Fairbanks

Tja, Fairbanks. Vielleicht lag es daran, dass die Hauptstraße gerade umgegraben wird, aber wir konnten uns mit der Stadt nicht recht anfreunden. Im Zentrum gibt es eigentlich nichts, außer ein paar hundert Meter hübschem Spazierweg am Fluss und einem sehr schön gestalteten Besucherzentrum. Immerhin haben wir einen spitzenmäßigen Coffee Shop gefunden, zu dem man aber drei Meilen mit dem Auto fahren musste.

In Ermangelung von Alternativen – und weil wir heute mal keine weiteren Strecken fahren wollten – klappern wir nach einem ernüchternden Rundgang durch Downtown also erstmal die Museen ab. Das Besucherzentrum, wie gesagt, ganz prima. Dann das Eismuseum: In Fairbanks findet im Winter ein überregionaler Ice Carving Contest statt, bei dem riesige, aufwändigste Skulpturen aus dem Eis gearbeitet werden. Im Eismuseum, das in einem alten Theater untergebracht ist, wird zuerst eine Diashow von dieser Veranstaltung vorgeführt. Soweit, so gut. Allerdings höchstens zehn Grad warm hier drin.

Dann geht das Licht an – ach, was sage ich – die Lichter gehen an (nämlich in allen bunten Farben) und in tiefgekühlten Glaskästen rund um das Theater werden ein halbes Dutzend verschmolzene Eisklötze sichtbar, die möglicherweise am Anfang der Saison mal Bären, Hunde und Elche dargestellt haben. Wir dürfen nun zwanzig Minuten lang in den Kühlschrank reingehen und überall unsere Köpfe durch die vorgesehen Löcher im bunt strahlenden Eis durchstecken und entsprechende Fotos machen. Nach fünf Minuten haben wir die Sache abgehakt und warten auf den nächsten Programmpunkt: Andy zeigt uns wie Eisskulpturen hergestellt werden.

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Kurz zusammengefasst: Andy nimmt Bohrmaschine, Andy macht zwei Minuten brumm brumm, Andy verbeugt sich, Andy ist fertig. Andy nimmt Trinkgeld entgegen. Was für ein Bullshit.

Gut, Eismuseum war nix außer kalt, wir gehen zum Auftauen in die Sonne. Am Creamers Field – einem Feld, das heute ein Vogelschutzgebiet ist – machen Kanadagänse Rast auf dem Weg in den Süden. Am Abend sieht man sie dann gruppenweise starten und im Formationsflug ihre Reise antreten.

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Dann entscheiden wir uns eine dreistündige Flusskreuzfahrt auf einem riesigen, vierstöckigen Schaufelraddampfer, der MS Discovery III, auf dem Chena River zu machen. Mindestens zwölf Touristenbusse wurden schon im Gift Shop abgeladen und warten aufs Boarding – wir lassen uns davon aber nicht abhalten, da müssen wir jetzt durch.

Die Fahrt ist perfekt gemachtes amerikanisches Entertainment – aber trotzdem ziemlich interessant. Gleich als ersten Programmpunkt startet und landet neben uns ein Wasserflugzeug, und der Pilot wird per Funk auf die Lautsprecher an Bord der MS Discovery durchgeschaltet. Da essen wir gerade unsere mitgebrachten Wraps, so schnell hat der Pilot schon wieder abgehoben und fliegt davon.

Wir schippern nun den Fluss entlang, vorbei an traumhaften Villen und kleinen Blockhäusern in allerbester Wohnlage.

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Einen Stopp machen wir bei den Schlittenhunden von Susan Butcher, der einzigen Frau, die vier mal das Iditarod Schlittenhunderennen gewonnen hat. Susan ist leider schon verstorben, aber ihr Mann David ist ebenfalls Musher, also Schlittenhundeführer, und zeigt uns vom Ufer aus seine Hunde. Bei dem wilden Gekläffe ist er kaum zu verstehen – die Hunde mit Gespann vor ihm sind schon wie verrückt am ziehen, und alle Hunde, die hinten im Kennel verblieben sind, machen einen genauso großen Lärm, weil sie eben auch gerne eine Runde rennen würden. Letztlich springt David auf das Wägelchen mit den dicken Reifen, dem Schlittenersatz für den Sommer, und das ganze Gespann saust wie ein Pfeil davon. Eine Weile später sind alle wieder da und die Hunde dürfen sofort zur Abkühlung in den Fluss.

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Dass Butcher’s Kennel direkt am Fluss liegt ist für uns auf dem Boot natürlich sehr praktisch, hat aber einen anderen Grund: Im Winter ist der Chena River ja zugefroren und so kann man mit dem Schlitten direkt auf dem Fluss zu Rundfahrten starten.

Nächster Halt unserer Kreuzfahrt ist ein rekonstruiertes Indianerdorf. Hier läuft ein Fischrad, das zur Zeit des Lachsauftriebs den Salmon im Akkord aus dem Fluss fischt. Nur die Nachfahren der Ureinwohner dürfen heute auf diese Weise fischen.

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Dann fahren wir an einer Gruppe Rentiere vorbei, die extra für uns in ein Gehege am Ufer gelassen werden. Wir lernen, dass Rentiere domestizierte Caribou sind!

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Am Zusammenfluss des Chena River mit dem Tanana River drehen wir schließlich um.

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Ashley führt uns jetzt vor, wie ihre Vorfahren – sie hat auch einen Namen auf eskimonisch, aber den konnte ich mir nicht merken – den Lachs filetierten und erst zum Trocknen an die Luft, dann im Smoke House zum Räuchern aufhängten.

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Wir werden danach zum Bummel in das Museumsdorf entlassen, wo Ashley uns noch eine reich geschmückte Eskimotracht vorführt.

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Pelze von Wolf, Kojote, Wolverine (Vielfraß, letztes Jahr in Kanada eines gesehen!), Rot- bis Polarfuchs und oben links vom Bieber, sowie rechts vom Hermelin bekommen wir erklärt.

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Auch ein paar Schlittenhunde wohnen hier. Choofa ist etwas müde.

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Und er hier wirkt etwas betrunken.

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Der Lachs in der Räucherkammer hält die Hunde über den Winter satt.

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Nach dem kurzen Besuch auf der Insel legt unser Dampfer wieder ab. Das war alles perfekt durchgetaktet – aber letztlich auch ziemlich interessant.

Mehr hat Fairbanks heute nicht mehr für uns zu bieten. Achso, doch: Wir haben ganz lecker Fisch gegessen in Lavelle’s Bistro… Danach noch ein Spaziergang am Fluss und ab ins Bett! Morgen wollen wir wieder früh los…

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