Half Moon Bay

Nach knapp zweistündiger Fahrt über den immer enger und kurviger werdenden Highway erreichen wir schließlich die Halbinsel mit den Orten Ucluelet im Süden (hier wollen wir die nächsten Tage unterkommen) und Tofino im Norden.

Die Westküste Vancouver Islands ist in erster Linie bekannt für Nebel, Kälte, Sturm, Sturm, Nebel und Kälte. Und natürlich Regen. Viel Regen. Wir haben unsere wärmste und wasserdichteste Kleidung mitgebracht um dem entgegenzustehen. Nun erwarten uns aber: Sonne und 29 Grad. Es ist unfassbar. Dieses Wochenende plagt eine spätsommerliche Hitzewelle das Festland und ein stabiles Hoch sorgt für Rekordtemperaturen.

Für Port Alberni wären für die nächsten Tage gar 38°C vorhergesagt. Buddy, der uns gestern beim Salmon Festival mit seiner Frau gegenübersaß, meinte zwar, man hätte solche Temperaturen hier schon erlebt, es sei aber schon Jahre her.

Aber trotzdem hat die Küste ein wenig ihr eigenes Klima. Nebel zieht binnen Minuten auf, und geht genau so schnell wieder. Wir starten auf einen kurzen Wanderweg durch den Regenwald hinunter an eine versteckte Bucht, die Half Moon Bay. Nur zwei Kilometer, aber ein paar hundert Stufen soll es runter gehen. Am Parkplatz starten wir unter blauem Himmel. Der Boardwalk schlängelt sich durch den typischen Westküsten-Regenwald, durch den sonst kein Durchkommen wäre. Ein echter Urwald.

Bald schon ziehen Nebelschwaden vom Strand – der vom Wald aus noch nicht erkennbar ist – herauf. Die Luft wird deutlich kühler, aber die Luftfeuchtigkeit steigt auf 100%.

Auf dem Plankenweg geht es weiter hinab.

Wir sind umringt von Farnen und Moosen.

Die Stufen werden wir später alle wieder rauf müssen.

Viele Stufen. Aber das Meeresrauschen kommt schon näher. Nur ist durch den Nebel der Strand noch nicht erkennbar.

Dann spuckt uns der Urwald aus und wir stehen am Strand. Schemenhaft ist die Brandung zu erkennen.

Zuerst fühlten wir uns ganz allein hier unten, weil niemand zu sehen war. Dann tritt aber doch ein Grüppchen von drei Leuten aus dem Nebel heraus.

Die Stille ist magisch. Es ist gleißend hell; die Sonne lässt sich durch den Nebel schon erahnen.

Wir laufen die Bucht entlang. Während hinter uns der Anfang der Bucht im Nebel verschwindet, taucht vor uns ein Fels mit dem Ende der Bucht auf.

Die Brandung spült Treibholz und meterlange Algen an Land.

Und Muscheln.

Als wir das Ende der Bucht erreichen, hat es die Sonne schon fast geschafft.

Die Ebbe hat einige Felsen freigelegt, die komplett von Algen und Muscheln besetzt sind.

In kleinen Spalten leben grellgrüne Seeanemonen.

Vor einer Minute sahen wir noch rund um uns herum nur Nebel. Doch jetzt ist der Himmel plötzlich blau. Bis zum anderen Ende der Bucht kann man trotzdem noch nicht schauen.

Wir sehen uns die Tide Pools noch etwas genauer an. Immerhin einen Seestern entdecke ich, der sich in einer schattigen Ecke festklammert.

Wieder eine Minute später ist nun die gesamte Bucht zu sehen.

Also raus aus den Schuhen – und rein in’s Wasser. Also mit den Füßen, maximal. Der Pazifik hier ist normalerweise zwischen 7 und 14 Grad kalt. Falls mein Gesichtsausdruck auf dem Foto erkennbar ist: Ich tippe eher auf das untere Ende der Skala.

Andererseits: Wenn man drin ist, ist’s richtig warm… Naja.

Nach diesem mystischen Erlebnis an der Half Moon Bay bleibt uns nun nichts anderes, als die vielen hundert Stufen durch den Wald wieder empor zu klettern. Oben erwartet uns wieder einwandfrei blauer Himmel.

Wir fahren noch die wenigen Kilometer bis Ucluelet (Indianersprache für „Sicherer Hafen“), wo wir in unsere Lodge einchecken und noch einen Spaziergang zum Pier machen.

Im Floathouse, einem auf dem Meer schwimmendem Restaurant, finden wir schließlich …

… einen Tisch direkt in der Abendsonne.

So beenden wir den Tag und nehmen die so unerwartete Wärme und Sonne bis zum letzten Moment mit.

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