Abschied von Newport

Nach einem feinen Frühstück checken wir wieder aus unserem goldigen Inn aus und laufen noch einmal runter an den Hafen.

In Neuengland könnte man den ganzen Tag damit verbringen, sich die typischen alten Backstein- und Holzhäuser anzusehen. Diese Bank sieht doch exakt so aus, wie man sich eine Bank bei Donald Duck vorstellt.

Dieser Laden gibt offen zu, rund „200 Jahre der Zeit hinterher“ zu hinken.

Lobster gibt es praktisch an jeder Ecke.

Besonders schön ist es in Newport an der Bowen’s Wharf, wo die Ausflugssegler zu kurzen Törns ab- und anlegen. Da ist im und am Wasser ständig was los.

Bei Coffee Grinder gegenüber trinken wir einen Cappuccino in der Morgensonne.

Nebenan wird der Fang verarbeitet.

Und auch wenn die meisten Villen in Newport groß bis riesig sind: Man kann auch ganz klein anfangen.

Wir essen noch einen Lachs-Bagel im nahegelegenen Coffee Shop und starten dann unsere Weiterreise nach Cape Cod.

Zu Gast im Gilded Age

Newport ist ein exklusives Pflaster, war es schon immer. Schon früh siedelte sich hier an, wer Rand und Namen hatte.

Familien wie die Astors oder die Vanderbilts, die Eisenbahn-Tycoone der Jahrhundertwende, bauten sich hier nette „Cottages“, in denen sie die Sommer verbrachten. Diese Cottages sahen dann so aus:

„The Breakers“ nannten die Vanderbilts ihr neues Sommerhaus in Newport. So wie mehrere dieser „Newport Mansions“ genannten Villen kann man auch als Nicht-Milliardär „The Breakers“ heute besichtigen. Machen wir.

Das ist Herr Vanderbilt. Es ist die klassische Geschichte vom Amerikanischen Traum: Er begann als Laufbursche bei einer Bank und stieg auf zu einem der wohlhabendsten Männer Amerikas.

Im „The Breakers“ zogen die Vanderbilts alle Register. Das Haus wurde in nur zwei Jahren erbaut. Das Billardzimmer wurde mit italienischem Marmor und Mosaiken ausgestattet.

Die zurückhaltend dekorierte Eingangshalle.

Auf dem Kapitell, das ja auf den ersten Blick Jahrhunderte alt sein könnte, erkennt man neben dem linken Engel eine Andeutung auf den Ursprung des Vanderbiltschen Reichtums: eine Lokomotive.

Im Gartensalon sind die Wände mit Platin ausgekleidet – auch damals schon eines der teuersten Edelmetalle der Welt.

Das Interessante hier ist, dass man sich in einem französischen Königsschloss wähnt, aber tatsächlich wurde dies alles hier eben erst um 1890 gebaut. Hier haben sich Menschen, die mit der Moderne reich wurden, Anwesen geschaffen, die sich an längst vergangenen Zeiten orientieren.

Diese Epoche nennt man hier das „Gilded Age“. Also die Auf-dicke-Hose-mach-Zeit.

Auch im Musikzimmer haben sich die Architekten ausgetobt.

Der blaue Salon.

Und das Badezimmer des Hausherrn. Besonders hier wird deutlich, dass wir uns in einer „modernen“ Villa befinden. Es gibt eine relativ normale Toilette, fließendes kaltes und warmes Wasser. Die Badewanne hat vier Wasserhähne, sodass man zwischen Süßwasser und Salzwasser wählen konnte. Die Badewanne aus massivem Marmor musste mindestens vier Mal befüllt werden, bevor sie einigermaßen die Temperatur hielt.

Während Mr. Vanderbilt mit „Business machen“ beschäftigt war, lag das Haus mit seinen bis zu 100 Angestellten in Mrs. Vanderbilts Verantwortung. Mrs Vanderbilts Schlafzimmer:

Natürlich wurde auch technisch von allem der neueste Schrei eingebaut. So waren die Mansions die ersten Haushalte mit elektrischem Strom. Es gab Klingelanlagen, um den Butler zu rufen. Und auch das Telefon hielt bald Einzug.

Nun darf man sich aber nicht vorstellen, dass Mrs. Vanderbilt hier mal eben nach nebenan zu Mrs. Astor durchgeklingelt hätte. Nein, wenn man die Nachbarn zum Tee einlud, dann ließ man natürlich Einladungskärtchen drucken, schrieb vielleicht von Hand einen netten Gruß darunter, und der Butler schickte den Boten hinüber. Das Telefon wurde somit eher vom Personal genutzt, als von den Herrschaften selbst.

Später wusste Mrs. Vanderbilt nicht Recht, was sie mit ihrem Leben so anstellen sollte. Dann träumte sie, dass sie Ton geknetet hätte und befand dies als Weisung, Bildhauerin zu werden. Sie wurde später Kunstmäzenin und gründete ein renommiertes Museum in New York.

Von der Terrasse gibt’s natürlich einen schönen Blick aufs Meer.

Die Küche.

Die Gartenanlagen sind auch sehr schön.

Ein herrschaftliches Häschen.

Nach dem Besuch bei den Vanderbilts sehen wir uns noch die Parkanlagen anderer Villen an: Château sur Mer …

… und „The Elms“.

Mit diesen Fotos ziehen sich die Herrschaften nun zum Ruhen zurück. Gute Nacht.

Mystic Seaport

In Mystic haben wir endlich wieder das Meer erreicht. Und was liegt da näher, als das Mystic Seaport Museum zu besuchen.

Zuerst sehen wir uns die Sammlung alter Gallionsfiguren an.

Dann informieren wir uns über die Geschichte des Walfangs und gehen an Bord des alten Walfängers „Charles W. Morgan“.

Ich heuere als Steuermann an.

Unter Deck ist es ganz schön eng und nur selten kann man aufrecht stehen. Ins Deck einkalfaterte Glasprismen lassen Licht nach unten durch.

Während die Crew in engen kastenförmigen Kojen schläft, ließ der Kapitän für seine Frau ein Bett wie eine Schaukel aufhängen, sodass sie immer gerade lag. Dennoch verließ Madame das Schiff schon vor dem Ende seiner ersten Fahrt, da sie einfach ständig seekrank war.

Die Charles W. Morgan ging auf 37 Reisen. Eine 38. Reise kam dann in diesem Jahrhundert nach ihrer Restaurierung hinzu.

Im Museumsdorf sind alle möglichen alten Läden und alte Werkstätten vertreten. In der Schmiede wird geschmiedet.

In der Druckerei wird gedruckt.

Auf der Reeperbahn werden Taue hergestellt.

In der Segelmacherei werden die Segel genäht.

In der Sonnerei wird sich gesonnt.

In einem weiteren Teil des Museums werden historische Schiffe restauriert. Seit einigen Jahren liegt hier die Mayflower II auf Reede. Die Mayflower II wurde unter Teddy Roosevelt gebaut. Sie ist ein Nachbau der Mayflower, dem Segler, mit dem die ersten Siedler Neuenglands, die Pilgrims, zuerst auf Cape Cod landeten und dann weiter nach Plimouth in Massachusetts fuhren. Dort ließen sie sich schließlich nieder.

Die Replik wurde in den 1950ern in England gebaut und dann von einer mutigen Mannschaft über den Atlantik gesegelt. Seitdem liegt sie als Museumsschiff in Plymouth vor Anker. Da die Landung der Pilgerväter sich 2020 zum 400sten Mal jährt, wird die Mayflower II hier in Mystic zur Zeit überholt.

Auf der Werft ist das rege Treiben der Zimmerleute zu verfolgen.

Zufällig laufen wir noch an der Kapelle vorbei, wo gerade Shanties gesungen (und erklärt) werden.

Das Museum war wirklich klasse. Und in einem Freilichtmuseum verbringt man bei diesem schönen Wetter ja auch gerne etwas mehr Zeit.

Nun ist aber Zeit für die Brotzeit. Im Kofferraum breiten wir aus: Hummus, Tomaten, Oliven-Tapenade und Pickles. Besseren Lunch gibt’s nicht.

Bis zu unserer nächsten Station in Newport, Rhode Island, liegt nur eine knappe Stunde Fahrt.

Wir checken in unserem „Inn“ ein. Ich fotografiere ja eher selten unsere Zimmer, aber hier haben sie sich wirklich Mühe gegeben. Das Zimmer in einem viktorianischen Holzhaus ist klein, aber sehr gemütlich. Das Frühstück ist das leckerste, das wir in den USA je hatten.

Auch ein Wohnzimmer zum Teilen mit den anderen Gästen gibt es.

Aber kaum angekommen, brechen wir auch zum Stadtbummel auf. Das Toasted Coconut-Eis bei Kilwin’s – darauf haben wir uns schon die ganze Woche gefreut.

Wenig später ziehen Wolken auf und es beginnt zu regnen. Kurz nach dem Abendesssen ist der Spuk aber schon wieder vorbei und wir bereiten uns auf einen weiteren schönen Tag vor.

Zwischenstopp am Gillette Castle

Wir haben Massachusetts nun verlassen und fahren nun ein Stück durch Connecticut.

Einen Halt machen wir am Gillette Castle.

Hier hat sich um 1915 ein Schauspieler namens William Gillette – an Theatern bekannt geworden als Darsteller des Sherlock Holmes – ein Schlösschen gebaut.

Aber nicht einfach irgendwie, er hat es im Stil „amerikanische Märchen-Burgruine“ erstellen lassen.

Selbst an die Katzen dachte der Bauherr.

Das Schloss überblickt den Connecticut River, als säße es hoch über dem Rhein.

Wir starteten ja heute morgen aus den höher gelegenen Berkshires, wo es etwas frischer war. Hier unten im Tal des Connecticut River ist es dagegen sommerlich warm.

Besonders stolz war Gillette auf die drei Meilen lange Schmalspureisenbahn mit Brücken und Bahnhöfen und Übergängen und sogar einem Tunnel auf seinem Grundstück. Ein ganz schön großes Spielzeug. Die Gleise wurden später leider abgebaut und die Strecken in Spazierwege umgewandelt.

Die überdimensionale Spielzeugeisenbahn wurde seinerzeit gar von Albert Einstein und Charlie Chaplin bestaunt.

Das war ein lustiger Halt auf unserem Weg zurück ans Meer. Weiter geht’s. Uns fehlt schon langsam die salzige Luft…

Die Berkshires – Ein wenig Indian Summer

Die Berkshires, so wird die leicht hügelige Landschaft hier im äußersten Westen Massachusetts‘ genannt.

Im Sommer ist hier der Teufel los. Die Philharmoniker aus Boston schlagen hier ihr Sommerquartier auf, und auf den grünen Wiesen von Tanglewood wird ein Open Air Konzert nach dem anderen gegeben.

Die Berkshires sind auch die erste signifikante Erhebung östlich der Great Plains. Der Appalachian Trail durchstreift hier das Land. Aufgrund der Höhe hat hier in den Berkshires bereits der Herbst begonnen, die ersten Bäume haben schon die Blätter verloren, andere leuchten in bunten Farben. Der ganz große „Indian Summer“ wird auch hier erst in ein paar Wochen losgehen, aber den ein oder anderen Vorgeschmack gibt es schon.

Jetzt im Spätsommer kehrt wieder Ruhe in die Berkshires ein. Die großen Massen der Sommergäste aus New York und Boston sind wieder abgereist.

Am William College hat das neue Schuljahr längst wieder begonnen. Wer hier auf’s College gehen darf, der muss es sich bestimmt auch leisten können.

Bevor wir die Berkshires verlassen, fahren wir noch über Lennox zu Olivia’s Overlook.

Olivia’s Overlook ist ein Ausgangspunkt für diverse Wanderungen über Ländereien der „Landkeeper“. Die Landkeeper sind eine Stiftung, welche Ländereien aufkauft, um die Natur hier vor der Bebauung und Zerstörung zu bewahren, und sie stattdessen der Öffentlichkeit zugänglich macht. Wo der Staat nichts tut, müssen in den USA die wohlhabenden Stifter eingreifen.

Wir informieren uns kurz über die aktuellen Gegebenheiten. Da Schwarzbären bis letzte Woche bejagt werden durften, sollten wir auf der sicheren Seite sein.

Der Trail geht immer durch den lichten Laubwald. Von Laubfärbung ist hier noch nichts zu sehen.

Wir erreichen einen weiteren Aussichtspunkt, den die Sonne schön aufgeheizt hat, während man im Schatten heute morgen noch die Jacke braucht.

Der dritte Aussichtspunkt liegt im Schatten, hier wäre eine Bank zum Rasten, ist uns aber zu frisch.

Auf der Anhöhe angekommen wird auch das Laub farbiger.

Noch einmal den Blick ins Tal und die Wärme mitnehmen …

… dann fahren wir weiter. In Lennox gehen wir noch kurz einen Kaffee trinken und laufen an einigen der zahllosen Gallerien vorbei.

Aus der Ferne erspähen wir sogar einen Buntspecht.

Damit lassen wir die Berkshires hinter uns. Die sanften Hügel, die hübschen Anwesen – immer mit akurat gemähtem Rasen vor der Türe – hier hätten wir auch gerne eine ganze Woche verbracht. Aber wo eigentlich nicht?

MassMOCA

Heute geben wir uns die Kultur mal so richtig.

Das Massachusetts Museum of Contemporary Art versteckt sich in der Kleinstadt North Adams in alten Fabrikhallen.

Wir starten unseren Rundgang mit den Sonderschauen teils sehr skuriler zeitgenössischer Kunst. Wer ist hier wohl gemeint?

Nach dem Besuch einiger recht lautstarker Videoinstallationen tauchen wir dann in die permanente Sammlung ein. Das Werk Sol Lewitts verteilt sich chronologisch auf drei Etagen der grandiosen Räumlichkeiten und wird mit dem Alter des Künstlers immer bunter.

Die Lichtinstallation „Cosmic Latte“ gefällt uns ebenfalls besonders gut.

Dann gibt es eine Menge zu lesen.

Es wird unübersichtlich.

Spiegelbildlich.

Und wieder gibt es viel zu lesen. Sogar auf deutsch.

Mittags machen wir kurz Brotzeit am Auto. Wir haben heute morgen bei Guido’s so leckere Sachen eingekauft, da kann uns jedes Museums-Café gestohlen bleiben.

Vor dem Eingang wachsen die Bäume in die Tiefe.

Ganz kann uns das Café dann doch nicht gestohlen bleiben.

Dann geht es nochmal rein. In einer der alten Brücken, die die Fabrikgebäude untereinander verbinden, hat Julianne Swartz eine Klanginstallation untergebracht, die ich für das Highlight des Museums halte. Hinter jeder Strebe sind Lautsprecher montiert, und eine Art mehrstimmiger Choral klingt durch den Gang und verändert sich in Abhängigkeit vom eigenen Standort, während man durch die Brücke schreitet.

Na gut, der Tunnel teilt sich das Attribut „größtes Highlight“ für mich mit der Ausstellung des Lichtkünstlers James Turrell. Turrell möchte nur leider nicht, dass sein Werk fotografiert wird. So warte ich weiter gespannt, wann endlich Turrells Projekt „Roden Crater“ bei Flagstaff, Arizona eröffnet wird. Kann sich nur noch um wenige Jahrzehnte handeln, aber dann muss ich dort unbedingt hin.

Draußen kommt zunehmend die Sonne raus. Bei unserer Ankunft hatte es noch geregnet.

Noch mehr vom jungen Sol Lewitt im Untergeschoss. In seiner Jugend hatte er wohl sehr, sehr viel Zeit zum Zeichnen langer Linien.

Dann wurden die Linien immer breiter.

Und dann immer bunter.

Damit schließen wir unser Kulturprogramm für heute ab.

Der Museumsbesuch, er war farbenfroh und vielseitig. Was uns die Künstler im Einzelfall sagen wollten? Egal, anschauen hat Spaß gemacht.

Zu Besuch bei den Shakern

Weil heute wunderbares Wetter ist, entscheiden wir uns für den Vormittag für den Besuch im Hancock Shaker Village.

Das Dorf wurde 1790 von den Shakern gegründet und aufgebaut und bis 1960 betrieben. Heute gibt es nur noch eine Hand voll Shaker in Nordamerika, und das Dorf wurde zu einem Museum, aber einem sehr lebendigen mit bestellten Feldern und vielen Tieren.

Im Gemüsegarten wächst alles, was man so kennt, und noch einiges, das man nicht kennt.

Die Shaker waren sehr religiös. Männer und Frauen lebten gleichberechtigt, aber zölibat – was vielleicht auch den Mangel an Nachwuchs erklärt. In dem großen Backsteinbau links wohnten mehr als einhundert Brüder und Schwestern. Durch das Gebäude verlief mittig eine unsichtbare Linie, auf der einen Seite lebten nur die Männer, auf der anderen nur die Frauen. Auch der Arbeit ging man streng getrennt nach.

Fanden doch mal Männlein und Weiblein zusammen, dann wünschte man dem Paar alles Gute, gab ihm eine Mitgift mit, und verabschiedete es aus der Shaker-Gesellschaft.

Die Shaker waren hochinnovative Landwirte. Sie hinterfragten jede Vorgehensweise, jede Bauweise und überlegten, ob es nicht eine optimalere gab.

So bauten sie die große Rundscheune, in der ein einziger Mann über 50 Kühe versorgen konnte. Über eine Rampe zogen Ochsenkarren das Heu in das Obergeschoss, wo sie im Kreis herumgeführt werden konnten, um das Heu in die Mitte abzuladen. Im Untergeschoss nahmen die Kühe rundherum ihre Plätze ein, um zu fressen und gemolken zu werden. Durch eine Stufe und durch Gitterroste wurde sichergestellt, dass sie nicht in ihrem eigenen Mist standen. Eine für den Anfang des 19. Jahrhunderts revolutionäre Bauweise.

Wir laufen auf der Farm von Bauwerk zu Bauwerk und sehen uns die vielen kleinen Ausstellungen an, lassen uns von Farmer Don erklären, wie die Rundscheune funktioniert, wohnen einer Demonstration der mit Wasserkraft betriebenen Werkstatt bei, und gucken bei den Tieren rein.

Die Ferkel im Stall sind Winzlinge im Vergleich zu der sprichwörtlich fetten Sau draußen.

Irgendwie haben wir die Alte aus dem Schlaf gerissen.

Mühsam steht sie auf, und fängt an, sich im Schlamm zu suhlen.

Dort findet sie schließlich auch Abkühlung.

Der ahnungslose Truthahn, er weiss wohl nicht, dass in ein paar Wochen Thanksgiving naht.

In der Schule wurden die Kinder im gleichen Klassenzimmer, aber ebenfalls durch eine unsichtbare Linie getrennt nach Jungs und Mädchen unterrichtet. Die Kinder waren zumeist entstanden, bevor die Eltern den Shakern beigetreten waren.

Auf der Krankenstation lagen die Kranken in diesen praktischen „Betten“. Auch in Sachen Kräuterheilkunde waren die Shaker sehr bewandert.

Und schließlich machten die Shaker einen ausgezeichneten Apfelkuchen.

Der Besuch im Shaker Village war sehr interessant und lehrreich, und Sonne haben wir auch reichlich abbekommen. Hat Spaß gemacht.

Cape Ann

Einen guten Morgen aus Rockport, Massachusetts! In unserer niedlichen kleinen Wohnung haben wir endlich die Möglichkeit, das Granola zu frühstücken, das wir schon mal in weiser Voraussicht in unserem Stammcafé in Boston gekauft haben. Dazu gibt es frische Erdbeeren aus Neuengland, griechischen Joghurt (mit Fett – schweeeer zu bekommen), frische Mango und selbstgebackenen Kuchen von unserer Gastgeberin. So muss ein Frühstück aussehen!

Hier auf Cape Ann ist heute zwar ein wunderschöner Sommertag, aber der Herbst – und damit der Indian Summer – steht schon vor der Türe.

Zum Glück hatten wir noch in letzter Sekunde die kurzen Hosen eingepackt. Am Morgen gehen wir zunächst mal eine Runde über den Strand in Rockport.

Zum Glück ist gerade Ebbe, ansonsten wäre hier kaum Strand. Auch wenn einige Verrückte sich in die Fluten stürzen, wir gehen lieber mal nur mit den Füßen rein. Das ist schon erfrischend genug.

Das meistfotografierte Motiv in Rockport ist diese rote Fischerhütte, die daher als Motif #1 bezeichnet wird.

Auf dem Bearskin Neck ist heute (Wochenende!) kräftig was los. Wir reihen uns ein und gehen von Bude zu Bude, Laden zu Laden. Essen hier ein Eis, kaufen dort einen Lobster (gedruckt, zum an die Wand hängen) und setzen uns ab und zu an die Pier, um auf den Hafen zu starren. Was man eben so macht.

Bei Roy Moore steigt ab Mittag der Andrang. Drei Lobster für $40 ist kein schlechter Preis. Die Hütte ist der ganze Laden, es gibt das ganze Angebot an frischem Lobster, Muscheln, Austern. Der Laden ist nur ein paar Quadratmeter groß. Rechts sind die Tanks mit dem lebendigen Hummer, links hinten dampft der riesige Kochtopf. Man geht dann mitten durch die Küche aufs Sonnendeck hinter der Bude, um den Lobster dort „in the rough“ zu essen. Einmal durch Roy Moores zu laufen ist sowas wie das Highlight des Tages, einfach lustig. Für uns muss heute kein Lobster sterben, wir haben schon gebrotzeitet.

Geht man durch Roy Moore’s Fish Market durch, dann kommt man an diesem bunten Ort raus. Dort stehen Lobster Traps (also Hummerfallen, die gelben Körbe) bereit; die bunten Boyen markieren dann die Fallen auf See.

Vor Rockports Motif #1 lasse ich mich noch mit meinem Motif #1 ablichten.

Schließlich fahren wir noch einmal nach Gloucester zurück, wo wir am Rocky Neck die diversen Künstlergallerien abklappern und in der Werft einige historische Kutter bestaunen.

Auf dem Rückweg stoppen wir am Good Harbour Beach, wo wir in der tiefstehenden Nachmittagssonne einen letzten Strandspaziergang machen.

Da Wochenende ist, ist am Strand auch eine Menge los.

Den Meisten hier dürfte auch klar sein, dass das der letzte Strandtag des Jahres sein könnte.

Nach diesem Strandtag haben wir uns ein feines Abendessen verdient. Am nächsten Morgen lassen wir es gemütlich angehen, bevor wir in Rockport unsere Zelte abbrechen. Wir fahren rauf zum Halibut Point, wo wir rund um einen alten, stillgelegten Granitbruch wandern.

Wir laufen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, gehen runter an’s Meer und schauen in die Tide Pools (in denen wir aber maximal ein paar Muscheln vorfinden) und um Punkt halb zwölf beschließen wir, dass es jetzt Zeit für eine weitere Mahlzeit ist. Da kommt der Lobster Shack „The Lobster Pool“ gerade Recht.

Wir entscheiden uns mal wieder für die gut gefüllte Lobster Roll. Mit Aussicht.

Den zweiten Stopp für heute legen wir am Castle Hill am Crane Estate ein. Hier hat sich der Wasserhahn- und Kloschüsselfabrikant Crane in den 1920er Jahren ein Schloss nach britischem Vorbild gebaut.

Das Schloss liegt oben auf einem Hügel auf einer Halbinsel mit kilometerweitem Sandstrand, die komplett zum Anwesen gehörte. Vom Schloss zieht sich ein Rasenteppich, das Lawn, in einer in den Wald geschlagenen Schneise bis zum Meer vor.

Wie lang dieser Lawn ist, das sieht man daran, wie klitzeklein die Menschen ganz weit vorne schon sind.

Da es super warm ist, wandern wir zum Strand hinunter und nehme ein ausgedehntes Fußbad.

Dieser Teil des Strandes ist ruhig und fast leer, während der Strand weiter vorne breiter wird und dort von Tausenden Wochenendgästen bevölkert ist – denn da ist auch der große Parkplatz. Weit vom Parkplatz wegbewegen, das ist nun nicht jedermann sein Ding. Unseres halt schon.

Einen schweißtreibenden Aufstieg zurück zum Castle Hill später verabschieden wir uns mit einer Limonade im Schatten von Cape Ann. Es war sehr schön hier. Nun aber auf landeinwärts, auf in die Berkshires!

Über Gloucester nach Rockport

Den Hexen von Salem haben wir den Rücken gekehrt. Es geht weiter die Küste rauf nach Norden.

In der Fischerei-Metropole Gloucester erwartet uns ein beeindruckendes Stück Geschichte: Am Seefahrer-Denkmal wird denen gedacht, die hier in den letzten Jahrhunderten auf die See hinausgefahren und nie wieder zurückgekehrt sind.

In Gloucester, so sagt man, hat fast jede Familie mindestens ein Mitglied an die See verloren. Na gut, das werden ein paar Dutzend sein, denkt man dann, doch tatsächlich sind hier über 10.000 Seefahrer nicht zurückgekehrt. Rund die Hälfte sind jahresweise namentlich auf den Tafeln am Denkmal genannt. Einige Jahre ziehen sich über mehrere Spalten hinweg.

Fast 1000 Schiffe sind gesunken, am schlimmsten waren die großen Stürme 1862 und 1879, bei denen 120 bzw. 159 Seefahrer nicht zurückkehrten.

An einem ruhigen Tag wie heute ist das kaum vorstellbar. Ein Stück weiter gibt es auch noch ein weiteres Denkmal, das für die zurückgebliebenen Witwen und deren Kinder.

Wir gehen in dem kleinen Fischerort einen Kaffee trinken. Das Logo des lokalen Zahnarztes will unbedingt festgehalten werden:

In mehreren Häfen liegen Fischerboote, und auch ganz viele Boote von Hummerfischern. Den Hummer bekommt man an Imbisbuden auf dem Pier dann so frisch zubereitet, wie nirgendwo sonst. Stets zum Tagespreis, der aktuell bei etwa $20 für einen mittelgroßen Lobster liegt.

Kurz vor der Dämmerung erreichen wir Rockport, einen weiteren kleinen Hafen, wo wir die nächsten beiden Nächte bleiben wollen.

Da bei Roy Moore’s Lobster-Restaurant die Warteliste lang ist, gehen wir gegenüber zum Blue Lobster und genießen eine leckere Lobster Roll.

Bevor es ins Bett geht, vertreten wir uns noch kurz am Bearskin Neck die Beine. Hier stehen Dutzende kleine Hütten mit winzigen Läden drin, vom Souvenirladen über Kunstgallerien bis zum Fischgeschäft. Das müssen wir uns morgen bei Tag noch genauer ansehen.

Aber jetzt, in der Nacht, so ganz ohne Menschen, hat es auch seinen Reiz.

Zu den Hexen nach Salem

Nach unserem revolutionären Besuch in Bosten checken wir heute aus dem Hotel aus und starten unseren Road Trip. Huzzah!

Wir verlassen Boston in Richtung Norden und unser erster Halt ist in Salem.

Salem war einst der größte Seehafen Nordamerikas und durch das Customs House, das Zollamt am Hafen, liefen alle Güter aus Europa, Asien, Südamerika und Indien.

Gehandelt wurde schon damals mit allem, was denkbar war, vom Fass Wein bis zum Regenschirm…

… vom Tee bis zum Teeservice.

Ein Rundgang durch Salem führt uns zum Hexenmuseum gegenüber des Commons. Das Hexenmuseum sparen wir uns, aber die Hexengeschichten sind in Salem allgegenwärtig. Hunderte wurden hier als Hexen oder Hexer gemeuchelt.

Das Prinzip war wie gehabt: Nachbar hat grüneren Rasen als man selbst. Nachbar muss verhext sein. Nachbar wird gehängt. Aus purer Gütigkeit kauft man Nachbars Haus für ein paar Gulden.

Das ganze lief prächtig, bis schließlich auch die Frau des Gouverneurs des Hexendaseins verdächtigt wurde. Da schob dieser dem Treiben einen Riegel vor, brach alle Hexenprozesse ab, strich die zugehörigen Gesetze und ließ alle Verdächtigen frei.

Der Herr auf dem Foto ist aber weder der Gouverneur, noch eine Hexe, sondern der Stadtgründer Salems.

Schöne Häuser gibt es in Salem, so wie überall in Neuengland.

Wetter passt auch.

Auch weitere Hexenmuseen lassen wir aus.

Stattdessen laufen wir zu „Ye Olde Pepper Candy Company“, angeblich Amerikas ältestem Süßigkeitenladen, wo wir uns mit „Reiseproviant“ eindecken.

Wir lassen die Hexen in Salem zurück, und fahren weiter die Küste hinauf.