Wildlife

Ein neuer Tag, ein neues Wetter. Gestern waren wir kurz im tiefsten Winter. Heute nach Frühnebel wolkenlos und 18 Grad! Das gilt es natürlich auszunutzen – wir haben uns ein paar kleine Wanderungen vorgenommen.

Gleich am Ortsausgang ein von früheren Reisen bekanntes Bild: Wenn ohne jeden sichtbaren Grund links und rechts Autos mit Warnblinker am Straßenrand stehen, dann gibt es meist Tiere zu gucken. Eine ganze Herde Wapiti wird gerade von einem Ranger durch den Wald und weg vom Highway getrieben, von denen sehen wir nur noch die Hinterteile. Doch ein paar hundert Meter später – wieder Autos mit Warnblinker an der Straße – sitzt ein Grüppchen ganz entspannt im Wald direkt neben dem Highway.

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Ein verheißungsvoller Start für den Tag war das. Wir beginnen gut motiviert unsere erste Wanderung zum Maligne Canyon. Ein bis zu vierzig Meter tiefer Schlitz im Boden, der oben manchmal nur einen Meter breit ist, und in dem unten der Maligne River in Kaskaden zu Tal strömt. Von mehreren Brücken aus gibt es einen super Blick in den Canyon und auf Wasserfälle aller Größen. Hier an der Bridge No. 3:

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Der bestimmt 20 Meter hohe Wasserfall an der Bridge No. 1 war der Beste.

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Weiter geht’s talaufwärts zum Medicine Lake. Der Medicine Lake ist ein stattlicher See unterhalb des Maligne Lake, mit diesem verbunden über den Maligne River. Einziges Problem: Immer im Herbst lässt sich der See mal selber ab und verliert ganze 20 Meter Höhe, bis er fast komplett verschwunden ist. Der Grund: Obwohl der Medicine Lake meist über gar keinen oberflächlichen Abfluss verfügt, versickert sein Wasser durch viele Karsthöhlen und tritt erst 17 km entfernt wieder zu Tage. Und zum Sommerende hin ist der Zufluss so viel geringer als der Abfluss durch diese Spalten und Höhlen, dass der See einfach leer läuft.

Die Ureinwohner fanden das so unheimlich, dass sie sich sicher waren, dass hier Zauberei am Werk war, daher der Name Medicine Lake. Eine Zeit lang hat man versucht, das Abfließen des Sees zu verhindern (da ein leerer See den frühen Touristen nicht zugemutet werden sollte), indem man Matratzen und Zeitungen in die Abflüsse steckte. Bei einem See diesen Ausmaßes halte ich es für etwas naiv zu glauben, das könnte funktionieren… Hat es auch nicht. Dafür wurde die Gegend aufgrund des einmaligen Karst-Systems später von der UN zum Welterbe erklärt.

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In Geröll und kleinen Felsspalten fühlt sich übrigens unser hiesiges Lieblingstier sehr wohl: Der Peeka. Auf deutsch heißt der kleine Kerl „Pfeifhase“ wegen seines typischen Rufs: „peek“. Leider ist er recht scheu und unglaublich hektisch. In der Regel hab ich noch nicht mal die Kamera gezogen, dann ist er schon weg. Also, viel Spaß beim Suchen:

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Hier der Ausschnitt in der Vergrößerung. Leider hat der kleine Mann in der Perspektive die Ohren ziemlich angelegt – das typische am Peeka sind nämlich seine lustigen runden Ohren. Will man den Peeka entdecken, muss man übrigens nur auf seinen Ruf warten. Hat man ihn dann mal gehört, lässt er sich mit etwas Glück auch zwischen den Steinbrocken verorten.

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Wir fahren weiter entlang des Medicine Lake, bis wir schon wieder gestoppt werden. Diesmal sind es zwei Bighorn Sheep, die schöööön laaaangsam auf dem Mittelstrich die Straße entlangwandeln.

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Bei jedem Auto halten sie kurz an, schauen zum Fenster rein – nein, wir geben nichts – dann wird noch etwa an den Reifen geschleckt (Streusalzreste sind immer lecker. Bei mir kommt – leider – auch noch etwas überfahrenes Chipmunk dazu) und die Wegelagerer machen weiter zum nächsten Wagen.

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Eine unglaubliche Begegnung!

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Kurz vor dem Maligne Lake am Talende stoppen wir erneut, leider sind wir diesmal aber zu spät. Ein Moose war gerade zu sehen, erfahren wir, es ist aber schon weitergezogen. Moose haben wir schon auf früheren Reisen gesehen, allerdings immer nur Kühe, nie Männchen mit Geweih. Das wäre doch zu schön gewesen. Wir geben aber nicht auf.

Sehen wir uns einfach den riesigen Moose-Kopf an der Wand des Visitor Centers am Maligne Lake an.

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Nach einem schönen Picknick mit Blick auf den See (der 22 km lang ins Tal hineingeht, aber nur per Boot erkundet werden kann), machen wir hier noch eine kurze Wanderung – Warnschilder zeigen an, dass man die Moose in Ruhe lassen soll, wir sehen aber heute leider weiterhin keins.

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Das historische Bootshaus am See ist sehr fotogen. Wir wundern uns über einen Kanadier, der vom Ufer aus immer „other way around“ brüllt. Bis wir drei Asiaten sehen, die sich ein Ruderboot gemietet haben. Er rudert, die Damen lassen sich rudern. Klappt nur nicht so ganz. Der Chauffeur hat sich halt ins Boot gesetzt, wie beim Auto. So, dass man in Fahrrichtung schaut. Und da fällt das Rudern dann schwer…

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Nun denn, wir drehen unsere Runde und fahren zurück nach Jasper, immer die Umgebung im Blick, stets in der Hoffnung auf die eine oder andere Wildlife Sighting. Doch erst zurück am Highway werden wir noch einmal fündig. Das alte Spiel: Autos mit Warnblinker am Straßenrand? Hin! Fragen oder gucken, wohin alle gucken. Diesmal nach oben. Ein ganzes Rudel Gämsen sucht auf den Felsen über dem Highway nach Essbarem. Und bringt unten den Verkehr zum Erliegen.

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Mit den Gämsen hatten wir nun nicht mehr gerechnet. Das war jetzt schon zu viel des Guten. Und doch, keine hundert Meter weiter halten wir schon wieder an: Ein riesiger Wapiti-Hirsch (die hier „Elk“ genannt werden, und mit denen wir ja letztes Jahr schon innige Bekanntschaft schließen durften) zeigt sein Geweih und röhrt sich einen. Angeber.

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Also was Tiersichtungen angeht, war der Tag ein Erfolg. Und der Abend ist noch dazu so mild, man kann sogar mit nur zwei Jacken übereinander rausgehen! Was will man mehr, wir sind glücklich.

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