewig sichtbar bleiben, mindestens aber bis zum nächsten starken Regen. Nur, nach Regen sieht es hier in dieser Wüste so gar nicht aus.

Nach mehreren Wanderungen zu immer schöner leuchtenden Hügeln fahren wir nochmal zurück zum kleinen Visitor Center. Der Ranger bewässert und mäht gerade den Rasen rund um den Picknickplatz. Ein Ort so fern der Realität und des Lärms, und dann ist es doch so wie daheim: Irgend ein Depp mäht immer. Trotzdem wählen wir diese kleine Oase zum Picknicken, denn nur im Schatten ist es heute gut auszuhalten.

Unser Weg führt uns dann von den Painted Hills nach Norden, gut dreieinhalb Stunden Fahrt am Stück durch dünnst besiedeltes Gebiet. Zunächst geben die Berge noch mehrmals Ausblicke auf Felsen in den ungewöhnlichsten Farben frei: rot, gelb, türkis. Dann ist es dünn bewaldet. Dann sieht es plötzlich aus wie im Winnetou-Film. Irgendwann werden aus den Bergen Hügel, das Land wird flach, weit und offenbar auch fruchtbarer. Während die kreisförmig beregneten Felder oben in den Tälern noch nach mühsamer Landwirtschaft aussehen, sehen wir nun sich bis zum Horizont ausdehnende Kornfelder. Vor den Höfen der Bauern parken kleine Propellermaschinen, so weit sind deren Ländereien. Irgendwann haben wir es dann geschafft und kommen an am breit gestauten Columbia River. Bis hier haben wir auf rund zweieinhalb Stunden Fahrt vielleicht ein Dutzend entgegenkommende Fahrzeuge gesehen. Nun haben wir noch eine Stunde Fahrt auf der Autobahn vor uns, und erreichen am frühen Nachmittag unser Ziel, die Ortschaft Pendleton. Wir sind zurück in der Zivilisation, mehr oder weniger, denn mehr dazu morgen.

Pow Wow

Wir haben Pendleton erreicht. Eine Kleinstadt im trockenen Westen Oregons, eigentlich nur vier Stunden entfernt von Portland, der jungen, quirligen Großstadt, die wir noch besuchen werden, dennoch ein komplett anderer Kosmos. Immer Mitte September findet in Pendleton eines der renommiertesten und größten Rodeos der USA statt. Als wir davon hörten, haben wir gleich versucht, hier noch ein freies Hotelzimmer zu ergattern (wohlgemerkt: vor neun Monaten!) und das letzte freie (bezahlbare) Motel-Zimmer bekommen. Um diesen fixen Termin herum hatten wir dann den Rest der Reise geplant. Ob sich das wohl gelohnt hat, auch wenn man bedenkt, dass Pendleton doch ganz schön abseits unserer Route liegt? Bald werden wir es wissen. Rodeo-Karten haben wir übrigens keine, wir wollen uns eher das Drumherum, und die große Parade morgen früh anschauen. Die Karten waren wohl ohnehin schon ein Jahr vorher ausverkauft…

Zunächst stolpern wir mal etwas unbeholfen durch die Stadt. Der Blick ins Programmheft ist für Greenhorns nur bedingt hilfreich. Bei vielen Veranstaltungen wissen wir nicht wirklich, worum es sich handelt, und nicht immer steht dabei, wo genau das stattfindet – denn die Teilnehmer wissen es ja eh. Also ziehen wir durch Downtown, wo ein bisschen eine Vergnügungs- und Fressmeile aufgebaut ist, aber entweder bauen die gerade auf, oder schon ab. Wir holen uns erstmal einen Funnel Cake, in Südtirol würde man das einen Strauben nennen. Frisch gemacht ist der lääääcker!

Fahren wir also erstmal weiter zum Rodeo Ground. Dort findet – soweit wir das Programm verstehen und interpretieren können – heute Abend zwar kein Rodeo statt, aber es scheint auch da eine Meile mit Buden zum Vorbeibummeln und Cowboysgucken zu geben. Zufällig landen wir aber zuerst bei den Indianern. Die Native Americans sind fester Bestandteil des Pendleton Round-up (so heißt die ganze Veranstaltung, die eine Woche lang dauert). Sie kampieren in Wigwams hinter dem Round-up Ground (dem Rodeo-Stadion), nehmen an den großen Paraden teil, und laden zu eigenen Veranstaltungen ein.

Bei unserem Eintreffen tanzen gerade die Indianerinnen, so wie es aussieht mit anschließender Bewertung durch einige Punktrichter. Die bunten, perlenbesetzten Kostüme – nein: Trachten, denn das sind eben echte Indianer, die haben sich nicht nur als Indianer verkleidet – sind ein toller Anblick. Dann kommen die Chiefs dran, die Häuptlinge. Sie tanzen drei Tänze: Indian Nation, Battle Axe, und den Namen des dritten habe ich leider vergessen. Indian Nation ist quasi die Nationalhymne der Natives. Ein Indianer, der vor uns sitzt, und uns vorher freundlich zu ein paar freien Plätzen auf der Tribüne hochgelassen hat, gibt uns Weißen zu verstehen, dass man sich erhebt, wenn Indian Nation gesungen wird. Der Text geht ungefähr so: Aiaaaaa aia, Aiiiaaah aiah, Aiiiiaaaa aiiia aaa. Im Schatten sitzt eine Gruppe von Indianern rund um eine Trommel, die sie gemeinsam verwenden und singt diesen esoterischen Gesang. Es hört sich unglaublich schön und erhaben an. Dazu tanzen die Chiefs, der eine mehr, der andere weniger engagiert – was sich bei der Bewertung später sicher niederschlagen wird. Am Ende bekommen aber doch alle vom Juror einen Handschlag. Nach dem letzten Tanz darf das Publikum den Bonustanz sogar mittanzen, wir verkrümeln uns jetzt lieber. Allerdings: diese Schritte hätte ich auch noch hinbekommen. Nach dem Bonustanz packen’s auch die Indianer und ziehen sich in ihre Zeltstadt zurück. Morgen werden wir sie überraschend wiedersehen, dazu bald mehr…

Bevor auch wir uns in unser Wigwam zurückziehen, gilt es unsere leergefegten Bäuche zu füllen. Wir entscheiden uns kurzerhand für den Saloon mit dem meisten Rummel: Hamley’s. Der Laden scheint mehr als beliebt zu sein, auch einige Rodeo-Teilnehmer, die stolz ihre Startnummern am Gürtel tragen, scheinen sich hier noch Mut antrinken zu wollen. Wir bekommen einen schönen Platz auf der Galerie und beobachten von dort das laute Treiben unten an der Bar, während in der Küche ein leckeres 8 oz kleines Steak für mich gegrillt wird, und Simone – ganz Cowgirl – sich für einen Salat entschieden hat. Und merke: Der echte Cowboy nimmt seinen Hut nur in der Kirche ab.

Draußen auf der Main Street ist mittlerweile weit mehr los, als noch am Nachmittag. Auf mehreren Bühnen spielen Bands, sportliche Reiter und mutige Möchtegerne versuchen sich am Bullenreiten. Vor der Bühne wird Two Step getanzt und einige ältere Damen tanzen eine Art Square Dance, ganz routiniert, als täten sie den ganzen Tag nichts anderes. Wir tanzen unseren Betten entgegen. Morgen ist früh aufstehen angesagt: 6 Uhr Cowboy-Frühstück, 10 Uhr Parade. Gute Nacht, John Boy!

Westward Ho!

Heute ist frühes Aufstehen angesagt. Im Stillman Park laden die Veteranen die Stadt und ihre Gäste zum Cowboy Breakfast ein. Wir stellen uns in die Schlange, lassen uns Pancakes, Eier und Speck auflegen. An langen Tischen, natürlich gedeckt mit „Stars and Stripes“-Tischdecken, frühstücken wir in der Wärme der Morgensonne. Dazu ruhige Westernlieder, live gesungen. Den Spüldienst erledigen die Jungs von der Army.

Es ist der Tag der Westward Ho! Parade. Die Parade huldigt dem Siedler-Track ‚gen Westen. Die Straßen sind schon mit Campingstühlen gesäumt, hier sind wir also richtig.

Wir bummeln die Main Street hinauf und sehen eine Gruppe Indianer auf uns zureiten. Ist das etwas schon die Parade? Nein, es ist der Indian Beauty Contest! Einen Schönheitswettbewerb stellt man sich gemeinhin etwas anders vor, aber hier stehen nicht nur die hübschen Gesichter der Squaws im Vordergrund, sondern auch die Trachten und der Pferdeschmuck. Die Juroren gehen von Teilnehmer zu Teilnehmer, machen sich zuerst mit dem Pferd bekannt, erkundigen sich dann nach Details zu Webmustern und Perlenbesatz, und letztlich zum Hintergrund der Teilnehmerinnen. Einige gehen noch auf’s College, andere haben schon einen Abschluss zum Softwareingenieur. Und hier halten die Damen die Traditionen lebendig. Wir freuen uns, dass wir das so zufällig miterleben.

Dann ist es schon 10 Uhr, und mit einem Kanonenschuss beginnt die einhundertunddritte Westward Hoh! Parade.

Angeführt wird die Parade von 124 Reitern, alle mit der Nationalflagge.

Weiter geht’s mit einem bunten Mix aus Pferdewagen …

… Riesen-Bullen …

… Gespannen …

… Minipferden …

… Postkutschen …

… Einspännern …

… und zahllosen Rodeo Queens allen Alters. Auch wenn sie irgendwie alle gleich aussehen …

Das Ochsengespann machte ganz schön Ärger und hielt den Zug ziemlich auf. Somit dürfte klar sein, wer nächstes Jahr als letztes startet. Die Longhorn-Rinder haben eben ihren eigenen Kopf.

Die Fast’n’Furious Barrel Series Queen ist keine fünf Jahre alt. Bei dieser Disziplin reiten die Mädels vor dem Rodeo eine Acht rund um zwei Fässer, in atemberaubender Geschwindigkeit. Wer das schonmal gesehen hat, versteht, warum dieses Mädchen problemlos alleine mitreitet. Überhaupt sieht man sofort, dass hier jeder Teilnehmer auf dem Pferd aufgewachsen ist. Insgesamt reiten hunderte auf ihren Pferden an uns vorbei.

Dann kommen wieder Rodeo Queens …

… Rodeo Queens …

… und Rodeo Queens, sogar aus Florida.

Selbst die Herren Congressmen sind dabei.

Am Ende kommt der Besenwagen, und die 103. Westward Ho! Parade ist Geschichte.

Montnomah Falls – Auf dem Weg nach Portland

Auf der rund dreieinhalbstündigen Fahrt von Pendleton nach Portland erleben wir rückwärts, wie sich die Vegetation auf der Fahrt vom Pazifik hinein in den trocken-heißen Westen geändert hatte. Wir fahren wieder den – hier breit gestauten – Columbia River hinauf. Links und rechts umsäumt ein saftig grüner Streifen das Wasser. Nur ist dieser Streifen lediglich zwei Meter breit, danach kommt nur noch Trockenheit: Fels, Staub, vertrocknetes oder verbranntes Gras. Nach der ersten Staustufe sieht der Fluss wieder wie ein Fluss aus, nicht mehr wie ein Binnensee. Kleine Inseln im Flusslauf sind grüne Oasen. Bald erscheinen am Rand auch erste kleine Bäume. Dann sind auch die Nordhänge des Flusstals dünn bewaldet, die Südhänge weiterhin trostlos wüstenähnlich. Man kann später gar nicht mehr genau sagen, wann die Wüste zu Ende war, wann der Wald anfing. Irgendwann ist alles plötzlich wieder grün. Das Thermometer ist von 94°F auf 74°F gesunken, Windsurfer tummeln sich auf dem Fluß, der hier gerne mit dem Rhein verglichen wird (grüne Hänge links und rechts, Eisenbahnstrecke und Straße links und rechts, Schubverbände in der Mitte). Wir verlassen die Interstate, um ein Stück lang dem historischen Verlauf der Route 30 zu folgen. Schmal windet sich der Highway an den Hängen entlang, über nostalgische Brücken, vorbei an altem Regenwald. Als wir an den Horseshoe Falls das erste mal aussteigen, haben wir fast schon vergessen, dass wir gerade aus dem heißen (wilden) Westen kommen. Statt 35°C haben wir jetzt wieder angenehme 22° erreicht. Die Gischt der Fälle senkt die Temperaturen hier noch zusätzlich.

Auch bei den Multnomah Falls mit der fotogenen Brücke machen wir noch einmal Halt, dann geht es ab nach Portland.

Unser Hotel in Portland ist von außen ein normaler Hochhausbau mit Backsteinwänden. Innen befindet sich in den Etagen 2 bis 10 das Parkhaus, in 11 bis 20 die Zimmer. Die Park-Etagen schrauben sich Rampe um Rampe nach oben, die Erbauer scheinen dann wohl ihrem Drehwurm erlegen zu sein, als sie die Wohnetagen wieder eben anlegen sollten. In Richtung unseres Zimmers geht es leicht bergab. Im Zimmer selbst fühlen wir uns wie auf einem Boot. Die Schränke haben sie 15 Zentimeter von den Wänden abgerückt, damit die Diskrepanz zum rechten Winkel nicht so auffällt. Trotzdem fühlen wir uns wie betrunken und fragen uns, wie es wohl wird, mit dem Kopf talseits zu schlafen. Als wir entdecken, dass sich ob des verzogenen Türstocks noch nichtmal die Badezimmertüre schließen lässt, entscheiden wir uns, aus diesem Zimmer erstmal wieder auszuziehen. An der Rezeption lasse ich mir ein neues Zimmer geben, an einer anderen Seite des Hauses. „Never heard that before“ ist der Kommentar der Rezeptionistin. Jaja, klar. Nach dem Bezug unseres neuen Zimmers kehren wir in der nur wenige Blocks entfernten Rock Bottom Brewery ein. Portland ist berühmt für seine vielen Micro Breweries. Jenseits jeden Reinheitsgebots werden hier die unterschiedlichsten Biere gebraut. Kolsch und Octoberfest Beer sind aktuell, ich entscheide mich für ein Indian Pale Ale, Simone für ein Red Ale. Beide sind süffig und lecker, und gehen ganz schön in die Birne, letztlich haben wir zuletzt um 12 Uhr eine Kleinigkeit gegessen. Da schaffe ich lieber erst mit einem Full Stack Baby Back Ribs eine Grundlage. Die Ribs sind dick mit Barbecue-Soße eingestrichen, das Fleisch fällt beim Anheben der Rippen sofort vom Knochen. So, und nicht anders, müssen Ribs sein. Bierselig und satt stolpern wir heim.

Portland Saturday Market

Seit unserem dreitägigen Start in Seattle haben wir jede Nacht woanders verbracht. Nun bleiben wir drei Nächte in Portland. Und Wochenende ist auch noch. Wir schlafen aus (8 Uhr!), gehen gemütlich frühstücken und verbummeln erstmal den Vormittag. Muss auch mal sein, nach so viel Reisen, fühlt sich aber ungewohnt an. Dann wollen wir mal sehen, was Portland so zu bieten hat. Alles was ich weiß: Portland ist „in“. Die Stadt gewinnt in allen Rankings der lebenswertesten Städte der USA. Das mag weniger am neblig regnerischen Klima liegen, als eher an den vielen Möglichkeiten in naher Distanz (Meer, Berge). Was ich noch von Portland weiß: Es soll die Stadt der Coffee Roasters sein, der Donuts, der Micro Breweries, vielseitiger Restaurants, und der schrägen Vögel. Auf den städtischen Mülleimern heißt es ja gerne „Keep Portland Clean“, hier steht auf einer Häuserwand in meterhoher Schrift: „Keep Portland Weird“ (weird heißt soviel wie bizarr, schräg, eigenartig). Hier ist man stolz auf die Vielseitigkeit: leben und leben lassen. An den Straßenecken weiß man oft nicht genau, wer Obdachloser ist, und wer einfach nur schräg frisiert und angezogen. Vielleicht geht es auch gleitend ineinander über. Bunt angezogen, tätowiert, münzgroße Löcher in den Ohren, jeder läuft hier rum, wie es ihm gefällt. Aber bitte nicht falsch verstehen: Die Stadt wirkt angenehm und aufgeräumt. Überall säumen Bäume die Straßen, die Wege sind mit rotem Stein gepflastert, die Leute sitzen draußen vor den Coffee Shops und Restaurants. Die Extrovertierten sorgen nur für das besondere Dekor.

Unser erste Weg führt uns zum Saturday Market unter der Burnside Bridge. Ein bunter, alternativer Flohmarkt mit Freßständen, Musik und Straßenkünstlern, der ein wenig ans Tollwood erinnert. Wir bummeln von Stand zu Stand, am frühen Mittag geht es noch recht ruhig und gemütlich zu. Und dann passiert es.

Ein goldener Kleinbus rollt langsam die vierspurige, aber wenig befahrene Straße entlang, die den Markt am Willamette River von der Innenstadt trennt. Der Fahrer hat dröhnend laute Musik laufen, sein Gefährt ist rundum mit eigenartigen Tierköpfen dekoriert, und sieht aus, wie aus einem Fantasy-Film. Der Wagen bleibt auf der rechten Spur einfach stehen und zwingt den restlichen Verkehr zum Vorbeifahren. Weiter läuft laut die Musik. Der Fahrer öffnet die Tür, und, ja, er trägt eine Affenmaske! Ein Banküberfall? Nein! Er steigt aus, und fängt mitten auf der Straße, vor seinem Auto, mitten im Verkehr, an, zu seiner Musik zu tanzen. Mit der Affenmaske.

Die Vorbeifahrenden trauen ihren Augen nicht, und die Marktbesucher zücken lachend die Handy-Kameras. Er zieht das jetzt durch, tanzt den ganzen Song lang, schwingt sich dann wieder hinters Steuer seines goldenen Trucks und fährt davon. Das war sein Auftritt. Keep Portland Weird.

Voodoo Doughnuts

Portland hat Donuts zur Haute Cuisine erhoben. Nur wenige Läden sind aber so beliebt wie Voodoo Doughnuts in der 3rd Avenue. Die Schlange vor dem Laden geht fast einmal ums Haus. Müssen wir durch. Die Auswahl ist enorm, die Karte über der Theke kapieren wir leider nicht. Die Donuts liegen nicht aus, wie in der Bäckerei, sondern man bestellt am Tresen und dann wird die Bestellung hinten in der Backstube zusammengestellt. Zum Aussuchen gibt es immerhin eine Vitrine, in der einige – sicher nicht alle – Varianten im Kreis fahren. Wir entscheiden uns für die wüstestend Farben und Kombinationen, und werden es nicht bereuen. Die Donuts bekommen wir im großen pinkfarbenen Voodoo Doughnuts Karton. Die ersten vier verputzen wir gleich, den Rest tragen wir im Karton weiter. Jeder, der uns mit dem rosa Karton unterm Arm sieht, nickt uns nun neidisch, aber auch anerkennend zu. Heute sind wir zu Donut-Connoisseur geworden. An Mittagessen ist jetzt nicht mehr zu denken. Also noch einen Cappuccino im angesagten Stumptown Coffee Shop hinterher, das muss bis abends reichen.

Um unsere vom Zucker und vom Erlebten aufgeputschten Gemüter zu beruhigen, machen wir jetzt erstmal einen Ausflug in den Rose Test Garden, denn Portland ist ja „The Rose City“.

Am Abend reservieren wir uns einen Tisch bei einem Mexikaner im Pearl District. Wir haben den Laden einfach aus dem Internet rausgesucht, wenn er nix ist, wären noch ein paar Italiener um die Ecke. Aber auf den ersten Blick gefällt es uns dort, wir bekommen sogar einen Tisch draußen. Der Abend ist mild, perfekt zum draußen sitzen, und wie sich herausstellt war dieser Mexikaner die perfekte Wahl: Zur Vorspeise nehmen wir Chips mit Guacamole. Die Guacamole wird live am Tisch für uns aus zwei ganzen Avocados, einer Limette, Knoblauch, Koreander, Tomaten, Zwiebel, Chili und Salz im großen Mörser zusammengemischt! Und: Wir haben noch nie – nie! – so leckere Tapas gegessen wie hier: Gefüllte Jalapenos, mit Speck umwickelt. Scampi im Kokosmantel mit süß-fruchtiger Soße. Flank-Steaks mit Orangensauce. Reis auf frittierten Bananenscheiben mit Garnelen. Danach: No room for desert.

Auf dem Weg zurück zum Hotel kommen wir noch am zentralen Pioneer Square vorbei, wo heute eine Art mexikanisch-amerikanisches Freundschaftsfest läuft. Auf der Bühne spielt eine Kombo mit großen Sombreros und noch größeren Gitarren. Der Sänger scheint beim vorwiegend mexikanischen Publikum bekannt und beliebt zu sein. Wir kommen gerade rechtzeitig. Es stehen an: Fahnenappell mit Abspielen der amerikanischen Hymne. Dann: Feierliches Hereintragen der mexikanischen Fahne, umständliche Rede eines Politikers und Appell auf Mexiko. Dreimaliges Viva Mexico, das vom Publikum laut, freudestrahlend und mit erhobener Faust erwidert wird. Feierliches Heraustragen aller Fahnen und abschließende Flamenco-Party. Skurril, wo man hier am Abend noch so hineingerät. Dann bis morgen.

Mount St. Helens

Jetzt muss ich es leider aussprechen: Unsere Reise neigt sich langsam ihrem Ende entgegen. Nur noch zwei Etappen liegen vor uns. Zuerst wollen wir besichtigen, was vom Mount Saint Helens übriggeblieben ist. Dann wollen wir auf dem Weg zurück an den Puget Sound noch bei den Gletschern des Mount Rainier vorbeischauen. Leider besagt der Wetterbericht für die kommenden beiden Tage aber wenig Gutes: Nebel und Regen. Regen wäre nur halb so schlimm, denn meist ist es nur ein leichter Sprühregen hier im Nordwesten. Soviel haben wir schon gelernt. Aber Nebel bedeutet: Der Berg wird nicht zu sehen sein. Wir spielen ein paar Alternativprogramme durch, kommen aber zu dem Ergebnis, dass wir es einfach mal probieren wollen. Am Mt. St. Helens gibt es mehrere Visitor Centers, die bestimmt auch bei schlechtem Wetter Spannendes über den großen Vulkanausbruch von 1980 präsentieren. Außerdem hatten wir bisher ein solches Glück mit dem Wetter, wenn das jetzt ins Wasser fällt, wäre es auch nicht mehr so schlimm. Also packen wir’s an, kaufen bei Elephant Deli noch ein leckeres Picknick ein und verlassen Portland.

Angekommen am ersten Visitor Center informieren wir uns mit Hilfe der Volcano Cam über die aktuelle Sicht oben am Johnston Observatory. Das Bild ist gleichmäßig grau. Einfarbig. Daneben steht ein Schild „Is the Volcano Cam broken?“, das erklärt, dass das Graue der Nebel ist, was zu befürchten war. Wir geben trotzdem nicht auf und fahren die gute Stunde hinauf zum Observatory. Kann ja jederzeit aufreißen, so kennen wir das Wetter in Washington jedenfalls.

Oben angekommen sehen wir natürlich: nichts. Es regnet, wir erreichen halb durchnässt das Visitor Center, und die Sicht beträgt gute fünf Meter. Also sehen wir uns erstmal einen Film über den großen Ausbruch an, der aber leider dramatisch schlecht gemacht ist. Auf den Schautafeln sehen wir zumindest, wie der St. Helens vor rund 35 Jahren noch aussah, ein schöner, immer schneebedecker Berg, wie heute noch der Mt. Adams und der Mt. Hood in der Nachbarschaft. Mit Ferienanlagen und Campingplätzen unten am kristallklaren, blauen Spirit Lake. Dann kam jener Tag im Mai 1980, als mit einem gewaltigen Erdrutsch zuerst die ganze Nordflanke des Berges ins Tal rutschte, und danach der Ausbruch des darunter seit über 130 Jahren ohne Auffälligkeiten schlummernden Vulkans alles Leben in vierzig Meilen Umkreis auslöschte. Zum Glück war man einigermaßen gewarnt, und nur einige Dutzend Menschen befanden sich in dieser Todeszone. Das Johnston Observatory, in dem wir uns jetzt befinden, ist benannt nach einem Mitarbeiter des Vulkan-Warndienstes, der an jenem Tag hier oben Dienst tat, und von dem nur sein letzter Funkspruch übrigblieb: „Vancouver, Vancouver, this is it!“ – dann nur noch Stille. Nach dieser Tragödie sah es hier oben aus wie auf dem Mond: Alle Bäume umgedrückt, in die gleiche Richtung vom Zentrum des Vulkans fortweisend. Alles begraben unter Asche. Der Spirit Lake in seiner Form komplett verändert, 200 Fuß höher als vorher, und komplett bedeckt mit Treibholz.

In der Ausstellung im Visitor Center sind die Abläufe des Ausbruchs beeindruckend an einem großen Modell dargestellt. Originalfotos von Augenzeugen, und vor allem deren dramatische Geschichten werden uns in Erinnerung bleiben. Auch ohne Blick auf den Berg hat sich der Besuch schonmal ein wenig gelohnt, jetzt wollen wir zurück ins Tal fahren, um dort im unteren Visitor Center noch mehr zu erfahren.

Aber vorher gilt es noch ein paar Leben zu retten. Der Western Chorus Frog ist keine drei Zentimeter lang, und es scheint dieser Spezies hier oben recht gut zu gehen. Alle paar Meter tritt man beinahe auf einen, oder es ist schon jemand draufgetreten. Vom Aussterben scheinen die hier zwar nicht gerade bedroht zu sein, dennoch ist Simone hochbemüht einen kleinen grünen Gesellen über den gesamten asphaltierten Vorplatz des Observatory zu scheuchen, bis er endlich das schützende Gras erreicht hat. Ob er da überhaupt hinwollte? Auf jeden Fall gestaltet sich die Fortbewegung von nun an schwierig, müssen wir ständig nach den gut getarnten Mini-Fröschen Aussicht halten. Dennoch hat es sich gelohnt – Tagesfazit: Null tote Frösche unter unseren Sohlen.

Nach dieser guten Tat fahren wir zurück zum Clearwater Lake, einem See, den es vor dem Ausbruch gar nicht gab. Da man Angst hatte, der See würde sich zu hoch stauen, und könnte dann den aus Erde, Lava und Asche bestehenden Damm irgendwann unkontrolliert einreißen und zu Tale donnern lassen, hat man ihm behutsam einen Ablauf hergestellt. Hier machen wir nun Brotzeit und essen unsere leckeren Focaccia. Und plötzlich reißt es hier unten tatsächlich auf! Sogar die Sonne lugt kurz durch. In Richtung Johnston Ridge sieht es immer noch recht trüb aus. Dennoch versuchen wir’s und fahren noch einmal die acht Meilen zurück. Am ersten Aussichtspunkt können wir nun schon auf den Fuß des Vulkankegels hinunterblicken! Es ist ein magischer Anblick einer wüsten, völlig unberührten Landschaft, auf der langsam wieder zartes Grün Fuß fasst.

Die Sonne streift ein wenig über das Tal, und so strahlt das Grün zwischen den Lavaflüssen noch stärker.

Am Rand des Bergrückens auf dem wir uns befinden, und auf den damals die Schlammlawine hinauf, und dann wieder hinunter schwappte, liegen noch einige entwurzelte Bäume, alle in der gleichen Richtung. Viele der Stämme sind zum Teil in Lava-Kies und Asche vergraben.

Wir sind total froh, nochmal hier hinauf gefahren zu sein – von all dem hat man vorher rein gar nichts gesehen! Mittlerweile geben die Wolken sogar ein wenig den Blick in den nach Norden offenen Krater hinein frei. Dort lassen sich die kleinen Gletscher im Krater erahnen.

Wir gehen eine gute Meile auf einem Wanderweg über den Bergrücken entlang. Ganz links erspähen wir ein kleines Eck des Spirit Lake.

Und neben dem Grün gibt es hier auch schon wieder eine ganze Menge Blümchen.

Mehr als diesen kurzen Blick gönnt uns der Mt. St. Helens heute aber doch nicht mehr. Von Westen sehen wir, wie der Regen wieder näher kommt. Kurz darauf packt der Nebel wieder das gesamte Tal ein. Wir marschieren zügig die gute Meile zurück zu unserem Auto, wo wir mit nassen Hosen ankommen, uns aber freuen, diese Szenerie doch noch zu Gesicht bekommen zu haben. Wir folgen dann dem Lauf der Lava Richtung Westen, wo wir noch einmal einen Blick über den erkalteten Lavafluss erhalten.

Fazit für heute: Wer wagt gewinnt, und schlechtes Wetter gibt es nicht.

Spirit Lake

Harry Randal Truman muss zu Lebzeiten ein rechter Haudegen gewesen sein. Nachdem er zu Zeiten der Prohibition als zuverlässiger Schnappslieferant zahlloser Bordelle von San Francisco bis hinauf nach Kanada gutes Geld verdient hatte, betrieb er ab 1926 die Mount St. Helens Lodge am kristallklaren Spirit Lake. Als der seit über einem Jahrhundert ruhende Vulkan im März 1980 plötzlich starke Aktivitäten zeigte, der nationale Notstand ausgerufen und eine Evakuierung im Umkreis von 25 km angeordnet wurde, weigerte sich Harry R. Truman als Einziger, sein Haus zu verlassen. Er lebe hier seit 54 Jahren und würde lieber mit dem Berg untergehen, als ihn zu verlassen, lies er Journalisten wissen, die extra mit dem Helikopter einflogen, um den „Hüter des Berges“ zu interviewen. Am 18. Mai 1980 rutschte dann die Nordflanke des Berges ab, begrub die Lodge und ihren Hüter unter sich, auf dem Foto ungefähr mittig, jedoch 60 Meter unter Fels und Asche.

Uns hat es heute doch noch einmal zurück zum St. Helens gezogen. Morgendliches Studium der Webcams vom Mount Rainier ergab: Am Visitor Center: Nebel. An der Lodge: Nebel. Am Westeingang: Nebel. Und am Osteingang: Nebel. Also warum zu Gletschern aufsteigen, die man dann nicht sehen kann? Statt dessen pirschen wir uns noch einmal an den Mount St. Helens an, diesmal von der Ostseite. Auch hier erwarten wir keine große Sicht, aber vielleicht doch wenigstens den Blick hinunter auf den Spirit Lake.

Die Straße hinauf zur Windy Ridge ist in grauseligem Zustand, verläuft aber durch fantastische alte Wälder. Wie ein Dach überspannen die Bäume die enge Straße, viele sind bis zum letzten Ast mit dunkelgrünem Moos überzogen, an anderen hängen meterlange hellgrüne Fäden. Die Böschungen sind ausnahmslos von Farnen bewachsen, es ist saftig grün. Den Weg zur Ostseite des St. Helens nehmen nicht viele, hier gibt es keine Besucherzentren, man kommt nicht ganz so nah an den Krater heran. Dafür durchquert man direkt die Blast Zone, den Bereich, in dem die Druckwelle den Wald und alles Leben komplett zerstört hatte.

Links der Straße befinden sich private Wälder, die nach dem Exodus wieder aufgeforstet wurden, und nun schon wieder eine stattliche Höhe erreicht haben. Rechts der Straße beginnt das National Volcanic Monument, hier hat man das Aufforsten der Natur überlassen. Zuerst durchqueren wir die Scorch Zone, wo zwar alle Äste weggebrannt, aber die Baumstämme stehen geblieben waren. Dann kommen wir in die Blow-down Zone, in der nach dem Ausbruch alle Bäume in der gleichen Richtung entwurzelt lagen. Auch heute kann man dies an einigen Stellen noch gut erkennen, wenn auch die Vegetation die Spuren der Katastrophe langsam verwischt. Einige Bäume überlebten auch im Windschatten der Hügel, oder da sie in Schneeresten vom Winter eingepackt waren.

Wir erreichen den Bergkamm und erhalten einen ersten Blick hinunter auf den Spirit Lake. Auf dem Foto von links kommend hatte die Schlamm- und Gerölllawine den damals noch rund 80 Meter tiefer liegenden See verdrängt und eine knapp 180 Meter hohe Flutwelle den Hang rechts hochgeschoben. Beim Zurückschwappen riss diese Welle alle Vegetation mit sich. Der Spirit Lake war daraufhin fast komplett von totem Holz bedeckt. Diese Stämme sinken nun Jahr für Jahr langsam auf den Grund, momentan ist nur noch ein kleiner Teppich vorhanden, der sich je nach Wind und Witterung mal an der einen, mal an der anderen Seite des Sees aufhält.

Wir nehmen den Wanderweg hinab zum See. Erst seit wenigen Jahren darf das Gebiet wieder betreten werden, zunächst hatte man die Blast Zone komplett für Wanderer gesperrt, um Wissenschaftlern ein ungestörtes Erforschen der Folgen des verheerenden Ausbruchs zu ermöglichen. Nur an einer Stelle führt ein Wanderweg hinunter an den See, und praktischerweise hält sich der Teppich aus totem Holz zur Zeit gerade an diesem Ufer auf. Nur zwei weitere Paare haben sich heute für den Abstieg entschieden. Wir genießen die Stille und schauen lange über die vielen Stämme auf den See hinaus.

Blue Moon im Over the Moon

Unsere letzten beiden Nächte bleiben wir in Tacoma, einer Hafenstadt etwa eine halbe Stunde von Seattle entfernt. Es stellt sich heraus, dass Tacoma aus diversen eigenständigen Vierteln besteht, aber kein echtes Stadtzentrum hat. Unser Viertel wirkt momentan recht ausgestorben. In der Nähe sind das Convention Center und die Universität und zur Zeit scheinen die Studenten noch in den Ferien zu sein, und das Tagungszentrum ist ebenfalls verwaist. Im benachbarten Theater District leuchten die Reklameschilder der Theater, dennoch ist keine Menschenseele zu sehen. Etwas eigenartig ist das schon: Haben sie die Stadt eventuell für eine Woche geschlossen, um die Main Street neu zu asphaltieren? Wir machen uns auf die Suche nach einem Restaurant, und folgen schließlich einer Internetempfehlung.

In der Opera Alley sind die Häuser bunt angestrichen, etliche Künstler haben hier ihre Ateliers bezogen. Das Over the Moon Cafe ist in einem Backsteingebäude untergebracht und sieht richtig gemütlich aus. Da sind sogar andere Leute drin! Beruhigend zu wissen, dass wir nicht die allgemeine Ausgangssperre übersehen hatten…

Ich bestelle mir gleich mal ein Blue Moon, neben Fat Tire ist das ein recht trinkbares amerikanisches Bier. Die Karte liest sich sehr lecker und wir entscheiden uns für einen italienischen Fischtopf (Cioppino) und den Cod Fish mit Curryhaube und Granny Smith Apfel. Sau lecker, beides. Aber leider wieder: No room for desert. Und das finden wir besonders schade, denn die Desserts, die da an den Nachbartisch gehen, sehen klasse aus.

Auch unsere nette Bedienung findet es schade, dass wir auf den Nachtisch verzichten müssen. So versprechen wir ihr, morgen wiederzukommen, und dann auch ein Dessert zu probieren. Sie rechnet natürlich nicht damit, dass wir das wirklich machen. Umso mehr hat sie sich gefreut, als wir am nächsten Abend wieder auf der Matte standen…

Tacoma – Das Finale

Leiderleiderleider bricht heute der allerallerallerletzte Tag unserer so schönen Reise an.

Begonnen hatten wir ja in Seattle mit einem Besuch im Chihuly Garden and Glass, und da liegt es doch nah, den Urlaub zu beschließen mit einem Besuch im renommierten Museum of Glass hier in Tacoma.

Zuerst springen wir kurz in die alte Union Station hinein. In der immens großen Halle des ehemaligen Bahnhofs dürfen wir uns noch einmal einige Glaskunstwerke und Skizzen von Meister Chihuly ansehen, nachdem wir uns am Eingang ausgewiesen haben und versprochen haben, nur die Kunst, nicht aber die Zugänge zum Gericht zu fotografieren. Denn in den Bahnhofsräumen residiert heute das Courthouse.

Vor dort folgen wir den Werken Chihulys über die Glaskunst-Brücke hinüber zum Museum.

Im Hot Shop des Museums sehen wir uns erstmal an, wie eine Vase mit filigranem Muster und recht hässlichen blauen Rändern entsteht.

Nicht alles hier ist unser Geschmack, vieles ist doch ganz schön bunt und naiv. Aber in der Galerie werden dann viele spannende Stücke gezeigt, die mit klassischer Glaskunst mal mehr, mal weniger gemein haben.

Nach dem Museum fahren wir noch in den Point Defiance Park zum Picknick unter Dahlien. Das Wetter beschert uns überraschend und entgegen aller Vorhersagen einen wunderschönen Abschlusstag.

Im Japanese Garden wachsen Krokusse, die ganze 30 Zentimeter lang sind!

Wir sitzen noch ein wenig auf warmem Treibholz in der Nachmittagssonne, schauen auf den Sound hinaus und fahren schließlich ins Hotel zurück.

Dort angekommen, lugt nun endlich mal wieder der Mount Rainier aus seinen Wolken heraus. Zugegeben, es ist ein bisschen ein Suchbild – der weiße Gletscher leuchtet genauso hell, wie die Wolken um und über ihm.

Mit dem Anblick des Mount Rainier hatten wir vor drei Wochen unsere Reise in Seattle begonnen. So schließt sich der Kreis, und wir sind etwas wehmütig, dass es morgen nach Hause gehen soll. Doch nehmen wir viele schöne Erinnerungen mit heim. Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Du uns bis zum Schluss begleitet hast!

Schnee statt grünen Wiesen

Boston

In Boston gibt’s nur einen Weg, um standesgemäß vom Flughafen zum Hotel zu kommen: das Wassertaxi. 5 Minuten Fahrt, 7 Dollar, die Skyline Downtowns vor Augen, wunderbar!

Guten Morgen Boston

Boston empfängt uns mit winterlicher Kälte, aber stahlblauem Himmel!

Keine Ahnung, ob man dieses Kunstwerk aus Aluminiumplatten überhaupt betreten darf, wir machen es einfach, weil hier wärmt die Sonne am Besten!

Auf Long Wharf justiere ich meinen inneren Kompass neu.

Blick vom Pier hinein in die Stadt…

Dann geht es hinüber zu Quincy Market, als braver Tourist darf man das nicht auslassen.

Nach reichhaltigem Frühstück heute morgen soll zu Mittag eine Portion frisch geschnittener Pommes reichen, ich habe da meinen Stamm-Pommes-Stand in Quincy Market, darf ich nicht auslassen.

Am State House hat das Boston Massacre zum Glück keine Spuren hinterlassen.

Gestern noch in meinem Bierglas, heute schon unter der Erde: Sam Adams.

Auf den alten Friedhöfen mitten in der Stadt liegen zwischen den ersten Siedlern auch einige Gründungsväter und frühe US-Präsidenten begraben.

Jetzt sind wir aber erstmal genug über Friedhöfe gelaufen, und machen uns auf den Weg nach Harvard, wo an einem sonnigen Samstag bestimmt das Studentenleben pulsiert.

Harvard

Wir machen uns auf den Weg nach Harvard. Eigentlich nur ein paar Stationen mit der U-Bahn, aber auch in Boston kann man am Wochenende ein Vergnügen haben, von dem ich dachte, das gibt es nur in Deutschland: Schienenersatzverkehr. Der Shuttlebus, der einen gesperrten Streckenabschnitt überbrückt bringt uns dafür gratis vom Boston Common zum MIT, dort wieder runter in die U-Bahn, und schwupp stehen wir auf dem Harvard Square. Dort kommen wir gerade pünktlich zur Führung über den Campus.

Die offiziellen Führungen der Universität sind kostenlos und werden von Studenten geführt, die neben der Geschichte der ältesten Uni der USA auch die eine oder andere Anekdote aus dem Studentenleben erzählen. 5% der Bewerber schaffen es auf diese Institution, das Auswahlverfahren kommt einem Assessment Center gleich. Hier studieren nur die Besten der Besten. Unsere Führerin ist gerade mal 18 Jahre alt, aber dennoch schon im zweiten Studienjahr.

Während des ersten Studienjahrs wohnen alle Studenten in den Backsteingebäuden auf dem alten Campus. Danach ziehen sie in Häuser rundherum um und leben dort ein WG-ähnliches Familienleben. In diesem Gebäude befindet sich in den ersten beiden Stockwerken das Büro der Hochschulpräsidentin, darüber wohnen ebenfalls Studenten – da versucht man aber möglichst brave auszuwählen. Ganzschön die Arschkarte gezogen, würde ich das nennen. Unser Guide versichert uns aber, dass sie schon Studenten kennengelernt hat, die über der Präsidentin wohnen, und die seien erstaunlicherweise doch ganz normale Menschen.

Das größte Gebäude auf dem Campus enthält ein Mahnmal für alle Universitätsmitglieder, die über die Jahrhunderte in Kriegen gefallen sind, außerdem ein Auditorium, in dem der Hochschulchor übt, Nobelpreisträger referieren, das Studentenorchester auftritt, und dann auch mal Lady Gaga singt. Ganz nettes Spektrum. Leider kommt man am Wochenende dort nicht rein, aber als die Haupttür kurz aufgeht, weil jemand herauskommt, schlüpfen wir schnell hindurch. So macht man das hier also.

Entgegen aller Regeln stehle ich mich dann auch kurz in den großen Essenssaal hinein. Also, unsere Mensa sah anders aus…

Nach einem Bummel zurück über den Campus endet unsere Führung noch am Denkmal von John Harvard, der – laut Inschrift – 1638 Harvard gegründet hat. Wir erfahren aber, dass das von vorn bis hinten nicht stimmt: Erstens hat er die Uni gar nicht gegründet, zweitens wurde sie schon ein paar Jahre vorher gegründet, und drittens ist das gar kein Abbild von John Harvard, sondern zeigt einen Kumpel des Künstlers. Wie der echte John Harvard mal ausgesehen haben mag ist nämlich nicht überliefert – ein Brand hat alle Bilddokumente der damaligen Zeit vernichtet.

Wir testen noch die Sozialkompetenzen unserer Führerin und lassen uns ein Café empfehlen. Das soll „Grammar“ oder „Grandma“ oder so heißen, die Straße runter, dann rechts, notfalls einfach nochmal fragen. Okay, es stellt sich heraus, dass das Café „Crema“ heißt, kann man ja mal falsch verstehen. Die Schlange ist lang, da muss der Kaffee gut sein. Ist er auch. Wir haben uns die Pause verdient und schlürfen gleich zwei Cappuccino hintereinander weg. Auf Thomas‘ Geheiß gibt’s für mich einen Brownie dazu, der eigentlich Mittagessen und Abendessen gleichzeitig abdecken könnte.

Einmal U-Bahn und Schienenersatzverkehr später sind wir wieder in Boston, wo die Abendsonne die Häuser noch einmal in ein letztes tiefrotes Licht eintaucht. Signal für uns, zum Hotel zurückzugehen, denn hier wird es mit der Dämmerung ratzfatz dunkel.

Die Hexen von Salem

Es ist Sonntagmorgen. Nach einem reichhaltigen Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Long Wharf. Dort startet unser Schiff hinüber zu unserem Tagesziel: Salem. Früh morgens hat es noch geregnet, aber nach dem Frühstück hat der Wind die letzten Wolken beiseite geschoben, der Himmel präsentiert sich wolkenlos. Dennoch sind die Bänke auf dem Boot – aus Metall – doch etwas frisch zum drauf sitzen. Thomas zeigt hier mal, wie kalt die Bänke tatsächlich sind.

Die Sonne wärmt aber trotzdem schon ganz angenehm. Ich genieße die morgendliche Ruhe und den Blick auf Bostons Waterfront. Man kann’s auch schlechter erwischen…

Drei Mal wird gehupt, schon legt unsere Fähre ab und Bostons Skyline wird langsam immer kleiner.

Wir fahren hinaus aufs offene Meer und beim Leuchtturm biegen wir links ab.

Angekommen in Salem schleppe ich Thomas erstmal in Ye Olde Pepper Companie, meinen Stamm-Schokoladen-Dealer in Salem. Zu dem gibt es eine lange Geschichte von meinem letzten Besuch, die ich aber schon ein bisschen zu oft erzählt habe, und mir hier lieber spare. Leider gibt es im Laden heute gar nichts. Schokolade aus. Pralinen aus. Turtles aus. Alles aus. Enttäuscht ziehen wir weiter… 😉

Schon auf dem Weg vom Haus mit den Sieben Giebeln (Literaturkennern vielleicht ein Begriff – wir haben leider noch keinen Hawthorne gelesen) kommen uns erste unheimliche Gestalten entgegen.

Die Dekorationen einiger Häuser sind schon recht aufwändig und ausgefallen. Man beachte die in blauer Plastikfolie eingepackte Leiche…

… und auch ein echtes Ungezieferproblem scheinen sie hier zu haben.

Wir machen aber erstmal etwas Kulturprogramm. Salem war lange Zeit der größte Handelshafen Nordamerikas, eine stattliche Überseeflotte machte hier in der Bucht fest und transportierte Handelsware von und nach Indien und Asien. Damals noch ein ungemein langer Weg: Entweder ‚gen Osten rund um Südamerika, oder ‚gen Westen, rund um Afrika. Kap Horn oder Kap der Guten Hoffnung – Kanäle in Panama und Suez gab es noch nicht. Und alle Waren waren natürlich erstmal ordentlich zu verzollen, im Custom House.

Direkt vor dem Zollhaus liegt die Friendship, ein Nachbau eines typischen Handelsschiffs. Als ich zuletzt vor zwei Jahren hier war, hing dort nur ein Zettel „Where is the Friendship?“, schön dass der Klipper diesmal wirklich da ist. Und der Government Shutdown ist auch vorbei (das gesamte Ensemble hier ist ein National Monument), also hindert uns nichts daran, die Friendship zu besichtigen, und uns von den Volunteers auf dem Schiff erklären zu lassen, wie das alles so funktioniert hat auf einem Handelssegler.

Doch auch hier laufen uns schon wieder unheimliche Gestalten über den Weg…

Jetzt wollen wir aber mehr wissen. Wir folgen der Beschilderung Richtung Hexenmuseum und Hexendorf. Man beachte die auf dem Besenstiel reitenden Hexen auf diesen offiziellen Straßenschildern.

Ein fieses Wesen wacht hier über dem Waxmuseum, das wir uns so früh am morgen lieber sparen. Statt dessen trinken wir erstmal zum Aufwärmen einen Hot Cider.

Neben dem alten Dorffriedhof mit Gräbern, die bis zurück zu 1630 datieren, liegt das Witch Memorial, das an die 20 Hexen und Hexer erinnert, die hier in Salem hingerichtet wurden. Heute ist die ganze Gegend aber mit maskierten Halloween-Gästen bevölkert.

Einige haben sich für ganz schön fiese Kostüme entschieden.

Letztlich suchen wir noch die Statue des Ortsgründers auf, die direkt vor dem Hexenmuseum steht. Und irgendwie sieht der gute Mann doch selber wie eine Hexe aus, oder?

In der Ferne hören wir schon unsere Fähre hupen, es ist Zeit für den Rückmarsch zum Schiff. Dieses Haus scheint ebenfalls das Ungetier ganz schön anzuziehen.

Genug gegruselt. Wir fahren gemütlich der Abendsonne entgegen, zurück nach Boston Long Wharf.

Spanien in drei Worten

Sonnnnne!

Churrrrrros!

Betoooooon…

Winter

Der Winter wurde ja nun für beendet erklärt, also habe ich mal ein paar Impressionen aus den vergangenen Wochen rausgesucht.

Am Schönsten war dieser Winter eigentlich im Dezember:

Aber auch im Januar auf der Reiteralm hat’s uns gefallen.

Gleich geht die Sonne auf:

Der erste Sonnenstrahl:

„Regenbogen“, zum Greifen nah:

Das Saunahaus direkt an der Skipiste:

Wann hat man schonmal beide Sonnen gleichzeitig auf dem Bild?

Ganz oben:

Sonne mit doppelter Aura:

Doch, war schon schön…

Houston, wir haben …

… überhaupt kein Problem! Denn: Problem erkannt, Problem gelöst. Die Lüftung im Zimmer hat – obwohl ausgeschaltet – einen Lärm gemacht, wie ein U-Bahn-Schacht. Aber glücklicherweise hat der Innenarchitekt sich des Problems in Form passgenauer Möbelstücke angenommen. Also habe ich die erste Nacht in Houston geschlafen, wie ein kleiner Ölmillionär. Also, bis 4 Uhr halt. Aber war okay!

Weitere Erkenntnis des ersten Tages: Die Sonne geht hier in Texas aktuell so um 19:30 unter, um 19:35 ist es dann stockdunkel. Scheint doch ganz schön im Süden zu liegen. Während ich diese Absätze tippe, haben sie draußen übrigens von stockdunkel wieder auf hell umgeschaltet. Zeit auch für die wichtigste Mahlzeit des Tages – mengenmäßig vielleicht auch die einzige…

If you ever go to Houston…

If you ever go to Houston Better walk right Keep your hands in your pockets And your gun-belt tight You’ll be asking for trouble If you’re lookin‘ for a fight If you ever go to Houston Boy, you better walk right

Bob Dylan

Die Hände hatte ich wohl in meinen Taschen, aber auf den Pistolengürtel konnte ich verzichten. Durch die tiefen Häuserschluchten Downtowns zieht ein unglaublicher Wind, und die Sonne erreicht am Morgen nur wenige Straßenzüge, denn die Wolkenkratzer werfen noch lange Schatten.

Viel kann ich nicht berichten über Downtown Houston. Zu wenig Zeit, und die falsche Tageshälfte, in der ich unterwegs bin. Es gibt einige nette Parkanlagen, Kunst am Bau, interessante Architektur, viele Restaurants – aber für Touristen eigentlich nichts anzusehen. Am Vormittag bestehen Städte wie Houston nur aus Verkehr und Baulärm, und Fußgänger auf den Straßen sind Mangelware. Trotzdem lustig zu wissen, dass ich heute vormittag definitiv der einzige Tourist in dieser Metropole war. Ich bin zum Kaffee verabredet, was sich als recht nett herausstellt, nach Mittag gönne ich mir noch ein kleines Sonnenbad auf einer der Holzterrassen auf dem Discovery Green (einer neu gestalteten Parkanlage am Rande des Zentrums). Dann muss ich Houston auch schon wieder verlassen – es ruft die Arbeit (okay, auch das Asics Outlet hat unterwegs noch kurz gerufen – vielleicht hab ich Bob Dylan da irgendwie falsch verstanden – you better walk right).

Unterwegs nach College Station

Auf die Rechnung vom Mietwagenvermieter bin ich gespannt. Nach College Station sind es zwei Stunden Fahrt, egal ob von Houston, Dallas oder Austin. „In the Middle of Nowhere“ trifft hier also ziemlich exakt zu. In Houston führt der Freeway viele Spuren breit über und unter zahlreichen Rampen, Autobahnauf- und abfahrten und Viadukten vorbei. Ohne Navigation wäre ich hier verloren. Auch mit Navigation fühle ich mich etwas verloren. An einigen Baustellen wird die Straße noch ein oder zwei Etagen höher verlegt, und es ist schwer auszumachen, welche der Abfahrten der Navi nun meint, zeitweise kennt er die Streckenführung noch gar nicht. So gelingt es mir selbstverständlich, nachdem ich aus der Stadt gerade heraus bin, versehentlich auf eine privat betriebene Bezahlautobahn (einen Tollway) zu geraten, den es im Navigationsgerät einfach noch gar nicht gibt. Und der Tollway führt – ganz genau – wieder zurück in die Stadt. Zum Glück gibt es nach einigen Meilen auf der frisch eröffneten Strecke eine Abfahrt. Hier drehe ich um, bin aber vorher natürlich schon unter den Geräten vorbeigefahren, die die Maut unerbittlich erheben, indem sie ein in der Windschutzscheibe klebendes Toll Tag per Funk erfassen. Laut Mietvertrag habe ich durch diesen kleinen Umweg – natürlich zusätzlich zur Maut – eine Gebühr von 5$ ausgelöst, die der Vermieter dann aber für den gesamten Mietzeitraum gleich täglich (!) erhebt. Na vielen Dank.

Aber gut, hilft jetzt nix – wieder zurück auf den Freeway, und diesmal nehme ich die richtige Spur.

Amüsant übrigens, wie dieser frisch gebaute Tollway noch aussieht. Rechts und links der Fahrspur liegt fünf Zentimeter hoch Schutt und Kies auf der Fahrbahn, auch die allgegenwärtigen geplatzten Reifen liegen hier schon rum. Zuhause ist seit einem Jahr Tempo 80 auf unserer Umgehung, wegen „neuem Fahrbahnbelag“. Ich lach mich tot. Und würde man einem Ami erzählen, dass bei uns geplatzte Reifen im Radio durchgesagt werden – er würde das schlichtweg nicht verstehen.

Unterwegs überhole ich einige Schwertransporte, die neue Betonteile zum Höherlegen weiterer Autobahnen anliefern. Was zuhause unter massivem Polizeieinsatz nur zwischen drei und vier Uhr nachts – und selbstverständlich nur bei Schritttempo – möglich wäre, rollt hier einfach mitten durch den Berufsverkehr. Abgesichert durch ein paar mitfahrende Begleitfahrzeuge – stinknormale Pkw mit einem gelb-schwarzen Bettlaken über der Kofferraumhaube. So einfach geht das. Später überholt mich gar ein ca. 30 Meter langes Propellerblatt auf einem Tieflader – bei Tempo 80 mph – also guten 120 km/h. Sportlich.

Landschaftlich ist die Fahrt hübsch, aber eintönig. Links der Straße Farmland, grüne Wiesen und Rindviecher. Rechts der Straße ebenso. Ganz leicht hügelig, sodass man nicht weit in die Ferne blicken kann. Irgendwann erheben sich dann imposant die Türme der Studentenstadt College Station aus dem Nichts – es sind deren Wassertürme. Das College wurde schon im 19. Jahrhundert gegründet, an einem Ort, an dem es vorher nur eine namenlose Bahnstation gab. Da man verpasste, dem Ort einen Namen zu geben, übernahmen das die Schaffner, die als nächste Station eben „College Station“ ansagten. Heute leben hier über 50.000 Studenten und jeder Kettenladen des Landes hat eine Filiale an der Zufahrt zum Campus aufgemacht. Der Zug hält schon lang nicht mehr, dafür unterhält die Uni ihren eigenen Flughafen mit täglicher Anbindung an Dallas und Houston. Ansonsten wäre noch die George Bush Bibliothek mit angehängtem George Bush Museum hervorzuheben – der ganze Stolz der Universität. Sie liegt gleich hinter dem George Bush Field, am Ende des George Bush Parkway. Leicht zu finden. Wenn man denn hin will.

Howdy – Welcome to Aggieland

„Aggiland“ ist der Spitzname der Uni, die eigentlich Texas A&M heißt. Der Name deutet noch die anfänglichen Kernfächer Agriculture & Mechanics an. Sie ist die viertgrößte Universität der USA, die größte Texas und echt weit ab vom Schuss. Die Studenten sind die „Aggies“ und man grüßt sich ausschließlich – schon etwas selbstironisch – mit dem offiziellen Campusgruß „Howdy“. An der Betonung erkennen Eingeweihte, ob es sich um einen echten Aggie handelt, oder ob es nur ein Besucher ist. Jeder Aggie grüßt jeden Aggie auf dem Campus mit einem Lächeln und einem „Howdy“. Vorträge und Vorlesungen beginnt der Professor mit einem „Howdy“ und alle Studenten antworten ihm mit einem „Howdy“. Zur Verabschiedung sagt man dann nicht „Goodbye“, sondern „Gig’em“ und hält einen Daumen hoch.

Die Aggies leben den Aggie Spirit. Die Lieblingsfarbe der Aggies ist maroon, und so gibt es auch alles möglich zu kaufen in maroon im uni-eigenen Giftshop.

In Ihrer Hymne singen die Aggies:

We are the Aggies – the Aggies are we True to each other as Aggies can be We’ve got to FIGHT boys We’ve got to fight! We’ve got to fight for Maroon and White

Und später heißt es dann:

T-E-X-A-S A-G-G-I-E Fight! Fight! Fight-fight-fight! Fight! Maroon! White-White-White! A-G-G-I-E Texas! Texas! A-M-C! Gig ‚em, Aggies, 1-2-3 Farmers fight! Farmers fight! Fight! Fight! Farmers, farmers fight! A! Whoop!

Wobei die vorherigen Zeilen geschrien werden (engl. to yell). Dazu werden eigens sogenannte Yell Leader, also Vorschreier, auserwählt, die den Ruf vorbrüllen, der dann von den Aggies nachgebrüllt wird.

Ich lass das jetzt einfach mal unkommentiert…

Aber einen hab ich noch: Im Rahmen der Midnight Yell Practice finden sich die Aggies immer um Mitternacht vor Football-Spielen in ihrem Stadion ein, um das Repertoire ihrer Kampfschreie abzustimmen! Die Aggies haben nämlich keine Cheerleader, sondern ihre Yell Leader, die mittels Handzeichen die Menge dirigieren und so unisono ihr Team anfeuern – oder einfach nur den Gegner anschreien. Bei der Midnight Yell Practice wird dann auch noch kurz das Licht runtergedreht, und jeder Aggie küsst sein Date! Das ist jedoch nur gewissenhafte Übung fürs Spiel, denn auch dann küsst nach jedem Punkt seines Teams jeder Aggie sein Date.

Es gibt Geschichten, die kann man nicht erfinden. So wächst sie auf, die zukünftige Elite dieses Landes.

Höllenhunde, Mondgestein und toter Fisch

Okay. Howdy!

Ich muss sagen, ein bisschen sind sie mir doch an’s Herz gewachsen, die Aggies. Die drei Tage in College Station sind schneller vergangen als erwartet. Leider hat das Wetter umgeschlagen und es regnet heftig, während ich nach Houston zurückfahre. Wenn es in Texas regnet, dann richtig. Everything’s bigger and better in Texas heißt es ja auch… Im Falle des Regens trifft natürlich nur das bigger zu.

Die Fahrt verläuft sonst ereignislos. Natürlich ist unterwegs mal eben die Interstate an einer Baustelle gesperrt: All vehicles have to exit. Nach der Abfahrt keinerlei Hinweisschild, wie’s weiter geht, und so lande ich prompt zum zweiten Mal auf dem schon auf der Hinfahrt inspizierten nagelneuen Tollway Richtung Süden. Wie gehabt: Durchfahrt durchs toll gateca-shing – Wenden an der zweiten Ausfahrt und nochmals Durchfahrt durchs toll gate – ca-shing. Wenn die Texaner wüssten, wie sehr ich innerhalb einer Woche zum Ausbau deren Mautstraßen beitrage!

Im Dunkeln erreiche ich den NASA Parkway im Süden Houstons. Um zehn schlafe ich über meinem Buch ein. Hatte ich wohl etwas Schlaf nachzuholen…

Der Sonntag startet mit einigen soliden Wolkenbrüchen. Später soll es trockener werden, dafür Sturm geben. Prima! Ich werfe mein Wanderprogramm über den Haufen und werde stattdessen heute Kultur machen. Allem voran Frühstückskultur. Starten wir den Tag mit ein paar Vitaminen…

Dann Kunst: In Houston ist Rodeo-Wochenende und im Fernsehen übertragen sie live eine Versteigerung naiver Gegenwartskunst zugunsten eines guten Zwecks. Dieses bewegende Gemälde …

… wird von dem kleinen Dicken ganz links …

für schlappe zweiundneunzigtausend Dollar ersteigert!

Weiterhin führt mich mein Kulturprogramm nun wetterbedingt in die nächstgelegene, glücklicherweise überdachte Mall. Endlich finde ich Gelegenheit, mir mal neue Turnschuhe zu gönnen.

Kein Kulturtag kommt ohne einen Ausflug zu einer Antiquitätenbörse aus.

Joe und Terry leben in Seabrook inmitten eines riesigen Haufens Gerümpel.

Doch draußen in der Garage röstet Joe sieben verschiedene Kaffeesorten. Alles unter Aufsicht des kleinen Höllenhundes „Skipper“, der bei meiner Ankunft noch schläft. Zuerst darf ich drei verschiedene Kaffeesorten verkosten. Aus einer echten Tasse, das ist schonmal ein gutes Zeichen. Ich lasse mir einen Cappuccino zubereiten und setze mich mitten ins zugestellte Wohnzimmer. Meinen Cappuccino bekomme ich im Pappbecher.

Ich soll unbedingt nach Galveston rausfahren, den Golf von Mexiko besuchen und die Riesenmuscheln vor den Muschelläden ansehen. Aus irgendeinem Grund wird mir ein großes Muschelinteresse unterstellt. Nach etwas Diskussion einigen sich die beiden aber, dass die Riesenmuscheln seit Hurrican Ike 2008 gar nicht mehr da sind. Dafür erfahre ich, dass draußen auf der dem Festland vorgelagerten Halbinsel bei der furchtbaren Sturmflut von 1900 über 10.000 Menschen ums Leben kamen. Die toten Körper fuhr man dann mit Kuttern raus auf die See, und nach wenigen Tagen wurden sie wieder an den Stränden angeschwemmt. Wie gesagt, ich soll mir das unbedingt ansehen. Und vielleicht sind die Muscheln ja doch noch da.

Letztlich bekomme ich noch eine kurze Führung durch die NASA-Abteilung dieses kleinen Museums. Neben allerlei Werkzeugen und Apollo-Abzeichen ist hier besonders das echte Mondgestein hervorzuheben. Wie die Steine hier in den Laden gelangt sind, ist nicht ganz nachzuvollziehen, jedoch hat Joe schon mehrere Wissenschaftler der NASA angeschrieben – doch bisher wollte noch keiner die verloren gegangenen Schätze bei ihm abholen. Das Preisschild („priceless“) hat er aus juristischen Gründen angebracht: Der Verkauf von Mondgestein ist natürlich streng verboten.

Letztlich wacht „Skipper“ doch noch auf, weitere Kundschaft kommt in den Laden, ich bezahle meinen Kaffee und ziehe von Dannen.

Ein paar Blocks weiter fällt mir auf, dass hier die Bewohner (zumindest der clevere Teil von ihnen) ihre Häuser auf Stelzen bauen, einige beginnen sogar erst im zweiten Stock.

Ich fahre etwas an der Küste entlang und bemerke reges Treiben an einigen auf Stelzen stehenden Lagerhäusern. Der Aufschrift nach soll hier heute Crawfish live auftreten. Wow, Crawfish! Kenn ich nicht. Aus der Nähe betrachtet wird klar, dass es doch nur Fischgeschäfte sind, die lebendige Schalentiere anbieten.

Aber auch das Fischangebot macht was her. Interessant auch: Hier bringt man einfach seinen größten Kochtopf mit und lässt sich den mit Riesengarnelen vollfüllen, die dann zuhause gleich auf dem Herd landen.

Ich fahre noch eine Meile nach Norden und mache einen kurzen Spaziergang in einem Vogelschutzgebiet. Damit beschließe ich mein heutiges Kulturprogramm.

Kommen wir endlich …

… zum eigentlichen Grund meiner Reise: dem großen BBQ-Test!

Auf zu Pappas Bar-B-Q.

Die schrankgroßen Smoker werden jeden Morgen um 5:30 Uhr angeworfen.

Auf meiner Ribs Mixer Plate gesellen sich: ein Beef Rib, zwei Pork Ribs und weitere drei Baby Back Ribs. Dazu Cole Slaw und fingerdicke Fries.

Woah.

Mission Control, was steht an?

Howdy. Heute habe ich einen Termin bei der NASA. Astronautenbewerbung abgeben und so. Naja. Vom Besucherzentrum am Johnston Space Center habe ich nicht viel Positives gehört – also habe ich mich stattdessen rechtzeitig für die Level 9 Tour angemeldet: Jeden Tag gibt es für exakt 12 Personen eine ganztägige Führung hinein ins Herz der NASA.

Mit Betriebsausweisen ausgestattet trifft sich die Gruppe mit David, unserem Guide für diesen Tag. Der Astronaut über unseren Köpfen ist entweder ganz schön weit von der ISS abgetrieben, oder die ISS im Hintergrund ist in Wirklichkeit nur ein verkleinertes Modell. Auf jeden Fall verspricht uns David, dass wir heute garantiert echte Astronauten sehen werden, und auch die Mission Control der ISS steht auf unserem Programm.

Zunächst fahren wir eine Viertelstunde über das weitläufige Gelände der NASA. So weitläufig, dass hier sogar Rinderherden gehalten werden, respekteinflößende Longhorns, und auch Rehe laufen uns an mehreren Kreuzungen in ganzen Rudeln über den Weg.

Wir erreichen zuerst das Neutral Buoyancy Laboratory. Hier gibt es einen riesigen Pool, in dem verschiedene Bauteile der ISS versenkt sind, um in der simulierten Schwerelosigkeit Außeneinsätze, Montage- und Reparaturarbeiten zu trainieren. Die Astronauten schlüpfen dazu in ihre Weltraumanzüge und an ihren Beinen werden gut austarierte Gewichte befestigt, sodass sich Auftrieb und Erdanziehung in etwa aufheben. Da ein Außeneinsatz im Weltraum sieben Stunden dauert, bleibt der Astronaut auch hier im Pool sieben Stunden und wird dabei von mindestens vier Tauchern überwacht – denn sollte ihm etwas passieren, wäre er mit dem Anzug nicht in der Lage, sich selbst irgendwie zu helfen.

Direkt unter uns sehen wir den Astronauten beim Training im Wasser. Ein Taucher filmt die Arbeit fortlaufend, um später eventuelle Fehler zu diskutieren. Davon profitieren auch wir und können so genau verfolgen, wie schwierig es ist, sich in der simulierten Schwerelosigkeit zu bewegen.

Weiter geht’s in eine riesige Halle, in der allerlei originalgroße Modelle der verschiedenen ISS-Module, des Space Shuttles, der Sojus-Kapseln und auch noch einiger Kuriositäten versammelt sind. Tatsächlich wird an einigen Stellen gearbeitet, es wird mittels Rauchgenerator ein Brand in der ISS geprobt und am großen Simulator werden Ankoppel-Manöver geübt.

Da wir eine neugierige Truppe sind, verspricht uns David, dass wir (groooße Ausnahme…) in den einzigen voll funktionsfähigen Space Shuttle Simulator hineinklettern und einmal auf dem Platz des Commanders sitzen dürfen. In dem Simulator ist die komplette Bordelektronik des Shuttles verbaut und verkabelt, exakt wie im Original-Shuttle. Im Grunde ist es ein komplett funktionierender Shuttle, nur eben ohne Hülle. Wir befinden uns hier im Ladedeck:

Vorne im Mitteldeck wird es schon etwas enger, dann zwängen wir uns eine enge kleine Stiege hinauf ins Cockpit.

Im Cockpit ist es schon für sechs Personen reichlich eng und man muss sich ziemlich verbiegen, um auf einen der Stühle zu klettern. Ich sitze auf dem Platz des Commanders (links), während rechts von mir der Pilot seinen Stammplatz hat. Auf exakt diesem Sitz saß vor mir tatsächlich jeder Commander wirklich aller Shuttle-Missionen und hat hier die Landung des Shuttles trainiert!

Das Ganze war definitiv nichts für Klaustrophobiker und so kehren wir nach diesem Highlight erstmal in der NASA-Kantine ein. Gut möglich, dass mit uns auch Astronauten in der Schlange stehen, sagt David, allerdings tragen sie in der Kantine ihre Helme nicht…

Weiter geht’s zum nächsten Höhepunkt: Mission Control der International Space Station (ISS). Da die Crew gerade schläft und die Station sich in einem Funkschatten befindet, ist es im Kontrolzentrum aktuell recht ruhig. Der Flight Director in dieser Schicht heißt Ed und trägt letzte Verantwortung für die milliardenteuere ISS. Eine Reihe vor ihm sitzt der Operations Planner, der die Tagesplanung der aktuell drei Astronauten auf der ISS im Griff hat, und den Astronauten alle fünf Minuten durchgibt, was sie als Nächstes zu tun haben. Im Moment ist aber „Crew Sleep Time“, die Crew hat frei. Die Lieblingsbeschäftigung der Astronauten in ihrer Freizeit während ihrer sechsmonatigen Einsätze ist übrigens: Zur Erde runterschauen.

An der Stirnseite des Kontrollraums sieht man auf einer großen Karte über welchem Kontinent sich die ISS gerade befindet. Sie rast 16 Mal am Tag um den Globus, während unseres Besuchs überquert sie ganz Asien. Auf weiteren großen Monitoren ist nur ein schwarzes Bild zu sehen. Auf der ISS ist aktuell Nacht. Aber bei 16 Sonnenauf- und untergängen innerhalb 24 Stunden kann es nicht lange dauern, bis die Sonne aufgeht. So sehen wir auf einem Monitor das Live-Bild von der ISS. Dort wird zuerst als dünne Sichel die erhellte Atmosphäre der Erde erkennbar. Und ganz plötzlich geht die Sonne auf!

Nun wird auch die ISS angeleuchtet und auch auf den anderen Monitoren ist etwas zu sehen: Der Blick auf einige Module der Station.

Schon bald ist der ganze Erdball in der Sonne und man sieht wie schnell sich die Erde unter der ISS hinwegdreht.

Das war ganz schön aufregend – im Übrigen ist es gut, zu wissen, dass auch die ISS nicht ohne Glücksbringer auskommt.

Wir fahren nun eine Etage nach oben, in die unter Denkmalschutz gestellte historische Mission Control der Apollo-Missionen. Von hier wurde die erst Landung auf dem Mond überwacht, genauso wie der dramatische Flug der Apollo 13.

Vom Drehstuhl des Mission Director aus sieht man die, an den Wänden befestigten Plaketten aller erfolgreicher Missionen, so auch der Apollo 11 – Mission, die Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf den Mond und wieder zurück beförderte. David hat ein iPad mitgebracht und zeigt uns hier noch viele Fotos der damaligen Akteure aus seinem privaten Fotoalbum – er war selbst als Ingenieur an zahlreichen Apollo-Missionen beteiligt. Heute ist er pensioniert und führt zwei Mal in der Woche eine Gruppe durch die NASA, worüber wir uns natürlich sehr freuen.

Das rote Telefon – ich frage nach – ist nicht original, sondern hier stand früher ein schwarzes Telefon, mit dem der Verbindungsoffizier der Streitkräfte im Falle einer missglückten Landung die Bergung der Astronauten anordnen konnte.

Ein geschichtsträchtiger Ort.

Mit den Highlights sind wir nun durch, und wir sehen uns noch die originalgroße Rakete an, mit der die Apollo-Kapsel seinerzeit zum Mond geschossen wurde.

Am Ende sind die sechs Stunden vergangen wie im Flug, ich sehe mir noch einen kleinen Teil der Ausstellung im Space Center an (der Rest des Space Centers ist eher ein Kinderspielplatz).

Nach so vielen Eindrücken schreit mein Körper jetzt aber echt nach Zucker. Ich fahre nochmal rüber nach Seabrook, dort habe ich gestern einen vielversprechenden (Sonntags geschlossenen) Laden verortet, der jetzt fällig ist: Seabrook Wafflehouse!

Hier gibt es neben warmer Nachmittagssonne echte Belgische Waffeln. Ich entscheide mich für die Kreation „Black Gold“ und werde nicht enttäuscht.

Ich bin ein First Timer.

So, kommen wir zum Abendprogramm. Der Besuch bei Pappas gestern war ja schon ganz nett, wenn auch die Ribs etwas saftiger hätten sein dürfen. Heute nehme ich mir vor:

Hinter Rudy’s Bar-B-Q steht containerweise Holz zum Räuchern bereit, aus den vier Kaminen raucht es heftig. Schon das Aroma auf dem Parkplatz haut einen um.

Drinnen sehe ich mich erstmal um, und werde gleich als Neuling erkannt: Ich soll mich brav anstellen, dann sagen, dass ich ein First Timer bin, dann bekomme ich alles erklärt und darf mich erstmal durchs Angebot durchkosten. Na, das klingt doch prima.

Ich tue wie befohlen und die Jungs hinter der Theke schneiden mir ein paar Sampler aus den Fleischbrocken, die sie den Smokern hinter sich entnehmen. Als erstes soll ich den Truthahn probieren. Ja nun, danke, trockenen Truthahn kenne ich zu Genüge. Aber unfassbar: Das Fleisch trieft nur so vor Saft und schmeckt so unglaublich rauchig lecker, wow… Aber eigentlich bin ich gekommen, um heute Brisket zu probieren. Das dürften wohl Bruststücke vom Rindvieh sein. Die gibt es hier in drei Varianten, von mager bis durchwachsen. Ich probiere sie alle durch und lasse mir dann ein halbes Pfund vom Durchwachsenen abwiegen. Dazu packe ich noch ein paar Jalapeños und etwas Cole Slaw in mein Körbchen und suche mir einen Tisch. Dort gibt es zur Auswahl: Rudy’s Sissy Sauce und Rudy’s Barbecue Sauce, die beide unbeschreiblich lecker sind. Und das Fleisch ist zart wie sonstwas.

Jetzt bin ich kein First Timer mehr, und satt bin ich auch. Und ich würde sagen: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben echtes Bar-B-Q gegessen. Gig’em.

Alligatoren, Golf und Ende

Howdy. Letzter Tag. Ich stärke mich ein letztes Mal mit Joghurt, Beeren, Pancakes und Bacon. Heute möchte ich den Alligatoren am Brazos Bend einen Besuch abstatten; wenn sie mich erwischen wäre es doch schade, wenn ich keine anständige Mahlzeit hergäbe. Nach einstündiger Fahrt erreiche ich die Sumpflandschaft am Brazos River. Das Schild ist vielversprechend, aber ob man hier wirklich Alligatoren antrifft? Mit ganz viel Glück vielleicht.

Am See haben sie gleich ein furchteinflößendes Schild aufgestellt. Aber Moment, wer liegt denn da?

Ja Wahnsinn, gleich am Angelsteg sonnen sich schon zwei. Ganz schöne Kaliber, ich hab mir die kleiner vorgestellt.

Beim Spaziergang um den See treffe ich noch auf so einige Exemplare. Die sind ganz gut getarnt und haben auch ziemlich die Ruhe weg. Tatsächlich zucke ich jedes Mal zusammen, wenn ich plötzlich merke, dass da ein Alligator direkt neben mir ist. Auf dem Weg halte ich mich lieber mittig. Ein Suchbild – Spot the alligator!

Es gibt auch jede Menge Vögel von groß bis klein. Aber die Alligatoren können die natürlich nicht toppen.

Wann muss man schon mal einen Schritt zurückgehen, um bei vollem Weitwinkel ein Tier komplett auf die Linse zu bekommen?

Auch hübsche rote Vögel gibt’s, die sind aber ein bisschen scheu.

Dieser Kollege hat wohl schon gegessen, oder er mag kein Geflügel.

Die „Herons“ gibt es in schwarz, grau und weiß.

Sie sind aber etwas schreckhaft.

Es gibt hier Oak Trees und sogar Pekan-Bäume! Die riesigen alten Eichen werfen ihre Äste aus wie Lianen (oder wahrscheinlich ist das eher irgendein anderes Gewächs, das sich am Baum festhält).

Schön ist’s, doch nach drei kurzen Wanderungen mache ich mich dann auf in Richtung Süden. Ich möchte den Golf von Mexiko ja zumindest mal kurz gesehen haben.

Die Gegend unterwegs ist eintönig und ländlich. Doch irgendwann riecht es schon nach Meer, oder eher irgendwie chemisch. Tatsächlich fährt man über eine Brücke, und plötzlich ist man bei der BASF. Bis zum Horizont nur Raffinerien und Chemie-Krimskrams. Dann nochmal eine steile, hohe Brücke und ich bin in Surfside Beach. Hier, direkt vor dem Strand stehen hunderte kleine Holzhäuser auf Stelzen herum. Die meisten sind lustig bunt angestrichen, mussten sie nach Hurricane Ike vor sechs Jahren sicher größtenteils neu aufgebaut werden. Andere sind durchlöchert und aufgegeben.

Und da ist er: der Golf von Mexiko. Weit draußen Tanker und Ölplattformen, und am Strand wird sogar gebadet, so warm ist es.

Diese Bar hat ein lustiges Sonnendeck, also gehe ich hier was trinken. Eher ein Biker-Schuppen: es kostet schon etwas Überwindung, in den stockdunklen Laden mit all den Harleys davor reinzumarschieren. Aber mir wird gleich ganz freundlich der versteckte Zugang zur Terrasse gezeigt, und ich bekomme ohne zu fragen meine Cola mit Strohhalm. Kein Biker halt.

Eine Stunde fahre ich über den Bluewater Highway nach Westen, vorbei an langen Stränden und immer wieder kleinen Orten mit hunderten aufgebockten Häusern. Die Häuser werden immer größer, bald sind es ganze Wohnanlagen, dann kommen Hotelbunker, dann ein Walmart Supercenter, dann bin ich wohl in Galveston angekommen. Hier geht es zu wie in Brighton Beach (ohne dass ich dort jemals gewesen wäre…). Grauenhaft. Ich gönne mir einen kühlenden Frappé und bummle noch etwas durch die Altstadt, die mit Kneipen unter hohen Balkons ein bisschen wie New Orleans aussieht (ohne dass ich jemals dort gewesen wäre).

Ist aber schon echt ein bisschen runtergekommen hier.

Das rechte Gebäude übrigens: Die Baumwollbörse.

Letztlich mache ich Feierabend, fahre zurück zum Flughafen – aber unterwegs gönne ich mir noch ein Pfund Bar-B-Q bei Rudy’s. Bin ja jetzt kein First Timer mehr! Gig’em!

Frühling – Winter und zurück

Von Phoenix zum Grand Canyon

Ein bisschen mache ich es zur Tradition, eine neue Reise genau dort zu beginnen, wo ich die letzte beendet habe. Nach weicher Landung in Phoenix und Übernahme unseres Jeeps steuern wir erstmal die einzige Filiale von Rudy’s BBQ in Arizona an! Wir geben uns als „First Timer“ aus, fressen uns erstmal durch ein paar Samples und lassen uns dann ein Pfund Brisket schmecken. Das Pfund natürlich ganz wie in der Metzgerei zuhause etwas über 600g schwer: Derf’s a bisserl mehr sein? Na gut…

Ausgeschlafen und frisch geduscht geht die Fresserei dann am nächsten Morgen gleich weiter: Wir lassen uns erstmal ein amerikanisches Frühstück munden. Thomas lässt sich ein Omelett braten, ich halte mich an die Pancakes. So kann der Tag beginnen. In Phoenix wird es heute sicher über 30 Grad heiß, aber am Morgen lässt es sich draußen gut aushalten. Wir fahren Richtung Norden und klettern höhenmäßig immer weiter hinauf, letztlich liegt der Südrand unseres Etappenziels – dem Grand Canyon – rund 2.200m hoch.

Vorbei an unzähligen riesigen Kakteen (Saguaros) fahren wir hinauf Richtung Flagstaff und machen unterwegs kurz halt für einen schönen Spaziergang zu Montezuma’s Castle. Hier haben sich die Ureinwohner Ihre Häuser schön geschützt in eine Felswand gebaut.

Etwas weiter in Flagstaff, einer kleinen Studentenstadt, gönnen wir uns den ersten Kaffee. Es sei zu erwähnen, dass Thomas trotz intensiven Studiums der Bedienungsanleitung seiner neuen Uhr heute morgen eine Stunde zu früh aufgestanden ist (5 Uhr statt 6 Uhr) und der Cappuccino nun gerade recht kommt. Durch Flagstaff führt die Historic Route 66, gleich parallel verläuft die Strecke des Santa Fe Express, der – gezogen von drei Lokomotiven und geschoben von einer weiteren – ganz schön Länge aufs Gleis bringt.

Die Biker auf der 66 sind so früh noch nicht wach, also bleibt uns nur das Schild zu fotografieren.

In Flagstaff ist es nicht annähernd so heiß, wie im zwei Stunden entfernten Phoenix, hier hält der Frühling gerade erst Einzug, und am Hausberg oben liegt noch Schnee. Wir fahren weiter mit Kurs Grand Canyon.

Selbst das Jabba-Dabba-Doo-Land lassen wir links liegen. Wir haben ja noch was vor, heute.

Grand Canyon

Angekommen im Nationalpark schlüpfen wir in unsere Wanderschlappen und fahren gleich mit dem Bus der Orange Line zum Ausgangspunkt unseres Wanderwegs: Wir wollen auf dem South Kebab Trail ein Stück in den Canyon hinabsteigen. Angekommen am Trailhead treten wir zum ersten Mal an den Canyonrand! Vor uns tut sich das tiefe Tal des Colorado River auf, der über 1.500m unter uns den Canyongrund bildet. Sehen kann man den Colorado von hier oben nicht, dafür versteckt er sich zu gut in der steilen Schlucht.

Zum Glück haben wir zuvor in Flagstaff bei JJ’s zwei BLT Sandwiches gekauft, so stärken wir uns zunächst, bevor wir losmarschieren. Dabei blicken wir schon hinunter auf die steilen Serpentinen des Wanderwegs. Sollte diese Passage später, wenn wir wieder hinauf müssen, in der Sonne stehen, dürfte es schweißtreibend werden. Apropos: Hier oben am Canyonrand hat es heute angenehme 22 Grad. Unten am Canyonboden würden uns dann 33 Grad erwarten! Allerdings würde diese Wanderung ganze zwei Tage in Anspruch nehmen. So weit werden wir es nicht kommen lassen.

Wir machen uns an den Abstieg. Beim Blick zurück sehen wir andere Wanderer die Serpentinen hinaufschnaufen. Wanderungen, bei denen es zuerst runter, und erst danach rauf geht, liiiiebe ich ja. Geht hier aber halt nicht anders.

Runter geht’s jedenfalls ganz prächtig, wir verstehen gar nicht, warum die alle so schwitzen, die uns da entgegenkommen. Der Canyon kommt beim Abstieg langsam immer näher, der Weg scheint gar ins Nichts zu führen.

Wir erreichen einen kleinen Kamm, von dem aus sich ein Blick noch weiter in den Canyon hinein eröffnet. Nicht ganz zufällig trägt er den Namen: Oooh Aah Point.

Wir machen Ooh. Wir machen Aah. Wir machen Fotos. Und Luftsprünge.

Schnell beschließen wir, noch eine Etage tiefer zu steigen, bis zur Muli-Haltestelle am Cedar Point. Der Weg wird nämlich auch von Lasteselkarawanen (schönes Wort) verwendet, die Material zur im Tal gelegenen Phantom Ranch transportieren, und sich unterwegs auf dem Wanderweg erleichtern. Die Maultiere sind aber heute wohl schon durch, uns begegnen nur ihre Hinterlassenschaften.

Unten am Cedar Point ist der Blick in den Canyon noch atemberaubender. Die Sonne steht langsam schon etwas tiefer und wirft ein schönes warmes Licht ins Tal. Thomas will nun wissen, wo die Haltestelle der Orange Line sei, die uns wieder zurück zum Parkplatz bringt. Etwas ungläubig schaut er mich an, als ich ihm eröffne, dass wir die 340 Höhenmeter nun in der stechenden Sonne zu Fuß wieder hinaufmüssen.

Der Rückweg kostet ein paar Schweißperlen, liegt aber nach sportlichen 45 Minuten wieder hinter uns. Geschafft!

Wir laufen noch zum Mather Point, wo sich schon viele Sonnenuntergangsanbeter versammelt haben um den Sonnenuntergang anzubeten. Und um ihn zu fotografieren. Es herrscht ein fröhliches Ich-fotografiere-Dich-und-Du-fotografierst mich. Die Schatten der Fotojäger am Aussichtspunkt erinnern dabei an prähistorische Petroglyphen.

Die Sonne gibt nochmal alles und taucht den Canyon in rotgelbes Licht.

Es ist ein schöner Abschluss eines langen Tages. Wir beschließen, dass wir zur Belohnung nun endlich ein Steak verdient haben. Gute Nacht, Grand Canyon!

Im Antelope Canyon

Nach einer jet lag bedingt etwas zu kurzen Nacht am Grand Canyon brechen wir heute zeitig auf. Wir frühstücken mäßig, dafür teuer in der Canyon-Kantine, statten noch einigen Aussichtspunkten kurze Besuche ab. Am Grand View sind wir so früh noch die einzigen am Parkplatz, wir verabschieden uns leise vom Blick in den Canyon – hier sehen wir auch zum ersten Mal hinab zum Colorado (auch wenn der noch einen 21km langen Marsch entfernt wäre).

Wir genießen die totale Stille. Die aber dann doch nicht lange währen soll – es treten auf: Ein frisch verlobtes Paar in Anzug und Kleidchen mit Fotograf. Die müssen nun unbedingt auf den Felsen raufklettern, von dem aus wir gerade die Aussicht genießen. Dort werden dann schnell die Turnschuhe gegen 15cm hohe High Heels getauscht, es klickt ein paar Mal der Auslöser, und mit den Worten „up to the next location“ sind sie auch schon wieder weg. Wir bleiben verdutzt zurück, verabschieden uns nun endgültig vom Grand Canyon, und fahren weiter Richtung Norden, nach Page.

Nach zweistündiger Fahrt durch die Wüste steuern wir zuerst den Lower Antilope Canyon an. Die beiden Antilope Canyons sind sogenannte Slot Canyons, also Schlitze im Sandstein, die das Wasser hier hineingewaschen hat. Die Canyons sind Teil des Reservats der Navajo-Indianer. Wir entrichten zunächst die obligatorische Eintrittsgebühr ins Indianerland und melden uns dann für die nächste Tour in den Canyon, die zu unserem Glück schon gleich nach wenigen Minuten losgeht. Unser Guide ist ein Teenager namens Shay (Schreibweise geraten). Shay ist Navajo, hat eine müdes Stimmchen und heute noch nicht zu Mittag gegessen. Etwas unmotiviert führt sie uns zum unteren Canyon-Ausgang, wo wir erstmal fünf Stockwerke auf Stahltreppen hinabsteigen, bis wir den Canyon-Boden erreichen.

Unten angelangt bricht in unserer kleinen, großteils europäischen Gruppe ehrfurchtvolles Schweigen aus, die Farben und Formen des Sandsteins sind einfach zu überwältigend.

Der Weg durch den Canyon schlängelt sich wieder und wieder durch die Sandsteinwände, oft kommt man nur durch, wenn man einen Fuß vor den anderen setzt.

Jetzt, um Mittag, ist der Sonneneinfall besonders schön.

Shay merkt an, dass wir die leiseste Gruppe sind, die sie je durch den Canyon geführt hat (stimmt, keine Italiener dabei und die einzigen Amis hinken immer etwas hinterher, da sie sich in jeder Kurve in einer anderen Pose fotografieren müssen) und zeigt uns nacheinander was man mit viiiiel Fantasie in den Felsnasen erkennen könnte. Vom Piraten bis zur gesammelten Tierwelt ist so ziemlich alles dabei. Hier die Meerjungfrau mit wallendem Haar:

Thomas kommt seiner Pflicht als Familien- und Portraitfotograf nach.

Der Canyon wird immer enger und über weitere Stiege und Leitern steigen wir langsam nach oben.

Shay wartet auf Nachzügler, während wir dem Naturwunder schon wieder entstiegen sind.

Durch einen engen, kleinen Schlitz entsteigen wir dem Canyon. Von oben ist ihm die Schönheit nicht anzusehen.

Nach einem kurzen Snack entscheiden wir, uns auch den Upper Antilope Canyon noch anzusehen. Den Eintritt ins Indianerland haben wir ja schon gezahlt, also lösen wir erneut ein Ticket für eine Tour, denn zum Upper Canyon muss man erstmal 10 Minuten durch den sandigen Wash hinauffahren, der die beiden Canyons verbindet. Der Wash füllt sich nach Unwettern mit Wasser und wird zu einem Strom, der dann durch die Slot Canyons schießt und dort neue schöne Formen im Sandstein hinterlässt. Auf der Ladefläche des Pickups werden wir auf dem Weg hinauf recht durchgeschüttelt, aber der Fahrtwind kommt uns recht gelegen.

Der Upper Canyon ist ganz anders als der Lower Canyon: tiefer und breiter. Unsere Gruppe mit nur sechs Personen wurde gefahren und wird geführt von Jake. Jake hat offenbar schon zu Mittag gegessen und ist weit besser gelaunt als Shay. Wir betreten den Canyon durch dessen Ausgang, hier schießt bei Flash Floods das Wasser mit bis zu 55 mph (90 kmh!) heraus, der Slot Canyon wirkt wie eine Düse im Wasserstrom. Hier geht Jake mit Thomas in den Canyon:

Jake erzählt uns spannende Geschichten von vergangenen Fluten, bei denen er es schwer hatte, die schon bis zur Hüfte im Wasser stehenden Fotografen vom weiteren Fotografieren ab- und aus dem Canyon rauszubringen.

Jakes Großvater gehört eines der wenigen (Familien-)Unternehmen, die hier im Canyon Touren anbieten dürfen. Während Jakes Jugend hatte sich noch niemand für den Canyon interessiert, die Kids haben hier höchstens mal eine Party gefeiert, oder ein Feuer gemacht. Dann ging der Run auf den Canyon los, den man durch stetiges Hochsetzen der Preise etwas im Rahmen halten wollte. Dennoch kommen fortwährend mehr Besucher in den Canyon – so wirft dieser am Tag (!) bis zu 80.000$ ab. Trotzdem studiert Jake, und auch seine Brüder und Halbbrüder, die mit anderen Gruppen im Canyon unterwegs sind. Was von heute auf morgen kommt, kann genauso schnell auch wieder gehen. Der Großvater scheint ein kluger Kerl zu sein.

Noch fällt etwas Sonne bis zum Canyonboden, doch die Sonne hat sich draußen bald hinter Wolken verkrochen, sodass es im Upper Canyon schon recht dunkel sein kann. Dies bekomme ich schmerzlich zu spüren: Mit voller Wucht laufe ich gegen eine Felsnase und ziehe mir ein stattliches Hörnchen zu.

Trotz dröhnendem Schädel gebe ich alles und dokumentiere, wie Thomas wie im Feenland einen Sand-Wasserfall streichelt, den Jake durch Hochwerfen von Sand für uns herstellt.

Zuletzt macht unser Guide noch ein Foto von allen in unserer Gruppe und fährt uns wild schaukelnd zurück zum Parkplatz.

Zum Abschluss eines schönen Tages besuchen wir noch den Colorado River am Horseshoe Bend …

… suchen uns den Mexikaner mit dem buntesten Mobiliar aus …

… und essen Fajitas bis zum Umfallen.

Auf dem steilsten Wanderweg im ganzen Westen

Ladys and Gentlemen: Heute durchfahren wir den …

Genau: den Cottonwood Canyon! Ein paar Lockerungssprünge, bevor wir auf 40 Meilen keinen Asphalt mehr sehen werden.

Die Longhorns gucken etwas überrascht, uns hier zu sehen.

Langsam schraubt sich die Straße durch die „Grand Staircase“ – so heißt das National Monument in dem wir uns hier bewegen – hinauf.

Wir haben uns einen echten Geheimtipp rausgesucht. In keinem Wanderführer beschrieben, auf keiner Karte verzeichnet. Auf Nachfrage hat uns der Ranger den Ausgangspunkt in eine Karte eingezeichnet. Am Beginn der Straße haben wir den Kilometerzähler am Tacho auf Null gesetzt, bei exakt 14,1 Meilen halten wir an. Hier weist ein kleines Steinmännchen den Weg: Wir wollen den Yellow Rock besteigen!

Geheim ist dennoch relativ. Aus den Büschen tritt abrupt ein Ehepaar hervor, die offenbar gerade vom Yellow Rock zurückkommen. Natürlich Deutsche. Wir sind neugierig: Wo geht der Weg genau lang? Wie schwierig wird es? Lohnt es sich? Die beiden sind recht nett und (vor allem sie) auch sehr gesprächig. Aus der Ecke Stuttgart kommen sie und reisen nun seit 17 Jahren wieder und wieder durch die nordamerikanischen Wüsten. Wir haben sie nicht nach ihrem Namen gefragt, aber nennen wir die nette Stuttgarterin hier einfach mal Ursula. Ursula sieht uns kritisch an: Sind wir echte Wanderer? Wissen wir worauf wir uns hier einlassen? Der Weg sei gut zu finden. Größtenteils zumindest. Manchmal müsse man genau hinsehen. Auf Steinmännchen achten. Teilweise ist es gar kein Weg. Gutes Schuhwerk. Aufpassen. Rutschig. Steil. Nein: Der steilste Wanderweg im ganzen Westen!

Wir schlucken.

Er muntert uns auf: Es wäre eben ein Abenteuer. Ja, dann lass mal kommen, das Abenteuer. Wir tauschen noch ein paar Nettigkeiten aus, packen unsere Brotzeit und alle Wasserreserven ein, und marschieren mit einem flauen Gefühl im Magen los.

Als Erstes gilt es den Paria River zu überqueren. Ein Leichtes.

Steinmännchen und vereinzelten Fußspuren folgen wir nun langsam bergauf. Indian Paintbrush weist uns den Weg.

Echsen lauern uns auf.

Freundliche Helfer haben den Weg markiert.

Ein schmaler Pfad führt über eine Flanke bergauf. Beim Runtergehen werden wir hier etwas Acht geben müssen. In der Mittagssonne ist der relativ steile Anstieg anstrengend, aber was wartet nach diesem Hang noch auf uns? Der steilste Wanderweg im ganzen Westen? Oh je, was mag noch kommen?

Gaaar nix kommt mehr. Wir sind schon da. Er steht schon vor uns: Der Yellow Rock.

Zwei Wanderer kommen uns noch entgegen, ansonsten sind wir ganz allein, als wir unser Picknick auspacken.

Wir haben den steilsten Wanderweg im ganzen Westen bezwungen. Danke nochmal Ursula, dass wir dabei die Hosen halb voll hatten. Ohne Grund.

Wir laufen noch etwas auf dem Yellow Rock umher, machen viele Fotos und beginnen den Abstieg. Die Kunst ist, sich zu merken, wo man genau hergekommen ist, dann findet man auch den Weg hinunter ganz leicht. Und auch der Steilhang war kein Problem, wenn man etwas aufpasst.

Zurück am Auto verleihen wir uns nochmals gegenseitig die Steilster-Weg-im-ganzen-Westen-Medaille und setzen nun unsere Fahrt entlang der Cottonwood Canyon Road fort.

Den Grosvenor Arch nehmen wir auch noch mit.

Dann haben wir das Gröbste auch schon hinter uns.

Noch eine kleine Furt gilt es zu überwinden, und schon haben wir wieder Asphalt unter den Rädern.

Ein Abenteuer war es allemal!

Am und im Bryce Canyon

Wir erreichen den Bryce Canyon am frühen Nachmittag. Leider haben wir heute eine Stunde verloren – wir sind jetzt in Utah, hier gilt im Gegensatz zu Arizona die Sommerzeit.

Zunächst fahren wir den Inspiration Point an, genauer gesagt den Parkplatz am Inspiration Point. Zum Inspiration Point – so erweist es sich – sind noch einige Höhenmeter zu erklimmen, was nach der Tour auf den Yellow Rock dann doch in den Oberschenkeln zu spüren ist.

Aber schon der erste Blick in das „Amphitheater“ ist überwältigend. Rote Felsnadeln wohin man schaut.

Oben am Inspiration Point angekommen hat man einen noch besseren Überblick.

Man hätte den Inspiration Point auch Ooh Aah Point nennen können…

Es wird jetzt aber langsam ganz schön frisch hier oben, letztlich sind wir auf fast 2.600m Höhe!

Das wird uns auch am nächsten Morgen klar. Denn über Nacht hat es geregnet, und die noch höher gelegenen Berge sind frisch verschneit! Beim Aufstehen ist nur ein kleines Wolkenloch im Himmel zu sehen, aber bald klart es auf. So können wir am letzten Vormittag unserer kleinen Rundreise noch eine schöne Wanderung in den Bryce Canyon hinein machen. Thomas hat uns dazu die – laut Infoblatt – schönste 3-Meilen-Runde Nordamerikas ausgesucht. Die Sonne bleibt uns dabei während des ganzen Weges treu.

Zuerst stiegen wir gemütlich durch die rot-orange Märchenlandschaft hinab.

Waren wir zuerst noch auf Höhe der Felsspitzen unterwegs, blicken wir schon bald an ihnen hinauf.

Flußüberquerungen meistern wir routiniert.

Bestimmt zwei Stunden wandern wir durch die schöne Landschaft. Die Sonne wärmt, gleichzeitig fallen gegen Ende unserer Runde dazu sogar ein paar Schneeflocken. Bei Thors Hammer steigen wir in vielen Serpentinen wieder hinauf zum Rand des Canyons. Lustigerweise treffen wir beim Aufstieg ein Paar aus Deutschland wieder, mit denen wir vorgestern durch den Lower Antilope Canyon gelaufen sind. Ein ausführlicher Ratsch gibt uns Zeit zum Luft holen, dann sind – nun letztmalig – unsere Oberschenkel gefragt.

Vom Sunset Point aus genießen wir noch einen letzten Blick über das Naturwunder; im Hintergrund sind die verschneiten Berge erkennbar.

Wir prägen uns diese Bilder ein und starten letztendlich in Richtung Las Vegas. Die von Westen mit hoher Geschwindigkeit heranziehenden Wolken bringen nochmals einige Schneeschauer mit. Wenige Stunden später und 2.000 Höhenmeter tiefer, ist der Himmel wieder wolkenlos und das Thermometer zeigt über 25 Grad. Wir tauchen wieder in die Zivilisation ein. Aber schön war’s.

Viva!

Zum Abschluss gibt’s nun noch ein paar Eindrücke aus Las Vegas.

Erste Eindrücke aus Kroatien

Mehr Impressionen aus Split und Vodice

Zadar

Am Stadttor lassen uns die Venezianer wissen, dass Zadar einst ihnen gehörte.

Vom traurigen Mann mit Muschel lassen wir uns bei diesem Wetter nicht die Stimmung verderben.

Die Kathedrale steht auf einem Fundament aus Steinen und Säulen des ehemaligen römischen Forums.

Ein Flusspferd als Wasserspeier?

Nach jedem Cappuccino ruhen wir uns auf den Stufen der Meeresorgel aus, dem schönsten Ort in ganz Zadar.

Und das waren einige Cappuccinos.

Gleich daneben tankt der „Gruß an die Sonne“ Energie für den Abend.

Zum Sonnenuntergang geht’s jeden Abend an die Riva.

Und natürlich endet dieser Spaziergang …

… an der Meeresorgel.

„Greetings to the Sun“ fängt schon langsam an zu blinken …

… und zieht die ersten Sonnenuntergangsgucker von der Meeresorgel weg.

Im Dunkeln …

… wird’s dann richtig bunt.

Ein neuer Tag, ein neuer Sonnenuntergang.

Die Fähre auf dem Weg zum Tellerrand.

Calling home.

Und auch „Greetings to the Sun“ ist schon bevölkert.

Die See wie ein Meer aus Quecksilber.

Wir beschließen den Abend mit einem Bummel durch die Altstadt (also, so wie jeden Abend halt).

An unserem letzten Tag machen wir einen aufregenden Ausflug in die quirlige Umgebung.

Aber schnell zieht es uns ins lebendige Zadar zurück.

Wo auch schon wieder der nächste Sonnenuntergang ansteht.

Den wir natürlich nach einem Bummel entlang der Riva

… pflichtgemäß …

… an der Meeresorgel sitzend ansehen.

Tschüß Sonne,

tschüß Zadar.

Vancouver

Entzündete Gallenblasen, Pilotenstreiks und Vulkanausbrüche konnten uns nicht aufhalten: In Vancouver betreten wir erstmals kanadischen Boden. Und ein Morgen in Kanada kann natürlich nur mit einem beginnen: Walnut Pancakes mit kanadischem Ahornsirup.

So viel Energie haben wir getankt, dass wir uns gleich ein paar Radl ausleihen um den Stanley Park am Rande Downtowns zu umrunden.

Gleich zu Beginn wartet auf uns der schönste der vielen Stopps, die wir auf unserer Radltour einlegen, einer Sammlung von Totempfählen der Ureinwohner des Kontinents.

Mit Hilfe der Erläuterungen zu den einzelnen Pfählen finden wir heraus, was da übereinander gestapelt dargestellt wurde. Gerne dabei sind: Adler, Schlange, Wal, Weiser Mann und Mann mit Kanu.

Am besten gefallen uns die farbigen Pfähle, aber es geht auch ohne Anmalen:

Auf dem Burrard Inlet herrscht ein reger Verkehr aus Fähren, Kreuzfahrtschiffen und Wasserflugzeugen.

An der Neun-Uhr-Kanone sollte man sich um Neun Uhr besser nicht aufhalten.

Dass die Kanone direkt aufs Kreuzfahrt-Terminal zielt, würde mir als Kreuzfahrer zu denken geben.

Zwischen dem Second Beach und dem Third Beach machen wir einen weiteren Stopp bei John Shaver, der hier den lieben Tag lang nichts anderes macht, als Steine aufeinander zu balancieren. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde man im Leben nicht glauben, dass diese Steine ohne Tricks und doppelte Böden einfach aufeinanderstehen.

Der Meister bei der Arbeit.

Ein Stückchen weiter, am Second Beach halten wir an einem Marktstand, auf dem frische Erdbeeren aus dem Okanagan Valley verkauft werden. Frische Erdbeeren, zuckersüß, im September! Das Schälchen kostet 4$, drei für 13$. Der Rechenkunst können wir zwar nicht ganz folgen, lecker waren sie trotzdem. Noch kurz gefragt, ob die Erdbeeren denn organic (also bio) sind. Sind sie nicht, der Bauer guckt sie sich aber täglich sehr genau an. Außerdem sind zwischen den Pflanzen immer wieder Gräser gepflanzt, die den Staub von den Erdbeeren fern halten. Also sind sie doch quasi bio… Wie gesagt, egal, waren lecker!

Zurück in der City treffen wir einige recht lachhafte Gestalten.

Einige.

Auch beim Inukshuk schauen wir kurz vorbei – dem Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2010.

Jetzt ist aber genug geradelt. Die Frühstückskalorien haben wir längst verbrannt. Der Japadog ist eine Spezialität, die es nur in Vancouver gibt – die Fotos diverser Promis mit der japanischen Variante des Hot Dog beweisen es. Uns konnte der Japadog-Stand dann aber nicht ganz überzeugen, Seetang auf der Wurst hin oder her. Das Grüner-Tee-Eis – drei Kugeln im frittierten Brötchen – hätte uns eher interessiert, wäre die Sonne noch da.

Sonne hin oder her marschieren wir noch hinüber nach Gastown, einem hübsch hergerichteten Viertel mit alten Backsteinbauten und dem einen oder anderen Souveniergeschäft. Das ganze Viertel wird mittels heißem Dampf mit Energie versorgt, da hat man in den Siebzigern auch gleich eine dampfbetriebene Uhr aufgestellt. Die Steam Clock zischt und pfeift und tutet zu jeder vollen Viertelstunde. Das macht sie auch jetzt um halb fünf recht zuverlässig – auch wenn das Ziffernblatt was völlig Anderes anzeigt.

Am anderen Ende der Gastown erweisen wir dem Stadtgründer Gassy Jack noch die Ehre.

Jetzt sind wir aber echt müde und machen uns auf den Heimweg. Unterwegs gibt’s noch eine kurze Stepptanz-Show.

Wir haben uns den Lachs heute echt verdient (es ist gerade Salmon Festival, und wir essen uns gezielt durch die Lachskarten der umliegenden Restaurants durch).

Und auch wenn die Stadt noch lange nicht schläft (schließlich ist heute Feiertag), wir gehen in die Heia.

Granville Island Market

Nachdem der Wettergott es bisher recht gut mit uns meinte, ist heute eher Dauerregen angesagt. Kein Problem – wir haben ja gestern schon eine neue Regenjacke für Simone gekauft (die alte hängt wohl noch in der heimischen Garderobe). Mit den kleinen Wassertaxis der False Creek Ferries setzen wir über nach Granville Island.

Solche Strapazen würden wir natürlich nicht auf uns nehmen, gäbe es auf Granville Island nichts zu essen! In der großen Markthalle auf den kleinen Halbinsel, unter der großen Brücke hinüber in die City, ist aber bestens für uns gesorgt.

Hier gibt es Kulinarisches aus aller Welt. Ob frische italienische Pasta, französischer Käse oder Original German Bratwurst, alles ist dabei. Man beachte auf diesem Schild den Abschnitt zum Oktoberfest: „No need to go to Munich“. Man soll sich einfach das Bier von der Granville Island Brewery holen, Wurst und Sauerkraut gibt’s dann hier.

Wir futtern uns durchs Angebot und nehmen dann das Wassertaxi zurück in die Stadt. Kurz bevor wir endgültig durchgeweicht sind, kehren wir noch auf einen Kaffee ein. Die Bäckerei in der Robson Street hat viel leckeres Gebäck, gut möglich, dass hier deutsche Konditoren die Finger im Spiel haben – die Robson Street wurde früher auch „Robsonstraße“ genannt, der vielen deutschen Läden wegen. Heute ist davon aber nicht mehr viel zu spüren, denn heute ist ein Drittel der Einwohner Vancouvers asiatischer Abstammung und somit reiht sich in der Robsonstraße ein asiatisches Restaurant an das andere. Aber so tolle Törtchen können die halt nicht…

Und zur großen Überraschung kommt abends auch die Sonne noch einmal durch.

Bloedel

Ein kurzer, aber kostspieliger Ausflug führte uns übrigens auch noch in den Queen Elizabeth Park, der mit 150m die höchste Erhebung innerhalb Vancouver darstellt. Wären die Bäume hier oben nicht so elendig hoch, hätte man einen tollen Blick auf Downtown. Dafür ist der Park sehr hübsch, und unter der großen Kuppel des Bloedel Conservatory finden wir bei 98% Luftfeuchtigkeit einen tropischen Regenwald mit Papageien und allerlei Kanarienvögeln vor. Den Eintritt von $5.50 pro Nase war der Rundgang durch diese schöne Anlage allemal wert. Nur das Ticket über $36.80 fürs Parken ohne Parkschein war etwas bloedel…

Der Sonne entgegen

Kommt die Sonne nicht zu uns, müssen wir eben zur Sonne fahren.

Unsere letzte Nacht in Vancouver steht bevor, danach werden wir die Pazifikküste verlassen. Ein guter Anlass, noch etwas die Küste abzuklappern. Wir verlassen Vancouver über die Lions Gate Bridge und folgen dem Highway Richtung Norden. Eine gute Stunde Fahrt ist es bis Squamish, einem kleinen Holzfäller-Nest am Ende des südlichsten Fjords Nordamerikas. Die Niederschläge der letzten Tage haben die Berggipfel über dem tiefblauen Fjord leicht angezuckert und bereits auf halber Strecke reißt die Wolkendecke auf und wir freuen uns über strahlend blauen Himmel. Die Luft im Schatten ist noch ziemlich zapfig, und die auf 350 Meter langen Kaskaden herabfallenden Shannon Falls erwandern wir zügig – um warm zu bleiben. Aber in der Sonne ist es nach einem verregneten Tag wie gestern natürlich wunderschön.

In Squamish angekommen parken wir gegenüber der Polizeistation der Royal Canadian Mounted Police, zu erkennen am Funkturm auf dem Dach.

Wir spazieren die blumengeschmückte Main Street einmal auf und einmal ab – die hohen Gipfel im Hintergrund dürften schon zu Whistler, dem Austragungsort der Alpinwettbewerbe bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren gehören.

Squamish liegt genau am Ende des Fjords und obwohl als Holzfällerstadt bekannt, kam uns auf dem Weg hierher noch kein einziger Holzlaster entgegen. Vor Ort wird klar warum: Die aus den Bergen kommenden Laster werden in Sqamish entladen und die Stämme in den Fjord geworfen. Dazu stehen Maschinen wie diese bereit, die die gesamte (!) Ladung eines LKW auf einmal greifen und abladen können! Im Wasser werden die Baumstämme dann zu Flößen verbunden und von Schleppern zur Weiterverarbeitung nach Vancouver gezogen.

So kann man hier übrigens auch reisen: Alten Schulbus kaufen. Alles was schwimmt obendrauf packen. Los.

In der Marina von Squamish sieht man noch einmal, wie nahe Meer und Gletscher hier beieinanderliegen. In Vancouver ist es gar mild genug für Palmen auf der Uferpromenade!

In einigen Dingen weicht der Kanadier vom Amerikaner kaum ab: Ver- und Gebotsschilder werden immer gerne aufgehängt.

Wir fahren wieder zurück nach Süden, machen einen kurzen Stopp am Fährhafen in Horseshoe Bay (einer tatsächlich hufeisenförmigen Bucht). Hier holen wir zunächst die Wolkendecke wieder ein – schade, tschüß Sonne… Aber nur kurze Zeit und ein Salamisandwich später strahlt sie auch über der Horseshoe Bay. Wir entscheiden uns für eine kurze Wanderung im Lighthouse Park, zum Leuchtturm und zurück. Kleine Buchten am Weg sind gefüllt mit Treibholz und den Flößern verlorengegangenen Stämmen.

Praktisch denkend wurde die Halbinsel hinter dem schon im 19. Jahrhundert errichteten Leuchtturm frühzeitig unter Schutz gestellt, damit das Leuchtfeuer immer einen dunklen Hintergrund hat. Nur für das dampfbetriebene Nebelhorn wurde hier seitdem etwas Holz gefällt. So wurde ein Kaltregenwald mit vielen Metern Durchmesser starken Zedern erhalten. Umgefallene Bäume bieten noch Jahrzehnte den Nährboden für die neue Vegetation. Alles ist von saftig grünen Moosen überzogen und Steilhänge sind mit riesigen Farnen bewachsen. Von der Spitze der Landzunge eröffnet sich dann der Blick hinüber auf Vancouver, dessen Hafeneinfahrt der Leuchtturm hier bewacht. In der Mitte liegt grün der Stanley Park (den wir schon mit dem Fahrrad umrundet haben), rechts davon Downtown, links die Lions Gate Bridge.

Nachdem wir mittlerweile auch die letzten Wolken verjagen konnten, und uns mit einem leckeren Cappuccino und einem unterarmgroßen Mandelcroissant gestärkt hatten, fahren wir noch in den Süden Vancouvers, um in der späten Nachmittagssonne eine Runde am Kitsilano Beach zu drehen.

Hier ist es so schön, dass wir gleich zum Abendessen bleiben und uns im „Boathouse“ ein lecker Fischchen braten lassen.

Die Segler draußen wissen dabei wahrscheinlich gar nicht, wem Sie das schöne Wetter heute zu verdanken haben. Sind wir doch nur für sie nach Squamish gefahren, um die Sonne zu holen.

Um acht Uhr müssen wir uns dann von der Sonne doch wieder verabschieden.

Und pünktlich zur Neun-Uhr-Kanone liegen wir erschöpft von viel frischer Luft und mit müden Augen auf unserem Bett.

Mal sehen, wo wir die Sonne dann morgen wieder einfangen müssen. Ich denke, wir fahren ihr mal ein Stückchen entgegen – auf in den Osten!

Harrison Hot Springs

Hat es sich doch gelohnt, dass wir gestern so schön aufgegessen haben: Der Himmel am Tag unserer Abreise aus Vancouver ist wolkenlos und diamanten funkeln uns die Glasfronten Downtown’s hinterher, als wir Stadt Richtung Osten verlassen. Wir folgen dem Fraser River flussaufwärts. Unser erster Stopp ist der historische Kilby Store, den die Familie Kilby noch bis 1977 aktiv betrieb und dann in ein kleines, originalgetreues Museum umwandelte.

Der alte Store ist über eine auf Stelzen gesetzte Rampe erreichbar, denn der Fraser River kann hier schon mal über die Ufer treten und das ganze Farmland überschwemmen. Die alten Zapfsäulen stehen dann aber wohl trotzdem im Wasser.

Der Laden ist gefüllt mit allem, was auf dem Dachboden der Kilbys so zu finden war: In erster Linie Ware, die sich nie so recht verkaufte, aber trotzdem nie weggeworfen wurde.

Hier gab es früher jedenfalls so ziemlich alles zu kaufen, bis hin zur Eiscreme.

Der Ladenbesitzer betrieb daneben noch die einzige Poststation im County, war Friedensrichter und Notar.

Im Obergeschoss gab es ein paar Hotelbetten, im Untergeschoss eine Werkstatt.

Ich nutze die Gelegenheit, hier mal meinen Schlafanzug durchzuwaschen.

Und einen kleinen Spaziergang über die zugehörige Farm mit Hühnern, Truthähnen, Eseln, Schweinen, Kühen und Kaninchen machen wir ebenfalls noch.

Dann fahren wir weiter – zunächst noch zu einer nahegelegenen Nussfarm zum Haselnüsse kaufen – und dann nach Harrison Hot Springs – unseren Etappenort für heute. Der, für seine Thermalquellen bekannte Ort liegt direkt am Südende des langgestreckten Harrison Lake.

Es ist übrigens auch die Heimat des Sasquatch, auch genannt Big Foot, einem Verwandten des Yeti.

Der Sasquatch rät uns zu einer Umrundung des Hicks Lake, der abgeschieden, aber mit Gletscherblick im Wald versteckt liegt.

Erinnerungen an den Olympic National Park in Washington werden wach: An einigen Stellen ist der Wald verwunschen mit Farnen und Moosen überwuchert.

So spenden hier selbst Baumstümpfe Leben: Aus diesem stattlichen Stumpf wachsen ganze drei neue Bäume hervor.

Endlich zurück am Ausgangspunkt hängen wir in der warmen Abendsonne natürlich unsere Füße zum Abkühlen in den See.

Während im Black Forest Restaurant Schnitzel mit Schwarzwaldsoße (?) sowie Sausage nebst Sauerkraut auf den Teller kommen …

… entscheide ich mich doch für die in Tequila flambierten Garnelen mit Limettensoße …

… und vergleiche vor dem Zubettgehen noch meine Schuhgröße mit der des Sasquatch.

Flussaufwärts

Die nächsten Tage wollen wir uns elegant wie die Lachse (jedoch einen Monat vor den Lachsen, mehr dazu später) immer flussaufwärts den Rocky Mountains zu bewegen. Wir starten im kleinen Städtchen Hope, wo wir das Othello’sche Tunnelquartett durchwandern wollen.

Der Chefingenieur dieser Bahnstrecke war ein rechter Shakespear-Fan und so gibt es zwischen den Stationen Romeo und Julia die Station Othello, nach der die nahegelegenen Tunnel benannt sind.

Seinerzeit kostete der Bau einer Meile Bahnstrecke rund 30.000$, doch diese Strecke schlug mit dem fünffachen zu Buche, mussten doch jede Menge Tunnel durch den Berg getrieben, Brücken und Lawinenverbauungen errichtet werden. Kurz vor dem Städtchen Hope war noch eine enge Klamm zu bewältigen, hier kam die Meile gar auf 300.000$.

Doch lange währte der Erfolg nach Fertigstellung nicht. Die Strecke wurde so oft von Bergrutschen und Felsstürzen verschüttet, dass man sie schließlich aufgab. Darum können wir jetzt durch die Tunnels hindurchlaufen und die wilde Klamm begehen – jedoch aktuell nur bis zum zweiten Tunnel, denn das reißende Wasser hat den Brückenpfeiler nach Tunnel 2 sichtbar schon zur Hälfte durch, und somit geht es hier momentan nicht mehr weiter.

Keiner hat uns gesagt, dass man für diese Wanderung besser Taschenlampen mitbringt, und so tappen wir dem ersten Tunnelende entgegen, während leises Wasserrauschen ab und an den Puls etwas höher schlagen lässt, weil man nie weiß, ob man nicht gleich eine Ladung Wasser in den Kragen bekommt.

Zwischen den Tunnels geht es ganz schön steil nach oben.

Nach diesem kleinen Abstecher starten wir nun entlang des Fraser River landeinwärts. Das Tal ist wenig besiedelt, nur ein oder zwei kleine Orte verteilen sich auf 200 km Strecke (und wenn ich klein sage, meine ich auch klein). Trotzdem ist ganz schön was los: Entlang dem Fraser schlängelt sich der Trans Canada Highway (TCH), Kanadas einzige durchgehende Ost-West-Straßenverbindung.

Dazu kommen beiderseits des Flusses je ein Bahngleis. Die Bahnstrecken gehören zwei konkurrierenden Bahngesellschaften und sind ebenfalls die einzigen Ost-West-Verbindungen auf dem Gleis. Heute hat man sich geeinigt, die Gleise gemeinsam zu nutzen, auf einer Seite des Fraser River Richtung Osten, auf der anderen Richtung Westen. Ab und zu überholen wir unterwegs lange (also laaaaaange) Güterzüge, oft gezogen von mehreren Lokomotiven.

Die Züge werden uns auf der Reise auf jeden Fall weiter begleiten, hängt doch die Besiedlung und der wirtschaftliche Aufschwung Kanadas eng mit dem Eisenbahnbau zusammen – und das Land wurde eben entlang der Pässe und Täler erschlossen, durch die sich als erstes auch die Eisenbahn schlängelte. Das hektische Bing-Bing-Bing-Bing-Bing der Bahnübergänge und das Wooooot-Woooooot der Züge ist hier ein Dauerton, an den man sich schnell gewöhnt. Und ein bisschen weg vom Bahndamm herrscht ja dann auch ganz schnell Ruhe.

Auch die Straße braucht ihre Pflege, und so gibt uns die eine oder andere Baustelle Gelegenheit die heute bis zu 30 Grad warme Luft ins Auto hereinzulassen.

Einen Stopp legen wir an der alten Alexandra Bridge ein, hier wechselt die Straßenführung vom West- aufs Ostufer des Fraser. Auf die Pfeiler der schon achtzehnhundertirgendwas erbauten Brücke (über die damals noch Pferde trabten und Kutschen zogen) wurde in den 1920ern eine neue gesetzt. Damals musste man noch in Serpentinen von der höher gelegenen Straße zur Brücke runter und am anderen Ufer wieder rauf fahren. Heute überspannt eine moderne Brücke ein paar hundert Meter südlich auf Straßenhöhe das ganze Tal.

Der Spaziergang auf der alten Straße hinunter ist sehr schön, und ganz einsam steht dann nach einer Linkskurve die alte Brücke vor einem – und darunter rauscht der Fraser River hindurch.

Am anderen Ufer ist die alte Straße schon kaum mehr auszumachen. Die alte Alexandra Bridge führt direkt ins Grüne.

Zurück auf dem TCH geht es weiter Ostwärts. Irgendwann erreichen wir den Zufluss des Thompson River in den schlammigen Fraser River. Ab hier folgen wir dem Thompson.

Anstelle des Zuges düst plötzlich ein Pickup auf Eisenbahnachsen um die Ecke: Der Streckenwärter dürfte den Fahrplan gut kennen.

Orts- und Straßennamen werden hier auch gerne mal in der Sprache der Ureinwohner ausgeschildert. Meistens liest es sich, als hätte man die Buchstaben einfach gewürfelt.

An unserem Etappenziel in Kamloops trennen sich die Gleise der beiden Bahngesellschaften, die einen haben ihre Strecke im Norden bei Jasper, die anderen etwas südlicher bei Banff über die Rocky Mountains gelegt. Bei immer noch 29 Grad genießen wir den Abend und lassen uns beim Mexikaner wie mittlerweile gewohnt eine Guacamole am Tisch zubereiten. Mit vollem Bauch geht es dann in’s Bettchen.

Dieser Camaro kommt übrigens aus den Northwest Territories, dem einzigen Staat mit Autokennzeichen in Form eines Polarbären.

In Kamloops ist Samstags Farmer’s Market, wo wir uns mit allerlei Obst und Tomaten und Kuchen und … also viel Leckerem eindecken, für die nächsten Tage.

Zwei Bretter auf den Pickup geschraubt, Mais rein, Schirm drüber, fertig ist der Marktstand.

Und auch die Mounties sind da und wachen über das Marktgeschehen.

Wir fahren weiter flussaufwärts. An der Mündung des Adams River in den Shoeswap Lake kommen zum Salmon Run alle vier Jahre mehrere Millionen Lachse vorbei, sodass man hier gleich ein Festival veranstaltet und Beobachtungsplattformen errichtet hat. 2014 ist so ein Jahr (im Folgejahr kommt vielleicht noch eine Viertelmillion, im zweiten und dritten Jahr nur ein paar Nachzügler). Dann ist der Fluss hier schwarz vor Fischen. Leider aber erst im Oktober. Ein bisschen hatten wir schon gehofft, vielleicht ein paar besonders sportliche Frühankömmlinge erspähen zu können, aber nix. Müssen wir wohl im Oktober noch mal herkommen…

Salmon Arm ist unser nächstes Zwischenziel, ein echt verschlafenes Nest am Shoeswap Lake.

Aber Wetter ist gut. 🙂

Zur Strafe fürs Nichterscheinen haben wir uns gestern Abend ein paar Fische in die Pfanne werfen lassen – lecker Lachsforellen.

Die überzählige Energie kann ich heute morgen gleich abarbeiten: Schwellenklopfen am Last Spike Monument. Es steht geschrieben:

Here was driven the Last Spike completing Canadian Pacific Railway from Ocean to Ocean November 7, 1855

Genau hier waren dem Bautrupp aus dem Westen leider die Schienen ausgegangen, und so blieb denen nichts anderes übrig, als auf den Trupp aus dem Osten zu warten, bis dann feierlich der letzte Nagel eingeschlagen werden konnte. Die Komplettierung der Strecke war für Kanada ein riesen Meilenstein – endlich verband ein eisernes Band das ganze Land von Ost nach West.

Unser Tagesziel ist Revelstoke am Columbia River. Letztes Jahr standen wir in Astoria in Oregon an der Mündung des Columbia River in den Pazifik. Jetzt sind wir nahe seiner Quellen.

Diese Bank wurde wohl für den Sasquatch gebaut…

Nach der Fahrt durch zwei Klimazonen hinauf auf den Mount Revelstoke machen wir hier eine paar kleine Rundwanderungen durch Wald und Hochmoor…

… und blicken hinüber ins ewige Eis.

Der Feuerwachturm auf dem Gipfel ist im Winter in der Regel bis zur Spitze eingeschneit.

Schon schön.

Wir beenden den Tag mit einem anständigen Steak, sehen dem Vollmond beim Aufgehen zu und warten gespannt darauf, wie sich nun das Wetter entwickeln mag. Die 29 Grad gestern waren ganz schön warm. Die 22 Grad heute waren angenehm. Übermorgen soll es schneien.

Regen, Wald und Eisenbahn

Aufwachen in Revelstoke, Blick aus dem Fenster: Es ist trocken. Blick auf den Wetterbericht: Es wird nass werden.

Erste Station auf unserer Weiterfahrt: Ein Wanderweg durch großblättrige Riesenstinkkohlfelder. Der Skunk Cabbage Trail führt auf Holzbohlen durch den Sumpf und tatsächlich wächst hier eine Menge Riesenkohl mit Blättern, die bis zu einem Meter messen. Glücklicherweise stinkt er gar nicht (zumindest nicht aus der Ferne). Kaum haben wir das warme Auto verlassen, fängt es natürlich an zu regnen. Zurück am Parkplatz war der Regen ganz schön heftig – die Hosen zum ersten Mal für heute nass. Rein ins Auto und weiter. Sind ja nicht aus Zucker.

Beim nächsten Trail warten wir erstmal eine Weile, bis der heftige Schauer vorüber ist, dann drehen wir die Runde durch hohe Hemlock-Tannen und Rotzedern (nein, nicht der Rotz-Eder, sondern die Rot-Zeder). Schöner Weg durch verwunschenen Urwald. Die Hose das zweite Mal nass. Aber wir sind ja nicht aus…

Na gut. Wir geben erstmal auf. Fahren zurück nach Revelstoke und besuchen dort das Eisenbahnmuseum. Auf dieser Reise werden wir unversehens zu Eisenbahnfachleuten. Hose trocknet.

In der Dampflok schiebt heute ein pensionierte Lokführer Schicht, der uns seinen früheren Arbeitsplatz zeigt und alle unsere Fragen beantwortet. Simone darf auch mal auf seinem Platz sitzen.

Der Regen macht Pause und wir sehen uns noch die großen Schneepflüge an, mit denen die Strecke durch die Rockies freigehalten werden. Die haben wir auch vorher schon im nahen Eisenbahndepot parken sehen. Technisch hat sich da in den letzten 100 Jahren nicht viel verändert.

So wurde also früher für die Besiedlung Kanadas geworben: mit schlüsselfertigen Farmen.

Mittlerweile scheint gar die Sonne in Revelstoke und wir lassen uns im Café LaBaguette einen lecker Cappuccino machen und zwei Bagels belegen.

Die hausgemachten Chocolate Truffels haben uns dann noch angelacht und angefleht, mit nach Westen genommen zu werden.

Und da fahren wir jetzt auch hin, weiter nach Westen, durch den Glacier National Park.

Zwei weitere Wanderwege führen uns unter hohen Tannen und über glitschige Felsen, aber immerhin bleibt die Hose jetzt trocken.

Ab und zu geben die Wolken auch mal den Blick auf die Eisfelder über uns frei.

Der Blue Jay wird nicht umsonst auch „Picknick Bird“ genannt. Dieser hat gerade ein Stück Mandarine ergattert.

Auf der Passhöhe des Rogers Pass gönnen uns die Wolken wieder im richtigen Moment den Blick auf die Bergwelt.

Und im Visitor Center sehen wir uns am Modell an, wie ausgesetzt die Bahnstrecke über den Rogers Pass verläuft. Fast die Hälfte wurde mittels Verbauungen vor Lawinen geschützt.

Was leider nicht immer ausreichte. Ein Mahnmal am Rogers Pass gedenkt Dutzenden Toten einer Lawine auf der Passhöhe, die einen ganzen Zug verschüttete. Ein Panorama zeigt die Rettungsarbeiten.

Wir verlassen die Passhöhe in Richtung Golden, einem kleinen Ort zwischen dem Glacier und dem Yoho National Park, wo wir uns heute bei Lynn eingemietet haben, die einige Kilometer vom Ort entfernt ein traumhaftes Bed & Breakfast betreibt. Lynn ist Schottin, Ihr Mann Schweizer (und Zimmermann), was lag da näher, als in dieser wunderschönen Umgebung eine kleine Lodge zu bauen und schottische Hochlandrinder zu züchten. Wir fühlen uns jedenfalls sofort zuhause.

Da wir auf dem Pass auch die Zeitgrenze von Pacific zu Mountain Time überschritten haben, sind wir der Heimat jetzt schon wieder eine Stunde näher. Die Stunde fehlt uns heute Abend aber irgendwie, also schnell aus den feuchten Klamotten raus, Abendessen und ins Bett.

Um den Emerald Lake

Um nochmal auf die Eisenbahn zurückzukommen… naja okay, heute mal keine Eisenbahn-Geschichten.

Unser Tag beginnt mit einem laaangen gemütlichen Frühstück in unserem B&B. Lynn hat den großen Tisch für uns und fünf weitere Gäste aus Belgien und Mexiko wunderbar eingedeckt und allerlei Frisches auf den Tisch gestellt. Dazu gibt’s noch French Toast und Bacon. So muss man einen Schlechtwettertag beginnen.

Laut Wetterbericht soll es heute wieder den ganzen Tag regnen, aber dem glauben wir ja eh nicht. Die Höchstwerte sollen doch immerhin 4 Grad erreichen. Wir entscheiden uns beide für ein fünfschichtiges Outfit, auch wenn es mir ein wenig Sorgen macht, damit schon mein ganzes Pulver verschossen zu haben. Noch eine Jacke für drüber hab ich nicht.

Also düsen wir los, immer weiter bergauf in die Rockies hinein. Im Glacier Park liegt hübsch versteckt (aber für Reisebusse voller Asiaten nicht versteckt genug) der wunderschöne Emerald Lake. Zwar bleibt uns der Blick auf die umliegenden Berge verwehrt, aber der See leuchtet uns dennoch grünbläulich an und fordert uns zu einer Umrundung heraus.

Paddeln wäre uns heute ohnehin zu kühl, und die schöne Farbe des Sees offenbart sich auch erst aus etwas Höhe über dem Wasserspiegel. Die Asiaten wissen das ja leider nicht, hat ihnen wohl auch keiner gesagt, so fotografieren sie sich und den See nur vom Ufer aus, verpassen das Schönste und blockieren dann auch noch die ganze Kaffee-Bar, sodass uns ein Cappuccino im Pappbecher für $4.45 heute erspart bleibt. Im Gegenzug bekommen wir eben den freien Blick auf den See und können ihn in Ruhe in ein bis zwei Stunden umrunden. Und weil wir heute morgen  brav aufgegessen haben, gibt es – der Vorhersage zum Trotz – dann auch noch Sonne.

Wir im Polar-Outfit …

… und weitere frostresistente Blümchen:

Die Lodge am See besteht aus vielen einzelnen Häuschen in Traumlage und ist sicher unerschwinglich. Hier findet heute (Schnapsdatum 9.9.) natürlich auch eine Trauung statt, selbstverständlich direkt am See. Ob die Braut Thermo-Unterwäsche trug, konnten wir nicht herausfinden.

Andererseits ist es in der Sonne gleich muckelich warm geworden. Zur Brotzeit tragen wir uns die einzige Bank in die Sonne und legen sogar je 1-2 Jacken ab.

Auf der Weiterfahrt kommen wir am kleinen Örtchen Field vorbei, wo gerade der Fußballrasen gemäht wird. Effiziente Gerätschaft mit drei parallel arbeitenden Mähköpfen. Bei so saftigem Grün würde ich mich allerdings auch nicht mit der Böschung abgeben.

Wir fahren noch hinauf zu den Takakkaw Falls, nachdem wir uns bei der Rangerin versichert haben, dass es hier oben keine Bären geben dürfte. Das Tal ist an drei Seiten umringt von Gletschern, am Ausgang dröhnen zwei Campgrounds und der Highway. Da findet’s der Bär viel zu ungemütlich. Die über mehrere Kaskaden herabstürzenden Fällen sind in der Summe 340 Meter hoch, die höchste Kaskade über 200. Direkt über der Klippe liegt ein Eisfeld, das den Wasserfall speist. Zum Größenvergleich hier mal ein Ausschnitt, bitte im Bild danach wiederfinden:

Mit einem anständigen Wasserfall kann man mich ja immer glücklich machen.

Um jetzt doch nochmal auf die Eisenbahn zurückzukommen: Die hatte man an dieser Stelle des Tals zuerst viel zu steil gebaut. Also hat man nochmal ein paar chinesische Arbeiter geholt (die unter schlimmsten Bedingungen die Bahnstrecken im Osten Kanadas gebaut haben – wer „Der Chinese“ gelesen oder gesehen hat, kennt die Geschichte) und zwei große kreisrunde Tunnel in den Berg geschlagen, wo der Zug hineinfährt, dann im Berg im Kreis fährt, und an fast der gleichen Stelle – nur 50 Meter höher – wieder rauskommt.

Beim oberen dieser beiden „Spiral Tunnels“ beobachten wir nun das Schauspiel: Der Zug fährt unten rein, kommt oben aus dem 1,3 Kilometer langen Tunnel wieder raus – und weil der Zug einige Kilometer (!) lang ist, hat der Lokführer jetzt Gelegenheit, seine eigenen Wagons nachzuzählen, denn das Zugende ist noch lange nicht in Sicht. Wir sind dann genau genommen irgendwann gegangen, dieser Zug war wirklich lang. Außerdem quälte er sich in ungefähr Schritttempo die Steigung empor.

Auch die Beladung mit jeweils zwei Containern übereinander sieht man übrigens in Europa auch eher selten.

Tja, ups, hab ich doch noch eine Eisenbahngeschichte erzählt. Die letzte. Versprochen.

Oh September!

Wir sind ja vom Kanadischen Sommer nun schon einiges gewöhnt, nehmen die 15 Zentimeter Neuschnee von vergangener Nacht also locker. Schnee ist besser als Regen! Und mit Olis Original Tütenhandschuh™ ist auch das Auto flott ausgegraben.

Dann kann es losgehen. Erster Halt ist wie immer das Visitor Center, wo wir uns beim Ranger über die aktuelle Bärenlage informieren.

Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, kurz im Denkmal für die Pioniere des Wintersports Platz zu nehmen.

Einige Wanderwege sind aktuell ganz gesperrt, oder dürfen (wie hier) nur in Gruppen ab vier Leuten begangen werden, weil sich auf dieser Höhe zur Zeit die Bären mit Beeren die Bärenbäuche vollhauen. Nicht schlimm, da wollten wir eh nicht lang.

Wir wollten nämlich nur zum Moraine Lake, auch wenn es hier oben heute morgen noch etwas düster ist. Tiefblau liegt er trotzdem vor uns.

Ganz allein sind wir nicht. Den kurzen Aufstieg zum Aussichtspunkt haben wir uns mit so einigen anderen Kanadaliebhabern geteilt, aber nur ein paar Schritte weiter herrscht herrliche Stille.

Wir beschließen, morgen ganz früh noch einmal hier herzukommen, wenn es vielleicht noch ein wenig ruhiger ist, und mit etwas Glück auch der Himmel blau ist, nicht nur der See.

Für ein Erinnerungsbild ist aber noch Zeit.

Zum Tea House am Lake Agnes

Vom Moraine Lake ist es nicht weit hinüber zum Lake Louise, der uns in einem einmaligen Eisgrau entgegen leuchtet.

Nach etwas Weg durch den verschneiten Wald …

… öffnet sich der Blick hinab auf den See. Und wieder wirkt dessen Farbe von oben noch intensiver, als vom Ufer aus.

Ein paar Mutige sind auch heute schon mit Kanu unterwegs.

Wir stapfen weiter …

… bis wir den Mirror Lake am Fuße des Big Beehive („Großer Bienenstock“) erreichen. Warum die wohl so heißen?

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Lake Agnes.

Das Tea House am Lake Agnes wird von Studenten bewirtschaftet, die das Nötigste zu Fuß hier hochtragen und während der Saison hier oben wohnen. Nur ein Mal im Jahr wird die kleine Hütte in 20-30 Flügen an einem einzigen Tag mit dem Hubschrauber versorgt. Wie von einem Tea House zu erwarten gibt es eine Auswahl von 140 Teesorten.

Zum Glück finden wir einen Platz in der warmen Hütte. Das Apple Crumble zum Tee können wir empfehlen. Von der faden Suppe raten wir ab.

Dieser dicke fette Chipmunk hat herausgefunden, wie man die Zuckerdosen öffnet.

Das Wasser bezieht das Tea House aus dem See. Den Tee trägt man dann ins Outhouse oberhalb der Hütte.

Das Wetter wird immer besser, ab und zu gibt es sogar ein paar wärmende Sonnenstrahlen.

Wir verabschieden uns vom Lake Agnes …

… und steigen durchs Winterwunderland …

… am Mirror Lake unter dem Big Beehive …

… am Ausblick auf den Lake Louise …

… wieder hinab …

… und machen für heute Feierabend. 🙂

Six Glaciers und Ten Peaks

Die Nacht war klar und erfrischend (-10°) und uns steht ein traumhafter Tag bevor! Haben wir uns das nicht verdient?

Als Erstes fahren wir nochmal zum Moraine Lake, in dem sich fünf der „Ten Peaks“ spiegeln. Die Ten Peaks wurden von Ihrem „Entdecker“ ursprünglich durchnummeriert, aber in der Sprache der Ureinwohner. Später erst hat man sie dann mit Namen bekannter Persönlichkeiten bedacht. Am frühen Morgen ist am Moraine Lake noch nicht so viel Andrang, wie gestern. Und wir wollten ihn nochmal in voller Farbenpracht sehen. Allerdings haben wir nicht die Rechnung mit der Sonne und den Bergen gemacht, denn mindestens einer der zehn Peaks wirft noch einen gewaltigen Schatten auf den See. Da müssen wir wohl heute Abend noch ein drittes Mal hier rauffahren…

Am Lake Louise ist schon etwas mehr Sonne angekommen. Trotzdem haben wir noch alle verfügbaren Jacken übereinander an, heute morgen. Unser Ziel sehen wir vom Ostufer der Sees am Ende des Tals: Zu dem Gletscher ganz da hinten, der den See mit dem tollen grünlichen Wasser versorgt, da wollen wir hin.

Wer sitzt denn da am Wegrand und lässt sich von der Morgensonne wärmen?

Nachdem wir den See umrundet haben geht es bergauf. Bis zu unserem Ziel sind es gute 6-7 Kilometer und nur etwa 450 Höhenmeter. So geht es angenehm bergauf und nachdem wir auch aus dem Schatten raus sind, bauen wir nach und nach Schicht für Schicht unseres Jackenvorrats ab.

Der Victoria Glacier fließt hier um die Kurve und wir haben schon eine gute Höhe erreicht, …

… um die kleinen Gletscher über uns zu bewundern …

… und auf den Victoria Glacier herabzublicken.

Alle paar Minuten hört man hier ein tiefes Grummeln, das sind die Geräusche des sich langsam bewegenden Gletschers und des einen oder anderen Eis-Abbruchs. Einen Gletscher so zu hören, das haben wir bisher noch nicht erlebt. Ist eindrucksvoll.

Die Schutthügel links und rechts des Tals hat der Gletscher zusammengetragen, als er noch ein- bis zweitausend Meter länger war. Das dürfte erst 50 bis 100 Jahre her sein. Im Tal blicken wir auf den milchig trüben Lake Louise. Dahinter ist übrigens das Skigebiet von Lake Louise zu erkennen.

Nach dem Blick aufs Gletschereis dürstet uns und das Plain of Six Glaciers Tea House kommt genau gelegen. Das Tea House wird von einem Trupp junger Leute bewirtschaftet, die den Sommer hier oben verbringen, wöchentlich die Lebensmittel zu Fuß nach oben tragen, und hier oben selbst ohne Elektrizität auskommen. Das Brot ist selbstgebacken, der Apple Pie natürlich auch! Und übrig bleibt hier nichts: Die Chipmunks laufen uns sorglos zwischen den Füßen umher, Elstern und Krähen versuchen ihr Glück an den leeren Tischen.

Im Abstieg geht es wieder dem Lake Louise entgegen, in der Sonne ist es mittlerweile ganz gut auszuhalten. Es taut und kleine Bäche fließen die Bergflanken hinab, zeitweise ist der Wanderweg zum Bachbett geworden. An den Felswänden hingen morgens beim Aufstieg noch hunderte Eiszapfen, die sind mittlerweile alle heruntergefallen. Wir steigen vom Winter in den Frühling hinab. Äh, war nicht eigentlich Sommer?

Suchbild! Die schneeweißen Mountain Goats sind nur ganz selten anzutreffen. Etwas hundert Meter über uns entdecken wir eine.

Was heißt da eine? Eine ganze Herde! Nochmal Suchbild: Wie viele Mountain Goats sind es?

Auflösung: Mindestens sieben.

Wir gönnen uns noch einen Blick zurück zu den Gletschern, unter denen wir vorhin noch standen.

Und erreichen wieder den Lake Louise.

Ganz egal wie sehr uns die Füße jetzt schon wehtun, wir fahren nochmal rauf zum Moraine Lake.

Und der leuchtet uns jetzt auch in schönstem Blau entgegen.

Die Busse sind für heute zwar schon alle weg, aber auf dem Aussichtspunkt über dem See ist trotzdem noch ein bisschen viel los. Und vier Grad sind offenbar nicht für jeden gleich kalt.

Jetzt sind wir aber wirklich platt für heute.

Auf dem Icefields Parkway nach Norden

Über das Wetter in Kanada haben wir nun bereits gelernt: Es kann heute so und morgen dann so sein… Gestern hatten wir ja einen Traumtag, wolkenlos. Heute sind alle Berge in Wolken. Was besonders schade ist, denn wir fahren auf dem Icefields Parkway nach Jasper. Und der Icefields Parkway heißt so, weil er an dutzenden Eisfeldern und Gletschern vorbei durch die Rocky Mountains führt. Dumm nur, wenn von den Mountains so gar nichts zu sehen ist.

Aber wir sind ja mittlerweile Kanada-erfahren und lassen uns von sowas den Tag nicht vermiesen. Den Marsch zum Ausblick über den Peyto Lake treten wir trotz widrigster Bedingungen an. Mit einem Blick auf den See rechnen wir eigentlich nicht, aber man darf ja hoffen. Am Parkplatz angekommen fängt es nun auch noch an heftig zu schneien. Schnell befinden wir uns im tiefsten Winter. September! SEPTEMBER! S-O-M-M-E-R!?! Na gut. Wir nehmen es mit Humor, versuchen einfach auf dem vereisten Weg nicht auszurutschen und genießen die Stille im verschneiten Wald. Vor Schnee heben sich wenigstens die Bären besser ab. Aber auch denen ist es heute offenbar zu ungemütlich draußen.

Am Aussichtspunkt angekommen sehen wir wie erwartet nichts, nur vorne weiß (Nebel) und hinten weiß (Schnee). Ein lustiger Spaziergang war’s trotzdem. Und zurück am Parkplatz lugt natürlich wie aus Hohn – die Sonne durch die Wolken.

Die meisten Stopps entlang des Parkway lassen wir heute links liegen. Nach oben hin ist einfach nichts zu sehen. Ein kurzer Hike hinab zu einer Klamm ist da schon ergiebiger. Zehn, zwanzig Meter unter uns donnert das Wasser durch die enge, dunkle Schlucht.

Alle Seen, Bäche und Flüsse hier oben werden von Gletschern gespeist und leuchten in den unterschiedlichsten Blautönen. Wir hoffen auf übermorgen, wenn wir die gleiche Strecke zurückfahren wollen, und vielleicht, vielleicht die Sonne scheint.

Der Icefields Parkway erreicht an zwei Stellen eine Höhe etwas über 2.000 Meter. Am ersten Pass, dem Bow Summit standen wir zu Beginn der Fahrt im Schnee. Am zweiten Pass blickt man auf die Zunge des Athabasca Glacier, der nur einige hundert Meter von der Straße entfernt endet. Vor hundert Jahren noch wäre die Straße durch den Gletscher hindurchgegangen, seitdem hat er sich laufend zurückgezogen. Eine Stichstraße führt uns auf die Gletscherzunge zu, Markierungssteine zeigen auf dem Weg dorthin, bis wohin der Gletscher noch vor 60, 40, 20 Jahren ging. Von der 1992-Marke aus sind es noch einige hundert Meter bis zur heutigen Gletscherzunge. Diese legen wir bei eiskaltem Wind dick eingepackt zurück.

Bis ganz ans Eis dürfen wir hier nicht heran, offenbar will man nicht ständig Touristen aus Gletscherspalten bergen. Aber der Blick an den Seitenhängen hinauf ist schon ganz beeindruckend.

Und die Gletscherzunge trägt heute Zebra-Look.

Gut durchgefroren erreichen wir nach dem Marsch ans ewige Eis wieder unser Auto und statten dem Icefield Centre noch einen kurzen Besuch ab. Leider ist das Besucherzentrum gerade im Umbau, und so müssen wir uns das Wissen aus unseren eigenen Büchern holen: Hoch über dem Athabasca Glacier liegt das Columbia Icefield, eines der größten Eisfelder südlich des Polarkreises, das sich über mehrere hundert Quadratkilometer erstreckt und bis zu 350 Meter dick ist!

Das Eisfeld nährt mehrere Gletscher, die wie Finger in alle Himmelsrichtungen die Täler hinabstreben. So fließt das Schmelzwasser des Columbia Icefield in drei verschiedene Meere: Über den Columbia River in den Pazifik, über den North Saskatchewan River und die Hudson Bay in den Atlantik und über den Athabasca River in das nördliche Polarmeer!

Soviel zum Erdkundeunterricht für heute, zur Belohnung hab ich mich mit Bär und Moose in Mountie-Uniform fotografieren lassen:

Und angekommen in Jasper erfahren wir, dass wir dank Überbuchung auf die „Pyramid Suite“ der Lodge geupgradet wurden, die sich als voll ausgestattete Dreizimmerwohnung entpuppt, mit amerikanischem Monsterkühlschrank, Kamin (Feuerholz liegt bereit) und einem Badezimmer in der Größe wie sonst unser Zimmer gewesen wäre – einschließlich eines Riesenwhirlpools. Dreimal darf jetzt geraten werden, wie wir diesen eisigen Tag beendet haben…

Wildlife

Ein neuer Tag, ein neues Wetter. Gestern waren wir kurz im tiefsten Winter. Heute nach Frühnebel wolkenlos und 18 Grad! Das gilt es natürlich auszunutzen – wir haben uns ein paar kleine Wanderungen vorgenommen.

Gleich am Ortsausgang ein von früheren Reisen bekanntes Bild: Wenn ohne jeden sichtbaren Grund links und rechts Autos mit Warnblinker am Straßenrand stehen, dann gibt es meist Tiere zu gucken. Eine ganze Herde Wapiti wird gerade von einem Ranger durch den Wald und weg vom Highway getrieben, von denen sehen wir nur noch die Hinterteile. Doch ein paar hundert Meter später – wieder Autos mit Warnblinker an der Straße – sitzt ein Grüppchen ganz entspannt im Wald direkt neben dem Highway.

Ein verheißungsvoller Start für den Tag war das. Wir beginnen gut motiviert unsere erste Wanderung zum Maligne Canyon. Ein bis zu vierzig Meter tiefer Schlitz im Boden, der oben manchmal nur einen Meter breit ist, und in dem unten der Maligne River in Kaskaden zu Tal strömt. Von mehreren Brücken aus gibt es einen super Blick in den Canyon und auf Wasserfälle aller Größen. Hier an der Bridge No. 3:

Der bestimmt 20 Meter hohe Wasserfall an der Bridge No. 1 war der Beste.

Weiter geht’s talaufwärts zum Medicine Lake. Der Medicine Lake ist ein stattlicher See unterhalb des Maligne Lake, mit diesem verbunden über den Maligne River. Einziges Problem: Immer im Herbst lässt sich der See mal selber ab und verliert ganze 20 Meter Höhe, bis er fast komplett verschwunden ist. Der Grund: Obwohl der Medicine Lake meist über gar keinen oberflächlichen Abfluss verfügt, versickert sein Wasser durch viele Karsthöhlen und tritt erst 17 km entfernt wieder zu Tage. Und zum Sommerende hin ist der Zufluss so viel geringer als der Abfluss durch diese Spalten und Höhlen, dass der See einfach leer läuft.

Die Ureinwohner fanden das so unheimlich, dass sie sich sicher waren, dass hier Zauberei am Werk war, daher der Name Medicine Lake. Eine Zeit lang hat man versucht, das Abfließen des Sees zu verhindern (da ein leerer See den frühen Touristen nicht zugemutet werden sollte), indem man Matratzen und Zeitungen in die Abflüsse steckte. Bei einem See diesen Ausmaßes halte ich es für etwas naiv zu glauben, das könnte funktionieren… Hat es auch nicht. Dafür wurde die Gegend aufgrund des einmaligen Karst-Systems später von der UN zum Welterbe erklärt.

In Geröll und kleinen Felsspalten fühlt sich übrigens unser hiesiges Lieblingstier sehr wohl: Der Peeka. Auf deutsch heißt der kleine Kerl „Pfeifhase“ wegen seines typischen Rufs: „peek“. Leider ist er recht scheu und unglaublich hektisch. In der Regel hab ich noch nicht mal die Kamera gezogen, dann ist er schon weg. Also, viel Spaß beim Suchen:

Hier der Ausschnitt in der Vergrößerung. Leider hat der kleine Mann in der Perspektive die Ohren ziemlich angelegt – das typische am Peeka sind nämlich seine lustigen runden Ohren. Will man den Peeka entdecken, muss man übrigens nur auf seinen Ruf warten. Hat man ihn dann mal gehört, lässt er sich mit etwas Glück auch zwischen den Steinbrocken verorten.

Wir fahren weiter entlang des Medicine Lake, bis wir schon wieder gestoppt werden. Diesmal sind es zwei Bighorn Sheep, die schöööön laaaangsam auf dem Mittelstrich die Straße entlangwandeln.

Bei jedem Auto halten sie kurz an, schauen zum Fenster rein – nein, wir geben nichts – dann wird noch etwa an den Reifen geschleckt (Streusalzreste sind immer lecker. Bei mir kommt – leider – auch noch etwas überfahrenes Chipmunk dazu) und die Wegelagerer machen weiter zum nächsten Wagen.

Eine unglaubliche Begegnung!

Kurz vor dem Maligne Lake am Talende stoppen wir erneut, leider sind wir diesmal aber zu spät. Ein Moose war gerade zu sehen, erfahren wir, es ist aber schon weitergezogen. Moose haben wir schon auf früheren Reisen gesehen, allerdings immer nur Kühe, nie Männchen mit Geweih. Das wäre doch zu schön gewesen. Wir geben aber nicht auf.

Sehen wir uns einfach den riesigen Moose-Kopf an der Wand des Visitor Centers am Maligne Lake an.

Nach einem schönen Picknick mit Blick auf den See (der 22 km lang ins Tal hineingeht, aber nur per Boot erkundet werden kann), machen wir hier noch eine kurze Wanderung – Warnschilder zeigen an, dass man die Moose in Ruhe lassen soll, wir sehen aber heute leider weiterhin keins.

Das historische Bootshaus am See ist sehr fotogen. Wir wundern uns über einen Kanadier, der vom Ufer aus immer „other way around“ brüllt. Bis wir drei Asiaten sehen, die sich ein Ruderboot gemietet haben. Er rudert, die Damen lassen sich rudern. Klappt nur nicht so ganz. Der Chauffeur hat sich halt ins Boot gesetzt, wie beim Auto. So, dass man in Fahrrichtung schaut. Und da fällt das Rudern dann schwer…

Nun denn, wir drehen unsere Runde und fahren zurück nach Jasper, immer die Umgebung im Blick, stets in der Hoffnung auf die eine oder andere Wildlife Sighting. Doch erst zurück am Highway werden wir noch einmal fündig. Das alte Spiel: Autos mit Warnblinker am Straßenrand? Hin! Fragen oder gucken, wohin alle gucken. Diesmal nach oben. Ein ganzes Rudel Gämsen sucht auf den Felsen über dem Highway nach Essbarem. Und bringt unten den Verkehr zum Erliegen.

Mit den Gämsen hatten wir nun nicht mehr gerechnet. Das war jetzt schon zu viel des Guten. Und doch, keine hundert Meter weiter halten wir schon wieder an: Ein riesiger Wapiti-Hirsch (die hier „Elk“ genannt werden, und mit denen wir ja letztes Jahr schon innige Bekanntschaft schließen durften) zeigt sein Geweih und röhrt sich einen. Angeber.

Also was Tiersichtungen angeht, war der Tag ein Erfolg. Und der Abend ist noch dazu so mild, man kann sogar mit nur zwei Jacken übereinander rausgehen! Was will man mehr, wir sind glücklich.

Auf dem Icefields Parkway nach Süden

Der zweite Versuch. Auf unserer Fahrt auf dem Icefields Parkway nach Jasper hatten wir ja Sicht gleich null, also setzen wir auf den heutigen Tag – die Rückfahrt nach Süden steht an. Wir stimmen uns erstmal mit ein paar Stopps an spiegelnden Seen entlang des eisblauen Athabasca River ein.

An einer engen Klamm …

… stürzen die Athabasca Falls zu Tale.

Die Farbe des Flusses, der uns auf der ganzen Fahrt bis zur Passhöhe hinauf begleitet ist unglaublich.

Wir fahren an Ausblicken auf Berge und Gletscher vorbei, die wir auf der Hinfahrt nicht mal erahnen konnten.

Kurz vor der ersten Passhöhe …

… erreichen wir den Athabasca Glacier, zu dessen Zunge wir bei unserem ersten Besuch schon hinmarschiert waren.

Heute sieht man noch viele weitere Gletscher …

… rund um den Athabasca.

Dann nehmen wir uns die Wanderung hinauf zur Parker Ridge vor. Der Ranger sagte, „it’s really cool“ – und er hatte sowas von Recht. Zuerst geht es in Serpentinen einige hundert Höhenmeter an einer Flanke des Tals entlang des Icefields Parkway hinauf. Wir kommen ganz schön in’s Schwitzen. Aber auf dem Kamm angekommen weht ein eisiger Wind. Dafür eröffnet sich langsam, Schritt für Schritt, der Blick auf das Nachbartal, das nur von hier oben einzusehen ist.

Was sehen nur die Wanderer vor uns, was wir von hier noch nicht sehen können?

Es ist der Blick hinab auf die lange Zunge des Saskatchewan Glacier, dem größten, vom darüberliegenden Columbia Icefield gespeisten Gletscher.

Mit jedem Schritt können wir tiefer ins Tal hinabschauen. Der See am Fuße des Gletschers funkelt in hellem, aber kalten Blau.

Im Windschatten der Parker Ridge machen wir Brotzeit, genießen ganz lang die Aussicht und die totale Stille hier oben.

Nach dem Abstieg fahren wir weiter Richtung Süden. Wir wollen noch einmal zum Peyto Lake hinauf, hier wurden wir ja vor zwei Tagen eingeschneit und vom Aussichtspunkt war nur Nebel zu sehen. Die Sicht ist heute natürlich perfekt, allerdings sind wir schon recht spät dran, und so liegt der milchig grün-blaue See schon im Schatten. Müssen wir wohl noch ein drittes Mal wiederkommen. Vielleicht nächstes Jahr?

Macht alles nichts, genießen wir dafür die tief stehende Abendsonne.

Am Ende dieser langen Etappe mit so vielen Stopps und Wanderungen ist es nun ganz schön spät geworden. Gerne würden wir in unserer Unterkunft in Banff anrufen und Bescheid geben, dass wir erst spät ankommen, aber an Handy-Empfang ist frühestens in 60 km zu rechnen. So fahren wir in der Abendsonne auf dem Icefields Parkway weiter gen‘ Süden, bis wir wieder Lake Louise erreichen. Dort haben wir endlich Empfang und bereiten unsere Gastgeber auf unsere späte Ankunft vor.

Auch unsere Mägen würden gerne bald ankommen (und auf die Dusche freuen wir uns natürlich ebenso). Also entscheiden wir uns, den Autobahn-ähnlich ausgebauten Trans Canada Highway (TCH) nach Banff zu nehmen, anstelle des parallel verlaufenden alten Highway. Auch wenn wir dort am Abend gute Chancen auf weitere Tier-Sichtungen gehabt hätten – irgendwann muss Feierabend sein. Doch mit den Tieren ist es so: Die trifft man am Ende immer dann, wenn man sie am Wenigsten erwartet hat. Und so steht hinter dem Wildzaun am TCH ein Moose! Ein Männchen mit riesigem Geweih! Ein r-i-e-s-e-n Tier! Und guckt in aller Ruhe dem Verkehr zu.

An Anhalten und Fotografieren war auf dieser Straße natürlich nicht zu denken, aber toll war das trotzdem. So nah hätten wir ihn woanders wahrscheinlich niemals gesehen.

Die Moose (also die nordamerikanische Variante vom nordeuropäischen Elch) sind übrigens eine der ganz raren Spezies. Sie haben’s leider auch wirklich nicht leicht: Während andere Waldbewohner (wie z.B. die Wapiti, die hier „Elk“ genannt werden) so ziemlich alles an Grünzeug fressen, sind die Moose rechte Feinschmecker. Und die Delikatessen, die die Moose am Liebsten mögen, gibt es leider nur recht selten. Dort, wo der Wald abgebrannt ist, und sich dann neu erholt, wachsen zum Beispiel einige Moose-Leckerchen. Nun löscht der blöde Mensch diese Waldbrände aber immer (und hier im Norden ist das Waldbrandrisiko nicht annähernd so hoch, wie in den USA). Und die vielen Elk fressen den Moose dann auch noch das Beste weg. Hinzu kommt, dass das Moose, fühlt es sich bedroht, einfach würdevoll und souverän stehen bleibt. Das beeindruckt Bären und andere Waldbewohner – das Moose ist ja meist größer als alle anderen. Leider versucht das Moose die gleiche Strategie bei herannahenden Autos und Zügen… Und das sind ein paar der Gründe, warum es nicht so viele Moose mehr gibt. 🙁

Banff

In Banff starten wir erstmal mit einem gaaaanz gemütlichen Wandertag. Als erstes ersteigen wir den Tunnel Mountain, den Hausberg über dem Ort. Im Tunnel Mountain gibt es übrigens keinerlei Tunnel, der heißt nur so, weil man früher mal überlegt hatte, hier die Eisenbahn durch einen Tunnel zu führen. Durch Banff fließt der grünlich schimmernde Bow River, dessen Ursprung am Bow Glacier wir gestern noch besucht hatten.

So liegt der Ort in einem kleinen Talkessel umgeben von Seen, Sümpfen und Bergen. Eine kleine Oase.

Dann besuchen wir den Ursprung des Banff National Park, eine heiße (nach Schwefel stinkende) Quelle. Auf der Treppe zum oberen Quelltopf huscht etwas unter den Balken herum. Es ist ein Wolverine beim Beerenessen (Simone sagt, bei uns heißt er „Vielfraß“, sicher will sie mich veralbern). Katzengroß, schwarz glänzender Pelz, Riesenohren, fieses Gebiss und kräftige Klauen – mit dem wollen wir uns nicht anlegen.

Nahe der Quellen drehen wir noch eine Runde auf der „Marsh Loop“. Der Wanderweg ist zugleich Reitweg. Oder sollte ich sagen, der Reitweg ist zugleich Wanderweg? Wir balancieren auf dünnen Streifen entlang der Matsche, die die Pferde aus diesem schönen Rundweg gemacht haben, genießen aber dafür den Ausblick auf den Bow River, dem der Weg lange folgt.

Dann verjagen wir noch eine Wasserratte, die gleich aufs andere Ufer hinüberschwimmt.

Mit so viel Wildlife hatten wir heute gar nicht gerechnet. Also begeben wir uns zum High Life in die Stadt.

Ob wir den Abend vielleicht im Dancing Sasquatch beenden? Ich werde gleich mal Simone fragen…

Durch den Johnston Canyon zu den Ink Pots

Wir brechen auf zu unserer letzten größeren Wanderung im Banff National Park, naja, und es wird wohl leider auch die letzte Wanderung für diesen Urlaub sein – bald geht’s wieder heimwärts.

Auf dem Weg zum Johnston Canyon hatten die Straßenbauer eindeutig Mitleid mit diesem schönen Baum, und haben die Straße einfach mal drum herum geführt.

Wir steigen durch den Johnston Canyon langsam aufwärts. Bis zu den Lower Falls noch zusammen mit einer Menge anderer Touristen. Die Lower Falls führen ganz anständig Wasser und donnern in einen Kessel hinunter, in den man durch einen natürlichen Tunnel hineinblicken kann, wenn man bereit ist, gebückt durch ein kleines Loch im Fels durchzusteigen. Dahinter ist auf einem kleinen Absatz Platz für vielleicht drei Leute – dem Wasserfall kommt man somit richtig nah – und nass wird man natürlich auch.

Auf dem Weg entlang der Klamm gibt es noch eine ganze Reihe weiterer kleiner Fälle zu bewundern. Zwischen den Lower Falls und den Upper Falls werden es schon langsam weniger Mitbesucher. Die Flip-Flops-Träger haben großteils an den Lower Falls Kehrt gemacht.

Den Squirrels geht es ob des Andrangs ganz gut im Johnston Canyon.

Die Upper Falls sind etwa doppelt so hoch, wie die Lower Falls. Hier drehen 98% der Wanderer um, also nach den Flip-Flops-Trägern nun auch die Turnschuhträger. Die meisten zumindest.

Wir marschieren noch gute 1 1/2 Stunden weiter. Umso weniger Wanderern wir unterwegs begegnen, desto häufiger klatschen wir wieder in die Hände, um den armen Bären unseren überraschenden Anblick zu ersparen. Letztlich erreichen wir ein hübsches Hochtal. Der Inukshuk ist auch schon da.

Das Ziel unserer Wanderung: Die Ink Pots. Es sind fünf Quelltöpfe in verschiedenen Farben, schön anzusehen. Der Wasserfarbkasten des Sasquatch. Form und Farbe haben irgendwie mit der (eiskalten) Temperatur der Quellen zu tun, mit dem Sand und dem Geblubber unter dem Sand, und, naja, es war auf einer Tafel erklärt, ich hab’s leider weder kapiert, noch mir merken können.

Einige Ink Pots sind grau-bräunlich, andere blau-grün.

Alles in allem sehr hübsch, und den Aufstieg allenfalls wert!

Rückzu erlauben wir uns noch einen Selfie am Upper Fall …

… bevor wir schließlich wieder das Tal erreichen.

Auf der Heimfahrt nach Banff machen wir noch einen kurzen Halt an den Vermilion Lakes.

Hier herbstlt es schon ganz schön.

Endlich können wir zum Abschluss des Tages unsere qualmenden Füße in den See hängen. In den gletscherwarmen See. Uuuuuuh!

Die Abendsonne taut die Eisfüße aber wieder auf.

Das war nun also im Groben unsere Berichterstattung aus Kanada! Schön, dass Ihr mitgelesen habt …

… und alles Liebe!

Gelandet in L.A.

Heute morgen noch in LA (Germany), bin ich mittags schon in LA (California)! Prima! Da kann ich gleich mal meinem Stammcafé in Venice einen Besuch abstatten und den ersten leckeren Cappuccino schlürfen.

Danach bummel ich ein wenig den Abbot Kinney Boulevard rauf und runter, eine lustige Gegend. Irgendwo hier muss der Hipster geboren worden sein. Ohne Vollbart falle ich ganz schön auf. Auch dass ich weder ein Surfboard unterm Arm, noch ein Longboard unter den Füssen habe, outet mich sofort als Touristen. Trotzdem werde ich gleich zweimal nach dem Weg gefragt und kann sogar weiterhelfen. Wird halt bald mein zweites Wohnzimmer, L.A. 🙂

Der Abbot Kinney ist eine lustige Mischung aus Rumpelkammer, Shops, Bars und Restaurants, alle schwer bio. Es gibt einen Laden, der nur schwedische Designer-Socken führt, ein anderer hat nur handgenähte Unterhosen aus fair gehandelter Baumwolle. Am Straßenrand haben einige knallbunt bemalte Food Trucks festgemacht und bereiten sich auf den Freitagabend vor. Frisch gerösteten Kaffee, Kunst und Krimskrams gibt’s sowieso.

Vor so farbenfrohem Hintergrund sehe ich aber ganz schön blass aus. Naja, der Flug… Den Freitagabend werde ich wohl nicht mehr erleben.

Aber den Nachmittag. Da ich schonmal da bin, gehe ich schnell zum Strand vor, schaue mir kurz die Skater und die allgegenwärtigen Venice-Beach-Freaks an, spaziere dann aber doch lieber in der Abendsonne in aller Ruhe durch die Venice Canals. Was hier alles blüht, beneidenswert.

Bevor ich zu müde werde, haue ich mir bei „Lemonade“ noch einen kleinen Imbiss rein: Fast Food auf gesund. Und lecker! Nur der Wassermelonensalat war mir etwas zu resch. Dazu eine frisch geschöpfte Gurken-Minz-Limonade. Aaaah…

Bald schon geht die Sonne unter, so kann ich endlich ins Bett. Gute Nacht!

Nachtrag: Ob das mit dem Schlafen heute so klappt, wir werden sehen. Hinter dem Hotel fließt viele, viele Spuren breit der Freeway vorbei, der wohl auch Einflugschneise für alles ist, was eine Sirene hat. Das monotone Donnern der Motoren wir ab und zu noch getoppt, wenn eine Harley richtig Gas gibt. Und allem Anschein nach ist unten im Hotel heute auch noch Live-Musik und Poolparty. Und, ja, genau im Augenblick, auch noch Feuerwerk. Ja, wie gesagt, gute Nacht!

Santa Monica

Für heute stehen eigentlich nur zwei Dinge auf dem Plan: Am Pier sitzend zwölf Stunden am Stück auf den Ozean glotzen, und ein Tattoo stechen lassen. Vielleicht auch nur eins von beidem, je nachdem. Um beim Auf-den-Ozean-Glotzen nicht verhungern zu müssen schaue ich erstmal beim Farmer’s Market in Santa Monica vorbei und decke mich mit Proviant ein.

Der größte Andrang ist bei den Bauern mit den buschigsten Bärten. Da nehme ich gleich mal frische Erdbeeren mit. Selbstverständlich habe ich vorher alle Sorten durchprobiert…

Kartoffeln gibt’s in allen Größen und Farben.

Aber meine Erdbeeren schmecken besser…

Unten am Strand ist heute großer Drachenbastelwettbewerb. Interessanterweise basten nur die Eltern. Die Kids sind währenddessen – irgendwo.

Auch das Steigen lassen der Drachen machen die Papas lieber selbst.

Ganz vorn an der Pier tritt ein Highschool-Chor auf – naja. Aber alle 10 Yards spielt eine andere Band. Die beiden Jungs unter den dicken Palmen waren die Besten.

Moment mal! Diese Familienband kenne ich noch von vor zwei Jahren. Der Leadsänger kann immer noch nicht singen, aber mittlerweile im Rahmen einer Tribute to Michael Jackson – Nummer ganz amüsant tanzen. Seine beiden kleinen Schwestern sind ihm nun über den Kopf gewachsen, dafür machen noch zwei Zwerge mehr mit. Ein wenig befürchte ich, dass die Kids mit dem Herrn Papa am Mischpult hier jedes Wochenende stehen – und vielleicht damit die ganze Familie versorgen.

Auf den Ozean glotzen und Musik hören ist anstrengend und ich muss dringend auch mal aus der Sonne. Beim Urth Caffe solle es die beste Chai Latte von L.A. geben, das probier ich jetzt mal aus. Ich sehe schon bei einigen Tassen stehen, mit knallgrünem Inhalt, auf den mit dem Milchschaum weiße Schwäne gezeichnet wurden. Leider lasse ich mich beim komplexen Bestellprozedere etwas durcheinanderbringen und so ist meine Latte eher goldgelb als grün. Falsche Teesorte gewählt. Naja, sehr lecker ist’s trotzdem, der Cookie auch, und muss ich halt nochmal wieder kommen.

Dann spaziere ich am Strand entlang zurück, sehe noch eine Weile bei den Slacklinern …

… und auf der Artisten-/Joga-/Meditationswiese zu.

Letztlich erwäge ich noch, meinen Mietwagen einzutauschen.

Fazit: War ein schöner Tag, die Erdbeeren waren süß, die zwölf Stunden habe ich nicht ganz voll bekommen, ich habe die falsche Latte bestellt, und das Tattoo…? Na, da will ich mal nicht die Spannung rausnehmen…

Nach Las Vegas, auf Umwegen

Ich muss mich nun leider schon auf den Weg nach Las Vegas machen, bin ja nicht zum Vergnügen hier! Auf dem Weg sehe ich mir noch das Hollyhock House des vielleicht bedeutendsten amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright an. Das Haus liegt auf dem olivenbewachsenen Olive Hill mit schönem Blick aufs Hollywood Sign und Griffith Park Observatory. Auch wenn es beides noch gar nicht gab, als das Hollyhock gebaut wurde.

Der Meister hatte vorher fast nur in der Wüste gebaut und somit seinen Bunker-Stil mit nach L.A. gebracht. Das Haus wurde jahrelang renoviert und vor wenigen Wochen wiedereröffnet: Mit Schutzhüllen über den Schuhen kann auch das original (bzw. originalgetreu) eingerichtete Haus von innen besichtigt werden, nur fotografieren darf man drinnen nicht. Ich sag mal: Interessante Architektur, aber drin wohnen müssen, möchte ich nicht. Dachte sich die Auftraggeberin damals wohl auch, weshalb sie Haus und Grund später der Stadt vermachte.

Viel Zeit bleibt mir hier leider nicht, ich möchte rechtzeitig in Vegas sein. So streiche ich auch mein Vorhaben, auf einen Snack nach Pasadena zu fahren. Dafür will ich lieber anstatt der überfüllten Interstate eine alternative Route durch die Berge fahren. Nur eine halbe Stunde länger ist die, und geht aus dem Dunst und Smog des Kessels von L.A. bis auf 2.400 m hinauf, dorthin, wo der Himmel wieder richtig blau ist und die Luft nach Kiefernnadeln riecht. Am Visitor Center der Forstbehörde mache ich einen kleinen Spaziergang, dort steht auch Kaliforniens älteste Ranger-Hütte. So lebte man also als Ranger gestern …

… und heute – das neue Visitor Center ist ein spektakulärer Kuppelbau unter einem Kupferdach.

Mein straffer Zeitplan lässt leider keinen längeren Aufenthalt hier oben zu. Andererseits: Ein paar Meilen weiter hat sich das mit meinem Zeitplan erstmal erledigt: Der Highway ist wegen Bergrutsch gesperrt! Ein solcher Käse. Das bedeutet: Über eine Stunde zurückfahren, bis nach Pasadena, dann die ganze Strecke nochmal fahren, jetzt im Tal auf der verhassten Autobahn. Meine frühe Ankunft in Vegas hat sich erledigt. Frustriert fahre ich die mühsam erklommenen Meilen wieder zurück.

In dieser Parkbucht mache ich noch einen kurzen Stopp: Hier hat sich tatsächlich jemand eine Schießbude hingestellt, mitten im Nix, …

… und trommelt wie Weltmeister.

Warum gerade hier? – Warum nicht.

Warum der Kerl hinter ihm ein Messer in der Hand hat? Ich weiß es nicht.

Doch genug der Skurrilitäten. Da ich jetzt ohnehin später als beabsichtigt in Vegas ankommen werde, fahre ich doch noch kurz nach Downtown Pasadena und gönne mir einen Cappuccino. Dann folgen 120 einsame Meilen auf der Interstate. Irgendwo in der Mitte zwischen L.A. und Las Vegas kehre ich dann bei Peggy Sue’s Diner ein und schnabuliere einen BLT.

Gemütlich und ohne Eile fahre ich die restlichen hundertirgendwas Meilen durch die Wüste. Auf der Höhe eines Salzsees geht dann langsam die Sonne unter, lässt die Berge kurz rot aufglühen und dann ergrauen.

Im Dunkeln erreiche ich Vegas.

Vegas

Was hab ich nicht schon alles erlebt: Tornado-Alarm während eines Vortrags, brennende Popkornmaschinen, diesmal: Plötzlich ein ohrenbetäubendes Rauschen aus der letzten Reihe – ein zu heißer Scheinwerfer hat hier die Sprinkler-Anlage ausgelöst und der Sprinkler setzt nun schön langsam den ganzen Saal unter Wasser. Und weil das Wasser wohl schon eine Ewigkeit in dieser Leitung drin war und sicher auch mit irgendwelchen korrosionshemmenden Chemikalien versetzt ist, stinkt das ganze so, dass wir zuerst dachten, eine Scheißeleitung wäre geplatzt. Zum Glück der Betroffenen aus der letzten Reihe war das aber ein Irrtum.

Es war auch interessant anzusehen, wie alle gleich hektisch ihre MacBooks weggepackt haben, aus Furcht es könnten gleich noch alle anderen Sprinkler angehen. Da drängt sich die Frage auf: Wenn chemische Soße auf mich runterregnet, halte ich dann besser meinen Körper schützend über mein MacBook, oder doch das MacBook schützend über meinen Körper?

Nach diesem kleinen Zwischenfall wurde die ganze Veranstaltung dann übrigens in Rekordzeit in einen anderen Raum verlegt. So habe ich es dann auch erst am letzten Abend geschafft, das Hotel mal kurz zu verlassen. Just an diesem Abend ist es aber recht frisch geworden und ein Sandsturm pfeift über den Strip, sodass die Fountains am Bellagio leider nicht angeworfen werden können. Trotzdem schön, mal an die frische Luft zu kommen. Und die Kirschblüten-Deko im Bellagio ist auch dieses Jahr wieder schön kitschig gelungen. Und letztlich statte ich noch der Schoko-Lady of Liberty einen Kurzbesuch ab.

Back to the Ocean

Ich mache mich wieder auf den Weg zurück nach L.A. – an der Grenze von Nevada zu Kalifornien stehen mehrere Solarkraftwerke, deren Spiegel alle das Sonnenlicht auf einen zentralen Kollektor lenken, voll James-Bond-mäßig.

Dann geht es weiter vorbei an der Zzyzx Road (leider kein Foto gemacht), meiner Lieblingsausfahrt, benannt nach dem Ort Zzyzx, dessen Namensgeber gerne ein Wort erfinden wollte, das im Alphabet dann das allerletzte wäre.

Hinter Yermo fahre ich kurz raus zum Tanken (nie mit weniger als viertelvollem Tank durch die Wüste). Prompt treffe ich dort drei Bekannte, die auf der gleichen Konferenz waren, die tatsächlich zur gleichen Minute an die gleiche Tankstelle, mitten in der Wüste rausgefahren sind! Wir können es kaum glauben, wiederholen nochmal die Verabschiedung aus Las Vegas und machen uns erneut auf den Weg.

In Barstow Station halte ich kurz beim wohl einzigen McDonalds, der in einem alten Eisenbahnwaggon untergebracht ist. Als Mittagessen soll mir heute ein Medium Mocha Frappé genügen, mit doppelt Sahne und Schokosauce drauf. Ein normaler Lunch hätte sicher genausoviele Kalorien…

Auf dem Weg nach L.A. wird der Verkehr immer dicker und ich kriege schon langsam Hautausschlag wenn ich nur an die Automassen in L.A. denke. Kurzfristig plane ich um und fahre etwas nördlicher über einen weniger befahrenen Highway dem Pazifik entgegen. Neues Ziel ist Santa Barbara. So spare ich mir den Verkehrsinfarkt für morgen auf.

Ab Santa Clarita verlasse ich die Wüste und die Straße folgt einem wunderschönen fruchtbaren Tal, das wie ein meilenlanges Gartencenter wirkt. Hier wächst und gedeiht so ziemlich alles, von Wein über Orangen bis zu Olivenbäumen. Und zu tausenden stehen abholbereite riesenhohe Palmen entlang der Straße, die hier wohl auch gezogen werden.

Ich möchte noch einen Halt in Ojai machen, einfach weil der Ort so einen schönen Namen hat. Die Gegend rund herum ist grün und üppig bewachsen wie ein Garten Eden. Wenn man dann von oben durch Zypressen und Orangenbäume hindurch auf das Ojai Valley hinabblickt, erübrigt sich die Frage, wie der Name wohl entstanden ist. Man fährt einfach um eine Ecke, blickt erstmals ins Tal hinein, und sagt automatisch: Ojai!

Ojai selber ist ein kleines Dorf im mexikanischen Stil – allerdings scheint hier auch ganz mexikanisch bis 18 Uhr Siesta zu sein, so verschlafen ist der Ort. Am Wochenende, so höre ich, kommt das Volk aus L.A. in Scharen. Mittwochs ist eher ruhig. Für einen Cappu in der Sonne reicht es. 🙂

Auch bei Bart’s Bookstore schaue ich noch kurz rein: Ein Buchladen unter freiem Himmel – man zahlt, soviel man will, und wenn keiner da ist: einfach das Geld in die Büchse werfen. Das ist Kalifornien.

In vielen Kurven geht es jetzt nur noch eine halbe Stunde runter an den Ozean. Beim ersten Blick aufs Meer sagt man automatisch noch einmal „Ojai“ und schon ist man angekommen in Santa Barbara. Hier schnell ein Hotel gefunden, ganz flott nur die Sachen aufs Zimmer, denn bald geht schon die Sonne unter – und das geht hier im Süden ganz schön flott.

Von Stearn’s Wharf aus sehe ich zu, wie zuerst alle Ruderer, Segler und Paddler hektisch auf dem Weg zurück in den Hafen sind (15 Minuten nach Sonnenuntergang ist’s dunkel), und die Sonne dann hübsch hinter den Palmen verschwindet.

Schlussendlich noch eine Mitteilung in eigener Sache:

Gute Nacht aus Santa Barbara – heimkomme morgen! 🙂

Santa Barbara

Zum Abschluss noch ein paar Blüten- und Palmen-Impressionen aus Santa Barbara, die ich genießen durfte, nachdem ich das allmorgentliche Wie-könnte-wohl-die-Dusche-funktionieren-Rätsel gelöst hatte:

Seattle

Zunächst einmal einen guten Morgen aus Seattle!

Hihi, viertes Fenster von oben rechts, da haben wir bei unserem ersten Besuch in Seattle gewohnt…

Das Wetter ist vielversprechend, also fahre ich mal auf die Seattle Space Needle hoch, ein Relikt der Weltausstellung von 1962 – quasi der Eifelturm Seattles.

Der Ausblick ist super! Einziger Nachteil: Zur Skyline von Seattle gehört einfach die Space Needle. Und die sieht halt nicht, wenn man auf ebendieser gerade oben steht.

Auch der Mt. Rainier ist am Horizont toll zu erkennen – der gehört zur Skyline Seattles natürlich ebenso dazu. Mit knapp 4.400m Höhe sticht der Mt. Rainier – mit seinen Gletschern stets im weißen Mantel – ganz schön heraus.

Am Lake Union sind vorne ganz klein die vielen Reihen an Hausbooten zu erkennen.

Nach dreifacher Umrundung der Aussichtsplattform fahre ich wieder hinab und sehe mir noch einmal Chihulys Glasmuseum an. Schonmal gemacht, aber immer wieder schön. Zuerst geht’s an der Ahnengalerie des nordwestlichen Kontinents vorbei.

Das Bild in der Mitte hängt bei mir im Hotel übrigens überm Bett:

Ein Meer aus Glas.

Im Mittelteil der Ausstellung wird’s dann schon arg bunt.

Die großen Leuchter im nächsten Saal sind viel schöner.

Hinten Chihulys Skizzen, nach denen seine Teams dann die Glasobjekte anfertigen.

Dann noch einige Glasschalen, Durchmesser etwa ein Meter.

Und am Schönsten ist an einem Tag wie heute natürlich der Garten. Draußen gibt’s auch Live-Glasblasen anzusehen.

Jetzt habe ich aber Hunger und fahre zurück zum Pike’s Place Market, lecker Lachs-Gurken-Sandwich essen.

Bei Flying Fish wird alle paar Minuten ein Fisch über den Tresen und wieder zurück geworfen, die Touristen warten immer schon angespannt darauf. Immerhin haben sie dafür einen ausgelutschten, flugerfahrenen Lachs am Rand liegen – der Fang des Tages bleibt schön unter Eis.

Im Urban Garden ruhe ich mich noch ein wenig in der Sonne aus…

… bevor ich mich am Nachmittag wieder der Arbeit widme.

Von Park zu Park in Seattle

Nach drei Tagen Konferenz schlafe ich heute erstmal richtig aus (also bis 7 Uhr) und stelle gleich fest, dass sich der Wetterbericht zu meinen Gunsten verändert hat: Statt Seattle in grau gibt’s Seattle in blau!

Zunächst mache ich einen Abstecher zu meinem Rucksack-Hoflieferanten Tom Bihn in Seattle. Der Direktverkauf in der Fabrikhalle hat nur drei Mal die Woche offen, mein Timing passt. Leider gefällt mir aber der anvisierte Rucksack überhaupt nicht und so ziehe ich unverrichteter Dinge wieder von Dannen…

Für den Rest des Tages habe ich mir eine Schnitzeljagd durch Seattles Parks vorgenommen. Ich starte am Totempfahl direkt an der Kanal-Verbindung zwischen Lake Washington und Lake Union. Hier sind wir vorgestern Abend beim Konferenz-Dinner mit dem Boot durchgefahren.

Vom Totempfahl aus geht ein Boardwalk durchs Marschland des Lake Washington und zu zwei kleinen Inseln im See. Wegen Hochwasser ist der Weg leider gesperrt. Ein Stückchen weit versuche ich trotzdem mein Glück, aber es wird schon bald zu matschig um weiterzugehen.

Statt dessen durchstreife ich etwas die Nachbarschaft und sehe mir die hübschen Häuser und blühenden Gärten an.

Ich überquere den Kanal über die alte Klappbrücke und will hinauf zur University of Washington, die einen schönen Campus haben soll. Es kostet mich allerdings einige Umwege, da der Park zwischen Brücke und Campus gerade neu gestaltet wird, und komplett abgesperrt ist. Vom großen Brunnen im Zentrum des Campus soll man einen tollen Blick auf den Mount Rainier haben. Natürlich ist der Brunnen gerade abgelassen und eingezäunt und der Mount Rainier ist auch nicht zu sehen. Ist richtig mein Tag heute.

Auf dem Gelände der Uni ist ganz schön was los, heute scheinen Schülergruppen aus dem ganzen Land zum Besuch hier zu sein, die von Freiwilligen in violetten T-Shirts über den Campus geführt werden. Um amerikanische Kinder dabei bei Laune zu halten scheint sich vor allem eines bewährt zu haben: Man brüllt irgendwas vor, und alle brüllen das dann nach. So ziehen brüllende Gruppen von rechts nach links und von links nach rechts und ich genieße mittendrin die Sonne.

Ein bisschen hungrig bin ich mittlerweile und praktischerweise stehen am Hauptplatz ein paar Food Trucks bereit. Ich stärke mich mit ein paar Tacos und einer kühlen Limonade.

Es gibt schon ein paar recht hübsche Ecken hier auf dem Campus, das wissen auch die Studenten.

Ich marschiere rund um alle Absperrungen und Baustellen zurück zum Totempfahl und zu meinem Auto und fahre weiter zum gegenüber liegenden Washington Park, dessen Arboretum ein tolles Spektrum an Bäumen und blühendem Gebüsch bietet. Dieser hier hat einen Umfang von einigen Metern:

Auch eine kleine Gruppe junger Giant Sequoias gibt es (auf dem Bild hinter mir, die Größe kommt jetzt nicht so rüber):

Hier hat ein Baum all seine Blätter abgeworfen:

Genug der Bäume, ich fahre weiter über den Interlaken Blvd, eine grüne Oase mitten in der Stadt, an der sich fantastische alte Anwesen aufreihen. Etwas hinter Seattles großem Fischereihafen steuere ich den Discovery Park an und marschiere hinab zum Strand. Vom Verzehr von Muscheln wird hier abgeraten – ich kann’s verstehen, denn direkt auf der Landzunge befindet sich auch die örtliche Kläranlage. Interessant, dass die Warnung auch in Koreanisch, Vietnamesisch, Kambodschanisch, Spanisch, Russisch, Laotisch und Chinesisch verfasst wurde.

Das Treibholz an dem kleinen Strandabschnitt bis zum Leuchtturm lädt mich zu einer Rast in der Nachmittagssonne ein.

Es blüht der Ginster, doch bald wird’s finster.

Die Sonne verschwindet nun hinter den Wolken, Zeit für mich, Feierabend zu machen.

Vorher halte ich aber noch kurz an den Chittenden Locks an. Hier trennt eine Staustufe das Süßwasser des Lake Washington vom Salzwasser des Puget Sound. Auf einer Fischtreppe können (v.a. im Herbst) die Lachse vom Meer hinauf in Richtung ihrer Geburtsstätten springen. Damit die jungen Lachse dann im Winter und Frühjahr auch hinunterkommen, werden Rutschen installiert, in denen die Kleinen rückwärts (!) mit dem Strom hinabschwimmen.

Daneben ist eine Schleusenanlage im Dauerbetrieb und hebt Schiffe aller Größe hinauf zum Lake Washington oder hinab zum Meer.

Squirrel!

Für größere Schiffe wird sogar die Eisenbahnbrücke angehoben.

Ich fahre letztlich zurück zum Hotel – was etwas länger dauert, da auch die Straßenbrücke gerade geöffnet wurde – und pfeife mir ein 12 Unzen schweres New York Strip Steak rein, was mich danach in sofortigen Tiefschlaf fallen lässt.

Snoqualmie Falls und Seward Park

Heute wird es spannend. Ich bin bei meinem japanisch-amerikanischen Bekannten Yutaka zum Lunch eingeladen und hoffe inständig, mich beim Essen nicht daneben zu benehmen. Yutaka wohnt in einem hübschen Haus in Redmond. Natürlich geht es bei seiner Familie nicht ganz so japanisch zu, wie vielleicht in Japan. Dennoch wird für mein Mitbringsel aus Landshut mit vielen Verbeugungen gedankt und das Präsent noch einige Minuten lang wie ein frisch Geborenes präsentiert und hochgehalten. Freundlicherweise werden neben den Stäbchen auch Messer und Gabel für alle eingedeckt – die von Yutaka, dessen Frau und den beiden Jungs natürlich nicht angerührt werden. Aber ganz oder gar nicht – ich lasse das Besteck lieber liegen (würde mir bei der Suppe ohnehin nur bedingt helfen), entschuldige mich schon mal vorab für etwaige Unfälle und probiere es mit den Stäbchen. Es gibt Miso-Suppe, Sushi, gebratenes Huhn und Salat, und Äpfelchen als Nachtisch. Japanisch-amerikanische Crossover-Küche würde ich sagen.

Nach dem Essen fährt Yutaka mit mir zu den Snoqualmie Falls, an denen der Snoqualmie River eine beachtliche Stufe runterrauscht, bevor er zuerst mit dem Skykomisch River zusammenfließt und kurz darauf in den Snohomish River und letztlich in den Pazifik mündet.

Durch typischen Northwest-alles-ist-voll-Moos-Wald steigen wir hinab zum Fuß der Fälle und sehen uns die ganze Sache auch noch mal von unten an.

Meine Fotos vom Fuß der Fälle sind nicht so doll geworden, also gibt’s noch eins von oben:

Auf dem Rückweg sehen wir ein schönes Beispiel für einen „Nurture Tree“, einen toten Baum, der Nährboden für neue Bäume ist.

Der Tag ist noch jung, und so fährt Yutaka uns in seinem Hybridauto noch nach Seattle zum Seward Park, einer kleinen Halbinsel im Lake Washington. Das Wetter heute ist perfekt und wir haben einen fantastischen Blick auf den Mount Rainier im Süden.

Wir umrunden die Halbinsel, im Norden blicken wir auf Downtown Seattle. Danach fahren wir noch die ganze Uferstraße hinauf, vorbei an perfekten Wohnlagen am See, bis zur Highway 520 Floating Bridge, auf der wir den Lake Washington – nochmals mit tollem Blick auf den Mount Rainier im Abendlicht – überqueren. Die Floating Bridge ist eine vierspurige Pontonbrücke, sie schwimmt also im Wasser. Allerdings ist sie in den letzten Jahrzehnten fast einen halben Meter abgesunken, und bei Erdbeben ist damit zu rechnen, dass die Brücke absäuft, daher wird nun parallel eine neue, richtige Brücke gebaut. Allerdings kann die neue Brücke im Gegensatz zur alten nicht mehr geöffnet werden, sodass alle Eigner von Booten über einer gewissen Höhe ihre Boote aus dem Südteil des Sees nach Norden schippern müssen, bevor die Brückenbauer vom Ost- und Westufer sich in der Mitte treffen und den Wasserweg damit für immer versperren. Das nur am Rande, für alle Pontonbrückeninteressierten.

Gegen Abend bedanke ich mich nochmals bei Yutakas Frau für das gute Essen, bei ihm selbst für den schönen Tag und verabschiede mich letztlich. Zurück im Hotel beschließe ich, das Abendessen lieber wieder mit Messer und Gabel zu essen und gehe runter zum Australier um die Ecke, wo ich mir gestern schon so ein schönes Steak grillen ließ. Von der Chefin werde ich gleich am Eingang mit einem „Welcome back!“ begrüßt, gefolgt von einer exakten Beschreibung wo ich gestern gesessen habe, dass ich ein Corona, einen House Salad mit Honey Mustard Dressing und ein New York Strip (medium) mit Fries hatte. Ich stelle mich daher gleich mal mit Vornamen vor (für die nächste Begrüßung) und werde den Rest des Abends superfreundlich bedient – und natürlich von allen Mitarbeitern mit meinem Namen angesprochen. So soll es sein, da fühlt man sich doch gleich zuhause… 🙂

Statt eines Steaks entscheide ich mich heute in einem Anflug von Größenwahn für einen Appetizer: Riesengarnelen im Kokos-Bier-Mantel, die mit einem orangenmarmeladenähnlichen Dip geliefert werden. Die Monster-Shrimps sind inklusive Backmantel ungefähr tennisballgroß und nach sechs Stück bin ich faktisch satt. Macht nix, hab als Hauptgang ja nur ein „half rack“ Ribs bestellt, an denen ungefähr so viel Fleisch dranhängt, wie mein Steak gestern wog. Und dieses Fleisch fällt beim Anschauen schon vom Knochen: Genau so muss es sein. Danach bleibt mir nur noch übrig, langsam zum Hotel zurückzurollen… Gute Nacht.

Ice Cave

Heute Abend geht’s nach Hause, aber vorher möchte ich noch einen kleinen Ausflug in die Berge machen – das Wetter ist einfach zu gut! Ich fahre auf dem Mountain Loop Highway entlang des South Fork Stillaguamish River ganz tief in den Wald hinein. Hier in Washington gibt es die schönsten Wälder überhaupt. Nicht nur, dass die Bäume alle riesig sind, es ist auch ein toller Mix aus Nadel- und Laubbäumen, und alles ist dick vom Moos überzogen.

Bei Big Four lege ich einen Stopp ein. Hier soll es einen einstündigen Wanderweg hinauf zu einem kleinen Gletscher geben – dem niedrigst gelegenen Gletscher südlich von Kanada. Zuerst führt ein Boardwalk durch eine fantastische Sumpflandschaft, dann geht es durch wilden Urwald bis zur Baumgrenze.

Nach einer Biegung öffnet sich plötzlich der Blick auf den Gletscher, der durch die Lawinen der darüber liegenden Steilwände entstanden ist. Man erkennt auch schon das riesige Tor in der Mitte des Gletschers – unglaublich beeindruckend!

Wer genau hinsieht, erkennt die anderen Wanderer (heute am Sonntag ist ganz schön was los hier oben) und bekommt so eine Idee von der Größe der Ice Cave.

Ich mache Dutzende Fotos vom Eis und vom großen schwarzen Loch.

Zu nach sollte man der Abbruchkante über der Cave nicht kommen, da jederzeit etwas runterfallen kann. Natürlich hindert das einige nicht daran, auch in die Ice Cave reinzugehen – ich lasse es besser bleiben.

Noch ein Blick zurück und ich steige wieder ab zum Parkplatz.

Ich folge dem Mountain Loop Highway, der nach einigen Meilen zu einer holprigen Schotterpiste wird. Beim Mietwagenverleih hatte ich ja die spektakuläre Auswahl zwischen fünf schwarzen Jeep Patriot. Ich hatte mich dann für einen schwarzen Jeep Patriot entschieden. Vorteil: Die Karre nimmt alle Schlaglöcher mit Bravour und ich komme zügig voran – so bleibt mir mehr Zeit für kurze Stopps am Fluss.

Irgendwann endet die Piste und ich habe wieder Asphalt unter den Rädern. Ein Blick zurück:

Und schon erreiche ich den kleinen Ort Darrington, der aber letztlich nur aus einer Tankstelle, einer Biker-Kneipe und einem sonntags geschlossenen Friseur besteht.

Leider bleibt nun nicht mehr allzu viel Zeit. Aber für einen kurzen Lunch reicht es: ich fahre zurück nach Downtown Seattle und lasse mir ein paar dick gefüllte Tacos schmecken. Danach noch einen lecker Cappuccino und ab zum Flughafen – zum letzten Mal mit überwältigendem Blick hinauf zum wolkenfreien Mount Rainier. War schön in Seattle! 🙂

Plitvice 1. Tag

Plitvice 2. Tag

Brioni

Motovun

Pula

Rovinj

Pula bei Nacht

Noch einmal Rovinj

Insomnia

Ich weiß jetzt, wie es Al Pacino in ‚Insomnia‘ ergangen ist. In dem Film ermittelt er während der Sommersonnwende in einem Dorf in Alaska – und findet eine Woche lang keinen Schlaf. Um zehn Stunden hat uns die Zeitverschiebung schon den Tag verlängert und jetzt will die Sonne einfach nicht untergehen. Aber der Reihe nach. Zuerstmal: Willkommen in Alaska!

Wir sind gelandet in Anchorage, der größten Stadt Alaskas, über 300.000 Einwohner, das ist knapp die Hälfte der Einwohner des ganzen Landes – das gleichzeitig fast so groß ist wie Mitteleuropa.

Downtown Anchorage besteht aus einigen verstreut liegenden Hochhäusern, dazwischen kleine, eigentlich hässliche Zweckbauten, in denen entweder Touristenramsch oder Pelze verkauft werden, oder beim Outfitter alles, was man zum Überleben in der Wildnis so braucht. Hat man sich an dieses etwas eigenartige Ambiente der erst 100 Jahre alten Stadt gewöhnt, kommt sie dann aber doch irgendwie charmant daher.

Gleich am Tag unserer Anreise war Weekend Market auf dem großen Parkplatz an der 3rd Street. In der 3rd Street beginnt Downtown. Früher ging es in der 1st Street los, aber nach dem großen Karfreitagsbeben Mitte der 60er Jahre ist die Stadt nördlich der dritten Straße um 30m abgesackt. Die Westküste Alaskas liegt eben direkt auf dem Ring of Fire.

Parallel zur 3rd Street sind die vierte und die fünfte Straße noch recht belebt, aber dann ist Downtown auch schon wieder vorbei. An jeder Ecke im Zentrum steht übrigens ein Stand mit Rentier-Hotdogs. Die muss ich unbedingt später noch probieren…

Genug zur Geografie, oder doch, einen noch: Der Polarkreis ist nur wenige hundert Meilen nördlich von uns. Dementsprechend geht hier im Sommer die Sonne erst um 23:30 unter, um dann kurz nach 3:00 wieder aufzugehen. Glücklicherweise ist ja schon fast Herbst, so ist aktuell Sonnenuntergang um 21:30. Aber es ziiiieht sich bis halb zehn, wenn man den Jet Lag in den Knochen hat. Auch nach dem Sonnenuntergang dauert es noch eine Ewigkeit, bis es mal richtig dunkel wird.

Die erste Faustregel gegen Jet Lag lautet ja: Am ersten Tag frühestens ins Bett, wenn’s draußen dunkel ist. Um’s kurz zu machen: Wir mussten die erste Regel diesmal leider brechen. Ging einfach nicht. Die Konsequenz: Wach um drei Uhr morgens. Insomnia.

Also was tun? Bewegung!

Unsere erste Wanderung führt uns zum Flattop Mountain, einem Aussichtsberg über der Stadt.

Wir genießen einen fantastischen Blick hinunter auf Downtown Anchorage:

Direkt dahinter erhebt sich der Mount McKinley, der mit über 6000m höchste Berg Nordamerikas! Von den Ureinwohnern wird der McKinley allerdings Denali genannt: Der ganz Hohe. An den Fuß des Denali wollen wir am Ende unserer Reise auch noch. Hoffentlich haben wir dann auch so ein tolles Wetter, denn oft ist der Denali wochenlang in den Wolken versteckt.

Im Westen baut sich die Alaska Range auf.

Dahinter, am Horizont, noch einige Vulkane der Kenai Halbinsel.

Der Ausblick ist so schön, fast übersehen wir, dass wir nicht allein sind hier oben: Moose!

Wir sehen rund ein halbes Dutzend Moose an den Hängen unterhalb unseres Weges. Darunter auch ein Männchen mit dem typischen, gewaltigen Geweih:

Ansonsten sieht man der Vegetation schon an, dass die Winter hier recht lang sind. Momentan geben aber einige Gräser und viele, viele Beeren den Wiesen einen Rotstich. Und die Beeren wiederum mögen die Moose. Und die Bären. Aber deren Gesellschaft blieb uns heute dann doch erspart.

Zurück in Downtown besuchen wir das historische Log Cabin, in dem heute die Ranger Ausflugstipps geben.

Anderntags (wieder um 22:00 in Tiefschlaf gefallen, um 3:00 wach gewesen) besuchen wir den Lake Hood, den größten Wasserflugzeugflughafen der Welt. Hier liegen über 1.000 Buschflieger, jeden Tag gibt es um die 200 Starts und Landungen. Die Buschflieger sind die Versorgungsader eines Großteils des Landes, das nur auf dem Luftweg zu erreichen ist.

Eine Maschine von Rust’s Flying Service macht sich auf den Weg zum Start…

… und hebt nach kurzem Anlauf ab:

Befährt man die Aviation Road rund um den Lake Hood, kreuzt man mehrfach die Taxi Ways der Flugzeuge (nicht alle Flieger hier haben Schwimmkörper, es gibt auch ganz normale auf Rädern, die auf ganz normalen Pisten landen. Oder mit Skiern unter den Rädern zum Landen auf dem Gletscher). Da steht dann ein Stoppschild, mit dem Hinweis, dass Flugzeuge Vorfahrt haben. Unbeschrankter Bahnübergang für Buschflieger. Jaah, Buschflieger – alte Haudegen der Lüfte, so wie diesen hier:

Der Haudegen möchte sich jetzt aber wieder seiner Schlaflosigkeit hingeben. Naaacht.

Auf zu den Gletschern!

Nun geht es los! Nach drei wunderschönen Sommertagen in Anchorage zeigt uns Alaska jetzt erstmal, wie das Wetter hier eigentlich meistens ist: Wolken, Wind und Regen. Wir fahren den Turnagain Arm hinauf, einen tiefen Fjord, dessen Name auf James Cook’s Suche nach der Nordwest-Passage hervorging – denn hier erkannte er, dass er doch eine Sackgasse erwischt hatte. Da der Tidenhub hier bei Anchorage bis zu 10m beträgt, und die Flut gerade vorbei ist, fließt das Wasser heute morgen wie ein breiter Fluss aus dem Turnagain Arm heraus. Das lockt dann oft Belugas und auch größere Wale an, die in der Strömung gerne Lachse fischen. Am Beluga Point ist es so stürmisch, dass wir vom Auto aus versuchen, Belugas zu erspähen, aber selbst denen scheint es heute zu ungemütlich zu sein.

Also ziehen wir weiter in Richtung Portage Glacier. Kurz vor dem langgezogenen Gletschersee – das Tal war vor wenigen Jahrzehnten noch komplett vom Gletscher bedeckt und der See noch gar nicht existent – weist ein Schild zur Fish Viewing Platform. Da wir mit den großen Fischen, die ja keine Fische sind, kein Glück hatten, halten wir hier kurz an und staunen: Der Bach ist voll mit halbmeterlangen Lachsen!

Die Männchen haben schon ihre Farbe geändert, haben von silber auf tiefrot umlackiert. Die Weibchen legen sich immer wieder kurz auf die Seite, dabei legen sie ihre Eier im Flussbett ab. Dann huscht hektisch ein Männchen herbei und gibt seinen Saft dazu. Dahinter warten die Forellen, die sich an den Eiern sattessen. Nur wenige Prozent der Eier überleben, und die kleinen Lachse, die dann daraus schlüpfen werden, sollen in einigen Jahren genau hier das gleiche Spiel vollziehen, nachdem sie zwischendrin weit draußen im Meer waren.

Genug der Fischologie, wir folgen dem Tal zum Portage Lake. Der Portage Glacier hat sich in den letzten Jahrzehnten schon „um die Ecke“ zurückgezogen, und ist nur noch vom Wasser aus zu sehen. Da wir morgen den ganzen Tag auf See sein werden, sparen wir uns die Bootsfahrt, bestaunen aber die Eisberge, die vom Gletscher abgebrochen sind und nun auf dem See treiben.

Trotz richtig miesem Wind und Regen starten wir zu einer kurzen Wanderung hinauf zum Byron Glacier.

Unterwegs macht der Regen Pause, wofür wir sehr dankbar sind. Wir begeben uns jetzt auf den Weg hinunter nach Seward und durchqueren durch wunderschöne Täler entlang kilometerlanger Seen die Bergwelt der Kenai-Halbinsel. Der nagelneu asphaltierte Highway fährt sich wie mit der Sänfte. Korrektur: Der *bald* nagelneu asphaltierte Highway wird sich bald wie der Sänfte befahren lassen. Wir passieren ein halbes Dutzend Baustellen, an denen man stets beim „Flagger“ (Mann oder Frau mit Stop-Schild in der Hand) warten darf, bis die Kolonne aus der Gegenrichtung unter Leitung eines Pilot Cars eintrifft. Dann führt einen das Pilot Car durch die Baustelle. Die Gesamtfahrtzeit verkürzt das nicht gerade.

Wir nutzen aber die Pausen und decken uns hinterm Lenkrad unseren Mittagstisch: Cracker, Pepperjack Cheese Sticks und Cocktailtomaten machen einen perfekten Road-Trip-Mittagssnack.

Nicht weit weg von der Hafenstadt (Okay, Stadt nehme ich zurück) Seward fließt der Exit Glacier gespeist vom darüber liegenden Harding Ice Field ins Tal. Was schon aus der Ferne ein toller Anblick ist …

… ist auch aus der Nähe nicht zu verachten. Man versteht, wie der Begriff Gletscherzunge entstanden ist.

Auch der Exit Glacier hat sich massiv zurückgezogen -wo wir jetzt hinaufsteigen, kroch noch vor wenigen Jahren der Gletscher zu Tale. Die Riefen im Fels wirken noch richtig frisch.

Zur Zungenspitze kommt man aktuell nicht – mit jeder Flut sortieren sich die Bachläufe im Outwash des Gletschers neu, und aktuell fließt der Strom so durchs Tal, dass er den Weg zum Gletscherende versperrt. Der Fluss trägt Eisbrocken vom Gletscher hinab.

Nach so viel Gletscherwanderei ist uns nach einem herzhaften Abendessen. Das Salmon Bake wirbt mit billigem Bier und lausigem Essen, das klingt doch hervorragend, nichts wie rein. Es gibt Bacon Wrapped Tiger Prawns (Riesengarnelen – wirklich riesige – im Speckmantel) und gebackenen Sockeye Salmon mit Mais und Ofenkartoffel und Halibut Tacos und … macht satt.

Nach dem Essen checken wir im Hotel ein, wo ich unterschreibe, dass ich bei 250$ Strafe keinen selbstgefangenen Fisch im Zimmer aufbewahren werde.

Zum Abendspaziergang am Meer treffen wir noch eine Otterfamilie, die uns erst neugierig anguckt, dann einen Hupfer aus dem Wasser macht und davon taucht.

Morgen stechen wir in See. Es ist tolles Wetter angesagt – und Sturm.

In die Kenai Fjords

Heute steht uns die erste Prüfung unserer Seefestigkeit bevor. Wir starten in Seward an der Südküste der Kenai Halbinsel. Unser Ziel: Die Fjorde des Kenai Nationalparks. Da für den Nachmittag Sturm vorhergesagt ist, besteigen wir die Callisto Voyager mit einem Arsenal an Jacken, denn wir wollen ganz sicher nicht den ganzen Tag nur durch die Scheibe rausschauen.

Während über dem Hafen noch Regenwolken stehen …

… scheint in Richtung Meer schon die Sonne. Nach umfangreicher Sicherheitseinweisung heißen uns Captain Chris und seine Crew an Bord der Callisto Voyager willkommen.

Während wir die Resurrection Bay hinausschippern gibt der Blick auf den Bear Glacier schonmal einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommen soll. Plötzlich hält der Captain unvermittelt an! Nicht weit vor uns hat er einen Sprühnebel aufspritzen sehen, den nur einer erzeugt haben kann: Ein Wal!

Es ist ein Buckelwal, der gerade tief Luft geholt hat und uns dann seine Fluke zeigt. Das ist klasse, bedeutet aber auch , dass er jetzt erstmal ein paar Minuten unter Wasser bleiben wird. Für einen kurzen Snack taucht er vielleicht 5, für längere Mahlzeiten bis zu 45 Minuten ab. Aber Captain Chris hat keine Eile und wartet geduldig, sodass wir den Wal auch noch ein zweites Mal bewundern können.

Nachdem er uns erneut seine Fluke zeigt, gibt Captain Chris wieder Gas. Doch gar nicht viel später haut er schon wieder die Bremse rein. Erneut ein Buckelwal, der vor unseren Augen mehrmals fast komplett aus dem Wasser springt! Unglaublicher Anblick – nur passiert es viel zu schnell und viel zu unvermittelt, als dass ich es mit der Kamera erwischen konnte. Man weiß ja weder wann, noch wo der Wal als Nächstes auftauchen wird.

Einen weiteren Stopp machen wir bei einem nett gepunkteten Seehund, der schon kritisch schaut, weil diese wohl recht scheu sind.

Auch eine kleine Seelöwenfamilie, die sich auf einem, einer Insel vorgelagerten, kleinen Fels eingerichtet hat, besuchen wir.

Dort bricht dann schnell ein Streit um die besten Plätze auf dem Felsen aus, …

… der nach viel  Geschrei schnell wieder geschlichtet ist.

Sehr spannend sind auch diese hellen Schatten im Wasser.

Es sind Quallenkolonien, hunderttausende Glibberfische, die hier so eng zusammenleben, dass ihre Reflexionen des Sonnenlichts schon aus der Ferne als helle Flecken auf dem Wasser wahrzunehmen sind.

Schließlich gibt der Captain richtig Vollgas, und bei starkem (wirklich starkem) Gegenwind fahren wir dem Aialik Glacier am Ende des Fjords entgegen. Schnell trennen sich hier Spreu von Weizen und nur die mit der richtigen Kleidung schaffen es, dem Wind am Bug des Schiffes stand zu halten. Zuzüglich ein paar Luschen in Jeanshosen und Blousonjacken aus Wisconsin. Mann, was dürften die gefroren haben…

Der Gegenwind hat noch kaum abgenommen, da kommt der Gletscher ins Bild.

Durch abgebrochenes, auf dem Wasser treibendes Eis hindurch navigiert uns der Captain ganz nah an’s Eis heran.

Immer wieder brechen mit lautem Donnergrollen kleinere Brocken ab und fallen ins Meer. Die Höhe dieser Gletscherwände ist schwer zu erfassen. Obwohl der Gletscher zum Greifen nah ist, sind wir tatsächlich noch über 500m entfernt und das Eis an der Kante locker 50m dick.

Auf dem im Wasser schwimmenden Eis am Rande des Gletschers haben es sich ein paar Seelöwen gemütlich gemacht. Die helfen ein wenig bei der Größenbestimmung des Rests, denn sie sind aus unserer Perspektive nur wie kleine schwarze Krümel wahrnehmbar.

Nach ausreichend langem Gletscherbegucken steuern wir wieder eisbergfreies Wasser an.

Auch einen Seeotter treffen wir noch an. Der Otter hat kein Fett unterm Pelz und muss, um als Warmblütler im kalten Nordmeer überstehen zu können, jeden Tag rund 25% seines eigenen Körpergewichts fressen. Wenn er nicht gerade frisst, guckt er süß und lässt sich auf dem Rücken treiben. Oder er stärkt sich durch Brustschwimmen.

Nach all den Meeresbewohnern steuern wir jetzt noch einige Inseln mit Vogelbrutstädten an. Die ungewöhnlichsten Vögel der Nord-Westküste – und schon fast zum Maskottchen geworden – sind die Puffins.

Zwischen vielen, vielen Möwen sind auch ein paar Kormorane auszumachen.

Und der nordamerikanische Austernfischer ist ebenso dabei.

Nach so vielen Tieren und Gletschern geht es für uns nun wieder zurück in den Heimathafen. Während auf See noch die Sonne scheint, gibt es hier schon wieder einen kurzen Duscher.

Zum Glück hat sich der Wind bis zu unserer Rückkunft Zeit gelassen. Aber am Abend wird es richtig stürmisch. Wir sind in der Seward Brewery eingekehrt und kaum haben wir aufgegessen und ausgetrunken, knipst der Sturm dem Ort auch schon den Strom ab.

Mit dem Handy als Taschenlampe tasten wir uns im Hotel durch das fensterlose Treppenhaus empor. Zum Glück ist es draußen ja noch hell – ich erinnere: Sonnenuntergang um 21:30, Dunkelheit frühestens 1 Stunde später. Kurz geht das Licht im Zimmer noch einmal an, aber nur kurz. Immerhin fällt mir vor dem Schlafengehen ein, die Nachttischlampe – obwohl sie nicht leuchtet – wieder auszuschalten. Ansonsten wäre es mitten in der Nacht plötzlich ziemlich hell geworden, denn am Morgen geht der Strom wieder – zumindest teilweise.

Welche Steine der Sturm uns sonst noch in den Weg gelegt hat? Mehr dazu morgen…

Die Fähre nach Valdez

Heute müssen wir zeitig los. Frühstück fällt ohnehin knapp aus, da es nach dem Stromausfall aufgrund des Sturms in der letzten Nacht noch keinen heißen Kaffe gibt. Wir müssen den 9 Uhr 30 Tunnel in Portage erreichen, damit wir um 10 Uhr 30 in Whittier an Bord der Fähre nach Valdez fahren  können. Der Tunnel nach Whittier ist gleichzeitig Eisenbahn- und Autotunnel, und nur einspurig. Da sich also Züge und Autos in zwei Richtungen eine einzige Röhre teilen, gibt es je Richtung immer nur ein Mal je Stunde für 15 Minuten freie Fahrt.

Wir hangeln uns auf dem Highway wieder von Baustelle zu Baustelle und sind pünktlich kurz vor halb zehn am Tunnel. Die großen Tore des Tunnels sind gegen Eisbildung noch verschlossen Bald geht aber die Schranke auf und wir dürfen durch den Tunnel rollen. Am Besten fährt es sich etwas versetzt zum Bahngleis, auch wenn dann die rechte Felswand schonmal etwas nah kommt… Am Tunnelende sollte man tunlichst auf die Ausfahrt abbiegen, geradeaus landet man auf dem Gleis.

Wir checken nun pünktlich beim Büro des Alaska Marine Highway für unsere Fährüberfahrt ein und erfahren, dass unsere Fähre wegen des Sturms leider ausfällt: Cancelled due to wheather conditions. Freundlicherweise hat man uns schon auf die nächste Fähre umgebucht. Dumm nur, dass die nächste Fähre erst am Montag, also in drei Tagen geht. Das ist nun eher ungünstig.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Landweg nach Valdez zu fahren. Dauert ja nur acht Stunden.

Natürlich konnte man uns das nicht schon vor dem Tunnel mitteilen, dann wären wir ja vielleicht gleich umgekehrt und hätten keine Maut bezahlt… Immerhin erwischen wir aber gleich die nächste Tunnelöffnung und fahren nun direkt wieder zurück in Richtung Anchorage. Eine lange Fahrt liegt vor uns – aber das Wetter ist super.

Hinter dem Tunnel, am Portage Lake nehme ich mir jetzt wenigstens noch Zeit, einen Eisberg zu fotografieren, den ich auf der Hinfahrt links liegen lies.

Vor Palmer geraten wir in Stop-and-Go-Verkehr. Nicht schon wieder eine Baustelle… Ist es aber gar nicht, es ist der Zufahrtsstau zur Alaska State Fair, dem größten Volksfest in Alaska, das gestern erst begonnen hat. Hinter Palmer stoppen wir kurz, um den Blick auf den Matanuska River mitzunehmen. Für alle Europäer: So sieht ein natürlicher Flusslauf aus. Nicht so, wie unsere zu 100% kanalisierten Flüsse…

Auf dem Glenn Highway geht es Richtung Osten. In Alaska gibt es genau 12 Highways, daher leistet man sich neben den Nummern für jeden Highway auch einen schönen Namen. Aber auch die Ausblicke sind nicht ohne:

Je höher wir kommen, umso mehr hat schon der Indian Summer eingesetzt, ist das Laub goldgelb eingefärbt.

Der Matanuska Glacier fließt tief ins Tal hinab. Was für ein Kontrast von Wald und ewigem Eis, so dicht beieinander!

Etwas weiter scheint es letzte Nacht ein wenig geschneit zu haben.

Die Landschaft um uns herum: Unberührte Wildnis, nur durchschnitten vom Glenn Highway.

Den dürren langen Nadelbäumen sieht man an, dass sie sich dem rauen Klima angepasst haben. Sie sind es gewohnt, die Hälfte des Jahres in Schnee eingehüllt zu sein.

Noch ein Blick zurück und wir entfernen uns langsam von den Bergen.

Danach geht es an Dutzenden kleinen Seen vorbei, bis zum Horizont orange eingefärbte sumpfige Wiesen und spindeldürre Kiefern. An einigen Seen stehen hübsche Wochenendhäuschen, die mit dem Buschflieger ab Anchorage ja in einer knappen halben Stunde erreichbar sind.

Nach etwa vier Stunden Fahrt auf dem Glenn Highway – unsere Fähre wäre jetzt schon längst in Valdez angekommen – kündigt ein Tempolimit an, dass bald wieder Zivilisation naht. Dann ein Mobilfunkmast. Noch kein Haus zu sehen. Dann: Die Gemeindebücherei, ganz allein am Highway, umgeben vom Wald. Wieder lange nichts. Das Feuerwehrhaus. Eine Tankstelle. Der Supermarkt. Von Wohnhäusern nach wie vor keine Spur. Der „Ort“ Glennallen ist praktisch nur die Infrastruktur für alle, die im Umkreis von 200 Meilen wohnen. Einen „Ort“ als solchen gibt es nicht. Wir gönnen uns einen Kaffee, denn es liegen noch mindestens zwei Stunden Fahrt vor uns.

Es geht noch einmal durch die Berge, an riesigen Gletschern vorbei.

Das Wetter hat uns heute einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber es entschädigt uns auch.

In Valdez angekommen fahren wir erstmal zu Fish Hatchery kurz vor dem Ort. Hier soll die Chance, einen Bären zu Gesicht zu bekommen (und gleichzeitig in sicherer Nähe des eigenen Autos zu sein) am Höchsten sein. Neben der Fischzucht fließt hier ein Bach in’s Meer. Da alle Lachse, deren Geburtsort diese Fischzucht ist, eben denken, sie sind in diesem Bach geboren, führt sie ihr Instinkt nach Jahren wieder hierher. Nun würde der kleine Bach aber umkippen, lägen wirklich all diese künstlich aufgezogenen Lachse ihre Eier ins Flussbett ab.

Außerdem sollen die Fische ja ihre Eier wieder in die Fischzucht tragen. Also wird im Herbst vor dem Bach ein Wehr hochgezogen, das verhindert, dass  die Fische den Fluss nach oben schwimmen können. Stattdessen geht daneben eine Fischtreppe ab, die direkt in der Fischzucht endet. Dabei entsteht aber ein solcher Fischstau, dass hier im flachen Wasser der Bach vor lauter Lachsen zu kochen scheint. Teilweise ist kaum mehr Wasser zu sehen, so dicht schwimmen sie.

Und das wäre natürlich ein super Fischbuffet für den Bären. Aber wie es immer so ist: Sind wir da, ist kein Bär da.

Haben die Lachse ihre Eier gelegt – ob nun in der Fischzucht, oder auch ganz natürlich in einem Bachlauf, segnen sie bald das Zeitliche und werden wieder hinabgespült. So ist der Meeresboden bei Ebbe nun komplett mit totem Fisch übersäht. Der tote Fisch ist wiederum Nahrung für viele andere Lebewesen – die Lachse sterben also nicht umsonst, sondern sind ein wichtiges Rad im Ökosystem.

Etwas eigenartig ist es aber schon, wenn man vor lauter toter Fische kaum auftreten kann.

Die Lachseier sind es natürlich auch, worauf der Bär am meisten scharf ist. Nur eben nicht hier, und nicht heute.

Wir gehen jetzt erstmal was essen. Beim Roadside Potatohead gibt es das beste Lachssandwich. Und Abendsonne. Nur das Vordach ist lückenhaft, einen Teil hat der Sturm mitgenommen.

Nach dem Abendessen versuchen wir unser Glück an gleicher Stelle noch einmal. Vielleicht hat ein Bär ja Lust auf etwas Abendbrot? Leider nein. Ach ja: Habe ich schon erwähnt, wie hunderttausend verwesende Fische stinken? Man nimmt doch allerhand auf sich, nur um etwas Wildlife zu sehen.

Also wieder kein Bär. Geben wir uns also mit einem Sonnenuntergang zufrieden. Mittlerweile geht die Sonne schon um 21:00 Uhr unter – also eine halbe Stunde früher, als noch vor einer Woche.

Auf dem Rückweg zum Hotel entdecken wir dann: Einen Schwarzbären. Ein junger Kerl, gut möglich, dass die Mutter nicht weit war. Frisst in einem Garten die Beeren von den Sträuchern. Obwohl ihn der Verkehr auf der Straße nicht beeindruckt, erschrickt er sich doch, als wir anhalten, und so gibt es leider kein Foto vom Schwarzbären…

Fazit des Tages: Toter Fisch stinkt. Der Bär ist lieber Beeren als Fisch. Vor Fährfahrten immer Terminbestätigung einholen.

Eisberg voraus!

Valdez liegt am Ende eines tiefen Fjords im Prince William Sound. Eigentlich eine geschützte Lage. Trotzdem wurde der Ort in den letzten 50 Jahren schon von zwei großen Katastrophen heimgesucht. Zuerst das Karfreitagsbeben 1964, das stärkste je aufgezeichnete Erdbeben Nordamerikas, das zweitstärkste der Welt. An den Docks hatte gerade ein großes Frachtschiff festgemacht. Der Koch der SS Chena warf den herbeigeeilten Kindern und Erwachsenen Bonbons und Früchte zu. Dann kam das Beben. Dann der Tsunami. Der Boden unter dem Ort hatte nachgegeben und war ins Meer gerutscht, der Ort drei Meter abgesackt. Daher die Flutwelle. Zuerst verschwanden die Docks, also praktisch der ganze Hafen im Nichts und riss 30 Menschen mit sich. Dann wurde das Schiff zehn Meter angehoben, landete im Trockenen. Die nächste Welle packte den Frachter wieder und warf ihn zurück ins Meer. Schiff und Besatzung überstanden den Tsunami, der Ort Valdez nicht. Man baute einen neuen Ort, einige Meilen weiter westlich.

Dann der März 1989, an dem kurz vor Mitternacht die Exxon Valdez nach dem Verlassen des Hafens auf Grund lief und die bisher größte Ölkatastrophe Nordamerikas hervorrief. In Valdez endet die Trans Alaska Pipeline, die das Öl von der Beringsee einmal durch den ganzen Staat transportiert. Im großen Ölhafen von Valdez werden die Tanker beladen. Auf dem Weg hinaus auf den Ozean passiert die Schifffahrtsroute den Columbia Glacier, der in dieser Nacht viele Eisberge hinaus in den Prince William Sound schob. Soweit ganz normal, man änderte den Kurs, um das Eis zu umfahren. Aber der Kapitän war betrunken, und sein Steuermann hatte für die Fahrt in diesem Gebiet gar keine Zulassung. Also wurde der Kurs falsch gesetzt – als man es bemerkte, war es schon zu spät. Die Exxon Valdez lief auf Grund und drei der vier Tanks wurden aufgerissen.

Jetzt musste sich beweisen, was an den großmundigen Versicherungen der Konzerne dran war, auf solche Unglücke vorbereitet zu sein. Nichts war dran. Das Material zum Eindämmen des ausgelaufenen Öls war entweder nur auf dem Papier vorhanden, oder nicht einsatzfähig, oder erst Tage und Wochen später vor Ort. Drei Tage blieb das Wetter gut, Exxon schickte 20 Mann zum Reinigen des nahe gelegenen Strandes. Dann kam der Sturm und verteilte das Öl über die gesamte Südküste Alaskas. Die Jahre danach waren Zehntausende damit beschäftigt, die Strände zu säubern – jeder Stein wurde einzeln mit Seifenlauge abgeschrubbt – auch wenn sich später zeigte, dass das Reinigen eher nur noch mehr Schaden angerichtet hat. Die Natur hat sich viel besser selbst gereinigt, auch wenn das 25 Jahre gedauert hat. Dem verendeten Meeresgetier hat das natürlich wenig geholfen.

Wir wollen uns mal selbst ein Bild davon machen, ob sich das Meer vor Valdez erholt hat. Den Seeottern geht es jedenfalls ganz gut.

Der Weiskopfseeadler dreht mir auf dem Foto leider den Rücken zu. Er wollte wohl inkognito bleiben.

Unser Ziel für heute ist der Columbia Glacier, jenem Bösewicht, der beim Unglück der Exxon Valdez die vielen Eisberge in Richtung der Schifffahrtslinie losgeschickt hatte. Uns kommen auch schon die ersten Eisberge entgegen. Im Gegensatz zum letzten Bootstrip ist es heute ganz schön zapfig. Als wir in die Bucht vor dem Gletscher eingebogen sind, fiel das Thermometer urplötzlich von 10 auf 4 Grad. Der Gletscher ist so weit ausgedehnt und so massiv, dass er diese kalte Luft die ganze Bucht hinunterschickt, sein Atem reicht 20 Meilen weit.

Auf einer Eisscholle treiben ein paar Seeotter dahin.

Neugierig schauen sie zu uns herüber.

Dann taucht der Columbia Glacier letztlich auf. Was ganz nah aussieht ist tatsächlich noch weit entfernt. Die Gletscherzunge ist einige Meilen breit und wir sind auch noch mehrere Meilen von der Abbruchkante entfernt.

Ohne jeden Anhaltspunkt verschätzt man sich total bei Größe und Entfernung. Diese Eiswand ist 80 Meter hoch!

Wir tasten uns ganz langsam durch das Eis immer näher an den Gletscher heran. Den Bug richtet unser Captain immer auf den Gletscherrand aus, sodass wir im Falle eines größeren Eisabbruchs die Flutwelle nicht längs abbekommen. Die Geräuschkulisse ist faszinierend. Das im Wasser dahintreibende Eis pritzelt und knackt beim Schmelzen. Bei jedem Abbruch, was alle paar Minuten passiert, ein dunkles Donnern. Dazu dauernd das Klonksen des Eises, wenn es an die Bordwand schlägt, während wir uns langsam weiter vorarbeiten.

Für große, wie für kleine Eisberge gilt: Über der Wasseroberfläche befinden sich nur etwa 10% des Volumens. Die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs.

Mit ausreichendem Sicherheitsabstand bleiben wir nun stehen und der Captain stellt den Motor ab. Was aussieht wie hundert Meter ist doch eine gute Meile (1,6km). Leise treiben wir durchs Eis. Außer uns ist kein anderes Boot hier.

Wir fixieren die Eiswand. Bei jedem Anzeichen eines Abbruchs gehen die Objektive hoch.

Bricht Eis ab, dann braucht der Schall gut fünf Sekunden bis zu uns. Das tiefe Donnern ist nicht zu überhören. Aber reagiert man erst auf das Geräusch, sieht man vom fallenden Eis höchstens noch die Wasserfontaine. Aber auch die hat es in sich. Nochmal zur Erinnerung: Die Eiswand ist bis zu 80 Meter hoch.

An einigen Stellen kommt das Blau des Eises besonders toll raus.

Irgendwann müssen wir uns dann doch von dem Anblick losreißen. Der Captain (tatsächlich eine „Sie“) wendet das Boot und langsam machen wir wieder auf den Rückweg durch all das Eis.

Auf dem Rückweg kommen wir noch an einem glasig blauen, statt weißen Eisberg vorbei. Der dürfte erst vor wenigen Minuten umgekippt sein. Was vorher unten im Wasser war, ist jetzt oben in der Luft.

Ein Stück weiter beobachten wir einen Buckelwal beim Abtauchen (wieder kein Foto…) und letztlich fahren wir noch am obligatorischen Seelöwenfelsen vorbei.

Zurück im Hafen von Valdez gehen wir noch unglaublich lecker Fisch essen und fallen dann von der vielen frischen (und kalten) Luft ermüdet ins Bett. Ungefähr so:

Top of the World

Valdez war also an der denkbar ungünstigsten Stelle in der gesamten Bucht entstanden. Mitten im Delta des Valdez Glaciers, also auf einem riesigen Kieshaufen direkt am Meer. Beim großen Erdbeben rutschte der ganze Kies dann ab und löste einen Tsunami aus. Aber es war halt der kürzeste Weg vom Schiff aufs Land weiter zum Gletscher. Und den Gletscher hinauf zogen damals die Goldjäger auf dem Weg zum Klondike River – als dort der Goldrausch ausbrach. Dahin möchten wir jetzt auch, wir ziehen aber keine Schlitten den Gletscher hinauf, sondern nehmen die Straße.

Am Worthington Glacier oben in den Bergen, den wir vorgestern auf der Herfahrt noch bei strahlend blauem Himmel fotografiert hatten, machen wir bei leichten Schneeschauern und eiskaltem Wind eine kurze Wanderung hinauf zur Gletscherzunge. Der Gletscher ist – wie fast alle Gletscher – stark auf dem Rückzug und legt dabei den Schutt seiner Moräne, aber auch massive Felsen frei. Anekdote am Rande: Für die amerikanischen Gäste wurde gestern auf dem Schiff auch erklärt, dass wenn sich ein Gletscher „zurückzieht“, dieser nicht den Berg wieder hochfließt. Kein Kommentar.

Wir fahren dann landeinwärts, lassen die Berge und den Schneefall hinter uns.

Wir folgen dem Richardson Highway und der Trans Alaska Pipeline nach Norden, biegen dann auf den Tok Cutoff ab, der bei Tok auf den Alaska Highway trifft. Der „Ort“ besteht aus zwei Tankstellen, einer Hand voll Unterkünften und Restaurants, einer Schule, einer Krankenstation, ein paar Autowerkstätten und einem Flugfeld. All das verteilt auf 2-3 Kilometer rund um die Kreuzung.

Nachdem Simone bereits *im* Gespräch (!) neben mir eingeschlafen ist, stärken wir uns noch mit einem Kaffee. Der „kleine“ Caffè Latte besteht aus etwa einem Kaffeebecher Espresso und nochmal soviel Milch und hält definitiv wach.

In Tok beziehen wir ein superkuscheliges Cabin mitten im Wald. Die Stille hier kann ich gar nicht beschreiben – denn bei null Grad draußen mussten wir das Heizgerät die ganze Nacht durchlaufen lassen, welches etwa alle fünf Minuten mit einem Aufheulen startet, dann aber wenigstens richtig einheizt. Da übernachtet man einsam in der Wildnis – und braucht Ohrstöpsel.

Am nächsten Morgen treffen wir als Erstes auf eine Moose-Mama mit ihrem Kleinen.

Die Beiden fressen sich nochmal richtig satt bevor der Schnee kommt. Fun Fact am Rande: Das Moose hat vier Mägen, um den Mix an Flechten, Moosen und Algen zu verdauen, den es am Liebsten isst.

Fast unscheinbar biegt kurz hinter Tok der Taylor Highway vom Alaska Highway ab. Verpasst man die Abzweigung und vergisst umzudrehen, kommt die nächste Möglichkeit zum Abbiegen erst nach 600 Meilen.

Langsam kommen wir in höhere Lagen – hier hat es heute morgen ein wenig geschneit.

Unten ist Indian Summer, oben liegt der erste Schnee. Wir halten Ausschau nach Caribous, denn hier zieht um diese Zeit die größte Caribou-Herde Nordamerikas durch. Am Beginn der Straße war angeschrieben, dass seit gestern die Jagdsaison auf Caribous eröffnet ist, je Jäger der Abschuss eines Bullen erlaubt ist. Entsprechend viele Jäger sind hier unterwegs. Auf großen Anhängern an Ihren Trucks ziehen sie kleine Allradfahrzeuge mit, auf denen sie dann ins unwegsame Dickicht starten. Wir würden die Caribou jedoch lieber sehen, als erschießen.

Auf den ersten Meilen war der Taylor Highway noch asphaltiert, dann geht er über in eine Schotter- bzw. Permafrost-Piste, die aber gut zu fahren ist. Zum Glück, denn auf dieser Piste werden wir nun noch vier bis fünf Stunden unterwegs sein.

Einziger Ort auf dem Weg nach Dawson ist Chicken. Der Ort sollte ursprünglich Ptarmigan heißen, also Schneehuhn. Allerdings waren sich die Arbeiter beim Aufstellen des Ortsschilds nicht ganz sicher, wie man Ptarmigan schreibt, und haben den Ort doch einfach Chicken genannt.

„Ort“ ist natürlich wieder ein Euphemismus, aber hier leben doch im Sommer ein paar Dutzend Menschen. Beim Chickenstock Music Festival ist dann die Hölle los, die Bühne steht noch, aber das Festival war wohl eher im Sommer.

Der Saloon ist sehenswert, und im Chicken Creek Café decken wir uns mit frisch gebackenem Apple Pie und Keksen ein.

Der Saloon.

Hinter Chicken wird der Taylor Highway etwas ruppiger, aber die Fahrbahn ist trocken – bei Schlamm wird das hier schnell unpassierbar. Irgendwann gabelt sich die Straße, wir biegen ab auf den Top of the World Highway in Richtung Kanada. Und es ist verrückt: Hier haben die Amerikaner die letzten Meilen bis zur Grenze funkelnagelneu und perfekt geteert. Mitten im Nirgendwo, ein Stück 1a Straße, das von beiden Seiten nur über eine Schotterpiste erreichbar ist. Der Gedanke liegt nahe, dass man den Kanadiern einfach mal zeigen wollte, wie ein anständiger Highway aussieht.

Am Welcome to Alaska – Schild checken wir quasi aus, denn wir verlassen Alaska ja jetzt ersteinmal. Es ist hier oben schon recht frisch, das Schild als Windschutz sehr willkommen.

Noch eine Meile und wir erreichen die kanadische Grenze. Es ist der nördlichste Grenzübergang Nordamerikas, geöffnet Mitte Mai bis Mitte September von 8 bis 20 Uhr. Wir sind das einzige Auto weit und breit und die Grenzpolizistin zieht sich erstmal die Jacke über bevor sie zu uns ans Auto rauskommt und die Genehmigung zur Einreise erteilt. Wir fragen uns, was man angestellt haben muss, um an diesen Außenposten – zwei Stunden Fahrt bis zum nächsten Tausend-Seelen-Ort – versetzt zu werden. Oder zu dürfen? Wer weiß?

Hinter der Grenze gilt es erstmal allerlei einzustellen: Die Uhren eine Stunde vor, den Tacho von Meilen auf Kilometer, das Bordthermometer von Fahrenheit auf Celsius. Endlich wissen wir, dass es draußen offenbar 1 Grad plus hat.

Auch das Yukon Territory erwartet uns mit einem schönen Willkommensschild – nur das N liegt schon am Boden. Der Wind ist eisig, ich springe nach dem Foto sofort wieder zurück ins Auto … und …

… erspähe oben am Berg eine Gruppe von gut zwanzig Caribous!

Wenigstens die Nachzügler bekomme ich noch aufs Bild. Die Caribous sind in vollem Galopp unterwegs. Ein großartiger Anblick! Hoffentlich laufen sie nicht den Jägern in die Arme…

Wir halten Aussicht, ob noch weitere Tiere folgen, aber da kommt leider nichts mehr nach.

Der Top of the World Highway macht auf der kanadischen Seite wieder seinem Namen alle Ehre: Die Straße verläuft weitestgehend von Bergrücken zu Bergrücken, sodass man permanenten Ausblick in alle Himmelsrichtungen hat. Durch den Schnee ist die Piste hier etwas feucht, aber immer noch gut zu fahren – nur das Auto schaut jetzt nicht mehr ganz so aus, als hätten wir nur die vom Vermieter erlaubten befestigten Straßen gewählt…

Langsam nähern wir uns unserem Ziel.

Und da sind wir: Unter uns liegt die Goldgräber-Metropole Dawson City. Gut zu sehen, wir hier der dunkelbraune Klondike River in den eher hellbraunen Yukon fließt. Wir sind da!

Wir können sogar schon unser Hotel erspähen. In dem gelben Haus ganz am rechten Bildrand, hinter dem rechten oberen Fenster, sitze ich gerade auf dem Bett und tippe (und hoffe auf Nordlichter, aber das nur am Rande).

Jetzt gilt es nur noch, den Yukon zu überqueren. Die Fähre ist Teil des Highway und holt uns gratis ab. Es gibt kein Fährterminal oder so, als Rampe wird einfach mit dem Bulldozer Kies in den Fluss geschoben. Bei jeder Flut, vor allem im Frühjahr, wird der Fluss das alles mitnehmen und die Rampen müssen neu modelliert werden.

Die Fähre macht auch nicht fest, sondern hält einfach mit Motorkraft gegen den Strom, während wir drauf fahren. In wenigen Wochen wird der Yukon schon so viel Eis mitbringen, dass die Fähre dann aus dem Wasser gehoben und sicher geparkt wird. Ist der Fluss dann sicher zugefroren, so wird im Winter an dieser Stelle eine Eisbrücke errichtet, sprich: Das Eis wird zum Queren – auch für schwere Trucks – freigegeben.

Die Ankunft in Dawson City ist wie eine Rückkehr in die Zivilisation. Aber Moment. In welchem Jahrhundert sind wir hier angekommen? Mehr dazu morgen… Wir gehen jetzt erstmal einen Kaffee trinken.

Dawson City

Man nannte die Stadt auch das „Paris des Nordens“, denn die energiehungrige Goldsuche brachte schon die Elektrizität nach Dawson, Yukon, als andere Orte noch nicht einmal davon gehört hatten. Dawson war die Goldrausch-Boomtown schlechthin. 1898 lebten hier nur eine Hand voll Ureinwohner, als das erste Gold am Klondike River gefunden wurde. Nachdem diese Nachricht sich in Seattle und San Francisco verbreitet hatte, wollten nicht weniger als eine Million Menschen sich auf den Weg zur Goldsuche machen. Zu Zeiten der großen Wirtschaftskrise kein Wunder. Rund 100.000 machten sich dann tatsächlich auf den Weg. Davon erreichten nur die Hälfte ihr Ziel. Der Rest gab auf oder überlebte die Strapazen der Reise nicht. Für die meisten, die es geschafft hatten, war die Enttäuschung dennoch groß: Die Claims am Klondike waren längst abgesteckt. Viele kamen an – und drehten gleich wieder um. Aber 30.000 blieben.

Nach dem Goldrausch fiel die Einwohnerzahl rapide, aber Dawson wurde nie zur Geisterstadt. Heute leben hier rund 2.000 Menschen, das Durchschnittsalter liegt gar bei 30.

Bis auf die Front Street ist keine Straße im Ort asphaltiert. Dafür gibt es hölzerne Bürgersteige. Bei Trockenheit werden die Straßen gewässert – das reduziert den Staub, dafür wird’s matschig. Nach Regen müssen die Straßen mit schwerem Gerät wieder glatt gezogen werden.

Dawson ist staubig und ursprünglich. In unserem Hotel werden am Eingang die Schuhe ausgezogen, es stehen Schlappen für die Gäste bereit. Bei dem Sand und Matsch draußen eine gute Idee.

An den Autos erkennt man, wer woher kommt. Sauber: Kam aus Whitehorse auf dem geteerten Klondike Highway. Hinten komplett braun, Kennzeichen nicht mehr lesbar bzw. Farbe des Kennzeichens auch nicht mehr zu erkennen: Kam über den Top of the World Highway aus Anchorage oder Fairbanks. Komplett eingematscht, Farbe des Fahrzeugs nicht mehr erkennbar: Ist den Dempster Highway bis über den Polarkreis hinausgefahren, oder lebt hier.

Die SS Keno, ein Schaufelraddampfer, der sicher viele Male die lange Reise von Whitehorse nach Dawson, immer auf dem Yukon River, zurückgelegt hat, hat nun endgültig vor der Front Street festgemacht. Das Foto habe ich um 16 Uhr 59 aufgenommen. Um 11 Uhr und um 17 Uhr pfeift die SS Keno mit ihrer gewaltigen Dampfpfeife. Das jedoch wussten wir nicht. Ich sage nur: Ich hab‘ lang schon nicht mehr so laut geschrien. Und keiner hat’s gehört. Die restliche Müdigkeit von der Fahrt war jedenfalls vertrieben. Morgen 17 Uhr weiß ich Bescheid.

Dawson ist auf Permafrost gebaut, was auch ein Grund dafür ist, dass die Straßen nicht asphaltiert sind (und die Front Street extra mit besonders hellem Asphalt gedeckt wurde). Denn der Permafrost neigt zum Auftauen und das tut der Stadt gar nicht gut. Die ersten Jahre standen diese Häuser wie eine Eins auf dem Permafrost. Dann wurde man bequem und begann, die Gebäude zu beheizen. Das taute den Boden auf und die Häuser sanken langsam ein. Denn, taut der Boden auf, dann taut das darin eisförmig gespeicherte Wasser und der Boden verliert an Volumen – die Stadt versinkt.

Nachdem man dieses Problem erkannte, begann man, alle Häuser auf Sockeln zu bauen, unter denen die kalte Luft zirkulieren kann.

Viele der alten Gebäude gehören nun der kanadischen Nationalparkverwaltung und sind teilweise zugänglich. In anderen sind Läden, Restaurants und Hotels eingezogen. Trotzdem wirkt die Stadt richtig authentisch – als wäre die Zeit hier einfach stehen geblieben.

Auch so kann man im Yukon leben.

Die vielen Gebäude und Kirchen im Ort lassen erahnen, wie Dawson einst florierte.

Im Postamt haben wohl einige ihre Postfächer lange nicht mehr geleert. Die Post hatte seinerzeit einen höheren Bargelddurchsatz als irgendeine andere Filiale, selbst mehr als in den großen Städten. Die Goldsucher zahlten hier ihr Vermögen ein.

Wir besuchen einen alten Friedhof…

… und die Blockhütte des berüüühmten Dichters Robert Service (Bildungslücke meinerseits, sorry).

Wir besuchen auch die alte Zeitungsredaktion und -druckerei. Bevor es in Dawson eine eigene Zeitung gab, nahm man die Zeitungsseiten, die verwendet worden waren um Speck einzuschlagen, der über tausende Meilen hierher transportiert wurde, und las sie laut auf der Straße vor. Der Durst nach Nachrichten aus der Heimat war damals so groß, dass man bereit war, 25 Ct. zu bezahlen, um dabei zuhören zu dürfen!

Zum Essen gehen wir zu Kondike Kate’s, einer Institution in Dawson. Kräftig essen, denn morgen geht’s auf die Goldfelder!

Gold! Gold! Gold!

Mit dieser Headline hatte der Seattle Chronicle den Run zum Klondike ausgelöst. Die ersten Goldsucher waren mit den Taschen voll Gold zurückgekehrt und nun wollten alle ihr Glück versuchen. Einige haben bis heute nicht aufgegeben. Neben ein paar größeren Minen gibt es an Alaskas Goldadern noch viele hundert Einzelkämpfer. Schon auf unserer Fahrt Richtung Dawson, am 40 Mile River haben wir die ersten Goldsucher gesehen. Die Grundausstattung: Ein Bagger, ein Bulldozer, ein Gerät zum Einsaugen des Flusssandes. Alle Claims sind nach wie vor vergeben und aktiv. Einfach mal am Fluss ein wenig Goldschürfen – keine gute Idee. „Claim Jumping“ wird hart bestraft.

Es ist unglaublich, welche Infrastruktur 1898 in kürzester Zeit aufgebaut wurde, um die Goldsuche möglich zu machen. Kein Wunder, dass am Ende vor allem jene reich wurden, die den Prospektoren Transportdienste, Unterkunft, Waren und Werkzeuge verkauften. Im Grunde ist das heute auch noch so.

Nachdem die ersten Goldsucher noch mit Schaufel und Pfanne arbeiteten, kamen dann Investoren, die für teures Geld große Gerätschaften, sogenannte Dredges bauen ließen und mit diesen – ähnlich einem Braunkohlebagger – die Flussbette lückenlos durchwühlten. Die Größte davon – die Dredge No. 4 – ist heute ein National Monument, das wir nun besichtigen wollen.

Zwar waren die Claims zu dieser Zeit alle schon abgesteckt, und für die Dredge benötigte man eine ganze Menge Claims, natürlich alle nebeneinander. Aber da die Dredges kaum ein Körnchen Gold zurückließen, garantierten sie auch hohe Erträge. Das wiederum garantierte hohe Abgaben, und so war man gerne bereit den Betreibern der Dredges die entsprechenden Rechte zu verschaffen.

Außerdem schafften die Dredges längerfristig verlässliche Arbeitsplätze – während die Gold Miner von heute auf morgen zum nächsten Gold Rush weiterzogen, blieb eine Dredge für Jahre am gleichen Ort. Auch das sahen die Offiziellen in Dawson gern, denn die Stadt hatte gerade begonnen Fuß zu fassen – und man wusste von anderen Orten, wie schnell diese wieder zu Geisterstädten verwaisen können.

Das Baumaterial für die Dredge wurde komplett aus dem Süden herbeigeschafft. Benötigt wurden massive Balken, die aus den dünnen Bäumen hier im Norden nicht geschlagen werden konnten. Einige Zahnräder in der Dredge waren zu groß, um sie durch den Eisenbahntunnel über den White Pass, also über die kürzeste Route, zu befördern. Sie wurden daher einmal um halb Alaska herum- und den ganzen Yukon heraufgeschifft.

Die Dredge schaufelt vorne unentwegt Kies und Sand und Steine rein, die dann durch eine riesige, sich drehende Trommel von mehreren Metern Durchmesser hinunterrutschen. Das schwere Gold fällt durch die Löcher, wird dann über weitere Gitter gespült, bis es endlich in Kokosmatten hängenbleibt. Der ganze Rest wird hinten wieder ausgespien.

Das macht natürlich ganz schön Lärm. Die Dredge war über 50 Meilen weit zu hören. Wer auf der Dredge arbeitete. wurde in der Regel taub. Auf der Dredge selbst arbeiteten übrigens nur vier Mann. Weitere 400 waren drum herum mit dem Betrieb einer Dredge beschäftigt.

Bevor die Dredge loslegen konnte, musste der Boden vorbereitet werden, so wurde – anfangs mit Feuern, später mit heißem Dampf – zuerst der Permafrost-Boden aufgetaut und abgetragen, bis man zum Kies darunter vorstoßen konnte. Allein diese Vorbereitung dauerte bis zu drei Jahre.

Die Dredge No. 4 wurde gar elektrisch betrieben, dazu baute man Dämme und Kraftwerke oben am Fluss. Dawson City kam so zu dem Namen „Paris des Nordens“, denn die Stadt hatte schon elektrischen Strom, als andere noch nicht mal davon gelesen hatten.

Die Dredge durchpflügt also die Landschaft und gräbt sie dabei einmal komplett um. Die Dredge No. 4 liegt am Bonanza River, einem Zufluss des Klondike. Alle Flüsse hier wurden also schon ein Mal komplett, viele Meter tief umgegraben. Und werden heute von professionellen Goldsuchern ein zweites Mal umgegraben, denn die Dredge könnte ja etwas ausgelassen haben.

Auf fremden Claims zu schürfen ist also keine gute Idee. Aber einen Claim hat die Klondike Visitors Association, quasi das „Fremdenverkehrsamt“ von Dawson, gekauft. Hier dürften Besucher bis zu drei Tage Gold suchen – jedoch nur mit Schaufeln und Goldpfannen. Sonst ist alles erlaubt – nur die Straße darf nicht abgetragen oder untergraben werden.

Der Boden sieht hier aus wie Schweizer Käse, jeder hat mal irgendwo ein Loch gegraben. Ich bediene mich mangels Spaten an einem schönen, großen, frischen Loch.

Aaah! Ob da Gold dabei ist?

Mit dem Dreck in der Hand geht es dann an den Fluss. Hätte ich jetzt eine Goldpfanne dabei, so wie diese japanische Reisegruppe, könnte ich sofort loslegen und schnell reich werden! Aber bei fünf Grad Wassertemperatur hab‘ ich mir die Klunker dann lieber doch im Museum angeschaut…

Am Abend gönnen wir uns einen leckeren Burger bei Kondike Kate’s.

Letztlich zieht es uns dahin, wo alle Goldsucher nach beschwerlicher Arbeit Ihren Tageslohn hintragen: Ins Casino.

Bei Diamond Tooth Gertie’s stehen nicht nur Spieltische, hier tritt auch jeden Abend Gertie mit ihren Girls auf.

Die Show war klasse, aber nach dem harten Goldschürfen müssen die beiden Goldsucher jetzt in die Falle.

Quer durchs Yukon

Wir verlassen Dawson – auch wenn wir gerne noch länger geblieben wären – auf dem Klondike Highway Richtung Süden. Da nur Wenige den langen Weg hinauf nach Dawson in Kauf nehmen, ist der Highway entsprechend leer und wir fixieren immer das Unterholz rechts und links der Straße, in der Hoffnung auf Moose oder Bären. Aber wahrscheinlich hätten wir uns irgendwo ankündigen müssen – sie haben heute offenbar vergessen, die Moose rauszuschicken. Das ist das einzige Moose, das wir unterwegs erspähen konnten – leider steckt es in einer alten Karre fest:

Die Fahrt ist laaaang. Im ersten Teil geht es noch schön kurvig durchs gelb-orangene Laub, dann ziemlich geradeaus. Immerhin bieten uns ein paar kilometerlange Baustellen etwas Abwechslung…

Unterwegs ein Stopp an den Ruinen eines alten Roadhouses. Früher gab es die alle 20-50 Kilometer, um die Reisenden nach jeder Tagesetappe zu beherbergen und zu versorgen.

Endlich erreichen wir Whitehorse. Hier lebt etwa die Hälfte von Yukon’s gesamter Einwohnerschaft: Rund 25.000 Menschen. Viel ist das ja nicht. Wir fahren als Erstes mal Autowaschen – nie hätte ich gedacht, dass ich jemals freiwillig ein Mietauto waschen würde, aber die Schlammkruste war einfach zu dick.

Lange Fahrt – großer Hunger: Wir kehren ein bei Klondike Rib & Salmon. Best Ribs in Town, das sag ich Euch!

Am nächsten Morgen besichtigen wir noch die SS Klondike, die hier für immer vor Anker liegt.

Und wir wandern vom Miles Canyon – einer Engstelle mit entsprechenden Stromschnellen am oberen Yukon – nach Canyon City. In Canyon City wurden früher die Boote entladen, die Ladung wurde auf einer Pferdetram über den Berg gezogen. Nur zertifizierte Lotsen durften die Boote dann durch den Canyon fahren, hinter dem sie wieder beladen wurden. Von Canyon City ist heute nichts mehr zu sehen, die Natur hat sich alles zurückgeholt.

Letztlich brechen wir auf in Richtung Skagway.

Über den White Pass nach Skagway

Nach unserer Wanderung in der Morgensonne starten wir bei fabelhaftem Wetter die Fahrt über den White Pass hinunter nach Skagway. Unser erster Halt gilt dem Emerald Lake mit seiner tollen Farbe.

Kurz danach durchstreifen wir die Carcross Desert – eine 260 ha große Mini-Wüste. Auch soetwas gibt es hier.

In Carcross haben die Natives ihre Shops bunt bemalt und hier gibt es den besten Kaffee seit 2000 Meilen!

Weiter geht’s durch traumhafte Täler mit Blick auf verschneite und vergletscherte Berge.

Wohin man blickt, man sieht das Laub mal in leuchtendem Grün, dann in strahlendem Gelb.

Letztlich erreichen wir das Hochplateau am Pass. Hier ist auch die kanadisch-amerikanische Grenze.

Der Grenzübergang selbst befindet sich erst einige Meilen nach der Grenze, sodass die Grenzer es nicht ganz so weit nach Hause haben. Der Officer ist freundlich, lacht sogar über Scherze, holt dann aber noch einen Kollegen herbei und schließt mit ernstem Blick und einem „One moment, please“ erstmal die Türe. Lange debattieren die beiden und uns wird schon etwas mulmig. Dabei haben wir doch brav unsere Tomaten und Bananen deklariert… Letztlich geht die Türe wieder auf und wir erhalten unsere Pässe zurück und dürfen weiterfahren. Puh.

Hinter der Grenze heißt es wieder: Uhr eine Stunde zurück stellen, Tacho von Kilometer auf Meilen. Doch es ist ohnehin nicht mehr weit bis in den Ort, egal ob Kilometer oder Meilen.

Unten in Skagway tobt das Leben. Vier dicke Schiffe liegen im Hafen und einige tausend Kreuzfahrer strömen durch den Ort.

Skagway war der erste Anlaufpunkt all jener Goldsucher, die zuerst mit dem Schiff die Inside Passage genommen haben und dann hier an Land gegangen sind. Es gibt viele hübsche, gut erhaltene Häuser aus dieser Zeit. Die meisten Läden darin leben nun davon, die Kreuzfahrtgäste zu mästen und danach mit neuen XXL-T-Shirts auszustatten. Bei vielen Kreuzfahrttouristen scheint überdies das Budget noch teure Schmuckkäufe herzugeben: Jeder zweite Laden ist ein Juwelier. Nun ja.

Wir finden viel Besseres als Juwelen: Dough Boys, auch bekannt als Elephantenohren!

Im mit Treibholz verkleideten ehemaligen Clubhaus der Arktischen Brüderschaft ist heute das Visitor Center untergebracht.

Nachdem wir alles kreuz und quer durchbummelt haben, gehen wir in den Motorboothafen zur Skagway Fish Company. In Whitehorse war es gestern noch fünf Grad kalt. Hätte ich da gesagt, dass wir heute Abend draußen essen würden, Simone hätte mich für verrückt erklärt. Aber in Skagway ist das Thermometer heute auf glatte 20 Grad geklettert und wir genießen in der Abendsonne …

… leckeren Lachs und Monstergarnelen.

Beim Abendspaziergang ist der Ort dann praktisch ausgestorben. Die Schifffahrer sind wieder auf ihren Pötten, die nacheinander den Hafen verlassen. Über Nacht bleibt hier kein Schiff und kaum ein Mensch. Nur im Red Onion Saloon ist noch was los, aber wir sind zu k.o. für heute. Letztlich sind wir die beiden vorhergehenden Nächte jeweils um 1 Uhr nachts kurz aufgestanden, um nach Nordlichtern zu sehen – doch immer war der Himmel bewölkt. Also, ab in die Falle. Sollen wir wirklich wieder den Wecker auf 1 Uhr stellen?

Aurora Borealis

Wir sind uns einig: Noch eine Nacht schlagen wir uns nicht um die Ohren. Die Chance auf Nordlichter wäre aktuell relativ hoch, aber all die Tage war der Himmel nachts bedeckt. Heute wäre es etwas klarer, aber sieht man aus dem engen Talkessel hier überhaupt etwas?

Kurz vor elf Uhr, wir sind noch wach, hören wir draußen eine Menge Betrunkener rumgrölen. Muss das jetzt sein? Sicherheitshalber schaue ich mal kurz aus dem Fenster und sehe sofort den grünlichen Schleier am Himmel! Nordlichter!!

Also ganz flott die dicksten Sachen über den Schlafanzug ziehen, die auf die Schnelle zu finden sind, und ab nach draußen!

Am Nordhimmel sehen wir sie tanzen! Normalerweise sind die Nordlichter grün, aber wenn sie sehr intensiv sind, dann werden sie rötlich, lila, blau.

Meine Fotos sind etwas mäßig, da ich nicht wirklich vorbereitet war und einfach aus der Hand knipsen musste. Nachdem die heftigen Lichter richtig über dem Himmel tanzten, pausieren sie erstmal, aber immer ist ein leichter grüner Schatten zu sehen, der sich laufend leicht verändert.

Dann geht wieder das ganz große Schauspiel los.

Es ist unfassbar beeindruckend und unter den zwei Dutzend Hotelgästen, die auch herausgelaufen sind, herrscht eine Stimmung wie an Sylvester.

Noch ein paar von meinen verwackelten Bildern:

Glücklich fallen wir ins Bett und schlafen sofort ein.

Skagway

Heute lassen wir uns erstmal in einem einstündigen Stadtspaziergang mit dem Ranger in die Geschichte Skagways einweihen. Denn der ganze Ort ist praktisch ein National Monument, einige Häuser sind einfach so zu besichtigen, in anderen sind Geschäfte drin.

Skagway wurde besiedelt von einem vorausschauenden Deutschen: Captain Moore aus Emden. Der Captain hielt diesen Ort am Ende eines langen Fjords perfekt für einen Hafen. Dahinter bot der White Pass einen realistischen Weg über die Berge. Captain Moore ahnte, dass es nach all den Goldfunden unten in Kalifornien irgendwann auch hier oben einen Goldrausch geben würde und sein Plan war, den Hafen, den Weg über den Pass und den Ort Skagway so auszubauen, dass alles bereit war, für den Gold Rush. Eine spannende Wette, und gewissermaßen ging sie tatsächlich auf, gewissermaßen aber auch nicht.

Der Captain erwarb also all das Land in Skagway, baute den Hafen aus und begann den Weg über den White Pass – also einen Pferde-Trail – anzulegen. Tatsächlich fand man das Gold am Klondike und die Scharen machten sich auf den Weg ‚gen Norden. Skagway wurde über Nacht zur Zeltstadt. Es war Captain Moores Stunde: Sein Hafen war bereit, sein Ort, sein Weg über die Berge. Aber die Angekommenen ignorierten ihn einfach. Besiedelten einfach Captain Moores land, schlugen Zelte auf, benutzten Hafen und Pass ohne Moore irgendwelche Abgaben zu bezahlen.

Während die Rockie Mounted Police zu dieser Zeit im kanadischen Yukon zuverlässig für Recht und Ordnung sorgte, war Alaska ein gesetzloser Raum. Okay, die amerikanischen Gesetze galten schon, aber keiner war da, der sie durchsetzen würde.

Jahre später erstritt der enteignete Moore dann vor Gericht einen Schadenersatz, allerdings ließ sich nur ein Bruchteil davon noch eintreiben. Denn die Gesetzesbrecher waren alle schon lang weitergezogen und nicht mehr aufzuspüren.

Vor Captain Moores Blockhaus endet unsere Walking Tour.

Den Gold Rush Cemetery im Wald hinter dem Ort müssen wir natürlich auch noch besuchen. Hier liegt Jefferson „Soapy“ Smith in einem einfachen Grab. „Soapy“ war ein Ganove, der lange den Ort terrorisierte. Praktisch der Erfinder des Enkeltricks, neppte er z.B. die Goldsucher mit gefälschten Telegrammen aus der Heimat, sodass diese Geld an die Familie überwiesen, das tatsächlich dort nie ankam.

In einem Pistolenduell am Morgen des 8. Juli 1898 erschoss ein Frank Reid den Ganoven Smith und wird seither als Erlöser der Stadt gefeiert. Jedoch erlag auch Reid nach zwölf Tagen seiner Verletzung von dem Duell.

Einige namenlose Gräber gibt es auch, so das eines Mannes, der mit mehreren Kilo Dynamit und einer Pistole in die Bank gestürmt kam, beim Ziehen der Waffe aber einen Schuss auslöste, der wiederum das Dynamit auslöste. Da blieb nicht viel übrig, um den Gangster zu identifizieren.

Das größte Grab hatte Frank Reid, der Erlöser der Stadt, erhalten.

Auch einige unehrenhafte Damen aus dem Red Onion Saloon liegen auf dem Friedhof begraben. Etwas am Rand – die Beerdigung war spärlich – aber viele weinten um sie…

Das Gewerbe scheint immer noch zu florieren. Oder, naja, die Touristen bevorzugen Can-Can-Shows im Stundentakt, für die hier geworben wird. Die Abendveranstaltungen finden in Skagway um 10 Uhr 30 statt, denn abends sind die Kreuzfahrer ja schon wieder auf und davon.

Wir checken nun auch ein für unsere „Kreuzfahrt“. Auf der MS Malaspina überqueren wir das Chilkoot Inlet nach Haines. Diesmal lässt uns die Fähre glücklicherweise nicht im Stich.

Bärenhunger

Nach der einstündigen Fährfahrt nach Haines lassen wir den Ort erstmal links liegen und fahren direkt an den Chilkoot River, denn hier sollen auch öfters Bären zum Fischen hinkommen, und wir sind wahrlich bärenhungrig!

Auf der Brücke über den Fluss treffen wir ein sehr nettes holländisches Paar, das gleich seine gesamte Erfahrung aus drei Tagen Wildbeobachtung am Chilkoot River mit uns teilt. So wissen wir, wo die Chancen gut sein dürften, Bären zu sehen.

Von der Brücke aus beobachten wir erstmal Seehunde beim Fischen. Es sind locker zehn Stück. Konzentriert stehen sie in der Strömung und schnappen sich einen Fisch nach dem Anderen.

Ebenso erspähen wir einen Weißkopfseeadler, der über der Szenerie wacht.

Die Holländer fahren weiter, wir folgen ihnen mal unauffällig. Und keine hundert Meter flussaufwärts …

… fischt am gegenüberliegenden Ufer ein mächtiger Braunbär!

Der Bär verschwindet schon bald im Wald.

Wir sind schonmal unglaublich happy, ihn gesehen zu haben, so kurz, wie er nur da war.

Außerdem ist es doch ideal: Der Bär am anderen Ufer, wir in sicherer Entfernung und das Auto gleich hinter uns.

Wir fahren erstmal weiter bis zum Chilkoot Lake, dort gibt es weitere Weißkopfseeadler zu beobachten, und Fische, die einen halben Meter hoch aus dem Wasser springen – vielleicht um sich Fliegen einzuverleiben.

Wir machen uns wieder auf den Rückweg, am Fluss entlang.

Hinter einer Kurve sehen wir dann dieses Bild:

Es ist tatsächlich eine Bärenmama mit ihrem Kleinen!

Mama fischt, Junior darf mitessen.

Die Bären sind um diese Jahreszeit noch echte Feinschmecker. Es gibt Lachse im Überfluss. Die Bärin zieht ausschließlich weibliche Lachse aus dem Fluss und gegessen wird nur der Rogen. Der Rest bleibt für die Krähen. In ein paar Wochen werden die Bären dann nicht mehr so wählerisch sein.

Und weil es noch besser geht als Bärenmama mit einem Kleinen, kommt noch ein zweites Junges hinzu. Der zweite Kleine ist schon etwas selbstständiger – entfernt sich weiter von der Mutter und fischt auch schon allein. Die kleinen Braunbären sind noch richtig schwarz, haben dafür weiße Flecken an den Schultern.

Was für ein Erlebnis!

Lange schauen wir den Bären noch zu, es ist wunderschön.

Dann übermannt auch uns ein Bärenhunger. Wir fahren nach Haines ins urige Fireweed Restaurant, in dem es dank Pizzaofen schön warm ist. Die Pizza schmeckt bärig.

Von Haines nach Haines Junction

Heute machen wir erstmal Halt am Besucherzentrum der Bald Eagle Preserve in Haines. Hier gibt es allerlei ausgestopfte und nicht ausgestopfte Dickschädel zu bewundern.

Aber das eigentliche Highlight sind die beiden Weißkopfseeadler, die hier aufgepäppelt werden. Einer hatte einen Unfall mit einem Truck. Wir lernen: Wer Apfelbutzen aus dem Fenster wirft, kann schnell einen Bald Eagle auf dem Gewissen haben. Denn die Vögel kommen dann nah an den Highway, um das Weggeworfene zu fressen und laufen Gefahr, unter die Räder zu kommen. Der andere hat aufgrund der Spannweite seiner Flügel einen Kurzschluss zwischen zwei Hochspannungsleitungen produziert, was ihm nicht so gut bekam.

Aus der Nähe lässt sich der Adler natürlich viel besser fotografieren, als in der Natur. Auch wenn ich mein erstes Foto etwas verwackelt habe – in genau dem Moment fingen nämlich beide wie irre an zu schreien, und der Adlerschrei ist nicht von schlechten Eltern. Hier hat er sich schon wieder gefangen:

Es geht weiter Richtung Norden. Wir reisen wieder aus den USA aus und nach Kanada ein. Uhr vorstellen, Tacho umstellen.

Beim 33 Mile Roadhouse stoppen wir, um eine Kaffee zu holen. Es ist ein uriges altes Blockhaus mit Skihüttenatmosphäre.

Erst zehn Meilen später fällt mir auf, dass ich ins 33 Mile Roadhouse hineingegangen war, um Kaffee zu holen – herausgekommen bin ich aber mit zwei Stück Kuchen. Und ohne Kaffee…

Die weitere Strecke ist trotz mäßigem Wetter faszinierend. Ich nenne sie die „Fahrt durch die Highlands“.

Die Herbstfarben sind einfach überall. Selbst bei leichtem Nieselregen hat man beim Blick auf das Laub oft den Eindruck, die Sonne scheint. Ich weiß, in Alaska muss man sich das Wetter auch mal schönreden…

Da Bewegung gut tut und der Regen aufgehört hat, starten wir zu einer kleinen Wanderung im Kluane National Park. Der Nationalpark ist halb so groß wie die ganze Schweiz. Für Tageswanderer gibt es nur ein paar kleine Touren, ansonsten ist man mehrtägig unterwegs oder lässt sich mit dem Flugzeug auf einem der Gletscher absetzen. Das haben wir nun wahrlich nicht vor, also halten wir uns an die kurzen Routen.

Unser Ziel ist ein sogenannter Rock Glacier. Das ist kein Gletscher, sondern ein Schotterfeld, das von einem Gletscher erzeugt wurde – und auch jetzt noch den Berg hinabfließt wie ein Gletscher. Nur halt noch eine Nummer langsamer. Zuerst geht es auf Boardwalks über ein Hochmoor.

Vom Rock Glacier aus haben wir einen schönen Blick hinab ins Tal und auf die Seen dort unten.

Der Weg ist etwas anstrengend, da die Steine oft recht wackelig sind und man quasi einen Haufen aus spitzen Steinen hinaufstakst.

Oben angekommen haben kluge Wanderer aus den Felsbrocken schon Sonnenstühle gebaut.

Wir genießen den Ausblick bevor wir uns wieder an den Abstieg machen.

Bis nach Haines Junction ist es jetzt nicht mehr weit, hier mündet der Haines Highway in den Alaska Highway. An der Kreuzung ist ein kleiner „Ort“ entstanden. Zum Essen gehen gibt es hier zwei Alternativen: Frostie’s hat sich auf alles spezialisiert, was man auftauen kann. Im Raven Hotel soll es hingegen ausgezeichnete Küche geben. Der Koch soll aus Vancouver kommen – mondän!

Wir reservieren also einen Tisch im Raven. Mit ach und krach klappt das, wenn auch erst etwas später als erhofft. Das kleine Hotel hat vielleicht acht Zimmer. Die Rezeptionistin schickt uns erstmal auf die Wartecouch und will oben im Restaurant nachfragen, ob unser Tisch schon bereit ist. Nach einigen Minuten verkündet sie, man sei jetzt bereit uns zu empfangen und zeigt uns den Weg ins Restaurant im ersten Stock. Dann folgt sie uns – es stellt sich heraus, das sie nun auch unsere Bedienung ist. Das Restaurant hat etwa zehn Tische, von denen drei besetzt sind. Die Präsentation der Speisekarte zieht sich etwas – es werden nicht etwa noch die Specials des Tages zusätzlich aufgezählt, sondern was alles heute aus ist.

Allerdings klingt der Rest auf der Speisekarte trotzdem lecker. Und unser Essen ist letztlich ausgezeichnet, sicher eines der besten Essen auf der ganzen Reise! Sogar zu einem Nachtisch lassen wir uns hinreißen…

Wir erhalten dann die Rechnung mit den Hinweis, wir möchten bitte unten im Erdgeschoss zahlen. Wir gehen hinunter, dort wartet auch schon unsere Bedienung – nun wieder als Rezeptionistin auf uns und wir dürfen zahlen…

Es ist irgendwie lustig – als würde hier mitten in der Wildnis jemand versuchen, Zivilisation zu spielen… Aber lecker war’s!

Zurück nach Tok

Am Morgen regnet es in Tok ein wenig, wir lassen den Tag gemütlich angehen. Dafür frühstücken wir ausgiebig – unser Zimmer hat eine kleine Küche und die Vermieterin hat uns das Frühstück inklusive Eiern zum Selberbraten in den Kühlschrank gestellt.

Heute steht uns leider eine laaaange Rückfahrt in den Norden bevor. Davor möchten wir uns zumindest ein wenig die Beine vertreten. Nach dem Frühstück marschieren wir also ein Stück am Dezedash River entlang auf einem netten Wanderweg, der durch die Flussauen führt. Nachdem wir mehrere frische Bärenspuren sehen – u.a. hat er im Moos gewühlt, einen morschen Baum ungestoßen und einen riesigen Scheißhaufen hinterlassen – kommen wir noch an eine Stelle mit deutlichen frischen Fußspuren, bei denen vor allem das Kratzen der Krallen zu erkennen ist. An dem Punkt entscheiden wir uns dann zur Umkehr. Bären gucken immer gerne. Vom Bären gefressen werden nicht so.

Sehen wir uns lieber die feuerroten Pflanzen am Fluss an.

Und diese Lichtung am Ufer, die Kollege Biber freundlicherweise gerade für uns gerodet hat.

Dann geht es los auf dem Alaska Highway – wie immer durch fantastisch bunten Laubwald.

Einen kurzen Stopp legen wir beim Visitor Center des Kluane National Park ein, wo die Ranger freundlicherweise starke Ferngläser rausgestellt haben, sodass wir schneeweiße Dallschafe oben am Steilhang beobachten können. Man wird echt zum Tierkenner hier…

Zum Lunch haben wir uns in der Village Bakery ein paar tellergroße Scones mitgenommen.

Der Highway ist zeitweise in einem recht erbärmlichen Zustand. Kurz vor der Grenze übersehen wir ein Schlagloch, das die Stossdämpfer bis zum Anschlag durchschlagen lässt. Aber unsere Karre ist mittlerweile schon ganz gut was gewöhnt.

Letztlich erreichen wir die kanadisch-U.S.-amerikanische Grenze. Uhr eine Stunde zurück, Tacho auf Meilen. Man gewöhnt sich dran. Okay, in der Village Bakery habe ich heute morgen versehentlich mit der falschen Währung bezahlt. Die kennen das aber offenbar und haben mit einfach kommentarlos in kanadischen Dollar rausgegeben.

Die Grenze verläuft entlang des 141. Längengrades und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in einer aufwändigen und bedingt sinnvollen Aktion auf einer Breite von 6 Metern gerodet. Der Grenzstreifen ist bei genauem Hinsehen bis zum Horizont erkennbar.

Die Amis haben uns diesmal anstandsfrei wieder reingelassen, wir folgen dem Alaska Highway bis nach Tok.

In der Ferne die Berge, links und rechts der Straße: Goldenes Laub wohin wir blicken.

In Tok waren wir vor einer Woche schon einmal – hier liegt der Kreuzungspunkt der „Acht“, die wir fahren. Kurz hinter dem Ortsausgang hatten wir damals ein Moose mit seinem Kleinen gesehen. Wir suchen konzentriert den Straßenrand ab, vielleicht sind sie ja wieder hier. Ja, da sind die Beiden:

Nachdem wir wieder unser superschönes Cabin im Wald bezogen haben, geht es wie gehabt zu Fast Eddy’s, dem einzigen signifikanten Restaurant in Tok. Letzte Woche mag mir hier ein kleiner Faux Pas passiert sein. Eigentlich wollte ich die nicht ganz schlanke Bedienung fragen, ob sie eher den Burger, oder die Ribs empfiehlt. Daraus wurde dann aber ein „Can you recommend your ribs?“, also habe ich sie letztlich gefragt, ob sie mir ihre Rippen empfehlen kann. Naja, sie hat drüber weg gelächelt… Ach so: Sowohl die Ribs, als auch der Burger waren ganz lecker!

Nach Fairbanks mit Zwischenstopp am Nordpol

In den USA ist heute Labour Day, einer der wenigen Feiertage, die das Land so kennt. Das hat zwei Vorteile: Früh morgens ist kaum jemand unterwegs. Und alle Baustellen machen Pause – keine Flagger, keine Warterei auf das Pilot Car!

Wir legen Johnny Cash auf und donnern weiter ‚gen Norden.

Wo Moosewarnschilder vor Moose warnen, ward selten ein Moose gesehen. Aber dieses hier ist wenigstens noch nicht zerschossen. Denn die gelegentlichen Schilder „No shooting from roadway“ werden auf dem Land nicht so ernst genommen.

Ein anständiger Amerikaner hat immer seinen Hund dabei. Und amerikanische Hunde lieben eines: Fahrtwind! Kaum eine Ladefläche eines Pickup-Trucks, auf dem kein Hund sitzt und den Kopf in den Wind hält. Möglicherweise werden die Trucks gleich mit Hund verkauft? Steht „Fahren ohne Hund“ vielleicht gar unter Strafe?

Unser erster Stopp gilt einem der meistfotografierten Punkte Alaskas: Dem offiziellen Ende des Alaska Highway. Der über 2000 Kilometer lange Highway wurde während des Zweiten Weltkriegs von Pionieren in Rekordzeit erbaut, um bereit zu sein, falls der Russe rüberkommt. Oder der Japaner. Beides trat nicht ein, und so wurde der Alaska Highway einige Jahre später für die Öffentlichkeit freigegeben.

Bei blendendem Sonnenschein haben wir einen tollen Blick auf die stets verschneite Alaska Range.

Einen zweiten Halt machen wir an einem alten Roadhouse am Richardson Highway.

Der Tresor wurde wohl nicht mehr gebraucht.

Hinter dem Roadhouse überquert die Trans Alaska Pipeline den Tanana River.

So mancher ist hier schon liegengeblieben.

Hier wird ausnahmsweise mal davor gewarnt, dass der sonst asphaltierte Highway gleich in Schotter übergeht. Oft sind die Schotterstücke in besserem Zustand, als die asphaltierten. Der Highway ist ja auf Permafrost gebaut, und damit hatte man in den Vierzigern leider noch nicht so viel Erfahrung. Fehlt ausreichende Isolation unter dem Fahrbahnbelag, dann schmilzt darunter bei Sonne der Permafrost und die Straße sackt ab.

Wir halten uns weiterhin nordwärts.

Doch was ist das? Sind wir jetzt etwa schon zu weit nach Norden gefahren?

Nein, das Städtchen Northpole liegt vor den Toren Fairbanks und hatte sich vor einigen Jahrzehnten in Northpole umbenannt, in der Hoffnung, große Spielzeugfirmen würden sich ansiedeln. Daraus wurde nichts, aber es gibt dafür einen ganzjährig geöffneten Christmas-Store, in dem man sich mit dem leibhaftigen Santa Claus fotografieren lassen kann.

Dieser Santa hingegen sieht aus wie ein Psycho und wurde aus gutem Grund hinter Gitter gesetzt.

Tatsächlich schreiben jährlich hunderttausende Kinder an den Weihnachtsmann, der nach bewährtem CocaCola-Glauben am Nordpol wohnt, einen Rentier-getriebenen Schlitten fährt und sich 364 Tage im Jahr von seinen Elfen verwöhnen lässt.

Zurück im September erreichen wir schließlich Fairbanks, die nördlichste Großstadt des Kontinents.

Da die Stadt heute am Feiertag wie ausgestorben ist, besuchen wir den botanischen Garten der Universität von Fairbanks. Hier oben im Norden wachsen im Sommer Kohlköpfe monströser Größe – bis zu 48 Kilo schwer! Der Sommer ist kurz, aber die Tage bieten bis zu 21 Stunden Sonnenschein!

Jetzt im September verliert Fairbanks übrigens eine Stunde Tageslicht – pro Woche! Im Juni scheint die Sonne 21 Stunden lang, im Dezember nur noch für dreieinhalb Stunden.

Aktuell ist es noch ganz angenehm: Nach dem Abendessen um neun Uhr können wir noch einen schönen halbstündigen Spaziergang am Chena River machen und erst danach setzt die Dämmerung ein. Gute Nacht!

Fairbanks

Tja, Fairbanks. Vielleicht lag es daran, dass die Hauptstraße gerade umgegraben wird, aber wir konnten uns mit der Stadt nicht recht anfreunden. Im Zentrum gibt es eigentlich nichts, außer ein paar hundert Meter hübschem Spazierweg am Fluss und einem sehr schön gestalteten Besucherzentrum. Immerhin haben wir einen spitzenmäßigen Coffee Shop gefunden, zu dem man aber drei Meilen mit dem Auto fahren musste.

In Ermangelung von Alternativen – und weil wir heute mal keine weiteren Strecken fahren wollten – klappern wir nach einem ernüchternden Rundgang durch Downtown also erstmal die Museen ab. Das Besucherzentrum, wie gesagt, ganz prima. Dann das Eismuseum: In Fairbanks findet im Winter ein überregionaler Ice Carving Contest statt, bei dem riesige, aufwändigste Skulpturen aus dem Eis gearbeitet werden. Im Eismuseum, das in einem alten Theater untergebracht ist, wird zuerst eine Diashow von dieser Veranstaltung vorgeführt. Soweit, so gut. Allerdings höchstens zehn Grad warm hier drin.

Dann geht das Licht an – ach, was sage ich – die Lichter gehen an (nämlich in allen bunten Farben) und in tiefgekühlten Glaskästen rund um das Theater werden ein halbes Dutzend verschmolzene Eisklötze sichtbar, die möglicherweise am Anfang der Saison mal Bären, Hunde und Elche dargestellt haben. Wir dürfen nun zwanzig Minuten lang in den Kühlschrank reingehen und überall unsere Köpfe durch die vorgesehen Löcher im bunt strahlenden Eis durchstecken und entsprechende Fotos machen. Nach fünf Minuten haben wir die Sache abgehakt und warten auf den nächsten Programmpunkt: Andy zeigt uns wie Eisskulpturen hergestellt werden.

Kurz zusammengefasst: Andy nimmt Bohrmaschine, Andy macht zwei Minuten brumm brumm, Andy verbeugt sich, Andy ist fertig. Andy nimmt Trinkgeld entgegen. Was für ein Bullshit.

Gut, Eismuseum war nix außer kalt, wir gehen zum Auftauen in die Sonne. Am Creamers Field – einem Feld, das heute ein Vogelschutzgebiet ist – machen Kanadagänse Rast auf dem Weg in den Süden. Am Abend sieht man sie dann gruppenweise starten und im Formationsflug ihre Reise antreten.

Dann entscheiden wir uns eine dreistündige Flusskreuzfahrt auf einem riesigen, vierstöckigen Schaufelraddampfer, der MS Discovery III, auf dem Chena River zu machen. Mindestens zwölf Touristenbusse wurden schon im Gift Shop abgeladen und warten aufs Boarding – wir lassen uns davon aber nicht abhalten, da müssen wir jetzt durch.

Die Fahrt ist perfekt gemachtes amerikanisches Entertainment – aber trotzdem ziemlich interessant. Gleich als ersten Programmpunkt startet und landet neben uns ein Wasserflugzeug, und der Pilot wird per Funk auf die Lautsprecher an Bord der MS Discovery durchgeschaltet. Da essen wir gerade unsere mitgebrachten Wraps, so schnell hat der Pilot schon wieder abgehoben und fliegt davon.

Wir schippern nun den Fluss entlang, vorbei an traumhaften Villen und kleinen Blockhäusern in allerbester Wohnlage.

Einen Stopp machen wir bei den Schlittenhunden von Susan Butcher, der einzigen Frau, die vier mal das Iditarod Schlittenhunderennen gewonnen hat. Susan ist leider schon verstorben, aber ihr Mann David ist ebenfalls Musher, also Schlittenhundeführer, und zeigt uns vom Ufer aus seine Hunde. Bei dem wilden Gekläffe ist er kaum zu verstehen – die Hunde mit Gespann vor ihm sind schon wie verrückt am ziehen, und alle Hunde, die hinten im Kennel verblieben sind, machen einen genauso großen Lärm, weil sie eben auch gerne eine Runde rennen würden. Letztlich springt David auf das Wägelchen mit den dicken Reifen, dem Schlittenersatz für den Sommer, und das ganze Gespann saust wie ein Pfeil davon. Eine Weile später sind alle wieder da und die Hunde dürfen sofort zur Abkühlung in den Fluss.

Dass Butcher’s Kennel direkt am Fluss liegt ist für uns auf dem Boot natürlich sehr praktisch, hat aber einen anderen Grund: Im Winter ist der Chena River ja zugefroren und so kann man mit dem Schlitten direkt auf dem Fluss zu Rundfahrten starten.

Nächster Halt unserer Kreuzfahrt ist ein rekonstruiertes Indianerdorf. Hier läuft ein Fischrad, das zur Zeit des Lachsauftriebs den Salmon im Akkord aus dem Fluss fischt. Nur die Nachfahren der Ureinwohner dürfen heute auf diese Weise fischen.

Dann fahren wir an einer Gruppe Rentiere vorbei, die extra für uns in ein Gehege am Ufer gelassen werden. Wir lernen, dass Rentiere domestizierte Caribou sind!

Am Zusammenfluss des Chena River mit dem Tanana River drehen wir schließlich um.

Ashley führt uns jetzt vor, wie ihre Vorfahren – sie hat auch einen Namen auf eskimonisch, aber den konnte ich mir nicht merken – den Lachs filetierten und erst zum Trocknen an die Luft, dann im Smoke House zum Räuchern aufhängten.

Wir werden danach zum Bummel in das Museumsdorf entlassen, wo Ashley uns noch eine reich geschmückte Eskimotracht vorführt.

Pelze von Wolf, Kojote, Wolverine (Vielfraß, letztes Jahr in Kanada eines gesehen!), Rot- bis Polarfuchs und oben links vom Bieber, sowie rechts vom Hermelin bekommen wir erklärt.

Auch ein paar Schlittenhunde wohnen hier. Choofa ist etwas müde.

Und er hier wirkt etwas betrunken.

Der Lachs in der Räucherkammer hält die Hunde über den Winter satt.

Nach dem kurzen Besuch auf der Insel legt unser Dampfer wieder ab. Das war alles perfekt durchgetaktet – aber letztlich auch ziemlich interessant.

Mehr hat Fairbanks heute nicht mehr für uns zu bieten. Achso, doch: Wir haben ganz lecker Fisch gegessen in Lavelle’s Bistro… Danach noch ein Spaziergang am Fluss und ab ins Bett! Morgen wollen wir wieder früh los…

Grande Finale: Denali

Nun steht uns leider schon die letzte Station unserer Reise bevor: Der Denali National Park.

Gerade erst vor zwei Wochen hat Präsident Obama die Umbenennung des Mount McKinley zurück zu seinem ursprünglichen Namen, Mount Denali („Der Hohe“ in der Sprache der Ureinwohner), unterzeichnet. Vor langer Zeit benannte man den mit mehr als 6.100 Metern höchsten Berg Nordamerikas nach einem früheren Präsidenten „McKinley“. McKinley stammte aus Ohio, und der Congressman aus Ohio stemmte sich jahrzehntelang gegen die Umbenennung. McKinley selbst war übrigens nie in Alaska… Aber die Einwohner Alaskas bevorzugten schon immer den ursprünglichen Namen, auch der Nationalpark heißt schon immer Denali. Und jetzt müssen eben alle Landkarten umgeschrieben werden. Wir fahren also zum Denali.

Natürlich nicht ohne kurze Wartezeiten…

Angekommen!

Zuerst fahren wir ein Stück in den Park hinein. Die einzige Straße im Park geht tief in den Nationalpark rein, nah an den Fuß des Mount Denali heran. Allerdings dürfen nur die ersten 15 Meilen von Privatautos befahren werden – weiter geht es dann ausschließlich mit dem Bus. Wir fahren erstmal soweit wir dürfen, und machen eine kleine Wanderung . Sogar die Sonne kommt raus! Allerdings pfeift ein anständiger Wind.

Ein Arctic Squirrel – auch bekannt als Bear Burrito. Die Bären buddeln, wenn’s sein muss, den ganzen Boden auf, um die Squirrels am Ende ihrer Bodenlöcher zu schnappen.

Noch eine weitere kurze Wanderung, dann checken wir erstmal im Hotel ein.

Nach dem Abendessen machen wir uns nochmal auf in den Park. Die Moose haben gerade Brunftzeit, da sollte doch was gehen.

Und da sind sie auch schon! Zuerst hatten wir ein Moose ganz schön weit weg von der Straße gesehen. Hektische Inder mit langen Objektiven rannten dort aufgeregt die Straße rauf und runter, um das arme Moose zwischen die Bäume hindurch zu knipsen. Uns war das zu anstrengend, wir sind weiter zu einem Tümpel, den wir schon am Nachmittag als perfekten Moosesumpf identifiziert hatten. Und dort stehen sie dann im Halbdunkeln!

Nach und nach halten noch andere Autos, alle blicken runter zu dem Moose-Pärchen, als eine Frau ruft: „Look behind you!“ – und in dem Moment eine Moose-Kuh hinter uns auf die Straße tritt und gemächlich auf die andere Seite wechselt. Ein riesiges Tier, und die Bullen sind noch größer! Gleich dahinter folgte ein Junges der Mama. Für Fotos war es da leider schon zu dunkel.

Letztlich haben uns auch die hektischen Inder wieder gefunden und wir lassen die Moose in Frieden und fahren wieder zum Hotel – denn morgen müssen wir echt früh raus…

Nachdem wir kurz nach fünf aufgestanden sind um rechtzeitig für unseren 7:30 Shuttle am Wilderness Access Center zu sein, begrüßt uns Jose in seinem grünen Bus, und wir starten auf die vierstündige Fahrt hinein in den Nationalpark.

Die ersten zweieinhalb Stunden Fahrt sind relativ unspektakulär, auch wenn die Landschaft sehr schön anzusehen ist, und Jose uns fortwährend mit Informationen zum Nationalpark, zur Flora und Fauna versorgt.

Sobald jemand wilde Tiere erspäht, können die Passagiere „STOP!“ rufen und Jose hält an und stellt den Motor ab.

Wir sehen ein einzelnes Caribou, ein paar Schneehühner (das Ptarmigan ist der State Bird of Alaska, denn natürlich hat in den USA jeder Staat sein Staatsmotto, seine Staatsfarbe, sein Staatslied, sein Staatstier und auch seinen Staatsvogel) und ein Dallschaf, aber alles gaaaanz weit weg.

Dann entdeckt Jose einen riesigen Scheißhaufen auf der Straße – da kann der Bär nicht weit sein!

Und schon hinter der nächsten Kurve finden wir ihn: Unseren ersten Grizzly!

Die Bären hier oben sind arme Kerle, sie wissen wohl gar nicht, dass es Paradiese gibt, in denen einem die Lachse einfach so in’s Maul springen. Die Flüsse und Bäche auf der Nordseite der Alaska Range sind einfach zu weit weg vom Meer, als dass sich hier der Lachs hin verirren könnte.

Also fressen die Bären vor allem Beeren, Wurzeln und ab und zu mal einen Bear Burrito – ein Arctic Squirrel.

Wir fahren erstmal weiter, und keine zwei Minuten später läuft uns schon der nächste Grizzly vor die Linse. Dieser hier ist keine zwanzig Meter vom Bus entfernt.

Er scheint hier unter den Moosen etwas zu wittern. Also fängt er wie ein Irrer an zu graben…

…und zeigt uns nur noch sein Hinterteil. Grizzlies sind riesige Tiere und haben einen monströsen Bärenarsch. Minutenlang sehen wir nur den Bärenpo.

Unser Bär lässt sich von uns überhaupt nicht von seiner Arbeit abhalten. Nur ab und zu schaut er mal auf, mit seiner eingestaubten Schnauze. Dann buddelt er weiter. Mittlerweile hat er schon ein Loch ausgehoben, da hätten wir mit dem Spaten einen Vormittag dran gegraben. Ziemlich sicher, dass er gerade einen Squirrelbau ausnimmt.

Schließlich erreichen wir das Eielson Visitor Center mitten im Nationalpark. Von hier hat man den besten Blick auf den Mount Denali – wenn er nicht hinter Wolken versteckt bleibt, so wie an zwei von drei Tagen im Jahr.

Wir tragen uns nach der Ankunft gleich für eine geführte Wanderung mit dem Ranger ein, für die es nur 11 Plätze gibt. Die elf Plätze werden nicht mal ganz ausgenutzt, denn die Mehrzahl der Touristen scheint nach der vierstündigen Busfahrt nicht mal aus dem Bus auszusteigen, um nach einer halben Stunden Brotzeitaufenthalt wieder vier Stunden zurück zu fahren. Jeder wie er mag.

Wir lassen uns also von Ranger Julie zwei Stunden lang auf einen Bergrücken führen, während sie uns von Rast zu Rast die lange, umwegreiche Geschichte der Erstbesteigung des Mount Denali erzählt. Am besten gefällt uns der Teil über Dr. Cook, der mit einem großen Team monatelang versuchte, einen Weg auf den Sechstausender zu finden. Schließlich gab man auf, Cook blieb aber noch mit einem Pferdeführer am Berg. Er telegrafierte in die Heimat, dass er einen letzten Versuch wagen wollte, und präsentierte schon nach wenigen Tagen ein Beweisfoto vom Gipfelsturm.

Seine vorher abgereisten Teampartner waren aber etwas kritisch, ob Cooks Glaubwürdigkeit. Als Cook dann zwei Jahre später plötzlich angab, nun auch der erste Mensch am Nordpol gewesen zu sein – ein anderer Entdecker aber zur gleichen Zeit wirklich am Nordpol war, und von einem Dr. Cook keine Spur finden konnte, sah man sich das Beweisfoto nochmal genauer an. Es stellte sich heraus, dass das Foto auf einem nur 5.000 Fuß hohen Grat unterhalb des fast 20.000 Fuß hohen Denali aufgenommen war.

Simone unterbricht die Rangerin kurz, um auf einen Bären hinzuweisen, der unten im Tal unterwegs ist. Wie groß man ihn selbst aus dieser Entfernung sehen kann! Das macht deutlich, was für ein Riese der Grizzly ist. Julie funkt kurz die Kollegen im Visitor Center an, denn der Bär bewegt sich flott darauf zu. Auch beeindruckend, wie schnell der Bär im Gelände unterwegs ist, obwohl er noch nicht mal rennt.

Über kleine Schneefelder und bei schneidend kaltem Wind steigen wir weiter nach oben – so können wir auch die Geschichte der Besteigung des Denali ganz gut nachvollziehen…

Während Ranger Julie bis zum Ziel im kurzen Hemd lief, trage ich fünf Schichten und friere trotzdem. Dennoch erreichen wir die Anhöhe. Telegramm in die Heimat: Berg bezwungen. Stop. Südgipfel in Wolken. Stop. Nordgipfel jetzt frei. Stop.

Tatsächlich hat sich der Denali im Laufe unserer Wanderung langsam freigelegt, sodass wir ihn beim Abstieg schon recht gut, und auf der Rückfahrt perfekt sehen können. Rechts der Nordgipfel, links der etwas höhere Südgipfel.

Auf der Rückfahrt nehmen wir noch einen letzten Bären mit.

Und ein paar Dallschafe.

Und einige Caribou.

Und kurz vor dem Parkausgang noch ein paar Moose.

Das war ein schöner Abschluss! Wir winken den Moose noch ein letztes Mal zu.

Nun bleibt uns nur noch das Kofferpacken. Morgen geht es zurück nach Anchorage und dann in’s weitgehend bärenfreie Deutschland.

Ach ja, einen hab ich noch – für alle, die Into the Wild von Jon Krakauer gelesen, oder den tollen Film von Sean Penn gesehen haben. Ganz in der Nähe von hier, keine vierzig Meilen nördlich des Eielson Visitor Center, steht mitten in der Wildnis der grüne alte Bus, in dem der Aussteiger Chris McCandless von Jägern letztlich – wenige Tage nach seinem Tod – gefunden wurde.

McCandless hatte das Glück in der Einsamkeit der Wildnis gesucht, um letztlich zu erkennen:

Happiness is only real when shared.

So true.

Oktober 

Boston

Hier noch ein kurzer Nachtrag mit einigen Fotos aus Boston und Providence, Rhode Island.

Den Stadtrundgang starte ich bei perfektem Wetter …

… wie es sich gehört mit einer Fahrt mit dem Wassertaxi nach Downtown.

Ich lasse mich zur Battery Wharf schippern, sodass ich direkt im North End, dem italienischen Viertel, lande.

Stippvisite beim Hlg. Franziskus…

… und der ältesten Kirche Neuenglands, wo man sich durch abgetrennte Abteile vor der Zugluft schützte.

Bummel über einen der vielen alten Friedhöfe in Boston Downtown, …

… alles sehr katholisch hier …

… das „Taste of the North End“ Fressfestival habe ich leider um einen Tag verpasst.

Also mache ich mein eigenes Food Festival im Public Market (Neuentdeckung, super!!).

Zum Start ein Pastrami Sandwich mit Honey Mustard. Saftig. Und sättigend.

Danach ein halbes Dutzend Apple Cider Mini Doughnuts. Hervorragend. Nach drei Stück bin ich satt. Nach sechs Stück ist mir etwas mulmig im Bauch. Aber da muss man durch. Sehr lecker.

Am Quincy Market etwas in die Sonne gesetzt, hoffentlich gibt das keinen Sonnenbrand. Einen Tag nach meiner Abreise brachte dann übrigens ein Schneesturm 30cm Schnee…

Am Old State House vorbei…

… zum State Capitol. Hier habe ich gerade ganz knapp …

… den Empfang des albanischen Präsidenten durch den Gouverneur von Massachusetts verpasst. Trotzdem interessant, zuzusehen, wie die Limousinen von Secret Service, State Police und FBI den Verkehr im Zentrum zum Erliegen bringen. Lustig auch die Paradeuniformen der verschiedenen Behörden, die in der Basis stets auf Reiterhosen aufbauen.

Genug Trubel, schnell mit der U-Bahn nach Harvard, ein bisschen über Campus bummeln – und natürlich eine Cappuccino bei Crema trinken (siehe erstes Bild).

Das war’s dann schon mit meinem Vormittag in Boston, auf nach Providence. Ein paar Eindrücke vom Campus der Brown University:

Der Campus wirkt etwas ausgestorben, da gerade „Spring Break“, also Frühlingsferien sind. Was die örtlichen Autoriäten nicht davon abhält, mir binnen 15 Minuten einen Strafzettel auszustellen. Das nur am Rande.

Und das war’s schon.

Valley of Fire

Über den Wolken…

Flughafen München. 11:45 Uhr. Starker Regen, aber die Frisur sitzt. Unsere Maschine nach Denver stößt gerade vom Terminal zurück. „In 20 Minuten sind wir über den Wolken, in der Sonne!“ sage ich zu Simone. Daraufhin hält der Flieger an und bewegt sich nicht mehr. Kaputt.

Es geht zurück ans Terminal und nach einer weiteren Stunde dürfen wir wieder aussteigen. „Willkommen in München!“

Es regnet immer noch. Die Frisur? Geht so.

Mal sehen wie’s weiter geht. 

Dann eben nach Madrid

Angesichts leichter technischer Probleme bei der Anreise mussten wir nun etwas umdisponieren.

Eigentlich wollten wir ja heute, nach einer ersten Nacht in Albuquerque, hinauffahren nach Santa Fe, und unterwegs eine kleine Wanderung machen. Da wir aber gestern gar nicht mehr in New Mexico angekommen sind, sondern die Nacht in einem von Lufthansa freundlichst zur Verfügung gestellten, vergammelten Billigstmotel in Denver verbracht haben, mussten wir neu planen.

Zum Glück hat uns die Frühmaschine von Denver zwar doch noch nach Albuquerque gebracht, aber Wandern in der Mittagshitze nach einer schlaflosen Nacht (und Aufstehen um 4.30), das muss nicht sein.

Fahren wir also stattdessen nach Madrid!

Aber keine Angst – wir haben jetzt nicht kurzfristig auf Spanien umgesattelt. Madrid ist ein Paar-Seelen-Dorf in New Mexico, ein kleines Örtchen, in dem ein paar Hippies und Künstler hängen geblieben sind und …

… in dem schon John Travolta höchstselbst der bösen Bikergang „Del Fuegos“ gezeigt hat wo der Hammer hängt!

Maggie’s Diner steht heute noch – das Haus wurde als Kulisse nur für den Film gebaut. Darin befindet sich nur kein Diner mehr, sondern ein Giftshop mit allem was das Bikerherz begehrt. Und Biker kommen hier eine Menge vorbei.

Aber alle andern Häuschen und Läden und Bars entlang der hundert Meter langen Main Street Madrids sind echt. Und echt urig.

Wenn nicht gerade eine Harley oder eine Gold Wing die Sonntagsruhe durchbricht, hört man von den Terrassen der Bars Gitarrenmusik – und es macht Spaß, die schrägen, bunten Läden zu erkunden.

Künstler stellen hier ihre Werke aus, Gemaltes, Geschnitztes, Geschweißtes, Genähtes, es gibt nichts, das es nicht gibt.

„Do you quilt?“ wird Simone gefragt, denn warum sollte sie nicht in der Freizeit Quilts nähen, macht man doch so?

Einen Laden weiter darf ich mich an einer handgeschnitzten Indianerflöte versuchen. Nun ja, Flötespielen war noch nie so mein Ding, aber die Ladenbesitzerin kann das ganz gut und der Sound passt prima zu diesem ruhigen Sonntagnachmittag.

Der Postbote muss in Madrid nur wenige Punkte anfahren, wo jeweils Dutzende Briefkästen auf einem Balken festgeschraubt sind.

In einem Laden mit Indianerschmuck erfahren wir so ziemlich alles über die Kunst der „Natives“ und als wir erzählen, dass wir aus dem fernen Germany kommen, erhalten wir noch Reisetipps für New Mexiko, die für eine Rundreise bis Weihnachten reichen würden.

Vor dem Laden mit dem türkisen Schmuck steht ein alter Schlitten – natürlich in türkis.

Schließlich verlassen wir Madrid und machen uns auf den Weg nach Santa Fe.

Ankommen in Santa Fe

Am frühen Abend erreichen wir schließlich Santa Fe.

Auf dem Town Square, hier Plaza genannt, gibt es schöne Musik für uns.

Der Reiseführer sagt, dass Santa Fe ein ganz anderes Gesicht hat, als die typische amerikanische Stadt, und das stimmt. Vor allem sind hier fast alle Häuser in Adobe-Weise gebaut, also mit braunem Lehm verputzt.

Zur Dekoration hängt man hier gerne hunderte von Chilis auf.

Auch eine hübsche kleine Adobe-Kirche gibt es …

… und noch mehr Chilis.

Nachdem wir auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Plaza eine riesige Pizza verdrückt haben, fühlen wir uns kurz vor Sonnenuntergang nochmal lebendig genug für einen Spaziergang zur Basilika.

Aber dann verlassen uns doch die Kräfte und kurz nach Einbruch der Dunkelheit fallen wir in unser Bett, wo wir schon kurz nach acht die Nacht einleiten und schlafen und schlafen und schlafen.

Zu den Kasha-Katuwe Tent Rocks

Also, ich rechne nicht damit, dass ich mir den Namen irgendwann mal merken kann, daher haben wir sicherheitshalber am Eingang zu unserem heutigen Ausflugsziel das obligatorische Nationalparkschildfoto gemacht:

Vor bösen Schlangen wird wie immer gewarnt.

Wovor nicht gewarnt wird, das sind die Stolperfallen im Canyongrund: Unsere Wanderung zu den Erdpyramiden führt uns zuerst durch einen schön schattigen Slot Canyon, also einer vom Wasser ausgewaschenen Klamm. Hier bei Gewitter durchzugehen wäre etwas fahrlässig, aber die Fotos sollten beweisen, dass auf weite Sicht keine Wolke am Himmel war. Am Eingang zum Canyon informiert uns ein Herr, dass gerade eine Gruppe im Canyon unterwegs ist, die unter Anleitung eines erfahrenen Indianers einen Ritus vollführt, der das Auflesen eines Felsbrockens, und Tragen desselben durch den gesamten Canyon, zum Zwecke der Selbstfindung, vorsieht. Wir möchten die Konzentration der Teilnehmer nicht stören, dürfen uns das Spektakel aber gerne ansehen. Zunächst passieren wir den Indianerguru, der mit Trommel und Flöte eine indianische Aura die Schlucht hinaufschickt, was sehr stimmungsvoll ist. Auch die Aiaiaia-aiaiaia-aiaia-Gesänge – sehr schön. Dann die Teilnehmer: Die sind gar keine Indianer! Es handelt sich um eine Gruppe aus der Gesundheitsindustrie auf Team Building Kurs. Einige nehmen die Aufgabe ernst und haben sich richtig schwere Felsen ausgesucht, sind hochkonzentriert. Andere haben wohl eher weniger Bock auf das Team Building Tamtam und tragen laut plappernd einen Kieselstein zu Tal. Dann passiert es: An der engsten Stelle des Canyons stürzt eine Teilnehmerin. Die Anderen müssen nun entscheiden, ob sie ihr zu Hilfe eilen, oder weiter ihren Stein halten. Nun ja, die Mission Steineschleppen hat sich für die Meisten an diesem Punkt erledigt. Nach dem ersten Schreckmoment hören wir die Gruppe später wieder lachen – hoffentlich war es also nicht so schlimm.

Nachdem wir die Steineschlepper hinter uns gelassen haben, wird der Weg durch den Canyon wieder weiter, kurz darauf aber sogar noch enger, sodass man gerade mal einen Fuss auf den Boden stellen kann.

Über unseren Köpfen sehen wir schon die ersten zeltförmigen Felsen, die Tent Rocks.

An einzelnen Stellen haben sich Felsen im Canyon verklemmt, über die es entweder drüber zu klettern gilt, oder unter denen man gebückt (und zügig) durchgeht.

In kleinen Schleifen folgen wir dem Spalt, den das Wasser hier durch den Fels geschnitten hat.

Der Blick nach oben gibt nach wie vor die Gewissheit, dass kein Unwetter naht.

Schön schattig ist es hier in der Schlucht, und ein angenehmer Wind weht herunter. Auf den sonnigen Stücken wird es schon etwas ungemütlicher.

Nach dem letzten tiefen Spalt …

… macht der Canyon dann auf …

… und plötzlich steht man vor zwei Tent Rocks, die aussehen, wie ein Dom.

Dann geht’s steil bergauf, gut 300 Höhenmeter, auf denen wir zuerst die Tent Rocks auf Augenhöhe haben …

… und bald von oben bewundern dürfen.

Oben angekommen belohnt uns ein unglaublich weiter Ausblick. Bevor wir uns wieder an den Abstieg machen, gibt’s erstmal eine zünftige Brotzeit (Apfel und Pizza von gestern).

Diese Wanderung – sie war ein Traum. Die wenigen Fotos, die ich hier ausgewählt habe, sie sind nur ein kleiner Ausschnitt…

Am Abend belohnen wir uns dann in Santa Fe mit einer richtig leckeren Lachsforelle. Und ich will auch nicht verschweigen, dass es danach noch einen lecker Nachtisch gab.

Kunscht und Kultur in Santa Fe

Gestern Nachmittag habe ich ein schönes Telefonat eines älteren Herren auf der Plaza von Santa Fe mithören dürfen, es verlief ungefähr so: „Ah … Aha … Yes, darling! … In Santa Fe! … It is b-e-a-u-t-y-f-u-l! – No humidity. No heat. No rain. No clouds. Just beautiful! … Aha … Ah … Aha … So, it is still raining? … Ah. ...“

Und grundsätzlich hat er Recht. Das Klima hier ist wirklich angenehm. Die Stadt liegt zwar im heißen New Mexiko, aber doch auf 2.000 Metern Höhe. Im Winter wird hier sogar Ski gefahren.

Wir haben besonders genossen, dass wir hier jeden Abend draußen essen konnten, weil die Leute – ganz unamerikanisch – sich freiwillig in’s Freie begeben.

Im Freien findet heute auch der Farmer’s Market statt. Wo früher die Loks der Santa Fe Railroad gewendet wurden, ist heute ein schöner Park mit etlichen toll hergerichteten Gebäuden, und hier treffen sich mehrmals die Woche die (Bio-)Farmer aus dem Umland zum Markt. Neben zig verschiedenen Kartoffelsorten gibt es natürlich Chilis bis zum Abwinken, aber auch eine Menge anderes Obst und Gemüse in einer tollen Vielfalt, die kein Supermarkt bietet.

Über dem Markt liegt ein leckerer Duft von gegrillter Paprika. Die Chilis werden in eine Tonne aus Drahtgeflecht gefüllt, dann wird der Gasbrenner darunter angeworfen und genau sieben Minuten gekurbelt. Schon sind die gerösteten Chili fertig.

Im Park neben dem Markt betrachten kleine Erdhörnchen das Treiben mit Argwohn.

Nach ausführlichem Bummel, verschiedenen Fressereien und kleineren Einkäufen verlassen wir den Farmer’s Market an den Santa Fe Railyards …

…und wenden uns dem zweiten Spezialgebiet Santa Fes zu: Die Stadt ist Zentrum des Kunsthandels im amerikanischen Südwesten. Hier finden sich Galerien, die im Untertitel die Ortsaufzählung „New York, Paris, Tokyo, Santa Fe“ tragen.

Es gibt moderne Kunst …

… es gibt amerikanische Kunst …

…es gibt Hasenkunst und Kunst mit kubistischen Indianern, die mal müssen.

Es gibt aber auch einige wirklich spannende Objekte…

.. und Galerien – einige mit Preisschildern an den Bildern, andere ohne.

Zwischendrin, bei Santa Kilim, gibt es einfach nur Klimbim.

Es müssen hunderte Galerien sein, die sich an der Canyon Road aufreihen, alle in den schönsten Adobebauten. Irgendwann tun uns aber doch die Füße weh, und wir machen uns auf den Rückweg ins Zentrum, wo dann eher Indianerkunst und Geschenkeläden dominieren. Nur wenige Häuser neben dem „Yippee Yi Yo“-Laden finden wir abends wieder ein Plätzchen auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Plaza. Hier frönen wir der Pizza-Kunst und versuchen uns vorzustellen, wie sich der Bronzehase in unserem Vorgarten gemacht hätte.

Besuch bei den Pueblo Indianern

Schließlich müssen wir Santa Fe den Rücken kehren, weil wir wollen ja noch mehr sehen vom weiten Südwesten. Wir brechen auf Richtung Norden, auf der High Road to Taos, die uns zuerst in Nambé an dieser hübschen Adobekirche vorbeiführt. Das Kirchlein im für uns ungewohnten Baustil steht – für uns ebenso ungewohnt – einfach so auf einem kleinen Hügel, drumherum nur Staub und Schotter.

Einen kurzen Abstecher von der High Road machen wir: Es geht nach Chimayo. Das winzige Kirchlein hier, das auf dem Foto schon ausschaut wie aus dem Zwergenland, ist tatsächlich eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten Nordamerikas. Rund um das Herz dieses Ortes reiht sich eine ganze Pilger-Infrastruktur mit Dutzenden Kapellen, Madonnen, Heiligenschreinen und Besinnungsgärten.

Was man auf den Bilder übrigens gar nicht so erkennt: Fünf Minuten vorher gab es noch einen Wolkenbruch, der sich gewaschen hatte.

Das Sanctuario (also das Heiligtum, in der kleinen alten Kapelle oben) bildet den Kern der Anlage. Vom Prunk unserer katholischen Kirchen ist hier nichts zu sehen. Die Altarbilder sind eher einfach – sicher aber trotzdem unendlich wertvoll – auf Holz gemalt, kein Gold, kein Silber.

Daneben in der Familienkapelle ist alles beeindruckend schön geschmückt – modern und bunt. Überall hängen Bilder von Pilgern oder deren Angehörigen, haben Wallfahrer Gegenstände abgelegt, von Beinprothesen bis zu Kuscheltieren. Ein bisschen wie Altötting, aber irgendwie echter, einfacher, direkter, glaubhafter.

Wo auf dem Gelände des Sanctuario keine Madonna steht, sind Andenkenläden drin. Doch wieder wie Altötting.

Wir verlassen den Heiligen Ort und folgen der High Road ins Örtchen Taos. Nach einem kurzen Bummel vorbei an den unvermeidlichen „Kunst-„Galerien lassen wir uns im Garten eines Cafés nieder und warten geduldig, bis uns zwei sehr leckere gegrillte Sandwiches gereicht werden.

Frisch gestärkt fahren wir auf staubiger Piste von Taos hinüber ins Taos Pueblo. Unterwegs suchen wir vergeblich die Brücke nach Eis ab – aber wir sind hier auf gut 2.400 Metern Höhe, und auch wenn man es an einem Tag wie diesem nicht glauben kann, in den Bergen hinter Taos wird im Winter Ski gefahren – dort geht es bis auf 4.000 Meter hoch.

Aber nun hinein ins Taos Pueblo. Es gab im Südwesten mal einige hundert Pueblos, in denen jeweils ein Stamm von Pueblo-Indianern wie eine große Familie zusammenlebten. Das Taos Pueblo ist seit über 1.000 Jahren durchgängig bewohnt und damit einer der ältesten besiedelten Orte Nordamerikas. Heute steht das Taos Pueblo daher unter Weltkulturerbe-Schutz.

Wir treffen im Schatten der kleinen Pueblo-Kirche unseren Guide White Feather, der uns mit vielem Interessanten zur Geschichte des Pueblos versorgt.

Der Weg zum Schutz als Weltkulturerbe war für die Pueblo-Indianer kein Leichter. Schon vor hunderten Jahren wurden sie laufend von nomadisch lebenden Indianern angegriffen – da sie selbst von der Landwirtschaft lebten, war sie lokal sesshaft und mussten sich häufig verteidigen.

Im Pueblo sind daher alle Häuser und Wohnungen quasi zu einem großen, mehrstöckigen Bau vereint. Früher gab es außen keine Türen, man betrat die Häuser übers Dach – der letzte zog zum Schutz vor unerwünschten Besuchern die Leiter hoch. Heute gibt es Türen und nur noch wenige Leitern.

Was es auch heute noch nicht gibt, im Taos Pueblo sind: Fließend Wasser, Strom, Fernsehen, Telefon. In allen anderen Pueblos sind Handys, Kameras streng verboten – nicht einmal Skizzieren ist erlaubt. Im Taos Pueblo hat man sich dem Tourismus geöffnet – die meisten Bewohner wohnen mittlerweile ohnehin in kleinen Häusern rund herum, mit Wasser, Strom und Fernsehen, denn die Zivilisation hat eben auch ihre Vorzüge. Aber auch Nachteile, wie uns White Feather erzählt, denn plötzlich ist es wichtig zu sehen, was der Nachbar für ein Auto fährt, und all diese Dinge.

Zurück zu den Bedrohungen: Als nächstes kamen die Spanier und zwangen den Indianern den Katholizismus auf. Die Indianer in Taos arrangierten sich damit so gut sie konnten. Sie behielten auch ihren eigenen Glauben bei und suchten sich beim katholischen Glauben das heraus, mit dem sie am meisten klar kamen. Sie beteten zum Beispiel keinen Jesus am Kreuz an, sondern die Jungfrau Maria, die die Mutter Erde symbolisiert – was sich nun wieder mit ihrem Glauben deckte. Heute ist ihre Religion daher ein wenig ein Mix aus ihrem traditionellen Glauben, und dem katholischen.

White Feather führt uns noch hinter zu den Ruinen der ersten katholischen Kirche am Rande des Pueblos. Die Spanier waren schon lange weg – nun suchten hier Dutzende Frauen und Kinder Schutz vor dem Angriff der Kavallerie im Indian War. Die legten die Kirche in Schutt und Asche – mitsamt den Menschen darin. Nach dieser Tragödie kam es für die Bewohner nicht mehr in Frage, die Kirche wieder aufzubauen oder auf den Grundmauern an diesem Ort eine neue zu errichten. Sie bauten die neue Kirche daher an den gegenüberliegenden Ortsrand.

Letztlich zeigt uns White Feather noch die Hornos, die Lehmöfen, in denen auch heute noch gebacken wird. Darin wird ein Feuer gemacht, gewartet bis es runtergebrannt ist, dann ist der Ofen von selber so heiß, dass man darin backen kann.

Die Häuser im Pueblo sind übrigens aus dem gleichen Material gebaut, wie die Öfen: Sand, Stroh und Wasser. Weil das nicht so super haltbar ist, sind sie laufend mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt, so wie auch während unserem Besuch an vielen Häusern gerade neu verlehmputzt wurde – es hält dann wieder so für ein Jahr.

Letztlich könne wir noch ohne Guide ein wenig durchs Pueblo bummeln, in einigen Häusern sind nun kleine Läden drin, die zu happigen Preisen Selbstgebackenes, Selbstgetöpfertes und selbst in China Eingekauftes verticken. Weil der Besuch in ihrem Pueblo dennoch spannend und total interessant war, nimmt man das hin und kauft eben auch was…

Das Ding hier in der Mitte (hinter dem Horno, dem Ofen) ist übrigens ein Kiva: Ein unterirdischer, heiliger Raum, der nur durch eine lange Leiter über ein Loch in der Mitte betreten werden kann.

Während die Sonne im Pueblo noch scheint, regnet am Horizont ein massives Gewitter runter – Zeit mal Richtung Auto zu gehen.

Der Besuch im Pueblo war wirklich interessant und auch angenehm – wir waren uns nicht so sicher, wie willkommen man sich als Besucher dort so fühlt. Um so positiver haben wir es dann empfunden, von White Feather herumgeführt zu werden.

Da wir neben vielem Anderen auch an den Gott in der Kaffeebohne glauben, ist nun aber echt Zeit für einen Cappuccino, für den wir schnell zurück nach Taos fahren.

Mit Blick auf die Hauptkreuzung des Ortes warten wir auf unseren Kaffee und hören die typisch amerikanische Unterhaltung mit:

Bis zum Hals tätowierte Kundin kommt in den Coffee Shop: „Hallo, wie geht’s?“ – „Es geht mir wunderbar, schön Dich zu sehen – wie geht es Dir denn?“ – „Großartig, es geht mir fantastisch, es ist doch ein wundervoller Tag heute.“ – „Es ist schön zu hören, dass es Dir gut geht. Was kann ich für Dich tun?“ – „Ich nehme heute mal einen Tee.“ – [Tee wird hergerichtet, belangloses Gespräch über das Wetter.] – „So, hier Dein Tee, lass ihn Dir richtig gut schmecken. Geht es Dir eigentlich gut?“ – „Oh ja, es geht mir ausgezeichnet. Wundervoll. Wie geht es Dir eigentlich“ – „Es geht mir sehr gut, schön, dass Du fragst.“ – „Ja, tschüss dann, und bis morgen, es ist immer wieder schön, mit Dir zu plaudern.“ – „Ja, ich freue mich jedes Mal, wenn Du rein kommst.“ Abgang Kundin.

Danach findet man dann auch mal Zeit, unseren Kaffee fertig einzuschenken. Die Kunst der Kommunikation im Coffee Shop – wir haben noch viel zu lernen.

Auf geht es nun für uns, Richtung Norden, Richtung Rocky Mountains. Unterwegs queren wir den Rio Grande, der sich tief unter uns durch die Wüste schneidet:

Bisschen gruselig ist der Blick hinunter schon.

Nach einstündiger Fahrt durch flache Wüste, ohne eine einzige Kurve, geht es hinauf in die Berge, in die Wälder, und nach veritablem Wolkenbruch leuchtet uns die Straße wie ein blendendes Band entgegen.

Aus dem Sommer sind wir in kürzester Zeit hinauf in den Herbst gefahren.

Morgen wollen wir noch höher hinaus, mit der dampfenden Eisenbahn auf über 3.000 Meter! Mal sehen, ob das gut geht…

Choo Choo!

Oh, jetzt habe ich im Titel das WLAN-Password unseres Motels verraten. Naja, egal.

Wir haben in Chama übernachtet, einem kleinen Ort oben in die Rockies. Viel wäre hier nicht los, gäbe es nicht die Cumbres & Toltec Scenic Railroad, mit der wir heute eine Runde drehen werden.

Im Boxcar Cafe sind wir heute morgen die ersten, die sich vor der Abfahrt mit einem Satz Pancakes stärken. Unten am Gleis begann der Arbeitstag aber schon viel früher. Die Lokomotiven müssen befüllt werden und laufen bereits warm, auch wenn es noch gut drei Stunden sind, bis zur Abfahrt. Bis dahin ist ganz schön was los am kleinen Bahnhof von Chama. Erst werden an den Loks alle Lager geschmiert, dann der Dampfkessel ausgeblasen. Es pfeift und zischt und qualmt. Dann werden die Loks an die Waggons rangiert.

Da wir einen über 3.000 Meter hohen Pass zu bezwingen haben, werden wir bis zur Passhöhe von zwei Loks gezogen, die hintereinander vor den Zug gespannt wurden!

Wir bitten noch kurz die Geister um eine sichere Reise…

… und dann geht es mit viel Dampf und lautem Gepfeife los!

An einer kleineren Brücke müssen wir einen kurzen Stopp einlegen. Die beiden Lokomotiven wären zu schwer, um gemeinsam über die Brücke zu fahren. Also wird die vordere erstmal abgekoppelt und fährt allein rüber.

Dann folgt die zweite Lok. Zum Ankoppeln wird natürlich genau so angehalten, dass wir exakt über dem Abgrund stehen…

So haben wir etwas Zeit, die Herbstfarben um uns herum zu bewundern.

Weiter hinten am Zug ist ein offener Wagon eingekoppelt, von dem aus man die Landschaft noch besser sieht, als von drinnen.

Nachdem der Zug nun wieder komplett ist, geht es mit vollem Dampf weiter, was aus der Nähe ziemlich beeindruckend ist. Das Beste an so einer Eisenbahnfahrt ist die Geräuschkulisse. Das Tsch-Tsch-Tsch der Maschinen, das Fauchen und Zischen der Kessel, das Dadang-Dadang der Schwellen und zwischendurch das markerschütternde Pfeifen: Choo Choo!

Ab und zu muss auch die besterzogene Lok mal Dampf ablassen. Das macht richtig Lärm und hoffentlich befindet sich gerade nichts Lebendiges am Gleisbett… Aber auch als Fahrgast muss man sich laufend in Acht nehmen. Das Abgas der ölgefeuerten Loks kann ganz schön auf die Lungen gehen, und geben die Maschinen richtig Gas, fliegt einem Ruß und Zunder um die Ohren – oder in die Augen.

Weiter geht’s durch goldenen Espenwald.

Mit steigender Höhe wechseln die Laubbäume von grün nach orange nach gelb und die Vegetation wird karger.

Nach der Passhöhe auf 10.050 Fuß (über 3.000 Meter!) wird die vordere Lok abgekoppelt, die fährt nun allein wieder nach unten. Für den Rest der Strecke brauchen wir sie nicht mehr, und bergab schon gleich gar nicht.

Sagte ich schon, dass die Aspen hier oben schon wunderbar gelb sind?

Nach zweieinhalbstündiger Fahrt durch eine einzige, sprichwörtliche Eisenbahnlandschaft kommen wir oben in Osier an, wo wir den Zug aus der Gegenrichtung erwarten und wo es für alle ein Lunchbuffet gibt.

Zurück fahren wir mit dem Zug aus der Gegenrichtung. Hier kontrolliert der Engineer seine Engine.

Auf dem Rückweg passiert es dann! Wir fahren gerade entlang einer zum Greifen nahen Felswand zur Rechten – links der Abgrund – als es den Wagon einmal schüttelt, laut rumpelt und wir kurz darauf zum Stehen kommen. Ein langer Pfeifton von der Lok: Das Signal für den Bremser, die Bremsen reinzuhauen. Wir stehen. An der Felswand, am Abgrund. Ein Steinschlag hat die Strecke versperrt.

Unser Glück mit Verkehrsmitteln scheint also anzuhalten.

Aber unser Engineer packt sich ein Stemmeisen und schon nach wenigen Minuten ist die Strecke frei – und wir können weiterfahren. Zweimal kurz pfeifen heißt: Bremsen lösen. Es geht weiter. Puh.

Nach einem kurzen Regenschauer reißt der Himmel richtig blau auf und wir genießen die Sonne auf dem offenen Wagen.

Nach erneutem Erreichen der Passhöhe geht es dann mit quietschenden Bremsen hinab nach Chama. Zwischendurch natürlich noch ein kurzer Wolkenbruch, aber zwischen Weltuntergang und schönster Abendsonne liegen in den Rockies oft nur Minuten.

Nach dem ganzen Geruckel haben wir uns jetzt etwas Entspannung verdient! Weiter geht’s in’s eine Stunde entfernte Pagosa Springs. Mal sehen, ob die heißen Quellen dort noch funktionieren…

Endlich mal wieder in Pagosa Springs

Lustigerweise war ich schon zwei Mal in Pagosa: Bei meinem allerallerersten zweitägigen Solo-Trip durch Colorado (vor, ich glaube 12 Jahren) und nochmal ein Jahr später mit Thomas und Alexander (Grüße!) nach vorherigem, anstrengenden Goldschürfen.

Wir erreichen Pagosa kurz nach einem massiven Platzregen und gehen erstmal in der Riff Raff Brewery einen Pulled Pork Burger essen. Der Burger ist yummy und Livemusik gibt es auch noch obendrauf.

Als wir wieder aus der Brewery rauskommen, ist es wieder trocken, allerdings lässt sich gut beobachten, wie es rund um uns herum noch hie und da regnet. Im letzten Tageslicht machen wir einen Spaziergang in Richtung der heißen Quellen. Am ganzen Fluss, dem San Juan River, stinkt es gewaltig nach Schwefel. Wir lassen uns jetzt weder von unseren dicken Bäuchen, noch vom wieder einsetzenden Nieselregen daran hindern, in die heißen Quellen zu steigen. Gute zwei Stunden lang probieren wir so viele der unterschiedlich heißen Töpfe aus, wie geht. Nur den 113°F heißen Lobster Pot packen wir nicht, da verbrennt man sich schon beim Reinsteigen die Füße. Schließlich macht sich über uns der Sternenhimmel breit, und wir gehen weichgekocht ins Bett.

Der Morgen nach dem Bad ist so wie der Tag nach dem großen Knoblauchessen: Man stinkt aus jeder Pore nach Schwefel.

Aber die Quellen geben bei Sonnenaufgang ein schönes Bild ab!

Unser nächstes Ziel für heute ist Durango, eine kleine Westernstadt westlich von Pagosa Springs. Noch scheint die Sonne. Mal sehen, wie das mit dem Wetter hier oben weitergeht…

Mesa Verde

Schwefel ausdünstend machen wir uns also auf den Weg nach Durango – das Städtchen soll aber nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zu unserem eigentlichen Tagesziel sein: Dem Mesa Verde National Park. Während unseres Morgenspaziergangs ging ja über den heißen Quellen von Pagosa Springs ganz wunderschön die Sonne auf. Auch wärmetechnisch war das mit der Sonne eine schöne Sache, hatte die Nacht doch Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich. Wir sind eben hoch in den Bergen.

Kaum sitzen wir im Auto, fängt es nun an zu regnen. Auf der einstündigen Fahrt nach Durango wechseln sich Sonne und Regen dann ab. Regenbögen begleiten uns, die Wälder um uns sind tieforange gefärbt – es wird Herbst. Durango erreichen wir bei strömendem Regen. An einen Bummel entlang der Main Street ist gar nicht zu denken. Glücklicherweise macht Simone einen vielversprechenden Coffee Shop aus. Wir parken direkt vor der Haustür und flitzen flott hinein zu den Durango Coffee Roasters. Der Kaffee ist der beste, den wir in Colorado bisher bekommen haben. Und nach einer Weile hört es draußen auch auf zu regnen, sodass wir unsere Fahrt fortsetzen können.

Tatsächlich hat es nicht nur geregnet, sondern fast bis zur Straße heruntergeschneit. Kein Wunder allerdings, bei über 4.000 Meter hohen Bergen…

Letztlich erreichen wir Mesa Verde. Hinter dem Nationalparkeingang geht es erstmal in Serpentinen hinauf auf den Mesa, den Tafelberg. Hier oben haben Waldbrände in den letzten Jahrzehnten alle höheren Bäume und Büsche niedergebrannt. Was nachgekommen ist: Schulterhohe Büsche, die zur Zeit in allen Orangetönen leuchten.

Wir machen kurz Brotzeit am höchsten Punkt des Parks – bei guten 3°C.

Mesa Verde steht für die ältesten Siedlungen der Anasazi-Indianer, den Ureinwohnern Südwest-Amerikas. Diese bewohnten ab dem 12. Jahrhundert ganze Städte, die sie unter große Felshöhlen auf dem Mesa Verde gebaut hatten. Anhand archäologischer Funde weiß man, dass die Anasazi eine Hochkultur waren, die sogar Handel bis an den Pazifik und nach Mittelamerika betrieben.

Zuerst werfen wir einen Blick auf das Spruce Tree House, das aktuell wegen Felsstürzen leider nicht besucht werden kann.

Aber faszinierend ist es schon, mitten im Nichts unter einem Fels plötzlich eine ganze Stadt zu entdecken.

Im Jahr 1300 verließen die Anasazi fluchtartig Ihre Städte. Warum? Nach aktuellem Kenntnisstand hatte eine 25-jährige Dürre sie so zermürbt, dass sie irgendwann von heute auf morgen entschieden, Ihr Leben auf den Hochebenen der Mesa Verde aufzugeben. Jahrhunderte später entdeckten Cowboys auf der Suche nach einer verlorenen Kuh die erste Stadt auf dem Plateau. Die Siedlung erinnerte die Cowboys an europäische Paläste, von denen Sie irgendwo mal Bilder gesehen haben, und so nannten sie die größte der gefundenen Städte „Cliff Palace“.

Den Cliff Palace kann man nur zusammen mit einem Ranger besuchen. Da sind wir doch dabei!

Der Zugang zum Cliff Palace erfolgt von der darüberliegenden Hochebene durch einen etwa 40cm breiten Felsspalt steil hinab, dann über Holzleitern. Und plötzlich steht man mitten im Dorf!

Der Ranger erzählt uns von der Entwicklung der Ureinwohner vor dem Bau dieser steinernen Städte, wie sie zuerst in einfachen Hütten lebten, dann zu wahren Baumeistern wurden. Wir erfahren, dass Cliff Palace wohl gar keine „Wohnstadt“ war, sondern ein repräsentativer Ort für religiöse Feiern. Auch interessant: Heute weiß man auch, wo die Indianer hinzogen, nachdem Sie ihre Felswohnungen verlassen hatten: Nämlich an den Little Colorado River, und auch an den Rio Grande, unter anderem nach Taos, um dort ein Pueblo zu bauen. Die Anasazi vom Mesa Verde waren also die direkten Vorfahren von White Feather, der uns erst vorgestern durch seine Heimatstadt führte.

Nach etwa einer Stunde steigen wir mit dem Ranger wieder durch Felsspalten und noch mehr Leitern empor. Während unseres Besuchs im Cliff Palace schien strahlend die Sonne. Nun sind wieder Wolken aufgezogen. Wir schaffen es exakt bis ins Auto, da gibt es wieder einen massiven Wolkenbruch.

Das gibt uns Zeit für einen kurzen Besuch im Museum.

Keine Stunde später ist der Regen durch, und wir können noch weitere Felswohnungen, wie das Tower Castle, bei bester Abendsonne ansehen.

Die letzten Sonnenstrahlen scheinen noch einmal in den Cliff Palace hinein, als wir am Aussichtspunkt gegenüber angelangt sind.

Wir machen uns auf den Weg aus dem Park hinaus.

Dabei läuft uns noch dieser junge Freund über den Weg:

Was für in schöner Abschluss für den Tag!

Canyon de Chelly

Rummel am Morgen: In unserem Hotel ist gestern Abend noch eine Busgruppe angekommen. Heute morgen strömen alle gleichzeitig zum Frühstück, natürlich zeitgleich mit uns. Zwei ältere Damen teilen sich den Tisch mit uns, da sonst keine Sitzplätze mehr zu finden sind. Das übliche Frage-Antwort-Spiel: Wo kommt Ihr her? Wo wart Ihr gestern? Wo geht es morgen hin? Die Damen vom Kirchenchor aus Georgia machen eine Rundreise: 16 Staaten in 12 Tagen. Und wir? Drei Staaten in drei Wochen. Und wir haben so schon das Gefühl, an vielen Orten locker eine Woche verbringen zu können… Nun gut. Sicher ist die Reise der Damen eine Unternehmung, die sie nur einmal im Leben machen können. Immerhin!

Bei frischen sechs Grad am Morgen brechen wir auf in Richtung Süden, dahin, wo keine Wolken mehr sind.

Der Ort Shiprock trägt seinen Namen nach dem weithin sichtbaren Fels. Wir fahren etwa eine Stunde von der ersten Sichtung des Shiprock, bis zum letzen Blick auf ihn, von einer Passhöhe.

Auf kurviger Straße überwinden wir einen kleinen Gebirgszug. Auf der gegenüberliegenden Seite erwarten uns orangerote Felsen.

Noch ein trockenes Tal ist zu durchfahren, dann erreichen wir den Nordrand des Canyon de Chelly.

Knapp hundertfünfzig Meter fallen die Felswände zum Canyongrund ab. Unten im Canyon bewirtschaften Indianer den fruchtbaren Boden. Aus der Tiefe hören wir Stimmen, von Menschen, Ziegen und Rindern.

Es klingt tatsächlich nach einer guten Idee, nichts in den Abgrund zu werfen, wenn unten Leute sind. Eine unfassbar dumme, der Schriftsprache offenbar nicht mächtige Familie, die sich mit dem Denken wohl ebenso schwertut, treffen wir am nächsten Aussichtspunkt: Die Kinder werfen fröhlich Steine in Richtung Wanderweg hinunter. Die Eltern sehen zu. Und selbstverständlich haben die Kinder auch Spielzeugpistolen dabei, um in der Stille etwas rumzuballern. Hoffentlich sehen wir die so bald nicht wieder. Ein Teil des Canyons heißt ja Canyon de los Muertes, wegen eines schrecklichen Massakers an den dorthin geflüchteten Indianern – aber vielleicht wäre das das geeignete Reiseziel für diese Idioten. Na gut. Nicht aufregen…

Lieber den Blick auf die hunderte Jahre alten Ruinen am Canyonboden genießen. Links unten steht ein Auto: In den Canyon hinein darf man aber nur mit einem indianischen Führer, entweder zu Pferd oder auf der Ladefläche eines Trucks. Das ersparen wir uns lieber, denn es gibt eine Ausnahme: An einer Stelle geht ein Nationalpark-Wanderweg hinunter, den man auch ohne Guide gehen darf. Das machen wir!

Suchbild: Wo ist das rote Auto? (Auch toll: Die Zeichnung, die das Wasser auf der Felswand hinterlassen hat, wie Pferdeschweife!)

Blick vom Ausgangspunkt unserer Wanderung:

Der Abstieg durch den roten Fels ist klasse! Die Luft ist knapp 20 Grad warm, aber in der Sonne wird man gegrillt. Bin schon gespannt auf den Aufstieg, wenn wir nachher wieder alles hoch müssen…

Fast unten! Stahlblauer Himmel…

Am Canyongrund überqueren wir den Wash, also den trockenen Flusslauf.

Am Ziel! Unten im Fels erreichen wir die alten Siedlungsruinen.

Relaxen im Schatten.

Man ist aber auch nie lang allein.

Im Aufwind der senkrechten Felswand drehen Vögel ihre Runden.

Gut getarnter Wegposten.

Geschafft! Wir sind wieder oben!

Jetzt noch ein Abstecher zum Spider Rock. Auf dem Spider Rock lebt der Legende nach die Spider Woman. Die Spinnenfrau wird von den Indianern verehrt, denn sie hat ihnen das Spinnen beigebracht.

Nach all der Sonne und der schweißtreibenden Wanderung werden wir heute ausgezeichnet schlafen…

Painted Desert

Es war eine ruhige Nacht am Canyon de Chelly. Sicher hätten wir hier draußen einen tollen Sternenhimmel bewundern können, aber nach dem Essen sind wir schwer wie rote Felsblöcke in unser Bett gefallen und eingeschlafen.

Noch haben wir ja „Mountain Time“, aber heute bekommen wir eine Stunde geschenkt. In Arizona zu wissen, wie spät es ist, das kann ganz schön anspruchsvoll sein. Im Winter gilt die gleiche Zeit, wie in den Staaten nördlich und östlich, wie Utah, Colorado, New Mexico. Im Sommer gilt aber die gleiche Zeit, wie in Kalifornien, denn in Arizona hält man nichts von der Sommerzeit. Befindet man sich allerdings im Territorium der Navajo Nation, dann gilt doch wieder die Sommerzeit, denn die Indianer machen eben schon mit. Aus diesem Grund hängen eigentlich überall vier Uhren: Kalifornische Zeit, Arizona-Zeit, Navajo-Zeit, New Mexico-Zeit.

Aber eigentlich ist uns die Zeit ja wurscht. Wir stehen mit der Sonne auf, und gehen schlafen, wenn wir müde sind (also ziemlich zeitig).

Heute fahren wir weiter Richtung Süden. Unterwegs halten wir kurz an diesen skurrilen Badlands:

Im Zentrum des indianischen Glaubens steht ja Mutter Erde, die sie verehren und der sie nie etwas antun würden. Betrachtet man die Müllkippe rund um den Aussichtspunkt, scheinen nicht mehr alle Indianer sich da so dran zu halten. Außerdem ist alles voller Scherben, leerer Bier- und Schnapsflaschen. Im Gebiet der Reservation ist Alkohol natürlich verboten (auch im Hotel gab es keinen Alkohol). Man muss schon etliche Meilen bis an die Grenze des Reservats fahren, um Bier oder Wein kaufen zu können. Dort steht dann natürlich ein Liquor Shop neben dem anderen… Sieht man, wir ärmlich die meisten Natives in den USA leben, kann man allerdings auch verstehen, dass sie gerne zur Flasche greifen.

Ein kurzer Stopp auf unserem Weg gilt dem Hubbell Trading Post. Früher gab es hunderte solcher Trading Posts, also Läden, in denen die Indianer Waren aller Art gegen selbst hergestellten Schmuck, Keramik und Teppiche eintauschen konnten. Hubbell sprach die Sprache der Navajo und hatte so immer einen guten Draht zu den Indianern, unterstützte sie wo er konnte.

In Taos waren wir am Wohnhaus von Kit Carson vorbeigekommen, der dort mit einem Museum geehrt wurde, da er als Vorreiter für die Besiedlung des Südwestens gilt. Hier am Trading Post erfahren wir die andere Seite der Geschichte: Carson hatte den Auftrag, das Land von Indianern frei zu machen, sodass es vom weißen Mann besiedelt werden konnte. Also kasernierte er alle Indianer ein und ließ sie im Long Walk über hunderte Meilen in ein Fort im Südosten marschieren. Viele starben auf dem Marsch oder während der Kasernierung. Erst nach einem Friedensschluss Jahre später durften die Natives in ihre Heimat zurückkehren, die tatsächlich kein weißer Mann besiedeln wollte – denn hier gab es einfach nichts. Natürlich brannte man vor der Rückgabe noch schnell alle Hütten und alle Äcker ab. Hubbell half nun den Navajo, wieder auf die Beine zu kommen, und wurde von den Indianern daher stets respektiert und als Freund betrachtet.

Neben dem Trading Post, das heute ein National Monument ist, erfährt man diese Seite der Geschichte. Im Trading Post ist heute wie damals ein richtiger Laden, in dem die Navajo einkaufen und ihre eigenen Waren verkaufen.

Nach kurzem Aufenthalt am Trading Post fahren wir weiter südwärts, bis wir das Navajo-Gebiet schließlich verlassen (Yeah, endlich die Uhr vorstellen!).

Unser nächstes Ziel: Die Painted Desert im Herzen Arizonas. Wer genau diese Wüste so schön angemalt hat, ist nicht überliefert. Aber er hat schon ganz schön Farbe verbraucht!

Von einer alten, heute unter Denkmalschutz stehenden Lodge hat man einen fantastischen und weiten Blick in das bunt gefärbte Tal. Am Horizont sehen wir Viertausender, die laut Karte über 180 Kilometer entfernt sind.

In der Sonne ist es glühend heiß, aber unser Picknick im Schatten verläuft dann doch relativ flott, denn die Luft hat heute Mittag noch keine 20 Grad erreicht.

Von etlichen Aussichtspunkten genießen wir den Blick in die Wüste.

Letztlich reißen wir uns los und fahren weiter nach Süden. Parallel zur heutigen Autobahn, entlang der Telegrafenmasten, verlief einst die Mother Road, die legendäre Route 66.

Zum Andenken hat die Nationalparkverwaltung an dieser Stelle eine lustige Straßenkreuzerbank und ein verrostetes Autowrack aufgestellt.

Nicht weit entfernt finden wir Petroglyphen, die die ersten Bewohner dieser Gegend vor laaaaanger Zeit in den Fels geritzt haben.

Besonders interessant: Der Storch, der das Baby bringt. Das ist natürlich eine spezielle europäische Interpretation. Tatsächlich glauben bestimmte Indianerstämme aber an die Existenz eines großen Vogels, der die Kinder holt. Nun wissen wir also endlich, wo der Storch die Kinder, die er bei uns bringt, so her hat.

Krasse Frisuren waren auch in der Vorzeit schon in.

All das war schon ganz schön, aber unser eigentliches Tagesziel liegt noch vor uns. Endlich finden wir die ersten versteinerten Baumstämme im Petrified Forest! Mehr dazu folgt in Kürze.

Petrified Forest

Viel gibt es hierzu nicht zu sagen, ich lasse einfach mal die (viel zu zahlreichen) Bilder sprechen.

Nur kurz zur Erklärung: Vor Millionen Jahren stand hier mal ein Wald, in dem die Dinosaurier fangen spielten. Ab und zu fiel ein Baum um, wurde unter Wasser konserviert, dann von Erdreich begraben und wurde unter dem Druck der Oberfläche zu Stein. Dann erodierte die Oberfläche dahin, und so kamen die versteinerten Stämme wieder zum Vorschein. Heute liegen hier tausende dieser manchmal meterdicken Baumstämme einfach so herum und leuchten in den schönsten Farben.

… on Route 66!

Nach einem langen Tag mit viel Wandern zwischen versteinertem Holz und gaanz viel Sonne kehren wir der Einfachkeit halber in Holbrook ein – der Ort liegt dem Petrified Forest National Park am nächsten. Mitten durch Holbrook querte einst die Route 66, die Chicago mit dem Pazifik verband. Heute verläuft die Interstate nahe der alten Streckenführung, aber eben um alle Ortschaften herum, und so sind die Boomtowns aus Zeiten der Route 66 mittlerweile vom Verkehr abgeschnitten und werden nur noch von Nostalgie-Touristen besucht.

An der Größe einiger alter Werbeschilder (für Läden, die schon lange nicht mehr existieren und Motels, die schon längst geschlossen wurden) kann man erahnen, wie es hier zu den Hochzeiten der Mother Road mal aussah.

Aber zum Glück kommen ja seit ein paar Jahren wieder Touristen, die absichtlich nicht die Autobahn nehmen, sondern so oft wie möglich auf der echten alten Route 66, oder zumindest so nah wie möglich an deren alter Streckenführung reisen möchten.

Wir steigen in einem kleinen Motel mit gerade mal 10 Zimmern ab, welches von einer österreichischen Familie liebevolle restauriert und neu eingerichtet wurde. Hier gibt’s zum Frühstück tatsächlich mal Semmeln und Marmelade, und zum Kaffee Milch statt Sahne.

Auf der anderen Straßenseite wartet das Wigwam Motel heute wieder auf Gäste – 1950 gebaut wurde es 1974 geschlossen, als die Autobahnumgehung den Ort vom Durchgangsverkehr abschnitt. Jetzt kann man in den Beton-„Wigwams“ (die eigentlich Tipis sind) wieder übernachten, vor jedem Wigwam parkt zudem ein Oldtimer!

Wir haben einen Bärenhunger, und da unsere Gastgeber Europäer sind, vertrauen wir auf ihren Rat, dass es im Mesa Restaurant richtig gutes italienisches Essen geben soll. Auch wenn das Restaurant mit südländischem Flair nicht wirklich aufwarten kann (Tische mit Plastiktischdecken in einem gänzlich schmucklosen Raum) ist es voll besetzt und die Scaloppine vom Kalb mit Kapernbutter und Pasta sind ein Gedicht (wenn auch von der Fleischmenge ungefähr das fünffache, von dem, was man normal so beim Italiener bekäme).

Am folgenden Morgen besuchen wir noch den Rock Shop, der mit lebensgroßen Dinosaurierfiguren auf sich aufmerksam macht …

… sowie den Factory Store der Petrified Woods Company, der neben Tonnen versteinerter Bäume auch alle anderen erdenklichen Steine und Mineralien verkauft: roh, geschliffen, poliert oder zu Schmuck verarbeitet. Hier hat wohl jemand vor langer Zeit ein angeblich wertloses Stück Land gekauft und dann begonnen, es komplett durchzusieben. Im Laden findet sich auch eine private Sammlung unverkäuflicher Schätze, denn neben dem versteinerten Holz wurden auch alle Arten von Fossilien gefunden, bis hin zum kompletten Dinosaurier.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt haben wir die Wüste hinter uns gelassen und finden mitten im Wald unter hohen Pinien einen Holzschnitzladen der Superklasse, dessen Auslage (und Open Air – Werkstatt) sich über mehrere Gebäude entlang der Straße zieht.

Neben Bären in allen Größen und Formen gibt es auch grüne Außerirdische zu kaufen, und sogar ein Sasquatch ist dabei:

Und der Adler darf natürlich auch nicht fehlen.

Etwas weiter haben wir Glück: Dort zeigt ein Schild: HEAVY SMOKE AHEAD – EXPECT LONG DELAYS. In einem Talkessel nahe der Straße brennt der Wald – aber die Straße selbst ist noch nicht betroffen. Wäre die jetzt gesperrt gewesen, wir hätten einen Umweg von einem halben Tag fahren müssen.

So aber kommen wir gut voran. Irgendwann geht es aus dem Wald heraus langsam bergab. Die Bäume werden kleiner, weichen Gebüsch, und bald schon sehen wir die ersten Kakteen, bis schließlich auf beiden Seiten der Straße nur noch Staub und kleine trockene Büsche zu sehen sind. Wir sind ausgehend von 2.000 Metern Höhe auf 300 Meter hinuntergefahren und landen in Scottsdale, einem Vorort von Phoenix.

Hier empfangen uns endlich 34°C Tag- und 26°C Nachttemperatur. Ab in den Pool!

Cactus Forest

Nach zwei erholsamen Tagen in Scottsdale bei Phoenix (ohne spezielle Unternehmungen) sind wir nun weitergefahren nach Tucson. In Phoenix ist es ja immer heiß und trocken, und in Tucson ist es ebenso immer heiß und trocken (allerdings so zwei Grad weniger als in Phoenix). Momentan ist aber Monsunzeit, da geht fast jeden Nachmittag ein Mordsgewitter runter, und dann ist es nicht mehr heiß und trocken, sondern heiß und dampfig.

Nachdem wir das eher langweilige Zentrum von Tucson besucht haben – da war noch einwandfreier blauer Himmel – sind plötzlich riesige Gewitterwolken zusammengezogen, und es regnet in Strömen. Dann hört es plötzlich wieder auf und die Sonne scheint. Wir machen uns daher am frühen Abend auf den Weg in den Ost-Teil des Saguaro National Park. Wir gehen einfach mal davon aus, dass der Regen vorbei ist und wir dort vielleicht einem schönen Sonnenuntergang zusehen können. Wie naiv von uns.

Tucson besteht zu einem Drittel aus Luftwaffenstützpunkten. Ständig sieht man große Militärmaschinen starten und landen. Viele Quadratkilometer groß sind die Felder auf denen mitten im Stadtgebiet ausgediente Flugzeuge jeder Art und jeder Größe zwischengeparkt sind, und meist nur noch als Ersatzteillager dienen. Im Hintergrund dürfte ungefähr unser Ziel liegen. Dort scheint der Regen dann doch noch nicht vorbei zu sein.

Tucson als Stadt geht ganz schön in die Breite (einige Einwohner auch), es dauert eine gute Stunde, die Stadt komplett zu durchqueren. Wir wohnen etwa in der Mitte und erreichen nach einer halben Stunde Fahrt den Nationalparkeingang. Dort hat der Himmel gerade die Schleusen geöffnet und wir warten erstmal einige Zeit im Auto.

Wir hatten ja immernoch gehofft, der Regen würde bald aufhören und der blaue Himmel würde noch vor Sonnenuntergang zurückkehren. Da haben wir uns für heute aber getäuscht: In einer Regenpause flitzen wir hinüber ins Visitor Center, aber da zieht schon das nächste Gewitter auf.

Im Visitor Center rät man uns auch davon ab, heute noch in den Park zu fahren. Die Straße würde ganz schon rauf und runter gehen, und in den Senken dürfte nach dem Gewitter das Wasser stehen, sodass sie unpassierbar würden, und wir dann eingesperrt wären. Wir lassen es also lieber – es hätte sich ohnehin nicht gelohnt, da die Sonne hier heute nicht mehr herauskommt.

Wir fahren also zurück in die Stadt und gehen lecker essen. Bei mir gibt es Lachsforelle mit Banane, Avocado, Jalapeños und Koriander auf Lauch und Bohnen. Eine interessante Kombination, die lecker schmeckt. Nur, was die Banane dabei zu suchen hat, weiß wohl nur der Koch.

Normalerweise beginnen die Tage hier dann mit blendend blauem Himmel. Das Gewitter gestern scheint aber doch etwas stärker gewesen zu sein, und auch heute morgen gewittert es am Horizont ein wenig. Aber in Richtung des Teils des Saguaro Parks, den wir gestern besuchen wollten, sieht es trocken aus, also fahren wir da noch einmal hin.

Wir starten nur unsere Rundfahrt durch den Park. Über die Parkstraße muss gestern wirklich an vielen Stellen das Wasser drübergeschossen sein, einige Furten sehen ganz schön verschlammt aus. Gut, dass wir da nicht mehr reingefahren sind, wahrscheinlich hätten wir die Nacht zwischen zwei Senken verbracht.

Wir machen eine kleine Wanderung im Park, der viel grüner ist, als wir ihn uns vorgestellt haben. Saguaros sind die riesigen Kakteen, die hunderte Jahre alt werden und tausende Liter Wasser speichern können. Die ersten Verzweigungen bildet ein Saguaro frühestens nach 30 Jahren.

Zwischen den Saguaros wachsen noch allerlei andere stachlige Gesellen.

In den meisten Saguaros haben sich Vögel eingenistet, zu erkennen an den runden Eingangslöchern.

So langsam kommt nun auch die Sonne raus. Während es ohne Sonne angenehm schwülwarm war, ist es mit Sonne dann so richtig heiß.

Auf einmal springt ein Monsterhase aus dem Gebüsch, mit Riesenlöffeln und langen Beinen. Beim Hoppeln sieht er fast schon aus, wie ein Känguru. Später lesen wir, dass dieses Modell sich Antilope Rabbit nennt.

Der ganze Stadtrand von Tucson steht voller Saguaros. An dieser Stelle standen – wie wir vor Ort auf alten Bildern sehen können – einst zehnmal mehr Kakteen. Dann wurde der Nationalpark gegründet, da man davon ausging, die Saguaros stünden hier – unter entsprechendem Schutz – für ewig. Um 1930 setzte dann das große Saguaro-Sterben ein. Es gab unter anderem eine (hier seltene) Frostnacht – heute weiß man, dass schon 20 Stunden leichter Frost den Saguaro umbringen können. Für uns ist es selbstverständlich trotzdem ein toller Anblick, aber nicht mehr vergleichbar mit dem Kaktuswald auf den alten Bildern.

Dieser Saguaro direkt neben dem Besucherzentrum ist ziemlich genau 100 Jahre alt!

Nach unserer Wanderung durchqueren wir erneut die Stadt und erreichen nach einer Stunde Fahrt den Westteil des zweigeteilten Parks. Bei einem kleinen Picknick orientieren wir uns: So sieht das „You are here“ auf der Wanderkarte in Tucson, Arizona, aus: Ein glatter Durchschuss mit mindestens Kaliber 18mm.

Squirrel!

Hier auf der Westseite Tucsons stand heute morgen noch ein tief schwarzes Gewitter. Danach hatte es innerhalb einer Stunde auf komplett wolkenlos umgestellt. Mittlerweile bilden sich aber schon wieder die ersten Wolken fürs 17-Uhr-Gewitter.

Wir sind im Arizona-Sonora Desert Museum. Das Wüstenmuseum ist mit das Beste, das Tucson zu bieten hat: Eine Mischung aus Museum, Zoo und botanischem Garten, in dem es um Entstehung und Artenreichtum der Umgebung geht.

Da wir nun (nachdem wir ja wetterbedingt heute morgen etwas umplanen mussten) in der größten Mittagshitze über das Museumsareal laufen, sehen wir von den Großtieren wie Puma, Bär und Wolf nicht viel, die liegen eher im Schatten rum. Aber die Reptilien und Spinnen waren auch im Terrarium recht furchteinflößend, und die vielen kleineren Tiere waren hellwach.

Bestimmt drei Stunden sind wir auf dem Rundweg unterwegs. Das Museum findet zu 90% draußen statt, der Rundweg ist einige Kilometer lang. Zwischendurch gibt es zum Glück immer wieder angenehme Schattenplätze.

Und, da man in einem amerikanischen Museum nur selten mit den Exponaten einfach so allein gelassen wird, stehen an vielen Stellen sogenannte Dozenten, die mit reichlich Anschauungsmaterial verschiedene Themen umfangreich erklären. So haben wir Gelegenheit, eine Rat Snake zu streicheln, einen Skorpion zu streicheln (ach nein, den haben wir dann einfach nur angeschaut), und erfahren im Agavengarten alles über die Tequilaherstellung.

Die letzte Station ist das Kolibri-Haus. Die Hummingbirds sind allgegenwärtig und fliegen mit lautem Brummen bis ganz nah an uns heran. Ich versuche mehrfach, Exemplare im Flug zu fotografieren, aber die kleinen sind einfach zu flink für mich. Auf Zweig sitzend ist ja auch ganz schön.

Ach ja, einen Schmetterlingsgarten gibt es auch noch.

Schließlich verlassen wir den Museumspark und fahren bei tiefstehender Sonne noch die Schleife durch den Westteil des Saguaro Parks. Hier stehen besonders viele, besonders große Exemplare.

Wo man hinschaut: Saguaros.

Wie erwartet gibt es gegen fünf Uhr dann wieder ein riesiges Donnerwetter – und als wir kurz darauf das Hotel erreichen, scheint wieder die Sonne. Aber nicht mehr lang, denn um 18 Uhr wird’s dunkel.

Wir sagen den Palmen also gute Nacht.

Tombstone

Wir verlassen Tucson in Richtung Osten, unser erstes Ziel für heute ist Tombstone, Arizona, Kulisse des legendären Shootout zwischen Wyatt Earp und dem Clanton Clan.

Earp vertrat das Gesetz im weitgehend gesetzlosen Süden der 1880er. Nachdem die Cowboys am Vortag eine Postkutsche überfallen und dabei Kutscher wie Insassen erschossen, traf man sich am nächsten Tag um 12 Uhr Mittags am O.K. Corral zum Shootout. Für die Cowboys ging es danach direkt auf den Boothill Graveyard, den Friedhof, der so heißt, da dessen meiste Bewohner starben, also sie ihre Boots noch anhatten. Der perfekte Ort also, um den Besuch Tombstones zu beginnen…

Und hier liegen sie auch schon, die drei „Opfer“ des Shootouts am O.K. Corral:

Der „alte“ Clanton liegt gleich nebenan.

Dann gibt es Dutzende Gräber auf deren Grabsteinen praktischerweise die Todesursachen genannt sind: Shot by Apaches, Hanged, Shot, Killed, Shot by a Chinaman. Oft ist auch gleich namentlich notiert, von wem sie erschossen wurden.

Über dem Boothill Graveyard kreisen sprichwörtlich die Geier!

Ups, John Heath wurde aus dem Gefängnis geholt und dann von einem Mob aus Bisbee gelyncht? Bisbee ist unsere nächste Station. Wollen wir da wirklich hin? Nochmal überlegen…

George Johnson, dieser Pechvogel. He Was Right, We Was Wrong, But We String Him Up, And Now He’s Gone. Versehentlich gehängt… Kann vorkommen.

Dann schauen wir mal rüber noch Downtown Tombstone. Kurz vor 12 Uhr ist die Main Street wie leergefegt. Kündigt sich da Unheil an?

Der Postkutscher hat noch die Ruhe weg. Beruhigend.

Aber im Schatten treiben sich allerlei windige Gestalten herum.

Da schauen wir doch erstmal ins Bird Cage Theater. Die Bird Cages waren aber keine echten Vogelkäfige, sondern Separées auf der Empore, in denen man für ein paar Extradollar mit einer Dame verschwinden, und gegebenenfalls auch die Vorhänge zuziehen konnte.

$22 für eine Bestattung in ausgewähltem Kiefernholz erscheint mir dennoch teuer!

Das Pokerzimmer wurde offenbar hastig verlassen.

Ah, da ist ja Wyatt Earp mit seinem Kumpel Doc Holliday! Die beiden scheint etwas zu beschäftigen, so laut diskutieren sie.

Oh, auch in Tombstone ist schon Halloween.

Aber was ist das? Wyatt Earp mit seinen Brüdern und Doc Holliday provokant auf der Main Street! Und das um fünf vor Zwölf! Das kann nichts Gutes verheißen.

In solchen kritischen Momenten gilt: Runter von der Straße! Rein in den Saloon.

In Big Nose Kate’s Saloon bestelle ich mir ein 1A Pastrami Sandwich mit Cole Slaw und Honey Mustard! Dazu gibt es Live-Musik. Da sollen sich die Ganoven doch ohne uns erschießen. Die erschießen sich eh dreimal täglich…

Big Nose Kate war übrigens Doc Holliday’s beste Freundin…

Der echte Marshal von Tombstone, also die direkten Nachfolger von Wyatt Earp (welcher Hilfsmarshal war), haben hier ihre Pferde geparkt.

Das war also Tombstone. Wyatt Earp überstand den Shootout leicht verletzt, während Tom McLaury, Frank McLaury und Billy Clanton auf den Boothill umzogen. Wenige Monate später traf dann eine Kugel Wyatt’s Bruder um 10 Uhr morgens beim Billiardspielen. Und so ging es dann weiter und weiter und weiter, und am Boothill wurde es enger und enger und enger.

Aber gut, schauen wir mal, wie der Mob in Bisbee heute so lebt. Weiter Richtung Süden!

Bisbee

Wir übernachten in Bisbee in einem sehr hübschen Apartment in einem alten Backsteinhaus mitten im alten Zentrum. Unsere Vermieter waren vor 20 Jahren auf Reisen, als Ihnen jemand ein Buch auslieh, aus dem das Lesezeichen herausfiel: Eine Postkarte dieses Gemäldes der Stadt Bisbee in Arizona. Sie beschlossen daraufhin, diese Stadt bei Gelegenheit mal zu besuchen, verliebten sich dort sofort in ein heruntergekommenes, historisches Gebäude, kauften es, restaurierten es sechs Jahre lang, und nun sind wir hier deren Gäste.

Es ist wohl Nebensaison in Bisbee, wir sind in diesem Haus heute Nacht auch die einzigen Gäste, was hoffen lässt, dass uns keine Fernseher aus dem Nachbarzimmer, keine Klimaanlagen aus dem Zimmer unter uns und kein Getrampel aus dem Zimmer über uns stören dürften. Allerdings: Ganz allein sind wir möglicherweise doch nicht – auf Zimmer 6, 7, 8 und 11 soll es immer wieder spuken. Wir sind auf 7.

Bisbee ist ein hübscher Ort, dem man ansieht, wie reich die Kupferminen um den Ort herum ihn gemacht haben. Das Städtchen liegt schmuck in und an einem engen Canyon, was allein schon eine Besonderheit ist.

Von den einst 29 Minen kann eine besichtigt werden, dafür haben wir uns heute morgen aus Tucson schonmal telefonisch angemeldet. Bei strahlendem Sonnenschein und vielleicht 27°C machen wir einen Bummel durch den Ortskern. So können wir uns noch etwas aufwärmen, bevor es in die angeblich nur 7°C kalte Mine geht. Sicherheitshalber flößen wir uns bei der Bisbee Coffee Company auch noch ein Heißgetränk ein.

Dann fahren wir die zwei Minuten hinüber zur Mine. Kurz bevor wir dort aus dem Auto aussteigen können, gibt’s ein lautes Donnern, und schon geht ein Gewitter nieder. Wo kam das denn jetzt her? Der Himmel war doch gerade noch blau. Zehn Minuten später hat das Gewitter fertig und die Sonne scheint wieder. Ach, Arizona…

Wir werden nun mit Warnwesten, Helm und Grubenlampe ausgestattet. Das mit den 7°C bewahrheitet sich nicht – sie belüften die Mine neuerdings irgendwie anders, sodass es im Sommer nicht mehr ganz so kalt ist, drinnen. Auf unsere Daunenjacken, und auch auf die regensicheren Grubenjacken, die die Mine sonst ebenfalls stellt, können wir also verzichten.

In einer kleinen Gruppe fahren wir nun tief in den Berg ein. Der – seinerzeit von Hand geschlagene – Stollen ist gerade groß genug, dass wir auf der Grubenbahn hindurch passen.

Nach einer interessanten Stunde mit vielen Erklärungen und einem kurzen Marsch durch die einstigen Kupferstollen, fahren wir wieder aus und stillen letztlich unseren Bergmannshunger beim Mexikaner, während es in Bisbee langsam dunkel wird.

Beim anschließenden Spaziergang sind noch angenehme 24°C, dazu ein klarer Sternenhimmel, eine schöne Nacht!

Während Batman offenbar Nachtschicht hat, gehen wir dann lieber schlafen – denn morgen wollen wir fleißig wandern gehen.

Chiricahua National Monument

Uiuiui, ich komme mit dem Schreiben gar nicht hinterher…

Nachdem wir uns bei den Bisbee Coffee Roasters mit frischen Scones eingedeckt haben, starten wir zum Chiricahua National Monument, das sich als echter Geheimtipp herausstellt. Es ist eben auch etwas abgelegen.

Zwei Stunden Fahrt durch trockene, flache Täler, das bedeutet: Geradeaus fahren, rechts mal ein Rind, links mal eine Windhose, die den staubigen Boden aufwirbelt, einzelne Häuser, bei denen man sich fragt, wie man hier nur wohnen kann (und warum?), große künstlich bewässerte grüne Kreise, riesige Kornsilos, und weit sichtbare Warnschilder, wenn dann doch mal eine Kurve kommt. Das Ziel, ein kleines Gebirge am Rande des Tals hat man schon seit einer Stunde vor Augen, nur ganz langsam kommt es näher. Dann kommt das, was uns hier immer wieder fasziniert: Innerhalb weniger Minuten durchfährt man mehrere Vegetationszonen. Gerade stand man noch in der Wüste und ein Dornbusch wehte über die Straße. Plötzlich fließt da ein Bach und richtige Bäume spenden Schatten.

Bei perfektem Wanderwetter starten wir auf den Rundweg durch die unglaublichen Felsformationen von Chiricahua. Einige scheinen gar die Schwerkraft zu ignorieren.

Wir kommen an riesigen pilzförmigen Felsen vorbei.

Dann steigen wir durch die Felstürme hindurch langsam ab. Die höchsten Felsnadeln sind über 90 Meter hoch!

Plötzlich plätschert es neben uns, ein Bach fließt zwischen den Felsen hindurch.

Der Wanderweg macht einen Knick, wir verlassen das Tal mit dem Bach, und auf der sonnenzugewandten Seite stehen wieder Kakteen und Agaven.

Unser Weg ging die ganze Zeit bergab. Das müssen wir nun alles wieder hoch. Aber auch wenn die Sonne ganz schön brennt, hat es vielleicht so 24°C, und beim Aufstieg spenden wieder ein paar Bäume und der Bergrücken Schatten.

Unterwegs sehen wir noch ein paar Spechte…

… Echsen …

… Mumien …

… und eine Stellar Jay – das ist ein Verwandter des Blue Jay. Der wiederum ist auch bekannt als Picnic Bird, weil er immer gleich ankommt, wenn irgendwo ein Krümel runterfallen könnte. Und tatsächlich treffen wir diesen hier an einem Picknickplatz.

Wieder oben angekommen ergibt sich ein schöner Blick ins 600 Meter tiefer gelegene Tal…

…und bei der Fahrt aus dem Park blicken wir noch einmal zurück auf die Felsnadeln, die da wie Orgelpfeifen stehen.

Dann geht es wieder zurück ins backofenwarme Tal.

Auf der Weiterfahrt steht unerwartet ein Abschleppwagen quer auf der Straße. Der Sheriff ist auch schon da, hat aber nicht wirklich daran gedacht, den Verkehr abzusichern. Hier kommen eh nur eine Hand voll Autos in der Stunde vorbei. Eine Frau läuft auf uns zu und erklärt uns, was passiert ist – aber das haben wir nun auch schon gesehen: Eine Kuh steckt mitten auf der Straße im Cattle Guard, also im Weiderost, fest. Die arme Frau nennt die Kuh ihr „Baby“. Die arme Kuh (ein riesiges Viech!) ist schon ganz abgekämpft. Hoffentlich gelingt es ihnen, das Tier aus dem Rost zu befreien. Wir dürfen langsam passieren.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir in der Dämmerung Silver City, New Mexico (blöderweise verlieren wir heute wieder eine Stunde, da wir Arizona verlassen haben). Durch unsere ohnehin schon späte Ankunft, und die verlorene Stunde, bleibt uns nicht mehr viel Wahl beim Essen gehen. Auf Kettenrestaurant am Highway haben wir keine Lust, aber einige der Restaurants im Historic Downtown machen hier schon um 20:30 zu. Also gehen wir in die lokale Brewery, die haben immerhin bis 24 Uhr auf (ist ja Samstag!) – und in der Brewery gibt es auch (ganz tolle!) Livemusik.

Bei Johnny Cash essen wir Steak Salad und Fish Tacos und beobachten das Kleinstadtleben. Was hier für Gestalten herumlaufen, man kann es manchmal mit Worten nicht beschreiben.

Letztlich fallen wir satt aus der Kneipe und danach direkt müde ins Bett. Wandern bei diesem Klima, dieser gleißend hellen Sonne und klaren Luft ist ganz schön anstrengend. Morgen ist Sonntag. So ein Glück.

Von Silver City nach El Paso

Für den heutigen Tag haben wir nicht allzu viel geplant, also lassen wir es gemütlich angehen und stellen den Wecker auf 8 Uhr (das ist nach Arizona-Zeit trotzdem 7 Uhr, an die hatten wir uns nun auch schon wieder gewöhnt). Nach dem Frühstück laufen wir in der Historic Downtown von Silver City ein wenig die Hauptstraße rauf und runter. Leider ist die Stadt heute morgen ein bisschen ausgestorben, es ist Sonntag.

An der Ecke Main Street / Broadway waren wir gestern in der Little Toad Brewery, also der Kleiner-Frosch-Brauerei, das war sehr lustig. Wenn das echte Oktoberfest zu Ende ist, dann feiert ja die ganze Welt Oktoberfest (denn naiverweise denken alle ja, das Oktoberfest wäre im Oktober). Im Little Toad wird das gaaanz speziell. Sogar mit Hammerschlagen. Was auch immer das sein mag. Vielleicht ganz gut, dass wir da nicht mehr da sind.

Im Jumping Cactus gehen wir noch einen Cappuccino trinken, dann starten wir.

Silver City liegt sehr nett inmitten hoher Kiefernwälder in den ersten Ausläufern der Rocky Mountains. Verlässt man die Stadt, fährt man ein wenig bergab und schon stehen links und rechts nur noch dürre Büsche. Wir machen einen Stopp in der City of Rocks, einem Haufen haushoher Felsbrocken, die wie ein kleines Städtchen in der Wüste stehen.

Es ist ganz lustig, im Labyrinth der Felsen herumzulaufen und auf kleiner hinaufzukraxeln. Aber ehrlich gesagt, haben wir schon Beeindruckenderes gesehen. Ein Zwischenstopp zum Beinevertreten kommt aber immer Recht.

Ein weiteren solchen Halt legen wir in Mesilla ein. Der kleine Ort hat eine schöne Plaza zum Drumrumschlendern und nette Adobebauten rund um die Plaza. Als wir ankommen ist trotz (oder gerade wegen) des Sonntags richtig was los. Auf der Plaza ist heute Jazzfest und alle haben ihre Klappstühle mitgebracht, sitzen im Schatten und warten, bis die nächst Big Band startet.

An der Straßenecke gegenüber entdecken wir eine Bar mit schattiger Terrasse, nichts wie hin!

Auch Mesilla ist schon im Halloween-Fieber.

Nicht alle Adobebauten sind so schlicht, wie das Post Office, aber man fühlt sich wirklich schon wie in Mexiko.

Und die Plaza ist schön geschmückt, fürs Jazzfest. Wir beobachten das ganze jedenfalls von unserem Logentisch bei Emilia’s on the Plaza aus. Die gemütliche, ruhige Sonntagsstimmung hier gefällt uns!

Abends erreichen wir El Paso, die westlichste Stadt in Texas. Den kleinen Abstecher wollten wir unserem Auto, das ein texanisches Kennzeichen hat, doch gönnen. Kurz nach Sonnenuntergang fahren wir zum Scenic Drive hoch, von wo aus man einen schönen Überblick über El Paso hat.

El Paso liegt direkt am Rio Grande, der hier die Grenze zu Mexiko markiert. Auf der anderen Uferseite liegt die mexikanische Nachbarstadt Ciudad de Juarez mit mehreren Millionen Einwohnern. Im Vordergrund sieht man (spärlich beleuchtet) die großzügigen Grundstücke der Einwohner von El Paso. Im Hintergrund dann Juarez mit hunderten engen Straßen.

Wir haben es uns erspart, nach Mexiko rüber zu gehen (unseren Mietwagen hätten wir nicht nehmen dürfen), nur weil die Tacos dort etwas billiger sind. Tatsächlich waren sie auch in L&J’s Café ziemlich günstig: Keine $4 für einen Burrito – im Restaurant mit Bedienung, wohlgemerkt, nicht auf die Hand.

Der Tag an dem ich drei Mal auf meine Frau hörte

Wir beginnen den Tag mit einer länglichen, landschaftlich etwas drögen Fahrt ab El Paso in Richtung Osten. Da alle Strecken, die von der mexikanischen Grenze ins Inland der USA führen, nach einige Meilen mit Kontrollstellen der Border Patrol ausgestattet sind, müssen wir uns dort beim Officer erstmal ausweisen. Nach ewig langem Geblättere in unseren Pässen findet er endlich den Visumsstempel und wir dürfen weiterfahren.

In den Guadalupe Mountains haben wir uns eine Wanderung herausgesucht, in einen Canyon, durch den ein echter Bach hinunterfließen soll, der eine grüne Ader durch die umgebende Trockenheit legt.

Vorher informieren wir uns besser, was zu tun ist, wenn wir auf einen Berglöwen treffen. Die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen, dürfte jedoch größer sein.

Dann starten wir auf den Weg in den McKittrick Canyon. Es ist gaaaanz schöööön waaaarm. Aber angeblich soll es im Canyon ja Wasser geben, und Bäume, und Schatten. Angeblich.

Uns kommt ein amerikanisches Paar entgegen, mit dem wir uns kurz unterhalten. Unten auf dem Parkplatz standen nur zwei Autos, demnach sind wir auf dem Wanderweg so fast die Einzigen, da kann man schon mal ein paar Worte wechseln.

Zuerst erfahren wir, dass die Beiden den Weg zwar nicht allzu weit gelaufen sind, aber weit und breit kein Bach und kein Wasser und kein Schatten kommt. Prima!

Ich frage ihn, wo er herkommt, da sagt er: „From Wetzlar!“ – und seine Frau rollt die Augen – „Now you’ve got him started“.

Es folgt eine genealogische Abhandlung des Familienstammbaums väterlicherseits. Wie die Urgroßeltern über Texas in die USA eingewandert sind, und so weiter, und so weiter. Wenn auch etwas detailliert, war es ein nettes, sehr interessantes Gespräch – in brütender Hitze. Irgendwann zieht seine Frau ihn dann weiter und wir brechen auch wieder auf.

Mehrmals überqueren wir den Wash, den ausgetrockneten Bachlauf. Kein Wasser. Kein Schatten.

Bei einer weiteren Überquerung meint Simone dann, hier rieche es nach Meer (seeehr wahrscheinlich!).

Tatsächlich riecht es nach Meer.

Was da riecht ist der Bach, der wenige Meter über uns ganz ganz leise plätschernd durchs Kiesbett läuft, und vor unseren Füßen im Boden versickert. Dabei lässt er eine Art Schlick zurück, der – ja – eben nach Meer riecht.

Den Wanderweg haben die Ranger zum Glück recht breit angelegt, das hält die Klapperschlangen fern. Nun, da im Tal Wasser fließt – wenn auch nur ganz wenig – wird es langsam grüner und richtig hohe Bäume spenden uns Schatten. Geht doch!

Noch mehrere Male müssen wir den Bach überqueren.

Es blüht sogar hier und da!

Und es gibt lustige Bäume, die nur ganz unten am Stamm eine Rinde haben, und sonst irgendwie nackig sind.

Nach vielleicht zwei Stunden erreichen wir die Pratt Lodge, ein Steinhaus, das sich der frühere Eigentümer dieses Stücks Land in den Canyon gebaut hat. Er hat das Land dann später dem Nationalpark vermacht. Hier gibt es aber außer Mücken eigentlich nichts, und so gehen wir zurück in den Canyon, wo wir in der Sonne picknicken. Richtig: In der Sonne, denn hier oben im Canyon ist es jetzt eigentlich ganz angenehm, und der Rücken ist so klatschnass geschwitzt, dass eine Rast im Schatten keine gute Idee wäre.

Wir hatten erwägt, den Canyon noch bis zu einem Ort namens Grotto weiterzugehen (eine Höhle vielleicht). Auf unserer Karte sehen wir aber, dass es zu weit für heute sein dürfte. Für den Nachmittag war auch eine Gewittergefahr angesagt, und wir müssen ja mehrmals den Wash queren, der dann vielleicht nicht mehr passierbar wäre. Wir gehen trotzdem noch ein bisschen weiter, denn der Weg hier oben ist schattig und schön.

Irgendwann schlägt Simone vor, umzukehren, und natürlich stimme ich ihr sofort zu.

Auf dem Rückweg – bergab wandert es sich doch immer leichter als bergauf – laufen wir gerade in großen Schritten hinab, als Simone mich plötzlich am Arm reißt und „Schlange! Schlange!“ ruft.

Ich bleibe natürlich völlig ruhig.

Sicherheitshalber, und um Simone nicht zu ängstigen, mache ich aber doch eine groooßen Sprung nach hinten. Erst danach suche ich den Boden nach der angeblichen Schlange ab.

Da schlängelt sich doch einer der beiden Holzstöcke, auf die ich beim nächsten Schritt draufgetreten wäre, in den Busch!

Die Schlange sah zwar friedlich aus, aber drauftreten muss man dann ja auch nicht unbedingt.

Gut, dass ich immer auf meine Frau höre.

Seit wir umgekehrt sind, haben sich die Schönwetterwolken über dem Canyon immer dunkler gefärbt, und es sieht nun doch langsam ungemütlich aus. Kein Problem, der Parkplatz ist nicht mehr weit, nur noch ein Mal müssen wir den Wash überqueren (puh, jetzt kann uns der Weg nicht mehr abgeschnitten werden), wir spüren schon erste, warme Regentropfen.

Flotten Schrittes gehen wir auf den Parkplatz zu, die wenigen Tropfen verdampfen sofort auf uns und auf dem Boden.

In exakt dem Moment, in dem wir das Auto erreichen, werden die Tropfen dicker. Wir schaffen es gerade noch, uns die Bergschuhe von den Füßen zu reißen und ins Auto zu springen, da blitzt und donnert es, und ein Gewitterplatzregen setzt ein, bei dem wir schon nach zwei Schritten klatschnass gewesen wären.

Das war perfektes Timing, denn ich habe ich ja auf meine Frau gehört, als sie gerne umkehren wollte.

Auf unserer Weiterfahrt folgt uns das Gewitter noch einige Meilen, und da kommt wirklich richtig Regen runter. Zum Glück geht die Straße stets leicht bergab, sodass das Wasser nirgends die Fahrbahn überfluten kann.

Letztlich erreichen wir die Carlsbad Caverns, die wir morgen erkunden möchten.

Am Abend steht aber noch ein ganz besonderer Programmpunkt an: der Bat Flight.

In der Höhle leben Millionen Fledermäuse. Die hängen den ganzen Tag an der Höhlendecke rum und haben am Höhlenboden schon Guano (also Fledermauskacke) in einer Höhe von 10 Metern angehäuft! Die Suche nach Guano (als Dünger) hat letztlich zur Entdeckung vieler der Höhlen hier geführt.

An den Caverns kann man nun jeden Abend dabei sein, wenn die Fledermäuse aus der Höhle ausfliegen, um die Nacht zum Fressen an der Oberfläche zu verbringen. Dazu wurde extra ein kleines Amphitheater über dem Höhleneingang gebaut, wo wir nun der Dinge harren, während die Dämmerung einbricht.

Der Ranger erzählt noch dies und das (die Fledermäuse verbringen nur den Sommer hier, sie können bis zu 50 km/h schnell fliegen, Handy-Signale oder Kameras würden sie erschrecken oder ihre Navigation erschweren – also keine Fotos, wir sollen auch brav sitzen bleiben, damit wir die Nager nicht erschrecken), da geht es auch schon los: Eine erste Wolke an Fledermäusen fliegt in Spiralen gegen den Uhrzeigersinn aus dem Höhleneingang hervor. Zunächst kreisen sie noch kurz vor der Höhle und ziehen dann in Scharen Richtung Süden – dort, wo es die nächsten Wasserquellen gibt.

Es ist fantastisch! Über dem Höhleneingang schwirren Fledermäuse wie über einem Wespennest. Riesige schwarze Wolken schweben in Richtung Horizont davon. Es müssen Millionen sein.

Nach etwa zwei Minuten – wir sind immer noch völlig gebannt – gehen die ersten Besucher. Okay, wir haben auch Hunger, aber das Erlebnis kann man schon mal ein paar Minuten lang mitnehmen, oder? Interessanterweise gehen die Dicken zuerst. Nach fünf Minuten sind alle Dicken weg. Nach zehn Minuten – es kommen nach wie vor Fledermäuse über Fledermäuse aus der Höhle – gehen noch mehr. Irgendwann, so nach einer halben Stunde, packen wir es dann aber auch – es ist einfach noch kein Ende des Fledermaussturms abzusehen. Außerdem wird es bald so dunkel sein, dass wir sie gar nicht mehr sehen. Und, okay, wir haben jetzt auch wirklich richtig Hunger.

Wir fahren also die halbe Stunde nach Carlsbad zum Essen.

Auf der Heimfahrt ist es dann stockdunkel. Vor Wildwechsel wird gewarnt. Und schon steht ein Reh vor uns auf der Straße.

Während ich in die Eisen steige – das Reh guckt uns neugierig an – ruft Simone: „Hupen, hupen!“.

Ich hupe.

Das Reh läuft davon.

Nochmal gut gegangen.

Warum? Weil ich zum dritten Mal für heute auf meine Frau gehört habe.

(Dieser Text wurde vom Autor ohne Anwendung äußeren Zwangs aus freien Stücken verfasst.)

Runter in die Carlsbad Caverns

Die Fledermäuse sind längst wieder in ihre Höhle zurückgekehrt, nun steigen wir ab.

Es geht steil nach unten, aber dennoch rollstuhlgerecht. Auf dem ersten Teilstück riecht es – nun ja – etwas streng. Wie soll ich es anders formulieren: Fledermauspisse eben…

Vor uns liegt ein schwarzes Loch, dort hinten leben die Fledermäuse. Wir gehen um eine 180°-Kurve und steigen in die entgegengesetzte Richtung ab. Die Luft wird deutlich besser.

Nach einem letzten Blick ins Tageslicht wird es finster. Die Höhle ist nur dezent beleuchtet, was sehr schön ist.

Schon kommen wir an den ersten Tropfsteinsäulen vorbei.

Nach einer drei viertel Stunde erreichen wir die „Talstation“. Von hier aus können wir später mit dem Aufzug wieder hoch fahren. Wie praktisch! Unten sieht es ein wenig aus, wie in einem James Bond Film.

Wir machen nun die Tour durch den Big Room. Der Big Room ist wirklich ein großer Raum: Der Rundweg ist drei Kilometer lang.

Eines der Highlights ist der Saal mit dem Kronleuchter an der Decke:

Einige Stalagmiten sind lang und dünn.

… andere sind dick und breit …

… oder haben Bärte.

Es ist wirklich toll! Die Stunden in Höhle vergehen viel zu schnell.

Ruckzuck transportiert uns der Aufzug wieder nach oben, wo es sehr sehr hell ist.

Sonnenuntergang in den White Sands

Nachdem wir aus der Höhle in Carlsbad wieder aufgetaucht sind, machen wir uns nun auf den Weg zurück nach Osten: Unser Ziel sind die White Sands bei Alamogordo. Dazu gilt es erstmal ein kleines Gebirge zu überqueren. Aus der trockenen Wüste schrauben wir uns langsam hinauf ins auf 2.700 Meter Höhe gelegene Cloudcroft – das südlichste Skigebiet der USA. Ein kurzer Kaffeestopp bei 8° Außentemperatur, dann geht es wieder runter in die Hitze.

In Alamogordo angekommen können wir nicht anders und essen bei Caliche’s ein Eis mit Pecans und Pistazien und Schokosoße. Mmmmmh!

Dann geht es ab in die weiße Sandwüste. Der Nationalpark liegt innerhalb der White Sands Missile Range – bei Raketentests sind Zufahrt und Highway gesperrt, aber zum Glück sind für heute keine Tests angekündigt.

So besteigen wir rund zwei Stunden vor Sonnenuntergang die ersten Kalkdünen. Entgegen aller Erwartungen ist es jetzt am Abend schon fast etwas frisch hier draußen und es pfeift ein solcher Wind, dass wir zwischendurch sogar zum Auto zurück müssen, um unsere Jacken zu holen.

Der Wind hat dafür sehr schöne Wellen in den Sand geblasen, …

… sorgt aber auch dafür, dass es zwischen den Zähnen knirscht und dass der Himmel etwas diesig ist.

Der Kontrast von blau und weiß ist aber auch bei sandiger Luft noch ganz gut wahrzunehmen…

Die Sonne strebt schneller auf den Horizont zu, als uns lieb ist.

Wir versuchen noch schnell unseren Schatten zu fotografieren.

Und auch sonst machen wir unzählige Fotos, mal mit, mal ohne Yucca-Palme.

Nicht nur wir fotografieren hier in den Dünen.

Dann streicht die Sonne ein letztes Mal über die Hügel…

… und verschwindet schließlich ganz.

Wir sehen zu, wie die Ersten schon den Park verlassen, der aber erst eine Stunde nach Sonnenuntergang schließt.

Die Straße in die Dünen hinein, und die Picknickplätze werden von Schneepflügen freigehalten. Man ist einfach auf dem festgefahrenen Gips unterwegs.

Es setzt die, für New Mexiko typische, orangene Dämmerung ein, wenn auch nur ganz schwach, weil so viel Sand in der Luft ist.

Schließlich verlassen wir den Park, bevor uns der Ranger rauswirft. Natürlich nicht, ohne noch einmal eine sportliche Runde auf der Sandpiste des Loop Drive gefahren zu sein.

Uns ist auf jeden Fall klar, dass wir morgen früh noch einmal wiederkommen müssen. Die zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang waren viel zu kurz.

Wandern in White Sands

Nach dem dramatischen Tod einer französischen Familie im letzten Jahr – sie wurde letztlich nur zwei Kilometer von ihrem Auto entfernt gefunden, nur der neunjährige Sohn überlebte – hat man schon Respekt, bevor man sich auf so eine Wanderung durch die Gipswüste aufmacht.

Die Warnhinweise in der Parkzeitung sind in allen Sprachen abgedruckt, jeweils ganzseitig: Englisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Japanisch und Chinesisch. Es muss wohl schon was dran sein. Nehmen wir also lieber eine Flasche Wasser mehr mit.

Auf der anderen Seite: Heute morgen ist es noch nicht so heiß. Wir sind in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs und schwitzen auch ganz gut. Die Sonne brennt kräftig und der weiße Sand reflektiert das noch. Aber die Luft ist frisch: Nur 14°C! Wir zweifeln, ob unser Thermometer funktioniert. Klatschnass geschwitzter Rücken bei 14°? Doch, es stimmt. So lässt es sich in den Dünen eigentlich sehr angenehm wandern.

Sicherheitshalber folgen wir lieber einem markierten Wanderweg. Immer in Sichtweite stehen oben auf den Dünen Schilder.

Ein Vögelchen wollte uns einen anderen Weg zeigen. Neee, nicht mit uns.

Was die Wanderung noch zusätzlich anstrengend macht: Es geht rauf. Dann geht es wieder runter. Dann geht es wieder rauf. Dann wieder runter. Rauf. Runter. Und so weiter.

Der Blick nach vorne …

… und der Blick zurück.

Die arme Yucca ist schon halb zugeweht.

Tatsächlich kann man hier auch campen!

Pälmchen im Sand ist heute mein Lieblingsmotiv.

Die höchste Düne ist erreicht!

Da könnte man jetzt runterrennen. Nur müsste man’s danach halt wieder hochsteigen. Also lass ich es.

Die Yuccas betteln geradewegs darum, fotografiert zu werden.

Bitte, warum wachsen hier jetzt die gleichen Pilze, wie bei mir daheim auf dem Rasen, wenn’s mal wieder eine Woche durchgeregnet hat? Das ergibt keinen Sinn.

So vermehrt sich die Yucca. Stimmt allerdings nicht ganz. In Wirklichkeit hängen diese Schoten oben an der langen Strange dran, die die Yucca austreibt. Dann wartet sie auf etwas Wind und aus der Schote, die dabei rasselt wie eine Klapperschlange, fallen die Samen raus.

Dieser Tausendfüßler hatte wohl etwas zu viel Tequila.

Letztlich erreichen wir wieder den Parkplatz. Überlebt! Nur der gemütliche Picknickplatz ist leider schon besetzt.

Letzte Etappe nach Albuquerque

Oh Mann… Nur noch drei Stunden fahren und dann soll es das für dieses Jahr gewesen sein? Naja nicht ganz, wir wollen ja noch ein paar Tage in Albuquerque bleiben und der Balloon Fiesta beiwohnen. Aber trotzdem ist das heute unsere letzte Etappe. Schnief!!

Ein paar Stopps machen wir unterwegs natürlich: Der erste gilt einer Pistazienfarm, wo wir uns einmal durchs Angebot durchfuttern, und dann kräftig einkaufen. Auf dem Parkplatz haben sie die weltgrößte (einzige?) Pistazienstatue der Welt stehen.

Dann gehen wir noch eine Runde durchs Valley of Fires. Hier hat sich vor langer langer Zeit ein Vulkan in das lange, flache Tal erbrochen.

Eher langsam holt sich die Vegetation das Land zurück. Im Nachbartal liegt übrigens die Trinity Site, der Ort an dem zum Test die erste Atombombe gezündet wurde. Komische Vorstellung.

Einen weiteren Halt machen wir an einer Chili-Farm, wo wir uns mit getrockneten Chilis eindecken.

Ein Blick auf die Rückbank zeigt, wie lang wir schon unterwegs sind. Ab der dritten Woche stapelt sich unser Kram von der Fußraste bis hinauf zu den Kopfstützen…

Im schönsten Abendlicht erreichen wir die Old Town von Albuquerque.

Hier werden überall die Ballonfahrer willkommen geheißen.

Kurz besuchen wir die alte Kirche an der Plaza.

Und schauen uns die netten Läden und Cafés drumherum an.

Zu guter Letzt gehen wir noch einmal lecker essen (Yeah, noch einmal draußen sitzen!) und dann früh in die Heia, denn morgen wollen wir die ersten Ballonstarts sehen – der Wecker steht auf 4:30 (in Worten: vier Uhr dreißig)!

Balloon Fiesta – Special Shapes Rodeo – Morning Session

Donnerstag morgen, 4:30. Der Wecker klingelt. Mühsam schälen wir uns aus dem Bett. Kaffeemaschine an, Zahnbürste, kreisende Bewegungen, Kaffee einfüllen. Pullover an, Jacke an. Noch ein Pullover drüber, noch eine Jacke drüber. Noch mehr Kaffee einfüllen. Mütze auf und losfahren.

Zugegeben, wir dachten, wir wären zeitig dran. Der Stau zum Festivalgelände hielt sich auch noch in Grenzen und wir parken nahe am Eingang. Aber: Obwohl es noch zappenduster ist, scheint schon halb Albuquerque auf dem Festivalgelände, den Balloon Fiesta Grounds, unterwegs zu sein. Dort gehen (neben viel Kaffee) schon die ersten Green Chile Burger über die Tresen, und man kann sich mit dem ein oder anderen Fiesta-Veteranen fotografieren lassen.

Dieser preisgekrönte Quilt gibt einen Vorgeschmack auf den Tag:

In der Dunkelheit macht sich die „Morning Patrol“ bereit zum Start.

Dann wird die Fiesta eröffnet, wie es sich eben gehört: Mit dem Absingen der Nationalhymne und dem Start zweier Sponsorenballons mit riesigen US-Flaggen: „O! say can you see by the dawn’s early light…

Während der Wind die zwei nun über die Sandia Crest treibt, wird es langsam hell und es kommt Bewegung in die Festival Grounds. Bewegung ist gut, denn es ist schon noch saukalt so früh am Morgen.

Aber wie geht es jetzt eigentlich weiter? Setzen wir uns irgendwohin und schauen den Ballons beim Starten zu? Wie funktioniert das jetzt eigentlich? Ganz einfach: Es gibt hier keine Absperrungen und kein gar nichts. Man läuft einfach zwischen den flach am Boden ausgelegten Ballons umher und wartet, bis es los geht. Noch herrscht eine beruhigende Stille am Startplatz.

Urplötzlich, wie auf ein geheimes Zeichen hin, werfen gleichzeitig alle Balloncrews um uns herum ihre Ventilatoren an. Ehe wir uns versehen können, stehen wir dicht gedrängt zwischen den in den Himmel wachsenden Ballonhüllen.

Ja! Die ersten Sonnenstrahlen spenden etwas Wärme.

Um uns herum heulen die Windmaschinen, mit denen die erste Luft in die Ballons geblasen wird. Die Brenner an den Körben fauchen laut auf, dann werden die Brenner von den noch liegenden Körben aus in die Ballons gerichtet.

Schwupps, schon steigen die ersten Ballonhüllen in die Luft und bieten uns Zuschauern Platz zum Nachrücken. Action pur!

Dann gibt es einen Ruck und die Körbe werden aufgestellt. Was für eine Energie! Und wir mitten drin!

Das Festivalgelände ist riesig und überall richten sich Ballons auf…

… bis sie dicht an dicht vor dem blauen Himmel leuchten.

Dann kommen die „Zebras“ mit ihren Trillerpfeifen (sie kümmern sich um einen sicheren Start), …

… die Brenner gehen auf Dauerfeuer, und unter großem Jubel starten die ersten Ballons.

Aber das war ja nur der Anfang! Nachdem ein großer Schwung „normaler“ Ballons zu ihrer Wettfahrt gestartet sind, werden auch schon die ersten Ballons in Sonderformen aufgeblasen: Schließlich ist heute Special Shape Rodeo! Da liegt zum Beispiel schon ein Krokodil am Boden. Und was ist das da rechts? Wird das eine Kuh?

Klar erkennbar: Ein Feuerwehrauto. Aber Notruf 112? Stimmt, es ist ein deutscher Ballon mit dem Kennzeichen „D-OMEI“!

Ein Ballon mit Ballons drauf.

Der Easy Rider…

… und der kleine Drache sehen noch sehr müde aus (wie wir halt).

Käpt’n Ara und die Vogelscheuche, …

… die Hexe, …

… rund um uns steht ein ganzer (Comic-)Zoo auf.

Das Seepferdchen schaut neugierig zu uns rüber …

… und auch das Krokodil hat es aus dem Bett geschafft.

Dazwischen immer wieder Trillerpfeifen … und schon startet wieder ein Ballon.

Der Raumfahrer, ein echt aufgeblasener Typ.

Noch mehr aufgeblasene Typen.

Aus dem Fenster der Rakete guckt ein Außerirdischer raus.

Im Hintergrund schweben weitere Ballons heran, die außerhalb der Fiesta Grounds gestartet sind. Deren Wettbewerb besteht darin, möglichst nah an einer Stange auf dem Festgelände zu landen.

Aber was ist das? Aus den ersten Special Shape Balloons wird schon wieder die Luft gelassen – die werden heute leider nicht mehr starten, denn der Wind ist zu stark, die rote Fahne ist oben: Keine weiteren Starts.

Na gut, war aber trotzdem ein Riesenerlebnis. Und außerdem ist morgen auch noch ein Tag. Vielleicht klappt’s ja dann für die Special Shapes. Andererseits: Morgen nochmal so früh aufstehen? Oh doch!

Wir schauen uns noch ein bisschen das Rahmenprogramm an und schnabulieren einen Funnel Cake.

Die Jungs vom Kettensägenschnitzwettbewerb haben heute morgen auch schon ganze Arbeit geleistet.

Das war sie dann, die Morning Session. Gegen 10 Uhr leert sich die Festwiese. Wir kommen auf jeden Fall heute Abend nochmal zum Ballonglühen. Bis dann!

Special Shapes Glowdeo – Ballonglühen

Am Abend kehren wir noch einmal auf die Fiesta Grounds zurück. Aber nicht nur wir. Diesmal brauchen wir für die eigentlich 10-minütige Fahrt eine glatte Stunde und parken gaaanz weit draußen. Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir dann aber doch rechtzeitig zur Dämmerung den Festplatz, auf dem schon die Ersten Ballons „vorglühen“.

Oh nein, was denn hier passiert?? Ouch…

Ganz schön schnell wird es dunkel, aber die Ballons gleichen das aus, indem sie kräftig Feuer machen.

Ein Glühhündchen. Rechts das bayerische Feuerwehrauto, D-OMEI.

Der traurige Clown, und rechts davon D-OLAF, noch ein Deutscher. So ein Ballon im Handgepäck, das stelle ich mir spannend vor.

D-OLAF von unten.

Wir machen es uns schließlich auf einer Bank gemütlich und lassen uns unser mitgebrachtes Abendessen schmecken.

Nachdem die Ballons schließlich Feierabend machen, gibt es noch eine Lasershow und ein hübsches Feuerwerk und dann begibt sich ganz Albuquerque zurück zu seinen Autos. Nur noch eine gemütliche dreiviertel Stunde im Stau, dann erreichen wir letztlich unser Bett. Zeit wird’s, denn morgen wollen wir wieder zeitig raus: Uns den ganzen Spuk noch einmal ansehen.

Morning Session – Zweiter Tag

So, wie angedroht gibt es noch einen ordentlichen Nachschlag „Ballonfotos“.

Am zweiten Tag haben wir uns heute herausgenommen, erst um 5:30 aufzustehen. Das hat etwas mehr Warterei im Stau zu den Fiesta Grounds zur Folge, und einen längeren Fußmarsch vom Parkplatz zum Eingang. Aber im Wesentlichen sind wir doch genau zum richtigen Zeitpunkt dort: Die Morgendämmerung hat gerade begonnen, und die ersten Teams werfen die Windmaschinen an. Es geht wieder los!

Binnen weniger Minuten richten sich die ersten Ballons auf …

… die ersten Körbe werden aufrecht gekippt …

… und – schwupp – stehen sie startbereit da.

Schon starten die ersten in den Morgenhimmel.

Für die frühen Starter geht es noch recht eng zu. Noch hängt der Ballon an einer Leine fest und wird mit Muskelkraft in die richtige Position geschoben.

Dann wird gefeuert was geht, die Leine gekappt, und der große blaue mogelt sich durch die anderen Ballons nach oben durch.

Der oberste Ballon erreicht die ersten Sonnenstrahlen!

Jetzt wollen alle in die Sonne. Wir auch, müssen aber warten, bis die Sonne zu uns kommt.

Und da sind die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auch für uns. Würde der Pinguin nur nicht so einen riesigen Schatten werfen…

Es geht Schlag auf Schlag, immer mehr Ballons starten.

Auch Hunde können fliegen.

Und D-OLAF darf diesmal auch aufsteigen.

Fauchen und Gepfeife hinter uns, schnell winken, schon ist der nächste in der Luft.

Wer hätte bei diesem Anblick gedacht, das Clowns wenige Wochen später zum Problem werden!?

Ah, Smokey, der Bär, der allgegenwärtig vor Waldbränden warnt, steigt direkt vor dem fliegenden Hydranten auf.

Vor wenigen Tagen sind wir übrigens in Smokeys „Heimat“ vorbeigekommen. In den 40ern wurde Smokey, der Bär mit dem Ranger-Hut, zum Maskottchen im Kampf gegen menschenverursachte Waldbrände. Als dann bei einem Feuer in New Mexiko ein Bärenjunges mit verbrannten Tatzen geborgen wurde, taufte man ihn Smokey, und der Hype um Smokey Bear ging erst richtig los. Er zog bald in den Zoo von Washington D.C. um, und wurde so berühmt, dass ihm die US Post ob der ausufernden Fanpost gar eine eigene Postleitzahl zuteilte.

Hui, auch die Vogelscheuche ist schon in der Luft!

Der coole Futzi mit der verspiegelten Sonnenbrille …

… der Piranha …

… und viele, viele andere Formen bevölkern nun den einwandfrei blauen Himmel.

Einer unserer Lieblinge: The Bumblebee.

Das frisch Geschlüpfte.

Unter der Kuh.

Der Gecko auf Dope.

Nochmal die Kuh, und im Hintergrund …

… unser besonderer Freund, der Raumfahrer.

Nach und nach haben die meisten Ballons heute den Start geschafft. Aber viel Wind scheint es nicht zu geben. Einige landen nach einer kurzen Runde wieder direkt auf dem Festplatz. Andere haben es gerade mal bis zum Parkplatz geschafft. Ausgerechnet der coole Futzi mit der verspiegelten Sonnenbrille hat es nicht mal eine Meile weit geschafft. Wie peinlich…

Auf dem Rückweg zum Parkplatz überlegen wir, wie wir dem Autovermieter erklären, dass jetzt ein Ballonkorb im Dach unseres Autos steckt. Beruhigt stellen wir aber fest, dass die Ballons unsere Karre dann doch verfehlt haben.

Nun denn, schüss Ballons, wir gehen jetzt frühstücken!

Letzter Tag

Nach der Morning Session auf dem Ballonfeld haben wir es gerade noch rechtzeitig kurz vor 10 Uhr ins Hotel geschafft, um uns ein anständiges Frühstück zu gönnen. Nun wollen wir unseren letzten Tag möglichst gemütlich ausklingen lassen.

Am Morgen starteten die Ballons zum Überflug der Sandia Crest, dem Gebirgszug östlich der Stadt. Dort kann man mit der Seilbahn rauf fahren, aber ebenso auch mit dem Auto – das machen wir!

Der Weg führt uns über den Turquoise Trail, die Nebenstrecke von Albuquerque nach Santa Fe, an der auch Madrid liegt, das nette kleine Örtchen, in dem wir vor genau drei Wochen diese Reise begonnen haben.

Wir verlassen aber den Turquoise Trail, und steuern in Richtung Sandia Crest. Auf diesem Weg kommen wir am Tinkertown Museum vorbei, einer wunderbaren Ansammlung alter Skurrilitäten. Alles, was andere schon längst weggeworfen hätten, wurde hier zu einem Teil des Museums verarbeitet.

Am Eingang erhalten wir eine Quarter-Münze, um die „Band“ in Betrieb zu setzen.

Wir sehen uns die etwa zehn Meter lange Puppenstube an, in der so ziemlich alles untergebracht wurde, was nur ansatzweise in den Maßstab passte.

Man kann kleine Knöpfe drücken, dann geht zum Beispiel im Outhouse die Klotür auf, oder der Geier schlägt mit den Flügeln, oder, oder, oder…

Wir sind definitiv in New Mexico.

Es folgt: Der Zirkus.

Auch im Zirkus gibt es nichts, das es nicht gibt. Und wenn der Künstler irgendwo einen Zinnsoldaten übrig hatte, dann wurde der auch einfach irgendwo dazwischen gestellt. Hauptsache bunt. Sehr lustig anzuschauen.

Zwischendurch werfen wir noch den ein oder anderen Quarter in die vielen, darauf wartenden Maschinen.

Hier Simone bei der Karriereberatung. Leider hat sie nur ein langweiliges „Doctor“ erspielt, wo es doch viel spannendere Berufe, wie Love Pirate, Dictator oder einfach Nudist gegeben hätte!

Mein Horoskop, das eine andere Gerätschaft nach viel Gekurbel und Gedüdel druckfrisch ausgespuckt hat, sieht doch ganz positiv aus: Mein Leben sieht also aktuell etwas hum drum aus, aber Besserung ist in Sichtweite! Auch meine romantic disposition schätzt der Automat korrekt ein.

Im angrenzenden Gift Shop gibt es nochmal authentische New Mexico – Deko.

Draußen ärgere ich mich, dass der Medizinmann seinen Wagen hier leer abgestellt hat, verspricht Dr. Rattlesnake doch auch die Heilung von Hexenschüssen!

Nach meiner Wahl zur Miss Tinkertown …

… setzen wir schließlich die Fahrt hinauf auf die Sandia Crest fort.

Oben gehen wir einen kurzen Spazierweg zur Aussichtsplattform und wollen eigentlich nebenbei beide einen Apfel essen (zu wenig gefrühstückt…). Aber leicht bergauf gehen und gleichzeitig essen scheint irgendwie gerade gar nicht zu funktionieren. Wir sehen uns verdutzt und schnaufend an: Wie hoch sind wir hier eigentlich? Ein Schild am Besucherzentrum offenbart es schließlich: auf 3225 Meter Höhe! Kein Wunder also, dass wir hier so in’s Schnaufen kommen.

Der Blick von der Sandia Crest hinunter auf Albuquerque ist den mühevollen Weg (10 Höhenmeter ab Parkplatz) aber allemal wert!

Schon auf der Fahrt nach oben hatten wir das Gefühl, durch ein halbes Dutzend Klimazonen zu reisen. Losgefahren in der Wüste, dann trockenes Gebüsch, plötzlich hohe Kiefernwälder durchsetzt von kleinen Espenhainen (die schon wunderschön herbstlich leuchten), landeten wir schließlich oben an der Baumgrenze.

Wir drehen eine kleine Runde in Richtung Seilbahnstation, kehren aber bald um, da uns der Hunger zurück zu unserer Brotzeit treibt.

In der Sonne bräuchte man die Jacke gar nicht, die strahlt so intensiv. Dennoch zeigt das Thermometer im Auto gerade mal 6 Grad an.

Zu guter Letzt fahren wir den Berg wieder ein Stückchen hinunter, um an einem hübschen Picknickplatz zum letzten Mal auf dieser Reise zu brotzeiten. Wir genießen die Stille, die Einsamkeit, die Sonne, den blauen Himmel und den Pepper Jack Käse. Ein schöner Abschluss einer schönen Reise!

Epilog

Im Tinkertown Museum sprach uns ein Amerikaner an, dem wohl aufgefallen war, dass unser Auto zwar ein texanisches Kennzeichen, wir aber keinen texanischen Akzent haben. Und er war nicht der Erste, der von uns unbedingt wissen wollte, was uns auf unserer Reise denn am Besten gefallen hätte. Wir antworten dann meist ganz ehrlich, dass wir das gar nicht genau sagen können, denn es war so Vieles so toll.

Diesmal ernteten wir dafür einen ungläubigen Blick. Ob wir schon am Grand Canyon waren? Ja? Dann war es doch sicher der Grand Canyon, der uns am Besten gefallen hat. Okay. Gut. Danke. Bye.

Er hat das also praktisch für uns entschieden. Eigenartiger Kauz.

Aber so ist es eben. Die Landschaften, die sind immer wieder wahnsinnig beeindruckend. Aber meist lassen sie sich nicht vergleichen. Wir müssen da auch keine Top-10-Liste aufstellen, wie die Amis das halt gerne machen.

Und in Wirklichkeit sind es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, die für immer hängenbleiben: Schönes, Lustiges, Bewegendes.

Das zufällig mitgehörte Telefonat in Santa Fe zum Beispiel: „It’s beautiful! No humidity. No rain. No heat. Just beautiful!“. Oder die Straßenmusiker auf der Plaza.

Die vielen Briefe und gemalten Bilder in der Familienkapelle im Sanctuario.

Der Indianer, dessen Stimme kurz stockt, als er uns erzählt dass seine frühen Vorfahren in der Kirche hinter ihm Schutz suchten, dann darin ermordet wurden.

Die Klangkulisse auf dem Zug, das Rattern, Klappern, Zischen und die Dampfpfeife, die durch Mark und Bein geht. Das Ausruhen im heißen Thermalwasser nachdem wir den ganzen Tag durchgeschaukelt wurden. Wie wir an dem winzigen Tisch in der lauten, engen Brewery saßen, Pulled Pork Sliders auf dem Teller, und dazu Livemusik.

Als wir in Mesa Verde rund um die Kiva standen, und der Ranger uns aufforderte, die Augen zu schließen, und uns den vor Hunderten von Jahren hektisch verlassen Ort ganz lebendig vorzustellen: „Let it live!“

Die Wanderung in den Canyon hinunter, durch tiefroten Fels und bei stahlblauem Himmel und sich unten angekommen von der Indianermutti ihre Töpferkunst erklären zu lassen.

In der Painted Desert aus dem Auto zu steigen und ungläubig auf eine Landschaft zu blicken, die es sonst nur auf dem Mars geben kann.

Im hässlichsten Restaurant, dem Bau aus unverputztem Betonstein, an dem Tisch mit der Plastikfolie drauf, das beste italienische Essen der ganzen Reise vorgesetzt zu bekommen.

Der ständige Wechsel: Wüste und Kakteen, dann wieder Berge, Wälder, sogar Schnee. Aber auch Waldbrand, Sandsturm und monsunartiger Gewitterregen.

BBQ bei Rudy’s. Leckere Lachs-Burger und Super-Burritos. Chips & Guacamole in der Bar im Hinterhof in Downtown Tucson. Wie sie sich bei ‚Feast‘ gefreut haben, dass wir am zweiten Abend noch mal zu ihnen zum Essen kommen.

Der Pianist in Big Nose Kate’s Saloon in Tombstone, während sich draußen die Wild-West-Darsteller duellieren. Der Coffee Shop in Bisbee, in dem wir beim Warten in der Schlange komplette Lebensgeschichten erzählt bekommen. Den Einheimischen vor dem Coffee Shop zuzuhören, die sich hier abends einfach so zum Musikmachen treffen.

Stundenlanges Geradeausfahren, die am Straßenrand sitzenden Geier. Das Gefühl, in den abgelegenen Nationalparks, wie Chiricahua oder Guadalupe, praktisch allein unterwegs zu sein.

Die Kuh, die vor Erschöpfung schon das Maul voll Schaum hatte, weil sie im Cattle Guard feststeckte.

Der Typ mit den weißen langen Haaren und dem Bierbauch in der Brewery in Silver City. Wieder die Live-Musik. Das kleine Café, in dem man sich plötzlich wie auf Kuba fühlte.

Die vielen Tiere, die wir unterwegs gesehen haben, vor allem die Schlange auf dem Weg, und das Reh, das uns vors Auto springt. Die Millionen Fledermäuse. Der Abstieg in die Höhle.

Die weiße Wüste. Die Farben des Sonnenuntergangs.

Das Eis bei Caliches. Der Stand mit den Chilis. Die Pistazienfarm.

Und schließlich: Das Fauchen der Brenner im Morgengrauen, die kurze Hektik beim Start der Ballons und die plötzliche Ruhe, wenn alle in der Luft sind. Dann das letzte Picknick oben am Berg.

Es waren eben viele, wirkliche viele Dinge, die diese Reise besonders gemacht haben. Nur: Der Grand Canyon war es nicht. 🙂

Guten Morgen, Fort Lauderdale

Einen schönen guten Morgen aus Fort Lauderdale, Florida!

Ist das nicht praktisch, wenn man schon vor sechs Uhr wach ist?

So nehmen wir auf dem Weg zum Frühstück gleich mal den ersten Sonnenaufgang über dem Atlantik mit.

Einziges Problem: Es ist etwas zugig momentan. Unser kleines Hotel ist nur ein paar Meter vom Strand entfernt, und die ganze Nacht über haben wir den Sturm ganz gut miterlebt: Die donnernde Brandung, die rauschenden Palmen, das Klappern von allem, das nicht niet- und nagelfest ist.

Der Wind soll uns noch ein, zwei Tage erhalten bleiben. Für heute wird es auch bei dieser kurzen Visite am Strand bleiben. Wir flüchten uns gleich wieder in den (lückenhaften) Windschatten der Häuser – und gehen erst mal frühstücken: Pancakes, wir kommen!

Jazz Fest

Dem Sturm trotzend fahren wir nach Downtown, wo heute am Sonntag sowohl ein Künstlermarkt, als auch das Jazz Fest locken.

Nachdem wir die Künstler am Las Olas Boulevard abgeklappert haben (erstaunlich schöne Sachen gibt es da, aber auch zu erstaunlichen Preisen), nehmen wir das kostenlose Shuttle-Boot hinauf zum Riverwalk, wo das Jazz Fest steigen soll. Auf dem Weg überholt uns die Jungle Queen, ein Ausflugsdampfer. Für die Queen wird extra die Brücke hochgeklappt.

Und schon stehen wir mitten im Jazz-Trubel. Im Park ist kaum ein freies Plätzchen mehr zu finden.

Und auf mehreren Bühnen wird gejazzt … und getanzt.

Nach all dem Tanzen (na gut, ich gebe zu: wir haben nur ein Crêpe gegessen und dabei etwas mitgegroovt…) schlägt langsam der Jetlag zu. Wir marschieren zurück zum Las Olas Blvd, wo wir uns mit einem Cappuccino im schönen Café „Ann’s Flowers and Coffee“ stärken.

Hugh Taylor Birch State Park

Tag zwei: Der Sturm hält sich. Immerhin gelingt es uns heute nach dem Frühstück in einer kleinen französischen Bäckerei ein Stück an der Strandpromenade entlangzulaufen, ohne weggeblasen zu werden. Also lieber einen Ausflug in den Urwald im Hugh Taylor Birch State Park, dem einzigen Stückchen Land, in dem Florida noch so aussieht, wie es vor seiner Besiedelung aussah.

Im Herzen des Parks steht eine rund hundert Jahre alte Würgefeige. Sie lässt ihre Wurzeln von den Ästen hinabwachsen, um sich so vor den Wirbelstürmen zu schützen – angesichts ihres Alters mit Erfolg.

Wir wandern rund zwei Stunden durch den Park, zwischen Mangrovensümpfen und subtropischem Wald hin und her.

Der Park liegt gewissermaßen auf einer Insel zwischen Meer und Festland. Dazwischen verläuft der sogenannte Intercoastal Waterway, ein Kanal auf dem man wind- und wellengeschützt mehrere hundert Meilen die Küste rauf- und runterfahren kann. Am Intercoastal ist immer was los, Boot von links, Boot von rechts, und eine ganz nette Wohnlage ist er obendrein.

Dieser Würgebaum hat eine unschuldige Palme fest im Würgegriff…

Letztlich hätten wir natürlich gerne noch die Schildkröten gesehen, die hier im Park leben, aber denen war es heute noch nicht sonnig genug, die sind in ihren Löchern geblieben.

Sei’s drum, dann gehen wir jetzt eben Schildkrötensuppe essen!

Nein, natürlich essen wir keine Schildkröten, bei Coconuts am Intercoastal gibt es viel Besseres!

Natürlich starten wir mit Coconut Shrimps.

Und danach gibt es für mich einen Mahi Mahi, und für Simone lecker Fish Tacos. Wie man sieht, hat’s geschmeckt:

Unterhalb der Terrasse, am restauranteigenen Bootsanleger, machen sich Pelikane und riesengroße, über einen Meter lange Fische über die Küchenreste her.

Spring Break – Whooo!

Nach unserem opulenten Lunch marschieren wir rüber zum Strand, wo der Wind sich nun langsam legt.

So können wir auch erstmals testen, wie warm der Atlantik so ist: aktuell nicht so warm. Na gut, beim Lifeguard hängt sowieso die rote Flagge draußen, und die lila Flagge noch dazu. Lila bedeutet: Gefährliches Meeresgetier. Da können jetzt Quallen gemeint sein, aber genauso gut auch Haie. Wir bleiben da mal draußen…

Aber all das hält die Kids hier nicht davon ab, sich am Strand zum Partymachen zu treffen. Während der Frühjahrsferien, dem „Spring Break“, entkommt wer kann dem Winter an den Colleges und Universitäten, um halb nackig und betrunken am Strand rumzustehen.

Nun hat Fort Lauderdale dem Treiber schon vor Jahren einen Riegel vorgeschoben, weil man nicht zum Ballermann Floridas werden wollte. Ein striktes Alkoholverbot am Strand ist nur eine der Maßnahmen. So richtig durchzusetzen ist das natürlich nicht, das wissen offenbar auch die Cops. Ein paar Augen werden zugedrückt, aber dennoch wacht die Polizei über dem Spektakel: Im schattenspendenden Pavillion, auf Klappstühlen. Betreutes Betrinken.

Amüsanterweise steigt die Party nur auf festgelegten, kurzen Strandabschnitten. Nur wenige Meter daneben läuft das ganz normale Strandleben.

Durch die Kanäle

Nicht von ungefähr nennt man Fort Lauderdale das Venedig Floridas. Und dabei sollte eigentlich Venedig das Fort Lauderdale Italiens genannt werden, hat man hier doch gut zehn mal so viele Kanäle! Gut, Quantität ist nicht alles. Für Amerikaner ist das jedoch ein eher unbekanntes Argument.

Was liegt dennoch näher, als eine kleine Rundfahrt auf den Kanälen. Die „Gondola“ ist ein kleines Elektroboot, auf dem wir gute 90 Minuten unterwegs sind.

Gleich gegenüber unserer Anlegestelle sitzen ein paar neureiche Schnösel auf der Terrasse ihrer Villa und haben dröhnend die Musik laufen. Passend dazu liegt ein viermotoriges Speedboat bei ihnen festgemacht. Unser Captain versorgt uns mit allerlei Informationen zu den Yachten und Villen, die wir während der Rundfahrt sehen. Das Speedboat ist mit rund drei Millionen vergleichsweise günstig.

Mit solchen Peanuts würde sich der zweitreichste Mann Fort Lauderdales kaum abgeben. Wir fahren mehrere Minuten an seinem Anwesen vorbei, das in bester Lage ein gutes Dutzend Gebäude umfasst. Eine kleine Zitadelle mit echten Goldornamenten darf da nicht fehlen. Der Eigentümer liegt gerade auf einer Liege in der Abendsonne und winkt uns genügsam zu.

Auf den Felsen vor einer anderen Villa leben wilde Iguanas, mit Schwanz gut zwei Meter lang!

Neben traumhaften Gärten umgeben Yachten aller Größenordnung die Villen. Einige Yachten sind größer als die dahinter liegenden Häuser.

Im Yachting Center umkreisen wir noch viel größere Schiffchen. Eher klein, aber dafür hübscher als die dominanten, weißen Stahl- und Kunststoffmonster, kommt die Yacht der Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling daher, die sie angeblich von Schauspieler Johnny Depp gekauft hat, welcher sein Piratenschiff auf Anweisung seiner letzten Frau (mittlerweile geschieden) verkauft hat, würde die Yacht sie doch zu sehr an dessen Ex erinnern.

Während wir zurück in Richtung Downtown fahren, wird es abendlich.

Am Horizont fällt Regen. Die Wolken verdecken nur leider den Sonnenuntergang.

Schließlich treffen wir kurz nach Sonnenuntergang …

… wieder an unserem Ausgangspunkt ein.

Hinüber zur Golfküste

Nach einem letzten Spaziergang am Strand verlassen wir heute den Atlantik und machen uns auf den Weg an die Westküste, an den Golf von Mexiko.

Über die Autobahn, die „Alligator Alley“, die kerzengerade von Ost nach West die Everglades durchschneidet, sind es normalerweise nur eineinhalb Stunden Fahrt. Normalerweise. Aber was ist schon normal, wenn wir reisen? Die Autobahn ist heute bei Meile 80 wegen Buschbränden gesperrt. Wir müssen also einen kleinen Umweg (von einer Stunde) fahren, um unser Ziel zu erreichen. Für unseren Zielort, Naples, sagt der Wetterbericht aufgrund der Brände auch „Smoke“ vorher. Na, mal sehen, wie es wird…

Zuerst düsen wir also noch ungebremst auf der „Alligator Alley“ dahin, die ihrem Namen alle Ehre macht: Obwohl der Bewässerungskanal neben der Straße meist schlecht einzusehen ist, und wir doch recht flott vorbeihuschen, erspähen wir auf der Fahrt ein paar Alligatoren, die sich in der Sonne wärmen.

Dann müssen wir wegen bereits erwähnter Brände die Autobahn verlassen, und die Warnschilder werden immer besser: „PANTHER CROSSING“ mit Blinklicht. Naja, zu schön wär’s natürlich. Eher gewinnen wir im Indianercasino, als dass uns ein Panther vors Auto läuft.

Dann die nächsten Schilder: „ROAD WORK AHEAD“, darauf „MEN WORKING“, dann etwas konkreter: „STATE PRISONERS AT WORK“. Dann kommen wir an der Chain Gang vorbei, die hier das Unterholz auslichtet. Allerdings gänzlich „unchained“. Das Risiko, dass sich hier in den Sümpfen einer davonmacht scheint sich in Grenzen zu halten.

Zwei Chain Gangs später erreichen wir Everglades City, wo am Straßenrand auf dem Wasser Propellerboote parken, mit denen man sich durch’s Marschland schießen lassen kann. Sieht nach einem lauten Vergnügen aus, wir lassen es fürs Erste mal aus.

Statt dessen fahren wir durch nach Naples, unserem Ausgangsort für die nächsten Tage. Wird auch Zeit – für abends haben wir uns heute morgen schon einen Tisch im Bistro821 an der 5th Avenue reserviert. Es gibt Snapper, in Kokos, Lemongrass und Ingwer, und mit Crushed Peanuts obendrauf. Very lecker.

Der Morgen am Pier

Die Firefighters scheinen die Buschbrände langsam in den Griff zu bekommen. Zwar liegt am Morgen die Küste noch unter einer leichten Rauchglocke, man riecht auch ein wenig das verbrannte Gras, aber wenn der Wind im Laufe des Tages dreht, dann dürfte sich das bald erledigt haben.

Wir starten unseren Tag mit einem Spaziergang zum Naples Pier. Hier gibt es als absolute Besonderheit Free Fishing. Die Stadt spendiert den Anglern die Lizenz zum Fischen. Und wo Angler mit vielen Ködern viele Fische anlocken, sind auch andere hungrige Meeresbewohner zu Gast.

Als Erstes sehen wir die Pelikane. Einige sind auf dem Meer unterwegs, andere schwimmen ganz nah am Pier.

Ab und zu starten sie, mal einzeln, mal in kleinen Gruppen, drehen eine kurze Runde, …

… und wenn sie von oben einen Fisch erspähen, dann schießen sie pfeilähnlich hinab ins Wasser und tauchen daraufhin mit ihrem Fang im Pelikanschnabel wieder auf. Bei dem Spiel könnte man ewig zusehen. Besonders klasse sieht es aus, wenn sich mehrere Pelikane gleichzeitig eng beieinander in einen Fischschwarm stürzen.

Am Strand machen es sich derweil die ersten Badenden gemütlich. Die Sonne brennt auch schon ganz schön.

Vorne am Pier ist ein kleiner Unterstand, auf dem ein lustiger Vogel sitzt. Es ist wohl ein Egret, und den gibt es hier in zwei Varianten: Mit roten, und mit grünen Füßen.

Der Egret hat die Haare schön.

Auf dem Dach ist der Egret allerdings nicht allein, dort sitzt auch ein Raubvogel und zuckt nervös mit den Schultern! Während ich langsam näher komme und die Kamera zücke, fliegt er abrupt los – genau auf mich zu! Was ich natürlich nicht mitbekommen hatte: Ein Angler hatte ihm einen kleinen Fisch auf den Pier geworfen. Der lag nun genau zwischen mir und dem Räuber – einem Osprey, wie wir später erfahren. Der Osprey scheint nun auf einen guten Moment gewartet zu haben, sich den Fisch zu schnappen. Dummerweise kam da aber ich dahergelaufen.

Auch wenn ich den Fisch gar nicht wahrgenommen hatte, musste der Vogel nun wohl eine Entscheidung fällen: Entweder er holt sich den Fisch, obwohl ich ihm dabei gerade ziemlich in die Quere komme. Oder, er riskiert, dass ich ihm den Fisch vorher wegschnappe. Also entscheidet sich der Osprey für die Risiko-Variante. Er segelt vom Dach auf den nur wenige Meter vor mir liegenden Fisch zu, schnappt ihn sich, und startet dann – mit dem schweren Fisch in den Klauen – knapp über meine Rübe hinweg, und weiter Richtung Land, wo er irgendwo versteckt in seinem Nest eine Familie zu versorgen hat.

Das ganze passierte recht überraschend, war aber doch ein gewisses Erlebnis!

Wäre auch ein tolles Foto geworden, hätte ich überrissen, was sich da anbahnt. Stattdessen habe ich nur weitere Pelikane fotografiert…

Aber hey, es gibt ja nicht nur in der Luft was zu gucken.

Richtig! Rund um den Pier drehen tatsächlich auch ein paar Delphine ihre Runden!

Auch den Delphinen könnte man ewig zugucken. Später sehen wir gar vier Delphine gleichzeitig fischen.

Auf dem Pier brennt die Sonne so unerbittlich, dass wir jetzt zur Abkühlung noch ein wenig am Strand entlang spazieren. An den Füßen ist das Wasser angenehm, aber zum Reingehen wäre es uns doch zu kalt.

Schauen wir lieber noch ein paar Vögeln beim Rumstehen zu.

Dieser Egret – mit grünen Füßen – steht direkt vor einem Angler und interessiert sich auffällig für dessen Fang. Sehr lustig anzusehen, diese Staksvögel, die locker 40cm groß sein dürften.

Sein Artgenosse guckt dabei sehnsüchtig aufs Meer hinaus.

Doch, das war ein schöner Start in den Tag!

Wir machen uns nun aber auf den Weg in die 3rd Street. Unterwegs kommen wir an den schönsten Villen vorbei. Jeder noch so kleine Vorgarten steht einem Botanischen Garten in nichts nach. Hier sind gerade die Palmenpfleger zu Gast. Wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich eine Kokosnuss mitzunehmen.

Aber für Kokosnussdiebstahl ist jetzt keine Zeit: Wir haben zum Lunch einen Tisch bei Tommy Bahamas bestellt. Zum Dinner war Tommy’s schon auf Tage ausgebucht…

… also lassen wir uns die Coconut Shrimps und den Mahi Mahi eben mittags schmecken. Dazu einen erfrischenden Mango-Cocktail. Perfekt.

Der Abend am Pier

Nachdem unser Morgen am Pier so erlebnisreich war, zieht es uns auch heute Abend wieder hierher.

Erst man gucken, ob alle Vögel noch da sind: Ja, alle da.

Die Sonne bringt sich schon mal für einen Sonnenuntergang genau am Ende des Piers in Stellung. Was ist das für ein kleiner Punkt vor der Sonne, links oben auf dem Dach am Pavillon? Ist das vielleicht wieder unser Osprey?

Sieht ganz so aus…

… ja …

… er ist es!

Nur, diesmal nimmt er ohne einen Fisch in den Klauen Reißaus vor mir.

Am Ende des Piers treffen immer mehr Leute ein.

Mal gucken, ob auf dem Dach wieder ein Egret rumsitzt. Ja, da sitzt er…

Ein kurzer Blick zurück zum Strand. Nachdem es auf dem Pier immer enger wird, gehen wir für den Sonnenuntergang lieber zum Strand zurück.

Das hat sich gelohnt. Denn von hier haben wir nicht nur das Treiben am Pier im Blick, sondern auch die Pelikane bei der Jagd.

Schließlich dauert es nur noch wenige Minuten, und die Sonne verschwindet im Meer.

Paddeln, Strand & Sonnenbrand

Unser heutiger Ausflug führt uns in den nahen Lovers Key State Park. Eigentlich wollten wir hier nur mal durch wandern, kurzfristig entscheiden wir uns aber um, und mieten uns ein Kanu! Die spontane Entscheidung stellt sich als recht gewagt heraus: Sollte man wirklich das erste Mal in seinem Leben Kanu fahren, wo hungrige Alligatoren herumschwimmen? Nun, es motiviert auf jeden Fall zusätzlich, nicht ins Wasser zu fallen…

Nachdem wir erfolgreich unser Canoe zu Wasser gelassen haben, geht es los: Anfangs in leichtem Zickzack… später dann schon ganz gut geradeaus.

Mein Ausblick für die nächsten zwei Stunden:

Ab und an erspähen wir Vögel in den Mangroven.

Aber in erster Linie genießen wir einfach die Ruhe auf dem Wasser. Wenn nur nicht das anstrengende Gerudere sein müsste…

Bei Meile 1,25 kehren wir schließlich um.

Noch ein schnelles Selfie, bevor wir das Kanu wieder aus dem Wasser hieven müssen. Mal sehen, ob uns das gelingt, ohne reinzufallen…

… es hat geklappt: Nachdem wir das Kanu wieder an Land gezogen und unsere eingeschlafenen Pobacken wiederbelebt haben, brotzeiten wir ausgiebig im dringend benötigten Schatten.

Danach lassen wir uns vom Ranger zum Strand chauffieren. Wir haben eine Abkühlung dringend nötig. Der Strand im Naturschutzgebiet ist gleißend weiß – und hat einen Wifi-Hotspot namens ‚Oh Ranger‘, den wir jetzt aber echt nicht brauchen.

Statt im Internet zu surfen, gehen wir lieber ganz analog baden. Tatsächlich lässt es sich im Wasser ganz gut aushalten! Unser erstes Bad im Meer seit… ich weiß gar nicht mehr wann. In Alaska waren wir sicher nicht im Meer schwimmen…

St. Patrick’s Day in Naples, FL

Heute ist St. Patrick’s Day, und zwischen 3rd Street und 5th Avenue in Naples sind schon alle Straßen gesäumt von Klappstühlen – die Parade soll um 11 Uhr beginnen.

Da sind wir natürlich dabei, aber bis elf Uhr haben wir noch Zeit für einen Besuch auf dem Farmer’s Market. Dumm nur, dass eben dieser Markt heute aufgrund der Parade ausfällt. Damit haben wir jetzt nicht gerechnet. Na gut. Dann gehen wir eben rüber zum Pier, ein bis zwei Stunden totschlagen.

Nichts leichter als das – denn am Pier ist immer was geboten, und heute ganz besonders: Es ist Angel-Aktionstag für Kinder. Vor dem Pier steht eine Reihe von Pavillons. Am Eingang werden Seemannsknoten geübt. Die Männer vom Fish & Game Department klären die Kids über schutzbedürftige Meeresbewohner auf, danach kommt die Station zum Korallenstreicheln. Am Strand wird das Auswerfen der Rute geübt, und auf dem Pier bekommt dann jedes Kind eine Angelrute in die Hand gedrückt und los geht’s.

Bei einigen stellt sich schon recht schnell Erfolg ein.

Und schließlich muss der gefangene Fisch ja noch ausgenommen werden.

Der kleine Egret, der hier ein gewisses Interesse für Fischabfälle demonstriert, nimmt kurz darauf den ganzen Arbeitsplatz in Beschlag und würgt vor unseren Augen durch sein dünnes Hälschen ein halbes Fischfilet herunter.

Der Osprey ist natürlich auch wieder da, und bietet uns erneut ein Schauspiel dar: Er schnappt sich einen Fisch vom Pier, den er dann an seinen Klauen baumelnd über den Strand hinweg nach Hause trägt. Diesmal stand ich ihm immerhin nicht im Weg.

Schließlich verlassen wir den Pier und machen uns auf den Weg zur Parade. Dort wird schon mit voller Kraft der Dudelsack geblasen.

Neben allen möglichen örtlichen Würdenträgern sind auch Abordnungen der Feuerwehr, der Nationalparks, des Militärs, von Veteranenverbänden und einem guten Dutzend Ehemaligenverbänden diverser Colleges, High Schools und Universities dabei.

Natürlich dürfen die Cheerleader nicht fehlen,…

… die mit diversen Walking Bands auf den Beinen sind.

Das Wetter ist einer Parade angemessen.

Am irischen Nationalfeiertag dürfen auch irische Tänze nicht fehlen.

St. Patrick selbst ist auch dabei.

Noch mehr „Pipes“…

… und noch mehr Big Bands.

Die Parade will kaum ein Ende nehmen. Erschöpft vom Zusehen veranstalten wir unsere eigene Parade hinüber zu einer Bäckerei. Im Schatten der Palmen beobachten wir das Leben in der 3rd Street.

Der Vormittag war ganz schön heiß – da hilft nur: Ab an den Strand.

Wir fahren in den Clam Pass Park, wo man nach Berappen der Parkgebühr von acht Dollar immerhin gratis mit dem Golfcart über einen kilometerlangen Plankenweg durch die schattigen Mangrovenwälder hindurch zum Strand vorgefahren wird.

Dort angekommen werfen wir uns sofort in die Fluten.

Auch eine Gruppe Ibisse nimmt hier gerade ein Bad. Genau genommen picken sie wohl Muscheln aus dem Sand, denn vorn in der Brandung leben Millionen kleiner Muscheln – mit jedem Wellenschlag werden sie vom Wasser freigelegt und beginnen im nächsten Augenblick, sich wieder im Sand zu verkriechen. Dabei öffnen sie kurz ihre Muschelhäuser und lassen frisches Wasser hinein. Diesen Moment passen die Vögel ab, wenn sie hungrig sind.

Diese kleinen Piepmätze machen es auch nicht anders. Der einzige Unterschied: Immer wenn das Wasser kommt, tippeln sie mit tausenden Schritten auf ihren kurzen Beinchen zurück ins Trockene.

Ich mache noch ungefähr hundert Fotos von den Ibissen.

Am Clam Pass gibt es nicht nur Muscheln (= Clams), sondern auch einen Zufluss aus dem Mangrovenwäldchen. Watet man durch den Fluss, erreicht man auf der gegenüberliegenden Seite eine große Strandbude. Ansonsten ist der Strand hier völlig unverbaut, zumindest im Bereich des Naturschutzgebiets.

Ich fotografiere noch weitere Ibisse …

… bis die Sonne uns zum Feierabendmachen heim schickt.

Sanibel Island

Heute machen wir einen Ausflug nach Sanibel Island. Die Insel ist bekannt als perfektes Muschelsuch- und Radlfahr-Revier. Gleich nachdem wir die Brücke auf die Insel überquert haben, parken wir unser Auto und leihen uns zum weiteren Vorankommen Fahrräder aus. Auf der Insel haben die Radl Vorfahrt, und die meisten Straßen werden von Fahrradwegen begleitet. Wo, in den USA, gibt es sowas schon?

Bereits nach kurzer Fahrt unterbrechen wir erstmal für einen Rundgang über den Farmer’s Market. Hier habe ich mich mit Waffle on a Stick und einem Mango-Ingwer-Smoothie eingedeckt.

Danach radeln wir durch die subtropische Vegetation in Richtung Strand. Die Straßen sind gesäumt von Villen mit Tennisplätzen. Die vordere Reihe ist zumeist auf Stelzen gebaut, um Sturmfluten zu trotzen.

Aber auch die eine oder andere prekäre Wohnlage ist dabei: Wer will schon den Nachbarn so nah auf der Pelle haben?

Da die Sonne uns ganz schön in den Nacken brennt, entscheiden wir, direkt an den Strand am alten Leuchtturm weiterzuradeln. Dort springen wir gleich in die Fluten, beziehungsweise, wir waten hinein, denn das Wasser ist zumindest die ersten hundert Meter höchstens knietief.

Unten im Sand kann man mit den Füßen immer wieder etwas Hartes, Flaches spüren: Es sind Sand Dollars, flache, runde Lebewesen mit vielleicht 7-8 cm Durchmesser. Ich hole mal einen an die Oberfläche, und freue mich, einen solchen Sand Dollar mal gesehen zu haben. Hatte ich schon davon gehört, allerdings keine Ahnung wo/wie man sie findet.

Nach dem Bad marschieren wir lang den Strand entlang, der mehr aus Muscheln und Muschelscherben, denn aus Sand besteht.

Dann noch ein Picknick im Schatten und wir machen uns auf den Rückweg.

Bei She Sells Sea Shells gibt es all die tollen Muscheln zu kaufen, die man am Strand gerne selbst gefunden hätte.

Zurück in Naples schließen wir den Tag mit einem leckeren Essen ab, wir gehen einfach nochmal ins gleiche Restaurant wie am Vortag, weil es da so gut geschmeckt hat. Der gegrillte Mahi Mahi mit Mango-Salsa und Lemongrass-Reis ist ein Traum. Nach dem Essen fahren wir wie jeden Abend noch in die 5th Ave, auf eine Kugel Toasted Coconut-Eis bei Kilwins. Da kann die Schlange noch so lang sein, das Anstehen im Eisladen lohnt sich.

Alligator Day

Schweren Herzens verlassen wir die Golfküste. Vor uns liegt eine Fahrt durch die Everglades. Auf uns warten: Sümpfe, bunte Vögel, Alligatoren und Moskitos. Noch sind wir guter Dinge! Doch schon bald – schon bald! – werde ich lernen, den Gumbo Limbo zu tanzen. Mehr dazu später.

Zunächst macht es uns das Wetter leicht, Naples zu verlassen. Am Morgen ist dichter Nebel aufgezogen und es ist gerade mal 19°C warm. Der Nebel lässt die menschenleere Landschaft auf dem Weg ins Innere der Everglades gespenstisch erscheinen. Doch kurz bevor wir den Nationalpark-Eingang am Shark Valley erreichen, lassen wir die Nebelschwaden hinter uns, der Himmel wird blau, und es ist gleich fünf Grad wärmer.

Da wir beim Radeln auf Sanibel Island gestern etwas zu viel Sonne erwischt haben, entscheiden wir uns gegen das Ausleihen von Rädern im Shark Valley, und springen dafür auf die nächste Tram Tour auf, bei der wir sonnengeschützt, und mit reichlich Erklärungen vom Ranger, die zehn Kilometer bis zum Aussichtsturm hin und auch wieder zurück kutschiert werden.

Laut Parkranger ist der Moskito-Level aktuell „niedrig“, und so verzichte ich erst mal darauf, mich von Kopf bis Fuß mit Johnson Off einzuschmieren. Tatsächlich begegnet uns im ganzen Shark Valley keine einzige Mücke – es ist eben Winter, Trockenzeit.

Schon kurz nach dem Besucherzentrum entdecken wir den ersten Alligator im Gras.

Eigentlich liegt in jedem zweiten Wasserloch ein Alligator drin. Manchmal auch zwei.

Angekommen am Aussichtsturm, dürfen wir uns ein wenig die Beine vertreten.

Direkt am Weg liegen zwei Junior-Alligatoren im Halbschatten, gerade mal 40cm lang.

Der Dicke hier liegt genau neben den Fahrradständern und wartet auf sein „Essen auf Rädern“ – „Meals on Wheels“.

Hier habe ich leider eine Sekunde zu spät abgedrückt, denn gerade versperrte noch ein Alligator diesen beiden Radlern den Weg, huschte dann aber recht flott ins Gebüsch.

Natürlich bekommen wir auch jede Menge Vögel namentlich vorgestellt. Das hier ist ein blauer – äh – Weißnichtmehr.

Viel viel besser sind da die Babyalligatoren! Der hier ist vielleicht eine Hand lang. Die muss man am Rand des neben der Straße verlaufenden Wassergrabens erst mal finden!

Letztlich erreichen wir wieder das Besucherzentrum und laufen noch einmal ein Stück zu Fuß den Weg hinunter.

Wir finden stattlich große Schildkröten…

… schneeweiße Lilien …

… weitere Alligatoren …

… und noch mehr Vögel.

Am Parkausgang hängt dann noch dieser alte Knochen rum.

Nun kehren wir auch dem Shark Valley den Rücken und fahren weiter in Richtung Osten.

Irgendwann hat uns die Zivilisation wieder und wir durchfahren einen Landstrich mit jeder Menge Landwirtschaft: Felder, Obstgärten, Baumschulen, Palmenschulen. Entlang der Straße steht hier ein Fruit Stand hinter dem anderen. Das Obst an den Fruit Stands ist vielleicht nicht EU-tauglich, aber jede Frucht ungefähr doppelt so groß, wie wir sie kennen. Wir kaufen frisch gepflückte Erdbeeren und lassen uns aus saftigsten Mangos einen Smoothie machen. Der beste Mango-Smoothie ever.

Dann fahren wir am späten Nachmittag noch einmal von der Ostseite in den Everglades Nationalpark hinein. Endlich kann ich mal ein Panthers Crossing-Schild fotografieren. Vom Panther natürlich nix zu sehen.

Angekommen am Parkplatz beäugen wir zuerst kritisch weitere Schilder, die vor gelangweilten Geiern warnen, die bevorzugt die Türdichtungen aus geparkten Autos herauspicken. Es liegen große Schutzfolien bereit, die man sich übers Auto ziehen kann. Hat von vielleicht 30 Autos aber nur einer gemacht. Aktuell ist kein Geier in Sicht, und es ist ja auch schon Nachmittag, also sparen wir uns den Aufwand und hoffen das Beste.

Wir marschieren den Anhinga-Trail durch hohes Gras und seerosenbedeckte Tümpel hindurch. Hier nisten die Anhingas.

Unter einer großen Würgefeige hängen aber erstmal ein paar andere Gestalten mit komisch verbogenen Schnäbeln rum.

Doch da ist schon der erste Anhinga, der hier sein Federkleid im Wind trocknet.

Wo Wasser ist, ist auch der Alligator nicht fern.

Okay, okay, ich gehe ja schon weiter…

Besonders sehenswert sind auch die bunten Vögel mit der Deutschlandfahne am Schnabel.

Auf den Bäumen wachsen Bromelien…

… und auf dem Boardwalk entdecken wir einen kleinen, giftgrünen Lurchi.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz (hoffentlich immer noch keine Geier da), schwimmt noch dieser hier unter uns hindurch.

Nach einem prüfenden Blick hinüber zum Auto – keine Geier – entscheiden wir uns noch, den kurzen Gumbo Limbo Trail durch einen Wald mit vielen Gumbo Limbos zu laufen. Der Gumbo Limbo ist ein Baum mit einer rötlichen Rinde, die aussieht als hätte der Gumbo Limbo einen Sonnenbrand, und würde sich gerade schälen.

Auf diesem, letzten Foto, aufgenommen am Beginn des Trails, bin ich noch guter Dinge…

… doch kurz darauf müssen wir feststellen, dass zwischen den Gumbo Limbos überall Wasserlöcher sind, und diese – wie auch der subtropische Wald rund um die Gumbos – von unzähligen Moskitos bewohnt ist.

Während ich nun den ganzen Tag keine Mücke zu Gesicht bekommen habe, sind es hier jetzt mehr, als mir lieb sind.

Schlussendlich hilft hier nur: Ganz schnell raus aus dem Wald! Simone hat sich natürlich heute morgen mit Johnson Off eingeschmiert und scheint die Moskitos kaum zu interessieren. Dafür stürzen sich alle auf mich. Während ich immer schneller laufe, hält Simone von hinten meine Beine im Blick und ruft abwechselnd „Wade, links!“, „Oberschenkel, rechts!“, „Nacken!“ – und amüsiert sich köstlich. Und ich: Ich tanze den Gumbo Limbo.

Endlich angekommen am Auto verarzte ich meine Stiche und habe für heute genug von der Wildnis.

Zum Ausgleich halten wir bei Here is Robert – einem markthallengroßen Obststand mit ausgefallenem Namen – lassen uns noch einen Mango-Smoothie mixen, bewundern die klitzekleinen Key Limes (aus denen der berühmte Key Lime Pie gemacht wird) …

… und die riesigen Avocados …

… und kaufen je einen Monsterpott frischer Salsa und Guacamole, die unser Abendessen sein sollen.

Erschöpft von Sonne, wilder Natur und ungestümem Tanz fallen wir dann in unser Bett.

Tarpune füttern bei Robbie’s Marina

Zeit, den Everglades den Rücken zu kehren. Key West, wir kommen!

Doch der Weg bis Key West ist lang. Auf 180 Kilometern führt der Overseas Highway über unzählige Brücken von Insel zu Insel (den Keys).

Unterwegs gibt es aber genug zu sehen. Beim Riesenhummer legen wir den ersten Stopp ein. Dahinter befindet sich eine lustige Anordnung von Künstlerläden und Gift Shops.

Den nächsten Stopp machen wir bei Robbie’s Marina. Hier darf man für zwei Dollar pro Nase auf den Pier raus – und für weitere drei Dollar gibt es einen Eimer kleiner Fische – als Futter für die großen Fische, die Tarpune.

Die meisten Fische schnappen sich jedoch die Pelikane, noch bevor die Tarpune überhaupt das Maul aufbekommen.

Tarpune sind Riesenbrocken, die großen sind locker eineinhalb Meter lang.

Wer mutig ist und seine Fingerspitzen nicht mehr braucht, hat sich einen Eimer Fisch gekauft…

… und brüllt dann wie am Spieß, wenn die fetten Tarpune plötzlich aus dem Wasser springen.

Wir sehen dem bunten Treiben noch eine Weile vom Strand aus zu.

Dann machen wir uns weiter auf dem Weg in den Süden.

Parallel zu den Straßenbrücken verläuft häufig die alte Eisenbahnbrücke, so wie hier an der sieben Meilen langen Seven Mile Bridge.

Die Bahntrasse nach Key West wurde mit enormem Aufwand vor rund hundert Jahren gebaut, um dann 1935 von einem Wirbelsturm unreparabel beschädigt zu werden. Daraufhin baute man die neuen Straßenbrücken, und die alten Brücken wurden entweder dem Verfall überlassen, oder zu Fishing Piers umgewandelt.

Auch wenn der Himmel heute eher grau als blau ist, leuchtet die flache See zwischen den Keys in den tollsten Farben. Auf der einen Seite liegt der Atlantik, auf der anderen der Golf von Mexiko.

Wir haben noch etliche Meilen auf dem Overseas Highway vor uns – und baden gehen wollen wir auch noch! Also weiter…

Bahia Honda

Von Robbie’s Marina sind es nur noch gefühlte vierzig Brücken und Inseln bis zum Bahia Honda State Park.

Das Wetter ist so naja, aber wir wollen nicht klagen: Die angekündigte Kaltfront, die von New York bis Washington für Schneechaos gesorgt hat, soll erst morgen eintreffen. Allerdings zieht zwischen uns und Kuba gerade ein Regenband durch, das wir am Horizont erkennen können.

Auf der windzugewandten Seite, am Golf von Mexiko, ist es daher heute etwas ungemütlich. Normalerweise könnte man hier unter der Brücke hindurch rüberschwimmen in den Atlantik, aber wir gehen die 20 Meter dann einfach zu Fuß.

Nachdem wir im Schatten die letzten Chips mit Salsa und Guacamole von gestern, sowie unseren Erdbeervorrat verspeist haben, gehen wir direkt zum Strand runter.

Es scheint gerade Flut zu sein, der Streifen mit Sandstrand ist winzig. Aber den brauchen wir hier gar nicht, denn …

… der Strand geht ja auch noch im Meer weiter! Wir verbringen also die meiste Zeit damit, von Sandbank zu Sandbank zu waten.

Irgendwann wird es uns in der Sonne dann doch zu heiß, und wir springen einfach rein, ins flache, warme Wasser.

Wir sind nun offenbar schon recht lange hier: Das Wasser hat mittlerweile begonnen, sich zurückzuziehen. Um so mehr gibt es am Strand zu entdecken!

In einem kleinen Flecken Seegras liegt eine riesige Conch. Die Conch-Muscheln sind quasi das Wahrzeichen der Keys, und die Bewohner selbst bezeichnen sich gerne als Conch.

Im State Park ist das Mitnehmen der Conch allerdings untersagt, auch wenn diese hier nicht mehr bewohnt ist.

Wir finden noch weitere, kleinere Muscheln. In der hier wohnt ein winziger Einsiedlerkrebs, der kurz nachdem ich für das Foto abdrücke, versucht, Simone in den Finger zu beißen! Wir setzen ihn schnell wieder ins Meer zurück.

Obwohl der Himmel nicht so superblau ist, ist das Wasser hier dennoch fantastisch türkis. Wie muss das erst bei voller Sonne aussehen?

… und klar ist das Wasser natürlich auch.

Wir packen schließlich unsere Sachen und waten der Sonne (und dem Parkplatz) entgegen.

Zwischenzeitlich hat sich eine praktische Sandbank aufgetan, die den Rückweg zusätzlich erleichtert.

Im ablaufenden Wasser …

… sind jetzt immer mehr Meeresbewohner zu finden. Diese Einsiedlerkrebse sind schon etwas größer, die Muschel hat vielleicht fünf Zentimeter Durchmesser. Sie scheinen uns zu sehen, denn kommt man ihnen zu nah, dann verschwinden sie ganz schnell in ihrem Gehäuse. Tritt man dann einen Schritt zurück, marschieren sie sofort weiter.

Wir hätten noch viel länger am Bahia Honda Beach bleiben können, aber nach Key West ist es noch eine gute Stunde zu fahren, und wir haben schon wieder Hunger…

Key West

Als wir gestern Abend hungrig in Key West ankamen, mussten wir uns erstmal ein wenig an diesen Ort gewöhnen. In der Haupt-Flanierstraße, der Duval Street, liegt schon ein bisschen Ballermann in der Luft. Zum allgegenwärtigen Gestank vorgeblich kubanischer Zigarren kommen noch die Abgase der Biker Gangs, die, Fehlzündungen provozierend durch die Straßen knattern.

Obwohl diesem Fleckchen Erde eine gewisse, gemütliche Grundstimmung zugeschrieben wird, werden wir auf dem Gehsteig ununterbrochen von hektischen Leuten überholt, die alle auf der Flucht zu seien scheinen. Wo die wirklich hinwollen, das werden aber erst morgen herausfinden.

Wir hatten dann aber doch noch einen schönen Ort zum Essen gefunden, eine Art kleinen Biergarten mit Livemusik. Und, obwohl unsere Unterkunft direkt an einer gut befahrenen Ortsstraße liegt, haben wir danach blendend, tief und fest geschlafen, weil das kleine Häuschen, das uns zugeteilt wurde, gut geschützt und von der Straße abgewandt liegt. Frühstück gab es heute morgen dann sehr schön am Pool im Freien – einen Frühstücksraum braucht man in Key West offenbar nicht.

Heute wollen wir nun also die Stadt erkunden, und hoffen, dass sie uns doch noch gefällt.

Schon beim ersten Spaziergang durch die Nebenstraßen sieht alles viel hübscher aus: Wunderschöne, teils winzige Holzhäuser mit Balkonen und Terrassen – und alles im Schatten eines tropischen Grüns.

Zuerst machen wir uns auf zum Southernmost Point, dem südlichsten Punkt von Festland-USA. Schon der Weg ans Südende der Duval Street gefällt uns viel besser als der Ballermann von gestern Abend. Am Southernmost Point finden wir auf dem Gehsteig eine Menschenschlange vor, die geduldig darauf wartet, sich einzeln mit dem Riesenpoller abzulichten. Was skurril ist, denn es ist schließlich nur ein Poller mit der Aufschrift „Southernmost Point Continental U.S.A – 90 Miles to Cuba“ und einem hässlichen Zaun dahinter. Wir verzichten auf das Anstehen und fotografieren die Tonne einfach so.

Dass Kuba so nah ist, ist natürlich schon faszinierend.

Interessant ist auch, dass an diesem offenbar so wichtigen Ort keine Stars and Stripes-Flagge weht, wo diese doch sonst überall dazugehört. Dafür steht oben auf der Tonne „The Conch Republic“ drauf, was folgenden Hintergrund hat: Die Keys mit ihren unendlich vielen Inseln, Buchten und Stränden sind eine schwierig zu kontrollierende Außengrenze der USA. In den Achtzigern dachte man, man könnte dem Schmuggel besser Herr werden, wenn man eine Kontrollstation auf dem Highway, am Übergang von den Keys zum Festland, errichtet – schließlich muss dort jeglicher motorisierter Verkehr durch, wie durch ein Nadelöhr.

Die Bewohner der Keys (und insbesondere die der 30.000 Einwohner umfassenden Stadt Key West) fanden das gar nicht lustig, wollten sie nicht jedes Mal ihren Kofferraum durchleuchtet bekommen, wenn sie aufs Festland fahren. Also meinten sie: Wenn die USA die Bewohner der Keys praktisch wie Ausländer behandeln, dann könnten sie ja auch gleich aus den U.S.A. austreten. So wurde die Conch Republic gegründet, ein eigener Staat – natürlich ohne jede offizielle Anerkennung. Aber es gab ein schönes Medienecho, und die geplanten Kontrollstellen wurden schließlich nie gebaut. Noch heute kann man beim Bürgermeister von Key West für $100 einen Pass der Conch Republik erwerben – der aber praktisch nur für den Bilderrahmen gut ist.

Vom Bürgermeister von Key West gibt es übrigens noch eine weitere nette Geschichte: Key West war immer ein wichtiger strategischer Stützpunkt der Navy – schließlich sitzt der kommunistische Feind ja direkt vor der Türe (und auch die Handelswege in den Golf von Mexiko gilt es zu verteidigen). Nun sieht man Kuba zum Glück in diesen Jahrhundert immer weniger als Bedrohung – so sollte der Navy-Stützpunkt in Key West vor einigen Jahren personell reduziert werden. Die Navy ist hier aber ein wichtiger Arbeitgeber. Also surfte (!) der Bürgermeister die 90 Meilen nach Kuba rüber, um zu demonstrieren, wie nah der „Feind“ noch immer ist – und die Navy blieb.

Soviel der angelesenen Anekdoten.

Zurück zu den schönen Villen auf Key West …

… und zu deren Verkabelung. Auch wenn das Kabelwirrwar dem anderer amerikanischer Kleinstädte in Nichts nachsteht, sind hier zumindest die Pfeiler aus Beton, und die Ampeln werden – wie häufig in Florida – wirbelsturmsicher aufgehängt.

Das macht es jedoch etwas schwierig, die schönen Häuser mal ohne Kabel davor zu fotografieren.

Nach unserem Spaziergang zum Südende machen wir jetzt ein Päuschen im Garten unserer Unterkunft.

Dann marschieren wir wieder los und erkunden weitere Seitenstraßen mit noch mehr blühenden Gärten.

Ganz wenige Häuser warten noch darauf, wieder aufgeweckt zu werden. Aber gut möglich, dass es hier spukt. Nachts nehmen wir dann lieber eine andere Straße.

Schon besser, hier könnte man einziehen:

Auf Umwegen erreichen wir schließlich den Mallory Square am Nordende der Duval Street. Hier machen jeden Tag ein bis zwei Kreuzfahrtriesen fest und laden tausende Touristen auf der Insel ab. Das ist schon mal Teil Eins des Mysteriums, warum am Nachmittag immer alle hektisch die Duval Street rauf rennen: die müssen wieder an Bord zurück. Entsprechend nimmt auch die Dichte an T-Shirt-Läden zum Mallory Square hin immer stärker zu. Aber der Blick aufs Meer ist dennoch einwandfrei!

Eine besondere Spezialität der Keys scheint zu sein, dass praktisch überall wild lebende Gockel herumlaufen. Selbst auf Supermarktparkplätzen muss man Acht geben, dass man keinen überfährt.

Während draußen die Segler kreuzen …

… laufen wir wieder inseleinwärts. Vor dem Museum wird geküsst …

… und hinter dem Museum spenden monströse Würgefeigen Schatten.

Hier beginnt mit der Meile Null auch der Highway No. 1. Den Zusatz „North“ hätte man sich hier eigentlich sparen können, denn in Richtung „South“ geht es von hier ja nicht mehr weiter…

Kurz hinter der Meile Null parkt ein skurril dekorierter Truck: Ein Lebenswerk.

Aber nun hält uns nichts mehr: Wir haben vom vielen Laufen neben Plattfüßen einen Riesenhunger bekommen und peilen das Banana Café an, bei dem wir heute morgen schon leckere Crêpes auf den Tellern erspäht haben.

Der Weg zu den Crêpes hat sich letztlich voll ausgezahlt!

Auch am Abend gehen wir noch einmal lecker essen, denn für morgen haben wir einen kleinen Ausflug geplant, bei dem sich zu üppige Nahrungsaufnahme unter Tags nicht empfiehlt – mehr in Kürze!

Unser Ausflug auf die Dry Tortu(r)gas

Was nicht jeder weiß: In Key West endet zwar der Overseas Highway, die Straße übers Meer, die die Keys verbindet – jedoch enden hier noch lange nicht die Keys, also die Inselkette entlang Amerikas längstem Korallenriff. Westlich von Key West geht es schon noch weiter: Hier folgen noch eine handvoll weiterer Inseln, nur dass diese nur noch per Schiff oder Wasserflugzeug zu erreichen sind.

Den Abschluss machen dann schließlich die Dry Tortugas, das ist wirklich die allerwestlichste Insel auf dieser Kette, und die ist noch 90 Meilen von Key West entfernt! Das sind rund zwei Stunden mit dem Schiff, oder eine dreiviertel Stunde mit dem Wasserflugzeug. Nichts wie hin!

Leider war das Wasserflugzeug aber schon ausgebucht, so bleibt uns nur die Fahrt auf der Yankee Freedom III, der Fähre, die den Nationalpark ein Mal täglich anfährt. Aber so ein Mist! Die Yankee Freedom ist auch schon ausgebucht! Nun, schwimmen kommt bei 90 Meilen definitiv nicht in Frage. Kommen wir dann vielleicht gar nicht auf die Dry Tortugas, wo wir doch schon so nahe wären? Gut, ich checke die Fähre einfach nochmal – und plötzlich sind wieder ein paar Tickets für den nächsten Tag verfügbar! Vielleicht wurden die gerade von jemand Anderem zurückgegeben? Warum auch immer – der Trip ist gebucht (… und die Antwort auf das Warum? werden wir morgen erfahren)!

Noch im Dunkeln machen wir uns auf den Weg zum Fährhafen.

Dort wartet schon die erste Hiobsbotschaft auf uns: Es ist heute mit zwei Meter hohen Wellen zu rechnen! Langsam wird uns klar, warum gestern so viele die Fahrt wieder storniert haben…

Das hilft jetzt nix, da müssen wir durch. Vorsorglich werfen wir mal jeder eine Tablette gegen Reiseübelkeit ein, kann ja nicht schaden. Auch die Crew verkauft Tabletten für $1 Dollar das Stück, doch weit nicht jeder nimmt das wahr. Wir sind gespannt, wie es uns ergehen wird.

Um es schon mal vorweg zu nehmen: Es wird uns gut ergehen. Uns. Einigen Anderen, naja, nicht so.

Die erste Stunde ist die Fahrt noch ganz gemütlich. Die Besatzung hat ein Frühstücksbuffet aufgebaut, wir holen uns Kaffee und Bagels mit Erdnussbutter. Aber wir wollen das mit dem Frühstück mal nicht übertreiben: Wo weniger drin ist, kann auch weniger rausschwappen.

Wir erfahren von unserem Guide, der mit Vornamen interessanterweise Hollywood heisst, so einiges über die Dry Tortugas: Dass sie schon gleich nach ihrer Entdeckung durch einen Spanier strategische Bedeutung bekam, müssen doch alle Schiffe, die aus dem Nordosten – also zum Beispiel aus Europa – kommend, in den Golf von Mexiko wollen, die Engstelle zwischen Kuba und dem Riff der Keys genau hier passieren.

Der Entdecker nannte die Inseln die Tortugas, also spanisch für Meeresschildkröte, denn die gibt es hier zuhauf – und für die Reisenden hatte diese Angabe in der Seekarte praktisch die gleiche Bedeutung, wie wenn man heute „McDonalds“ in eine Straßenkarte einträgt: Hier gibt es was zu essen. Da es auf den Tortugas jedoch kein Wasser gibt, was einigen zum Verhängnis wurde, fügte man später noch das Dry hinzu, so dass jeder Seefahrer wusste: Hier gibt es lecker Schildkröten, aber nichts zu trinken dazu.

Ja, und aufgrund der strategischen Bedeutung hat man auf die Insel dann bald zuerst einen Leuchtturm, und später dann ein Fort gebaut. Eine Meisterleistung: Das Fort aus über eineinhalb Millionen Backsteinen ist der größte Backsteinbau Amerikas – und das mitten auf dem Meer.

Spannende Geschichte! Nur: So langsam erreicht unsere Fahrt tiefere Gewässer und die angekündigten Wellenberge. Vorn am Bug werden die Luken geschlossen, und kaum wurde angekündigt, dass man jetzt besser nicht mehr auf dem Boot rumlaufen sollte, schon stellt sich die Yankee Freedom steil auf einer Welle auf und fällt gleich darauf in ein tiiiiefes Loch hinab. Beim ersten Mal machen noch alle „Whoooo!“, wie in der Achterbahn. Beim zweiten Mal machen noch einige wenige „Whooo“. Und dann wird es ziemlich still an Deck.

Ein Blick aus dem Fenster: Kein Horizont zu sehen. Sekundenbruchteile später: Horizont huscht vorbei. Dann: Nur Wasser zu sehen. Dann wieder Horizont, wieder Himmel. So wird es jetzt eine Stunde lang gehen.

Das ist nun keine so optimale Aussicht, also machen wir das einzig Sinnvolle: Raus an die frische Luft, ans Heck des Schiffes, wo die Schwankungen am geringsten sind.

Wir kämpfen ein wenig mit der Schwerkraft, klammern uns an Türen und Geländern fest, aber schließlich erreichen wir das Heck. Hier scheint uns schön die Sonne auf den Bauch, der Blick auf den Horizont ist unverstellt, die frische Luft … nun gut, die geht so. Einerseits weht uns immer mal ein wenig Abgas um die Nase, andererseits sind wir hier hinten nicht allein: Wir finden uns inmitten des „Schiffslazaretts“ wieder – einer Handvoll sehr blasser Mitfahrer, die abwechselnd den Horizont oder den Boden ihrer Spucktüten fixieren.

An dieser Stelle eine Anmerkung am Rande: Den Tipp, auch an Deck die Spucktüten zu verwenden, anstatt sich über die Reling zu entleeren, sollte man ernst nehmen. Ich sage nur: Wind.

Nun denn, trotz der käsebleichen Gestalten um uns herum überstehen wir den wilden Ritt ganz gut. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit, die Dry Tortugas umzutaufen. In: Dry TortuRgas.

Doch irgendwann endet die Tortur und wir erreichen die Insel!

Wir kehren an unsere Plätze im Inneren der Yankee Freedom zurück, um unsere Rucksäcke aufzusammeln. Ein Blick in die Gesichter hier drin zeigt uns noch einmal: Hinten, draußen zu bleiben, war eine gute Idee!

Trotzdem ist es schön, nun wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Mal sehen, womit wir nun die Stunden hier auf der Insel verbringen werden. Groß ist sie nicht: Auf der Hauptinsel macht sich komplett das Fort Jefferson breit…

… und über einen schmalen Sandstreifen ist noch Garden Key erreichbar, eine kleine Insel, die ebenfalls in zehn Minuten umrundet wäre, auf der zwei Mal im Jahr aber so viele Vögel auf dem Weg von Nord nach Süd und andersherum Halt machen, dass sie momentan für Besucher geschlossen ist.

Wir nehmen erstmal an einer halbstündigen Orientierung teil, in der unser Guide Hollywood die Geschichte des Forts kurz umreißt. Das Ganze findet im Schatten einiger Bäume im Innenhof des Forts statt, was normalerweise sicher sehr schön ist – nur zog gestern von Norden einen Kaltfront über Florida hinab, und bei 15° kaltem Wind wird es im Schatten doch schnell ungemütlich. Wir flüchten nach dem Vortrag jedenfalls sofort zurück in die Sonne und suchen uns ein geschütztes Plätzchen zum Aufwärmen.

Danach erkunden wir noch ein wenig das Fort.

In diesem Kanonenofen wurde früher Feuer angeheizt, dann wurden hinten die Kanonenkugeln reingeschoben, und unten rollten sie dann rot glühend raus, bereit, die feindliche Armada in Brand zu setzen!

Am kleinen Sandstrand liegen schon ein paar erschöpfte Mitfahrer in der Sonne. Hier wollten wir heute eigentlich in die Fluten steigen und das Korallenriff erschnorcheln. Aber angesichts der Temperaturen können wir uns nun nicht mehr mit dem Gedanken anfreunden, hier in der Badehose ins Meer zu steigen. Wir schauen uns einfach die Meeresflora an, die schon an Land gespült wurde.

Auf der Mauer zum Burggraben kann man einmal ums Fort laufen, allerdings belassen wir es bei einer halben Umrundung, denn auf der Wind zugewandten Seite wird es echt zu ungemütlich.

Einige Mutige sind doch schon zum Schnorcheln ausgerückt. Ob es sich bei der unruhigen See gelohnt hat, wir werden es nicht erfahren.

Dafür laufen wir noch zum Nordstrand rüber, wo die Sonne den Burggraben grün leuchten lässt, und wo wir …

… eine echte Flaschenpost finden: Eine kubanische Rumflasche, nur leider ohne Nachricht drin. Gut, entspricht vielleicht nicht ganz der Definition von „Flaschenpost“.

Außerdem finden wir ein windgeschütztes Plätzchen mit Blick auf die raue See. Davor die Ruinen der ehemaligen Kohlendocks, denn zeitweise hatte man hier eine volle Infrastruktur zum Nachladen von Dampfschiffen aufgebaut, sogar eine Meerwasserentsalzung gab es mal auf diesen wenigen Quadratmetern!

Nachdem uns nun wieder warm ist, steigen wir dem Fort noch einmal aufs Dach …

… genießen den Rundblick, und packen danach unten auf der Wiese unsere Handtücher aus, um in der Sonne zu schmoren. Wenn schon nicht schnorcheln, dann wenigstens Sonnenbaden!

Kaum zu glauben, wie dennoch die vier Stunden auf den Dry Tortugas schon vergehen konnten. Wir besteigen wieder die Yankee Freedom, und bereiten uns gedanklich auf die Rückfahrt vor.

Ein Blick zurück: Links muss man sich noch den Bootsanleger vorstellen, und den 20m langen Südstrand, das ist die gesamte Insel!

Der kleine Strand sieht trotzdem traumhaft aus. Müssen wir unbedingt irgendwann wiederkommen! (Okay, naja, mal sehen.)

Die Yankee Freedom macht wieder ab. Zurück bleibt eine Handvoll Besucher, die mit den beiden Wasserflugzeugen auch bald wieder abfliegen werden, ein paar Segler, und zehn Camper – dem täglich erlaubten Maximum. Und natürlich die Ranger, die hier draußen – im am wenigsten besuchten Nationalpark der USA – Dienst schieben. Denen gehört auch das grün angestrichene Boot Fort Jefferson – falls sie die Insel mal verlassen wollen. Klingt einsam, ist aber dennoch jeden Tag ganz schön was los hier. Und schließlich sichern die Ranger auch die Außengrenze der US ab, denn die Dry Tortugas werden gerne von Boots-Immigranten aus Kuba angesteuert.

Für die Rückfahrt ergattern wir zwei Plätze im Inneren, ganz weit hinten. Die Anstrengung von der Hinfahrt und die viele Sonne hat uns doch so müde gemacht, dass wir die Stunde im tiefen Gewässer nun wie bei einem Nickerchen in der Achterbahn durchdösen.

Letztlich erreichen wir heil, und um eine Erfahrung reicher, wieder Key West.

Abschied von Key West

Nach dem wilden Ritt auf die Dry Tortu(r)gas haben wir uns nun einen geruhsamen Abend verdient.

Aber es gibt ja noch ein Rätsel zu lösen: Warum rennen am Abend alle die Duval Street rauf, als wären sie auf der Flucht? Ganz einfach: Alle wollen zum Sonnenuntergang am Mallory Square sein. Also gehen wir da heute auch mal hin.

Ein bisschen Zeit ist noch, bis die Sonne untergeht; zur Überbrückung treten am Mallory Square jede Menge Straßenkünstler auf, und einen Drink in der Ananas – alternativ in der Kokosnuss – gibt es auch dazu.

Neben Stars-and-Stripes ist ganz offiziell die Fahne der Conch Republic gehisst.

Draußen kreuzen die Sonnenuntergangshungrigen vor dem Horizont noch ein Mal hin …

… und ein Mal her …

… und dann ist die Sonne auch schon verschwunden.

Am Mallory Square tost ein kurzer Beifall auf, dann bewegt sich die Masse wieder in Richtung Stadt, zum Nachtleben.

Da wird zu kubanischen Rhythmen getanzt …

… und gegessen …

… und bei Sloppy Joe’s (Hemingway’s Stammkneipe) gehen die Lichter an.

Gegenüber laufen die ersten Travestie-Shows an – eine Amerika-untypische Eigenheit auf Key West, aber sehr amüsant anzuschauen.

Beim Hardrock Café sind schon alle Plätze voll.

Am Straßenrand bemalt jemand sein Auto (hoffe zumindest, dass es seines ist).

… und auch wir finden schließlich einen Platz auf einer Terrasse, um unsere seeerprobten Mägen wieder aufzufüllen.

Danach geht es noch auf eine Kugel Toasted Coconut-Eis zu Kilwin’s und danach fallen wir in unsere Betten – und sind erstaunt, dass dort gar kein Seegang mehr herrscht.

Am nächsten Morgen lassen wir es ruhig angehen und marschieren zum schönen Strand am Fort Zachary Taylor, wo wir es uns bis Mittag gut gehen lassen.

Der Schilderbaum zeigt derweil schon unser letztes Ziel an: Miami, 132 Meilen.

Miami Beach

Gut, es trennt uns noch eine mehrstündige Fahrt von Miami, aber langsam nähert sich auch dieser Urlaub seinem Ende: Noch eine Nacht, dann müssen wir wieder heim, buuuh!

Zunächst legen wir aber noch einen Halt auf Big Pine Key ein: Hier lebt, gefangen auf einer Insel, eine ganz spezielle Art von Mini-Rehen, die Key Deer. Weil die Key Deer aber vom Aussterben bedroht sind, sind wir uns gar nicht so sicher, ob wir überhaupt welche zu Gesicht bekommen werden. Allerdings wurde uns auch erzählt, dass man sie eigentlich ständig irgendwo antrifft – wenn man auf der Insel lebt. Nur, ob ein Kurzbesuch mitten am Tag da so erfolgversprechend ist? Ist er! Schon bei unserem ersten Spaziergang im Schutzgebiet läuft uns eins über den Weg.

Allerdings haben wir wohl doch Glück gehabt. Wir gehen noch eine weitere Runde von ein paar Kilometern, treffen aber kein einziges Rehlein mehr an.

Erst auf der Rückfahrt zur Hauptstraße treffen wir noch eines am Straßenrand. Und das leckt gleich Simones Handy ab!

Nicht weit entfernt schauen wir uns noch das Blue Hole an, ein kleiner Teich, in dem ein paar Alligatoren leben.

Nun ist aber echt genug. Über die Seven-Mile-Bridge – und über viele, viele weiter Brücken – fahren wir zurück zum Festland.

Angekommen in Miami Beach stellen wir fest, dass auch hier der Spring Break in vollem Gange ist. Ganz Miami scheint sich an diesem Samstag Abend auf den Weg nach Miami Beach gemacht zu haben.

Die größte Stimmung herrscht vor einer Schwulenkneipe.

Aber auch auf der Straße ist was geboten.

Nach unserem Spaziergang am Ocean Drive gehen wir zu einem echten (!) Italiener essen – so lecker haben wir selbst in Italien oft nicht gegessen!

Danach sehen wir uns noch einmal das Treiben am Ocean Drive an, wo unter den Augen eines nicht unerheblichen Polizeiaufgebots gefeiert wird. Interessant war es trotzdem. Wir hoffen einfach nur, dass unsere Ohrstöpsel heute Nacht gut funktionieren, denn unser Hotel liegt auch am Ocean Drive…

Erstaunlicherweise schlafen wir dann doch recht gut. Die Feier-Meute ist wohl brav geblieben.

Gleich nach dem Frühstück zieht es uns an den Strand, den letzten Tag wollen wir nochmal richtig auskosten!

Am Strand von Miami Beach ist jedes Rettungsschwimmer-Häuschen ein Kunstwerk.

Ein Strandabschnitt ist für die Spring-Break-Besäufnisse reserviert, hier hat die Polizei zusätzliche Überwachungstürme aufgestellt. Während Einzelne noch ihren Rausch ausschlafen, suchen Andere schon mit Metalldetektoren nach den gestern hinterlassenen Schätzen im Sand.

Jetzt dauert es nicht mehr lange, und wir werfen uns auch in die Fluten. Das Wasser ist heute viel ruhiger als gestern (Gestern waren wir natürlich auch schon drin!), und sowas von türkisfarben, traumhaft!

Letztlich verabschieden wir uns vom Strand…

… und machen einen letzten Bummel am Ocean Drive. Da am Morgen noch nicht ganz so viel los ist, können wir uns jetzt auch mal die vielen Art Deco Häuser ansehen.

Das war ein sehr schöner Abschluss, den wir noch mit einem Mittagessen bei unserem Stammitaliener toppen, bevor es dann – ja leider – zum Flughafen geht.

Tschüß, Florida, bis die Tage!

Vancouver

Da wären wir also wieder! Unausgeschlafen aber dennoch hungrig auf Pancakes – in Vancouver!

Als wir vor einigen Jahren das erste Mal hier waren, schmeckten die Pancakes zwar genauso gut, wie heute, aber das Wetter war nicht ganz so super. Offensichtlich scheint sich auch Vancouver an uns zu erinnern und weiß, dass es bei uns noch etwas gut hat.

Am Morgen sind zwar noch ein paar Wölkchen am Himmel, aber ab Mittag und auch für den Rest der Woche ist Spitzenwetter angesagt. Skurrilerweise nieselt es dann doch erstmal kurz, aber es dauert keine halbe Stunde und der blaue Himmel erscheint – und geht auch nicht mehr weg.

Wir machen erstmal einen ausgedehnten Spaziergang durch den Stanley Park, besuchen alte Bekannte, wie die Amazing Laughter Figuren …

… und den Inukshuk.

In Vancouver gibt es eine Menge solche öffentliche Kunst als Teil der Vancouver Biennale. Und wer sich fragt, wie man Biennale auf Englisch ausspricht, dem wird gern geholfen:

Genau. Be-en-ah-lay.

Wir springen an Bord eines Bötchens der False Creek Ferry und setzen über zum Granville Island Market.

Da fährt unser Wassertaxi schon wieder davon:

In der Markthalle läuft uns schon beim Reinkommen das Wasser im Mund zusammen, und so kaufen wir als Erstes das einzig Wichtige: Essiggurken.

Danach stellen wir uns für ein paar Minuten in den Duft der Obststände, das reicht locker als Vorspeise.

Während wir uns durch den Markt futtern, ist draußen heute ein Treffen historischer Holzschiffe, die hier gerade eine Parade Kinderwagen schiebender Eltern abnehmen:

Auf Granville Island gibt es neben dem Markt noch Dutzende Läden und Galerien, die wir nacheinander besuchen und uns zwischendurch immer wieder in der Sonne ausruhen.

In der Inselmitte befindet sich hingegen ein Zementwerk, noch voll in Betrieb, aber ebenso der Kunst gewidmet:

Wir umrunden die Insel schließlich unter kundiger Führung auf dem Boardwalk …

… und finden sogar noch eine kleine Hausbootsiedlung. Hier kann man mit der Yacht direkt am Haus festmachen!

Zurück beim Wooden Boats Festival…

… treten wir den Rückweg an, und lassen uns wieder nach Downtown übersetzen.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns dann abends nochmal auf den Weg, diesmal nehmen wir den Seabus nach North Vancouver, wo heute unter dem großen Kran Nachtmarkt ist. Da wir die Nacht wohl nicht mehr wirklich erleben werden, fahren wir schon am frühen Abend rüber.

Auf der Bühne spielt eine nette Band, rund herum stehen Food Trucks, perfekt!

Nachdem wir unsere Noodle Box mit viel scharfer Soße aufgefuttert haben, gucken wir uns in Ruhe den Rest des Markts, und den Sonnenuntergang an.

Die Schlepper kommen nach ihrer Schicht rein.

Der Millionär parkt seinen Helikopter auf dem Achterdeck.

Wir gucken zu, wie die Docks die letzten Sonnenstrahlen reflektieren …

… bestaunen die Silhouette Downtowns …

und nehmen den nächsten Seabus zurück in die City …

… um nach abschließendem Fußmarsch zum Hotel tot in unsere Betten zu fallen.

Vom Strand zur Zombikalypse

Uiuiui, jetzt bin ich aber mit dem Schreiben hinterher. Der Jet Lag fordert am Abend eben doch seinen Tribut, und dann waren wir noch ein paar Tage praktisch offline. Dann will ich mal nachliefern…

Also, unser zweiter Tag in Vancouver (und damit leider auch schon unser letzter).

In den Tag starten wir heute mal mit etwas wirklich Gesundem.

Wie man sieht, wirkt’s schon.

Da das Wetter auch heute wieder ein Traum ist, entscheiden wir uns für einen ausgedehnten Strandspaziergang am Jericho Beach, mit tollem Blick zurück auf Downtown.

Eine ganze Weile sehen wir an der Marina den Mutigen zu, die bei doch recht frischen Wassertemperaturen Surfen, Kayaken oder Standup-Paddeln lernen wollen.

Einige machen vor unseren Augen einen ungeplanten Abgang ins Wasser.

Später halten wir zumindest mal die Füße rein: Das dürfte wirklich kein Zuckerschlecken sein, wenn man da reinfällt. Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht eine Bucht weiter Einige zum Baden reingehen…

Aber die Mehrzahl ist doch nur zum Sonnenbaden hier, oder lässt Drachen steigen. Wir machen bei Sonnenbaden mit.

Dafür, dass Samstag ist, ist relativ wenig los am Strand.

Vielleicht wissen alle, die heute lieber zuhause geblieben sind, ja etwas, was wir nicht wissen?

Zum Beispiel, dass heute Zombies die Stadt übernehmen. Neinnein, das wussten wir natürlich auch. 16:00 Zombie-Walk. In unserem Terminplan. Schon lange.

Ein paar Impressionen:

Auch wenn sich der tiefere Sinn nicht ganz erschließen mag, war es doch interessant anzusehen. Leider hatten es viele der Zombies doch ganz schön eilig und das Gros war viel zu schnell an uns vorbei. Dabei hätten die doch alle Zeit der Welt gehabt…

Gutgut, nach diesem Schauspiel gönnen wir uns erstmal einen leckeren tiefroten Sockeye-Lachs auf Gemüsecurry. Er war so lecker, es blieb leider keine Zeit für ein Foto…

Vancüver

Beobachtung am Rande: Eine ganz besondere Beziehung scheint der Kanadier zum Umlaut Ü zu haben.

Wahrscheinlich klingt es besonders chic und europäisch, wenn man ein paar Pünktchen über die Vokale setzt.

Bei den „Hüngry Guys“ gab es zum Beispiel Burger.

Bei „Yogen Früz“ gibt’s Joghurteis. „For Ü“, versteht sich, also „For You“.

Und in einer Bäckerei sahen wir echten deutschen Zwetschgendatschi. Benannt: „Plum Küchen“.

Und los: Auf an die Sunshine Coast

Schließlich ist es an der Zeit, unseren Startort Vancouver zu verlassen.

Zunächst führt uns der Weg am frühen Sonntagmorgen durch den Stanley Park, über die große grüne Hängebrücke, hinüber nach Horseshoe Bay, dem nahe gelegenen Fährhafen, von dem wir in einer guten Dreiviertelstunden übersetzen an die Sunshine Coast.

Auf der Fähre nehmen wir ein erstes Sonnenbad und stärken uns mit einer schokoladigen Bärentatze.

Der Blick geht hinüber in Richtung Squamish, dem Ort am Ende des langen Fjords, den wir vor einigen Jahren schon mal besucht haben. Dahinter geht es dann kräftig rauf in die Berge, bis nach Whistler. Dort fanden bei den Olympischen Spielen von Vancouver bekanntlich die Alpinwettbewerbe statt.

Auch wenn wir in der Ferne einige Gletscher und Schneereste ausmachen können. Hier unten ist es heute alles Andere als winterlich. Auf der Fähre lässt es sich prima draußen sitzen. Und angekommen in Gibsons Landing, macht die Sunshine Coast ihrem Namen alle Ehre. Hier wachsen sogar Feigenbäume! Und eine Palme sichten wir auch! Frechheit.

Unter dem Austernladen …

werden die leeren Austern ins Hafenbecken gekippt.

Ansonsten ist Gibsons ein verschlafenes Fischernest, wie wir die nächsten Wochen wohl noch so einige antreffen werden. Heute Vormittag ist Markt, dieser besteht aber nur aus einer Schülerband und fünf Ständen mit Selbstgebasteltem.

Wir sehen uns die Sache an, kaufen in der kleinen Markthalle nochmal etwas ein, und starten dann weiter Richtung Norden, denn wir wollen heute ja noch wandern gehen!

Zu den Skookumchuk Narrows

Ziel unserer Wanderung sind die Skookumchuck Narrows, eine Engstelle des Sechelt Inlet. Das Inlet ist ein laaaanger Fjord, in dem bei Flut das Wasser steigt, bei Ebbe sinkt. Und all dieses Wasser muss durch die Narrows, wo es dann einer Stromschnelle gleich schneller werden kann, als so mancher Gebirgsbach. Das lockt dann wiederum Kayaker aus aller Welt an.

Dem Gezeitenplan haben wir den optimalen Zeitpunkt entnommen, wann man heute zu den Narrows wandern sollte. Gegen 16 Uhr soll die ablaufende Strömung am stärksten sein. Jedoch sind die Gezeiten ja mal mehr, mal weniger ausgeprägt, und auf der bis nach XL reichenden Skala ist heute nur ein M zu erwarten. Dennoch wollen wir es uns nicht entgehen lassen. Also los!

Jetzt sind wir also mit viel Elan gestartet, und schon nach den ersten Metern Wanderweg stehen wir – mitten im Wald – vor diesem Schild.

Dahinter verbirgt sich tatsächlich in einer kleinen Blockhütte die vielleicht entlegenste Bäckerei der Sunshine Coast. Noch kaum losgegangen, steht für uns also die erste Rast an.

Gestärkt geht es jetzt weiter durch einen Märchenwald, wie es ihn eben nur im Nordwesten gibt.

Die Äste dick mit Moos bewachsen.

Die Bäume wild und riesengroß.

Der Waldboden vor lauter Farnen kaum zu sehen.

Hier ist alles Grün: Von den Farnen am Boden, über die vermoosten Stämme, bis ins Blatt der Baumkronen.

Zwar stehen hier im Wald eine Menge sehr, sehr kräftige Bäume. Aber den Umfang einiger Baumstümpfe erreichen sie selten. Die Baumriesen wurden vor Jahrzehnten schon gefällt.

Damals, in den Fünfzigern, fällte man Bäume hier aber noch nur mit Sägen und Äxten. So sieht man heute noch an den riesigen Baumstümpfen die Kerben, die sich die Waldarbeiter zuerst in die Stämme geschlagen haben, um dort Bretter einzuhängen, auf denen stehend sie dann den Baum darüber durchsägten und -schlugen.

Nach etwa einer Stunde Marsch erreichen wir die Narrows. Ein erster Blick vom erhöht gelegenen North Point zeigt uns: Die Strömung hat schon eingesetzt. Tatsächlich erinnert das Wasser hier zeitweise an einen Whirlpool.

Wir wandern noch weiter bis zum Roland Point, wo man direkt ans Wasser herunter kommt.

Das ablaufende Wasser hinterlässt kleine Tümpel, Gezeitenpools, in denen sich jede Menge Meeresbewohner tümmeln, und die Ebbe aussitzen. Wir sehen Seesterne, Anemonen, und jede Menge Muscheln. Sogar ein Mini-Seestern ist dabei. Dieser hier ist nur wenige Zentimeter groß.

Rückzu sehe ich mir noch den hohlen Baum von innen an. Man kann nie wissen, wofür’s gut ist.

In der Abendsonne leuchten die Farne besonders schön.

Zurück am Auto checken wir kurz den Fährplan und entscheiden, direkt zur Fähre nach Powell River zu fahren, denn die könnten wir in einer halben Stunde schon schaffen. Ansonsten müssten wir noch 2,5 Stunden warten, bis sie wieder zurück ist.

Als eines der letzten Autos passen wir noch knapp auf die Fähre. Wir genießen die 50 Minuten Überfahrt im Abendlicht.

Start in Vancouver Island

Ein neuer Tag, eine neue Fähre.

Heute brechen wir früh auf, um um acht Uhr ab Powell River zum Hauptziel unserer Reise überzusetzen, nach Vancouver Island.

Das Wetter? Könnte besser nicht sein.

Nach einem Frühstück auf der Fähre erreichen wir schon bald wieder Land und fahren gleich durch zum ersten Wanderziel – na gut, es ist eher ein Spaziergang – zu den Nymph Falls.

Die Kaskaden sind nun nicht allzu beeindruckend, aber bei diesem Wetter ist es dennoch schön, ein Stück am Fluss entlang zu gehen, und schließlich …

… die eigentlich noch gar nicht so müden Füße ins eiskalte Wasser zu halten.

Hartgesottene haben sich schon um 11 Uhr morgens in’s kristallklare Wasser gewagt. Ach hätten wir doch nur Badesachen dabei. Wir wären ganz bestimmt auch reingesprungen. Also, ganz ganz bestimmt. Aber leider keine Badehose an. Also, sonst wäre ich auf jeden Fall rein. Sofort. Mit einem Sprung. Eh klar.

Nach dem Spaziergang zu den Falls gehen wir erstmal Proviant kaufen und fahren dann zur Seal Bay, wo wir zum Strand hinabsteigen und dort brotzeiten. Kein Sandstrand, aber dennoch schön.

Dann geht es durch den grandios grünen Küstenwald wieder rauf zum Ausgangspunkt.

Als dritten Spaziergang haben wir noch die Englishman River Falls im Auge. Zuerst gilt es, die alten hölzernen Wasserleitungen, die hier Staudamm und Kraftwerk im Tag verbinden, zu überqueren.

Dann ist es schon gar nicht mehr so weit bis zum Wasserfall.

Den perfekten Blick auf die Fälle hat man von der Hängebrücke aus.

Zum Glück ist das Geländer hoch, und die Brücke schaukelt nur ganz wenig, wenn die übergewichtigen Harley-Fahrer dazukommen.

Unter sengender Sonne steigen wir nach dem Besuch des Wasserfalls dann wieder zum Auto empor.

Wir haben nun noch eine etwas längere Fahrt vor uns, es geht hinauf in den Inselnorden.

Auf der Fahrt können wir dem Thermometer beim Fallen zusehen: Von 29° geht es in kleinen Schritten runter bis auf 19°. Ist eben der Norden.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Etappenziel, die Telegraph Cove.

Wir sind hungrig, also marschieren wir direkt über den Boardwalk vor zum Pub.

Hier gibt es heute Salmon BBQ, das man sich direkt draußen beim Grillmeister abholen kann. Sehr sehr lecker.

Und auch bei den Linguine wurde nicht mit Fisch gegeizt. Mit dem Knoblauchbrot übrigens auch nicht.

Trotz der gefallenen Temperatur sieht es hier in Telegraph Cove nach einmalig gutem Wetter aus.

Perfekt, denn morgen früh wollen wir raus aufs Meer zum Wale gucken!

Hoffentlich wissen das auch die Wale. Wir werden sehen.

Whalewatching

Telegraph Cove ist ein hübsches Nest im Inselnorden. Eigentlich ist es gar kein richtiger Ort, sondern nur ein kleiner Hafen in einer geschützten Bucht.

Hier wurde vor über hundert Jahren Lachs verarbeitet und in Kisten verpackt, um ihn nach Japan zu verschiffen. Dazu wurde direkt in der Bucht eine Sägemühle gebaut, um die Kisten herzustellen. Dazu wurden mehr und mehr Arbeiter benötigt, und für die baute man dann weitere Gebäude, zum Teil auf Stelzen direkt am Wasser, zu Teil am Hang dahinter.

Und in all diesen kleinen Häuschen und Hütten kann man nun übernachten und von Telegraph Cove aus wahlweise zum Whalewatching oder zur Bärenbeobachtung in See stechen. Wir wollen heute Wale sehen, und darum stehen wir zeitig auf.

Der Blick aus dem Fenster geht direkt ins Hafenbecken und dahinter ist auch schon die Hälfte des „Ortes“ zu sehen. A room with a view.

Ganz offensichtlich kommt man hierher nicht nur zum Tiere beobachten, sondern auch zum Fischen. Unser Zimmer bietet als kleine Besonderheit eine Tiefkühltruhe. Hatten wir auch noch nicht. Zusammen mit dem mannshohen Kühlschrank daneben, wechseln sich die beiden Geräte die Nacht über ab, um mit turbinen- bzw. kompressorähnlicher Lautstärke jedes Gefühl von Abgeschiedenheit im Keime zu ersticken. Aber die Aussicht gleicht das aus.

Früh am Morgen haben weder Coffee Shop, noch Restaurant offen, aber es gibt auch eine kleine Bude mit großer Terrasse, wo wir schon um 7 Uhr eine leckere Latte, noch leckerere Pfannekuchen, und noch noch leckereres Joghurt mit Müsli und Früchten bekommen. Man muss halt nur draußen frühstücken.

Die kleine grüne Hütte ist die Hochzeiterhütte mit viel Intimität für zwei (aber bestimmt auch mit Tiefkühltruhe). Interessanterweise sitzen die Seemöven am liebsten oder fast ausschließlich auf der grünen Hütte.

Schließlich die alte Sägemühle, wo jetzt Restaurant und Pub drin untergebracht sind. Vorne liegt schon die Lukwa für unsere Wal-Trip bereit.

Bevor wir an Bord gehen stellen sich der Captain und die beiden Biologinnen vor, die uns auf der Fahrt begleiten.

Die übliche Frage, wer wo herkommt, ergibt eine interessante Häufung: Zwei Kanadier, zwei US-Amerikaner. Der Rest: Europäer.

Wir erhalten die üblichen Sicherheitseinweisungen, und dann geht es auch schon raus aufs Meer.

Hier oben lebt eine Population von Orcas, und natürlich hoffen wir alle, dass wir die Killerwale zu sehen bekommen. Ich stelle mir das so vor, dass wir nach der Hafenausfahrt erst mal Vollgas geben und in irgendwelche abgelegenen Buchten entschwinden, in der Hoffnung, dort die Orcas zu finden. Denn es ist alles andere als garantiert, dass man sie wirklich zu Gesicht bekommt.

Tatsächlich fahren wir aber mit halber Fahrt aus dem Hafen raus – und nach fünf Minuten haben wir schon die ersten Orcas vor dem Bug. Da ist selbst der erfahrene Captain baff.

Die Orcas leben in Familien und so sehen wir gleich einen ganzen Schwung von ihnen in der Strömung jagen. Killerwale nennt man sie, da sie sich nicht nur von Plankton, sondern entweder von Fischen, oder von ganzen Seehunden ernähren.

Zu unterscheiden sind die Orcas an der weißen Zeichnung hinter ihrer Flosse, und die Biologinnen an Bord machen reichlich Fotos, um zu bestimmen, welche Familie, und welche Tiere wir hier vor uns haben. Diese Daten werden dann an einen Forschungsverbund weitergegeben.

Die Orcas sind ziemlich flott unterwegs und wir folgen ihnen einige Meilen weit.

Dann drehen wir ab und lassen sie in Frieden.

Schon kurz darauf hüpfen andere Flossenträger vor unserem Bug aus dem Wasser. Es sind Schweinswale, die offenbar großen Spaß daran haben, in der Bugwelle unseres Bootes mitzuschwimmen.

Wie Delphine hüpfen sie immer wieder aus dem Wasser. Und ganz schön schnell schwimmen können sie auch.

Wir durchqueren eine Engstelle zwischen zwei Inseln und dahinter können wir – wenn auch weit entfernt – ein paar Seehunde ausmachen.

Ein Seelöwe macht direkt vor unserem Bug eine Riesenshow und wirft sich aus dem Wasser – das Foto muss ich aber nachreichen, das hat nur Simone im Kasten.

Nach kurzer Suche können wir nun auch noch einige Buckelwale beobachten. Einer von ihnen jagt kleine Fische, indem er unter Wasser Runden dreht und an einer Stelle eine Menge Luftblasen produziert. Dann schnappt er sich die von den Blasen irritierten Fischchen. Der Captain beteuert, dass dieses Jagdverhalten sonst nur bei Walen auf offener See (wir sind ja hier geschützt in der Meeresstraße zwischen Vancouver Island und dem Festland) zu beobachten ist, und er es in 32 Jahren auf See hier noch nicht beobachtet hat. Seemann eben.

Toll ist, dass die Wale hier nur 5-10 Minuten untertauchen, nachdem man ihre Fluke gesehen hat. So sehen wir einige Wale mehrmals und in der Summe nach Aussage unserer Biologen bestimmt fünf oder sechs verschiedene. Auch die Buckelwale werden von ihnen bestimmt, dazu wird die Zeichnung auf der Schwanzflosse mit Bildern aus einem dicken „Katalog“ verglichen.

Letztlich fahren wir noch eine Stelle an, wo eine Menge Vögel auf dem Wasser rumschwimmen.

Das freut die Wale, denn die Vögel sind da wo auch Fische zum Futtern sind. Man muss also nur eine solche Vogelsuppe finden, warten, dann kommt der Wal von allein.

Für drei Stunden auf See war das doch schon mal ganz ergiebig!

Wir sehen noch einen auf dem Rücken paddelnden und uns unentwegt zuwinkenden Seelöwen – leider kein Foto – dann hören wir uns noch einen kleinen Vortrag von der Biologin an, inklusive Walgesang vom Band, und danach geht’s schon wieder heimwärts.

Direkt neben der Bucht entdecken wir noch ein paar hübsche Ferienhäuser mit Traumaussicht (und Walblick).

Und dann nehmen wir schon wieder Kurs auf Telegraph Cove.

Wenn das kein gelungener Whalewatching-Trip war, was dann? 🙂

Und überfahren haben wir auch keinen.

Ausklang in Telegraph Cove

Nach dem erlebnisreichen Vormittag auf See haben wir uns jetzt aber etwas Ruhe verdient!

Wir prüfen kurz, von wo der Wind weht…

… und schnappen uns zwei Sonnenstühle vorne am Boardwalk mit Blick auf die Hafeneinfahrt. Dazu noch einen Cappuccino, und natürlich die Sonne – perfekt. Das Wetter ist ohnehin der Hammer: Nach Aussage unserer Gastgeber beim Whalewatching haben sie das gegenüberliegende Festland heute zum ersten Mal seit Tagen zu Gesicht bekommen. Dazu noch über 25°C – das kommt hier so gut wie nie vor.

Nach ausgedehnter Ruhephase sehen wir uns noch die einzelnen Häuschen an, und lesen, wer sie erbaut, wer wo gelebt, und wer wie sein Geld verdient oder wieder verloren hat.

Zum Beispiel diese Geschichte: Zwischen zwei Trieben dieses Ahorns war über Jahrzehnte ein Paddel festgewachsen.

Dann kam es aber am 19.2.2009 zu folgendem Vorfall: Ein junger Berglöwe wagte sich vom Berg auf den Boardwalk hinab und schnappte sich den kleinen Hund Buddy, der gerade am Ende des Piers schlief. Ein französisches Paar bemerkte den Vorfall und suchte nach einer Waffe, um Buddy zu retten.

Sie sahen das in den Baum eingewachsene Paddel, und brachen es – um dessen Besonderheit nicht wissend – in der Eile aus dem Baum heraus, um Buddy zu verteidigen. Buddy überlebte, verlor jedoch sein Augenlicht. Die abgebrochenen Paddel stehen nun neben dem Baum, jederzeit bereit, um gegen Berglöwen zu kämpfen.

Draußen zieht ein Schlepper eine Ladung Baumstämme zum nahe gelegenen Sägewerk. Eine häufiger Anblick hier oben.

Wir gucken uns noch die Walskelette im kleinen Walmuseum an.

Und dann machen wir noch einen kleinen Spaziergang mit Reh.

Und zum Abschluss geht’s ins Killer Whale Café zum Lachsessen.

In der Dämmerung beobachten wir noch einen Schlepper, der ein komplettes Holzfällercamp in den Norden zieht.

Und im Hafen machen sich die Otter ebenfalls über ein Lachs-Dinner her. Was für ein Abschluss für diesen Tag!

Gute Nacht aus der Telegraph Cove!

Abschied aus Telegraph Cove

Nach zwei Tagen im (gar nicht so kalten) Norden müssen wir nun wieder die Koffer packen.

Noch einmal frühstücken wir draußen an der lustigen Bude, wo es den guten Kaffee und das leckere Granola gibt.

Einen kleinen Spaziergang zu einem Ausblick aufs Meer machen wir noch. Von hier oben kann man die Wale – unserer gestrigen Erfahrung nach – sicher auch oft von Land aus beobachten. Wir sehen nur ein paar Schweinswale tauchen, aber immerhin.

Dann entdecken wir einen Aufruhr in einem Vogelschwarm auf dem Wasser. Ein Weißkopfseeadler schießt durch die Möwen und macht ihnen den Fang abspenstig. Dann fliegt er geradewegs in unsere Richtung und setzt sich über uns in einen Baumwipfel!

Wir versuchen noch etwas näher zu kommen, um ein besseres Foto hinzubekommen. An einem großen Haufen Bärenscheiße machen wir dann lieber Kehrt. Aber toll, dass wir diesen Bald Eagle noch gesehen haben!

Kaum haben wir Telegraph Cove verlassen, schon macht der Norden seinem Ruf alle Ehre, und es regnet. Macht nix, wir müssen jetzt ohnehin ein paar hundert Kilometer in den Süden. Mit kleinen Stops erreichen wir Courteney, den Hauptort im Comox Valley, unsere Station für heute Nacht.

Nach einem Kaffee im Ort machen wir noch einen langen Spaziergang am Fluss entlang. Wir schauen gerade einem Standup-Paddler zu, als ein Wasserflugzeug zur Landung ansetzt und direkt neben ihm – und uns – aufsetzt. Der Paddler muss ganz schön in die Knie gehen, um die Wellen nach der Landung auszugleichen. Interessante Vorstellung: Man geht gemütlich paddeln, und dann landet fünf Meter neben einem ein Flugzeug.

Der Pilot muss zum Festmachen selbst aufs Dock runterspringen.

Wir übernachten in einem niedlichen Bed & Breakfast in Comox. Der Nachbar hat eine öffentliche Leihbücherei in seiner Einfahrt postiert.

Vor dem Frühstück (erst um 8:30 – hallo? Unser Wecker steht auf 6 Uhr!) machen wir einen Spaziergang am wilden Strand.

Es gibt sicher schönere Strände, aber trotzdem sehr schön hier. Ist aber auch gerade Ebbe.

Nach dem Frühstück wollen wir rauf in die Berge – Wandertag!

Wandertag

Zum Wandern fahren wir hinauf an den Mount Washington – ein Skigebiet. Hier gibt es im angrenzenden Strathcona Provincial Park tolle Wanderwege durch Hochmoore und von Bergsee zu Bergsee.

Die Trails sind weitgehend auf Boardwalks angelegt, was den Vorteil hat, dass das Getrampel auf den Holzbohlen die Bären fern hält – und dass man trockene Füße behält.

Letztlich erreichen wir unser Ziel, den Lake Helen McKinsey, und schnabulieren unser Picknick.

Einige Bäume hier oben tragen Bart.

Ein halbes Dutzend Seen später erreichen wir dann wieder den Ausgangspunkt unserer Tour.

Da wir im Bergsee (oben) auf ein Bad verzichtet haben, stecken wir unsere Füße – wieder an der Küste angekommen – noch schnell ins Meer.

Berge und Meer am gleichen Tag, das ist Vancouver Island.

Hier starten die Gänse in den Süden.

Das Meer ist an dieser Stelle total warm, da man bestimmt hundert Meter rausgehen muss, um wenigstens bis zu den Knien drin zu sein. Weiter draußen dürfte es dann aber doch etwas zu frisch sein zum Baden…

Von Comox nach Port Alberni

Stärken wir uns für den Tag mit den besten French Toast von ganz Kanada und einer Suppenschüssel voll Obst, Joghurt und Granola!

… und das bei diesem Ausblick, und diesem Wetter:

Die Stärkung haben wir auch nötig, denn heute haben wir eine ganze Reihe kleiner Wanderungen geplant.

Unser erster Stopp sind die Englishman River Falls, wo wir von zwei Brücken aus einen schönen Blick auf Schlucht und Wasserfälle haben. Oberhalb der Fälle kann man zum Fluss hinuntersteigen, und natürlich halten wir unsere Füße ins gefühlt vier Grad kalte Wasser.

Zwischendurch geht es durch tief vermooste Wälder.

Die Anstrengung dieses ersten Stopps hängt uns schon in den Knochen, da fahren wir erst mal nach Coombs zum Old Country Market.

Hier gibt es einen Donut-Laden. Natürlich kaufen wir hier aber keine Donuts; ungesund. Viel zu süß.

Im Markt selber gibt es lokale Köstlichkeiten, sowie Delikatessen aus aller Welt, wie zum Beispiel zehn verschiedene deutsche Senfsorten.

Als Besonderheit weiden auf dem begrünten Dach des Markts Ziegen!

Ups, jetzt haben wir doch ein paar Donuts gekauft. Wir haben uns aber auf gesunde Sorten beschränkt: Mango, Nuss und Bacon (!).

Aber die Donuts essen wir nicht einfach irgendwo, sondern auf einem schönen Picknickplatz im Little Qualicum River Falls Provincial Park.

Auch hier gibt es hübsche Wasserfälle zu entdecken.

Und an der Badestelle gehen ein paar komplett Verrückte sogar baden. Das Wasser ist kristallklar, aber wirklich, echt, eiskalt.

Schließlich halten wir noch an der Cathedral Cove, einem Wald mit hunderte Jahre alten Bäumen.

Leider hat ein Sturm in den Neunzigern viele der Baumriesen entwurzelt, aber auch das Durcheinander der umgestürzten Bäume ist imposant – und letztlich bilden sie wieder die Grundlage für einen neuen Wald.

Rund um die Baumriesen ist wieder alles vermoost und der ganze Waldboden voller Farne.

Nach etwas Herumirren finden wir auch den Big Tree, 76 Meter hoch, 9 Meter Stammumfang.

Als Kolumbus Amerika entdeckte, war dieser Baum schon 300 Jahre alt.

Am Abend erreichen wir dann Port Alberni. Der Ort liegt am Ende eines 30 km tiefen Fjords weit vom offenen Meer entfernt. Und hier ist dieses Wochenende Salmon Festival. Das bedeutet: Man kann ein Teilnehmerlos kaufen, und wer den größten Lachs fängt, gewinnt den Jackpot. Angeln wollen wir nicht, also müssen wir uns den Lachs eben kaufen. Für genug Brennholz für den 12 Meter langen Grill wurde gesorgt.

Und der gegrillte Lachs schmeckt ausgezeichnet.

Dazu der Blick über den Hafen.

Nachdem wir unseren Lachs vertilgt haben, spazieren wir noch zum Quay rüber, von wo aus wir später noch das Feuerwerk ansehen möchten.

Dort liegt ein alter Fischtrawler, der heute ein Bed & Breakfast ist.

Die Zeit bis zum Feuerwerk vertreiben wir uns mit einem Kaffee, Schokoladenkaufen, und super Livemusik.

Dann wird das Feuerwerk von einem Ponton auf dem Wasser aus gezündet. Wir haben beste Sicht, sind danach aber wirklich fällig fürs Bett. Gute Nacht!

Port Alberni

Nach einem kommunikativen Frühstück in unserem B&B in Port Alberni (unser Gastgeber Wayne hat Wayne’s World Famous Pancakes gemacht), fahren wir zunächst an den Harbour Quay, wo heute Markt sein soll. Es ist auch Markt, aber der ist wirklich winzig. Nach weniger als fünf Minuten  haben wir alle Stände gesehen.

Also fahren wir rauf zur größten Attraktion des Ortes, einer alten Sägemühle im Wald. Dort angekommen stellen wir zunächst fest, dass der Parkplatz komplett leer ist und erfahren dann, dass die Mühle heute wegen einer Hochzeit geschlossen ist. Wer, bitte, heiratet in einem Sägewerk?

Nun ja, egal. Wir fahren also wieder runter in den Ort und weil es ja schon halb zwölf ist, essen wir beim kleinen Mexikaner am Hafen erstmal zwei Tacos. Dann sehen wir auf einem Plakat, dass heute auch eine Art Schwere-Maschinen-Oldtimer-Tag ist, und den versuchen wir nun zu finden. Rund um die alte Sporthalle haben Dutzende Bastler liebevoll restaurierte Trucks, Feuerwehrautos, Trecker und Landmaschinen geparkt.

Mit höchstens ein bis zwei Zündungen pro Sekunde pufft diese Motorsäge vor sich hin und sägt gemächlich einen Stamm durch.

Der alte Dampftrecker haut ebenfalls mit jeder Zündung eine schwarze Wolke in die Luft.

Wir drehen eine Runde und schauen uns alle Gerätschaften kurz an. An längeres Verweilen ist aber nicht zu denken, denn die Mittagssonne hat den Ort schon auf über 30°C aufgewärmt, und zwischen den Trucks ist der Schatten rar.

So haben wir wenigstens den Vormittag noch mit einem Alternativprogramm gefüllt.

Wir verlassen Port Alberni in Richtung Westen – auf an den Pazifik!

Half Moon Bay

Nach knapp zweistündiger Fahrt über den immer enger und kurviger werdenden Highway erreichen wir schließlich die Halbinsel mit den Orten Ucluelet im Süden (hier wollen wir die nächsten Tage unterkommen) und Tofino im Norden.

Die Westküste Vancouver Islands ist in erster Linie bekannt für Nebel, Kälte, Sturm, Sturm, Nebel und Kälte. Und natürlich Regen. Viel Regen. Wir haben unsere wärmste und wasserdichteste Kleidung mitgebracht um dem entgegenzustehen. Nun erwarten uns aber: Sonne und 29 Grad. Es ist unfassbar. Dieses Wochenende plagt eine spätsommerliche Hitzewelle das Festland und ein stabiles Hoch sorgt für Rekordtemperaturen.

Für Port Alberni wären für die nächsten Tage gar 38°C vorhergesagt. Buddy, der uns gestern beim Salmon Festival mit seiner Frau gegenübersaß, meinte zwar, man hätte solche Temperaturen hier schon erlebt, es sei aber schon Jahre her.

Aber trotzdem hat die Küste ein wenig ihr eigenes Klima. Nebel zieht binnen Minuten auf, und geht genau so schnell wieder. Wir starten auf einen kurzen Wanderweg durch den Regenwald hinunter an eine versteckte Bucht, die Half Moon Bay. Nur zwei Kilometer, aber ein paar hundert Stufen soll es runter gehen. Am Parkplatz starten wir unter blauem Himmel. Der Boardwalk schlängelt sich durch den typischen Westküsten-Regenwald, durch den sonst kein Durchkommen wäre. Ein echter Urwald.

Bald schon ziehen Nebelschwaden vom Strand – der vom Wald aus noch nicht erkennbar ist – herauf. Die Luft wird deutlich kühler, aber die Luftfeuchtigkeit steigt auf 100%.

Auf dem Plankenweg geht es weiter hinab.

Wir sind umringt von Farnen und Moosen.

Die Stufen werden wir später alle wieder rauf müssen.

Viele Stufen. Aber das Meeresrauschen kommt schon näher. Nur ist durch den Nebel der Strand noch nicht erkennbar.

Dann spuckt uns der Urwald aus und wir stehen am Strand. Schemenhaft ist die Brandung zu erkennen.

Zuerst fühlten wir uns ganz allein hier unten, weil niemand zu sehen war. Dann tritt aber doch ein Grüppchen von drei Leuten aus dem Nebel heraus.

Die Stille ist magisch. Es ist gleißend hell; die Sonne lässt sich durch den Nebel schon erahnen.

Wir laufen die Bucht entlang. Während hinter uns der Anfang der Bucht im Nebel verschwindet, taucht vor uns ein Fels mit dem Ende der Bucht auf.

Die Brandung spült Treibholz und meterlange Algen an Land.

Und Muscheln.

Als wir das Ende der Bucht erreichen, hat es die Sonne schon fast geschafft.

Die Ebbe hat einige Felsen freigelegt, die komplett von Algen und Muscheln besetzt sind.

In kleinen Spalten leben grellgrüne Seeanemonen.

Vor einer Minute sahen wir noch rund um uns herum nur Nebel. Doch jetzt ist der Himmel plötzlich blau. Bis zum anderen Ende der Bucht kann man trotzdem noch nicht schauen.

Wir sehen uns die Tide Pools noch etwas genauer an. Immerhin einen Seestern entdecke ich, der sich in einer schattigen Ecke festklammert.

Wieder eine Minute später ist nun die gesamte Bucht zu sehen.

Also raus aus den Schuhen – und rein in’s Wasser. Also mit den Füßen, maximal. Der Pazifik hier ist normalerweise zwischen 7 und 14 Grad kalt. Falls mein Gesichtsausdruck auf dem Foto erkennbar ist: Ich tippe eher auf das untere Ende der Skala.

Andererseits: Wenn man drin ist, ist’s richtig warm… Naja.

Nach diesem mystischen Erlebnis an der Half Moon Bay bleibt uns nun nichts anderes, als die vielen hundert Stufen durch den Wald wieder empor zu klettern. Oben erwartet uns wieder einwandfrei blauer Himmel.

Wir fahren noch die wenigen Kilometer bis Ucluelet (Indianersprache für „Sicherer Hafen“), wo wir in unsere Lodge einchecken und noch einen Spaziergang zum Pier machen.

Im Floathouse, einem auf dem Meer schwimmendem Restaurant, finden wir schließlich …

… einen Tisch direkt in der Abendsonne.

So beenden wir den Tag und nehmen die so unerwartete Wärme und Sonne bis zum letzten Moment mit.

Wild Pacific Trail

Unsere Lodge in Ucluelet ist ein Traum. Nach vorn, zur Seite, nach hinten und nach oben blicken wir direkt in den Wald, und vom Balkon hinunter zum Terrace Beach, einer naturbelassenen, wilden kleinen Bucht, von der am Morgen stetig ein kühler Nebel zu uns hinaufweht, während die Sonne uns hier oben richtig einheizt. Kamin, Badewanne, alles da – werden wir aber nicht brauchen, weil heute der wärmste Tag hier seit Jahren ist.

Unser Strand.

Krebs mit Einschlagstelle einer Krähe.

Hinter dem Strand geht es direkt in den Urwald rein.

Am frühen Morgen drehen wir die Runde auf dem Wild Pacific Trail rund um die Südspitze der Halbinsel.

Der Blick über das Archipel lässt kaum erahnen, wie viele Schiffe an diesen Felsen schon zerschellt sind. In einer Karte am Weg sind Dutzende gesunkene Segler und Dampfschiffe verzeichnet. In der Bucht vor uns sank eine Bark mit 28 Mann und einer Frau Besatzung. Nur wenige Meter zum Ufer – unerreichbar in der kochenden See. Bei diesem ruhigen Wetter kaum zu glauben. Bei starker See werden aber die Felsen bis hier zu uns herauf überspült.

Auf halbem Weg liegt der Leuchtturm. Dieser war früher nur eine Holzhütte, und die hatte wenige Tage vor erwähntem Unglück der Sturm einfach weggeblasen. Das wurde der Bark zum Verhängnis. In den 1920ern war das, wenn ich es mir richtig gemerkt habe.

Daraufhin wurde der Leuchtturm neu gebaut – diesmal aus Stein. Und zwei Bojen wurden gesetzt, die eine mit einer Glocke dran, die andere mit einer Hupe, beide funktionieren allein durch die Bewegung der Wellen. Die Glocke hören wir je nach Wind sogar bei uns auf dem Balkon. Die Hup-Boje klingt wie eine leidende Kuh und ist kilometerweit an der ganzen Küste zu hören. Ständig. Man muss ich dran gewöhnen, dann ist es aber eigentlich ganz meditativ.

Dieser Blick auf den Leuchtturm wird lokal auf Kanal 4 im Fernsehen übertragen. Da haben wir immer geguckt, ob es neblig ist, oder nicht.

Ein bisschen Nebel zieht die ganze Zeit an uns vorbei, mit flotter Geschwindigkeit.

Die Bäume entlang des Wild Pacific Trail kennen sich aus mit Sturm:

Am Ende des Trails spuckt es uns wieder an unserem Strand aus.

Rainforest und Long Beach

Um Mittag fahren wir ein wenig die Küste hinauf in Richtung Norden, wo wir im Pacific Rim National Park zunächst eine Runde auf einem Boardwalk durch den Regenwald marschieren. Mit Fotos schaffe ich es leider nicht zu zeigen, wie wild dieser Wald ist. Der tatsächliche Waldboden liegt oft zig Meter unter der Oberfläche, da alte, umgestürzte Bäume auf noch älteren, umgestürzten Bäumen liegen, auf denen dann wiederum hunderte Jahre alte Bäume wachsen. Dazwischen riesige Farne, und alle dick von Moos überwuchert.

Diese Brücke ist einfach ein umgestürzter Baum, an dem ein Geländer befestigt wurde:

Nachdem wir im schattigen Wald gerne noch eine dünne Jacke dabei hatten (zumindest solange es auf den Planken hinunter ging – hinauf dann schon nicht mehr), sieht es nun vorne am Strand, dem Long Beach, ganz anders aus.

Der Long Beach wird im Reiseführer beschrieben als wunderschön, aber meist tief im Nebel. Heute liegt er einfach nur in der Sonne.

Es herrscht richtiges Strandleben, es ist ja auch Wochenende.

Hinten am Rand liegt jede Menge Treibholz herum, das gerne als Windschutz zum Sonnenbaden genutzt wird. Heute ist man um den Wind als leichte Kühlung ganz dankbar, hier vorn am Meer hat es 29 Grad.

Im flachen Wasser kann man ganz schön weit rausgehen. Bis zu den Knien geht es. Für mehr empfiehlt sich trotz der Außentemperatur ein Neoprenanzug. Tatsächlich tragen den hier nicht nur die Surfer, sondern auch viele Einheimische zum Baden. Es gibt schon auch ein paar Verrückte, die ohne reingehen, aber die gibt es ja überall. Da wir gerade keinen Neoprenanzug dabei haben, gehen wir aber eben nur bis zu den Knien rein.

Die ganze Insel ist ein sehr beliebtes Surfrevier.

Früher soll die Long Beach schneeweiß gewesen sein, von den, von der Brandung zerriebenen Muscheln. Dann kamen die Touristen und sammelten die Muscheln ein, und das Weiß ging verloren. Heute soll man keine Muscheln mehr mitnehmen, wenigstens hier im Nationalpark nicht. Die weißen Schlieren hier sind zerriebene Muscheln, die von jeder Welle neue modelliert werden.

Während die Surfer noch einmal rausgehen…

… verlassen wir den Long Beach, um ein Stück weiter noch einen Trail durch den Regenwald zu gehen.

Hier sieht man ganz gut, wie ein alter Baumstamm zum Mutterboden für neue Bäume wird.

Unten am Strand angelangt haben wir die gesamte Bucht fast für uns. Der weiße Streifen rechts hinten ist der Long Beach, da waren wir vorhin. Könnte man jetzt am Strand entlang hinwandern. Wäre nur unpraktisch, weil’s Auto ja am Ausgangspunkt des Trails durch den Wald steht.

Das Wasser zieht sich gerade zurück und wir gehen wieder Anemonen gucken.

Kann man auf dem Bild erkennen, wie die Bäume komplett voller Moos hängen? Ein wenig vielleicht.

Nach all der Sonne haben wir uns jetzt erstmal ein Eis und einen Cappuccino verdient. Hierzu werden wir in Tofino, dem Örtchen am Nordzipfel der Halbinsel, fündig.

Danach fahren wir wieder nach Hause nach Ucluelet, gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang um eine Minute zu verpassen.

Dann sehen wir uns statt dessen eben den Mondaufgang an.

Jetzt noch ein sehr sehr leckeres Abendessen (Halibut mit Polenta und Blackberry-Sauce) und der Tag ist perfekt.

Noch mehr Wild Pacific Trail

Weil es bei uns im Zimmer so gemütlich ist, und da wir schon in Vancouver auf dem Markt ein leckeres Granola gekauft haben (und gestern an einem Farm Market frische, vor Ort gewachsene Erdbeeren und Pfirsiche!), machen wir uns unser Frühstück hier einfach jeden Morgen selbst:

Dann beginnen wir den Tag wieder mit einer Wanderung auf dem Wild Pacific Trail, diesmal in Richtung Norden. Bei Sturm werfen die Wellen ganze Baumstämme über die Klippen, dort sammelt sich das silbern glänzende Treibholz dann.

Entlang des Trails gibt es Dutzende Aussichtspunkte, wie hier das Krähennest, von wo aus man die wilde See beobachten kann. Oder heute halt zum Sonnenbaden.

Wir schauen noch bei einer Riesen-Zeder vorbei.

Ein Blue Jay fliegt ausnahmsweise mal nicht sofort davon, wenn ich versuche, ihn zu fotografieren.

Eine weitere wilde Bucht …

… und dann lassen wir es für heute gut sein mit dem Wandern.

Wir leihen uns Strandtücher, fahren wieder an den Long Beach und verbringen den Nachmittag dösend im Sand.

Dann gibt es nacheinander: das beste Eis von Tofino, den besten Lachs von Ucluelet, und schließlich den tiefsten Schlaf der ganzen Westküste.

Abschied von Ucluelet

Time to say good bye. Unser Joghurt ist aufgebraucht, also müssen wir heute zum Frühstücken in den Ort hinunter. Bei Zoe’s Bakery gibt’s einen guten Kaffee und auch genug süße Sünden für den Morgen.

Nach dem Frühstück gehen wir noch einmal die vier Kilometer rund um den Leuchtturm. Zuerst unten am Terrace Beach entlang – die Cabins dort haben auch eine schöne Lage.

Die mit dem Paddleboard draußen auf dem Ozean hat gerade noch einen Seehund gestreichelt, der sich bei genauerer Betrachtung dann als Taucher herausstellt.

Auf dem Rückweg vom Leuchtturm nehmen wir die alte Straße. Der Mittelstreifen ist noch zu sehen, aber die Straße selbst ist zum Teil schon auf Fußwegbreite zugewachsen. Im Hintergrund unsere Lodge. Rechts oben haben wir gewohnt. Schön war’s hier.

Wir fahren schließlich noch einmal in den Rainforest, um dort noch einen Boardwalk zu laufen, den wir an den Tagen zuvor nicht mehr unterbringen konnten. Kurz vor dem Parkplatz ist wegen Waldarbeiten die Straße gesperrt. Obwohl man bis zur gegenüberliegenden Autoschlange rübersehen kann – und unterwegs keinerlei Hindernis liegt – lässt uns der Flagger lange warten. Dann dürfen wir endlich passieren, nur um festzustellen, dass der Parkplatz für unseren Trail leider auch gesperrt ist. Umsonst gewartet.

Wir picknicken also am nächstgelegenen Picknickplatz und stellen uns danach in die Schlange, um wieder an den Waldarbeiten vorbei zurückzukommen. Noch einen kleinen Plankenweg durch ein Moor, welches sich saisonal bedingt aber als ausgetrocknet herausstellt  – trotzdem ein schöner sonniger Weg – dann machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Ostküste.

Während wir hier im Westen also von dem stabilen Hoch über British Columbia profitiert haben – bei blauem Himmel und 29 Grad – sehen wir auf der Rückfahrt schon bald, was das Wetter für die Ostküste bedeutete: Hier hängt Rauch von den Waldbränden in Oregon und Washington fest, der wegen des Hochs weder weggeblasen, noch weggewaschen wird. Der Himmel ist eigenartig hellorange und die Sonne leuchtet glutrot. Ein gespenstisches Licht, nicht schön. Hoffentlich bleibt uns das nicht allzu lange erhalten.

Von Nanaimo über Chemainus …

In Nanaimo kommen wir gegen 17 Uhr an – da machen hier gerade alle Läden zu. Nanaimo mag wohl die größte Stadt an der Ostküste der Insel sein, aber das heißt nicht viel. Wenigstens ein Gschäfterl mit Indianerkunst hat noch auf.

Am Hafen ist ein laufendes Kommen und Gehen der Wasserflugzeuge. Brav marschieren die Passagiere dem Captain zum Boarding hinterher.

Nie werde ich verstehen, wie man solche Balanced Rocks einfach so aufstellt, und dass sie dann auch noch stehen bleiben.

Weiter auf unserem Weg in Richtung Süden halten wir in Ladysmith. Hübsches Städtchen mit einer spektakulären Bakery, wo wir uns mit Proviant eindecken.

Dann machen wir einen weiteren Halt in Chemainus. Die Stadt hat sich erfolgreich auf die Liste aller Touristenstopps gesetzt, indem sie Dutzende Wandbilder in Auftrag gab, die alle über einen mit gelben Fußabdrücken markierten Weg verbunden sind.

Ein Arbutus Tree, zu erkennen an der rötlichen, sich schälenden „Haut“.

Die Murals zeigen alle Szenen aus der Geschichte der Insel und des Ortes.

Nachdem wir alle (oder die meisten) Murals angesehen haben, verspeisen wir unseren Proviant, hier den Chorizo Scone. Mmmmh!

… über Duncan nach Victoria

Weiter geht es nach Duncan, die keine Murals an den Wänden, aber dafür Totempfähle im ganzen Ort aufgestellt haben.

Der große Totem Pole wurde zur Hundertjahrfeier aufgestellt.

Wir folgen wieder den gelben Fußstapfen und sehen uns Totem Pole für Totem Pole an.

Auf Tafeln wird die Bedeutung der einzelnen Tiere, Gesichter und Gegenstände auf den Totempfählen erklärt.

Dieser hier fällt etwas aus der Reihe und erinnert irgendwie an die Simpsons.

Auf der rechten Seite ist nur Wilde Frau zu sehen. Wilde Frau kommt auch auf anderen Totem Poles immer wieder mal vor.

Die Legende sagt: Wer das Glück hat, im Besitz von Wilder Frau zu sein, dessen Hab und Gut ist immer bestens bewacht. Denn Wilde Frau schaut, dass sich niemand an ihres Besitzers Eigentum vergreift, während der Besitzer nicht zu Hause ist. Vergreift sich doch jemand daran, dann pustet Wilde Frau ihm einen eiskalten Wind hinterher und bringt so das Kanu des Diebes zum Kentern. Darum wird Wilde Frau immer mit Pustemund dargestellt. Im Übrigen hat Wilde Frau schwarzes, buschiges Haar.

Wir überlegen nun, uns für zu Hause auch Wilde Frau anzuschaffen.

Die Queen muss in jungen Jahren ganz schön rumgekommen sein…

Einen Totem Pole sehen wir uns noch an, dann reisen wir unter Aufsicht des Adlers weiter.

Victoria

Nun sind wir also schon bei der vorletzten Station unserer Reise angelangt: Victoria, Hauptstadt von British Columbia, größte Stadt auf Vancouver Island. Nachdem wir gestern eigentlich genug Totem Poles angesehen haben, führt uns unser erster Rundgang doch wieder an einigen vorbei. Der aufmerksame Leser erkennt sofort die Darstellung von Wilder Frau im vorderen Totempfahl.

Da am Nachmittag das Wetter schlechter werden soll, gehen wir erstmal in den Park. Hier gibt es lustige Squirrels in allen möglichen Farben. Ich beschränke mich aber auf nur ein Foto.

Schöne Blumen gibt es auch, aber bis auf wenige, bewässerte Flächen ist der Park eher gelb als grün. Ganz British Columbia wartet ja dringend auf Regen. Das ist auch im Südosten der Insel nicht anders.

Im Beacon Hill Park steht nun der höchste Totem Pole der Welt. Aber ohne Wilde Frau.

Statt dessen gibt es Wilder Pfau.

In Wirklichkeit ist es nicht nur ein Pfau, sondern Dutzende. Inklusive Pfauenbabys.

Ich erlaube mir auch nochmals hervorzuheben, dass auf der Insel problemlos Palmen gedeihen, da es im Winter ob des wärmenden Ozeans selten richtig kalt wird. Palmen. Frechheit.

Ich hab dann doch noch ein Squirrel fotografiert.

Hier haben die Gärtner Ruhende Frau modelliert.

Ach, ein Squirrel geht doch noch. Dieses hier hat uns ganz besonders amüsiert. Es hatte eine Nuss dabei und war hektischst beschäftigt, ein geeignetes Versteck dafür zu finden. Als es mich entdeckt, weiß es nicht so recht, ob es abhauen soll, oder ob es sich verteidigen muss. So steht es unschlüssig immer wieder kurz auf und ballt die Fäuste wie bereit zum Boxkampf. Herrlich niedlich sieht das aus.

Zurück im Zentrum gehen wir kurz am Parlament vorbei.

Dann verbringen wir den restlichen Tag mit einem Bummel durch Downtown, bei dem es uns gelingt, einige wirklich hübsche Ecken ausfindig zu machen.

Im ruhigen Innenhof des Market Square kehren wir in einer Art Biergarten ein: Es sind ein paar Holzbänke hinter einer Eatery. Aber sehr gemütlich. Und super leckeres Essen. Und Ginger Ale aus der Robo-Dino-Flasche.

In Victoria finden wir das erste Chinatown, das uns einigermaßen gefällt. Gut, es ist praktisch nur ein kurzer Straßenzug, aber nett.

Und eine versteckte, enge Mini-Gasse finden wir auch noch, bei deren Durchqueren einem früher wahrscheinlich die Kehle durchgeschnitten wurde. Heute gibt es statt Opiumhöhle handgemachte Artesan Icecream und Plattenläden.

Am Market Square trinken wir den obligatorischen Cappuccino und essen dazu den Mini-Pecan-Pie aus der Bäckerei in Ladysmith.

Zurück im Hotel legen wir die Füße hoch und erhalten kurz drauf Überraschungsbesuch von einer Seemöwe. Ein Riesenbrocken. Nach dem ersten Foto (schnell, schnell, gleich ist sie wieder weg), finden wir heraus, dass die Möwe vor uns so gar keinen Respekt hat. Hinter der Scheibe kann man bis 20 cm an sie heran gehen, und sie glotzt einen immer noch nur an, statt davonzufliegen. Auch das Öffnen der Türe macht sie nur geringfügig nervös. Na gut, dann lassen wir sie eben bei uns rasten.

Durch die mächtigen Brände in Washington und Oregon steht auch in Victoria noch mächtig Rauch am Himmel. Kommt die Sonne dennoch durch, dann als ungewohnt blutroter Ball.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass wir heute Abend eine super Tapas-Bar gefunden haben, wo wir unter anderem gegrillte Scampi mit so viel Knoblauch hatten, dass nach dem Heimkommen unsere Möwe freiwillig Platz für uns macht.

Butchart Gardens

Nach einer schönen Fahrt entlang der Küste unter Inaugenscheinnahme mittlerer bis allerbester Wohnlagen (sprich: Villa mit Meerblick und eigenem Golfplatz) erreichen wir die Butchart Gardens im Norden Victorias.

Obwohl wir erst am Nachmittag hier sind, laufen unglaublich viele Touristen in den Gärten herum – ganz offensichtlich sind gerade wieder ein paar Kreuzfahrtschiffe gelandet.

Der alte Butchart hatte sein Vermögen mit einem Steinbruch gemacht, und die Gemahlin gestaltete den Steinbruch dann später in vier wunderschöne Gärten um. Es gibt die versunkenen Gärten, den Rosengarten, den japanischen Garten und schließlich den italienischen Garten.

Die Anlage ist toll gepflegt und bepflanzt und der Rundgang macht schon Spaß.

Die Rosen sind nicht gerade in voller Blüte, aber ein paar hübsche und gut riechende Exemplare sind trotzdem zu finden.

Die Schokoladenblume riecht wie erwartet nach Schokolade.

Am schönsten sind momentan die Dahlien anzuschauen, dabei sind Exemplare mit locker 30 cm Blütendurchmesser.

Trotz fehlender Sonne leuchteten die Blüten wunderbar.

Zurück in Vancouver schaut die Sonne dann aber doch noch für zwei Stündchen heraus.

Das Parlament kurz vor Sonnenuntergang…

… und danach.

Kelowna

Gestern waren wir noch auf einen Sprung im Museum. Dort gab es viel Informationen zu den über 60 indianischen Sprachen in British Columbia, die zum Teil nur noch von einer Handvoll alter Indianer gesprochen werden. Ganz nachsprechen können wir es aber noch nicht.

Leider ist es nun schon so weit, dass wir Vancouver Island wieder verlassen müssen. Die Fähre von der Swartz Bay nach Tsawwassen ist eineinhalb Stunden unterwegs und durchfährt viele kleine Inseln durch enge Passagen. Wir genießen die Morgensonne auf dem Achterdeck.

Wir sind nun unterwegs ins Landesinnere, wo wir die letzten Urlaubstage ganz relaxed am Lake Okenagan verbringen möchten.

Auf dem Weg vertreten wir uns kurz die Beine und laufen zu den Bridal Veil Falls hinauf.

Angekommen in West Kelowna machen wir sofort beim ersten Farmer-Laden halt – und pflücken Pfirsiche!

Perfekt reif: Die besten Pfirsiche, die wir je gegessen haben.

Anderntags in Kelowna. Kleiner Mittagssnack auf der Sonnenterrasse bei Earl’s. Selbstverständlich mit Blick über den Hafen.

Und abends dann zum Sonnenuntergang Dinner auf einem Patio am Seeufer. Wunderbar.

Myra Canyon Trail

Wie immer beginnen wir den Tag mit einem gesunden Frühstück. Ganz ohne Bacon.

Dann geht es hinauf zum rund 900m höher gelegenen Myra Canyon, wo uns die alte Bahntrasse der ehemaligen Kettle Valley Railway erwartet. Da die Gleise schon vor Jahrzehnten abgebaut wurden, gibt es hier jetzt einen Fahradverleih, bei dem wir uns zwei Bikes ausleihen, um die schönsten zehn Kilometer der alten Trasse per Rad zu erkunden.

Das Wetter ist so mittel, aber das macht beim Radeln hier oben eigentlich nichts. Denn Schatten gibt es unterwegs nicht so viel, hat doch ein massives Feuer 2003 die Hügel entlang der Bahnstrecke ganz übel erwischt und fast alle Bäume verbrannt.

Die Strecke schlängelt sich am Hang entlang, es geht in zwei riesige, finstere Tunnel rein …

… und zum Glück auch wieder raus …

und über 18 Brücken, die meisten aus Holz, wie im Indianerfilm.

Aus der Ferne wirken die Brücken wie aus Streichhölzern in eine Eisenbahnlandschaft hineingebaut.

Auf einer Schautafel sehen wir Bilder von den vielen Freiwilligen, die die Bahnstrecke vor dem Brand mit viel Liebe hergerichtet und befahrbar gemacht haben. Dann die Bilder vom Brand. Zwar wurde versucht, die hölzernen Brücken aus der Luft mit brandhemmender roter Soße zu schützen, aber geklappt hat das nicht überall.

Dennoch wurden alle Brücken nach dem Brand wieder aufgebaut, was für uns natürlich toll ist.

Bei Brücke Nummer 4 machen wir eine Pause und brotzeiten unsere Mango Chipotle Chicken Wraps.

Danach geht es über alle Brücken und durch die beiden Tunnels wieder zurück.

Als es auf der Rückfahrt kurz anfängt zu tröpfeln, steigen wir noch etwas kräftiger in die Pedale und erreichen noch trocken unser Auto.

Der Regen hat aber auch sein Gutes, so wäscht es endlich den Rauch aus dem Himmel, der von viele hundert Kilometer entfernten Bränden hier hinauf gezogen war.

Am Abend runden wir den Tag mit einem leckeren Essen bei Earl’s ab, wo wir die bereits bewährten Coconut-Garnelen mit dem Chipotle Dip bestellen, dazu Avocado-Toast und zum satt werden noch ein paar Tacos. Nur die anvisierte Nachspeise ist schon aus, schade, dann eben eine Kugel Salted Caramel von der Eisbude.

Abstecher ins Land der Kangaroos

Für den letzten Tag haben wir uns etwas gaaaanz ganz Lustiges aufgehoben: Einen Ausflug ins Land der Kängurus!

Jetzt für einen Tag nach Australien reisen wäre natürlich etwas vermessen. Dafür gibt es aber nördlich von Kelowna eine Kangaroo Farm! Nix wie hin…

Gleich hinter dem Eingang empfangen uns schon die ersten Bewohner. Dieser kleine Wallaroo – halb Wallaby, halb Kangaroo – ist gerade erst aus dem Beutel raus. Im Beutel hat es fast sein ganzes erstes Lebensjahr verbracht.

Bevor wir uns aber ganz den Beuteltieren hingeben, schauen wir mal, was die Capybaras so treiben. Keine Sorge: Auch wir haben vorher noch nie ein Capybara gesehen, oder auch nur den Namen gehört. Dabei sind Capybaras die größten Nagetiere der Welt! Oder, vereinfacht gesagt, zu groß gewachsene Meerschweinchen.

Mal sehen, ob das Capybara mich mag.

Jaaaa, es mag mich.

Bevor wir uns nun gänzlich mit den Riesenmeerschweinchen verzetteln, stellen wir uns lieber mal bei den Baby-Wallabys an. Nach kurzer Wartezeit dürfen wir auf einer Bank Platz nehmen und schwupp, schon haben wir zwei Babys im Arm! Im Beutel, versteht sich.

Die Kleinen tun, was sie am Besten können: Ruhig vor sich hin butzeln – und sich dabei an Bauch und Nase streicheln lassen. Sehr niedlich!

Nachdem unsere Pflegekinder an die Nächsten weitergereicht wurden, schauen wir wieder zurück zu den Capybaras.

Simone probiert auch mal einen Capybara zu füttern, rechnet aber nicht ganz mit dem gierigen Emu.

Der Emu will wohl entweder auch etwas abhaben, oder ihm gefällt Simones Jacke. Simone zuckt doch etwas zusammen, als ihr plötzlich jemand an der Jacke rumzupft. Der Capybara findet das zum Schreien komisch.

Simone auch. Und der Emu tut, als wäre nichts gewesen.

Der Emu.

Im Käfig nebenan genießen die Junior-Wallabys den Morgen. Wenn man nicht ständig für all die Fotografen Modell stehen müsste…

Wir verabschieden uns von den Capybaras…

… und dringen tiefer vor ins Kangaroo-Land.

Auf der großen Wiese erwarten uns schon die älteren, ausgewachsenen Wallabys.

Das frische Gras scheint ihnen ganz gut zu schmecken.

Dann geschieht das Unvermeidliche. Gut, dass keine amerikanischen Familien in der Nähe waren. Wie hätten die das nur den Kindern erklärt?? Nun ja, ich denke, die zwei wollten nur spielen.

Denn dem richtigen Geschlechtsakt der Wallabys geht ja voran, dass das Weibchen dem Männchen den Nacken leckt. Dann reibt das Männchen kurz seine Wange an ihrer Wange. Dann stellen sich beide auf die Hinterbeine und kloppen (!) sich kurz. Und dann geht’s flott zur Sache. Danach bleiben beide noch einen ganzen Tag zusammen und das war’s dann schon wieder. Kurze Liebe.

Unser Liebespaar besinnt sich jedenfalls schnell eines Besseren, als es sieht, dass wir Kraftfutter mit zerbröselten Tortilla-Chips zum Fressen haben! Geschickt schaffen die Kleinen es, nur die Chips zu essen, sodass das Kraftfutter in der Hand bleibt.

Zwischen all den Wallabys mit ihrem kuscheligen, aber etwas langhaarigen Fell, hüpfen nun endlich auch mal ein paar echte Kängurus herbei! Die lassen sich ganz gut mit grünen Zweigen anlocken.

Permanent gefüttert und gestreichelt zu werden sind die Tiere hier auf jeden Fall gewöhnt. Die Kängurus haben ein kürzeres, etwas plüschiges Fell.

Nach den Strapazen des vielen Essens und Gestreicheltwerdens lässt es sich dann prima in der Sonne abhängen.

Sehr niedlich auch die Albino-Wallabys. Mann, Kleiner, an dem Zweig ist doch gar nichts mehr dran!

In einem eigenen Gehege laufen die ausgewachsenen Emus auf und ab. Die streiten sich zwischendurch auch mal ganz gern, und wenn man ihnen das Objektiv der Kamera durch den Zaun hält dann kommen sie gleich an und picken drauf. Ich spare es mir, zu testen wie sie auf durch den Zaun gesteckte Finger reagieren.

Auch getreten will von denen nicht werden.

Die jüngeren Emus sind offenbar noch nicht so streitsüchtig und laufen mit uns im Kangaroo-Gehege rum. Die kann man auch problemlos streicheln, die Federn sind ganz weich. Aber neugierig sind sie trotzdem.

Auge in Auge mit Mister Emu.

Während andere Farmbesucher gekommen und gegangen sind, haben wir nun praktisch den kompletten Vormittag bei den Tieren verbracht. Es war auch zu nett. Da um zwei Uhr die Farm für Besucher schließt, und den Tieren ihre wohlverdiente Ruhe gönnt, verabschieden wir uns noch von unseren neuen Freunden…

… überlassen sie der Mittagssonne …

… und hüpfen davon.

Zurück in Kelowna machen wir noch einen Spaziergang auf den Aussichtsberg über der Stadt. Der Okanagan Lake ist über 130 Kilometer lang und wir befinden uns ungefähr in der Mitte. Nord- und Südende liegen so weit entfernt, dass man auch vom Aussichtspunkt aus nur einen Teil des Sees sehen kann.

Wie an der Farbe des Grases zu erkennen ist, hat es diesen Sommer auch hier nicht allzu viel geregnet. Heute hat sich ja immerhin der Rauch der Buschbrände im Süden verzogen, sodass wir zum Abschluss noch einmal den perfekten blauen Himmel bekommen.

Weil es im Schatten heute nur knapp 20 Grad hat, in der Sonne aber richtig knusprig warm ist, machen wir uns noch einmal auf den Weg an den Strand, wo wir den Rest des Nachmittags in der Sonne brutzeln.

Am Abend gehen wir noch mal chic essen ins Cactus Club Café.

Naja, und dann fahren wir tags drauf wieder zurück nach Vancouver, wo wir uns noch kurz vom Meer verabschieden, und dann, leider, leider, wieder heimfliegen. Tschüss, Kanada!

Welcome to Miami

Da wären wir wieder! Zuhause schneit’s, in Miami Beach hat’s 30 Grad. Da liegt doch nichts näher, als den ersten Tag am Strand zu verbringen…!

Zum Lunch gab’s einen Tropical Cooler im Weißbierglas, ein Cuban Sandwich und ein Avocadotoast.

Tags drauf besuchen wir zuerst mal den Fairchild Botanical Garden. Ein riesiger Garten mit Unmengen von Palmen und einem ganzen Urwald. Seeehr schön.

Kleine Geckos überall.

Schattige Plätzchen…

… bunte Blüten …

… ein ganzer Orchideen-Wald …

… noch mehr Geckos …

… und ein Schmetterlingshaus, in dem es an riesig großen Schmetterlingen zur so wimmelt.

Auch wenn die Fotos eher aussehen, als wären sie in einem Zoo gemacht – die Echsen und Iguanas leben hier einfach.

Und die Eichhörnchen natürlich auch.

Für die ersten beiden Tage war das ja schon ein ganz schöner Einstieg. Nach all der Rumrennerei in der Botanik haben wir uns erstmal ein paar Coconut Prawns und Swordfish Tacos verdient. Und einen kubanischen Café in unserem „Zuhause“-Viertel in Coral Gabels. Mal sehen, was der morgige Tag so bringt, es sind 31 Grad angesagt. Klingt nach Strand…

Noch mehr Miami, noch mehr Strand

Auch heute schreit das Wetter wieder nach Strand!

Aber vorher machen wir eine kleine Bootstour ab Downtown Miami. Wir kommen gerade an der Marina an, da hupt der Captain schon. Wir springen schnell noch an Bord und lassen uns 90 Minuten durch die vorgelagerten Inseln schippern.

Der Guide an Bord zeigt uns genau wo welcher Promi welches Haus gekauft hat. Da er die Tour auf Englisch und Spanisch moderiert kommen auch uns unbekannte mexikanische Schlagerstars nicht zu kurz. Aber egal, wem die Villen nun gehören, wir wären schon mit der kleinsten ganz zufrieden.

Bei Pelikan Nummer 3 drehen wir um und kehren zur Marina zurück.

Das war genug Kultur für heute. Wir fahren hinaus auf Key Biscayne, wo die schönsten Strände liegen sollen.

Leider hat der Tennisgott genau heute den Beginn der Miami Open auf Key Biscayne vorgesehen, sodass wir uns zuerst nicht sicher sind, ob wir überhaupt an den Strand hin kommen. Denn alle Parkplätze sind für das große Tennisturnier reserviert. Aber: Frechheit siegt. Wir fahren einfach mal hin, und werden von den freundlichen Parkeinweisern nicht wieder zurück – sondern an’s Ende des Parkplatzes zum Strand hin geschickt.

So steht dem gemütlichen Sonnenbad nun nur noch der schneidende Wind im Weg. Aber gegen den Wind hat die Natur ja Dünen vorgesehen. Im Windschatten einer solchen machen wir es uns gemütlich. Unser Ausblick dabei:

Wobei auch wir offenbar für Aufmerksamkeit unter den permanenten Strandbewohnern gesorgt haben:

Nach einem kurzen Bad und einem langen Spaziergang genießen wir noch ein wenig die Abendsonne.

Bevor man sich unter ein Palme legt …

… sollte man übrigens erst Mal nach oben schauen. Gerade bei Wind.

Schließlich lassen wir Palmen Palmen sein …

… und machen uns auf den Weg zum Abendessen. Heute landen wir beim Mexikaner. Nicht ganz so spekakulär, wir die spanische Tapas-Bar von gestern, aber nette Stimmung, leckere Tacos, und ein schöner Platz zum Draußensitzen.

Vom Venetian Pool hinüber an den Golf von Mexiko

Unsere Planung sah heute einen zeitigen Aufbruch hinüber an die Golfküste vor. Dort soll aber gestern ein Gewittersturm unterwegs gewesen sein, und das Wetter soll ich sich erst morgen wieder stabilisieren. Da bleiben wir doch lieber noch ein paar Stunden länger im herrlich warmen Miami!

Praktischerweise gibt es bei uns „im Viertel“, also in Coral Gables, eine tolle kleine Attraktion, die wir ohnehin noch gerne besuchen wollten: den Venetian Pool. Der Pool wurde in den Zwanzigern angelegt, nachdem man hier zum Bau der umliegenden Villen in einem Steinbruch Korallenstein abgebaut hatte. Anstatt die Grube wieder vollzufüllen, ließ man Wasser ein und baute ein Bad drumrum.

Heute liegt der Venetian Pool mitten in einem (recht hübschen) Wohngebiet und wäre dort kaum zu vermuten, wäre er nicht auch in allen Stadtführern verzeichnet. Also nix wie hin, sind von unserem Hotel aus eh nur ein paar Minuten. Allein der Weg dorthin ist nett anzusehen, die Straßen sind gesäumt von Würgefeigen und die Gärten natürlich auch ganz üppig bepflanzt.

Der Pool ist schnell gefunden. Am frühen Morgen ist das kleine Bad eine Oase der Ruhe.

Wir rösten einige Zeit in der Vormittagssonne und kühlen uns dann im Pool wieder ab.

Besonders skuril sind die diensthabenden Rettungsschwimmer, die von einem Hochsitz aus das Wasser nicht aus dem Auge lassen und keinen Schritt ohne ihr rotes Rettungsnudeldingens machen. Ohne eine Sekunde Pause scannen sie wie eine Überwachungskamera (oder, wie Simone meint, wie ein gestörtes Tier im Zoo) das Becken ab. Man fühlt sich beim Schwimmen irgendwie etwas überwacht, aber es ist ja nur zu unserem Besten.

Im nahegelegenen noblen Biltmore Hotel soll es ja einen viel größeren Pool geben, es soll seiner Zeit sogar der weltgrößte gewesen sein. Dort arbeitete ein gewisser Johnny Weissmüller als Bademeister, später auch bekannt als Tarzandarsteller und Schwimmstar. Natürlich gibt es auch alte Aufnahmen von Johnny im Venetian Pool.

Damals gab es auch noch einen Sprungturm am Pool, der heute einer Wasserkaskade weichen musste.

Nachdem wir den ganzen Vormittag am Pool verbracht, und jede Minute genossen haben, machen wir uns letztlich doch noch auf den Weg an die Golfküste. Es sind nur knapp drei Stunden Fahrt über die Alligator Alley durch die Everglades von Meer zu Meer. Und tatsächlich fällt das Thermometer während der Fahrt von 28 Grad hinuter auf 18 Grad.

Wir erreichen unser Etappenziel Fort Myers Beach gut zwei Stunden vor Sonnenuntergang. So können wir noch einen kurzen Blick auf den Strand werfen: Gleißend weißer Sand, und endlos lang. Nun scheint hier also doch die Sonne, naja, es war ja gegen Abend Besserung angesagt. Aber was sich noch nicht gelegt hat, ist der Wind. Heute können wir den Strand nur aus dem Windschatten der Häuser heraus betrachten, weiter vorne wird es ungemütlich windig, kalt, und gesandstrahlt wird man auch noch. Aber morgen soll es ja schon besser werden. Also betrachten wir die tiefstehende Sonne einfach aus dem Schutz der Tiki-Bar vor dem Hotel.

Zum Essen fahren wir dann noch direkt in den Ort, wo unter der großen Brücke einige Fischlokale in, naja, Bretterbuden untergebracht sind. Wir entscheiden uns für die Dixie Fish Company, eine nach allen Seiten offene Bar direkt am Pier. Da es, wie eingangs erwähnt, heute abend eher frisch ist, wären wir um jeden Platz in der Mitte der Kneipe dankbar gewesen, dort wo es am wärmsten ist. Allerdings wird uns der Logenplatz direkt vorne am Wasser zugewiesen, der eine ausgezeichnete Aussicht hat, aber doch etwas zugig, vulgo arschkalt, ist. Dennoch genießen wir den Blick auf die Shrimp-Fänger-Flotte im Sonnenuntergangslicht.

Die Dixie Fish Company ist nun nicht unbedingt für mediterrane Küche bekannt, sondern eher für die beinharte, floridianische Art, alles was aus dem Meer kommt, in die Friteuse zu werfen. Es gibt hier sogar komplett fritierten Fisch mit Kopf und allem, aber das haben wir uns erspart. Coconut Prawns, also Garnelen im Kokosteig, gehen immer (auch wenn wir wieder festellen müssen, dass sie nirgends so gut sind, wie bei Earl’s), und die Fish Tacos waren auch sehr lecker. Nur ein bisschen gefroren haben wir beim Essen.

Dennoch haben wir offenbar noch nicht genug gefroren, denn auf der anderen Seite der Brücke gibt es einen Kilwin’s-Laden, und Kilwin’s hat das beste Eis in ganz Florida. Wenigstens eine Kugel Toasted Coconut ist hier Pflicht. Egal wie kalt und windig es draußen ist (nämlich sehr kalt und sehr windig, wir essen unser Eis lieber gleich im Laden). Drücken wir uns mal selbst die Daumen, dass der Wind morgen nachlässt. Ansonsten müssten wir noch Kultur machen…

Morgens am Outrigger Beach

Nach einem fulminanten Frühstück …

… mit Blueberry Pancakes und French Toast machen wir noch einen morgendlichen Strandspaziergang am Outrigger Beach, bevor wir Fort Myers Beach wieder verlassen. Der Strand ist immernoch genauso strahlend weiß wie am Vortag. Der Himmel so stahlblau wie am Vortag. Und der Wind so eiskalt wie am Vortag.

Insofern machen wir uns kaum Sorgen vor angreifenden Manta-Rochen.

Statt eines Bades im Meer gehen wir Muscheln sammeln. Auch einige spannend gemusterte Krebse finden wir. Die nehmen wir aber eher nicht mit.

Erwähnte ich schon, dass der Wind saukalt ist?

Schnell noch ein paar Muscheln einstecken…

… und gleich wieder zurück auf das windgeschützte Sonnendeck. Kurzer Spaziergang. Etwas gefroren. War aber schön.

Da dies heute für uns sicherlich kein Strandtag wird, wollen wir nach Fort Myers rein fahren und uns das Winter-Zuhause von Thomas Edison und Henry Ford ansehen. Dann mal los.

Bei Edison & Ford

Wir schauen uns also heute den Winterwohnsitz von Thomas Edison und den seines Nachbarn Henry Ford an. Die Gebäude liegen in einer wunderbaren Parklandschaft und wurden dank der vielen Mangobäume hinter’m Haus auch „The Mangos“ genannt.

Mit Audio-Guides bewaffnet dringen wir auf’s Gelände vor.

Hier stand mal Edison’s Pier.

Hier stehen Edison’s Palmen und seine Bourgainvillea.

Und mitten im Garten: Sein Büro. Ein großer Geist, der offenbar auch schon verstanden hatte, dass das Arbeitsumfeld stimmen muss – abgeschieden am Rand des Grundstücks, bescheiden klein und mit einem eigenen kleinen Gärtchen.

Wer glaubt, Edison hätte nur in Glühbirnen gemacht, irrt. Edison besaß ein Firmenkonglomerat, das neben einer Fabrik für Kindermöbel auch „Edison Portland Cement“ vertrieb, und darum hatte Edison auch als einer der ersten Reichen einen Swimming Pool aus Beton. Damals war das keine Selbstverständlichkeit. Übrigens: Mit gutem Auge kann man ein durch’s Bild huschendes Squirrel entdecken. Viel Spaß bei’m Suchen.

Weiter geht’s zum Haupthaus, zwar kein Palast, aber wer würde da nicht einziehen wollen?

Drinnen natürlich mit revolutionären elektrischen Leuchtern und sogar einem elektrischen Klingelsystem zum Rufen der Dienstboten.

Das Haus gleich nebenan hatte sich später Edison’s Kumpel Ford gekauft, in dessen Garage – was sonst – ein Ford parkt. Hier das millionenfach gebaute Modell T.

Edison’s Hauptbeschäftigung hier in Fort Myers war nicht etwa das Basteln elektrischer Schaltungen, nein: es war die experimentelle Botanik. Edison hatte sich in den Kopf gesetzt, eine Kautschukpflanze zu erschaffen, die effizienter und ergiebiger wäre als die bekannten Kautschuke aus Indien – und die man direkt in Amerika pflanzen könnte.

Wozu? Millionen Autos brauchen abermillionen Autoreifen. Aus Gummi.

Dazu kreuzte er über Jahre verschiedene Sorten und pflanzte Dutzende Gummibäume. Einige davon stehen noch heute und sind enorm gewachsen.

Wir werfen noch einen Blick in Edison’s Labor…

… und auf seinen Schreibtisch. Auf dem kleinen Bild ist er mit dem Ergebnis seiner Gummibaumkreuzungen zu sehen.

Im Museum erfahren wir noch über die Geschichte seiner größten Erfindung: Der Glühbirne. Und darüber, wie gut sich Edison verkaufen konnte: So ließ er die Presse antreten, nur um zu erklären, dass er in 60 Tagen eine Erfindung präsentieren würde, die die Welt verändern werde. So kam es dann auch. Und was liegt näher, als für eines der ersten Pilotprojekte das New Yorker Viertel rund um die Wall Street zu erleuchten, dort wo das Kapital für weitere Investitionen zu Hause war. Clever.

Nach dem Museumsbesuch brechen wir auf in Richtung Norden, mit dem Ziel St. Petersburg. Auf dem Weg dorthin überqueren wir die Tampa Bay auf der 9 km langen Sunshine Skyway Bridge. Die Brücke musste in den 80ern komplett neu gebaut werden, nachdem ein Frachtschiff einen Brückenpfeiler gerammt hatte und fast 400 Meter Brücke in die Bay riss.

Wir sehen beim Überfahren nur ein sich näherndes Kreuzfahrtschiff und geben lieber etwas Gas, damit wir vorher von der Brücke runter sind…

Nach Homosassa zu den Manatees

Unser erster Ausflug ab St. Pete führt uns noch etwas weiter in den Norden nach Homosassa Springs. Dort wollen wir einen Wildlife Park besuchen, der von Staat Florida betrieben wird, um verletzte Tiere aufzupäppeln oder, falls eine Entlassung in die Wildnis nicht mehr denkbar ist, ihnen ein Quartier zu bieten.

Der Park liegt rund um eine warme Quelle, welche zur kalten Jahreszeit auch viele Manatees aus dem Golf von Mexiko anzieht, weil die Manatees sind kältescheu (und haben insofern schon etwas mit uns gemeinsam). Manatees („Seekühe“) sind friedvolle Tiere, so friedvoll, dass sie vom Aussterben bedroht sind und sie nicht so leicht anzutreffen sind. Nur rund um solche Quellen ist zur richtigen Jahreszeit die Chance besonders groß, Manatees anzutreffen.

Man kann den Tieren hier auf alle erdenkliche Weise zu Leibe rücken, per Boot, Kajak, Kanu, Paddleboard, schwimmend… aber eigentlich kann man sie auch einfach in Frieden lassen und mit etwas Distanz beobachten. Darum schauen wir sie uns lieber im Homosassa Park an, dort werden verletzte Tiere an der Quelle aufgepäppelt, und wenn man besonderes Glück hat, dann sieht man auch ein paar wilde im Fluss. Wir werden sehen…

Zunächst werden wir vom Parkplatz aus über den Fluss zum eigentlichen Park geschippert. Dabei sehen wir schon den ersten Aligator, und im Park gibt es auch den einen oder anderen.

Dann geht es zur Vogelwelt Floridas. Ganz besonders schön sind die Flamingos.

Diese Art hat etwas eigenartige Hubbel auf dem Schnabel. Entweder gehört das so, oder es ist der Grund, warum diese Vögel hier im Park leben.

Beim Golden Eagle …

… und beim American Eagle wird schnell klar, warum diese hier wohnen. Alle haben Verletzungen, die sie flugunfähig gemacht haben und sie können nur noch in ihren nach oben offenen Gehegen herumhüpfen. Muss ganz schön hart sein, für den König der Lüfte.

Es gibt eine besondere Pelikan-Art mit schokobraunem Hals.

Und es gibt den Rosa Löffler, den wir in freier Wildbahn hier leider noch nicht angetroffen haben. Der kommt wohl aus Südamerika und schaut nur zu einer ganz bestimmten Zeit in Florida vorbei.

Schließlich gibt es noch eine Menge Geier, von denen nicht ganz klar ist, ob sie hier leben, oder ob sie nur den Bewohnern das Futter abspenstig machen.

Nach den Vögeln besuchen wir noch andere Artgenossen der floridianischen Tierwelt, welche im Park ein Gnadenbrot gefunden haben, so zwei Scharzbären, einen Florida-Panther, Füchse und Rehe.

Aber in erster Linie wollen wir natürlich die Manatees sehen.

Praktischerweise werden die Manatees drei Mal täglich gefüttert (also die kranken Tiere „hinter Gittern“), das lassen wir uns nicht entgehen. Wir beobachten zwei von ihnen, die sich jeweils einen der frischen Kohlköpfe holen und diesen dann in eine Ecke mitnehmen, in der Hoffnung, ungestört speisen zu können. Da mischt dann aber immer schnell der Kollege mit, der wohl keine Lust hat, die weite Strecke rüber zu den Dutzenden frischen Kohlköpfen zu schwimmen (immerhin rund fünf Meter), sondern versuchen, den anderen zu beklauen. Wenn beide voll und ganz damit beschäftigt sind, kommen dann große Fische an und schnappen sich aus dem Kohl ein Blatt oder zwei. Wenn zwei sich streiten…

Ab und zu müssen die Manatees zum Atmen auftauchen, es sind ja Säugetiere.

Nachdem wir auch hier eine Weile zugesehen haben, spazieren wir noch etwas flussabwärts. Ein Eichhörnchen fühlt sich von uns bedroht und bellt uns vom Zaunpfahl aus an.

Ja, und dann werden wir noch überraschend Zeugen einer Manatee-Rettung. Offenbar geht es um eine Kuh und ihr Kalb, welche krank oder verletzt sind, und die aus dem Fluss zu bergen sind. Mit einem Netz haben die Helfer die Kuh eingekreist. Noch wehrt sie sich heftig (zuerst dachten wir, hier wäre ein Krokodil zu fangen). Dann packen die Freiwilligen alle zu und wuchten das riesige Tier an Bord. Alle Zusehenden auf dem Fluss und am Ufer applaudieren.

Offenbar hatten sie vorher schon das Kalb geborgen. Erst jetzt merken wir, dass es schon die ganze Zeit am Ufer hinter uns lag.

Das Tier ist ruhig und wird von Helfern beruhigt und betreut. Ab und zu gibt man ihm etwas Wasser über die Nase, damit der Atemreflex einsetzt.

Dann holen die Retter mit der Kuh an Bord (rechts hinten) auch das Kalb ab und fahren davon. Völlig alltäglich scheint eine solche Aktion hier nicht zu sein, denn auch die Ranger filmen das Geschehen mit ihren Handy-Kameras mit.

Wohlgemerkt, wir befinden uns hier ja nicht mehr im Park hinter Zäunen und Gittern, sondern auf dem Fluss, auf dem ein Dutzend Paddler und Bootsfahrer Ausschau nach Manatees halten.

So sieht das dann aus, wenn zwei Manatees hinter dem Kajak durchtauchen. Da sie ja immer wieder zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen (wenn auch sehr kurz), bekommt man sie dann immer wieder mal zu sehen. Von der Beobachtungsplatform am Fluss können wir das Treiben ganz gut beobachten – mit den Manatees schwimmen, das sollen mal andere machen.

Schließlich schauen wir noch am Quelltopf vorbei, der vor Leben fast übergeht.

Zurück zum Parkplatz nehmen wir dann nicht mehr das Boot, sondern wir laufen die Meile einfach – durch wunderschönen Wald aus Eichen und Palmen. Die andere Form des Mischwalds…

Der Ausflug nach Homosassa hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn wir jetzt noch knapp zwei Stunden zurück fahren müssen. Für Strand war heute keine Zeit, aber da es heute doch noch recht frisch war (ab morgen soll es wieder wärmer werden), macht das gar nichts. Mal sehen, ob wir es morgen an’s (oder gar in’s) Meer schaffen.

Markt- und Strandpark-Tag

Heute ist Saturday Morning Market in St. Petersburg – sowas lassen wir uns nicht entgehen.

Leider haben wir einen Anfängerfehler gemacht, wir haben ausgiebig gefrühstückt. Der Markt besteht aber zur Hälfte aus Fressständen. Bei „Mr. I Got Em'“ sehen zum Beispiel die Spareribs ausgezeichnet aus. Man beachte den Smoker im Hintergrund. Und der Chef bedient natürlich die Kundschaft selbst.

Da wir ja noch satt sind, kaufen wir dafür für heute nachmittag und für morgen ein: Frische Guacamole (ich musste warten, bis sie in einer riesigen Schüssel fertig zusammengerührt war) mit Chips, Erdbeeren (knallrot und reif, direkt vom Bauern), Mangos (wir vertilgen in diesem Urlaub zwei Mangos pro Tag), tennisballgroße Kokosmakronen, frisch gebackene Cookies und noch einiges mehr. Wir haben so viele Tüten in den Händen, dass wir zuerst zum Auto zurück müssen, bevor wir uns ein Eis bei Kilwin’s gönnen können.

Ach ja, Musik und Tanz gehören natürlich auch dazu.

Im Anschluss verlassen wir St. Petersburg und fahren in den Fort de Soto State Park. Über mehrere Mautbrücken (die zwischen einem Dollar und 75 Cent kosteten) ist der Park auf der Insel Mullet Key mit dem Festland verbunden. Auf der Insel steht ein altes spanisches Fort. Dort kann man sich die riesigen Kanonen ansehen, man kann aber auch auf die Befestigungsanlage draufsteigen und einfach den Ausblick genießen.

Der Strand rund um’s Fort sieht schon mal vielversprechend aus.

Über 1000 Fuß geht der Pier auf den Golf von Mexiko hinaus.

Auf dem wird wie verrückt geangelt. Praktisch jeder auf dem Pier angelt.

Die Egrets warten und hoffen, dass der eine oder andere Beifang für sie abfällt.

Falls man statt eines Fischs einen Seevogel angelt, werden entsprechende Tipps gegeben.

Wäre schade um den Pelikan, würde er von einer Angelschnur erdrosselt.

Uns zieht es nun an den Strand. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad am breiten Sandstrand machen wir einen Spaziergang den Strand hinauf. Hier wird es immer enger, bis die Brandung direkt an die Vegetation reicht. Die Palmen im Vordergrund standen vor einem Jahr vielleicht noch komplett im Sand. Der Sturm dürfte dann den Sand abgetragen haben, sodass die Palmen jetzt in der Luft stehen. Ein paar wenige Sturmschäden haben wir hier an der Ostküste – wo der Sturm zuerst auf’s Festland traf – gesehen, zum Beispiel gekenterte Segelboote im Hafen, aber eigentlich ist von den Folgen des Sturms nichts mehr zu sehen.

Nach einem laaaangen Spaziergang gehe ich noch etwas auf Ibis-Pirsch, denn seit letztem Jahr sind das meine Florida-Lieblingsvögel und ich beschäftige mich nun intensiv mit der Ibis-Fotografie. Macht einfach zuviel Spaß.

Ich beschränke mich hier nur auf wenige Aufnahmen:

Ich mag die Jungs. Auch wenn sie immer etwas melancholisch dreingucken. Oder gerade deswegen.

Schließlich brechen wir unsere Zelte im Park ab und fahren wieder heimwärts. In St. Pete lassen wir uns ein spektakuläres Fischessen schmecken. Heute können wir endlich zum Essen auch mal wieder draußen sitzen, da nun auch die Nächte wieder wärmer werden.

Unterwegs nach Sarasota

Da wir hier in St. Pete eine schöne kleine Küche haben, gibt es für uns kaum einen Grund außer Haus zu frühstücken. Dafür gibt es Joghurt mit Granola, dazu Erdbeeren frisch vom Markt und natürlich saftige, reife Mangos – und zwar in der Morgensonne auf unserer kleinen Terrasse.

Ein ausgezeichneter Start in den Tag …

… auch wenn wir heute leider schon wieder packen müssen.

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station machen wir in Bradenton kurz Halt auf ein Cuban Sandwich. Danach legen wir noch einen Stopp im Village of the Arts ein, einem kleinen Stadtviertel, in dem verrückte Künstler (oder einfach nur Verrückte) ihre Gärten skuril dekoriert haben.

In der Mittagshitze brechen wir unseren Rundgang aber bald ab. Die meisten Läden haben ohnehin zu, hier scheint nur am Wochenende Betrieb zu sein.

Nett anzusehen (und bunt) ist es dennoch.

Unser Weg führt uns nun vom Festland wieder raus auf’s Meer, auf die der Küste vorgelagerten Keys. Auf Anna Maria Island schnappen wir uns am Strand den ersten freien Parkplatz und schlüpfen direkt in unsere Badesachen. Nach der Hitze im Inland stellen wir aber schnell fest, dass hier am Meer ein ganz schöner Wind ist, und so belassen wir es bei einem Strandspaziergang.

Am Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft in Sarasota, wo wir zunächst lernen, was eine Lockbox ist (ein kleines Kästchen, in das man einen Code eingibt und das dann aufgemacht werden kann – darin finden wir schließlich unsere Zimmerschlüssel), und auf dem Zimmer finden wir ein freundliches Begrüßungsschreiben unserer Gastgeber. Na dann: Guttentag!

Zum Abendessen gehen wir zu einem gemütlichen Italiener, bei dem wir draußen sitzen können und uns fühlen wie in Italien. Wunderbar.

Zu Gast bei den Ringlings

Heute erforschen wir gleich mal eine der Attraktionen von Sarasota: Nordamerikas bekannteste Zirkusdynastie, die Ringlings, haben sich hier vor fast 100 Jahren niedergelassen und bewohnten eine sehr sehr hübsche Villa, in der man sich fühlt wie in Venezien.

Doch bevor wir die Villa von innen besichtigen dürfen, sehen wir uns erstmal das Zirkusmuseum an.

Los geht es mit einem quadratkilometergroßen Modell des einst größten Zirkus der Welt: „Ringling Bros. and Barnum & Bailey“ waren „The Greatest Show on Earth“! Mit sechzig Eisenbahnwaggons reiste der Zirkus an, in fünf Manegen wurde für zehntausend Zuschauer gleichzeitig gespielt, das hauseigene Clown College bildete über 1,400 Clowns aus … aber vor nicht einmal einem Jahr, im Mai 2017, nach 146 Jahren, schloss der größte Zirkus der Welt für immer seine Pforten.

Für uns stehen derweil einige praktische Übungen an.

Dann sehen wir uns die Villa Ca’d Zan von innen an und kommen schließlich auf der tollen marmorgedeckten Terrasse vorne am Meer heraus.

Villa und Museum stehen in einer riesigen Parkanlage.

Wir besorgen uns ein paar leckere Wraps und machen Picknick unter einem großen Feigenbaum, einem Banyan Tree, dessen Wurzeln wie Stützen von überall die Äste im Boden verankern.

Da die Ringlings nicht ganz wussten, wohin mit ihrem Vermögen (das nicht nur vom Zirkus, sondern auch aus Investitionen in Stahl, Eisenbahn und Immobilien stammte), haben sie auch noch ein Museum gebaut, dessen Architekt sich bei allem bedient hat, was der Florenz-Reiseführer so her gab.

Die Ölschinken im auf Eisfachtemperatur heruntergekühlten Museum haben wir uns bei diesem Wetter erspart, aber die Köppe vom Ai Weiwei haben wir uns angesehen.

Nach diesem schönen Vormittag sieht das Nachmittagsprogramm nun eindeutig nur noch eines vor: Strand! Am Lido Beach finden wir ein schönes Plätzchen im tadellos weißen Sand.

Am Abend haben wir uns einen Tisch in Tommy Bahamas Restaurant reserviert, das wird sich lecker werden! Und ein Toasted Coconut-Eis bei Kilwin’s ist danach ohnehin Pflicht.

Besuch im Mote Marine Laboratory

Heute haben wir uns für einen Besuch im Mote Marine Laboratory entschieden, einem Forschungs-Aquarium mit angeschlossener Auffangstation für verletzte Meeresbewohner.

Drei Mal die Woche werden hier um 11 Uhr die Haie gefüttert, wir haben uns nicht zufällig für den Mittwoch für unseren Besuch entschieden! Die Haie teilen sich mit einer Menge anderer Fische ein großes Basin. Man kann sie durch eine Glaswand unter Wasser und auch frei von oben beobachten.

Zum Beginn der Fütterung wird ein Kunststoffrohr in’s Wasser gehalten und drei Mal draufgeklopft. So wissen die Haie, dass jetzt die Fütterung beginnt. Skuril. Vielleicht hilft es ihnen ja irgendwie den sonst mit ständigem Hin-und-Her-Schwimmen recht ausgefüllten Hai-Tag besser zu strukturieren. Oder es hindert sie daran, die andern Fische, mit denen sie sich den großen Tank teilen, versehentlich ausserhalb der Essenszeiten zu verspeisen. Man weiß es nicht.

Die Haifütterung war ganz nett, aber dann doch nicht ganz so spannend, wie erwartet. Die Trainer halten den Haien dicke Fischfilets hin, ziehen diese ein wenig vor ihnen her, damit sie sich wenigstens ein klein bisschen anstrengen müssen, und – haps – ist die Mahlzeit weg.

Natürlich gibt es auch ein Streichelbecken, wie das in amerikanischen Aquarien so üblich ist. Da sind aber zum Glück keine Haie drin, sondern Seesterne, Anemonen und Seeigel.

Natürlich sind überall Volunteers, Freiwillige, die gerne alle möglichen Fragen beantworten und den Kindern erklären, wie man einen Seeigel streichelt. Das ist eben auch typisch USA: In Parks, Gärten, Zoos, Aquarien, sind manchmal mehr Volunteers zu finden, als Besucher. Anstatt den ganzen Tag fernzusehen, helfen viele Rentner hier gerne aus und freuen sich immer darüber, um Rat gefragt zu werden. Für uns sind diese kurzen Gespräche und Begegnungen immer wieder nett.

Nach einigen Versuchen, die leider viel zu schnell schwimmenden Mini-Hammer-Haie (genaue Bezeichnung der Art habe ich leider vergessen), zu fotografieren, kommt dieser Kollege hier gerade recht, denn der schwimmt nicht im Wasser, sondern im Plastikmüll.

Wir sehen uns noch die Quallen an …

… und im Quallen-Laboratorium die Jungen. Keine Ahnung, wie alt Quallen werden, aber hier wird eben laufend Nachwuchs produziert.

Der Stone Fish, ein echter Dinosaurier-Fisch.

In einem runden Becken schwimmen Stachelrochen im Kreis und können im Vorbeschwimmen kurz berührt werden. Glitschig.

Nachdem wir uns noch die Seepferdchen-Aufzucht angesehen haben (von der ich irgendwie gar keine Fotos gemacht habe), verlassen wir das Laboratory erstmal und machen draußen im Schatten Brotzeit. Dann gehen wir zum zweiten, ebenfalls zum Mote Laboratory gehörenden Gebäude rüber, wo am Nachmittag die Wasserschildkröten und die Manatees gefüttert werden.

Das ist Edgar. Edgar ist einer der älteren Bewohner hier im Laboratory. Weil Edgar blind ist, konnte man ihn leider nicht mehr in’s Meer entlassen.

Auch zwei Manatees sind im Laboratory gestrandet. Hugh und Buffet leben hier im Dienste der Manatee-Forschung und hauen sich jeden Tag um die 80 Salatköpfe rein.

Auch wenn es selbstverständlich schöner war, die Manatees in Homosassa in freier Wildbahn zu beobachten, hier sieht man sie dafür natürlich schon etwas besser.

Dann gucken wir noch bei den Aligatoren rein …

… und bei den blauen pilzförmigen Quallen …

… und bei der Otter-Fütterung schauen wir zum Schluss auch noch kurz zu.

Zurück am Auto brutzelt dann dieser Geselle auf unserer Motorhaube. Schnell ein Foto machen, bevor er wegläuft!

Von wegen Weglaufen. Dieser Lurchi ist sowas von verschlafen, wir müssen ihn wortwörtlich davontragen.

Nach dem Besuch im Aquarium gehen wir selbstverständlich erstmal ein Eis essen, und dann zieht es uns an den Strand. Wir fahren hoch zum Coquina Beach, wo heute auch ein kleiner Hippie-Markt ist und wo der Sand sooooo weiß und soooo weich ist…

Und zum Abendessen gibt es heute Pizza für Madame …

… und ein kleines Steak für Monsieur.

Ausflug in’s Orchideen-Paradies

Für den letzten Tag in Sarasota müssen wir uns nun entscheiden: Entweder ein Ausflug in einen State Park im Landesinneren – oder der botanische Garten in Sarasota. Botanischen Garten haben wir eigentlich schon in Miami gemacht. Aber so heiß wie es heute ist, wollen wir lieber nicht zu weit weg von der Küste (wo es dann wenigstens noch etwas Wind hat). Außerdem wollen wir uns am letzten Tag nicht noch auf einer Sumpftour von Mücken fressen lassen.

Also dann doch der Garten, der botanische: Die Marie Selby Botanical Gardens – direkt in Sarasota – von unserem Hotel aus in fünf Minuten mit dem Auto, oder für Europäer in 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Wir entscheiden uns tatsächlich für den Fußmarsch.

Das besondere an diesem botanischen Garten ist, dass er sich auf Gewächse spezialisiert hat, die auf anderen Pflanzen wachsen, ohne diese zu schädigen – gutartige Schmarotzer also. Dazu gehören natürlich in erster Linie Orchideen.

Hier spielt eine Kakaopflanze den Wirt…

… für noch mehr Orchideen.

Das Orchideenhaus mit seinem subtropisch feuchten Klima war ein Traum anzusehen, aber auch ziemlich heftig feuchtwarm. Nix wie raus hier.

Ahhh, schon viel besser. Nach dem Orchideenhaus gibt es eine kleine Bonsai-Sammlung zu bestaunen.

Wir relaxen erstmal ein wenig im Schatten …

… und dann tun wir, was man eben so tut im botanischen Garten:

Den Gong schlagen.

Den Kopf in einen Summstein stecken.

Sich von versteinerten Vorfahren erschrecken lassen.

Bäume umarmen.

Auf Wurzeln herumklettern.

Baumhäuser erforschen.

Eine Melodie spielen.

… und noch mehr Blumen fotografieren.

Die Marie Selby Gardens stellen sich als einer der schönsten Gärten heraus, die wir bisher so besucht haben. Ein toller Vormittag!

Durch von Andy Warhol inspirierte farbige Scheiben sehen wir den Causeway, der von Sarasota auf Lido Key hinausführt. Dort wartet jetzt schon unser Strand auf uns…

Wir schließen gemütlich den Rundgang durch den Park ab, lassen uns noch von einem Vogel anschreien …

… und wenn wir Hunger haben, dann essen wir einfach eine Mango.

Bye bye Miami

Nach vielen schönen Tagen am Golf von Mexiko treten wir heute wieder die Heimfahrt nach Miami an.

Angekommen in Miami Beach sind wir ganz schön hungrig, und so kehren wir erstmal am Lincoln Boulevard auf ein Cuban Sandwich und einen schmackhaften Fruchtcocktail ein.

Danach geht es direkt in’s Hotel und von dort direkt an den Strand und von dort direkt in’s Meer!

Wobei heute ganz schön Wellen sind, die roten Fahnen sind draußen. Also belassen wir es bei einem kurzen Bad in der Brandung.

Abends kehren wir bei unserem Stammitaliener ein und bestellen Veal Piccata, auch wenn es heute nicht auf der Karte steht, aber das war bei unserem letzten Besuch so lecker. Bei einem echten Italiener natürlich kein Problem. Amerikanischer Kellner wäre sicher überfordert gewesen.

Den Rest unseres letzten Abends verbringen wir mit einem laaaangen Spaziergang am Ocean Drive. Auch ein paar neue Ecken in Miami Beach entdecken wir. Bei Señor Frogs wird Karaoke gesungen, da müssen wir nicht unbedingt mitmachen.

In der Villa Casa Casuarina, der Versace-Villa, steigt chices Partyvolk ab.1997 wurde Versace hier vor seiner Villa erschossen, wir gehen lieber weiter…

In einer Back Alley hat sich ein Ei verklemmt.

Und im Palace läuft eine interessante Show…

Nach unserem langen Spaziergang – das Partyvolk startet wahrscheinlich gerade erst in die Nacht – zieht es uns heim. Morgen ist ja auch noch ein Tag…

… und was für einer! Strahlende Sonne und schwüle Hitze schon um neun am Morgen. Der Ocean Drive zeigt sich von seiner besten Seite.

Direkt gegenüber läuft ein Beach-Volleyball-Turnier. Und am Muscle Beach wird auch schon trainiert.

Wir spazieren noch beim Beach Park Headquarter vorbei …

… wie immer zeigt die Polizei in Miami Beach Präsenz.

Über dem Ocean Drive startet ein Vogelschwarm in Richtung Norden. Wenn das kein Zeichen ist?

In einigen Stunden starten wir dann wohl oder übel auch Richtung Norden.

Aber vorher zieht es uns natürlich noch einmal wohin? Na klar: an den Strand! Und danach noch einmal zu unserem Lieblingsitaliener. Schöner kann man einen Urlaub nicht abschließen! Bis zum nächsten Mal, Miami!

Vegas

Nur ein paar kurze Impressionen meines Relax-Tages in Vegas.

Nachdem ich den Samstag ganz gemütlich habe angehen lassen mit etwas Rumliegen am Pool, und einem leckeren Lunch in der Sonne (weil ich beim Buchen des Hotels irgendeinen Blödsinn angestellt habe, musste ich für die erste Nacht „leider“ in eine Unterkunft fernab vom Strip, dafür mit Seeblick und schattigem Garten ausweichen…), mache ich mich am Nachmittag auf den Weg in die Stadt. Aber ich will nichts überstürzen, daher noch ein kurzer Halt auf dem Weg, in den Wetlands des Vegas River.

Ja, es fließt tatsächlich ein Fluss durch Vegas. Nein, baden sollte man hier nicht, es ist doch eher eine Kloake, durch die das Abwasser der Großstadt abfließt (von wegen, „What happens in Vegas, stays in Vegas“). Dennoch ist es hier saftig grün und Vögel und Enten und Wasserschildkröten baden hier. Von deren Verzehr rate ich wiederum ab.

Und Häschen weiden auch.

Zur Renaturierung des Flusslaufs wurde übrigens welches Baumaterial verwendet? Richtig. In die Luft gesprengte alte Hotels. Vegas eben.

Der Blick zum Strip – kaum zu glauben, dass man doch eigentlich mitten in der Wüste ist.

Der Stratosphere Tower am Horizont.

Im Trubel von Vegas angekommen – und das auch noch an einem Samstagabend, an dem zudem die Vegas Knights zum ersten Mal in den Playoffs des Stanley Cup spielen – in einem Heimspiel – ist der Bummel über den Strip am Abend ein einziges Sich-durch-die-Massen-von-Verrückten-Schieben.

Da liegt am nächsten Morgen doch nichts näher, als ganz ganz schnell wieder aus dem Moloch heraus zu kommen.

Der Red Rock Canyon ist keine halbe Stunde von Vegas entfernt und wird heute (am Sonntag) sicher nicht nur mein Ziel sein. Ich bin zwar früh dran (was angesichts des Wetters nicht verkehrt ist), aber ich suche mir trotzdem erst mal ein etwas ruhigeres Wanderziel aus, als nur die Schleife durch den Park zu fahren (was bei den meisten Besuchern sicher schon alles gewesen sein dürfte).

Es geht direkt in den ersten Canyon im Park, der wie heißt? Na klar. First Canyon.

Auf dem Weg zum Canyon geht es erstmal durch die flache Wüste.

Den Canyon selber fließt (saisonal) ein kleines Bächlein entlang. Es gibt auch einen Wasserfall, aber der hat schon zu, ist leider trocken. Dennoch finde ich ein schönes Plätzchen am gurgelnden Bach. Hier mache ich Brotzeit und schaue den Kolibris zu. Ein Traum.

Es ist Frühling in der Wüste, überall blüht etwas, auch wenn es oft nur klitzekleine Blümchen sind. Oder Kakteen.

Ich steige noch ein wenig den Canyon hoch, aber irgendwann verliert sich der Weg, und den schönsten Platz im Canyon hatte ich ja eh schon gefunden.

Mitten in der Wildnis steht dann ein Schild, das besagt, dass hier die Wildnis beginnt.

Die Felsen haben komische Pocken, hoffentlich nichts Ansteckendes.

Auf dem Rückweg brennt die Sonne schon ein bisschen mehr, aber es fällt stetig ein angenehmer kühler Wind von den Bergen herunter.

In der Ferne: Die Red Rocks.

Oliver genießt den Schatten eines Joshua Tree.

Andere haben hier vor Längerem ihr Auto falsch abgestellt.

Ich fahre ein Stück weiter und finde noch einen weiteren Ausgangspunkt für eine zweite Wanderung an einer Quelle.

Dort klettere ich ein wenig den Berg hinauf, bis mir die Puste ausgeht.

Auf dem Rückweg quert dann noch dieser gut getarnte Kerl, gut ein Meter lang.

Ja, das war’s auch schon. War aber ein netter Tag – mit viel Sonne – und leichtem Muskelkater.

Nicht der Süden

„Irgendwo hin, wo es warm ist.“ hatte Simone gesagt.

„Im Juni sind die Tage so schön lang.“

Den Wink mit den langen Tagen hatte ich natürlich verstanden.

Sie wollte gar nicht in die Südsee!

Sie wollte in heißen Quellen baden!

Also buchte ich Island…

Und da sind wir nun.

Angekommen in Reykjavik blicken wir zuerst in viele traurige Vikingeraugen. Noch während unseres Anfluges hatte Island 2:0 gegen Nigeria verloren. Wir können also nichts dafür, sind aber trotzdem mit den Isländern traurig. So ist es heute abend in der Stadt wohl doch etwas ruhiger, als erhofft.

Aber trotzdem ist es recht lebendig. Wir erforschen nach unserer Ankunft direkt das Zentrum der Hauptstadt und gehen im Hafen in einem tollen Lokal unseren ersten Island-Fisch essen. Tolle Lokale gibt es in Reykjavik auf jeden Fall genug. Leider werden wir in den drei Tagen, die wir hier sind nicht alle ausprobieren können.

Tags drauf starten wir zeitig. Am Vormittag wollen wir Pingvellir besichtigen, die 1000 Jahre alte Wiege der isländischen Demokratie. Erster Anlaufpunkt eines jeden Touristenbusses auf der Insel (wirklich!). Aber auch perfekt für einen ersten Island-Vormittag. Insbesondere heute: Gleich bei unserer ersten Wanderung werden wir die Gelegenheit bekommen, unsere Kleidung mal gründlich auf Wasserdichtigkeit zu überprüfen!

Bei unserer Ankunft ist es nur ein leichtes Nieseln aus dem Nebel, mit dem wir gut klar kommen. Das Pingvellir-Gebiet ist Nationalpark und Weltkulturerbe. Hier trafen sich schon vor 1000 Jahren die Ältesten zum Inselparlament.

Direkt an der Grenze zwischen Eurasischer und Amerikanischer Platte haben Vulkane hohe Mauern und tiefe Gräben geschaffen. Durch die wandern wir nun (leider nicht immer allein) hindurch.

Beim Fahnenmast im oberen Bild wurden früher die Gesetze verlesen, heute brüten dort Wildgänse.

Der Nieselregen nimmt langsam zu, aber die Jacke hält.

Wir erreichen unseren ersten Wasserfall. Wir ahnen aber schon, dass wir später noch darüber schmunzeln werden, diese Miniatur-Kaskade überhaupt fotografiert zu haben.

Auf Tafeln entlang des Flusses wird der guten alten Zeit gedacht, als Betrüger noch geköpft und Ehebrecherinnen hier ertränkt wurden. Ganz allgemein erstaunt es, dass es überhaupt noch Isländerinnen gibt, da doch die eine oder andere isländische Saga mit dem Ertränken der Protagonistin endet.

Einen Wasserfall später werde ich zunächst verpflichtet, eine Großfamilie zu fotografieren, die sich vorher im Woll-Outlet adrett mit Isländerpullis ausgestattet hat.

Der Wasserfall wurde seinerzeit übrigens künstlich angelegt, um Wasser zum Versammlungsplatz am Pingvellir zu führen, und stellt heute quasi Islands ältestes Bauwerk dar.

Am oberen Wasserfall haben wir die Horden an Bus-Touristen schon längst hinter uns gelassen. Praktisch allein geht es weiter die Schlucht hinauf.

Dann marschieren wir hinab in’s Tal und entscheiden uns für einen längeren Wanderweg durch Moos und Lava. Nach einem kurzen Duscher (die Jacke hält) hat es zwischenzeitlich sogar aufgehört zu regnen.

Aus der Ferne, von einer Erhöhung auf der früher mal ein Hof stand, blicken wir zurück zum Wasserfall.

Der Weg hierher war schön breit, auf bei jedem Schritt knirschenden Lavakieseln, und fast ohne Regen.

Der Weg zurück ist dann das Gegenteil: Ein enger Pfad, wir versinken im Schlamm, und stetig nimmt der Regen zu. Die Jacke? Gibt langsam auf. Wir? Geben nicht so schnell auf.

Zurück am Auto legen wir uns erstmal trocken, und treten die Rückfahrt in die Stadt an.

In Reykjavik angekommen gehen wir direkt eine heiße, scharfe Cocosmilchnudelsuppe essen.

Danach noch ein Rundgang durch die Stadt, kurzer Besuch der bekannten Betonkirche, dem Wahrzeichen Reykjaviks, längerer Besuch mehrerer Läden (warm! trocken!), ertragreicher Besuch einer Bäckerei und letzter wärmender Besuch eines Cafes.

Dann heiße Dusche und 2:1 Deutschland – Schweden. Abschließender Spaziergang durch die Stadt, müdes In-die-Betten-Fallenlassen nach Dekoration des Zimmers mit zu trocknender Kleidung. Mal sehen, wie morgen das Wetter wird. Angesagt ist: wie heute.

Ist halt: Nicht der Süden.

Lava, Dampf und eine unangemeldete Einreise

Nachdem wir gestern das isländische Wetter erstmals kennenlernen durften, sind wir gespannt, was uns heute erwartet.

Wir wollen die Halbinsel Reykjanes erkunden, den Südwesten Islands. Auf dem Weg dorthin ist es trocken, aber das war gestern auch so. Die Berge, hinter denen unser erstes Tagesziel liegt, sind aber schon im Nebel verschwunden.

Dennoch ist es heute nicht das Wetter, das uns einen Strich durch die Rechnung machen will, sondern ein Schild am letzten Kreisverkehr bevor die Straße in eine Piste übergeht: Lokad. 25.6. 10:00 – 12:30.

Okay, also Lokad. Was heißt das nur? Flohmarkt? Sonnenbad? Nein nein, wir ahnen ganz richtig. Es heißt wohl „geschlossen“. Die Straße ist gesperrt. Und das sogar schon um 9:40. Isländische Pünktlichkeit. Also drehen wir um und fahren unsere Runde dann eben in entgegengesetzter Richtung.

Auf der Hinfahrt hinein in unsere Sackgasse war uns schon ein etwa Fussballfeld-großer Garten mit Trockengestellen aufgefallen. Rückzu sehen wir uns das mal aus der Nähe an. Tatsächlich trocknen hier tausende Fischköppe vor sich hin.

Beim Öffnen der Autotüre steigt uns schon ein einschlägiger Geruch in die Nase. Wir fragen uns, was man mit all den getrockneten Fischköpfen wohl vor hat.

Und just in diesem Moment geschieht es: Zum ersten Mal erblicken wir sie. Die isländische Sonne. Kaum hatten wir mehr an ihre Existenz geglaubt.

Die Sonne lässt die allgegenwärtigen Lupinen gleich viel schöner leuchten.

Fischköppe.

Wir lassen den Fischduft nun hinter uns und machen einen weiteren Halt an einem Vikingermuseum. Das große Vikingerschiff sehen wir uns nur von außen an, den Streichelzoo können wir natürlich nicht gänzlich auslassen.

Direkt dahinter befindet sich eine historische Fischerhütte. Den Bewohnern war es seinerzeit nicht erlaubt, sich Tiere, wie etwa ein Schaf zu halten, und so blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als Fischer zu sein. Soviel zur freien Berufswahl.

Die Hütte ist praktisch komplett mit Gras bewachsen. Rundrum, und auf dem Dach sowieso.

Weiter geht es auf den Südwestzipfel der Halbinsel hinaus. Hier verläuft die Spalte, an der die eurasische und die amerikainische Kontinentalplatte aneinanderreiben und jährlich zwei Zentimeter (also zwei Meter in 100 Jahren!) auseinanderdriften.

Zur Gaudi haben die Isländer hier eine Brücke über den Graben gebaut und „Brücke über die Kontinente“ getauft. Auf der einen Seite steht „Welcome to Europe“, auf der anderen steht „Welcome to America“.

Wow, da sind wir heute also schon zwei Mal nach Amerika ein- und wieder ausgereist, ohne es zu merken, und ohne Papiere noch dazu!

(Ich persönlich hätte es übrigens lustig gefunden, wenn auf der amerikanischen Seite der Brücke noch ein Verbotsschild wie „Do Not Run“ oder so  gehangen hätte. Das versteht aber nur, wer die Vorliebe der Amis für Verbotsschilder kennt.)

Kurzer Exkurs zur Geologie: Wir befinden uns da, wo der Stern ist.

Zum Glück haben wir hier draußen in der Lavawüste keine weitere Wanderung vor. Denn, würden wir uns verlaufen, man fände uns nie wieder. Schwarzer Kater auf schwarzem Grund, sozusagen.

Weiter geht es durch die Lava Richtung Süden. Ein kurzer Weg führt auf einen kleinen Krater einer Reihe von 100 Vulkankratern. Am Ende der Reihe (und der Halbinsel) steht ein Geothermalkraftwerk, das gut in einen James-Bond-Film passen würde. So oder so ähnlich muss man sich wohl auch die Besiedlung des Mondes vorstellen.

Das Kraftwerk steht nicht von ungefähr hier draußen, nein, es wurde hier gebaut, weil hier heißer Dampf direkt aus der Erdoberfläche quillt. Hinter’m Kraftwerk besuchen wir das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver.

In vielen kleinen Löchern zischt und brodelt es, aber aus einer Quelle quillt der Dampf mit lauten Getöse und riesiger Geschwindigkeit heraus.

Der Boden lässt auf Schwefel schließen, aber das hatten wir schon am Parkplatz erschnuppert. Ja, es riecht streng.

In direkter Nachbarschaft gibt der Nebel immer wieder mal den Blick frei auf den Leuchtturm, der hier die Südwestecke der Insel bewacht.

Ein nagelneuer Plankenweg führt bis direkt an die Quelle heran, die direkt aus den Resten des alten Weges zu schießen scheint. Im Vulkanland sind die Dinge eben immer in Bewegung. Rechts hinter dem Dampf ist der Krater eines kleinen Schlammvulkans zu sehen, der diesem Ort seinen Namen gab. Die Quelle ist nämlich nach einem Gespenst benannt.

Die Geschichte dazu im Detail:

Huh, das war unheimlich. Aber wir verstehen auch zusehends, dass es auf Island keinen Fels und kein Wasserloch gibt, zu dem keine solche Geschichte existiert.

Weiter geht es nun die Küste entlang zurück in Richtung Osten, wo schwarze Lavaklippen die Brandung brechen.

Es ist natürlich nicht irgendeine Klippe, sondern ein Pool, in dem ein Troll … ach, die ganze Geschicht habe ich mir leider nicht gemerkt.

Der Troll scheint jedenfalls vertrieben und wir fahren weiter nach Grindavik, einem rustikalen Fischerort, wo wir im Hafen im urigen Café Bryggjan ein Lachsbrot und eine heiße Suppe verzehren.

Gestärkt und gewärmt fahren wir wieder hinauf in die Lavawelt.

Zum Baden reicht uns heute leider die Zeit nicht mehr. Aber einen Abstecher zum Besuch der blauen Lagune machen wir trotzdem.

Die blaue Lagune ist nur bedingt ein Naturschauspiel. Tatsächlich wird hier das auch nach der Stromerzeugung noch recht heiße Wasser eines weiteren Geothermalkraftwerks in die Landschaft geleitet, auf dass es wieder versickern soll. Dabei lagern sich eine Menge Mineralien ab und es entstehen weiße Schlammbecken, in denen das mineralhaltige Wasser hellblau leuchtet.

Inmitten der Lava sieht das ganze unwirklich aus.

Ein großer Teil der blauen Lagune wird nun als Thermalbad genutzt, das wir hoffentlich am Ende unserer Reise noch besuchen können.

Nach Sonnenschein, dichtem Nebel und strömendem Regen erreichen wir letztlich noch das Hochtemperaturgebiet Seltun, das nett, aber auch nicht ganz so spektakulär wie bereits Gesehenes ist. Es blubbert und kocht auf jeden Fall kräftig vor sich hin. Leider regnet es auch wieder und unsere Motivation, noch über einen steilen, schlammigen Hang zu weiteren Quellen aufzusteigen ist für heute Nachmittag versiegt.

Wir belassen es bei einer Runde über den Plankenweg und kommen unverschlammt, aber dennoch durchnässt, wieder am Auto an.

Zum Glück ist die Straße zurück nach Reykjavik nun wieder geöffnet. Wir passieren noch einen großen See mit richtigen Stränden aus schwarzer Lava. Der See war vor einigen Jahren innerhalb weniger Wochen zur Hälfte abgelaufen. Irgendwo hatte sich wohl eine Spalte gebildet und schon war der riesige See halb leer. Das ist die offizielle Variante. Insider wissen aber, dass das Ungeheuer, das schon immer in dem See wohnt, den Stöpsel gezogen hat. Wie auch immer, das ganze Ereignis muss recht interessant gewesen sein, da bei der Gelegenheit allerlei Unbekanntes zu Tage trat, unter anderem sogar eine auf dem Seegrund verscharrte Leiche. Soviel dazu. Wir haben den See im Regen nur vom Auto aus angesehen, auch wenn er nach einem spannenden Wandergebiet aussah. Das Ungeheuer bekamen wir bei so oberflächlichem Besuch leider nicht zu Gesicht.

Für den Abend hatten wir uns vorsorglich schonmal einen Tisch reserviert in einem kleinen Fischlokal in Reykjavik. Bei strömendem Regen rennen wir vom Auto in’s Lokal und lassen uns zwei Fischpfannen zubereiten, die noch laaange unvergessen bleiben werden.

Säulen, Schafe und Sturm

Wir verlassen heute Reykjavik und starten in Richtung Nordwesten. Unser Ziel ist die Snaefellsness-Halbinsel.

Unseren ersten Stopp legen wir bei Gerðuberg ein. Dort finden wir eine große Stufe im Gelände mit riesigen Basaltsäulen.

Als wir losmarschierten war es noch trocken, aber wahnsinnig windig.

Auf dem Rückweg war es immer noch windig, aber nicht mehr trocken.

Etwas neidisch schauen wir zu den Schafen rüber, denen das Wetter Wurst zu sein scheint.

Nächster Halt ist die kleine schwarze Kirche bei Búðir. Sehr fotogen.

Das Kirchlein liegt am Rande eines Lavafelds, in dem schon ganze Menschengruppen verloren gegangen sein sollen. Wir wählen daher den küstennahen Wanderweg, der uns schließlich aus der Lava in die Dünen führt.

Dem aufmerksamen Betrachter ist sicher schon aufgefallen, dass wir ob des wechselhaften Wetters mittlerweile grundsätzlich in Vollvermummelung rausgehen. Hier draußen wechseln Sonne und Regen im Minutenrhythmus.

Rund um die Kirche sind saftig grüne Wiesen, an denen sich die Isländischen Schafe satt essen können.

Im Allgemeinen scheinen hier mindestens genausoviele Schafe, wie Isländer zu leben.

Wo kein Zaun ist, laufen die Schafe gern mal auf der Straße rum und fressen am Liebsten in der Böschung direkt an der Straße.

Manchmal gibt es auch einen Zaun, dann befinden sich die Schafe interessanterweise eigentlich immer in dem Streifen zwischen Zaun und Straße. Die Zäune scheinen sie nicht recht zu stören.

Nach einem Picknick mit Blick auf einen hohen Wasserfall kommt zunehmend die Sonne raus. Das Moos leuchtet dann wie Gold.

Wir erreichen Arnarstapi, das Endziel unserer heutigen Etappe.

Der kleine Fischerort liegt direkt zwischen einem markanten Berg und dem Meer.

An den Klippen tobt die Brandung und hat dort das eine oder andere Fotomotiv in die Lava gewaschen.

Während Simone sich schon mal von den Strapazen des Gegen-den-Sturm-Laufens erholt, gehe ich noch kurz runter zum Hafen, von wo aus man einen netten Blick auf ein sehr fotogenes Häuschen hat.

Der Hafen ist winzig winzig klein und durch Basaltsäulen ein wenig vom Meer geschützt.

Im Hintergrund fallen ein paar Wasserfälle über die Klippe in’s Meer.

Noch einmal der Blick zurück vom Hafen. Hinter dem Berg liegt der Snæfellsjökull, der vergletscherte Vulkan, über den Jules Verne in’s Erdinnere einsteigen ließ, auf der Reise zum Mittelpunkt der Erde. Der Snæfellsjökull wird aber auch der schüchterne Berg genannt, weil er sich meist im Nebel versteckt.

Entlang der Küste gibt es noch einige spektakuläre Aussichtspunkte…

… und Felsentore.

Auf dem Weg runter zum Hafen begleitete mich zeitweise eine Möwe mit lautem Geschrei. Irgendwann sah ich es dann ganz knapp neben mir weiß herunterregnen. Versucht das Scheiß-Vieh mich doch anzuscheißen!! Später lernen wir, dass die Viecher gerne alles angreifen, was ihren Nestern nur annähernd nahe kommt. Voll aggro, dies Möwen.

Nachdem auch ich jetzt vom Wind genug habe, kehre ich zurück zu unserem Cottage, von wo aus wir – nunja, nicht der Sonne beim Untergehen zusehen, die geht nämlich erst um 0:30 Uhr unter, aber dennoch den Wolken beim Vorbeitreiben. Dann gibt es noch einen lecker Lachs hinterher und dann lassen wir uns vom Sturm in die Nacht schaukeln.

Steilküsten, Vulkane und Elfmeter

Über Nacht hat sich der Sturm nur minimal gelegt, das Wetter bleibt arg isländisch: Auf dem Weg zum Frühstück Sonnenschein, auf dem Rückweg der erste Regenschauer. Fünf Minuten später wieder Sonnenschein.

Die Wanderung zum Nachbarort Hellnar hatten wir gestern sturmbedingt unterbrochen, also fahren wir heute kurz mit dem Auto dort vorbei, laufen ein wenig über den neu angelegten Küstenweg (wenn auch zusammen mit drei Ladungen Bustouristen) und kaufen uns lecker Kuchen für die spätere Brotzeit.

Unser nächster Stopp gilt den Felsnadeln von Londrangar. Tatsächlich sind die Zinnen das erstarrte Innere eines Vulkans. Die Höhe der Felsen lässt sich erahnen, wenn man den nur kurz dahinter liegenden Leuchtturm ansieht (der auch schon ganz schön hoch ist).

Vorne fallen die Klippen dann senkrecht in’s Meer und in den Felsen ist jeder denkbare Platz durch brütende Vögel besetzt.

Weiter geht’s nach Djúpalónssandur, eine Bucht mit mehr Geschichte, als man hier draußen erwarten würde.

Vor langer langer Zeit war das hier eines der größten Fischfangzentren Islands mit bis zu 60 Fischerbooten. 400 Menschen lebten mal in dieser Bucht, heute ist kaum mehr etwas davon zu sehen. Seinerzeit prüften hier die Fischer die Kräfte ihrer Bewerber mit dem Anheben dieser vier Steine, die alle einen eigenen Namen haben. Der 23 kg schwere Stein ist der „Schwächling“, es folgt der doppelt so schwere „Brauchbare“, der „Halbstarke“ (100 kg) und der „Ganzstarke“ mit 154 kg. Mindestens der „Brauchbare“ musste auf einen hüfthohen Felsen gehoben werden, um einen Platz auf dem Fischerboot zu ergattern. Die Steine liegen heute wie damals hier am Strand herum …

… und jeder darf mal ran.

Schließlich ist die Bucht noch übersäht mit verrosteten Teilen eines 1948 gestrandeten Schiffes. Nur 4 der rund 20 Mann Besatzung überlebten die Havarie. Die Trümmer stehen heute unter Schutz und dürfen nicht bewegt werden.

Das ganze hat schon etwas Gespenstisches.

Der Strand selbst besteht aus herrlich rund geschliffenen schwarzen Kieseln, die von der Sonne vorgewärmt wurden.

Und eine beeindruckende Brandung gibt es auch noch zu bestaunen.

Wir verbringen einige Zeit hier an diesem Strand.

Die verrosteten Trümmer machen sich auch ganz gut auf dem einen oder anderen Foto.

Während unseres gesamten Besuchs am Djúpalónssandur hatte es nicht einmal geregnet! Und sogar die Sonne schien.

Etwas übermütig wollen wir daraufhin ein Stückchen weiter (etwas von der Küste entfernt) eine Wanderung auf einen Vulkankegel machen. Wir packen unsere Sachen – und flüchten schon wieder zurück in’s Auto, noch bevor wir einen einzigen Schritt gegangen sind. Ein kurzer Wolkenbruch erinnert uns daran, dass wir hier nicht in der Südsee sind.

Wir geben also auf und fahren stattdessen zu dem Vulkan, um ihn auf kürzestem Weg zu besteigen – während der Sturm uns einen Schauer nach dem anderen um die Ohren haut.

Das Besteigen als solches geht leicht, die Treppe auf den Vulkankegel ist nagelneu.

Ein Blick auf den rund 100 Meter hohen Nachbarvulkan.

Oben angekommen empfängt uns ein Sturm sondergleichen, sodass wir nach ganz ganz kurzem Stopp wieder den Weg nach unten antreten. Natürlich fängt es wieder an zu regnen.

Zurück am Auto scheint wieder die Sonne und wir haben für heute genug vom Wandern. Na gut, einen kurzen Spaziergang zu den Relikten einiger alter Bauernhöfe noch.

Dieser alte Brunnen war viele Jahrzehnte verschwunden. Man wusste, dass es hier mal einen Brunnen gab, aber alle Versuche, ihn zu finden schlugen fehl. Bis eines Tages ein alter Isländer seine frühere Heimat besuchte und nach einem Spaziergang zum Erstaunen aller sagte, er war dort, wo früher der Brunnen war. Er konnte sich also noch erinnern, wo der Brunnen einst lag, und so fand man die Quelle wieder. Über dem Brunnen liegt ein markanter Walknochen.

Ich gucke unten mal nach dem Rechten, aber der Brunnen liegt trocken.

Jetzt ist es aber genug Wind für heute. Wir laufen das nächste Kaffihus an, wo wir unseren Zuckervorrat aufstocken.

Unser Etappenziel Grundarfjörður heißt uns mit einem doppelten Regenbogen willkommen.

Wir beziehen unsere Hütte, die etwa 10 Minuten vom Ort entfernt liegt.

Ein super Ausblick!

Auf dem Weg zurück in den Ort geben sich Sonne und Regen große Mühe eine möglichst dramatische Lichtstimmung herzustellen.

Die Straße führt ganz nah am Grundarfoss vorbei.

In Grundarfjörður suchen wir uns zunächst mal einen Ort zum Fussballschauen. Um 18:00 spielt Island gegen die Kroaten.

Da es hier ohnehin nur drei oder vier Läden gibt, finden wir am Café im Ortszentrum schon die ersten Fußballgucker. In einem abgedunkelten Kino mit rund 30 Plätzen sitzen 20 Isländer und vier Touristen.

Wir kommen gerade pünktlich zum Schluss der ersten Halbzeit, da steht es ohnehin noch 0:0.

Beim 1:0 für Kroatien ist erste Enttäuschung anzumerken.

Beim Elfmeter für Island geht dann die Post ab.

Isländer, und vor allem Isländerinnen, haben sehr laute Stimmen.

Beim 2:1 für Kroatien wird es wieder ruhig.

Dann ist die Sache für Island gelaufen. Trotzdem sind die Isländer stolz, zum ersten Mal bei der WM dabei gewesen zu sein.

Wir gehen jetzt erstmal eine Pizza essen.

Anschließend machen wir noch einen kurzen Ausflug zum Kirkjufells, dem wohl meistfotografierten Berg Islands.

Die Abendsonne taucht die Umgebung in ein schönes Licht.

Ein anständiger isländischer Hof hat doch einen eigenen Wasserfall.

Der Kirkjufells, also der Kirchenfelsen. Die Dänen nannten ihn hingegen den Zuckerhut. Dänen halt.

Kurzer Aufstieg zum Kirkjufellsfoss, dem zugehörigen Wasserfall.

Gegenüber des Wasserfalls hat man die beste Perspektive.

Auf dem Rückweg gucken wir uns noch ein paar Islandponys an.

Und dann sitzen wir noch lange hinter der Scheibe in unserer warmen Hütte und sehen der Mitternachtssonne zu.

Von der Lavapiste zum Lavakuchen

Nachdem wir uns in unserem Würfel über der Bucht von Grundarfjörður ein kleines Frühstück aus Joghurt und Müsli gebastelt, und dabei wie gehabt den Ausblick über den Fjord und den lokalen Flughafen (eine grüne Wiese mit einer Windhose an einem Ende) genossen haben, starten wir wieder.

Es geht zunächst die Küste entlang von Fjord zu Fjord. Die Flut läuft gerade ab. An einer Brücke ist der Fjord durch den Damm so verengt, dass eine Strömung wie von einem reißenden Fluss entsteht. Hier entdecken wir einen Seehund beim Fischen.

Kurze Zeit darauf biegen wir von der Hauptstraße ab und nehmen die Piste durch den Berserkjahraun. Natürlich gibt es eine Sage von zwei Berserkern, die hier … nunja, an die Details kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es kann davon ausgegangen werden, dass entweder jemand ertränkt, oder in eine Schlucht geworfen wurde. Oder die Geschichte handelte von Trollen, die beim Anblick von Sonnenlicht versteinern. Letzteres ist in dieser Gegend besonders gut möglich. Denn das „hraun“ im Namen heißt „Lavafeld“. Und wer sich die Lava mal genau ansieht, der erkennt an jeder zweiten Ecke einen versteinerten Troll. Nun, ich schweife ab. Wir fahren also auf die Lavapiste ab.

Die Piste führt uns in wenigen Kilometern aus grünen Schafweiden in eine Mondlandschaft.

Dann geht es quer durch’s Lavafeld. Die Lava türmt sich 20 oder 40 Meter hoch, die einzelnen Brocken sind auch einige Meter hoch. Die Vorstellung, ein solches Feld weglos zu Fuß zu durchqueren erscheint unmöglich. Nun gut, wir sind ja auf einer Straße unterwegs.

Die Straße nutzen auch die Schafe gern, weshalb man immer etwas vorsichtig um die Kurven fahren sollte.

Hunderte Meter weit türmt sich die Lava auf.

Wir entkommen dem Berserkjahraun und erreichen wieder die normale Straße. Diese führt uns direkt nach Stykkishólmur, einem weiteren großen Hafenort auf Snaefelsness. Der Hafen liegt hinter der steil abfallenden kleinen Insel Súgandisey, die heute mit einem Damm mit dem Festland verbunden ist. Das hat einerseits den Vorteil, dass der Hafen damit wirklich gut geschützt ist, und andererseits, dass man die Insel trockenen Fußes erreichen kann.

Die steile Flanke der kleinen Insel besteht aus mit orange leuchtendem Moos bewachsenem Basalt.

Mittig auf Súgandisey  steht ein alter Leuchtturm, von dort hat man einen schönen Blick zurück auf den Ort. Am linken Rand sieht man das überdimensionierte Seminarzentrum der katholischen Kirche (eine Enklave im evangelischen Island) und dahinter die moderne Betonkirche.

Die Betonkirche von Stykkishólmur. Über Geschmack lässt sich streiten.

Über uns kreisen die Möven, die Sonne wärmt uns und lässt die Lupinen leuchten.

Nachdem der Ort doch schnell erkundet ist, und die Sonne auch nicht lange blieb, kehren wir Mittags in einem netten Café auf eine Fischsuppe ein.

Danach geht es wieder zurück in den Süden.

Da das Wetter heute viel besser ist, als auf unserer Hinfahrt, halten wir noch einmal bei den Basaltsäulen. Hinzu wurde unser Spaziergang durch einen Graupelschauer unterbrochen. Nun können wir uns die Monster noch einmal schön aus der Nähe ansehen.

Wir klettern hoch, bis zu einer markanten Säule, die sich leicht schräg nach vorne neigt. Ein schönes Fotomotiv. Beachtet man, wie schief der Horizont auf dem Bild ist, sieht man, dass sich die Säule in Wirklichkeit noch etwas weiter neigt.

Nach diesem Ausflug ganz ohne Regen- oder Graupelschauer düsen wir die Straße nochmal 20 Kilometer zurück, wo an einer Abzweigung ein Art Raststätte war. Wir hoffen, in dem Café noch die letzten 15 Minuten des Spiels Deutschland – Südkorea sehen zu können, aber leider gibt es keinen Fernseher. Also erleben wir die letzten fünf Minuten, einschließlich der beiden Tore nur, indem wir immer wieder den Spielstand auf dem Handy abrufen. So werden wir uns noch lang daran erinnern können, dass wir diese kapitale Niederlage an einer, aus einer einzelnen im Freien stehenden Zapfsäule bestehenden Tankstelle im Westen Islands erlebt haben. Wir kaufen uns darauf eine Waffel und einen Kaffee an der Bude neben der Zapfsäule und fachsimpeln mit den Isländern über’s Rausfliegen aus der WM-Vorrunde.

Danach fahren wir wieder weiter zurück in den Süden, wo tatsächlich ein wenig die Sonne scheint. Genau genommen, war es bisher den ganzen Tag trocken, und auch der Sturm hat nachgelassen.

Wir schaun kurz mal, ob die Elfen zuhause sind. Damit die lästigen Dinger nicht in’s Haus einziehen, bauen viele Isländer den Elfen im Garten eigene kleine Häuschen, die Elfenwohnungen.

Wir spazieren etwas durch Borgarnes, einen auf Felsen in einen Fjord gebauten Ort und fahren dann zum Hotel, wo uns ein schönes Bad bei 39°C draußen im Hot Tub erwartet. Danach – es regnet nun endlich wieder – geht es zurück nach Borgarnes, wo wir den Tag mit einem traditionellen isländischen Essen namens „zermatschter Fisch“ (eine Fisch-Kartoffel-Pampe, aber sehr gut) und schließlich einem warmen Lavakuchen „Eyjafjallajökull“ nebst Blaubeereis abschließen.

Zurück im Hotel erwägen wir einen zweiten Gang in den heißen Topf, lassen diesen aber ob aufkommendem Völlegefühl ausfallen. Der Regen lässt wieder nach, und wir beobachten, wie auf dem Golfplatz vor dem Hotelzimmer die letzten Spieler ihre Runde gegen Mitternacht beenden. Hell genug dafür ist es ja.

Wasserquellen, Wasserfälle, Wassertrolle

Der Tag begann mit fünf Stunden blauem Himmel und großartigem Sonnenschein. Leider nur von 3 bis 8 Uhr morgens.

Wir fahren landeinwärts in Richtung Reykholt. Bei der Quelle Deildartunguhver halten wir kurz, um zuzusehen, wie hier das kochend heiße Wasser aus einer Erdspalte sprudelt. Es ist die heißeste Quelle Islands.

Die Quelle versorgt das ganze Tal mit heißem Wasser, das kilometerweit durch Rohre in alle Richtungen geleitet wird. Auch unser Bad im Hot Tub des Hotels gestern abend haben wir im Wasser dieser Quelle genossen.

Gleichzeitig dienen die heißen Quellen stets zur Beheizung von Gewächshäusern. Direkt an der Quelle werden Tomaten angebaut, die wir an einem Stand gegen Einwurf von 300 Kronen erstehen.

Weiter geht’s nach Reykholt, wo der Dichter Snorri Sturluson verehrt wird und begraben liegt.

Da es gerade kurz nicht regnet, gehen wir die wenigen hundert Meter zu Snorri’s Pool runter. Regen setzt ein, und zurück am Auto sind wir erstmal wieder nass. Ach Island.

Am Hraunfossar warten wir ein wenig, in Hoffnung, dass der Regen aufhört. Als er ein wenig nachlässt, laufen wir vor zu den Wasserfällen. Wie wir bereits gelernt haben, heißt „Hraun“ Lava. Der Wasserfall kommt hier nämlich nicht etwa aus einem Bach herunter, nein, er entspringt direkt aus einer Lavawand. Das Wasser fließt in einen gletschergespeisten, herrlich blauen Fluss hinein.

Wenige Meter oberhalb fließt dieser Fluss durch eine Klamm, wo der Barnafoss hinuntersprudelt.

Zwischenzeitlich hat es gar aufgehört zu regnen, und wir können die Kapuzen mal wieder abnehmen.

Auf dem Rückweg können wir den Hraunfossar jetzt noch mal ganz in Ruhe bestaunen.

Über thront der Gletscher, dem der Fluss die tolle blaue Farbe verdankt.

Wir fahren noch ein wenig weiter das Tal hinauf nach Húsafell, wo sich viele Wochenendhäuser im Wald verstecken. Wald ist auf Island eher selten, daher ist das hier ein beliebtes Feriengebiet der Isländer.

In Húsafell bewohnt ein bekannte Künstler einen alten Hof und hat auf den Wasserturm sein Atelier gesetzt.

Wir wandern etwas herum, genießen einige wenige kurze Sonnenstrahlen und treffen weiter Elfenwohnungen an.

Schließlich geht es für uns zurück in Richtung Küste. An einem Hof gibt’s frische isländische Erdbeeren. Bei sechs Euro für sechs Gewächshauserdbeeren passen wir aber.

Ein Schild an der Straße weist zum Rock’n’Troll Café, da halten wir spontan an.

Neben einem kleinen Hüttendorf wurde ein lustiger Weg geschaffen, auf dem wir allerlei Interessantes über Elfen und Trolle erfahren.

Auch Elfenwohnungen finden wir hier.

Diese scheinen für besonders großwüchsige Elfen gebaut zu sein, normalerweise sind die Häuschen nun ein Drittel so groß.

Nutzen wir die Gelegenheit, und schauen wir einfach mal rein. Wie leben die Elfen wohl?

Uuunheimlich! Die Elfen haben gar keine Möbel! Stattdessen finde ich jede Menge Knochen. Uuuh.

Auch über Trolle erfahren wir eine Menge. Trolle sind im Allgemeinen harmlose Wesen, die zurückgezogen leben und zumeist Landwirtschaf betreiben. Nur ärgen sollte man die Trolle nicht. Ein Bild zeigt einige doch recht gesellig wirkende Trolle.

Doch am spektakulärsten ist der Troll im Fels am Fluss. Es gibt natürlich eine Geschichte zu diesem Troll. Eine bestimmte Trollgattung, die Nacht-Trolle, können nur nachts hinaus, weil sie bei Sonnenlicht zu Stein werden. Nun hatte sich diese Trolldame in einen Menschen verliebt und die beiden trafen sich zum Schmusen am Fluss. Sie verloren die Zeit aus den Augen, was verständlich ist, und so traf die Trolldame am Morgen der erste Sonnenstrahl und das Ergebnis ist noch heute zu sehen. Bei bestimmten Lichtverhältnissen ist auch noch der Geist ihres Verehrers im Wasserfall gegenüber zu sehen, der nun nicht mehr von ihrer Seite weicht.

Eine trollige Geschichte.

Aber uns zieht es jetzt in Richtung eines Lachsbrots nach Borgarnes und dann fahren wir weiter zu unserem Stützpunkt für die nächsten fünf Tage, nach Selfoss. Hinein! In den Regen! Ach Island.

Beim Eierkochen

Der Tag beginnt vielversprechend mit leichtem Niesel, der später in erfrischenden Sprühregen übergeht.

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass die Isländer in ihrer schönen, sonderbaren Sprache mindestens 20 verschiedene Worte für Regen kennen.

Die Isländer selber sind den Regen ja gewöhnt. Ich gehe jede Wette ein, dass kein einziger Isländer einen Regenschirm besitzt. Was nass wird, trocknet auch wieder. Die Kinder laufen draußen ohne Kapuze mit klatschnassen Haaren rum, für kürzere Strecken braucht man auch keine Jacke. Wir wären morgen krank, würden wir das genauso machen.

Wir fahren in unseren Nachbarort Hveragerði, wo wir uns den Geothermalpark im Ortszentrum ansehen. In Hveragerði gibt es viele heiße Quellen, einfach so, mitten im Ort. Irgendwann ist dann mal jemand nachts in eine brodelnde Quelle reingefallen und wurde durchgekocht, daraufhin hat man einige Quellen eingezäunt und begonnen, Straßenlaternen aufzustellen.

Im Geothermalpark konnte man bis zum Erdbeben 2008 eine ganze Reihe richtig große, in vielen Farben leuchtende Quellen ansehen. Beim Erdbeben lief das Wasser aus allen Quelltöpfen ab und kam erstmal nicht wieder. Eine der leeren Quellen füllte man mit allerlei Müll auf. Als das Wasser nach einem halben Jahr wiederkam, spuckte die Quelle den ganzen Dreck wieder aus und verteilte den Müll im ganzen Ortskern. 2013 lief das Wasser dann erneut ab, und seitdem sind die meisten Quellen wieder trocken.

Ein kleiner Geysir blubbert noch vor sich hin, und beginnt komisch zu schnaufen.

Genau in dem Moment, in dem ich ihn fotografiere, bricht der Geysir etwa mannshoch aus!

Hinten der qualmende Geysir, vorne das Touristenbohrloch. Das Bohrloch wurde irgendwann mal zur Wärmegewinnung installiert und bis in die Siebziger täglich zur Belustigung der Touristen geöffnet, sodass eine dampfende Fontäne emporschoss.

In einem Topf vor der Heizzentrale wird heute für die Touristen (also für uns) Brot gebacken.

Einige Quellen lassen noch etwas heißes Wasser durch’s Gelände fließen, wo Mikroben viele bunte Farben erzeugen.

Wir wärmen uns im Gewächshaus kurz auf, …

… bevor wir zwei rohe Eier erwerben, um diese in kleinen Netzen an Bambusangeln im kochenden Quelltopf zu garen.

Was man eben so macht, wenn’s regnet…

Nach Erreichen des perfekten Garpunkts holen wir uns noch eine Scheibe Roggenbrot und lassen uns das thermalgekochte Ei schmecken.

Den Rest des Tages verbummeln wir in Hafnarfjörður, einem Vorort von Reykjavik, in dessen Stadtpark die meisten Elfen wohnen.

Elfen sind übrigens die ungewaschenen Kinder, die bei einem Besuch von Gott vor diesem versteckt wurden. Dummerweise sagte Gott dann „Was jetzt verborgen ist soll auch verborgen bleiben“, oder so, und so sind die Elfen eben unsichtbar.

Nach dem Besuch des Elfenparks finden wir ein Café mit spektakulären süßen Sachen, wo wir praktisch ein vorgezogenes Abendessen einnehmen. In Hafnarfjörður kam am Nachmittag sogar noch ein wenig die Sonne durch, so haben wir den Regentag doch ganz gut rumgebracht.

Im Tunnel

Der Regen ist heute morgen schon etwas wärmer, daher haben wir uns für eine Tour hinein in einen Lavatunnel entschlossen.

Der Gedanke, dass es dort unten trocken sein könnte war naheliegend, aber falsch. In dicken Tropfen kommt der Regen von der Decke und perlt an unseren Helmen ab.

Das macht aber gar nichts, da die Höhle spannend anzusehen ist, und unser Guide uns super in den Tunnel hinein und auch wieder herausführt.

Der Lavatunnel ist ja durch Lava entstanden, die durch die Felsen hindurchfloss. Die Wände des Tunnels sahen danach alle so aus wie diese. Die Lava hatt die Tunnelwände in Fahrtrichtung zugekleistert. Von oben tropfte geschmolzener Fels der Tunneldecke hinab.

Am Ende des Tunnels probieren wir kurz die absolute Dunkelheit aus, und wie man sich als echter Höhlenforscher nur mit Stirnlampe dort unten so fühlt.

Im oberen Teil des Tunnels sind noch bis zu einem Meter hohe Eis-Stalagmiten zu sehen, die im Winter vom herabtropfenden Wasser gebildet wurden.

In der Höhle hat es konstant um die 4°C, da kommt es einem oben wieder richtig schwül und warm vor.

Wir fahren nach dem Höhlenausflug noch kurz an die Küste, wo wir in einem Hafenort mit riesiger Fischindustrie kurz mal frische Luft schnuppern (es stinkt im ganzen Ort so massiv nach Fisch, es ist kaum vorstellbar). In einem netten Café essen wir das teuerste (aber leckere) Stück Kuchen unseres Lebens und lassen uns einen Cappuccino dazu schmecken. Vormittag gut rumgebracht! Am Abend soll sogar der Regen aufhören…

Am Gullfoss

Da der Regen gegen Abend aufhören soll, machen wir uns am Nachmittag zum Gullfoss auf.

Der Plan: Am Gullfoss werden wir sowieso nass, da ist es egal, ob es auch noch regnet. Danach wollen wir noch weiter zum Geysir, da wäre etwas trockenes Wetter dann angenehm.

Der Vorteil des späten Aufbruchs: Zwar sind wir natürlich auch jetzt nicht allein am Gullfoss, aber die ganzen Busse sind schon durch.

Auf dem Weg runter an die oberen Fälle geht es mitten durch die Gischt.

Der Gullfoss fließt von der Seite in eine Schlucht. Da sind wirklich große Wassermassen unterwegs.

Auch von oben hat man einen tollen Blick.

Der aufmerksame Beobachter sieht: Wir haben mitterweile die Kapuzen abgenommen! Es kommt sogar ganz ganz kurz die Sonne durch und lässt einen schwachen Regenbogen auf der Gischt erscheinen. Unser Plan ist aufgegangen – also auf zum Geysir!

Geysir

Nach unserer kurzen Visite am Gullfoss geht es gleich weiter zum Geysir.

Der Geysir heißt tatsächlich Geysir und ist der Namensgeber der Geysire. Der Urgeysir sozusagen. Leider tut er es nicht mehr allzu zuverlässig und bricht nur noch sporadisch aus, einmal im Jahr oder so. Das ist er, der „Alte“:

Aber der benachbarte Geysir namens Strokkur, der zeigt praktischerweise alle 6-10 Minuten, was er kann. Wir müssen auch nicht lange warten, da bricht er schon das erste Mal aus.

Das besondere am Strokkur ist die Wasserblase, die bei seinem Ausbruch zu sehen ist.

Und so sieht das dann aus:

Klablotsch. Die Blase steigt hoch, und die Fontäne schießt durch sie hindurch.

Mal ist Fontäne etwas höher, mal weniger. Wichtig für den Zuseher ist, sich auf der richtigen Seite des Geysirs zu befinden, nämlich auf der windabgewandten. Ein amerikanisches Paar hat sich da nicht so Gedanken gemacht und die beiden bekommen die volle Ladung auf die Mütze. Beide sind danach gut durchnässt, nehmen es aber offenbar mit viel Humor.

Wir sehen dem Strokkur bei ein paar Ausbrüchen zu, dann schauen wir uns noch die leuchtenden heißen Quellen oberhalb an.

Schöne Farben, die bei Sonne bestimmt noch toller leuchten. Aber wir wollen uns nicht beschweren, ist es doch gerade mal kurz trocken.

Die Isländer zeigen auf ihren Warnschildern einen netten schwarzen Humor.

Nachdem es letztlich auch am Geysir wieder zu regnen beginnt, treten wir die Heimreise nach Selfoss an. Unterwegs beobachten wir, wie die Sonne immer wieder mal durch Löcher in der Wolkendecke einzelne Regionen beleuchtet, wie ein Spot. Dann leuchtet die Sonne unter der Wolkendecke durch und breitet ein tolles Licht aus. Auf dem Parkplatz eines Restaurants machen wir kurz einen Schnappschuss in der (auf Island so selten gesehenen) Sonne, um dann zu erfahren, dass die Küche um 22 Uhr leider schon geschlossen hat.

Wir waren heute eben etwas später dran, da wir uns eher nach dem Wetter, als nach der Uhrzeit gerichtet haben. Die Gefahr, in’s Dunkle zu kommen, besteht ja aktuell nicht. Und so gibt es heute eben statt Restaurant mal Hot Dog und Fish & Chips.

Lava, Sonne, Sonnenbrand: Landmannalaugar

Heute ist zumindest mal etwas trockeneres Wetter vorhergesagt. Also, bis Mittag wenigstens. Das wollen wir nutzen für einen Trip in’s Hochland. Wir stehen extrafrüh auf und sind damit am Sonntagmorgen noch recht allein auf der Straße unterwegs. Auf der zweistündigen Fahrt haben wir durchgehend das Gefühl, aus dem guten Wetter in Richtung schlechtes Wetter zu fahren. Aber das kann sich ja alles noch ändern.

Kurz bevor die asphaltierte Straße aufhört, machen wir noch einen Boxenstopp. So sehen übrigens die meisten isländischen Tankstellen aus. Wobei das hier noch eine Luxusvariante ist, mit zwei Zapfsäulen und Beleuchtung. Oft genug steht einfach nur eine einzelne Zapfsäule da. Und wer braucht schon ein Dach darüber?

Das Fahrzeug ist leider nicht unseres, ansonsten hätten wir eine andere Strecke gewählt. Nach Landmannalaugar führen zwei Pisten, auf einer sind einige Flüsse zu furten. Wir haben zwar Allrad, aber bei 30 cm Wassertiefe dürfte für uns Schluss sein. Daher haben wir uns für die andere Piste, die F208, entschieden, auf der wir trockenen Fußes nach Landmannalaugar kommen sollten.

Nach 35 km Rüttelpiste, durchsetzt durch längere angenehme Sandstrecken, erreichen wir den Punkt, an dem sich die beiden Pisten treffen, und es sind schon nur noch fünf weitere Kilometer. Bei durchschnittlich 40 km/h Geschwindigkeit, die man hier oben so fährt, braucht man schließlich für diese 40 km auch eine gute Stunde.

An einer kleinen Paßhöhe machen wir einen kurzen Stopp, hinter dem nächsten Hügel dürfte aber schon unser Ziel liegen.

Noch sind die Wolken grau hier oben, aber es regnet immerhin nicht. Es liegt noch ein wenig Schnee in den Rinnen, trotzdem sieht man schon die unterschiedlichen Farben der vulkanischen Hügel rund um das Landmannalaugar.

Wir sind angekommen! Diesen Fluss hätten wir mit dem Auto noch furten können, um direkt an den Zeltplatz – den Ausgangspunkt unserer Wanderung – heranzufahren, aber wir parken lieber davor und gehen zu Fuß über die Brücke.

Der Zeltplatz hat etwas von einem Basislager im Himalaya.

Wir starten unsere Wanderung entlang des Bachs, der aus dem kleinen Tal zwischen dem Berg Bláhnúkur vor uns (unserem Ziel) und dem Lavafeld (rechts) herauskommt. Da der Bach mal hier, mal dort lang fließt, gibt es keinen festen Weg – den muss man sich einfach suchen. Immerhin gibt es eine Brücke, um den Hauptarm des Bachs zu überqueren. In der schwarzen Lava des Bláhnúkur können wir auch schon den Pfad erkennen, der uns dann nach oben führt.

Viele Wanderer sind noch nicht unterwegs, nur ein Paar, etwa hundert Meter vor uns, das zunächst die winzige Brücke verpasst hat und uns dann schon wieder entgegen kommt. Ansonsten wären wir an der Brücke wohl auch erstmal vorbei marschiert.

Wir beginnen den Aufstieg, der uns gleich über ein Feld grün leuchtenden Rhyolits herumführt. Wir blicken zurück auf die kleine Brücke, die wir gerade überquert haben, und den Zeltplatz dahinter.

Unter uns das Tal mit dem Bach, gegenüber das Lavafeld. Die Lava ist locker 20 bis 30 Meter hoch. Nach dem ersten Anstieg können wir das Lavafeld schon bald überblicken.

Etwas entfernt dampft eine Fumerole vor sich hin, dahinter der Brennisteinsalda, der „bunte Berg“. Da wollen wir später noch hin.

Unser Weg geht streng bergauf, das Tal wird immer kleiner und die Weite des Tals wird sichtbar. Der Blick zurück und rundum ist einfach nur beeindruckend. Wir ziehen die erste Schicht Jacken aus, denn es sind schon erste blaue Flecken am Himmel über uns zu sehen!

Noch einmal der Blick zurück in Richtung Zeltplatz und hinunter in eine bunte Mondlandschaft. Aufstieg und Ausblick sind in gleichen Maßen atemberaubend.

Ein Wanderer in roter Jacke folgt uns in einigen hundert Metern Abstand, holt aber zunehmend auf.

Simone beschwert sich, dass ich ständig anhalte, um Fotos zu machen. Ich lasse sie in dem Glauben, tatsächlich brauche ich die Zeit zum Luftholen…

Zwischenzeitlich haben wir auch das Paar eingeholt, das uns unten im Tal voranging. Schnell ist klar, dass die beiden auch Deutsche sind und wir ratschen eine ganze Weile und staunen darüber, dass die Zwei mit dem Fahrrad (!) nach Landmannalaugar raufgefahren sind und dort den Regen der letzten beiden Tage im Zelt ausgesessen haben.

Ich will gerade noch eine kurze Rast vorschlagen, da gucke ich um die nächste Kurve und sehe, dass wir tatsächlich schon den Gipfel erreicht haben! Der Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen ist ein Traum und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Etwas windig ist es am Gipfel, aber es scheint nun tatsächlich die Sonne, und wir packen unsere mitgebrachte Brotzeit aus.

Nach der Rast lassen wir uns für ein Gipfelfoto porträtieren.

Mit einem so tollen Wetter hatten wir nun gar nicht mehr gerechnet! Man wird ja mit der Zeit bescheiden, und freut sich schon, wenn es einfach nur nicht regnet. Dem entsprechend hatten wir keinen Gedanken daran verschwendet, uns vielleicht mal mit Sonnencreme einzuschmieren. Und das wird sich heute noch übel rächen…

Aber zum Glück wissen wir das an diesem Punkt ja noch nicht und so gehen wir über den windigen Gipfelgrat, von wo aus sich der Weg wieder nach unten schlängelt.

Hier lachen wir noch, aber kurz darauf gabelt sich der Weg und wir entscheiden uns basierend auf einer falschen Darstellung in unserer Wanderkarte, und einer wenig hilfreichen Empfehlung einer vorbeiwandernden Italienerin, für den steilen Abstieg, direkt den Hang hinunter, wo sich Asche und Lava als recht instabil erweisen. Wir entwickeln eine Technik aus Hacken-in-den-Kies-hauen und nachfolgendem Rutschen, mit der es uns immerhin gelingt, diesen ekligen Pfad abzusteigen, ohne auf dem Hosenboden zu landen.

Gegenüber beobachten wir das andere deutsche Paar, das sich für den anderen, weit besseren Weg entschieden hat.

Unten angekommen stehen wir nun vor dem Problem den Bach zu queren, denn hier hinten gibt es jetzt keine Brücken mehr. Der Schritt über den Fels in der Mitte ist ein ganz schön weiter, und so entscheidet sich Simone für’s Schuheausziehen und watet durch den vom Schmelzwasser erfrischend gekühlten Bach. Zum Glück wartet am anderen Ufer schon unsere Gipfelbekanntschaft mit einem Handtuch.

Wir durchqueren ein kurzes Lava-Labyrinth und kommen bei der großen, dampfenden und nach Schwefel stinkenden Fumerole an. Hier sind wir jetzt auch nicht mehr allzu allein. Vom Gipfel haben wir schon die Ankunft mehrerer Busse in Landmannalaugar beobachtet, und diese Gruppen sind zwischenzeitlich auf dem einfachen Weg durch’s Lavafeld hier hinter gelaufen. Mit etwas Abstand machen wir noch eine Rast in der Sonne, essen einen Apfel und treten dann den Rückweg an.

Vorher genießen wir von einer Anhöhe aus noch den Blick über das Lavafeld.

Hier ein Suchbild: Wanderer in der Lava. Wer findet alle 12?

Der Weg zurück ist breit und schnell zurückgelegt. Ein paar kleine Schneefelder sind noch zu überqueren, dann der Abstieg aus der Lava hinab zum Zeltplatz, wo uns saftiges Grün erwartet.

Der Bach wird diesmal auf einer Planke überquert, obwohl er hier wahrscheinlich gar nicht so kalt gewesen wäre, denn…

… hier gibt es eine heiße Quelle zum Baden. Da herrscht aber aktuell Hochbetrieb, und wir sparen uns das Bad.

Wir trinken dafür einen Kaffee in der Sonne in der „Mountain Mall“ am Zeltplatz, die aus drei alten amerikanischen Schulbussen besteht.

Letztlich gehen wir zurück zum Auto und treten die Heimfahrt an, wieder über 40 km Rüttelpiste und dann noch 100 km Asphalt.

Ein Kondensstreifen weist uns den Weg. Rund um die Sonne kündigt eine Art Regenbogen das Unvermeidliche an: Auf der Heimfahrt beginnt es wieder zu regnen.

Dennoch haben wir von dieser tollen Wanderung drei Dinge mitgenommen: Unvergessliche Eindrücke, einen Muskelkater, und einen Sonnenbrand. Und was für einen…

Im rauchenden Tal

Nachdem wir gestern einen grandiosen Tag erlebt haben, macht es heute gar nichts, dass es den ganzen Vormittag nur regnet.

Wir schlafen aus, gehen etwas einkaufen, und machen uns erst am Nachmittag auf den Weg, nachdem der Regen langsam nachgelassen hat.

Unsere Wanderung führt uns in das „rauchende Tal“ Reykjadalur im Thermalgebiet Hengill. Dort soll man in heißen Quellen baden können.

Nach wenigen Minuten erreichen wir bereits die Badestelle.

In dem Pott blubbert kochender Schlamm vor sich hin. Möglicherweise ist das doch noch nicht die Badestelle.

Der Weg führt uns dann doch noch über eine Stunde talaufwärts, bis wir hinter einem Bergrücken den Dampf aufsteigen sehen.

Wir freuen uns, müssen aber noch weitere 15 Minuten aufsteigen…

… bis wir die heißen Quellen erreichen. Diese hier sind aber knapp am Siedepunkt, da fiele uns wohl binnen Minuten das Fleisch von den Knochen.

Ein kurzes Stück später haben wir dann wirklich die Badestelle erreicht. Sogar die Sonne kommt jetzt heraus!

Aber da sollen wir jetzt wirklich reingehen?

Im unteren Teil dampft der Bach nur ganz wenig und es sind gerade mal zwei Verrückte im Wasser.

Draußen hat es höchstens 8°C und ein unangenehmes leichtes Lüftchen weht auch noch. Die Vorstellung, jetzt die sechs Schichten Wandersachen auszuziehen, ist noch etwas befremdlich.

Wir gehen noch ein wenig bach-aufwärts, und hinter der nächsten Kurve ist schon etwas mehr los. Ein ganzes Grüppchen kommt gerade aus dem Bach und zieht sich bibbernd hinter dem dürftigen Windschutz um. Aber die paar Leute, die da in Badesachen im Bach liegen, sehen ganz zufrieden aus.

Also überwinden wir uns, machen kurzen Prozess und sind schwuppdiwupp im Wasser!

Der Bach hat sowohl heiße, als auch kalte Zuläufe, und so muss man erstmal eine Stelle finden, wo es durchgehend einigermaßen warm ist. An die 40°C anderer Quellen kommt das hier nicht ran, aber wir finden schon ein angenehmes Eckchen. Auch die Vorstellung, bei der Kälte wieder raus zu müssen, lässt uns noch länger im warmen Wasser verweilen.

Was wir nicht wirklich bedacht haben ist, dass der Bach ja nur 30-40cm tief ist, und somit an ein Hinsetzen nicht zu denken ist. Und im Halbliegen wird dann doch ziemlich bald der Kopf ziemlich schwer, so dass wir uns einen Platz nah am Ufer suchen, wo wir den Kopf in’s (feucht kalte) Gras legen können. Rückblickend würde ich sagen: Hier habe ich mir dann wohl die Erkältung geholt…

Während wir im Bach liegen, wechseln sich kurze Schauer mit wärmenden Sonnenstrahlen ab. Dennoch macht das Bad einen Riesenspaß und das Rausgehen und Abtrocknen und Wiederanziehen der sechs Lagen Wanderkleidung ist dann gar nicht so schlimm wie erwartet.

Etwas weiter oben scheint der Bach noch heißer zu sein, das merken wir uns für’s nächste Mal.

Zurück im Tal fallen wir frisch gebadet ins urige Restaurant Skyrgerðin ein, wo es nach meinem Dafürhalten die besten Lammkoteletts Islands gibt.

Nach dem Essen (bis zum Sonnenuntergang ist ja noch ein wenig Zeit) schauen wir noch beim Krater Kerið vorbei, der trotz des bedeckten Himmels schön blau leuchtet.

Und zum Abschluss kommt auch noch mal ein Sonnenstrahl vorbei. Nur leider nicht bei uns. Wer dort hinten wohl wohnt?

Wahrscheinlich hatten hier die Elfen die Finger im Spiel. Und wenn’s die Elfen nicht waren, dann war’s ein Troll.

Morgen müssen wir unser schönes Quartier in Selfoss, in dem wir die letzten fünf Nächte verbracht haben, wieder verlassen. Wir wollen weiter an die Südküste. Auf zu mehr Wasserfällen, und auf zu den Gletschern! Wir sind gespannt…

Am Wasserfall, und im Wasserfall

Der Tag beginnt freundlich und trocken – das sind wir so nicht gewöhnt. Wir fahren an Islands Südküste Richtung Osten, wo einige der schönsten Wasserfälle fast direkt an der Ringstraße liegen.

Erst Halt: Seljalandsfoss. Ein mächtiger Wasserfall, um den man sogar herumgehen kann! Wollen wir natürlich machen, und so ziehen wir die wasserdichten Hosen und die wasserdichten Jacken an und los geht’s!

Hinter’m Wasserfall werden eifrig Fotos für’s Hochzeitsalbum geschossen.

Aber auch vor dem Wasserfall wird eifrig fotografiert.

Dann geht’s an’s Eingemachte: Kapuze auf und los!

Der Seljalandsfoss donnert gewaltig neben uns herab.

Ganz hinten kommt die Gischt von allen Seiten.

Da regnet es einmal nicht – und was machen wir???

Nun gut, die Runde um den Seljalandsfoss haben wir geschafft, beim Spaziergang zum benachbarten Gljúfrabúi kann unsere Kleidung wieder trocknen. Der Gljúfrabúi ist ein etwas versteckter Wasserfall, zu dem sich die meisten Bustouristen schon gar nicht mehr hinbewegen.

Zugegeben: Er ist auch etwas schwieriger zu erreichen. Man muss halt durch den Bach in den Schlitz im Fels hineingehen. „Was soll’s!“ sagt Simone und schon ist sie weg.

Ich folge ihr natürlich. Über einzelne Steine kommt man fast trocknen Fußes hinein. Drin ist es dann aber alles andere als trocken. Eher wie in einer Autowaschanlage.

Es donnert, rauscht, spritzt. Grandios!

Ein Hoch auf unsere neuen Jacken.

Ein Blick zurück, und wir gehen wieder raus, bevor es in der Klamm einen Stau gibt. Ganz allein ist man auch hier nur kurz. Aber immerhin!

Das war super! Auf zum nächsten Wasserfall.

Direkt unterhalb des Vulkans Eyjafjallajökull (allen bekannt) liegt der Skógafoss, ein weiterer Monster-Wasserfall.

Die meisten trauen sich nicht allzu nah ran, die sind wohl wasserscheu…

Wir hingegen…

… sind mit allen Wassern gewaschen.

Nach dieser Erfrischung fahren wir weiter nach Vík, wo wir erstmal brotzeiten. Und natürlich fängt es in Vík auch wieder an zu nieseln, ist ja auch der regenreichste Ort Islands. Aber das macht uns heute gaaar nichts aus!

Der schwarze Lavasandstrand bei Vík erweist sich als eher wenig spannend und so fahren wir bald weiter.

Kurz hinter Vík machen wir noch einen kurzen Abstecher an den Strand, wo diese unscheinbare Höhle…

… von drinnen gesehen eindeutig einen Wikinger zeigt. Wurde von einem Troll erbaut.

Die weitere Fahrt ist streckenweise etwas eintönig. Inmitten einer langgestreckten Ebene kommt der Parkplatz Laufskálavarða, an dem lauter Steinhäufchen stehen. Die Isländer verabscheuen ja die Sucht der Touristen, überall Steinhäufchen aufschichten zu müssen. Aber diese Stelle hier gibt es schon seit über hundert Jahren. Der Sage nach bringt es Glück für die Weiterreise, wenn man hier einen Steinhaufen aufrichtet. Und so stellt die Straßenverkehrsbehörde hier sogar extra Steine zur Verfügung, damit diese Tradition auch weiter gepflegt werden kann.

Etwas später durchqueren wir das weite Lavafeld Eldrhaun. In alle vier Himmelsrichtungen, soweit man schauen kann, nur von Moos bewachsene Lava. Der kurze Wanderweg demonstriert sehr gut, wie unwegsam das Gelände ist, und wie langsam man darin vorankommt.

Letztlich erreichen wir Kirkjubæjarklaustur (oder kurz: Klaustur), wo es bei unserer Ankunft noch trocken war, wir uns daher zu einer einstündigen Wanderung über die Wiesen oberhalb des Orts hinreißen lassen. Natürlich kommen nach zwei Minuten erste Tropfen, nach 10 Minuten leichter Niesel und nach 15 Minuten setzt ergiebiger Dauerregen ein. Wir stoppen kurz beim „Kirchenpflaster“, einer weiteren unglaublichen Laune der Natur, und beenden dann zügigen Schrittes diese Wanderung, und damit auch den Tag. Genug der Wasserfälle. Für heute.

Nasse Füße im Skaftafell

Wir fahren heute in den Skaftafell-Nationalpark, der auf der Karte gleich bei uns um die Ecke liegt, in Wirklichkeit aber eine halbe Stunde Fahrt entfernt ist. Auf der Fahrt blicken wir zuerst auf die weiten Gletscher des Vatnajökull, des mit über 8000 km² größten Eisfelds Islands, das manchmal sogar von den 550 km entfernten Faröer-Inseln zu sehen ist, was sogar einen Weltrekord darstellt.

Es geht 20 Minuten lang nur geradeaus, durch eine nicht enden wollende Schotterebene, die von vielen Gletscherläufen des Vatnajökull geformt wurde. Ein Gletscherlauf entsteht, wenn der Vulkan unter dem Gletscher das Eis so zum Schmilzen bringt, dass abrupt riesigen Mengen Eis und Wasser in’s Tal rauschen. Hier zuletzt geschehen in den Neunzigern. Dabei hat es auch die Straße und alle Brücken davongewaschen, auf denen wir gerade unterwegs sind.

In Fahrtrichtung blicken wir auf den Öræfajökull, einen Vulkan und Gletscher, und dazu auch der mit über 2.100 m höchste Berg Islands. Später lesen wir, dass der Öræfajökull aktuell unter besonderer Beobachtung steht, da sich im November eine Beule aus dem Eispanzer über seiner Caldera empor gewölbt hat, die einen Durchmesser von einem Kilometer misst. Im Februar gab es dann in der Caldera einige Erdbeben, sodass der zuletzt 1728 ausgebrochene Vulkan aktuell auf Warnstufe „gelb“ steht.

Hinter Simone schlängelt sich der Skaftafellsjökull hervor, an dessen Fuße das Visitor Center des Nationalparks liegt.

Etwas daneben bricht der Svínafellsjökull herunter, vor dessen Begehung wegen eines zu erwartenden Erdrutsches aktuell gewarnt wird.

Wir befinden uns also in durchweg sicherem Terrain, halt nur umgeben von einer Gletscher- und Vulkanwelt, die uns jederzeit um die Ohren fliegen kann…

Also ziehen wir die Wanderschuhe an, erkundigen uns kurz beim Ranger über den Zustand unseres Weges (wir werden wohl zwei Bäche furten müssen) und ziehen los!

Direkt am Besucherzentrum war noch die Hölle los, aber die meisten rennen nur den halbstündigen Weg zum Wasserfall rauf und wieder runter. Wir haben uns für eine vierstündige Rundwanderung (auch mit dem Wasserfall als Ziel) entschieden, auf der wir etwas weniger Leute antreffen. Um genau zu sein: Wir haben gar niemanden getroffen. Drei Stunden lang nicht.

Zunächst führt uns der Weg über eine Brücke über die Morsá.

Schön, dass hier eine Brücke ist, aber irgendwie führt die Brücke in’s absolute Nichts.

Wir folgen dem Nichts entlang des markierten Wegs. Einen Pfad oder so gibt es meistens nicht, wir marschieren einfach von Pflock zu Pflock.

Eine gute Stunde geht es quer durch die Schotterebene, auf den eingangs erwähnten Gletscher des Vatnajökull zu.

Manchmal ist der Weg leichter zu finden…

… manchmal ist er auch wieder schwerer zu finden. Wo ist der Pflock?

Nachdem wir um einen Bergrücken herumgelaufen sind, öffnet sich der Blick hinein in’s Tal und wir schauen direkt auf den (wenn auch noch einige Kilometer entfernten) Morsárfoss, den Wasserfall im Gletscher Morsárjökull. Der untere Teil des Gletschers ist meterdick von Erdreich bedeckt, hier ist erst kürzlich (bedeutet in Gletscherzeit: vor wenigen Jahren) ein massiver Erdrutsch niedergegangen. Immerhin schmilzt nun das Eis darunter etwas langsamer, was auch sein Gutes hat, gehen doch auch die Gletscher auf Island massiv zurück. Ab und zu hören wir es leise grummeln und sehen, wie Schnee und Eis vom oberen Teil des Gletschers auf den unteren herabrieseln.

Wie gesagt, alles sicheres Terrain hier. Man sollte halt nur nicht gerade in dem Moment vor Ort sein, in dem der Berg abrutscht.

Nach langem Marsch durch den Schotter dürfen wir uns nun durch nicht enden wollende Lupinenfelder schlagen.

Auch wenn heute morgen kurz die Sonne herauskam, mittlerweile ist es eher bedeckt, aber trocken. Nur unsere Hosenbeine werden langsam nass, weil die hüfthohen Lupinen noch recht feucht sind, und so sehr in den Weg rein wachsen.

Schließlich haben wir das Tal durchquert und erreichen die erste Furt. Der Bach ist flach, aber breit, da kommt man leider nicht mit einem längeren Schritt drüber. Simone will schon die Schuhe ausziehen, da schlage ich vor, es etwas weiter unten zu versuchen, wo der Bach sich verzweigt und etwas schmäler aussieht. Wir laufen vielleicht 10 oder 20 Meter flussabwärts und …

… können unseren Augen kaum trauen! Da hätten wir fast die Schuhe umsonst ausgezogen. Der Bach fließt hier nämlich um die Ecke und versickert einfach! Es ist unfassbar. Anstatt durch’s Wasser zu waten, gehen wir einfach drum herum. Links ein auf uns zu fließender Bach. Rechts davon: Nichts mehr. Trocken!

Ein Lupinenfeld später hat es uns dann aber doch eingeholt: Der nächste Arm des Bachs versickert leider nicht, ist zehn Meter breit und bis zu 20 cm tief. Da hilft es nichts: Schuhe aus, Luft anhalten, und durch.

Erfrischt am anderen Ufer angekommen setzen wir uns in’s Kiesbett und packen unsere Brotzeit aus.

Aber wir wären nicht in Island, würde nicht … ja, würde nicht in genau diesem Moment ein plötzlicher heftiger Regen einsetzen. Wir sind fassungslos, legen unsere Semmeln in den Regen und werfen uns in höchster Geschwindigkeit in unsere Regenkleidung. Im Stehen, die Kapuze tief in’s Gesicht gezogen, essen wir unsere leicht angeweichten Sandwiches zu Ende. Es ist ein einzige Frechheit. Eine F-r-e-c-h-h-e-i-t.

Na gut, bald nieselt es nur noch leicht, und der Ausblick entschädigt wieder ein wenig.

Wir treten den Rückmarsch an und durchqueren erneut die weite Steinwüste.

Letztlich erreichen wir wieder die Morsá, die wir hier auf einer verwegenen Hängebrücke überqueren können.

Wir steigen jetzt durch’s Grüne auf, bis wir von einem Aussichtspunkt aus unseren bisherigen Weg überblicken können. Ganz da hinten waren wir, da haben wir dan Bach gefurtet, da hat es angefangen zu regnen. Rechts vorn ist die Brücke zu erkennen.

Es nieselt jetzt nur noch abschnittsweise und in unserer Regenkleidung wird es nun von innen nass, so sehr schwitzen wir beim Aufstieg.

Zum Glück führt der Weg kurz auf Holzplanken über ein Moor, wo wir kurz anhalten und uns mal eben die Schuhe und die Regenhosen ausziehen. Kommt ja eh niemand vorbei.

Etwas später hat uns die Zivilisation dann wieder, wir erreichen den Svartifoss, einen der meistfotografiertesten Wasserfälle Islands. Immerhin muss man sich ein wenig anstrengen, um zum Svartifoss zu kommen, man muss ein paar hundert Höhenmeter rauf, und so steht der Wasserfall nicht im Programm der Island-an-einem-Wochenende-Bustouren, was uns auf der kleinen Aussichtsplattform sogar ein wenig verweilen lässt.

Gemütlich schlendern wir wieder zu unserem Ausgangspunkt herab und beenden den Tag mit leichtem Muskelkater, frisch gewaschenen Füßen und einem leckeren Fischessen in Klaustur.

Gletschertag: Am Jökulsárlón

Der Tag beginnt mit gutem Wetter und der Erkenntnis, dass wir seit drei Tagen ein Zimmer mit Blick auf den höchsten Berg Islands bewohnen – der war nur bisher nie zu sehen.

Ein solches Wetter muss man natürlich nutzen, und so starten wir zeitig – jedoch auch, da wir eine Rundfahrt im Amphibienfahrzeug auf der Gletscherlagune Jökulsárlón gebucht haben. Zwar ist noch etwas unklar, ob diese stattfinden kann – der Wetterdienst warnt vor Sturm in Südisland – aber hinfahren wollen wir so oder so.

Am Jökulsárlón kalbt der Vatnajökull in den See, das Eis treibt dann über den See zum gegenüberliegenden Abfluss, um von dort über einen wenige hundert Meter langen Fluss direkt in’s Meer entlassen zu werden.

Um es vorweg zu nehmen: Das ist – vor allem bei diesem Wetter heute – der fantastischste Ort ganz Islands.

An der Lagune angekommen ist es windstill und es steht noch ein mystischer Morgennebel über dem See (Elfen! Trolle!).

Da kommt schon unser Amphibienfahrzeug für die Runde auf dem See.

Wir gehen früh an Bord, um uns einen guten Platz zu ergattern, aber tatsächlich sind wir nur eine Handvoll Passagiere – da ist wohl eine Gruppe heute morgen zu spät aufgestanden und hat die Abfahrt verpasst. Uns soll’s Recht sein.

Wir fahren einen kurzen Bogen über Land und zack, sind wir im Wasser, und treiben zwischen haushohen Eisbergen.

In dieser Eiswelt fallen die in der Relation zum Drumherum winzig kleinen Boote kaum auf.

In der Lagune leben auch etliche Seehunde, einer von ihnen treibt auf einer Eisscholle an uns vorbei. Er guckt kurz auf…

… entscheidet dann aber weiterzudösen.

Unsere Guides fischen einen Brocken Eis aus dem See, damit wir mal echtes hundert Jahre altes Gletschereis verkosten können.

Weiter geht’s durch skurile Eisformationen.

Im Hintergrund der höchste Berg Islands, der Öræfajökull, den wir gestern schon von der anderen Seite aus bestaunt haben.

Aus dem Gletschersee fährt das Eis unter der Straßenbrücke hindurch auf’s offene Meer hinaus. Der See friert eigentlich nie zu, da er durch die Verbindung zum Ozean einen gewissen Salzgehalt aufweist. Um auf dem See dennoch den James-Bond-Film „Die Another Day“ drehen zu können, hat man seinerzeit den Abfluss mit Sandsäcken blockiert und den See zufrieren lassen!

Die Hängebrücke ist wie viele Brücken auf Island einspurig. Die Fahrbahn spannt sich aber leicht bogenförmig über den Fluss, was zur Folge hat, dass man beim Einfahren auf die Brücke nicht sieht, ob jemand entgegen kommt. So musste ich heute morgen schon die halbe Brücke nochmal im Rückwärtsgang zurückfahren.

Wieder an Land gehen wir noch am Ufer spazieren und machen viele, viele weitere Fotos. Der letzte Nebel hat sich mittlerweile aufgelöst.

Der riesige Gletscher im Hintergrund.

Etwa in Bildmitte klitzeklein ist wieder ein Amphibienfahrzeug unterwegs. Die Boote werden stets von einem Schlauchboot mit Außenborder eskortiert. Sollte doch mal jemand in’s Wasser fallen, wäre der Geleitschutz dann gleich zur Stelle und könnte auch weit schneller wieder an’s Ufer zurück gelangen, als die behäbigen Amphibienboote.

Auch mit dem Kajak kann man losziehen.

Ein Panorama des ganzen Sees: Rechts hinten fließt der Gletscher hinein, links ist der Abfluss.

Nochmal ein Blick zurück.

Ein Eisgespenst.

Während ich weitere Eisberge fotografiere, ruft Simone „Dort!!“ und zeigt auf einen Mehrfamilienhaus-großen Eisberg, der sich gerade umdreht und dessen dunkelblaues, fast schwarz wirkendes Eis von unten an die Oberfläche hoch kommt. Vom Baden in der Nähe von Eisbergen ist wirklich abzuraten.

Was für ein Start in den Tag! Aber es wird noch besser. Gleich wollen wir noch vor an den Strand, sehen, was aus den Eisbergen dort draußen auf dem Meer wird…

Gletschertag: Am Strand

Nach unserem Besuch an der Lagune folgen wir dem Eis auf seinem Weg ins Meer.

Laufend fahren kleine Eisbrocken und Eisberge durch den kurzen Kanal vom See zum Ozean. Die Strömung zieht sie zügig ein Stück die Küste entlang und schiebt sie dann an den Strand.

Dort landen dann kleine und größere Eisbrocken und lassen den schwarzen Lavastrand wirken, als hätte jemand (= Trolle) Diamanten verstreut.

Ein kurzes Stück fahre ich mit.

Nein nein, der saß fest am Strand auf.

Soweit das Auge reicht, liegt Eis am Strand.

Und das Wetter ist grandios. Wir beschließen immer wieder, jetzt aufzuhören zu fotografieren und nur so noch ein wenig den Strand weiter zu gehen, aber dann liegen wieder ein paar Brocken besonders fotogen in der Brandung.

Mit Brocken meine ich das Eis. Simone aber auch sehr fotogen.

Will man sich in der Brandung fotografieren lassen, muss man schnell sein …

… und ein Auge auf den Wellen behalten.

Der Gletscher direkt hinter dem Strand.

Immer größere Brocken werden angespült.

Wir holen uns unsere Brotzeit und picknicken im warmen schwarzen Sand.

Zwei Italiener sind offensichtlich lebensmüde und wollen ins Wasser gehen, aber jemand spricht sie an und redet auf sie ein, bis sie von ihrem Unterfangen ablassen. Wo Eisblöcke so groß wie Omnibusse, und so schnell wie Omnibusse, vorbeifahren, ist Baden halt keine gute Idee. Mag schon sein, dass die See sie einige hundert Meter westwärts wieder an den Strand gespült hätte. Aber als Eisklötze halt.

Froh, dass wir jetzt nicht Zeuge einer aussichtslosen Rettungsaktion werden mussten, beenden wir unser Picknick und dösen noch ein wenig in der warmen Sonne. Doch das war der Gletscher für heute noch nicht genug! Es geht noch weiter…

Gletschertag: Noch mehr Gletscher

Strandspaziergänge sind schön, aber wir wollen heute auch noch etwas Wandern gehen. Also machen wir uns wieder auf den Weg, aber nicht ohne noch einmal an der Lagune vorbeizuschauen.

Sitzt man windgeschützt, ist es heute richtig sommerlich. 17°C ist es warm, das ist unser Rekord für diesen Urlaub (und wird es auch bleiben).

In direkter Nachbarschaft zum Jökulsárlón liegt der Fjallsárlón, ein weiterer Gletschersee.

Hier kommt man etwas näher an den Gletscher selbst heran und sieht sehr schön seine Struktur und die tiefen Spalten.

Ein paar Kurven später fließt der Kviarjokull durch ein Tal hinunter. Gletscher über Gletscher.

Doch auch das ist uns nicht genug! Gleich geht es weiter…

Gletschertag: Abschluss

Was für ein Tag! Nach all den Eisbergen machen wir jetzt noch eine letzte Wanderung im Skaftafell-Nationalpark, da wo wir gestern schon unterwegs waren. Unser Ziel ist ein Aussichtspunkt hoch über dem Skaftafellsjökull.

Während wir beim etwa einstündigen Aufstieg mächtig ins Schwitzen gerieten, empfängt uns oben ein scharfer kalter Wind.

Aber die Aussicht über die Gletscherzunge ist es wert.

Bald sind wir auch wieder im Windschatten und machen noch eine gemütliche Rast in der Sonne mit Blick über den Vatnajökull.

Der Rückweg führt uns noch einmal am Svartifoss vorbei, wo wir gestern schon bei bedecktem Himmel waren. Natürlich lassen wir uns das aber bei diesem Wetter heute nicht entgehen und laufen noch einmal den kleinen Umweg bis zum Wasserfall.

Zurück im Tal beenden wir den Tag mit einem Kaffee in der Nachmittagssonne. Es ist wun-der-bar. 🙂

Letzter Tag: Tschüß Island

Nach einem Traumtag gestern – dem ersten Tag an dem es nicht ein einziges Mal regnete – fällt es uns heute leicht, die Rückfahrt anzutreten.

Am Morgen gehen wir noch ein letztes Mal auf den Aussichtspunkt vor unserem Hotel.

Dann stoppen wir noch kurz bei den Basaltsäulen auf halbem Weg vom Hotel nach Klaustur, dem 20 Minuten entfernten nächstgelegenen Ort. Hier sind wir die letzten Abende immer noch vorbeigefahren, auf dem Weg zum Abendessen (Gestern gab es lecker Lachsforelle). Aber immer hat es geregnet. Heute scheint die Sonne. Ich gebe mir alle Mühe, dennoch gelingt es mir nicht, die Säule aufzurichten.

Ein Blick zurück zum Öræfajökull, der jetzt gerne ausbrechen darf. Wir sind weit genug weg.

Gegenüber liegt Foss á Síðu, auch an diesem Wasserfall sind wir nun schon ein paar Mal bei Regen vorbeigefahren. Vorgestern hat es hier so geschüttet, dass sogar noch ein zweiter Wasserfall über die Kante stürzte.

Mit dem Bild vom schönen Wetter will ich meinen Reisebericht dann mal abschließen.

Bis nach Kevlavik waren es noch ein paar Stunden zu fahren, und spätestens bei Vík hatte uns der Regen wieder eingeholt. Nachdem wir unseren Mietwagen abgegeben hatten, wärmten wir uns noch im heißen Hotelpool unter freiem Himmel etwas auf, ließen uns einen Lachs in Mango-Koriander-Lake und leckere Fisch-Tacos schmecken, und machten uns bereit für unseren frühen Abflug am nächsten Morgen.

Liebes Island: Etwas weniger Regen hätte auch gereicht.

Aber der Rest war super.

War halt: Nicht der Süden.

Lago Maggiore

Angekommen: In Locarno essen wir das erste Eis am Lago.

Von Intra aus besuchen wir die Gärten der Villa Taranto.

Danach laufen wir rund um die Halbinsel nach Pallanza und fahren mit dem Schiff wieder zurück.

Eines Abends mogelt sich ein Besucher in unser Badezimmer.

An der Fischerinsel vorbei steuern wir die Isola Bella an.

Von der schönsten der Borromäischen Inseln blicken wir zurück über die Isola Madre nach Pallanza und Suna, wo wir wohnen.

Auf der Isola Bella besichtigen wir natürlich den Palast und dessen Gärten.

Wir blicken hinüber nach Stresa.

Im Gartencafé gönnen wir uns einen kleinen Brotzeitteller.

Danach fahren wir noch auf einen Cappuccino hinüber auf die Isola dei Pescatori, die „Fischerinsel“.

Abends gibt es immer etwas Leckeres.

Unter dieser Barolo-Soße verbirgt sich ein ein Pfund schweres Rindersteak.

Morgens frühstücken wir immer auf unserer Terrasse mit Blick hinunter auf den See.

Ein Ausflug führt uns zum Lago d’Orta.

Von Orta San Giulio haben wir einen schönen Blick auf die Isola San Giulio.

Danach gehen wir in Arona ein halbgefrorenes Tiramisu essen.

Am Tag unserer Weiterreise besuchen wir noch Stresa, wo man uns in einer kleinen Osteria ein Brotzeitbrettl auf den Tisch stellt.

Nach dem Spaziergang an der Uferpromenade und Inspektion des altehrwürdigen Grand Hotel des Iles Borromees

… verabschieden wir uns von diesem Lago und fahren weiter zum nächsten Lago.

Lago di Como

Nach dem Umzug vom Lago Maggiore nach Como haben wir uns nun erstmal ein schönes Abendessen am neuen Lago verdient.

Von unserer Unterkunft sind es nur ein paar Minuten leicht bergab bis zum Duomo.

Schon am ersten Abend stellen wir fest, dass Como ein lebendiges, buntes Städtchen ist.

Den ersten Tag verbringen wir damit, Como zu erforschen. Die Innenstadt ist von der alten Stadtmauer umgeben und hier kann man tagelang herumlaufen, einkaufen, kaffeetrinken, über den Markt gehen, noch einen Kaffee trinken, Haselnüsse kaufen, ein Eis essen…

Am Nachmittag gehen wir noch die schöne Promenade bis zur Villa Olmo vor und schauen hinüber nach Brunate, das ist der Ort oben am Berg über Como. Bei Como macht der Lago einen kleinen Knick, sodass wir erst von hier weiter den See hinaufblicken können.

Tags drauf fahren wir mit dem Zug nach Mailand. Dort ist der Duomo etwas größer als in Como.

Die Galeria Vittorio Emanuele II sind natürlich ein Pflichtprogramm.

Ein verspiegelter Ausstellungskubus in der Mitte der Galeria bietet sich für ein Selbstbildnis an.

Wir steigen dem Dom aufs Dach.

Zurück in Como essen wir Schwertfisch, wie wir noch nie Schwertfisch gegessen haben (geschmacklich, aber auch mengenmäßig).

Anderntags nehmen wir das Schiff und fahren, auf Como zurückblickend, …

… erst mal nach Cernobbio, wo wir uns in der lokalen Bäckerei mit Focaccia ausstatten …

… und dann aufs nächste Schiff nach Bellagio warten.

Die Fahrt nach Bellagio dauert gut zwei Stunden, aber bei den tollen Ausblicken an die Ufer und zu den Wolken, wird uns nicht langweilig.

An einigen kleinen Orten legen wir an …

… und wieder ab, und bestaunen die Villen am Ufer, hier die Villa del Balbianello.

Das alte Grand Hotel von Tramezzina hat sogar einen Pool im See schwimmen.

Jetzt müssen wir den See nur noch einmal queren. Vor uns liegt endlich unser Ziel, Bellagio.

Bellagio ist nicht umsonst der Inbegriff eines italienischen Städtchens. Die steilen kleinen Gassen zu erkunden macht großen Spaß.

Hier hätten wir natürlich auch übernachten können.

Wir trinken einen Crodino im Schatten …

… und laufen ein Stück am Lungolago in Richtung Lido.

Es gäbe sogar freie Immoblien.

Am frühen Abend nehmen wir das Schiff zurück nach Como. Da das Schnellboot schon ausgebucht ist, schippern wir gemütlich in zwei Stunden nach Hause. Ein letzter Blick zurück nach Bellagio.

Während die Sonne langsam tiefer sinkt, taucht sie die Ufer an der Ostseite noch einmal in sehr schönes Licht.

Kurz vor Sonnenuntergang passieren wir wieder Cernobbio, was bedeutet, dass wir nun bald daheim sind.

In Como erwartet uns der Duomo und ein feines Abendessen in einem schönen Hinterhof. Zum Glück sitzen wir unter der Markise, denn kaum sind wir im Lokal angekommen, beginnt ein heftiges Gewitter. Und Gewitter in den Bergen haben ganz schön Bums. Ein Steinpilzrisotto später hört der Regen aber schon wieder auf.

Einen Tag haben wir noch, da fahren wir (diesmal mit dem Auto, ist schneller) rauf nach Lenno und sehen uns die Villa del Balbianello nebst Gärten von innen an.

Vor der Kapelle warten wir auf unsere Führung, die uns sehr lebendig das Leben des letzten Besitzers der Villa, dem Weltenbummler Guido Monzino, nahebringt. Die Kapelle ist schon lange keine solche mehr. Ursprünglich Teil eines Klosters hat sich seinerzeit der Herr Kardinal dieses Anwesen unter den Nagel gerissen, die Villa gebaut, und als ihm der Ausblick vom Balkon noch nicht genug war, hat er auch noch die Kapelle zum Wohnraum umfunktioniert.

An der See-Pforte wird gerade eine Hochzeitsgesellschaft abgeladen. Von hier aus fahren wir nachher zurück zum Hauptort. Nicht, weil man die paar hundert Meter nicht laufen könnte, eher weil’s einfach schön ist.

Von den verschiedenen Terrassen hat man wunderbare Ausblicke auf den See, im Hintergrund ist Bellagio zu sehen.

Die Bäume im Garten werden traditionell wie große Schirme geschnitten.

Nach unserem Besuch in der Villa del Balbianello heißt es nun Abschied nehmen. Wir packen unser Sach und fahren zum Adio-Sagen mit der über hundert Jahre alten Standseilbahn rauf nach Brunate.

Oben angekommen wandern wir noch eine Etage höher bis zu Voltas Leuchtturm. Der Faro wurde zum 100. Todestag Voltas errichtet, und das ist nun auch schon bald wieder 100 Jahre her.

Der Blick vom Turm entschädigt uns fürs Schwitzen beim Aufstieg.

Zurück in Brunate blicken wir ein letztes Mal hinab auf Como, stärken uns mit Mozzarella und Tomaten und sagen dann endgültig Adio.

Bergamo

Am Nachmittag erreichen wir Bergamo. Ein erstes Gelato gönnen wir uns unten in der Neustadt, der Città Bassa. Hier wohnen wir auch. Dann stürmen wir hungrig hinauf in die Città Alta, die 150 Meter höher gelegene Altstadt.

Die Stimmung auf der Piazza Veccia ist unvergleichlich.

Wir finden auch gleich einen Tisch in einem der vier Lokale am Platz und essen eine wunderbare Pasta.

Die Privatkapelle der Familie Colleoni …

… ist reichhaltiger geschmückt als der daneben liegende Duomo.

Entlang der „Hauptstraße“ in der Altstadt gibt es schöne Cafés, Bäckereien, und lustige Läden.

Da gerade eine Art Gartenfestival stattfindet, ist die Piazza Veccia – wie viele andere Orte in der Stadt – mit viel Grün geschmückt und mit zusätzlichen Lampen und Möbeln zu einer Art Wohnzimmer umgebaut.

Bei Tag sehen wir uns die Altstadt noch einmal genauer an.

Auf der Piazza wurde gerade gegossen.

Unter den Lauben haben Designer von Gartenmöbeln ihre Kollektion ausgestellt, da kann man es sich richtig gemütlich machen.

Die Cappella Colleoni, vom Rathaus aus gesehen.

Wir entdecken einen Laden der nur Focaccia hat und lassen uns ein Stück mit der großen Schere herausschneiden. Als kostenlosen Nachtisch bekommt jeder ein Stück Oliven-Focaccia oben drauf.

Dann ruhen wir uns auf der Piazza aus. Jeden Tage mindestens zwei Mal die 150 Höhenmeter von der Unterstadt in die Altstadt rauf- und wieder runterlaufen – da tut man schon ganz schön was.

Doch heute sind uns diese 300 Meter nicht genug, wir packen nochmal 200 drauf und steigen auf zum Castello. Von hier blicken wir zurück auf die Altstadt und hinunter ins flache Land. Bergamo liegt perfekt direkt am Beginn der Alpen. Sehr, sehr schön. Schade, dass wir nach zwei Tagen schon wieder abreisen müssen. Vorher kaufen wir natürlich noch Polenta und Steinpilze ein.

Abschluss am Kalterer See

Wir beschließen unsere Italienreise mit einem Stopp am Kalterer See.

Bei schwüler Hitze steigen wir auf zu Rastenbachklamm. Zuerst geht’s nur bis zum Wasserfall.

Dann durch die Klamm empor.

Von oben öffnet sich der Blick runter auf den Kalterersee.

Von der Ruine von St. Peter …

… sehen See und Weinberge noch schöner aus.

Zur Abkühlung geht’s dann hinunter an den Lago.

Das war es dann also: Drei Lagos, einer schöner wie der andere. Nur in einem schwimmen gewesen. Überall den Bauch vollgehauen. Auf Märkten eingekauft, durch Gassen gelaufen. Schifferl gefahren, Villen und Gärten besucht. Einsamkeit auf dem Berg und Trubel in der Großstadt genossen. War schön. 🙂

Mauritius – Le Morne

Die ersten Tage auf Mauritius sind mit diesem Bild ganz schnell beschrieben:

Kaum angekommen, schälen wir uns bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit aus unseren langen Hosen und marschieren direkt in’s Meer.

Am Strand direkt vor unserem Hotel herrscht eine wunderschöne Ruhe. Wir teilen uns den Strand und den Schatten unter den Palmen mit nur einer Handvoll Leute.

Der Tagesablauf umfasst Rumliegen, Baden, Schnorcheln, Rumliegen, Dösen, lange Strandspaziergänge, anschließendes Rumliegen und Dösen und erneutes Baden.

Unser „Stammplatz“ im Schatten einer Palme ist nur ein paar Meter vom Wasser entfernt. Gegen 18 Uhr werden die Schatten länger, wir gehen dann zum Sonnenuntergang gucken noch auf einen frischen Saft an die Strandbar runter.

Über dem Pool leuchtet unser Hausberg, der Le Morne Brabant, in der Abendsonne.

Schließlich geht die Sonne entweder hinter den letzten Wolken oder direkt am Horizont unter. In kurzer Zeit wird es dunkel und später ist es gar so klar, dass wir die Milchstraße über uns leuchten sehen.

So lässt sich gut in den Urlaub starten.

Maha Shivaratri am Grand Basin

Nachdem wir schweren Herzens aus Le Morne abgereist sind, und unser nächstes Quartier in Flic-en-Flac (etwa eine Stunde nach Norden die Küste hinauf) bezogen haben, ist es jetzt wirklich Zeit für einen Ausflug.

So schön die ersten Tage am Strand waren, so sehr wir die Ruhe und den Frieden dort genossen haben, haben wir nun doch auch wieder Lust auf etwas mehr Leben.

Da kommt gerade Recht, dass in zwei Tagen einer der wichtigsten hinduistischen Feiertage, das Maha Shivaratri, die Nacht der Shiva, stattfindet. Auf Mauritius findet sich oben in den Bergen am Kratersee Grand Basin die größte hinduistische Pilgerstätte außerhalb Indiens. Dort wandern jedes Jahr unglaubliche 400.000 Pilger hin. Vor allem strömen sie aus allen Ecken der Insel, bis zu 70 Kilometer zu Fuß hinauf zum Grand Basin.

Der Feiertag ist zwar erst am Montag, also übermorgen, aber auch am Samstag herrscht schon Hochbetrieb auf dem Weg hinauf in die Berge.

Wir haben uns extra entschieden, schon heute hinaufzufahren, weil wir ja keine Ahnung haben, ob man am Feiertag überhaupt eine Chance hat, in die Nähe des Pilgerziels zu kommen (also, mit dem Auto, ähem…).

Noch viele Kilometer vom Ziel entfernt, treffen wir die ersten Pilger. Zuerst kleine Grüppchen auf der Landstraße, dann immer mehr unterwegs von Ort zu Ort.

Da sich Fußgänger und Autofahrer auf Mauritius die Straßen ohnehin in besorgniserregenden Maßen teilen müssen, ist es ganz normal, dass die Pilger einfach zu Fuß auf der Straße unterwegs sind, und dass die Autos irgendwie um sie herum kurven.

Irgendwann schert hinter uns ein Kleinbus mit einem großen Lautsprecher im Kofferraum ein, aus dem permanent indisches Hindugedudel strömt, und so gleiten wir mit passender musikalischer Untermalung durch die Pilgerströme und sehen uns die wunderbar dekorierten Gottheiten an, die die Pilger ‚gen Kratersee schleppen.

Das ganze ist bei allem Durcheinander doch gut organisiert. Polizisten winken hektisch den Verkehr durch, Helfer halten Getränke und Stärkungen für die Pilger bereit, Zelte am Straßenrand spenden Schatten.

Natürlich brauchen wir für die letzten 10 Kilometer eine knappe Stunde, aber eine spannende. Letztlich wissen wir nicht, was hier als nächstes passieren wird, wo die alle genau lang wollen, wie viele es noch werden, und ob wir an irgendeinem Punkt wieder zurückgeschickt werden.

Zum Glück lässt man uns aber immer überall durch, und so landen wir oben am See auf einem großen Parkplatz, wo wir tatsächlich problemlos parken können. Dann folgen wir einfach den Massen.

Ein bisschen eigenartig ist es natürlich schon, quasi als Außenstehender ein solches Fest zu besuchen. Dem Vernehmen nach sind die Hindus aber ein aufgeschlossenes Völkchen und freuen sich über Besuch in ihren Tempeln, solange man sich nicht daneben benimmt. Stellt sich nur noch die Frage, was das genau bedeutet…

Da wir ja nichts falsch machen wollen, haben wir trotz der Hitze heute auf Shorts verzichtet und sind in Flipflops unterwegs, sodass wir im Tempel schön die Schühchen ausziehen können. Wir merken schon bald, dass wir als Besucher hier in der Menschenmenge einigermaßen untergehen und praktisch kaum beachtet werden. Die Pilger haben ganz schön Weg hinter sich und noch einiges an Programm vor sich und haben besseres zu tun, als uns kritisch zu mustern.

Ein paar Kinder rufen uns kichernd „Hello, how are you?“ zu, eine Oma drückt uns etwas in die Hand, das sich als Sandelholz herausstellt. Gut, dass wir es nicht gleich in den Mund gesteckt haben… Wortlos werden wir um ein Räucherfeuer herum gelotst, wo wir nach weiterer wortloser Instruktion die Holzspäne endlich mit der rechten, nicht mit der linken Hand ins Feuer werfen. Dann bekommen wir einen kleinen roten Drops geschenkt, den wir erneut zum Glück nicht gleich in den Mund schieben, es ist wohl eher so gedacht, das man sich das Kügelchen auf eine Schnur aufreiht und um den Hals hängt.

Wir versuchen weiter, nicht all zu sehr im Weg zu stehen und sehen zu, wie oben am Tempel Obst und Gemüse als Opfer abgelegt werden, Glocken geschlagen und Räucherstäbchen entzündet werden.

Die Legende besagt, dass Shiva, Gott der Zerstörung, nebst Gattin die Erde umkreiste und dabei den heiligen Fluss Ganges auf dem Kopf balancierte. Einige Tropfen des Ganges verschüttete Shiva dann bei der Landung auf der Erde, und so entstanden heilige Orte wie der Kratersee am Grand Basin.

Shiva sah nun voraus, dass irgendwann einmal Inder nach Mauritius kämen, und dann zum heiligen See pilgern würden, der ja quasi genauso heiliges Wasser enthält, wie der Ganges selbst.

(Tatsächlich liegt ja Mauritius im Indischen Ozean, und der Ganges mündet in selbigen, und somit ist in jedem Tropfen Meereswasser auch ein wenig Ganges drin. Aber der See hat natürlich mehr als diese homöopathische Dosis zu bieten.)

Rund um den See stehen nun Opfertische, auf denen die Gläubigen ihre mitgebrachten Gaben zunächst sorgfältig auf Silbertabletts zurechtlegen, und dann dem heiligen Ort übergeben. Schließlich gießen sie noch aus mitgebrachten Silberkännchen Milch in den See, und nicht wenige nehmen sich auch etwas heiliges Wasser wieder mit nach Hause.

Während der Zeremonie halten sich die Famlienmitglieder einander an der Schulter, sodass das Glück oder Kraft auf alle übergeht.

Während dieses Ritual an hunderten kleinen Altaren oder Opfertischen rund um das Ufer des Sees wieder und wieder vollzogen wird, fischen Helfer das ganze Gemüse mit Laubrechen wieder aus dem Wasser, damit der heilige See bis zum nächsten Maha Shivaratri nicht umgekippt ist.

Schließlich finden sich auf dem Gelände noch jede Menge kleine Tempel und Figuren weiterer Gottheiten, bei denen nach Bedarf ein Räucherstäbchen angezündet, oder eine Zeremonie vollzogen wird.

Die Freude über die vielen Opfergaben liegt an diesen Tagen vor allem auf Seiten der hiesigen Affen, welche freiwillig bei der Beseitigung des organischen Unrats mithelfen. Die ein oder andere Kokosnuss wird ihnen aber auch extra hingelegt, damit sie sich aus dem Wald raus trauen.

Leider sind diese Langschwanzmakakken aber doch recht scheu.

Mit Erleichterung stellen wir fest, dass auch die Mauritier Freude daran haben, die Affen hervorzulocken. Hätte ja auch sein können, dass sie uns ansehen, wie wir jemanden ansehen, der im Englischen Garten begeistert die Spatzen fotografiert…

Von einem höher gelegenen Tempel aus haben wir nochmal einen guten Überblick über den See.

Während es hier oben in den Bergen zuerst angenehm unter 30 Grad warm war, fängt es nun kurz an ein wenig zu regnen, was die Luftfeuchtigkeit wieder aufs Maximum treibt.

„Komischer Kerl“ (denkt sich der Affe gerade).

Letztlich landen wir hinter den Tempeln, wo dann der lautere Teil der Feier beginnt. Hier zeigen die oft jungen Pilgergruppen aus den vielen Tempeln im Land ihre mitgebrachten Statuen (die besten werden später prämiert) und lassen auf riesigen Lautsprecherboxen indische Popmusik laufen.

Die Figuren sind interessant anzusehen, auch wenn wir meistens natürlich keine Ahnung haben, welche Götter sie so darstellen. Alles ist aufwändigst mit Blüten geschmückt.

Einige Arrangements sehen aus wie Karnevalswägen, nur halt ohne Räder drunter, denn diese teils hunderte Kilo schweren Aufbauten wurden von Hand über viele Kilometer hier hinaufgetragen.

Während wir uns kurz in eine Ecke mit Schatten flüchten, entdeckt uns ein Paar in tollen indischen Gewändern, das wohl gerade erst angekommen ist. Der Mann stellt sein selbstgebautes Mini-Pilger-Statuen-Schmuck-Gestell neben uns ab, aber seine Frau weist ihn sofort an, es zuerst mir, dann Simone auf die Schulter zu setzen, sodass wir Fotos von uns machen können. Eine völlig unerwartete Geste.

Überhaupt werden hier die schönsten Gewänder zur Schau getragen.

Wir sehen uns noch einige weitere Statuen an.

Dann machen wir uns schließlich auf. Die Affen kennen sicher für Wochen keinen Hunger nach dieser Feier, aber wir schon. Da für die Pilger die Verköstigung überall kostenlos zu sein scheint, wollen wir uns da nicht auch noch durchschmarotzen und setzen eher auf mitgebrachte Kekse. Dieser Makakke scheint gerade die Zeitung zu lesen.

Dieser beäugt mich kritischer als ein einziger Hindu auf dem Fest es getan hätte.

Nun gut, wir lassen das Fest hinter uns, würden jetzt gerne wieder in den Inselwesten zurück, dürfen aber nur nach Osten fahren.

Also fahren wir einen kleinen Umweg von einer Stunde, die uns auch an einem „Foto-Spot“ an der wunderschönen Südküste vorbeiführt, wo die Straße eine waghalsige Kurve macht.

Dort erstehen wir bei einem Straßenhändler eine Ananas „auf die Hand“.

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang sind wir wieder daheim, gehen kurz im Meer baden und gucken dann…

… zu, wie die Sonne verschwindet.

Es war ein schöner, aufregender Tag. Mit vielen völlig neuen Eindrücken.

Zu den siebenfarbigen Erden

Eigentlich wollten wir nach dem Maha Shivaratri-Fest noch einige Sehenswürdigkeiten oben in den Bergen abklappern. Leider war da aber die entsprechende Straße gesperrt, also holen wir das heute nach.

Aber zuerst frühstücken wir mal schön. Hier in Flic-en-Flac haben wir ja eine kleine Wohnung, und als Selbstversorger kommen wir angesichts des Obstangebots auf der Insel ganz gut klar.

Dem ausgiebigen Frühstück folgt ein morgendliches Bad im Meer. Erfrischt brechen wir am späten Vormittag auf. Was liegt da näher, als gleich im ersten Café zuerst mal auf einen Snack einzukehren?

Gestärkt fahren wir nun die Serpentinen in die Berge hinauf und erreichen pünktlich zum höchsten Sonnenstand den kleinen Ort Chamarel. Es ist das Ausflugszeit Nummer eins für alle Urlauber an der Südwestküste, was aber nicht bedeutet, dass hier wirklich großer Trubel wäre. Der erste Stopp führt uns zu einer Aussicht auf den schönen Doppel-Wasserfall von Chamarel.

Die Sonne sticht ganz schön, aber im Schatten ist es bei leichter Brise recht angenehm, sodass wir auch die wenigen Stufen zu einem weiteren Aussichtspunkt hinauflaufen können. Dennoch wäre es jetzt unten, unter dem Wasserfall, sicher noch etwas angenehmer…

Am nächsten Halt bewundern wir zuerst die Flora…

… bevor wir letztlich an der Siebenfarbenen Erde eintreffen. Ein Weg führt durch die pralle Sonne vom Café hinauf auf eine weitere Aussicht. Der kurze Weg lohnt sich für uns auf jeden Fall, denn tatsächlich sehen die Farben von hier oben noch viel kräftiger aus, als von unten.

Bunte Erdhaufen kennen wir ja aus den USA zu Genüge, aber dennoch sind die orange bis lila leuchtenden Erdhügel inmitten des saftigen Grüns ein besonderer Anblick.

Simone hatte herausgefunden, dass die Farben am Besten zu Mittag leuchten, vor allem bei wolkenlosem Himmel. Insofern ist unser Timing perfekt. Die Erden leuchten. Wir glänzen etwas.

Am Café lasse ich mir einen frischen Zuckerrohrsaft pressen. Dazu haben sie dort eine knatternde Maschine stehen, in die auf der einen Seite ganze Zuckerrohrstangen reingeschoben werden, und auf der anderen Seite der Saft herausläuft. Auf den Schuss Rum verzichte ich anlässlich der Tatsache, dass erst Mittag ist, ich kurz vor’m Verdursten bin, und wir ja auch noch fahren müssen.

Wir schauen noch kurz bei den Riesenschildkröten vorbei, die sich zur Abkühlung im Schlamm suhlen.

Und schlussendlich machen wir uns wieder auf den Rückweg: Das Meer ruft schon wieder.

Für den Abend haben wir einen Tisch bei Domaine Anna reserviert. Ein riesiges Lokal auf einer alten Zuckerrohrplantage, das bei Einheimischen für Heiratsanträge und daraus resultierende große Hochzeiten beliebt ist. Am Besten sind die Tische in den kleinen Pavillons auf dem Wasser. Unser Tisch:

Nach einem Aperetivo lassen wir uns die Vorspeise aus geräuchertem Marlin schmecken.

Der Hauptgang konnte das nicht mehr toppen, aber hier zählt einfach die Location. Nach dem Essen schwimmt Gustav, der schneeweiße Erpel von Tisch zu Tisch und bettelt um die Brotreste. Regel Nummer eins: Nie Tiere von Tisch aus füttern. Regel Nummer zwei: Ist ja nur eine Ente. Er freut sich. Wir fahren Heim und fallen satt und müde ins Bett.

Strandtag, windiger

Gestern haben wir unser Quartier in Flic-en-Flac verlassen und der Ostküste Adieu gesagt.

Unsere dritte und letzte Station befindet sich nun im Norden der Insel.

Bei der Ankunft im neuen Hotel stellen wir zunächst fest, dass wir hier wohl „ruhige Alleinlage“ gebucht haben. Die Hotelanlage finden wir etwas abgelegen nach zehnminütiger Fahrt durch Zuckerrohr und Wildnis. Einen „Nachbarn“ oder so gibt es nicht, hinter’m Zaun geht es direkt ins Dickicht. Was etwas schade ist: Das Hotel ist an den Rand eine Bucht gebaut, wo es vorher nur Felsen, aber keinen Sandstrand gab. Dann hat man eben mit Gewalt versucht einen Sandstrand anzulegen, aber den hat sich das Meer offenbar schon wiedergeholt.

Auch wenn wir von unserem „Strand“ hier etwas enttäuscht sind, werden wir uns die nächsten Tage noch etwas mit ihm anfreunden. Und für einen „echten“ Strand fahren wir einfach ein paar Kilometer küstenaufwärts. Dort liegen die Traumstrände Trou aux Biches und Mont Choisy, und letzterer wird definitiv unser Favorit werden.

Da es heute morgen unangenehm windig ist, verbringen wir den Vormittag aber erstmal mit etwas Dösen an unserem Hausstrand. Der Wind drückt die Flut bis an die kleinen Holzpodeste, die hier gebaut wurden, damit die Liegen nicht ganz im Wasser stehen. Gut, keine kilometerlangen Spaziergänge im Sand, aber bei 32° im Schatten liegen, vom Wind gekühlt werden, und dabei sogar etwas von der Gischt abbekommen, das hat auch was.

Die Jungs am Boathouse an unserem Strand meinen, der Wind käme morgens eigentlich meistens aus der anderen Richtung und könnte sich vielleicht am Nachmittag noch drehen. Tatsächlich wird der Wind gegen Mittag von einer Sekunde auf die nächste plötzlich abgeschaltet. Als wäre er nie da gewesen.

Ohne den Wind wird es nun ganz schön warm hier draußen! Wir lassen uns also schnell ein Club Sandwich an unsere Liege liefern und packen dann unsere Sachen.

Eigentlich wollen wir den botanischen Garten in Pamplemousses besuchen. Als wir auf dem Weg dorthin an einer kleinen Bäckerei anhalten, sehen wir schon die Regenwolken über dem Landesinneren. Als es kurz darauf leicht zu regnen beginnt, entscheiden wir, den Besuch des Gartens doch besser zu verschieben.

Statt dessen fahren wir nach Grand Baie, den „Hauptort“ an der großen Bucht und sehen uns dort ein wenig um. Auf der Fahrt zurück zur Küste durchqueren wir monsunartigen Regen. An der Küste scheint die Sonne.

Wir statten noch einem Hindutempel einen Besuch ab.

Und wir machen einen Abendspaziergang am schönen Strand von Trou aux Biches. Sehr lustig anzusehen sind immer die kleinen Krebse, die sich kaum von ihren Löchern wegtrauen. Kaum macht man in der Nähe einen Schritt, spüren sie das und verschwinden in ihrem Loch. Sekunden später trauen sie sich wieder raus.

Zurück am Hotel ist vom morgendlichen Wind und Wetter schon nichts mehr zu sehen.

Wer auf dem nächsten Foto genau hinschaut, erkennt rechts oben den Wackelstein, der oben auf der Felsspitze liegt und aussieht als könnte er jeder Zeit ins Tal stürzen. Der Legende nach geht es Mauritius gut, solange der Stein dort oben liegen bleibt. Na hoffentlich hält er dann noch eine Weile…

Da ist er also, der „Strand“ unserer bescheidenen Unterkunft. Immerhin: Man ist hier fast allein. Die Hälfte der Hotelgäste sind Araber, die zwar gerne mal voll verhüllt (sie natürlich, er nicht) tretbootfahren, aber ansonsten kaum zu sehen sind. Geschweige denn uns die Liegen abspenstig machen würden.

So harren wir unter Palmen der Dinge und warten auf den Sonnenuntergang.

Interessantes „Fact“ am Rande: Die Schatten werden hier bis Mittag kürzer, wechseln dann die Seite, und werden dann wieder länger. Dass sie sich irgendwie drehen würden, ist nicht zu beobachten, steht die Sonne doch aktuell fast lotrecht über uns. Tatsächlich dürfte sie mittags sogar etwas im Norden stehen. Verkehrte Welt. Verrückte Welt.

Schöne Schneckenhäuser gibt es hier, gerne auch mal mit Schnecke gefüllt (nach dem Regen) oder von Krebsen besiedelt.

Wir harren also weiterhin aus und starren in den Sonnenuntergang.

Bis zum „Touchdown“, wenn die Sonne das Meer berührt. Von wegen „keine Scheibe“…

Zum Abschluss dieses zweifelsohne anstrengenden Tages steigen wir kurz in den Pool und lassen uns dann das Abendessen munden. Draußen essen bei 27°. Wie wird uns das bald fehlen…

Calico Hills Scramble 2019

Valley of Fire mit Axel

Mittsommer in Stockholm

Stockholm, Schweden, wolkenlos, 24°: Genau so haben wir uns den Mittsommertag vorgestellt!

Um den Sonnwend-Feierlichkeiten beizuwohnen, sind wir – wie halb Stockholm – ins mitten in Stockholm gelegene Freilichtmuseum „Skansen“ gefahren. Da der Maibaum aber erst am Mittag aufgerichtet wird, sehen wir uns erstmal auf dem Gelände ein wenig um.

Die Schweden haben die alten Bauernhöfe, und die Tiergehege, und all das, natürlich schon auf etlichen Wandertagen in ihrer Jugend gesehen. Sie bringen daher einfach nur Picknickdecke und Picknick mit, und suchen sich schöne Plätze im Halbschatten, irgendwo in dem großen Park.

Als Ersttäter sehen wir uns natürlich schon alles an, angefangen bei den Rentieren…

… auch beim Rentier-Nachwuchs …

… in der Käserei …

… und schließlich beim Maskottchen des Landes, dem Älg.

Dem Älg ist der Trubel etwas ungeheuer, er döst im Halbschatten.

Im Mitmachbereich wird schon eifrig am Mittsommer-Kopfschmuck gebastelt.

Ganze Margeriten-Wiesen werden dazu geplündert.

Dann geht es auf dem großen Versammlungsplatz los. In einer einstündigen Zeremonie wird mit viel Oh-Hey der Maibaum aufgestellt.

Gleich nach dem Aufstellen geht es los mit „Tanz um den Maibaum für Jedermann“. Den Froschtanz haben wir leider verpasst, aber zur Rakete waren wir wieder da!

Schöne Trachten gibt es anzusehen.

Und „Tanz um den Maibaum wie früher einmal“ wird aufgeführt.

Selbst der Herr Pastor kann nicht an sich halten.

Nach der Vorstellung …

… wird hier noch bis weit in die Nacht hinein getanzt. Nur wir springen hier irgendwann ab, da unsere Füße uns bald nicht mehr tragen, und wir schon wieder Hunger haben.

Also gehen wir in der Altstadt zum besten Italiener Stockholms (unsere Meinung) und machen danach noch einen Spaziergang am Wasser entlang. Dort leuchten die letzten Sonnenstrahlen die Türme der Innenstadt an. Gegen 22:20 ist dann Sonnenuntergang. Danach wird es aber trotzdem nicht wirklich dunkel. Und kurz nach 3 Uhr geht die Sonne auch schon wieder auf. Im möglichst lückenlosen Verschließen unserer Vorhänge brauchen wir am zweiten Tag jedoch noch etwas Übung.

Auch wenn wir gegen Mitternacht die Segel streichen – das Mittsommerfest war ein sehr schönes Erlebnis!

Von Marschmusik zu ABBA

Am Tag nach Mittsommer hat Schweden frei und alle Läden sind geschlossen.

Wir machen daher mal das touristische Pflichtprogramm – angefangen mit dem Wachwechsel am königlichen Schloss.

Nach viel Salutieren, Marschieren und Rumkommandieren kommt die Wachablösung mit Musikunterstützung heran.

Die Kapelle spielt einen Hit auf den anderen. Bei der Marschmusik kennen wir uns leider nicht so aus, aber es wird auch noch „was Modernes“ gespielt. Nur von ABBA ist