Nicht der Süden

„Irgendwo hin, wo es warm ist.“ hatte Simone gesagt.

„Im Juni sind die Tage so schön lang.“

Den Wink mit den langen Tagen hatte ich natürlich verstanden.

Sie wollte gar nicht in die Südsee!

Sie wollte in heißen Quellen baden!

Also buchte ich Island…

Und da sind wir nun.

Angekommen in Reykjavik blicken wir zuerst in viele traurige Vikingeraugen. Noch während unseres Anfluges hatte Island 2:0 gegen Nigeria verloren. Wir können also nichts dafür, sind aber trotzdem mit den Isländern traurig. So ist es heute abend in der Stadt wohl doch etwas ruhiger, als erhofft.

Aber trotzdem ist es recht lebendig. Wir erforschen nach unserer Ankunft direkt das Zentrum der Hauptstadt und gehen im Hafen in einem tollen Lokal unseren ersten Island-Fisch essen. Tolle Lokale gibt es in Reykjavik auf jeden Fall genug. Leider werden wir in den drei Tagen, die wir hier sind nicht alle ausprobieren können.

Tags drauf starten wir zeitig. Am Vormittag wollen wir Pingvellir besichtigen, die 1000 Jahre alte Wiege der isländischen Demokratie. Erster Anlaufpunkt eines jeden Touristenbusses auf der Insel (wirklich!). Aber auch perfekt für einen ersten Island-Vormittag. Insbesondere heute: Gleich bei unserer ersten Wanderung werden wir die Gelegenheit bekommen, unsere Kleidung mal gründlich auf Wasserdichtigkeit zu überprüfen!

Bei unserer Ankunft ist es nur ein leichtes Nieseln aus dem Nebel, mit dem wir gut klar kommen. Das Pingvellir-Gebiet ist Nationalpark und Weltkulturerbe. Hier trafen sich schon vor 1000 Jahren die Ältesten zum Inselparlament.

Direkt an der Grenze zwischen Eurasischer und Amerikanischer Platte haben Vulkane hohe Mauern und tiefe Gräben geschaffen. Durch die wandern wir nun (leider nicht immer allein) hindurch.

Beim Fahnenmast im oberen Bild wurden früher die Gesetze verlesen, heute brüten dort Wildgänse.

Der Nieselregen nimmt langsam zu, aber die Jacke hält.

Wir erreichen unseren ersten Wasserfall. Wir ahnen aber schon, dass wir später noch darüber schmunzeln werden, diese Miniatur-Kaskade überhaupt fotografiert zu haben.

Auf Tafeln entlang des Flusses wird der guten alten Zeit gedacht, als Betrüger noch geköpft und Ehebrecherinnen hier ertränkt wurden. Ganz allgemein erstaunt es, dass es überhaupt noch Isländerinnen gibt, da doch die eine oder andere isländische Saga mit dem Ertränken der Protagonistin endet.

Einen Wasserfall später werde ich zunächst verpflichtet, eine Großfamilie zu fotografieren, die sich vorher im Woll-Outlet adrett mit Isländerpullis ausgestattet hat.

Der Wasserfall wurde seinerzeit übrigens künstlich angelegt, um Wasser zum Versammlungsplatz am Pingvellir zu führen, und stellt heute quasi Islands ältestes Bauwerk dar.

Am oberen Wasserfall haben wir die Horden an Bus-Touristen schon längst hinter uns gelassen. Praktisch allein geht es weiter die Schlucht hinauf.

Dann marschieren wir hinab in’s Tal und entscheiden uns für einen längeren Wanderweg durch Moos und Lava. Nach einem kurzen Duscher (die Jacke hält) hat es zwischenzeitlich sogar aufgehört zu regnen.

Aus der Ferne, von einer Erhöhung auf der früher mal ein Hof stand, blicken wir zurück zum Wasserfall.

Der Weg hierher war schön breit, auf bei jedem Schritt knirschenden Lavakieseln, und fast ohne Regen.

Der Weg zurück ist dann das Gegenteil: Ein enger Pfad, wir versinken im Schlamm, und stetig nimmt der Regen zu. Die Jacke? Gibt langsam auf. Wir? Geben nicht so schnell auf.

Zurück am Auto legen wir uns erstmal trocken, und treten die Rückfahrt in die Stadt an.

In Reykjavik angekommen gehen wir direkt eine heiße, scharfe Cocosmilchnudelsuppe essen.

Danach noch ein Rundgang durch die Stadt, kurzer Besuch der bekannten Betonkirche, dem Wahrzeichen Reykjaviks, längerer Besuch mehrerer Läden (warm! trocken!), ertragreicher Besuch einer Bäckerei und letzter wärmender Besuch eines Cafes.

Dann heiße Dusche und 2:1 Deutschland – Schweden. Abschließender Spaziergang durch die Stadt, müdes In-die-Betten-Fallenlassen nach Dekoration des Zimmers mit zu trocknender Kleidung. Mal sehen, wie morgen das Wetter wird. Angesagt ist: wie heute.

Ist halt: Nicht der Süden.

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